09
Dez 2007

"Metropolis"-Remake mit Zank-Garantie

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

SPIEGEL-ArtikelIn der Branche wurde schon länger darüber gemunkelt, der SPIEGEL bringt es nun in die Öffentlichkeit: Produzent Thomas Schühly plant ein Remake von Fritz Langs "Metropolis".

Ja, in dem letzten Satz fehlte das fast zwingende "von Fritz Langs Klassiker 'Metropolis'."

Remakes sind ein zweischneidiges Schwert, und auch bei "Metropolis" ist zu erwarten, dass Cineasten und Feuilletonisten (und deren Schnittmenge) in kollektives Wehklagen ausbrechen werden. Besonders beliebt sind dann "Argumente" wie:

– "Das Original ist ein Kulturgut, daran vergreift man sich nicht"
– "Das KANN ja nix werden!"
– "Haben wir aus der Moroder-Fassung nichts gelernt?"
– "Untergang des Abendlands!"

Ich selbst habe mit Remakes keine wirklich guten Erfahrungen gemacht: Der TV-Zweiteiler "Ring der Nibelungen" (wieder Lang!) wurde nicht ansatzweise so bildgewaltig, wie ich es als Entwickler erhofft hatte, und "Der Wüstenplanet" krankte an übereilter, studiogebundener Produktion.

Es gibt aber auch immer wieder positive Beispiele: Jacksons "King Kong" ist (von Längen im Mittelteil abgesehen) ein großartiges Werk, und auch die Neuverfilmung von "I am Legend" übertrifft beide Vorgänger in praktisch jeder Beziehung (längerer Review folgt dieser Tage).

Ich halte ein Remake von "Metropolis" für legitim. Mehr noch: Seit Jahren hatte ich selbst darüber nachgedacht, mich als Autor ins Spiel zu bringen. Denn "Metropolis" gibt die wichtigste Legitimation für ein Remake selbst: Es ist ein zutiefst fehlerhafter und naiver Film, der durch eine erneute Interpretation viel gewinnen könnte.

"Citizen Kane" ist als in sich geschlossenes Produkt ebenso perfekt wie "12 Uhr mittags". "Vom Winde verweht" kann als Remake nur ebenso scheitern wie "Casablanca". Es gibt keinen Grund, "Der Pate" nochmal aufzulegen, oder "Taxi Driver". Was könnte ein Remake an "Psycho" noch verbessern (die Antwort "nichts, aber auch gar nichts" hat Gus van Sant ja gegeben)?

Aber "Metropolis" ist nicht perfekt. Als Stummfilm fehlt ihm eine ganz wichtige Ebene, um heute noch zu funktionieren: der Ton. Die Geräusche der Mega-Stadt, das Stampfen der Maschinen, die betörende Ruhe in der Welt der Reichen – all das fehlte bisher. Mit dem Stummfilm kommt auch die Darstellung des Stummfilms: überzogen, theatral, nach heutigem Maßstab fast lächerlich. Die Effekte, so perfekt sie für ihre Zeit waren, schafften nur selten den glaubwürdigen Sprung aus den Modellen in die Sets. Es fehlte die Möglichkeit, den Kontext zu visualisieren – ist Metropolis der einzige (im wahrsten Sinne) Stadtstaat? Ist die ganze Welt eine Ansammlung isolierter Gemeinschaften mit striktem Kastensystem?

Und dann ist da noch der größte Haken am Film: Thea von Harbous armselig simples und zum Ende hin auch verlogenes Drehbuch. Ich winde mich jedes Mal, wenn im Finale die "Arbeiter der Stirn" und die "Arbeiter der Faust" (um mal in der Nazi-Terminologie zu bleiben) sich die Hand reichen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Mechanik der Story sehr aufgesetzt wirkt – als bräuchte es in einer Welt wie "Metropolis" einen als Arbeiterführer getarnten Roboter, um einen Aufstand zu provozieren…

Daraus ergibt sich in meinen Augen, dass "Metropolis" als Stoff nicht sakrosankt ist. Ich gehe einen Schritt weiter: Es würde mich freuen, wenn der neue Autor die Geschichte nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich vom Kopf auf die Füße stellt. Denn aktuell ist "Metropolis" allemal. Im Zeitalter der Globalisierierung, wenn die Schere zwischen reich und arm sich doch wieder öffnet, wenn Heerscharen unsichtbarer Malocher die Systeme am Laufen halten, hat "Metropolis" wieder etwas zu sagen. Die Zukunft der Arbeit, die Zukunft des kapitalistischen Systems, die Möglichkeiten zur Überwindung gesellschaftlicher Grenzen – passt wunderbar. Von den Fortschritten in der Robotik und dem Aufstieg der NGOs wie Atac mal ganz abgesehen. Wer wissen will, wie Metropolis aussieht, sollte sich mal über die Pläne für die neuen Superstädte der Ölscheichs informieren.

Ein mit Schwächen behafteter alter Film, dessen Thema wieder brandaktuell ist – "Metropolis" schreit nach einem Remake.

Glaube ich, dass das Remake etwas taugen wird? Himmel nein! Gerade bei Neuverfilmungen scheinen die Macher ausschließlich nach marktwirtschaftlichen Prinzipien vorzugehen. So etwas wie "Visionen" gelten dort als lästig. Und eine Vision würde es für einen "Metropolis", der die nächsten 80 Jahre wegweisend ist, dann doch brauchen…

Random Thoughts:

– Ja, ich weiß, dass es ein Anime-Remake zur Jahrtausendwende gab, das gar nicht mal schlecht war
– "Dark City", "Blade Runner", "Brazil" und sogar "Matrix" sind legitime Kinder von"Metropolis", die sich teilweise tatsächlich auch an einer Neuinterpretation der Inhalte versuchen
– Die Luxus-DVD-Fassung von "Metropolis" sollte für jeden Fan Pflicht sein – schöner wurde ein Stummfilm-Meilenstein kaum je präsentiert
– Terry Gilliam (mit dem Schühly schon am mißglückten "Münchhausen" arbeitete) wäre für mich der perfekte Regisseur



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Tornhill
9. Dezember, 2007 13:34

Jawollja! Ein "Metropolis"-Remake würde mir auch gefallen. Ungeachtet, dass mich das Original trotz einiger toller Bilder nicht wirklich packen konnte (ich weiß, dass ich mich zu Tode schämen sollte, aber ich mochte die gekürzte Moroder-Fassung lieber) bietet es wirklich genug Stoff, sich ihm noch einmal zuzuwenden.
Den aufgeführten Gründen, warum ein Remake zulässig wäre stimme ich auch zu, möchte aber noch hinzufügen, dass die Welt auch gerne mal einen unverkleideten "Mariabot" in Aktion zu sehen verdient – so toll die Effekte damals auch waren, es war schon schade, dass sie sich nicht bewegt hat. 😉

Ebenso teile ich allerdings den Pessimismus ob des Gelingens: Meine größte Sorge wäre, dass die Macher übervorsichtig versuchen, lieber irgendwas über die Nazis reinzupfriemeln (um dem ansonsten unvermeidlichen "Faschismus!"-Reflex diverser Feullitonisten zu entgehen), statt sich den anbietenden und aktuellen Themen zu widmen.

Wortvogel
Wortvogel
9. Dezember, 2007 13:40

Ich sehe das auch so – gerade beim "Ring der Nibelungen" war ich enttäuscht, dass man jegliche "germanische Urgewalt" eliminiert hat, nur um ja nicht in den Verdacht des Neofaschismus zu geraten. Darum war Siegfried vermutlich auch nicht blond 😉

Tornhill
9. Dezember, 2007 14:13

Als besonders trauriges Beispiel sah ich da übrigens auch Moritz Rinkes (eigentlich gar nicht schlechtes) "Nibelungen"-Theaterstück.
Nachdem mir beim Lesen des Vorworts fast der Kopf vor lauter Nicken abfiel, als er erläuterte, er wolle die Sage von den Zwängen sowohl der Nazis, als auch Wagners befreien, fühlte ich mich doch etwas veralbert, als das Stück selber dann immer wieder Einschübe macht, in denen über "DIE DEUTSCHEN" philosophiert wird und betont wird, dass Siegfried eigentlich Holländer ist… Mit anderen Worten: Es war stärker von besagten Zwängen gekennzeichnet, als sonst eine Fassung.
Ironischer Höhepunkt war, dass man dann bei der Erstinszenierung auch keinen blondgelockten Siegfried brachte, sondern einen kahlrasierten…damit waren natürlich die letzten Nazi-Assoziationen beseitigt.

Wortvogel
Wortvogel
9. Dezember, 2007 14:22

Ebend. Es ist an der Zeit, das Germanische wieder aus den Klauen der Nazis zu holen. Die habe kein Anrecht auf alles, was in unserer Geschichte stark und schön war. Meine These war ja auch immer, dass wir nur deswegen keine Superhelden-Kultur haben, weil der "Supermensch" hierzulande immer auch gleich den Beigeschmack des faschistoiden "Übermenschen" hat.

gast 1204943983
gast 1204943983
9. Dezember, 2007 18:38

Ironischer Höhepunkt war, dass man dann bei der Erstinszenierung auch keinen blondgelockten Siegfried brachte, sondern einen kahlrasierten…damit waren natürlich die letzten Nazi-Assoziationen beseitigt.
———————–

Glatzenträger sind heute doch weit eher Nazi-assoziiert als blonde Männer. Stichwort: Skinhead.

Wortvogel
Wortvogel
9. Dezember, 2007 18:55

Ich denke mal, so hat sich der Tornhill das auch gedacht. Stichwort: Ironie. 🙂

Chris
9. Dezember, 2007 19:38

Ein Remake von Metropolis… warum eigentlich nicht? Ich verehre diesen Film schon seit langer Zeit und sehe ihn mir alle paar Monate mal wieder an. Hoffentlich werden die Macher einen gewissen «Retro-Look» wie bei Sky Captain and the World of Tomorrow benutzen und nicht alles ins Hypermoderne umsetzen!

Wortvogel
Wortvogel
9. Dezember, 2007 20:01

@ Chris: Um Gotteswillen, bloss kein retro! Das Original war damals schließlich auch nicht retro! Es soll ja die Geschichte HEUTE erzählen, und nicht als nostalgischer Rückblick auf irgendwas. Wie gut der Retro-Kram geklappt hat, haben wir ja an den satten 57 Millionen Dollar gesehen, die "Sky Captain" weltweit eingespielt hat. Nein, es sollte schon ein "Metropolis" dieser Generation sein…

deflow
10. Dezember, 2007 01:11

Definitely a good idea.

Man bräuchte jetzt nur noch einen fähigen, von dem Stoff besessenen Regisseur und es könnte was werden (a la Peter Jackson und King Kong).

Und bitte bitte nicht Roland Emmerich. 😉

Lindwurm
10. Dezember, 2007 03:35

Ach, das soll eine deutsche Produktion werden? Soll ich jetzt eine Liste posten, warum das nix werden wird? Oder wisst ihr das ja alle mittlerweile selbst?

In Deutschland können solche Stoffe nie was werden. Warum? Weil das Land, um das offensichtlichste Beispiel zu nennen, nicht in der Lage wäre, einen Film wie Verhoevens "Black Book" – umgemüntzt auf deutsche Verhältnisse – zu verkraften. Deshalb gibt es in Deutschland auch keine guten Wagner-Inzenierungen, weil der Antifaschismus hier so wenig Selbstbewusstsein hat, dass er stets aggressiv und plakativ daherstolzieren muss, um seine Schwäche zu verbergen. Und auf der anderen Seite des ideologischen und auch geographischen Spektrums lauert eine noch viel weniger aufgearbeitete Affinität zum Kollektivismus kommunistischer Prägung. Und als wäre das nicht Last genug, gibt es auch noch die Immer-noch-und-schon.wieder-Nazis mit freundlicher Unterstützung der deutschen Industrie. Eine Neuverfilmung von Mfuryetropolis dürfte also in der Tat eine dermaßen herausfordernde Aufgabe sein, dass sie in Germany scheitern MUSS.

Mencken
Mencken
10. Dezember, 2007 09:18

Mir eigentlich ziemlich egal, ob es ein Remake gibt, gehe aber auch eher von einem zu erwartenden Flop aus.
King Kong würde ich zwar eher als abschreckendes Beispiel sehen, stimme grundsätzlich aber zu, daß Remakes durchaus ihre Berechtigung haben können, selbst wenn das Original keine größeren Fehler aufweist (etwa Carpenters The Thing, Hitchcocks Man who knew too much,…). bedenklich finde ich aber das Argument, der fehlende Ton wäre bereits ein Remakegrund, insbesondere, wenn man dann zugleich Taxi Driver, den Paten, 12 Uhr Mittags, usw. als Beispiele für perfekte Filme anführt. Sollte die Technik weiter voranschreiten, wären diese Filme zunächst mal in ein paar Jahren (oder Jahrzehnten) vermutlich ebenso veraltet, wie uns der Stummfilm heute erscheint und damit "remakereif", was für mich dann aber Perfektion ausschließt. Selbst beim derzeitigen Stand der Technik könnte man entsprechende Argumente meines Erachtens auch schon aufbauen – Citizen Kane ist kein Farbfilm, bei 12 Uhr Mittags sehen die Farben komisch aus und man sieht kein Blut und keine Einschußlöcher (schlechte Effekte), der Pate lebt von Stereotypen, die in der heutigen Zeit keinen Platz mehr haben, usw. Ist natürlich alles Unsinn, aber der Vorwurf, Metropolis fehle der Ton fällt für mich auch in diese Kategorie.
Die Drehbuchschwächen sind da schon weitaus überzeugender, allerdings muß man auch hier sagen, daß zumindest teilweise gerade die Schwächen den (zeitgeschichtlichen) Reiz des Films ausmachen – Metropolis verkörpert wohl wie kein zweites Werk die Diskussion über die Technokratie, die ja gerade in Deutschland überaus wichtig war, und eine simple Übertragung auf heutige Diskussionen (Globalisierung, Robotik, etc.) ist zwar möglich und im Idealfall sogar interessant, aber keineswegs so einfach, wie man zunächst glauben mag.

Und abschliessend zu Lindwurms Beitrag: Ich verzweifle zwar auch immer wieder am deutschen Antifaschismus, aber das Black Book Beispiel ist Quatsch – gerade sowas würde in Deutschland sehr viel besser als in Holland verkraftet werden (ich würde sogar sagen, daß bereits "Das Boot" dies gezeigt hat), wo die Debatte um die eigenen Verhaltensweisen während des Zweiten Weltkriegs bis heute überhaupt noch nicht stattgefunden hat. Auch um Black Book gab es durchaus einigen Ärger und wenn Verhoeven nicht eine derartige Ausnahmestellung genießen würde, wäre der Film vermutlich auch noch wesentlich härter angegangen worden. Verhoeven hat ja u.a. selbst gesagt, daß er einen Thriller gedreht hat, weil eine Aufarbeitung außerhalb des Genre-Kinos auch heute noch gar nicht möglich gewesen wäre.

Wortvogel
Wortvogel
10. Dezember, 2007 11:19

@ Lindwurm – du tappst genau in die oben beschriebene Falle: a priori erstmal festhalten "Das KANN ja nichts geben". Mit der Einstellung wird das auch nie was. Es erinnert mich an die deutschen SF-Fans, die immer nölen, niemand würde deutsche SF drehen, jeden Versuch aber mit vorauseilender Ablehnung in Grund und Boden reden. Ich habe keine Probleme, mich über das Remake von "Metropolis" lustig zu machen – wenn ich tatsächlich was gesehen habe, dass mein Mißfallen rechtfertigt…

Außerdem ist mit Mario Kassar auch noch der Produzent der Terminator-Filme, Cliffhanger, und Stargate mit dabei…

@ Mencken: Du vermischt verschiedene Dinge (abgesehen davon, dass "12 Uhr mittags" schwarzweiß ist): Stummfilme sind einfach für ein heutiges Publikum nicht mehr goutierbar. Das ist nur noch was für Cineasten. Bei Tonfilmen trifft das nicht zu – kleinere Sender können durchaus noch "Casablanca" zur Primetime ausstrahlen. Bei Stummfilmen hat allein der Wegfall einer der beiden elementaren Ebenen des Films (Bild + Ton) für das schwindende Interesse gesorgt. Man hat ja nicht aus künstlerischen Gründen ohne Ton gedreht, sondern mangels Alternativen. Darum wurden auch viele erfolgreiche Stummfilme (Alraune, Ben Hur, Glöckner von Notre Dame, etc.) relativ fix nochmal als Tonfilm remaked. Mit dem Tonfilm erreichte das Kino die technische Perfektion, die bis heute dafür sorgt, dass z.B. "Duck Soup" immer noch lustig ist.

Echte Klassiker funktionieren auch heute noch, weil sie (selbst, wenn der historische Kontext sich geändert hat) dramaturgisch noch funktionieren. Daher ist es völlig irrelevant, ob "Der Pate" Stereotypen bedient – wir erkennen das, und akzeptieren es. Keiner verlangt Film "tagesaktuell" (außer George Lucas).

Warum du Remakes von "The Thing" und "The man who knew too much" gutheißt, erschließt sich mir nicht. Care to share?

Mencken
Mencken
10. Dezember, 2007 12:53

@ Wortvogel: "The Thing" und "The Man who knew too much" sind für mich einfach Beispiele für gelungene Remakes, bei denen bereits der Originalfilm gut war. Wollte damit bloß sagen, daß ich gegen Remakes grundsätzlich nichts einzuwenden habe und nicht einmal Fehler im Original für eine notwendige Voraussetzung halte, was mir im ursprünglichen Blogeintrag ein Argument (bzw. eine Voraussetzung) für ein Remake zu sein schien.

Zum Rest: 12 Uhr Mittags ist natürlich ein peinlicher Schnitzer und ich habe da in der Tat einiges durcheinandergeworfen, aber grundsätzlich denke ich schon, daß das Stummfilmargument zu simpel ist.
Ich bestreite nicht, daß Stummfilme für das (Massen-) Publikum heute nicht mehr goutierbar sind, behaupte aber, daß dies auch schon auf Filme wie "12 Uhr Mittags" zutrifft, bei denen dann eben andere zeitlich bedingte Limitationen (fehlende Farbe, Spezialeffekte, etc.) bemängelt werden und ich mir durchaus vorstellen kann, daß es letztendlich auch nur eine Frage der Zeit ist, bis dies auch für neuere Produktionen wie "Taxi Driver" oder "Der Pate" gilt (vielleicht setzt sich ja 3-D oder Smellovision doch noch durch). Wie genau die Zukunft aussehen wird, weiß ich natürlich auch nicht, aber ich könnte mir z.B. durchaus ein Szenario vorstellen, in dem in 20-30 Jahren nur noch interaktive Filme laufen und dem Publikum der klassische Film so veraltet vorkommt, wie uns heutzutage der Stummfilm.
Umgekehrt glaube ich, daß in der Antwort auf meinen ersten Post allerdings auch verschiedene Dinge vermischt werden – "Mit dem Tonfilm erreichte das Kino die technische Perfektion, die bis heute dafür sorgt, dass z.B. “Duck Soup” immer noch lustig ist." ist ja durchaus ein aus meiner Sicht richtiges Statement, aber ich glaube durchaus, daß es schon Stummfilme gab, die bereits einen Level von technischer Perfektion erreicht hatten, der sie auch heute noch funktionieren läßt (wobei ich dies ja auch nicht für Metropolis geltend mache).
Beides sind aber natürlich nicht nur subjektive Ansichten, sondern gehen meines Erachtens eben auch gleichermassen am Massengeschmack vorbei – "Duck Soup" ist (leider) heutzutage auch nur noch ein Film für Cineasten, genauso wie "Metropolis".

Im Grunde scheinen wir uns ja einig zu sein – "Echte Klassiker funktionieren auch heute noch, weil sie (selbst, wenn der historische Kontext sich geändert hat) dramaturgisch noch funktionieren."- ist eine Meinung, die ich ebenfalls vertrete, aber ich halte es eben für bedenklich, den Stummfilm hier aufgrund von derzeitigen Sehgewohnheiten auszunehmen, sofern dies Argument nicht explizit als nur auf die Gegenwart bezogen kenntlich gemacht wird (Ich möchte sogar behaupten, daß z.B. Buster Keaton heutzutage von der Mehrheit der Zuschauer als lustiger und moderner empfunden wird als die Marx Brothers).

Wortvogel
Wortvogel
10. Dezember, 2007 13:24

@ Mencken: Ich habe keine Probleme damit, wenn wir da anderer Meinung sind. Für mich sind Farbe und solche Sachen ein Stilmittel. Stummfilm war hingegen eine Krücke auf dem Weg zum (unvermeidlichen) Tonfilm. Sollte es in 30-40 Jahren mal den holographischen Film geben, wird es sicher tonnenweise Klassiker-Remakes geben. Aber selbst dann sehe ich die Popularität der Tonfilm-Klassiker nicht als gefährdet an – sie bedienen weiterhin Auge und Ohr, und was man dadurch gewinnt, dass man auch um ein Bild herumlatschen kann (3D!), soll mir erstmal einer zeigen.

Ich denke, die Kolorierungs-Orgie der 80er gibt mir hier Recht: Die Leute WOLLTEN Casablance weiterhin lieber schwarzweiß haben. Es war eine bewußte Entscheidung, den Klassiker trotz seiner technischen Rückständigkeit wie gehabt zu erhalten. Bei den Stummfilmen sehe ich das nicht.

Bei "The man who knew too much" und "The Thing" habe ich dich mißverstanden – würde aber widersprechen: "The Thing" war für mich erst als Remake perfekt (das Original ist doch teilweise deutlich zu albern, und auch keine "große Kunst"), und bei "The man…" hat ja der Original-Regisseur selbst zugeschlagen. Das spielt m.E. in einer anderen Liga.

Wie gesagt: es kommt darauf an, wie man zum Stummfilm steht. Ich kenne keinen Film, der durch Ton nicht gewonnen hätte, das gilt auch für "Caligari" oder "Birth of a nation". Die Comedy-Shorts etwa von Keaton spielen allerdings in einer anderen Liga: Sie waren spezifisch für das Medium entwickelt worden. Slapstick hätte es in dieser Form wahrscheinlich gar nicht gegeben, wenn von Anfang an gleich Tonfilm zur Verfügung gestanden hätte. Diese Symbiose ist wahrscheinlich unauflösbar, und daher wäre jedes Tonfilm-Remake hier kompletter Unsinn.

Mencken
Mencken
10. Dezember, 2007 13:50

Ich denke wir einigen uns einfach auf ein "agree to disagree"; ich könnte jetzt zwar auch wieder diverse Einwände erheben, aber fürchte, wir würden uns da im Kreis drehen.
Eine letzte Anmerkung sei mir aber gestattet: Keaton hat auch Spielfilme gedreht und z.B. "The General" ist ja eben kein reiner Slapstick-Film mehr (im Sinne von "reiner" Komödie), sondern enthält auch etliche ernsthafte und stellenweise sogar (für die Zeit) recht heftige Szenen (u.a. werden Soldaten erschossen). Hier kann man meines Erachtens nicht mehr von einem Film sprechen, der spezifisch für das Medium Stummfilm entwickelt wurde (letztendlich sind natürlich alle Filme immer an die existierenden Möglichkeiten gebunden), die gegebene Technik aber so geschickt zu nutzen weiß, daß das Fehlen einer Tonspur nicht stört.

Wortvogel
Wortvogel
10. Dezember, 2007 16:49

Ich habe gar keine Problem, wenn man mal anderer Meinung ist. Mir ist sowieso ein Rätsel, warum Leute glauben, es müsse in solchen Fragen immer einen geben, der Recht hat – und der andere müsse irgendwann seine Niederlage eingestehen…

Peroy
Peroy
10. Dezember, 2007 20:19

Weil…

Nulpe
Nulpe
11. Dezember, 2007 00:20

Wenn der Film kommt,werde ich ihn mir Anschauen und erst dann meine Meinung bilden.
Ich mag das Original.Es war zur seiner Zeit das Non plus ultra der Trickfilmkunst.

Was ich auch gerne als Remake sehen würde,wären unter anderem
M-Eine Stadt sucht einen Mörder und Greed.
Alleine einen Film über die Entstehunggeschichte von Greed wäre ein gutes Thema.Stroheim wollte das Buch Wort für Wort verfilmen und natürlich an Originalschauplätzen des Buches.Sein Perfektionismus ging soweit,das die Türklingeln wirklich funktionieren mussten (bei einem Stummfilm wohlgemerkt).

Naja was die Nibelungen und Dune angeht,Schwamm drüber.Für das Debakel konntest du ja nichts.

Peroy
Peroy
11. Dezember, 2007 00:31

Die "Dune"-TV-Serie war immerhin noch besser als die scheissige Kinoversion…