Ich habe einen unangemessenen Hang zur Nostalgie – ob sich das auf Ex-Freundinnen oder meine Lieblings-Comics bezieht, ist zweitrangig. Und ich trage eine ausgeprägte Hassliebe für Hollywood in meinem Herzen. Auf der einen Seite steht Hollywood für alles, was Film formulaisch und manipulativ macht. Auf der anderen Seite – King Kong, Fred Astaire, Star Wars, die Marx Brothers. Hollywood mag oft verachtenswerte, seelenlose Perfektion sein – doch ist Perfektion nicht auch ein Wert in sich? Verachtet man Diamanten, weil sie fehlerlos geschliffen wurden?

40 Jahre Hollywood haben mich rundgeschliffen, ermüdet, manchmal zynisch gemacht. Die meisten Sommer-Blockbuster meide ich mittlerweile, und ich vermisse die Zeit, als „teures Kino“ noch nicht „großes Kino“ ersetzt hatte. Kurzum: Hollywood ist ein schöner Alptraum.

Doch dann und wann muss man sich auf die alte Liebe einlassen, auf die falschen Versprechen, den vergänglichen Glamour, den süßen Geschmack der bunten Lüge. Man macht das Herz nochmal weich, damit es sich kneten läßt, und man sucht sich den kuscheligen Sessel, um gefahrlos dahin zu schmelzen.

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Am 7. Dezember wurde in Los Angeles „Movies Rock“ gefeiert – eine Gala zum Thema „Musik im Film“. Die Stars waren in den schicksten Klamotten erschienen (nur Tarantino hätte man für sein affiges Käppi erschießen sollen), und die Stars von heute sangen noch einmal fett orchestriert die großen Hits von gestern. Das kann man für üble Fahrstuhl-Musik halten, so eine Art „Best of“ im schneidigen Pop-Gewand, zumal die üblichen Verdächtigen sich auf der Bühne zusammenrotteten: Fergie („Live and let die“), Nicole Scherzinger („Diamonds are a girl’s best friend“), Queen Latifah („Big Spender“), Carrie Underwood („The Sound of Music“). Will.I.Am. zeigte beeindruckend, dass er eben doch nicht „Shaft“ ist. Und Elton John mit „Circle of Life“ hätte es fürwahr nicht gebraucht.

Trotzdem: Die Show stimmte, und war von beeindruckender… tja, Perfektion. Wer behauptet, die heutigen Stars seien overhypte Nichtskönner, sollte sich mal Fergie ansehen, die nicht nur stimmstark live singt und beeindruckend mit dem Knackarsch wackelt, sondern auch mal eben an einer Hand in der Schlinge zehn Meter über der Bühne wie eine Artistin gekreiselt wird. Ohne den Ton zu verlieren…

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Wie gesagt: Hier feierte Hollywood sich selbst, wie nur Hollywood es kann (man stelle sich so eine Veranstaltung in Deutschland vor!). Mit ein wenig gutem Willen konnte man richtig in den „spirit“ des Abends hinein gleiten. Hinzu kommt, dass einige der Auftritte durchaus überraschten: Usher Raymond sang und tanzte „Singin‘ in the Rain“ so perfekt nach, dass Gene Kelly stolz gewesen wäre. Und ausgerechnet Latino-Schmachter Marc Anthony brachte eine anrührende Version von „Mrs. Robinson“ zu Gehör.

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Höhepunkt und Gänsehaut-Generator war allerdings ein von John Williams (!) live (!!) dirigiertes Medley (!!!) der größten Hollywood-Soundtracks.

Alles, was Hollywood widerlich und gleichzeitig unwiderstehlich macht, kann man hier hören:

Nach „Transformers“ und „Batman & Robin“, nach „Wild Wild West“ und „Catwoman“, nach „Howard the Duck“ und „Ishtar“ mag man es vielleicht verdrängen. Man mag sich in die Zunge beißen, um es nicht aussprechen zu müssen. Man mag es in die Kloschüssel flüstern, damit niemand es hört. Aber gesagt werden muss es doch mal:

DANKE, HOLLYWOOD!

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OnkelFilmiLinksammlung vom 12.12.2007WELTRAUMAFFE » Blog Archive » Linksammlung vom 12.12.2007hiltiPeroy Recent comment authors
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Julian

Ja, danke, Hollywood!

Selbst die Perfektion haben sie perfektioniert… Und John Williams ist und bleibt der größte.

Julian

Siehste? Siehste?

Tornhill

Und es hat ewig gedauert, bis mir klar wurde, dass „Fergie“ nicht die Herzogin von York ist…

hilti
hilti

Och nee, musste das Medley sein? Ich martere mir gerade den Schädel, zu welchen Film der jeweilige Soundtrack gehört. Jedenfalls bei denen, die mir bekannt vorkommen und nicht so leicht zu erkenne sind wie Star Wars, der Weiße Hai oder der rosarote Panter. Der Pate, Titanic, River-Kwai-Marsch und Rocky sind auch einfach zu erkennen.

Beispielsweise bei dem Western ab 2:55 fällt mir einfach nicht der Name ein. Und istt das danach Deep Space Nine? Und gehört der Teile ab 2:05 zu einem Bond?

Aber Julian hat schon recht, John Williams ist und bleibt der Größte.

Peroy
Peroy

Ich mag „Wild Wild West“ und „Howard the Duck“…

hilti
hilti

Danke Thorsten!
Schon lustig, dass Out of Africa und Dr. Zhivago mir so bekannt vorkamen, wo ich die seit Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger zusammen mit Mami nicht mehr gesehen habe.

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[…] John William’s Hollywood Memorabillia Live Medley! […] “Am 7. Dezember wurde in Los Angeles “Movies Rock” gefeiert – eine Gala zum Thema “Musik im Film”. Die Stars waren in den schicksten Klamotten erschienen (nur Tarantino hätte man für sein affiges Käppi erschießen sollen), und die Stars von heute sangen noch einmal fett orchestriert die großen Hits von gestern.” […] “Höhepunkt und Gänsehaut-Generator war allerdings ein von John Williams (!) live (!!) dirigiertes Medley (!!!) der größten Hollywood-Soundtracks” […] (Wortvogel) […]

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[…] John William’s Hollywood Memorabillia Live Medley! […] “Am 7. Dezember wurde in Los Angeles “Movies Rock” gefeiert – eine Gala zum Thema “Musik im Film”. Die Stars waren in den schicksten Klamotten erschienen (nur Tarantino hätte man für sein affiges Käppi erschießen sollen), und die Stars von heute sangen noch einmal fett orchestriert die großen Hits von gestern.” […] “Höhepunkt und Gänsehaut-Generator war allerdings ein von John Williams (!) live (!!) dirigiertes Medley (!!!) der größten Hollywood-Soundtracks” […] (Wortvogel) […]

OnkelFilmi

Zwar schon uralt, aber da der Weltraumaffe das wieder nach oben geholt hat:

Zwischen The Natural und The Godfather liegt Musik aus dem Film, der wohl die schönste Liebeserklärung an das Kino ist – Cinema Paradiso.

http://www.youtube.com/watch?v=LSLZLkcMrHU