Das hier ist mir eben erst wieder in die Hände gefallen – es gehört schon eine gesunde Mischung aus Ironie und innerer Größe dazu, zur Abschlussparty der Telenovela „Lotta in Love“ solche T-Shirts drucken zu lassen:

lotsh.JPG

Und hier ist ein Aushangfoto zu dem grandios betitelten „Zwei Schlitzohren in der gelben Hölle“ mit meinem Favoriten Brad Harris und Antonio Sabato (dem Vater des US-Soap-Schauspielers Antonio Sabato jr.):

harris1.jpg

Die Dame im Bild ist Karin Schubert, die übrigens 1985 ins Pornofach wechselte. Ich habe das Bild selber vom Dia eingescannt, und erst in mehrfacher Vergrößerung kann man ein hübsches Detail entdecken:

harris2.jpg

Madame Schubert ist augenscheinlich nachträglich in das Bild reinkopiert worden! Zweites schönes Detail: An der linken Hand von Sabato kann man sehen, dass der Grafiker sich nicht die Mühe machen wollte, die untere Banderole auch sauber hinter die Figuren zu legen.

Dudley DVD-CoverÄhnliches gilt augenscheinlich auch hier: Bei der DVD-Auswertung des Kinoflops „Dudley Do Right“ wollte man offensichtlich vom damals überraschenden Erfolg der Serie „Sex and the City“ profitieren, und hat die Hauptdarstellerin, die ursprünglich auf dem Motiv nicht zu sehen war, dazu kopiert. Sarah Jessica Parker mag es gefreut haben – aber selbst ich hätte das in einer halben Stunde glaubwürdiger hinbekommen. Photoshop ist nicht gerade meine Spezialität, aber hier stimmt wirklich gar nichts. Dank für den Tipp geht an meine fleißige Leserin Comicfreak.

Aber damit sind wir noch nicht am Ende – böse getroffen hat es seinerzeit auch die von mir sehr bewunderte Silvia Seidel. Als „Anna“ wurde sie zum Star, trieb Millionen Mädchen ins Ballett, scheiterte aber dann bei dem Versuch, eine dauerhafte Karriere ohne Tanzschuhe aufzubauen. Nach ein paar harten Jahren ist es ihr aber gelungen, wieder Fuß zu fassen, und ich kann jedem Leser empfehlen, sich Karten zu besorgen, wenn Silvia mal in einem Theaterstück in der Stadt gastiert. Sie ist großartig.

Der Film, mit dem Silvia in den USA etabliert werden sollte, hieß „Faith“ (in Deutschland auch „Ballerina“). Ein dummer Schmonzes, der sich gleichzeitig an „Anna“ und an „Flashdance“ ranhängen wollte, gewürzt mit viel Rosamunde Pilcher-Melodram. Wie wenig Vertrauen die Macher in das Projekt und die Darstellerin hatten, zeigt sich an der Artwork (sorry für die Qualität, bessere Beispiele fanden sich auf die Schnelle nicht).

Fangen wir mit dem deutschen Poster an:

Faith Poster Wer Silvia Seidel damals kannte weiß, dass sie (durch jahrelangen Ballettunterricht bedingt) EXTREM dünn und drahtig gebaut war. Dieses Poster ist eine offensichtliche Fotomontage, bei der man Silvias Kopf auf den Körper einer deutlich üppigeren Tänzerin (Stripperin?) aufmontiert hat. Im Original kann man sehr schön die Schnittlinie am Hals sehen.

Man stelle sich vor, wie sehr das Silvia getroffen haben muss, als man sie für den eigenen Film nicht postertauglich fand. Leider haben Schauspieler selten Mitspracherecht.

„Faith“ konnte man in den USA auch auf Video und Laserdisc kaufen – da sah er allerdings so aus:

Faith DVD Cover

Unglaublich, aber wahr – „Faith“ wird mittlerweile als Thriller vermarktet, mit der knackigen Titelzeile „Alone on the streets, she will do anything to survive“. Klingt mehr nach einem Prostituiertenreißer mit Jodie Foster als nach Silvia Seidel.

Dieses Beispiel zeigt sehr schön, mit welcher Skrupellosigkeit Filme „rebranded“ werden, um sie einem ahnungslosen Publikum unter Vortäuschung falscher Tatsachen unterzuschieben.

Soviel für heute – ich bleibe dran!



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ThorstenMarkoPeroycomicfreakWortvogel Recent comment authors
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Peroy
Peroy

„Dieses Beispiel zeigt sehr schön, mit welcher Skrupellosigkeit Filme “rebranded” werden, um sie einem ahnungslosen Publikum unter Vortäuschung falscher Tatsachen unterzuschieben.“

Noch schlimmer finde ich eigentlich, wenn bei brandneuen Filmen Etikettenschwindel betrieben wird, um sie als etwas auszugeben, was sie nicht sind…

comicfreak
comicfreak

*über_Lob_freu_wie_blöd*

🙂

Peroy
Peroy

„Beispiele, Peroy, Beispiele!“

Spontan kommt mir da französisches Arthouse-Kino wie „Wahnsinnig verliebt“ oder „Swimming Pool“ in den Sinn, was hierzulande gerne mal als Psycho-Thriller oder Genre-verwand angepriesen wird… was es NICHT ist…

Oder jüngst die DVD-Premiere „Unknown“, die man als „Saw/Cube“-Variante klassifizieren könnte, wenn man nach dem Cover-Text geht… wobei das Ganze eigentlich nur ein sehr gewöhnlicher Gangster-Thriller mit Gimmick (Gedächtnis-Verlust) ist…

Oder echter Horror-Kram wie „The Breed“, der im Text mal eben verschweigt, dass es um tollwütige Hunde geht und irgendwas von „Bestien“ daherlabert… nun ja…

Marko

Solchen „Etikettenschwindel“ gibt es ja nicht nur gedruckt; den Trailer von „Pan’s Labyrinth“ fand ich z. B. auch grob irreführend: Ich hatte mit einem Fantasyfilm gerechnet mit leichter Realitätszugabe (à la „Die Unendliche Geschichte“), aber das war dann doch eher ein Kriegsdrama mit Fantasybeilage. Zweifellos toll gemacht, aber eben kein Fantasyfilm, wie einem der Trailer vermitteln könnte.

Gruß,
Marko

Thorsten

Zum Thema „rebranded“ fällt mir spontan ein etwas älterer Etikettenschwindel ein: Für die Video-Vermarktung des 1983 erschienen Film „Käpt’n Dotterbart“ („Yellowbeard“ mit Graham Chapman in der Hauptrolle) wurde der Titel in Deutschland in „Monty Python auf hoher See“ geändert.
Für diese Titeländerung war es ausreichend, dass es sich bei dem Film und ein unabhängiges Projekt von Monty-Python-Mitglied Chapman handelte, in dem mehr oder minder zufällig Eric Idle und John Cleese mitspielten.