06
Aug 2007

Zweite Liga – aufpoliert

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Masters of Science Fiction

Wie in einem Beitrag vor einigen Tagen angekündigt, habe ich mich wirklich auf die neue SF-Anthologieserie "Masters of Science Fiction" gefreut. Man versprach literarische Utopien und Dystopien, fein umgesetzt, ohne oberflächliches Spektakel. Wie 1995 die Neuauflage von "Outer Limits" – nur viel besser. Genau genommen eine Variante der "Masters of Horror", die seit zwei Jahren erfolgreich beim PayTV-Sender Showtime laufen.

Gestern habe ich die erste Episode "A Clean Escape" gesehen. Mehrere Dinge hätten mich vorab stutzig machen sollen:

  • Das Vorbild "Masters of Horror" ist bestenfalls durchwach- sen, und hat in der zweiten Staffel massiv nachgelassen
  • Diverse der "Masters of Science Fiction" kannte ich nicht, so auch nicht den Autor dieser Story
  • Der Network-Sendeplatz der neuen Serie erlaubt keinerlei Experimente
  • ABC hat die Serie in den "toten Sommer" programmiert
  • Drehbuchautor Sam Egan war bereits bei "Outer Limits" und bei "Stargate SG-1" dabei

Sam WaterstonWorum geht’s? Ein Mann kommt immer und immer wieder in das Büro einer (krebskranken) Psychologin, ohne sich daran zu erinnern. Sein Kurzzeitgedächtnis ist vor mehr als 20 Jahren "stehen geblieben". Im Laufe der Zeit stellt sich heraus, dass es damals zu einer Apokalypse kam, die der Patient mehr oder weniger verschuldet hat – und die Psychologin will, dass er sich seiner Verantwortung stellt…

Einen guten Eindruck bekommt man von dem Trailer hier:

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CGI-Collage als Vorspann? Wie in "Outer Limits". Judy Davis und Sam Waterston? Gute Schauspieler. Aber nichts, was nicht auch bei "Outer Limits" gegangen wäre. Ein einziges nennenswertes Set – auch das kennen wir von der weit preiswerteren Vorlage. Permanente Heulsusen-Musik? Kommt mir bekannt vor. Ewige, pseudo-dramatische Dialoge? Check. Konfuses Ende mit "gewichtiger" Message? Vorhanden.

Grundgütiger! Das war aber mal richtig schlecht. Man hat uns eine bessere Version der "Outer Limits" versprochen – und eine schlechtere geliefert. Ich will "Outer Limits" gar nicht groß verteidigen: Die meisten Folgen waren schwach bis albern, und an die "Twilight Zone"-Neuauflage von 1985 kam die Serie nie heran. Trotzdem gelangen ihr einige moderne Klassiker – Episoden wie "Inconstant Moon", oder "Quality of Mercy".

Und wer kam auf die glorreiche Idee, als Erzähler der Serie die Voicebox von Stephen Hawking zu nehmen?! Das ist schon nicht mehr doof – das ist pervers. Zumal man kaum versteht, was da aus dem Lautsprecher quäkt.

Ich habe auf eine Renaissance der guten Fernseh-SF gehofft – und doch nur einen weiteren Aufguss von "Outer Limits 1995" bekommen. Warum ich "Masters of Science Fiction" ständig mit OL vergleiche, statt mit der Schwesterserie "Masters of Horror"? Weil es passt. Und weil viele der beteiligten Kanadier früher für OL gearbeitet haben. "Masters of Science Fiction" ist mehr eine achte Staffel von "Outer Limits" als eine eigenständige Serie. Und nicht mal eine besonders gute…

Es ist ja nicht so, dass es keine besseren Vorlagen gäbe: Sturgeon, Brown, Ellison, Silverberg, Asimov – alles Virtuosen der Kurzgeschichte. Und dann ist den Machern von "Masters of Science Fiction" für die Premiere nichts Besseres unter die Finger gekommen als "A Clean Escape"? Man kann es kaum fassen.

Nun gut, ein Fehlschuss sei der Serie gegönnt. Bei der 8teiligen Stephen King-Serie "Nightmares & Dreamscapes" war es umgekehrt: nach einer brillanten ersten Folge ging es stetig bergab.

Aber angesichts der beteiligten Mischpoke von "Outer Limits"- Überlebenden, und der offensichtlichen Beschränkungen inhaltlicher wie formeller Art schraube ich meine Erwartungen mal ganz schnell ganz weit runter.



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Peroy
Peroy
6. August, 2007 12:22

Sounds terrible. Wobei "masters of Science-Fiction" vom Klang her scon nicht so gut zieht wie "Masters of Horror"…

Tornhill
6. August, 2007 14:09

Och schade, da hatte ich mir wirklich was von erhofft!
Gerade als Ellison-Fan (den Namen hörte man ja im Vorfeld immer wieder) und “Outer Limits” -Geschädigter…

Aber scheinbar kriegen sie das Konzept "Anthologieserie" einfach nicht mehr hin, während die fortlaufende "Space Opera-SF" ein unerwartetes Comeback schaffte (ja, ich rede vom neuen "Battlestar Galactica").

Aber wirklich bedauerlich – es gibt doch gute SF-Kurzgeschichten zuhauf, warum klappt da nie mehr eine vernünftige Umsetzung?

Peter Krause
7. August, 2007 00:47

Ich sah spontan in Robert Havelmann einen gealterten Scott Bakula, bzw. einen Jonathan Archer oder einen Sam Beckett. Hat irgendwie Ähnlichkeit.
Alle drei haben jeden Grund, ihre Vergangenheit zu vergessen. "Oh boy …"
Ähm, Al, hol mich hier raus …