Seufz. Ich wollte nicht mehr über die „Masters of Science Fiction“ schreiben. Zu banal, zu einfallslos, zu tausendfach dagewesen.

Auch die neue Episode „Jerry is a man“ läuft nach dem bereits bekannten Muster ab: Zwei halbwegs bekannte Darsteller (Anne Heche und Malcolm McDowell), kanadische Außenlocations, und ein bißchen Edel-CGI.

Natürlich fangen wir wieder mit einem aufwändigen Shot an, der den Zuschauer dranhalten soll, auch wenn er nichts mit dem Inhalt der Episode zu tun hat:

flyrolls.jpg

Soweit, so gut.

Leider ist die Story, die auf diesen Shot folgt, so banal wie irgendwas: Eine reiche Frau kämpft vor Gericht um das Lebenrecht eines nur zum Zwecke der Minenräumung gezüchteten Biowesens in Menschenform, genannt „Jerry“.

Jesus. Nur vier Folgen, und schon klauen die wieder bei sich selber? Die praktisch identische Story „I, Robot“ von Eando Binder aus dem Jahr 1939 war bereits für die „Outer Limits“- Serie in den 50er UND in den 90er Jahren verfilmt worden. Diese Version (basierend auf einer Heinlein-Kurzgeschichte von 1947) unterscheidet sich nur marginal, und hat nicht mal ein interessantes moralisches Kern-Dilemma, zumal sie hoffnungslos veraltet ist: 1947 mag man noch geglaubt haben, dass eines Tages Drohnenwesen dazu verwendet werden, freiwillig in Krisengebieten auf Minen zu treten. Heute wissen wir, dass das eine Aufgabe nicht-humanoider Maschinen ist.

Und muss eigentlich jeder Androide seit ’87 wie Data aussehen?

jerry.jpg

Okay – Uralt-Plot, leblose Umsetzung, schnarchige Dramaturgie. Kann man wenigstens auf knackige Effekte hoffen? Na ja, da gibt es dieses Matte Painting:

mp.jpg

Nicht schlecht oder?

Fast so gut wie das hier:

buck.jpg

Das stammt aus dem Pilotfilm der Serie „Buck Rogers“ von 1979, und wurde seither dutzendfach wiederverwendet.

Die großmäulig angekündigten „Masters of Science Fiction“ verwenden fast 30 Jahre alte Matte Paintings einer Pulp-Serie!

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen…

Und danach wird es nicht besser: Die zweite „futuristische“ Stadtansicht sieht so aus:

london.jpg

Ich weiß nicht, für wie utopisch Kanadier das Swiss Re-Gebäude in London halten (bei den Einheimischen trägt es den Spitznamen „Die Gurke“), aber es gleich zu Science Fiction zu erklären?

Eine 60 Jahre alte Story, 30 Jahre alte Effekte – genau so habe ich mir qualitativ hochwertige SF immer vorgestellt…

Drei Folgen, drei Rohrkrepierer – die „Masters of Science Fiction“ gehören ganz schnell abgehakt und vergessen. Und doch werde ich nächste Woche auch die letzte Folge anschauen. Basiert schließlich auf Harlan Ellison. Mir wird ganz blümerant…



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TorstenJensJulianPeroyClaas Recent comment authors
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Claas
Claas

Du hast recht, das ist wirklich NUR peinlich…

Peroy
Peroy

Gut, dass ich Sci-Fi hasse, sonst würd‘ ich mich über den Quark voll aufregen… 8)

Julian

Mir hat ein Londoner erzählt, das Gebäude heißt sogar „the erotic gherkin“…

Jens
Jens

Schade eigentlich – hab‘ neulich nochmal ein paar alte „Twilight Zone“-Folgen aus den 60ern gesehen und fand‘ es schön, wie da mit begrenzten Mitteln gute Mini-Dramen erzählt wurden. Aber das hier klingt wirklich nur nach schalem Aufguss. 🙁