Diana 1985 (c) WikipediaNachdem heute jeder was zu dem Thema schreibt, lasse ich mich auch nicht lumpen.

Ich habe zwei spezifische Erinnerungen an Diana Spencer. Die erste stammt vom Tag ihrer Hochzeit mit dem Kronprinzen Charles. 1981 war „Märchenhochzeit“ sicher der inflationärst verwendete Begriff des Jahres. Bis heute ist der Kuss auf dem Balkon ein Zeitdokument, und selten fehlt er auf den Covern dieser fetten und billigen „Chronik“-Bücher.

Ich war damals kaum 13, und bei meiner Oma auf dem Bauernhof zu Besuch (müssen wohl Sommerferien gewesen sein). Es ging mir unheimlich auf den Senkel, dass meine Großmutter stundenlang vor dem Fernseher saß. Der Pomp der Hochzeit kam mir schon sehr extrem vor, aber mit einem frischen Satz Hormone musste ich zugeben, dass die Diana ganz toll aussah. Was sie an dem segelohrigen Prinzen fand? Das Wort „Status“ hatte für mich damals noch keinen Wert…

1997. 28 Jahre alt, Redakteur bei ProSieben, schicke Wohnung (Galerie!) am Arsch der Welt (Zorneding!). Noch keinen Internet- Anschluss zu Hause, und über Antenne nur sieben Programme. Isolation. Außerdem irgendwie breiig im Kopf – vermutlich noch der Jetlag einer Geschäftsreise nach Amerika (hin geht, aber zurück ist der Teufel). Irgendwann gegen Mittag aus dem Bett gekrochen. Radio an. Diana hier, Diana da. Hat die schon wieder Geburtstag? Heiratet sie wieder? Zieht sie sich für den Playboy aus? Ich erinnere mich an ein herzliches Gähnen, und den langsam in das Gehirn kriechenden Verdacht, dass man so ausführliche Biographien im Radio doch nur hört, wenn jemand…

Ich schalte den Fernseher an, switche auf Videotext um. Schon die erste Schlagzeile bestätigt meine Ahnung: „England trauert: Di bei Unfall gestorben“.

Ich erinnere mich an die anderen unerwarteten Promi-Tode, die in der Gong-Redaktion zu hektischer Betriebsamkeit geführt haben: Stefano Casiraghi, Roy Black. Oder die beiden Bunte- Sonderhefte, die meine Mutter Anfang der 80er gekauft hatte: Romy Schneider, Gracia Patricia.

Mann, die ehemaligen Kollegen von „die aktuelle“ und „Die2“ werden ein paar harte Wochen vor sich haben…

Von der Nachricht zum Presse-Overkill braucht es keine zwei Stunden, und in den nächsten Wochen werde ich schon die Erwähnung des Namens „Diana“ zu hassen beginnen.

Am 31. August 1997 aber, mittags, breiig im Kopf, tut sie mir leid. Das hat sie nicht verdient, denke ich. Und das auch nicht…



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Als Teenie war ich ein bisschen verknallt in die unerreichbare Prinzessin und habe daher etwas geschwärmt. Heute, als Erwachsener weiß ich, dass man ein unschönes Spiel mit ihr gespielt hat und sie mit Sicherheit ziemlich verkorkst war. Und sie wäre definitiv keine Frau für mich gewesen. Viel zu anstrengend 😉
Dennoch, diesen Stein im Brett wird sie bei mir wohl immer haben und daher hat es mich damals vor zehn Jahren schon getroffen und auch heute werde ich noch ein wenig wehmütig.