04
Aug 2007

I see dead people – from the future!

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Normalerweise verkneife ich mir launige YouTube-Links, weil ich gerne originäre Inhalte präsentiere. Mein Blog soll kein Verweis-Friedhof sein, der Karteileichen präsentiert.

Aber heute kann ich nicht anders, und verweise auf das:

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Es handelt sich bei den fünf Clips um eine Sonderausgabe der Nachtshow "Tomorrow with Tom Snyder" aus dem Jahr 1976. Zu Gast sind diverse Star Trek-Darsteller, ein Con-Veranstalter – und Harlan Ellison.

Ein paar erklärende Worte dazu: Würde ich eine Gottheit anbeten – Harlan wär’s. Ein Mann von Wortgewalt und Einfallsreichtum, die mich erschüttern. "The Essential Harlan Ellison", "The Glass Teat", "Harlan Ellison’s watching", diverse Bände der Edgeworks-Reihe, und sein Buch über die Katastrophe, die die Trek-Episode "City on the Edge of Forever" war, belegen bei mir Premium-Plätze im Bücherregal.

Und es geht mir wie Harlan: Star Trek hat mich über die Jahre zunehmend enttäuscht, fast zynisch gemacht. Die Möglichkeiten, die Star Trek nach Aussage von Walter Koenig eröffnet hat – sie sind nicht einmal von Star Trek selbst erforscht worden. Mag sein, dass die Serie eine Tür aufgestoßen hat – nur durchgegangen ist niemand.

Die Aussagen von Ellison in den letzten beiden Clips sind für mich die bis heute gültige und stimmigste Analyse des Trek-Dilemmas – und damals hatte die Welt weder "Star Trek: Voyager" noch "Star Trek V" erleiden müssen.

Star Trek (und Star Wars, btw) hat, und das ist meine ganz persönliche Meinung, mittlerweile drei Generationen von Zuschauern mit einem völlig falschen Bild aufwachsen lassen, was Science Fiction ist, was sie kann, und was sie sein soll. Aus Diskurs wurde Fetisch, aus Denkanstoß kommerzielle Routine.

Das Gespräch aus dem Jahr 1976 ist heute rein zufällig besonders relevant, denn in den USA läuft die (vorläufig vierteilige) Reihe "Masters of Science Fiction" an. Das erklärte Ziel: Hochwertige SF-Geschichten mit dem angemessenen Aufwand zu erzählen. Dabei: Eine Story von Harlan Ellison.

Man wird sehen.

P.S.: Tom Synder ist kürzlich verstorben. James "Scotty" Doohan ebenfalls. DeForest "Pille" Kelley war der Erste, der abtrat. Daher der Titel des Beitrags.



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Peroy
Peroy
4. August, 2007 20:03

Wie Spock sagen würde: "Faszinierend"… auch, weil die Clips eine Art von Fernseh-Programm präsentieren, wie man es hierzulande (und wohl auch in den USA) mittlerweile nicht mehr vorfindet…

General Failure
General Failure
4. August, 2007 20:44

Bevor ich von Star-irgendwas auch nur etwas gehört hatte habe ich Stanislav Lems Romane verschlungen, und ich wundere mich bis heute, wo in dem sogenannten Science-Fiction das Science stecken soll. Lem hatte es. (wie man besonders auch an seiner "Summa technologiae" sieht.) Star Dreck – abgesehen von einigen wissenschafltich klingenden Begriffen – eher nicht. Star Wars halte ich bis heute für eine absurde Weltraum-baller-adaption von Tolkiens Herrn der Ringe. Wie auch immer, ich denke jedenfalls, dass Science-Fiction, wie übrigens viele andere Genres auch, stark hollywoodiert wurde, und nun zwar hübsch anzusehen, aber komplett hirnlos ist. Schade.

Peter Krause
6. August, 2007 11:17

Naja, wenn man sich anschaut, was letztens das ZDF aus Lems Sterntagebüchern gemacht hat … wahrscheinlich wäre selbst in einer Fernsehbearbeitung von Hawkings "kurzer Geschichte der Zeit" am Ende nur noch Fiction übrig.

General Failure
General Failure
6. August, 2007 19:59

Das stimmt leider. Man sieht, dass aus einer guten Vorlage nicht zwangsläufig auch ein guter Film folgt. (Beispiele gibt es reichlich, wenn ich nur mal auf Eco’s "Name der Rose" verweisen darf).
Ich wage sogar zu behaupten, dass gerade Deutsche Filme häufig vergeblich versuchen Hollywood zu kopieren, also den gesammten Sinn über Bord werfen, aber nicht die mittel haben, wenigstens bei den "special effects" zu punkten.

Wortvogel
Wortvogel
6. August, 2007 20:21

Ich arbeite immer noch daran, die Sterntagebücher- Verhunzung emotional zu verarbeiten – ich hatte alle sechs Folgen als DVD-Screener vom Sender, und habe nach einer (schwer ertragenen) Episode beschlossen, entgegen meiner Gewohnheit das Thema abzuhaken. Das war einfach Trash im schlechtesten Sinne des Wortes.

GIGI DAG
7. August, 2007 01:22

Gibt es eurer Meinung nach denn gute Science Fiction FIlme? Und wenn ja sind da auch etwas neuere bei?

Peter Krause
7. August, 2007 01:30

Ich muß zugeben: ohne Kenntnis des Originals hätte ich den ZDF-Tichy lustig gefunden. Auf eine trashige Art. So ähnlich wie Lexx – The Dark Zone.
Vielleicht auch nur wegen Nora Tschirner – ihr kauf ich sogar eine völlig mißlungene Maske (Ping-Pong-Pickel) ab.

Meine erste Begegnung mit Lem war Tichies Zeitparadox-Story, in der er sich selbst vermöbelt. Ich bin absolut kein Freund von Wirtshaus-, Degen-, Faust- oder sonstigen Kampf-Szenen, aber das war das lustigste, was ich je gelesen habe (ich wette, im polnischen Original ist es noch witziger).
Mein einziger Wunsch wäre gewesen, das Produktionsteam hätte die Finger von dieser einen Story gelassen. Zeigt soviel Koluppen (Staatsschreitwerke?) wie ihr wollt. Verhunzt den futurologischen Kongress (pre-Matrix?), aber mußtet ihr wirklich meine Lieblingsstory versemmeln?

Peter Krause
7. August, 2007 01:35

@Gigi Dag: ich kann nur für mich sprechen, und für erwähnenswert befinde ich:
– Contact (Carl Sagan)
– Futurama
– 2001
… ach nee, Du fragtest ja nach NEUEM …
Sorry. Tja.

Peroy
Peroy
7. August, 2007 06:32

"Man sieht, dass aus einer guten Vorlage nicht zwangsläufig auch ein guter Film folgt. (Beispiele gibt es reichlich, wenn ich nur mal auf Eco’s “Name der Rose” verweisen darf)."

Nein, darfst du nicht…

Wortvogel
Wortvogel
7. August, 2007 13:45

@ Gigi Dag: Kommt immer drauf an, was du mit "neuere" meinst. Empfehlenswert sind aus den letzten Jahren Sachen wie "Cube", "Dark City", "Cypher", "I Robot", "Nothing", "Minority Report", "Children of Men", "Jason X", "Idiocracy", "Pitch Black", "Sumuru", "Harrison Bergeron", "Matrix", "eXistenz", aber auch britische TV-Miniserien wie "Ultraviolet", "The Last Train", "Invasion Earth", "The Second Coming" usw.

Peroy
Peroy
7. August, 2007 16:54

"Sumuru"… höhö…

"Cypher" ist übrigens ein Mist… 8)

Wortvogel
Wortvogel
7. August, 2007 17:03

"Cypher" rockt natürlich massiv das Haus. Ich hatte noch überlegt, den Kommentar oben mit einem Zusatz zu versehen: "Peroy, es nicht notwendig, dass du nun unqualifiziert abläßt, warum das alles Kappes ist." Aber irgendwas würde mir fehlen…

"Sumuru" – klar. Hätte ich "Post Impact" schreiben sollen? 😉

Peroy
Peroy
7. August, 2007 17:21

"“Sumuru” – klar. Hätte ich “Post Impact” schreiben sollen? ;)"

Wenn man die beiden zur Auswahl hat… ja.

Und bei "Cypher" rockt mal gerade garnichts, der ist nämlich noch schwächer als "Cube" und der war schon nicht toll… 8)

Peter Krause
7. August, 2007 17:33

Cypher ist doch gar kein Sci-Fi …

Peroy
Peroy
7. August, 2007 17:36

"Cypher ist doch gar kein Sci-Fi … "

Alles was in der Zukunft spielt ist Sci-Fi…

Wortvogel
Wortvogel
7. August, 2007 17:39

Um zu bestimmen, dass etwas NICHT SciFi ist, müsste es eine allgemeingültige Definition des Begriffes geben. Tatsächlich kann das Label SF am Zeitrahmen des Films, an der Technik, am Thema, und an der Aufarbeitung festgemacht werden. Inhaltlich ist "Idiocracy" ja eine Komödie – aber der Zeitrahmen macht ihn zur SF. Cypher ist "technische" Science Fiction, und inhaltlich auch eher in die Ecke zu rechnen. Natürlich kann man auf Sublabel wie "futuristischer Thriller" zurückgreifen, aber das wäre an dieser Stelle müßig…

GIGI DAG
10. August, 2007 15:20

Joc die meisten kenn ich auch und/oder hab davon gehört…ich mag alte genauso wie neue Science Fiction Filme. Aber man muss immer auch einsehen, dass Star Trek ja eine Serie ist und als typische Seifenoper auch dementsprechende Kulissen, Stories und Personen aufbietet. Es ist schwerlich möglich zB eine Serien zu machen die den Kailber eines einzelnen Filmes wie Contact oder Event Horizon (Einer meiner Favoriten) hat. Serien sind immer anders als Filme aber man kann sie ja trotzdem als Science Fiction bezeichnen, als was denn sonst? Als Märchen? Das könnte man dann ja genauso mit den Filmen machen. Ist ja alles Fantasie und meistens unrealistisch.