Arena Grabstein (c) pixelio.deWas hatten die Arena-Macher (sich) nicht alles versprochen, nachdem sie 2005 völlig überraschend an die Bundesliga-Rechte gekommen waren: Millionen Kunden sollten künftig mit Sport-Pay-TV der Extraklasse verwöhnt werden. Der bisherige Lizenznehmer Premiere wurde kalt erwischt, und stand vor der Nagelprobe – kann teures Digitalfernsehen auch ohne die begehrte Bundesliga funktionieren? Die Branche war skeptisch – meine Aktien des Senders brachen so massiv ein, dass ein Verkauf sich nicht mehr lohnte. Anfangs noch bei 33 Euro, stürzten sie zwischenzeitig auf 8 Euro ab (bei 28 Euro Ausgabepreis).

Mir kam die ganze Aktion von Anfang an fischig vor. Arena war kein Sender, nur ein Verbund an Investoren ohne Basis. Know How kann man kaufen, Erfahrung jedoch nicht. Hinzu kam, dass kaum Zeit war, die neue Spielzeit vorzubereiten. Dazu verbreiteten die neuen Leader im Pay TV-Business kalkulierte Abonnentenzahlen, die mir extrem utopisch vorkamen. 3 Millionen in kaum 2 Jahren wollte man an Bord holen – etwas, für das Premiere 15 Jahre gebraucht hatte. Nicht zu vergessen: Premiere war immer ein Full Service-Anbieter gewesen, bei dem der Kunde auch Spielfilme und Serien zu sehen bekam. Arena hingegen wollte den Kundenstamm allein mit Fußball ködern.

Entsprechend hakelig ging die Sache dann auch vonstatten: Die Anmeldungen tröpfelten nur, es gab Probleme mit Technik und Personal, und schon nach einem halben Jahr mussten die sehr aufschneiderisch angetretenen Arena-Manager eine Kooperation mit Premiere eingehen, um überhaupt in allen Gebieten der Republik erreichbar zu sein. Man hatte kaum Zeit, darüber zu feixen, da musste die Kooperation schon auf breiter Front ausgeweitet werden – Arena erhielt 17 Prozent von Premiere, und gab im Gegenzug auf breiter Front Rechte auf.

Trotz dieser Rettungsversuche und den Rückgriff auf den Premiere-Kundenstamm erreichte Arena nie die prognostizierten Zahlen. Tapfer verkündete man, durch neue Sender in abseh- barer Zeit ebenfalls Vollanbieter werden zu wollen, und erwarb außerdem Rechte an ausländischen Fußball-Ligen und anderen Sportarten. Das wirkte dann schon eher verzweifelt als mutig.

Premiere hingegen machte weniger Verluste als angenommen, und verlor nur einen verkraftbaren Teil der Abonnenten. Ob es an der Begeisterung für das Programm, oder an der Trägheit der Kunden lag, mag dahin gestellt sein.

Als das Kartellamt den Deal zwischen Premiere und Arena nicht genehmigen wollte, hörten die Auguren der Branche schon die Totenglocken in der Ferne läuten. Die Aktie von Premiere zog an, stieg auf über 17 Euro. Es wurde ja auch wirklich haarig: Zum Start der neuen Saison musste eine dem Kartellamt genehme Kooperation erreicht werden, damit die Bildschirme der Fußball-Fans nicht schwarz blieben.

Das Ergebnis überrascht dennoch: Nach dem heutigen Erkenntnisstand gibt Arena auf, verkauft seine Rechte an Premiere. Das Experiment, nur mit Geld und Rechten einen Pay TV-Giganten aus dem Boden zu stampfen, ist gescheitert. Ich bin guter Hoffnung, dass meine Premiere-Aktien damit in absehbarer Zeit ihren alten Wert wieder erreichen werden.

Mich selber hat diese ganze Angelegenheit wenig tangiert – ich schaue nämlich gar kein Fußball. Ich fand es nur interessant zu beobachten, wie ein Geschäftsmodell kollabiert, dem ich von vorne herein keine Chance eingeräumt habe.

Für Premiere ist das aber kein Grund, sich auszuruhen. Mittlerweile habe ich nämlich das Digital-Paket von Kabel Deutschland abonniert, und mit Freude festgestellt, dass man dort nicht an den Kinderkrankheiten der Geburt durch den Kirch-Konzern laboriert.

Premiere war in den 90ern mit absurd vielen hauseigenen Kanälen „aufgepumpt“ worden, die nur Altware von Leo Kirch ausstrahlten. Nach dem Zusammenbruch des Konzerns strich Premiere Sender wie „Comedy & Co“ und „Western“ einfach weg. Als Ergebnis ist das Programm von Premiere neben Fußball und Spielfilmen eher mau, und kaum der Rede wert.
Kabel Deutschland hingegen ist fast ausschließlich mit Sendern von Fremdanbietern in großer Bandbreite bestückt, und im direkten Vergleich kann Premiere da nicht mithalten.

In Unterföhrung profitiert man mittlerweile nur noch von der Loyalität der Alt-Kundschaft – und der Bundesliga, die man nun wieder unter dem eigenen Dach hat.

Der Kampf gegen Arena ist gewonnen, doch mit Kabel Deutschland steht der nächste Konkurrent schon vor den Toren – mit mehr Erfahrung, mehr Programmen, und einer soliden Infrastruktur.



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skee
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Ich habe auch das Digital-Paket von KD und ich muss sagen, ich bin hochzufrieden damit.
Premiere brauch ich nur noch, da KD leider noch keine HD-Kanäle über Kabel liefert. Aber, evtl ändert sich das ja auch bald..
Hoffen wir es mal^^

Enk

Was mir nicht ganz einleuchtet: angeblich will Premiere für die Sublizenz der Bundesliga-Rechte mehr bezahlen, als Arena dafür ausgegeben hat. Und das bei einer denkbar miesen Verhandlungsposition von Arena – soviele potentielle Kunden für eine Pay-TV Lizent gibt es in Deutschland ja nicht. Und der Premiere Kurs zieht trotz diese merkwürdigen Geschäftes sogar an…

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8 Euro?! Mist, da hätte man mal zuschlagen sollen…

@Enk
Der eventuell leicht überteuerte Preis den Premiere jetzt zahlt ist wahrscheinlich ein verschmerzbarer Griff in die Portokasse, wenn man damit den lästigen Konkurrenten endlich über die Klippe schubbsen kann.

Tornhill

Gibt es nicht auch noch eine Aldi-Marke o.ä. dieser Bezeichnung?
Ich erinnere mich deutlich, mal eine billige Uhr gehabt zu haben, auf deren Ziffernblatt die kleinen silbernen Buchstaben TCM prangten.
– Es scheint, diese Kombination verheisst Erfolg!

cARSCHti
cARSCHti

TCM ist doch diese Tchibo-Marke oder?

Ansonsten…ich fand die Qualität der Sport-Reporter bei Premiere am Ende recht mies und dann fand man die gleichen (selben?) Nasen bei Arena…hach naja, im Grunde war Arena für mich nur Premiere Fussball mit anderem Etikett.

cARSCHti
cARSCHti

Args, du warst schneller O.ô

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Herr Dewi, mir fällt gerade etwas anderes auf. Sie haben zwar Premiere-Aktien, beziehen das digitale Paket von Kabel Deutschland, aber ihr Logo…, das hat exakt die gleichen Farbtöne wie das von Arena! Als wäre es vom gleichen Designer gemacht 🙂

comicfreak
comicfreak

..Kabel ist bei uns hier im ländlichen Raum extrem dünn gesät, was nicht am mangelnden Interesse der Bevölkerung liegt, sondern daran, dass noch kein Kabel-Werbetrommel-Rührer konkrete Zahlen nennen konnte, was die Interessenten denn nach Vertragsabschluss genau zu zahlen hätten für Leitunngslegung und Anschluss..