SiegelJa ja, auf Bush rumhacken, der BILD einen reinwürgen, sich über SAT.1 und RTL aufregen – ich suche mir nicht gerade schwer zu treffende Opfer für meine kleinen Tiraden. Da kann man leichten Applaus ernten, und ernster Widerspruch steht nicht zu erwarten. Billige Polemik vom Herrn Dewi, wie immer.

Heute also wieder BILD.

Die BILD zeigt gerne nackte und halbnackte Frauen. Besonders, wenn sie prominent sind. Und noch lieber, wenn die Bilder aus dem Springer-eigenen Glanzblättchen „Maxim“ kommen. Corporate Synergy, so sieht sie aus.

Natürlich muss das alles knackig betextet werden, und marktschreierisch heißt es regelmäßig: „nackt wie nie!“, „endlich mal ohne!“, „jetzt ganz frech und sexy!“. Dazu gerne holperige Wortspiele mit dem Namen der Society-Dame.

So auch heute: „Giulia völlig unversiegelt …“ . Har har. Und für alle, die es nicht gleich verstanden haben, lautet der erste Satz des begleitenden Texts: „So unversiegelt haben wir diese Dame ja noch nie gesehen!“

Tenor: Losrennen, „Maxim“ kaufen, im Klo einschließen.

Nur: Leute mit mehr als einem Kurzzeitgedächtnis erinnern sich dunkel, Giulia Siegel schon mal in weit weniger als einem Bikini gesehen zu haben. Im Playboy 3/99, um genau zu sein. Schon klar – mit der Schlagzeile „heute fast so nackt wie vor acht Jahren!“ wäre den Kollegen von „Maxim“ nicht geholfen gewesen.

Einzelfall? Ach was!

Meine Meinung zu den Ergüssen von Herrn Körzdörfer/Blieswood kennt man. Einen besonders dummen und infantilen Text hat er zur Stripperin/Aktmodell/Manson-Ex Dita von Teese geschrieben.

Das sei ihm gegönnt.

In einem Bildtext heißt es dann aber: „Star-Stripperin Dita von Teese – die Mai-Ausgabe von „Penthouse“ zeigt sie nackter, als ihr Strippublikum sie je gesehen hat. Noch vor Kurzem schwor sie: „Nacktfotos mache ich nie …“

Dieser Schwur dürfte Frau Teese schwergefallen sein, gilt sie doch seit über 15 Jahren als erfolgreiches Nacktmodell, von dem jede Google-Suche Unzüchtiges hervorbringt.

Tja, aber wer will schon die Schlagzeile „Dita – jetzt schon wieder nackt!“ lesen?

Weiter geht es mit Andrea Kempter. Hier jubelte BILD angesichts einer Fotostrecke im Playboy Juli 2006: „Wetterfee Andrea Kempter sexy wie nie“. Nun ist „sexy“ ein relativer Begriff. BILD meint damit natürlich „nackt“.

Nur – nackt haben wir Andrea Kempter schon im Oktober 1997 gesehen. Da war sie zum ersten Mal hüllenlos im Playboy gewesen.

Ebenso Karina Kraushaar: BILD freute sich im April 2007: „Zum Geburtstag macht TV-Star Karina Kraushaar (wurde gestern 36) ihren männlichen Fans selber das allerschönste Geschenk!“. Aber wer freut sich immer über das selbe Geschenk? Frau Kraushaar legte schließlich bereits im Februar 2000 im Playboy ab…

Oktober 2006: BILD weiß, was Jessica Stockmann („fast 40“) vor dem Altersblues gerettet hat: das Angebot des Playboy. Steht doch hier: „und tatsächlich – vor zwei Monaten meldete sich das Männermagazin bei der Blondine“.

Ahäm. Sollte wohl heißen: „meldete sich das Männermagazin wieder bei der Blondine“. So wie 1999. Als Jessica Stockmann (noch nicht „fast 40“) erstmals blank zog.

Gut, wenn die BILD sich allen Ernstes die Mühe machen würde, mal nachzurecherchieren, ob die ganzen Jubel-Schlagzeilen über Prominenten-Nippel denn wirklich so stimmig sind, würde manche nette Geschichte sicher ungedruckt bleiben. Und was kann die BILD dafür, dass die Playboy-Lizenz vor ein paar Jahren von Bauer zu Burda ging, und die neue Redaktion fleißig die alten Society-Kontakte recycelt? Beim Magazin selber tut man geflissentlich so, als hätte man die zeigefreudigen Damen noch nie vorher gesehen.

Aber es wäre nett, wenn man nicht jeden Quadratzentimeter Promi-Busen bejubeln würde, als hätte die Menschheit gerade Hunger und Krieg überwunden. SOOO spannend sind die Möpse der Damen Kraushaar, Stockmann und Kempter dann doch nicht…

P.S.: Andrea Kempter hat übrigens in der zweiten Staffel der TV-Reihe „Böse Nacht Geschichten“ meine Kurzgeschichte „Das Reisende“ vorgelesen. Sie ist sehr nett – auch angezogen.



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Peroy
Peroy

Nach dem Satz „Giulia völlig unversiegelt“ hab‘ ich bei dem Namen „Kraushaar“ schon das Schlimmste vermutet…

Torsten Dewi

Ich hatte da auch auf was zotig-peinliches gehofft, aber die Redakteure haben sich mit einer billigen Alliteration beholfen: „Karina Kraushaar zeigt ihre Knusper-Kurven“

Mateo
Mateo

Mich würde offen gestanden eher interessieren, wer Frau Siegel denn einstmals wahrhaftig ent-siegelt hat, also in dem Sinne, dass ein Siegel bekanntlich (einmalig und somit für immerdar) geöffnet wird.
Ich denke, das war jetzt auch nach BILD-Standards hinreichend zotig und extrem platt, weil geradezu schmerzhaft naheliegend 🙂

Ich könnte mich ferner auch noch darüber verbreiten, dass ein Siegel – gerade literarisch gesprochen – auch „erbrochen“ wird, aber das will ich jetzt mal lassen…

mattes
mattes

ooooch…

im von teese-artikel sind keine bilder mehr 🙁
hatte Bild die etwa nicht bezahlt?

Olaf
Olaf

ehm war Gulia Siegel nicht 2001 oder 2002 schon mal in der Maxim. Ich erinnere mich dunke daran