Comedy Central

Während ich auf Ibiza (lang)weilte, war ich an eine Satellitenschüssel angeschlossen, und da habe ich mich mal durch gefühlte 300 Sender gezappt, um zu sehen, was es außerhalb meines Kabelnetzes gibt. Das Ergebnis – erschütternd.

Die Shopping-Kanäle gehen mittlerweile ins Dutzend, manche Sender bestehen nur noch aus Laufschriften, und neben dämlichen Telefonspielen in der Dauerschleife werden auch noch debil-verzweifelte Anrufer bei TV-Horoskopen abgezockt.

Aber Rettung naht: Seit dem 15.1.2007 ist die deutsche Version des amerikanischen Senders „Comedy Central“ on air. Ich konnte auf Ibiza einen ersten Blick auf das Programm werfen, und tatsächlich – there’s something funny going on…

Der deutsche „Comedy Central“ ist eigenständig, und kann daher nicht nur auf Sendungen des Originals zurückgreifen, sondern auch auf Eigenproduktionen und Einkäufe z.B. aus Großbritannien. Und genau da punktet der Sender bei mir massiv: Im ersten Primetime-Programmschema hat CC Deutschland die Sahnestückchen dessen, was den „großen“ Sendern aus verschiedenen Gründen zu gefährlich ist:

  • „Arrested Development“, eine Sitcom, die im Reality TV-Stil mit Handkamera gedreht wurde. Trotz vieler Preise in den USA erfolglos, stellt AD für mich den Höhepunkt der aktuellen Comedy-Generation da. Die Menge an brillanten Mini-Gags und Verwicklungen erschließt sich mitunter erst nach mehrfacher Ansicht.
  • „Green Wing“: Die beste britische Sitcom des neuen Jahrtausends. In 50 Minuten werden derart viele absurde Szenen durchgekaut, die nur lose eine Handlung ergeben, dass man hinterher erstmal atemlos den Fernseher abschalten muss. Wo es nicht witzig ist, wird einfach auf Zeitraffer zurückgegriffen. Pro Episode gibt es mehr Gags als in einer ganzen Staffel „Stromberg“.
  • „Extras“, die neue Serie von Ricky „The Office“ Gervais, in der er als Filmstatist Andy Millman diverse Hollywoodstars trifft – und zumeist sein blaues Wunder erlebt. Eine Sitcom mit erstaunlicher Tiefe, in der sich Schauspieler vom Kaliber Sam Jackson und Ben Stiller zum Affen machen. Kate Winslet, die im Nonnenkostüm Telefonsex-Tipps gibt, muss man einfach gesehen haben.
  • „So NoTORIous“, eine getürkte Reality-Sitcom über das Leben von Tori Spelling. Und wer hätte es gedacht? Tatsächlich witzig und bissig, mit einer gehörigen Portion Selbstironie.
  • „Greg the Bunny“, eine Sitcom über das harte Showbiz-Leben einer Hasenpuppe, die gerne ganz nach oben möchte. Seth Green („Buffy“) garantiert Humor der ganz schrägen Sorte, wie auch schon in seiner Plastikpuppen-Serie „Robot Chicken“ (die hoffentlich auch bald bei CC kommt).
  • „Suburban Shootout“ – so sieht’s aus, wenn die Briten „Desperate Housewives“ machen. In diesem verschlafenen Städtchen bekriegen sich zwei Hausfrauen-Cliquen mit Maschinenpistolen und Bombenanschlägen. Böse bis zum Anschlag.
  • „Stacked“. Pamela Anderson in einer intellektuellen Sitcom der „Will &Grace“-Macher? Hätte nie funktionieren dürfen. Hat es in den USA auch nicht. Witzig ist es trotzdem, und wenn mal ein Gag flach fällt, starrt man einfach auf die engen Angora-Pullis von Pamela. Da ist nichts flach.
  • „Reno 911“: Brillante „Cops“-Parodie, die wir schon von Kabel1 kennen.

Das Tagesprogramm enthält wenig Neuheiten, aber dafür eine durchaus gute Auswahl von Wiederholungen: „Dharma & Greg“, „Ellen“, „Creature Comforts“, „Ein Trio zum anbeißen“, etc.

Dazu Badesalz, Night Wash, und eine grandiose Parodie auf „Einsatz in vier Wänden“ mit dem Titel „Einmarsch in vier Wänden – mit Tine Hitler, täglich von 19:33 bis 19:45“.

Ab heute gibt es zusätzlich ein unverzichtbares Programmjuwel auf der chaotischen, aber lohnenswerten Webseite des Senders: Die „Daily Show with Jon Stewart“. Nun können auch Zuschauer, die sich nicht aus den Tauschbörsen bedienen, in den Genuss der besten täglichen Comedy-Sendung des Planeten kommen.

Wenn der Sender diese qualitative Tour de Farce durchhalten kann, sei ihm ein langes und quotenreiches Leben gegönnt.

Was für ein Unterschied zu den frühen 90ern, als neue Sender sich zumeist erstmal bei den „Klassikern“ bedienen mussten, um in die Pötte zu kommen. Damals hätte Comedy Central wahrscheinlich gänzlich aus Wiederholungen von M*A*S*H, Männerwirtschaft und Bezaubernde Jeannie bestanden. Und es wirft ein schlechtes Licht auf Premiere, wo jeder hauseigene Comedy-Sender genau so bestückt wurde und wird.

Schon nach sechs Stunden Comedy Central Deutschland lässt sich sagen – so ein Sender hat hierzulande gefehlt. Wo nicht jede Sitcom 3 Millionen Zuschauer braucht, kann man auch mal Nischensendungen für ein Nischenpublikum zeigen: Und da gibt es aus den letzten 15 Jahren wahrlich genug nachzuholen.

Ein weiterer, wenn auch flüchtiger Pluspunkt: Dem Sender mangelt es derzeit noch an Werbekunden, weshalb die Reklameunterbrechungen erfreulich kurz sind.

Natürlich gibt es einen Haken – Comedy Central strahlt nicht zweisprachig aus, und es bleibt abzuwarten, ob die Synchronisation dem Programm gerecht werden kann. Aber Versuch macht auch in dem Fall kluch…



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UdoTorstenLeyah*Jeevesamcu Recent comment authors
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Peroy
Peroy

In der Tat, Comedy Central hat mir die ausgedehnten Nachtschichten am Wochenende stark erleichtert… Hut ab…

amcu
amcu

wird auch zeit dass cc ENDLICH nach deutschland kommt.. immer wenn ich in amiland war fragte ich mich warum die noch nicht den deutschen markt angegangen sind!! 😛

Jeeves
Jeeves

macht das mehr Sinn als die Ausstrahlung auf CC Deutschland,

„macht Sinn“ jibt et nich.

Leyah*
Leyah*

Empfange ich Comedy Central mit Satellitenschüssel automatisch??? Müsste ich dringend wissen! THX schon mal im Vorraus!

Udo
Udo

Wie kann ich CC empfangen? Ich habe eine Sat-Schüssel, finde den Sender aber nicht. Gruß Udo