26
September 2014

Das Wortvogel-Manifest: Wofür ich stehe (4)

Ja, der letzte Teil ist eine Weile her – Umzug nach Speyer, Fantasy Filmfest und familiäre Notwendigkeiten haben meinen Blogfluss ein wenig gebremst. Ich muss ja auch noch Geld verdienen und Artikel wie diesen tippt man nicht mal eben in zehn Minuten. Aber keine Sorge: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch – und für die nächsten acht Jahre geht mir das Material auch nicht aus, versprochen.

Genau: Der Vogel ist während des Fantasy Filmfest 2014 acht Jahre alt geworden. So eine flegelige Rotznase…

Heute will ich mit euch unter anderem über

Accountability

sprechen, also Verantwortlichkeit und Rechenschaft. Dass es daran mangelt, habe ich in den anderen Teilen dieser Reihe ausreichend moniert. Angesichts der Pläne der Regierung, mit der PKW-Maut marode Brücken zu sanieren, die gar nicht marode sein dürften, und der beschämenden Einsatzunfähigkeit der Bundeswehr habe ich mir einen frischen Ansatz dazu ausgedacht.

Wir müssen die staatlichen Aufgaben, Befugnisse und Verpflichtungen neu verteilen. Es muss Dringlichkeitsstufen geben, Prioritäten, deren Einhaltung nicht wünschenswert, sondern bindend ist. Ohne A kein B, oder um es polemisch zu sagen: Ohne kostenlose Schulbücher keine Kampfpanzer.

Mit würde da ein Stufensystem vorschweben, vielleicht mit drei Stufen, ob 1 bis 3 oder A bis C ist völlig irrelevant. Stufe 1 benennt die grundlegendsten Aufgaben des Staates: Alle Bürger müssen im und vom Rechtsstaat geschützt werden, jeder hat das Recht auf Essen und Unterkunft, die Behörden funktionieren, grundlegende analoge und digitale Infrastrukturen sind gesichert. Die “basics”, wenn man so will.

Nun kann man meinen, dass das ja sowieso klar ist. Aber mein Stufensystem ist auch für die Ausnahmesituationen gedacht – sollte das System mal zusammen brechen, haben die Aufgaben der Stufe 1 absolute Priorität. Sacken die Haushaltseinnahmen weg, sind diese Bereiche nicht verhandelbar. Eine Regierung, die Stufe 1 nicht bedingungslos garantieren kann, ist handlungsunfähig.

Wichtig: Stufe 2 steht nicht NEBEN Stufe 1, sondern DANACH. Erst wenn Stufe 1 “sitzt”, kommt Stufe 2. Weitere Selbstverständlichkeiten: Forschung und Lehre, Bildung, soziale Leistungen über das Mindestmaß hinaus, Förderung strukturschwacher Regionen, Erhalt von Kulturgut und historischem Bauwerk.

Auch hier gilt: Wenn es irgendwo in Stufe 1 oder 2 hakt, wird Stufe 3 nicht gezündet oder automatisch finanziell so lange beschnitten, bis die Stufen 1 und 2 bedient sind. Das wird durch unabhängige Expertengremien laufend überprüft. Solange noch eine Autobahnbrücke als “marode” eingestuft wird oder eine Schule aus Personalmangel keinen Sportunterricht mehr anbieten kann, ist Stufe 3 der Topf, aus dem die notwendigen Mittel geholt werden. Oder anders ausgedrückt: Solange die Hörsäle überfüllt sind, fährt auch der Minister nur einen VW Polo.

Stufe 3 ist das, was ich die Luxusstufe nenne. In die fällt alles, was in einem wohlhabenden Land wünschenswert, aber eben nicht lebensnotwendig ist: Subventionen, Kulturförderung, Rüstung, milliardenschwere Neubauten für die Regierung, Repräsentation von Land und Staat. Das ist alles in Ordnung und normal – aber eben nur, solange Stufen 1 und 2 bedient sind. Und da darf es keine Diskussionen geben.

Der Staat ist zuerst einmal für ALLE Bürger da, dann für bestimmte Gruppen, dann für sich selbst – so kann man die Stufen nämlich auch definieren. Nur gerät diese Reihenfolge immer wieder durcheinander.


Thema 2 scheint Thema 1 zu widersprechen, aber nur scheinbar. Es mag jetzt klingen, als würde ich sinnloser Geldverschwendung das Wort reden, aber mir geht es darum, dass Staatsführung nicht nur Haushaltsführung ist, sondern auch Mentalitätsführung, Psychologie.

Ich glaube daran, dass es wichtig ist, dass sich die Bewohner eines Landes als Volksgemeinschaft begreifen, dass sie einen (sicher oft irrationalen) Stolz empfinden, Bewohner von Land X und nicht Land Y zu sein. Das ist den Religionen nicht unverwandt, die sich ebenfalls allesamt als auserwählt und besser betrachten, was aber nur dann ein Problem wird, wenn sie diese Sicht auch nach außen pressen.

Nationalstolz ist nicht schlecht, dumpfer und grundloser und von der billigen Abgrenzung gespeister Nationalstolz ist schlecht. Die Franzosen halten sich “le grande nation”, die Amerikaner ihr Land sowieso für “the greatest country in the world”. Das basiert nicht auf Fußballergebnissen oder Einbildung, sondern auf Errungenschaften, auch wenn sie lange her sein mögen: Französische Revolution, Mondlandung, Martin Luther King, Eiffelturm, ALF.

Wir? Haben Goethe, Schiller und eine verdammt gute Verfassung. Vor ein paar Jahren noch die Wiedervereinigung, aber da ist schon ziemlich der Lack ab. 70 Jahre ohne Krieg? Es ist schwer, ein Volk für etwas zu begeistern, dass man NICHT gemacht hat.

Wenn wir wollen, dass der Nationalstolz (so er denn gewünscht ist) kein rückwärtsgerichteter und in seiner Unaktualität frustrierter sein soll, dann wird es Zeit, dem Klein-Klein des Tagesgeschehens etwas entgegen zu setzen. Wir brauchen

Leuchttürme

Leuchttürme sind Projekte, mit denen ein Land sich herausfordert. Die ihm Geld, Mut und Schweiß abverlangen, ohne einen direkten Gegenwert zu liefern. Die von spießigen Biedermännern mit “Davon könnte man aber auch so und so viele Kindergärten bauen” kleingeredet werden.

Unser Land droht am Parkinsonschen Gesetz zu ersticken – das System beschäftigt sich immer mehr mit sich selbst, saugt seine eigenen Profite aus, verbrennt Energie beim Versuch, Energie herzustellen. Die Folge dauerhaften Wohlstands ist Stillstand.

Leuchttürme sind NICHT die Elbphilharmonie, der Berliner Flughafen oder ein Transrapid zum Münchner Flughafen. Größe ist gefragt, nicht Gigantomanie.

Was sind Leuchttürme dann? Ich kann es nicht sagen, weil ich es nicht sagen will. Weil ein Leuchtturm eine gemeinschaftliche Entscheidung sein sollte. Sich einlassen auf etwas, das teuer wird, schwer und von vielen als “unmöglich!” verlacht. Etwas, das Vision fordert – und nicht in der größenwahnsinnigen Form von Hitlers Hauptstadt Germania:

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In einem Land, das derart vom Mikromanagement lebt wie unseres, braucht es für Leuchttürme auch politischen Mut, neue Wege zu gehen. Dann müssen Politiker Hürden nehmen und Bürger sich verkneifen, gegen jedes neue Straßenschild eine Bürgerinitiative zu gründen. Wir brauchen einen Ausbruch aus der “Veränderung gerne – aber doch nicht bei MIR!”-Mentalität.

Komplette Abkopplung heimischer Energieversorgung vom Öl? Städteplanerisch wagemutiger Neubau einer neuen “Ost-Hauptstadt” zu Belebung brachliegender Regionen? Bau eines überregionalen Schnellbahnnetzes, das nur die Metropolen verbindet – mit anschließendem Eurotrain von Finnland bis Gibraltar? Komplettverzicht auf eine Armee, die wir seit 70 Jahren nicht gebraucht haben, die aber im Haushalt den zweitgrößten Kostenfaktor darstellt? Komplette Freigabe von Drogen und Entkriminalisierung von Süchtigen?

Nicht Anführer sein, sondern Vorbild. Auf neuen Wegen gehen, nicht auf ihnen marschieren. Nicht auf Lorbeeren ausruhen, sondern nach vorne schauen. Und wenn es geschafft ist, dürfen alle 80 Millionen (und nicht nur die 200.000, die vielleicht aktiv dran beteiligt waren) sich wie einem WM-Sieg auf die Schulter klopfen. Wir.

Es ist mehr machbar, als wir glauben – wenn wir wieder anfangen, daran zu glauben.


Weil das jetzt alles sehr pathetisch und mit der groben Kelle ausgeteilt wurde, möchte ich noch zwei kleinere Denkanstöße in die Runde werfen.

Fangen mit dem leidigen Thema

Kleidergrößen

an. Dass die Angaben auf den Labels nicht nur europaweit, sondern auch weltweit vereinheitlicht gehören, ist eine Binsenweisheit. Ich finde es geradezu albern, wenn ich in einer Jeans einen zigarettenschachtelgroßen Tag finde, der mir die Größe in zehn verschiedenen Codes für zehn verschiedene Länder anzeigt.

Wichtiger ist aber: Die Größeneinheiten müssen verbindlich aus konkreten Zahlen und keinen Verhältnisangaben bestehen. S, M, L, X – klingt verführerisch einfach. Ist aber scheiße. Weil es nur aussagt, dass S die kleinste Größe ist und (hoffentlich) kleiner als M, L und X ist. Es sagt nichts darüber aus, WIE GROSS S ist. Es ist auch nur EINE Angabe, die vielleicht die Länge der Hose meint, nicht aber die Bundweite. Oder das Volumen?

S, M, L und X können von den Herstellern beliebig interpretiert werden, oft genug ist “S” das, was eigentlich M wäre – aber man möchte die Kundin erfreuen, dass sie in S passt. Taschenspielerei. Blendwerk.

Und was genau soll “slim fit” überhaupt heißen?

Ich fordere verbindliche Kleidergrößen mit metrischen Angaben und klarem Bezug – bei Hosen z.B. Bundweite in Zentimetern, Länge in Zentimetern, Beindurchmesser in Zentimetern. Bei Hemden Kragenweite, Brustumfang, Ärmellänge.

Nun werden einige stöhnen und sagen “Was hat der Dewi denn schon wieder – gerade bei Hosen steht es doch in Inches immer drin!”. Das stimmt. Es ist nur Makulatur, weil die Zahlen oft genug keinen Bezug zur Realität haben. Auch bei den Inches werden gerne 34 als 32 verkauft, weil der Kunde im Gedanken, die Diät sei erfolgreich, eher zum Kauf neigt.

Ich liebe es, wenn eine Verkäuferin mir sagt “Die 32er fällt bei dieser Hose eher weit aus”. Dann habe ich die Gelegenheit, meinen “32 ist eine mathematische Angabe, die kann nicht klein ausfallen, so wie 4 auch keine eher klein ausfallende 5 ist”-Rant abzulassen. Während man über “Größe M” diskutieren kann, ist “32 Zoll Bundweite” eigentlich nicht verhandelbar. Außer in jedem Modeladen, in dem ich in den letzten 30 Jahren eingekauft habe.

Also: Metrische Angaben für alle relevanten Größenangaben verpflichtend machen und die Hersteller beim Verstoss richtig ran nehmen. Der positive Nebeneffekt wäre: Man könnte tatsächlich blind online Hosen kaufen. Weil die passen, wenn man die richtige Größe angeklickt hat.

Und wenn jetzt jemand fragt “Was hat der denn immer mit Hosen?” – ich muss heute noch eine Hose kaufen gehen.


Der letzten Gedankenanstoß für heute kommt aus der Ecke “Verpflichtung zum sozialen Miteinander”. Dass wir nicht alles tun können, was wir tun wollen, ist klar – aber wir sollten wenigstens tun müssen, was wir tun können, um auch die Schwächsten der Gesellschaft mit durch zu bringen.

Ich finde Die Tafeln gut. Toll, dass es sie gibt – schlimm, dass es sie geben muss. Weil unsere Gesellschaft generell nichts wegschmeißen sollte, woran es Menschen mangelt. Das kann Essen sein, Medizin, aber auch mein altes Smartphone.

Aber Die Tafeln sind nur ein erster Ansatz. Millionen Tonnen Lebensmittel landen jedes Jahr auf dem Müll. Vieles aus Privathaushalten, aber auch massenhaft Joghurts und Wurstwaren, deren Verfallsdatum gekommen ist. Sie sind nicht schlecht oder schädlich, aber kaufen mag sie auch niemand mehr. Ähnliches gilt für Obst und Gemüse, das unperfekt und angebatscht aussieht. Daran greifen die Konsumenten notorisch so lange vorbei, bis es im Container landet.

Meine Idee wären nun

Konsum-Bistros

in allen großen Supermärkten. Kleine Cafés, deren Angebot sich komplett aus Waren zusammen setzt, die tagesaktuell aus den Regalen geräumt werden müssen. Die B-Äpfel werden zu Apfelsaft und Müsli-Beigabe verarbeitet, die Wurst kommt auf überzählige Brötchen, Kohl und Gurken werden als Juice-Smoothie in die letzte Runde geschickt. Das alles zu Preisen, dass es sich deckt, aber so günstig, dass die Kunden einen klaren Anreiz haben, nach dem Einkauf kurz einzukehren.

Die Konsum-Bistros müssen nicht mal den Supermärkten selbst angeschlossen sein, sondern könnten als kleine Cafés selbstständig arbeiten – auch wenn dann natürlich sicher gestellt werden müsste, dass sie mit dem Konzept keine wettbewerbsverzerrende Konkurrenz zu “normalen” Bistros darstellen. Und am Ende muss auch die Energiebilanz stimmen.

Es wird nie möglich sein, den Ausschuss eigentlich verbrauchsfähiger Waren auf 0 zu senken. Aber es könnte auch eine nationale Aufgabe sein, die Zahl zumindest jährlich aufs immer Neue zu unterbieten. Wo ist der Sportsgeist?

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25
September 2014

Lost in Time (13): 50 Serien, die ihr verpasst habt

Heute geht es mal um zwei Serien, die durchaus repräsentativ für den Zeitraum ihrer Entstehung sind und über die ich auch wenig aus dem Nähkästchen plaudern kann. Beide wurden von deutschen Top-Regisseuren produziert, die es nach Hollywood gezogen hatte. Und beide belegen sehr schön, dass sich Kinoerfolg nicht so leicht ins Fernsehen übertragen lässt.

The Visitor

Als Roland Emmerich zusammen mit NBC 1997 seine erste TV-Serie ankündigte, war zumindest das SF-Fandom relativ überrascht: Hatte der Schwabe nicht mehrfach angekündigt, “Raumpatrouille” auf die Fernsehleinwände zurück zu bringen?

Hatte er. Aber nach mehr als einem Jahr zähem Ringen mit ProSieben hatte man sich einfach nicht auf ein Finanzierungskonzept einigen können. Ich war damals beim Sender und peripher an dem Projekt beteiligt – Emmerich verlangte derart viel Budget und wollte im Gegenzug nur derart wenig Rechte abtreten, dass sich die neue “Raumpatrouille” unmöglich für uns gerechnet hätte. Man hätte “Raumpatrouille” nur als prestigeträchtigen Verlustbringer fahren können – und das war dem Sender zu riskant. Am Ende muss ja auch was rumkommen.

Wie weit war das Projekt gediehen, als es abgeblasen wurde? Es gab ein Pilotdrehbuch (“Baptism by fire”), einen Regisseur für die erste Folge (Ben Burtt - auf Emmerichs strikten “Wunsch”) und ein paar Pläne für den Verlauf der Serie. Ich selbst war vom ersten Skript, an dessen Autor ich mich leider nicht mehr erinnern kann, extrem enttäuscht. Das war nicht Raumpatrouille, das war Star Trek. Ein TNG-Klon über ein eine gemischte Crew, die mit ihrem Raumschiff dorthin fliegt, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Die Updates des Konzepts eliminierten alles, was man bis dato mit “Raumpatrouille” assoziierte. Warum eine Serie neu auflegen, wenn man dafür alles aus dem Fenster schmeißt?

So ist zumindest meine Erinnerung.

Aus “Raumpatrouille” wurde also nix – und Emmerich tauchte plötzlich bei NBC mit “The Visitor” auf, einer Serie, die sich eher an “Akte X” orientierte und dem Mystery-Boom der 90er aufs Trittbrett stieg. Hauptdarsteller John Corbett war in “Ausgerechnet Alaska!” positiv aufgefallen, der Sender ließ sich auf mindestens 13 Folgen verpflichten – und doch wurde ein massiver Flop draus.

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Sieht man sich “The Visitor” heute an, ist die Serie sehr schlecht gealtert. Das ist wirklich tief in den 90ern verwurzelt, hat keine spannenden Figuren oder gute Dialoge zu bieten – und trotz des betriebenen Aufwands wird bei den Actionsequenzen und den Effekten auch kein Baum ausgerissen. Das ist zu weichgespült.

In Deutschland schaffte es “The Visitor – Die Flucht aus dem All” nicht in die Primetime. Die 13 produzierten Folgen liefen zuerst auf Premiere, später wurde sie am Wochenende nachmittags bei ProSieben verbrannt.

The Agency

Hinter “The Agency – Im Fadenkreuz der C.I.A.” steckt Wolfgang Petersen, der damals im Gespräch war, für Tandem Communications die “Ring der Nibelungen”-Miniserie zu produzieren. Ich habe ihn zweimal in LA getroffen (einmal zum Essen, einmal auf dem Warner Lot bei den Dreharbeiten zu “Perfect Storm”). Ein sehr netter, bodenständiger Typ. Als klar wurde, dass er sich auch mal an einer Serie versuchen wollte (wenn auch nur in produzierender Kapazität), hofften wir natürlich zuerst auf eine TV-Version von “In the Line of Fire”. Der Eastwood-Thriller bot sich prima als Basis einer wöchentlichen Show über einen Ex-Präsidenten-Bodyguard in Washington an. Die 90er waren ja auch das Jahrzehnt aufwändiger “crime procedurals” wie “Law & Order” und “New York Cops”. So in der Art stellten wir uns das auch vor – nur mit ein bisschen mehr Politik.

Natürlich hätte man die Serie nicht mit Eastwood besetzen können – aber “Hunter” war als Abklatsch von “Dirty Harry” ja auch jahrelang erfolgreich gewesen.

Daraus wurde aber nichts, die Rechte für “In the Line of Fire” waren nicht zu bekommen. Statt einer 180 Grad-Wende entschieden wir gemeinsam, das Kind nicht mit dem Bad auszuschütten und eine Serie im Stil von “In the Line of Fire” zu stemmen. Gleiches Konzept, ähnliche Figur, andere Rollennamen. Titel der Serie: “Potomac”. Auch hier wurde ein Pilotdrehbuch geschrieben, das ich ausnahmsweise mal richtig gut fand. Es traf den Ton von “In the Line of Fire” exzellent, war spannend, ohne übertrieben aufgeblasen zu sein und legte ein paar schöne Köder für die größeren, übergreifenden Plots der Serie aus. Der Pseudo-Eastwood-Charakter bekam eine Journalistin (?) zur Seite gestellt, mit der sehr offensichtliche erotische Spannung besteht – nur leider finden wir in der letzten Szene des Piloten heraus, dass sie verheiratet ist.

Es war zwar nicht sicher, aber wir hofften natürlich darauf, dass Petersen die Zeit finden würde, zumindest den Pilotfilm von “Potomac” als Regisseur zu übernehmen. Qualitativ gut genug war das Skript dafür allemal.

Ich weiß nicht mehr, warum die Entwicklung von “Potomac” dann eingestellt wurde. Vielleicht biss in den USA kein Sender an (was mich überrascht). Es verlief im Sande und Petersen produzierte schließlich für CBS die CIA-Serie “The Agency”.

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Es lohnt sich wirklich, auf den Titel der Serie oben zu klicken und den Wikipedia-Eintrag zu lesen. “The Agency” hatte das große Pech, sechs Tage nach den Angriffen von 9/11 zu starten, was sofortige Änderungen im Produktionsplan und Nachdrehs verursachte. Zum Ende der ersten Staffel wurde das Konzept noch mal deutlich überarbeitet, Hauptdarsteller Gil Bellows verließ die Show. Sowas nennt man wohl “schlechtes Karma”.

“The Agency” ist nicht schlecht, aber ähnlich wie “The Visitor” erstaunlich kantenfrei und belanglos. Als würden Hollywood-Regisseure die Mechanismen von TV-Serien nicht verstehen oder als hätten sie zuviel Angst, sich die Finger zu verbrennen. Nur kein Risiko eingehen! Da Petersen seine Karriere in den 70ern als TV-Regisseur kontroverser Dramen begonnen hat, sollte man das eigentlich ausschließen können.

44 Folgen lag schleppte sich die Serie mühsam dahin, in Deutschland lief sie erst anderthalb Jahre später erfolglos bei RTL2.

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23
September 2014

Apothekerpreise

Es ist keine neue Erkenntnis und allemal das Recht des Marktes, das Preise variieren. Den teuersten Ketten-Burger meines Lebens habe ich am Flughafen von Antalya gegessen. Der Preis eines Produktes richtet sich eben nicht nur nach den Herstellungskosten, sondern auch nach der Ladenmiete und den lokal zu zahlenden Löhnen. Binsenweisheit.

Manchmal sind Preisunterschiede aber gleichzeitig so nah und krass, dass es mir schon aufstösst. Drei Bespiele der letzten Wochen möchte ich mit euch teilen, auch weil sie zufällig alle mit Getränken zu tun haben.

Nennt mich den Preisspanner.

Als ich beim FFF in Berlin war, holte ich mir morgens die Getränke und Snacks für den Tag beim LIDL, der bequemerweise neben meinem Hotel verortet war. Ich trinke zwar keine Energy Drinks, aber der Preis von 99 Cent für eine große Dose Monster blieb aus unerklärlichen Gründen in meinem Kopf hängen – vielleicht wegen der kurzen Assoziationskette zum Fantasy Filmfest.

Eines Abends ging mir der Flüssigkeitsnachschub vor dem letzten Film aus und ich machte mich auf die Suche nach einem dieser Nachtläden. Dort fand ich Aufnahme und Angebot – sowie die Dose Monster für 2,69 Euro. Ich habe dann doch lieber eine Apfelschorle genommen.

Ich trinke nicht gerne Automatenkaffee, das finde ich vergleichbar mit Cheeseburgern aus der Mikrowelle, auch wenn die moderneren Koffeinspender ja durchaus frisch und mit erprobter Technik brühen. Aber bevor ich am Bahnsteig in München oder Hannover 4 Euro bei Starbucks lasse, reicht “on the go” auch ein kleiner Becher “French Vanilla by Jacobs” aus dem stummen Knecht. 50 Cent für etwas, das sich ohne Würgereiz konsumieren lässt. Passt.

Aus diesem Grund freute ich mich auch, in meinem Hotel in Berlin exakt den gleichen Automaten vorzufinden. Prima, dachte ich mir, da kann ich vor und nach einem langen Tag im Kino schnell noch mal den Kreislauf in Schwung bringen. Leider sollte hier der gleiche Becher mit der gleichen Brühe aus dem gleichen Bottich 1,60 Euro kosten.

Und schließlich Starbucks. Bin ich naiv, weil ich bisher dachte, deren Preise wären bundesweit einheitlich? Wie dem auch sei: Ich habe in Berlin den Luxus schätzen gelernt, längere Pausen zwischen Filmen nicht im Hotelzimmer oder auf der Parkbank zu verbringen, sondern in der Filiale im Sony Center. Erster Stock, bequemer Sessel, gute Aussicht, WLAN. So manche Kritik zum FFF habe ich hier geschrieben, meistens begleitet von einem Venti Caffé Latte mit Double Espresso Shot. Hält wach und lange vor.

Ich weiß nicht, warum ich an einem Abend zu einem anderen Starbucks gegangen bin, nämlich zu dem in der Einkaufspassage auf der anderen Seite des Cinemaxx-Kinos. Luftlinie liegen zwischen den Filialen keine 200 Meter – trotzdem ist Venti Caffé Latte mit Double Espresso Shot hier 40 Cent billiger. Say what?

Natürlich kann ich mir eine Dose Monster für 2,69 Euro leisten oder einen Automatenkaffee für 1,60 Euro. Ich verfluche auch nicht den Tag, an dem ich bei der einen Starbucks-Filiale 40 Cent mehr für die Latte bezahlt habe. Aber man muss kein zahlendes Mitglieder der “Geiz ist geil”-Gesellschaft sein, um diese variierenden Margen etwas komisch zu finden.

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18
September 2014

Syfy Double: “High Moon” & “Z Nation”

Der Syfy-Channel hat die Serienproduktion in den letzten Jahren ziemlich schleifen lassen. War man lange Zeit der Haussender für unterhaltsame, recht aufwändig produzierte SF-Langläufer wie “Battlestar Galactica”, “Stargate” und “Farscape”, wurde in den letzten Jahren deutlich versucht, mit weniger Geld mehr Mainstream zu erreichen. “Eureka”, “Haven” und “Warehouse 13″ schielten deutlicher auf die Zielgruppe von “Akte X” als auf die Zielgruppe von “Star Trek”. Billiger Schund wie “Flash Gordon“, “The Phantom” und “Painkiller Jane” trug dazu bei, das eigentlich recht gute Image des Senders nachhaltig zu ramponieren.

Auch im Spielfilmsektor hat sich der Sender nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wurden die TV-Filme über die Jahre immer beliebiger und abhängiger von albernen Gimmicks, drehte man fortlaufend an der Budgetschreibe: Wurden vor 10 Jahren noch 1,5 bis 2 Millionen Dollar für einen “Movie of the Week” ausgegeben, hat sich das mittlerweile bei unter 500.000 Dollar eingependelt. Weil sich leider gezeigt hat, dass dem Publikum rotzegal ist, WIE billig “Crotopus vs. Sharkeagle vs. Mechamouse” ist. Asylum hat UFO als “main provider” abgelöst und niemand stört’s.

Aber der Druck auf den Syfy Channel wird größer. Immer mehr Nischen- und Kabelsender, mitunter sogar “nur” Streaming-Provider, wagen sich in den Serienbereich. Der Kuchen, einst sauber unter den drei großen US-Networks aufgeteilt, muss nun erheblich mehr Mäuler stopfen. Im Gegenzug ist er gehaltvoller geworden: Musste sich eine Serie früher fast komplett über die Erstausstrahlung und den Paketverkauf in die Syndication finanzieren, winken heute internationale Deals, Streaming-Exklusivverträge, DVDs, Webportale und andere Amortisierungsoptionen. Außerdem kann man neue Serien gleich multimedial anlegen, um mehrere “revenue streams” zu generieren – das wurde letztes Jahr (mehr oder weniger erfolgreich) mit “Defiance” begonnen.

Derzeit scheint der Syfy-Channel in der Tat entschlossen, wieder etwas mehr Zeit & Geld in die Entwicklung neuer Serien zu stecken. Da ist sicher nicht alles Sternenstaub, was da glänzt, aber zwei aktuelle Produktionen habe ich mir dieser Tage mal angesehen.

High Moon

“High Moon” spielt, wie der Titel dezent andeutet, auf dem Mond. Verschiedene Gruppierungen (Amerikaner, Russen, Inder, etc.) haben sich den Erdtrabanten zur Förderung des überlebenswichtigen Helium-3 aufgeteilt, infrastrukturell betreut wird das Ganze von einer multinationalen Corporation mit ganz eigenen Zielen. Die Fördernationen sich sich untereinander nicht grün, mit allerlei technischen Gadgets trickst man sich immer wieder gegenseitig aus – und als auf dem Mond der Sauerstoff knapp wird, weil sich unter der Oberfläche sehr seltsame Dinge ereignen, kommt es schnell zu Zusammenstößen der verschiedenen Fraktionen:

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Wowza, das war jetzt aber mal… schräg. Und bunt. Und hübsch. Und albern. Und schräg. Und bizarr. Und poppig. Und schräg.

Und das ist verständlich, denn der Pilotfilm (dem keine Serie folgen wird) basiert auf einer “young adult novel” aus den späten 60ern und wurde von Bryan Fuller produziert, dem wir so schräge, bunte und hübsche Serien wie “Wonderfalls”, “Dead like me” und “Pushing Daisies” verdanken. Dabei ist nun eine Mischung aus “Moon Zero Two” und “2001: A Space Travesty” herauskommen, die ernste Plots mit einem permanenten Augenzwinkern und kompetentes Design mit einer Spielzeug-Wunderwelt fusioniert. Ein Comic, vollgepackt mit sympathischen Ideen, einem viel zu großen Cast und irgendwie völlig veraltetem Szenario. Glaubt man am Anfang noch, es gehe primär um lunare Industriespionage und Mystery, ist spätestens mit dem Auftauchen eines gigantischen Roboter-Dinosauriers klar – “High Moon” will nur spielen.

Das Ende hängt leider – Pilotfilmsyndrom – völlig in der Luft.

Ich bin letztlich etwas hin- und hergerissen: “High Moon” ist schon SEHR unterhaltsam und angenehm “anders” als der übliche deprimierende Brei, der einem als TV-Gold vorgesetzt wird. Andererseits: Als Serie könnte ich mir diese leichtgewichtige Produktion, die mich nicht ein einziges mal wirklich emotional gepackt hat, kaum vorstellen.

So ist es schön, dass es den Piloten gibt – aber auch okay, dass es dabei bleibt.

Z Nation

“Z Nation” ist so ziemlich das Gegenteil von “High Moon”, eine Nummer Sicher-Produktion, mit der sich Syfy GANZ eng an “The Walking Dead” anlehnt, allerdings etwas bescheidener produziert – von Asylum. Ausgerechnet.

Die Zivilisation ist dank der Zombies (die hier auch so genannt werden) mal wieder am Arsch, es gibt einen eher unfreiwilligen Patienten, der gegen ihre Bisse immun ist, und ein paar Leute, die ihn zu einem Labor nach Kalifornien bringen sollen. Unterstützt werden sie von einem Armeefunker, der den Abflug aus einem arktischen NSA-Hauptquartier verpasst hat.

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Es ist frustrierend, dass “Z Nation” gegenüber “High Moon” alle Untugenden besitzt, die ich anprangern will – Einfallslosigkeit, Brutalität, Simplizität -, aber im Gegensatz zu “High Moon” als Serie deutlich besser funktioniert. Der Pilot legt ein ziemliches Tempo vor, “Universal Soldier”-Regisseur John Hyams hält die Action straff und hart. Mit Karl Schaefer hat man sich einen Showrunner geholt, der 20 Jahre Erfahrung im Genre mitbringt. Das ist alles nicht neu, alles nicht frisch, aber dafür vertraut und eingespielt.

Die sehnige Vorwärtskraft der Produktion lässt sogar die paar logischen Patzer und budget-bedingten Schwächen untergehen, die deutlich zeigen, dass Syfy eben nicht AMC und “Z Nation” nicht “Walking Dead” ist. Aber für einen kleinen, illegitimen Ableger schlägt sich “Z Nation” ziemlich gut – sofern das Niveau des Piloten über die nächsten Folgen gehalten werden kann. Ich habe so eine Ahnung, dass man das Konzept sehr schnell auslutschen könnte.

Wir halten also fest: Syfy arbeitet fleißig an neuen Serien, traut sich was, setzt aber auch auf vertraute Konzepte und vertraute Partner. Nach der Ansicht von “High Moon” und “Z Nation” bin ich momentan wieder mit dem Sender versöhnt.

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16
September 2014

Retourkutschen

Zuerst einmal – ich halte dieses Video für einen Fake:

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Es spricht aber einen ziemlich guten Punkt an, über den ich mich vor ein paar Jahren schon mal ausgelassen habe und zu dem mir gerade noch eine Anekdote einfällt.

Schon immer habe ich mich darüber aufgeregt, dass Leute ihre Zigarettenkippen aus dem Auto schmeißen. Aus Autos, die allesamt Aschenbecher haben. Aber beim Tankvorgang den Aschenbecher auszuleeren, ist vermutlich zuviel verlangt. Auch immer wieder gerne gesehen: Den Aschenbecher beim Parken einfach am Bürgersteig ausklopfen.

Rechnet man das nur sehr konservativ hoch, landen jedes Jahr Millionen Kippen aus Celluloseacetat und Triacetin, vollgeladen mit karzinogenen Giftstoffen, in der freien Natur. Sie werden nach links rausgeschmissen, wo rechts der passende Entsorgungsbehälter steht. Das kotzt mich noch mehr an als Leute, die den Dreck ihrer Hunde nicht wegschaufeln – das ist wenigstens organischer Abfall und die stehen eben auch nicht immer neben einer Tonne. Aber Kippen aus dem Auto werfen? Meiner rheinischen Herkunft gemäß bekomme ich da SO’N HALS.

So’n Hals hatte ich auch vor ca. 15 Jahren während eines sehr heißen Sommers, was allerdings primär an einer brutalen Grippe lag, die mich zum Einwurf heftiger Medikamente zwang. Ich beging den Fehler, mich nicht krankschreiben zu lassen, sondern zugedröhnt in Richtung ProSieben zu gondeln. Auf dem Mittleren Ring in Höhe Olympiastadion dann: Stau.

Noch mal zur Erinnerung: Hitze, Medikamente, Stau.

Hinter mir ein Jaguar. Ich sehe im Rückspiegel, dass der Fahrer raucht und der Bequemlichkeit halber aus dem Fenster ascht. Benebelt fabuliert mein Gehirn ein paar Flüche zusammen, denkt sich adäquate Foltermethoden für diesen Arsch aus, der MIT SICHERHEIT die Kippe gleich aus dem Wagenfenster werfen wird.

Er wirft die Kippe aus dem Wagenfenster.

Hitze, Medikamente, Stau.

Ich ziehe die Handbremse an, steige aus meinem VW Golf, gehe die paar Schritte zurück zum Jaguar, hebe die Kippe auf – und bevor er das Fenster schließen kann, werfe ich die noch glimmende Rest-Zigarette so in seinen Wagen, dass sie im Bodenbereich des Beifahrersitzes landet. Dann gehe ich entspannt zu meinem Wagen zurück und fahre in den sich auflösenden Stau.

Im Rückspiegel sehe ich, wie der wild gestikulierende Jaguar-Fahrer aussteigen will (vermutlich, um mich zu hauen), nachdem es ihm endlich gelungen ist, die Kippe erneut zu entsorgen (diesmal im Aschenbecher seiner Luxuskarre). Dann aber wird er hupend vom nachfolgenden Verkehr davon abgehalten, alttestamentarische Rache zu nehmen.

Es waren die Hitze, die Medikamente, der Stau. Sonst wäre ich vernünftiger gewesen. Was ich heute, 15 Jahre später, schade finden würde. Denn im Jahr 1999 hat sich ausnahmsweise mal das Arschloch geärgert und nicht ich.

Mittlerweile würde ich so etwas nicht mehr machen. Nicht aus Feigheit, nicht aus Einsicht – aber KEINER, bei dem man es macht, würde daraus lernen. Es ist einfach den Stress nicht wert.

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16
September 2014

Fantasy Filmfest Masterliste (2): The Classics

Nachdem ich alle Filme aus meiner Bloggerzeit bereits verlistet habe, sind nun die Klassiker dran – hier ist die Aufstellung dessen, was ich von 1990 bis 2006 gesehen habe. Sagt viel über meinen Geschmack aus, aber auch über das Festival und die Veränderungen im Genre allgemein.

Wie schon erwähnt, bin ich seit 1990 jedes Jahr beim Fantasy Filmfest dabei gewesen. Anfangs bestand das Programm noch primär aus Retrospektiven und Schwerpunkten, weil neue Streifen für so ein “Mini-Festival” kaum zu bekommen waren. Mit dem Erfolg änderte sich das und ab Mitte der 90er dominierte das FFF die Genre-Festivalszene im ganzen Land.

Ich habe in den ersten 17 Jahren nicht annähernd so viele Filme gesehen wie in den letzten acht. Erstens, weil ich damals nicht drüber schreiben musste und dementsprechend keine Bringschuld empfand. Zweitens, weil ich keinen Urlaub dafür nehmen konnte und sich meine Verfügbarkeit auf die “Primetime” beschränkte. Und drittens, weil ich damals sowieso mit Screenern und Pressevorführungen eingedeckt war. Der Bedarf war nicht vorhanden.

Die nachfolgende Liste ist eine Rekonstruktion anhand der Programminfos der Webseite f3a.net. Ich werde sicher einige Filme vergessen haben – andere stehen hier, obwohl ich sie bei regulären Pressevorführungen gesehen habe. Meine Erinnerung ist brüchig. Aber ich denke, zu 95 Prozent müsste es hinhauen.

Ein Klick auf die Überschriften bringt euch zur Gesamtübersicht des Jahres, ein Klick auf die Filmtitel zu den entsprechenden Programmheft-Texten.

München 1990 – 8

Frisch nach München gezogen, enttäuscht von “Blue Steel”, beeindruckt von den Puppenfilmen “Marquis de Sade” und “Meet the Feebles”, verstört von “Santa Sangre” – meine erste Begegnung mit Jodorowsky. Nach “Hardware” noch mit Vorbild und Genrekritik-Legende Norbert Stresau diskutiert. Drei Monate später starb er – mit 31.

Blue Steel
Darkman
Hardware
Leatherface: Texas Chainsaw Massacre III
Marquis de Sade
Meet the Feebles
Santa Sangre
Twin Peaks: Fire walk with me

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München 1991 – 7

Anime, Thriller, TV-Event, B-Grusel, Stephen King und französische Weirdness – die perfekte Mischung.

Akira
Body Parts
Condition Red
Delicatessen
Jacob’s Ladder
Misery
Past Midnight

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München 1992 – 3

War ich in Urlaub – hatte ich zu wenig Zeit oder Lust? Keine Ahnung. Minusrekord. Dafür “Hellraiser III” in einer noch nicht farbkorrigierten Schnittfassung als Premiere und “Split Second” als Beweis, dass auch kleine B-Movies auf der großen Leinwand gewinnen können.

Hellraiser III
Split Second
Wedlock

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München 1993 – 13

Umzug in die Nähe des Kinos – lange Abende, wenig Schlaf, am nächsten Tag wieder in die GONG-Redaktion. Im Programm immer mehr Premieren und aktuelle Filme, die Zeit der riesigen Retrospektiven geht zu Ende. Solide Mischung, Enttäuschung allerdings bei den selbstreferenziellen “Stage Fright” und “Matinee”. Der Totalausfall “Tobe Hooper’s Living Nightmare” ist meine erste Kinokonfrontation mit Harry Alan Towers, den ich Jahre später persönlich und gut kennenlernen werde. Eine Frechheit ist der Überraschungsfilm “Posse”, ein “black Western”, der vor allem deshalb überrascht, weil er auf einem solchen Festival nichts zu suchen hat.

12:01
Accion mutante
Body Snatchers
Carnosaurus
Freaked
Kalifornia
Matinee
Posse
Return of the Living Dead III
Stage Fright – Eine Gurke erobert Hollywood
The Turn of the Screw
Ticks
Tobe Hooper’s Living Nightmare

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München 1994 – 13

Erstkontakt mit Guillermo del Toro, dessen Talent schon in “Cronos” offensichtlich ist. Carpenter auch mal wieder gut drauf, solide Action in “Full Eclipse” und “Surviving the Game” (“always check the barrel, bitch!”). Dafür peinlich berührtes Rumgeschubber auf dem Sitz bei “Das Schweigen der Hammel”.

Angriff der 20 Meter-Frau
Cronos
Das Böse III
Das Schweigen der Hammel
Dellamorte Dellamore
Die Mächte des Wahnsinns
Freddy’s new nightmare
Full Eclipse
Heart and Souls
Killing Zoe
Love and a .45
Necronomicon
Surviving the Game

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München 1995 – 5

“Die Passion des Darkly Noon” begeistert, gerade auch weil der Film in Deutschland gedreht wurde. “Castle Freak” ist Hardgore. “Fist of the North Star” ist eher so meh. Start der großartigen “God’s Army”-Saga – sollte jeder mal im Kino gesehen haben.

Castle Freak
Die Passion des Darkly Noon
Die Stadt der verlorenen Kinder
Fist of the North Star
God’s Army

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München 1996 – 8

Die Brüste von Pamela Anderson dominieren alles und Anime-Fans sind sich einig: So wie in “Crying Freeman” geht das in Ordnung. “Hellraiser IV” enttäuscht, Albert Pyun sowieso, “Evil Ed” ist einer der vielen kleinen Festival-Filme, von denen man nie wieder hört.

Barb Wire
Crying Freeman
El dia de la bestia
Evil Ed
Ghost in the Shell
Hellraiser IV
Lord of Illusion
Ultimate Chase

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München 1997 – 9

“Dobermann” rockt zynisch, “Dark World” ist sehr solide, “Wax Mask” nur eine schwache Erinnerung an Giallo-Legenden. Jackson goes Mainstream.

Bordello of Blood
Bram Stoker: Dark World
Curdled
Dobermann
Hemoglobin
Nirvana
Space Truckers
The Frighteners
Wax Mask

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München 1998 – 11

Es sind die kleineren Filme, die begeistern: “Bone Daddy” mit Faux-King-Grusel, “18th Angel” mit der bezaubernden Rachel Leigh Cooke, “Cube” von Natali. Carpenter enttäuscht, “Talos” sowieso. “Dark City” sorgt für Diskussionen.

18th Angel
Bone Daddy
Cube
Dark City
Das Böse IV
Jerry & Tom
John Carpenters Vampire
Orgazmo
Progeny
Talos – Die Mumie
Wishmaster

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München 1999 – 7

Ich konzentriere mich auf Mainstream, meide asiatische Produktionen – ein wenig bemerkenswertes Jahr.

13th Warrior
13th Floor
Beowulf
Drop dead gorgeous
Echoes
eXistenZ
Idle Hands

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München 2000 – 11

“Ginger Snaps”, “Final Destination” und “Pitch Black” machen drei Franchises auf – “Fortress 2″ macht seine wieder zu. William Hurt goes Grusel, “Komodo” ist besser, als Titel und Thema vermuten lassen. Der argentinische “Sleepwalker” ist ein lohnenswerter Außenseiter.

4th Floor
Cherry Falls
Convent
Final Destination
Fortress 2
Ginger Snaps
Komodo
Mystery Men
Pitch Black
The Sleepwalker
Tinseltown

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München 2001 – 9

Sehenswerter deutscher Beitrag “Vortex”. “Der Pakt der Wölfe” begeistert das gesamte Publikum. Mir gefällt “Jason X” und der spanische Außenseiterfilm “Heart of the Warrior” rührt mein Herz.

Der Pakt der Wölfe
Donnie Darko
Faust: Love of the Damned
Heart of the Warrior
Jason X
Jeepers Creepers
Memento
Vampire Hunter D: Bloodlust
Vortex

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München 2002 – 12

Einer der kurzweiligsten Jahrgänge mit den sehr rasanten “51st State”, “Bloody Mallory”, “Cube 2″, “Dog Soldiers”, “The Bunker” und “Versus”. Wer mehr Anspruch und etwas weniger Tempo sucht, findet beides beim polnischen “Avalon” und bei “Human Nature”.

51st State
Avalon
Bloody Mallory
Cube 2
Demonlover
Dog Soldiers
Human Nature
Legend of the Phantom Rider
Reign of Fire
The Bunker
Versus
Vidocq

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München 2003 – 11

Daft Punk begeistern mich mehr als Rob Zombie, mit Natali liegt man nie falsch und viele solide B-Movies sorgen für ein rundes Festival.

11:14
Bubba Ho-Tep
Cypher
Dead Creatures
Dead End
House of 1000 corpses
Identity
Interstella 555
Monster Man
Phone Booth
Undead

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München 2004 – 13

Ein Festival, auf dem “Butterfly Effect” und “Open Water” die besten Filme sind, kann kein Top-Jahrgang sein. Aber “Nothing” und “Hellboy” machen Spaß, die Chinesen lassen mit “Twins Effect” die Sau raus und Franka Potente langweilt (sich und uns) im Londoner Untergrund.

Butterfly Effect
Creep
Dawn of the Dead
Dead and Breakfast
Hellboy
Immortel
Kaena: The Prophecy
Nothing
Open Water
Spy Bound
The Machinist
The Twins Effect
Trespassing

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München 2005 – 7

“Reefer Madness” macht mit der süßen Kristen Bell bekannt, Emily Booth rockt “Evil Aliens”, “The Descent” weist auf ein neues Regie-Talent hin – aber ausgerechnet der gehypte “Kiss Kiss Bang Bang” entpuppt sich als eitler und geschwätziger Rohrkrepierer. “Kampfansage”? Autsch.

Appleseed
Evil Aliens
Godzilla: Final Wars
Kampfansage
Kiss Kiss Bang Bang
Reefer Madness: The Musical
The Descent

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München 2006 – 12

Doc Acula ist aus Nürnberg zu Besuch, ich hole mir beim Trip zwischen den beiden Kinos Blasen an den Füßen. Wieder überzeugen kleine Filme, “Them” ist Terror pur, “Renaissance” ein visueller Trip, “River King” eine exzellente Romanadaption. Der launige “Behind the Mask” ist ungerechtfertigterweise fast schon vergessen.

A Scanner darkly
Adrift
Behind the Mask
Brick
Frostbite
Karla
Final Fantasy: Advent Children
Renaissance
Severance
The River King
Them
Wolf Creek

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Was für ein Festival-Senior ich bin, kann man schon daran erkennen, dass die Programmhefte in meinem Kopf auf ewig A5 und blau sein werden – wie in der glorreichen 1993-1999-Ära:

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15
September 2014

Pro-Tipps für den Alkoholiker-Nachwuchs: Lieber 12jähriger…

… ich nenne dich einfach mal so, weil du wie maximal 12 aussiehst und ich deinen Namen nicht kenne.

Speyer. Altstadtfest. Wein, Bier, Wurst und Tornados. Cover-Bands, die lauter Musik machen, von der du nie gehört hast – Styx, Meat Loaf, Spandau Ballet, Deep Purple. Rambazamba, humbatatärä vom Fanfaren-Orchester. Provinzparty für einen guten Zweck.

Da musst du dabei sein. Verstehe ich gut. Kirmes in Düsseldorf war für mich auch immer der Knaller. Da kann mich toll mal erwachsen fühlen, Spaß haben, “abhängen”. Ist für gewöhnlich auch die richtige Zeit, der kleinen Nachbarstochter einen Kuss oder dem großen Bruder eine Zigarette abzuschwatzen.

Alkohol ist allerdings so eine Sache. Wir leben nicht mehr in den 70ern, als ein angeheiterter 12jähriger noch eine verdammt lustige Sache war und käsehohe Wirtssöhne dem Papa am Zapfhahn helfen durften. Das gibt zu schnell Ärger mit Ordnungs- oder Jugendamt.

Deswegen war unsere Begegnung am Bowle-Stand auch so tragisch. Schon klar: Du dachtest dir “Bowle ist auch nix anderes als Obstsaft mit ein paar Umdrehungen drin”. Quasi die Capri Sonne unter den Spirituosen. Erdbeeren, Kiwi, Melone. Viel unverdächtiger als Bier oder Wein. Kann ja nicht so schwer dranzukommen sein.

Also: Hühnerbrust raus, Schultern zurück, lässigen Blick aufsetzen und zum Mann hinter dem Tresen genau das Falsche sagen: “Verkaufen Sie Bowle auch schon an 16jährige?”

Erwartungsgemäß entwickelte sich der Dialog in eine für dich eher ungünstige Richtung:

Gastwirt:”Klar schenken wir an 16jährige aus.”
12jähriger Junge: “Prima. Ich bin nämlich 16 und nehme dann mal eine Limetten-Bowle mit Wodka.”
Gastwirt: “Gerne. Zeig doch mal deinen Ausweis.”
12jähriger Junge: “Öhh…ähh… den habe ich jetzt gerade nicht dabei.”
Gastwirt: “Ohne Ausweis keinen Alkohol. Ist dir eigentlich klar, dass du gesetzlich verpflichtet bist, dich jederzeit ausweisen zu können?”

Da kamst du ins Schleudern. Zwei, dreimal rumdrucksen, irgendwas murmeln, nix wie weg.

Der Gastwirt hat mich angelacht. Ich habe ihn gefragt, ob so etwas öfter vorkommt. Er sagt, normalerweise hätten die Pimpfe noch eine Zigarette in der Hand, um “alt genug” zu wirken. Funktioniert hat es noch nie.

Das tut mir leid für dich. Weil es so eine Art Reifeprüfung ist, Alkohol zu trinken, bevor man es darf. Man darf es nur nicht übertreiben. Nicht jeder ist zur Drew Barrymore geboren.

Es ist auch gar nicht so schwer, im Rahmen eines Stadtfests an Alkohol zu kommen. Weil du dich aber so doof angestellt hast, gebe ich dir nun mal ein paar Tipps. Andererseits: Vielleicht ist die Tatsache, dass du zu doof zum Alkohol abstauben bist, ein guter Hinweis, dass du mit dieser Reifeprüfung noch ein wenig warten solltest.

Sei’s drum.

Gefälschte Ausweise sind hierzulande leider kein Kavaliersdelikt wie in den USA. Rate ich also von ab. Der Aufwand würde auch deine Fähigkeiten und dein Taschengeldkontingent sprengen. JPG aus dem Internet auf Papas Farbdrucker ausdrucken reicht gemeinhin nämlich nicht.

Wenn es dir nur um die verbotene Frucht Alkohol geht – nutze nicht das Stadtfest, sondern die Tatsache, dass deine Eltern auf dem Stadtfest sind. Mach es wie mein Vater, der war ein echter Profi-Alkoholiker: sauf daheim! Ist auch billiger. Es findet sich sicher eine angebrochene Weißwein-Flasche oder eine Bierflasche, die im Keller vergessen wurde. Das hat dann auch gleich so einen verzweifelt-heimlichen Aspekt, der dich prima auf die Freuden der Quartalssäuferei einstimmt.

Ist der Haushalt der Eltern alkoholfrei oder (wahrscheinlicher) gut kontrolliert, dann besinne dich auf den Klassiker: Der große Bruder eines guten Kumpels ist bestimmt bereit, für einen Zehner ein paar Becher Bier in die Seitenstraße zu schleppen, wo ihr euch drüber her machen könnt. Der kennt das selber von REWE, wo allabendlich die Volljährigen für die vor dem Supermarkt lungernden Halbstarken den harten Stoff einkaufen.

Kein Teenager mit vollendetem Stimmbruch im Griffweite? Nicht verzweifeln! Die Möglichkeiten zur Beschaffung sind mannigfaltig. Du kannst es trotz aller bisherigen Warnungen tatsächlich am Bowle- oder Bierstand versuchen. Aber die Story muss so beiläufig und stimmig sein, dass der Schankwirt sich wider besseren Wissens hinreißen lässt, dir was zu zapfen. Meine Empfehlung: Mit einem Kumpel im Gespräch am Tresen auflaufen, Cola und Apfelschorle bestellen, sich vom Freund anhauen lassen: “Deine Mutter wollte doch noch ein Bier”. Ach ja, ein Bier für die Mutter noch. Klappt nicht oft, aber manchmal.

Ebenfalls keine Option? Dann empfehle ich den Klassiker mit Sternchen: Restesaufen. Geht am besten, wenn der Abend weit voran geschritten ist und die Erwachsenen ordentliche Pegel haben, so dass sie das letzte Glas nicht leer machen. Wenn eine Gruppe einen Tisch freimacht, lässig hingehen, als wärst du der Abräumer, ein paar Gläser oder Becher nehmen, hinter den Ausschank gehen und schnell runter kippen. Bonus: Die Mischung verschiedener alkoholischer Getränke verdirbt den Geschmack, verstärkt aber die Wirkung!

Last Exit Langfinger: Wenn’s zu lange dauert, bis ein Becher absichtlich stehen bleibt, kann man der Sache auch einfach Vorschub leisten. Gerade bei Bier müssen die Besitzer häufig austreten gehen, da braucht es nur ein gutes Auge und einen schnellen Griff, um die gewünschte Hopfenspezialität zum Eigentümerwechsel zu bewegen.

Bei dieser Methode ist nicht zu unterschätzen, dass es sich um echte Beschaffungskriminalität handelt und damit gleich zwei oder drei Schritte auf dem Weg zur soliden Alkoholikerkarriere genommen werden. Geht es also nicht so sehr um den Geschmack oder den Kick, sondern um das gesellschaftliche Vorankommen, kann ich das durchaus empfehlen.

Nur das mit den Zigaretten solltest du lassen. Lies mal die Aufkleber auf der Packung. Bäh.

In diesem Sinne:

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14
September 2014

Fantasy Filmfest Masterliste (1)

Dies ist die Masterliste aller Filme, die ich auf dem Fantasy Filmfest seit Bestehen meines Blogs gesehen und besprochen habe. Sie wird jährlich aktualisiert und ist immer über den neuen Tag “Fantasy Filmfest Stats” zu erreichen.

Die Links führen direkt zu den Reviews.

Die Bewertungen entsprechen nicht notwendigerweise exakt den Bewertungen ihrer Zeit, sondern repräsentieren meine aktuelle Meinung zu den Filmen – auch im direkten Vergleich miteinander.


20072007
München
28 Filme

28 Weeks later
 An American Crime
 Black Sheep
 Black Water
 Dead Silencegraph2007
 Death Note
 Edmond
 End of the Line
 Ex-Drummer
 Fido
 Film Noir
 Free Jimmy
 Hallam Foe
 I’m a Cyborg, but that’s okay
 OSS 117
 Out of the Blue
 Paragraph 78
 Perfect Creature
 Premonition
 Rise: Blood Hunter
 The Abandoned
 The Deaths of Ian Stone
 The Ferryman
 The Gravedancers
 The Lookout
 The Messengers
 The Signal
 Unrest


20082008
Nürnberg
19 Filme

 100 Feet
 36 Pasos
 Afro Samurai
 Dance of the Dead
graph2008 Dog eat dog

 Hush
 Jack Brooks – Monster Slayer
 JCVD
 Like a Dragon
 Midnight Meat Train
 Mirrors
 My Name is Bruce
 Outlander
 Rage
 Repo – The Genetic Opera
 Restraint
 Shuttle
 Terra
 Transsiberian
 Virus undead


20092009
München
22 Filme

 Black Dynamite
 Bronson
 Carriers
 Case 39
graph2009 District 9
 Doghouse
 Final Destination 3D
 Giallo
 I sell the Dead
 In the Electric Mist
 Infestation
 Moon
 Pontypool
 Sky Crawlers
 Tell Tale
 The Children
 The House of the Devil
 The Killing Room
 The Thaw
 The Tournament
 Thirst
 Trick’r’Treat


20102010
Berlin
23 Filme

 Amer
 Black Death
 Centurion
 Chatroom
graph2010 Clash
 Corridor
 Devil’s Playground
 Enter the Void
 Four Lions
 Frozen
 Gallants
 Hybrid
 Kaboom
 Monsters
 Red Hill
 Redline
 Suck
 The Disappearance of Alice Creed
 The Silent House
 The Wild Hunt
 Tucker & Dale vs. Evil


20112011
Berlin
37 Filme

 22nd of May
 A horrible way to die
 A lonely place to die
 Attack the Block
graph2011 Cat Run
 Chillerama
 Cowboys & Aliens
 Deadheads
 Don’t be afraid of the Dark
 End of animal
 F
 Grave Encounters
 Hair of the Beast
 Hell
 Hideaways
 Innkeepers
 Julia X
 Kill List
 Little Deaths
 Norwegian Ninja
 On the Ice
 Perfect Sense
 Phase 7
 Point Blank
 Rabies
 Red State
 Repeaters
 Stake Land
 Suicide Room
 Super
 The Divide
 The Last Death
 The Mortician 3D
 The Prey
 The Revenant
 The Valdemar Legacy
 Urban Explorer


20122012
Berlin
26 Filme

 13 Eerie
 A Chinese Ghost Story 2010
 Ace Attorney
 After
graph2012 Beast
 Beasts of the Southern Wild
 Columbus Circle
 Compliance
 Excision
 Grabbers
 Morituris
 Piranha 3DD
 Portrait of a Zombie
 Starship Troopers Invasion
 Storage 24
 Thale
 The Awakening
 The Dinosaur Project
 The Flying Swords of Dragon Gate
 The Ghostmaker
 The Possession
 The Suicide Shop 3D
 Universal Soldier: Day of Reckoning
 Vamps
 Violet & Daisy
 When the lights went out


graphNights2013Fantasy Filmfest Nights 2013
München
6 Filme

 American Mary
 Citadel
 John dies at the End
 Stoker
 The ABCs of Death
 The Bay


20132013
Berlin
37 Filme

 A field in England
 Aftershock
 APP
 Big Ass Spider!
graph2013 Byzantium
 Cheap Thrills
 Cottage Country
 Devil’s Pass
 Frankenstein’s Army
 Haunter
 House of Last Things
 In the Name of the Son
 Love Eternal
 Makkhi
 Miserere
 Odd Thomas
 Pawn Shop Chronicles
 Raze
 Scenic Route
 Sweet Vengeance
 Taped
 The Battery
 The Body
 The Complex
 The Congress
 The Human Race
 The Last Days
 The Lords of Salem
 The Numbers Station
 The Philosophers
 Three-60
 Tulpa
 u want me 2 kill him?
 Vanishing Waves
 VHS 2
 Welcome to the Jungle
 Zombie Hunter


graphNights2014Fantasy Filmfest Nights 2014
München
10 Filme

 Dead Snow 2
 Enemy
 In Fear
 Retornados
 Rigor Mortis
 Sacrament
 Snow Piercer
 The Green Inferno
 Witching & Bitching
 Wolf Creek 2


fff20142014
Berlin
50 Filme

 13 Sins
 All Cheerleaders die
 Among the Living
 Beneath
graph2014 Beneath (Fessenden)
Blue Ruin
 Cannibal
 Coherence
 Cold in July
 Dark House
 Extraterrestrial
 Faults
 Go Goa Gone
 Honeymoon
 Housebound
 In Darkness we fall
 iNumber Number
 It follows
 JamieMarks is dead
 Let us prey
 Life after Beth
 November Man
 Nurse 3D
 Oculus
 On the Edge
 Open Windows
 Patch Town
 Patema inverted
 Redirected
 Rufus
 Stage Fright
 Starred up
 Starry eyes
 Suburban Gothic
 The Babadook
 The Canal
 The Mule
 The Rover
 The House at the end of time
 The strange colour of our body’s tears
 The Treatment
 The Voices
 These final hours
 Time Lapse
 Under the Skin
 We gotta get out of this place
 Wer
 What we do in the Shadows
 Wolfcop
 Wrong Cops

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9
September 2014

Fantasy Filmfest 2014 (49): Cat Run 2

Ich schummle jetzt einfach ein bisschen, um auf die 50 zu kommen. “Cat Run 2″ lief gar nicht auf dem FFF 2014. Hätte er aber sollen. Weil der Vorgänger beim FFF 2011 eine echte Überraschung war und das Sequel somit Priorität haben sollte. Zusammen mit dem zweiten, falschen “Beneath” bin ich damit auf 50. Weil ich “Cannibal” echt nicht mehr schaffe – der ist furchtbar lang und soll furchtbar langweilig sein. Nehmt’s gnädig hin und lasst mich ausschlafen.

cat-run-2-2014-sat-thu-meo-hoang-2-1409458477USA 2014. Regie: John Stockwell. Darsteller: Scott Mechlowicz, Alphonso McAuley, Winter Ave Zoli, Kamille Leai, Vanessa Branch u.a.

Die Detektei von Anthony und Julian läuft nicht gut, Anthony möchte sowieso lieber Chefkoch werden – da trifft es sich gut, dass sein Kumpel ihn bei einem TV-Wettkochen in New Orleans angemeldet hat. Im Big Easy erwartet die beiden Freunde ein bizarrer Fall: Nackte osteuropäische Nutten haben versucht, in einem Armeestützpunkt wichtige Pläne für einen Supersoldaten-Anzug zu klauen, der dann an einen internationalen Waffenhändler verhökert werden soll. Anthony kommt bei seinen Ermittlungen der schönen Tatiana näher, als ihm lieb sein kann…

Kritik: Ich mache es kurz – so ziemlich alles, was “Cat Run” richtig machte, vergeigt der Nachfolger. Es ist mir ein Rätsel, wieso man des Sequel von Erstlingsautoren hat schreiben lassen, die augenscheinlich des Appeal des Originals nicht verstanden haben.

New Orleans ist deutlich unspannender als das südosteuropäische Setting des Erstlings, weil es für unsere Helden nur sehr bedingt ein unbekanntes Feld ist. Die “fish out of water”-Elemente fehlen, zumal die angedeuteten kulturellen Unterschiede letztlich nicht bedient werden.

Die amüsanten Nebenfiguren fehlen. D.L. Hughley, Paz Vega und vor allem die großartige Janet McTeer glänzen durch Abwesenheit – der Film gibt sich praktisch keine Mühe, an das Ende des Originals anzuschließen, auch wenn es zumindest im Dialog mal aufgegriffen wird. Tatiana und der “Wolf” sind kein Ersatz, bleiben so blass, dass ich die Darstellerinnen von Szene zu Szene immer mal wieder verwechselt habe.

Die Action ist zwar wieder viel und schnell, aber auch hirnrissig und überzogen. Wo der Erstling stark auf hausgemachte Ballereien und gute Choreographie setzte, sind die Fights in “Cat Run 2″ künstlich beschleunigt und bei der Hardware regiert die CGI.

Die Chemie zwischen Anthony und Julian ist diesmal nur behauptet, die meisten Gags zünden nicht und die Subplots ergänzen nicht die Handlung, sondern stören nur.

Was das Finale angeht, bin ich mir unsicher: Dass Anthony und Julian gar nichts mit dem “boss fight” zu tun haben, ist ein absolutes no go. Und die Inszenierung ist so erbärmlich wie die Computergrafik zweitklassig ist. Andererseits: Es ist ein weiblicher “Iron Man vs. Universal Soldier”-Fight. Scheiße hin oder her, es fasziniert.

mitteFazit: Ein völlig unausgegorener Mischmasch aus Genreelementen ohne Zusammenhalt, der die hyperaktive Action des Vorgängers nachäfft, aber nie erreicht. Cast und Regie können nicht retten, was das Drehbuch vergeigt. Einzig das hohe Tempo und der Comic-Stil retten “Cat Run 2″ ins Mittelmaß.

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P.S.: Ähnlich wie bei “Nurse 3D” bin ich gespannt, ob für die internationalen Märkte verschiedene Fassungen erstellt wurden, denn in der ersten Viertelstunde fährt “Cat Run 2″ so massiv “full female frontal nudity” auf, dass es kracht.

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9
September 2014

Fantasy Filmfest 2014 (48): Blue Ruin

blue ruin

USA 2013. Regie: Jeremy Saulnier. Darsteller: Macon Blair, Devin Ratray, Amy Hargreaves, Bonnie Johnson, Brent Werzner, Kevin Kolack, Daniel L. Kelly, David W. Thompson, Eve Plumb

Offizielle SynopsisNach einem traumatischen Doppelmord lebt Dwight seit Jahren am Rande der Gesellschaft – ein zerzauster, verwahrloster Landstreicher, unsichtbar für die meisten Menschen, allein mit sich selbst und seinen Rachegedanken im Schutze eines rostigen blauen Pontiac. Als eines Tages der für das damalige Verbrechen verurteilte Wade Cleland aus dem Gefängnis entlassen wird, schlägt Dwights Stunde. Bewaffnet und zu allem entschlossen sucht er nach dem Mörder, doch auf seinem Kreuzweg ist die Konfrontation mit Wade nur der Beginn einer unfassbaren Tortur – ein Abstieg in die Tiefen einer Hölle, aus der es kein Zurück mehr gibt. Ohne es zu wollen, entfesselt Dwight einen Krieg, der keine Sieger kennt.

Kritik: Mein Kumpel William aus San Francisco meinte, dieser Film wäre gut beleumundet. Darum habe ich ihn mir bis zum Schluss aufgehoben.

Strukturell folgt “Blue Ruin” dem Revenge-Muster: Dwights Leben wurde zerstört, als Verbrecher seine Eltern ermordeten. Nach 20 Jahren wird der Gangster entlassen, Dwight zieht zuerst gegen ihn, dann gegen seine nicht minder skrupellose Familie zu Felde.

Aber es wird auch von Anfang an klar, dass Dwight kein brütender Racheengel ist, sondern ein von der Gesellschaft abgekoppelter Sonderling, dessen singuläres Bedürfnis nach Vergeltung nichts mit dem Wunsch nach Gerechtigkeit zu tun hat. Er ist in rein alttestamentarischer Mission unterwegs – auch wenn er keine Ahnung hat, wie er das anstellen soll. Seine Versuche, sich eine Waffe zu besorgen und seine Gegner zu besiegen, sind unbeholfen, peinlich und mitleiderregend. Es ist nur einer bizarren Menge an Glück zu verdanken, dass er nicht augenblicklich scheitert. Dwight ist nicht Held oder Antiheld – nur ein Loser.

Dwight hat seinen Feldzug zudem nicht durchdacht – mit der Ermordung des Gangsters zieht er seine eigene Familie in die Angelegenheit hinein, denn das “Auge um Auge” wird nun in den erweiterten Kreis getragen. Gewalt erzeugt Gegengewalt, die Spirale wird zum Schneeball. Wenn Dwight “Two of mine, two of yours – let’s leave it at that” vorschlägt, ist es eher eine verzweifelte Bitte als eine Eastwood-eske Aufrechnung.

Das alles erzählt Saulnier langsam, aber mit einer spannenden und erschütternden Zwangsläufigkeit. Wie der Gaffer beim Unfall auf der Autobahn will man sehen, wie weit sich Dwight in die Scheiße reiten kann – und ob es für ihn überhaupt eine Chance auf Überleben gibt.

Somit überzeugt “Blue Ruin” als sorgfältig erzählter Thriller ebenso wie als Meta-Meditation über Filmgewalt und die Emotionen, die sie auslöst.

hochFazit: Ein Revenge-Thriller ohne schlechten Nachgeschmack, der die Selbstjustiz als leere Gewalt sozial verwirrter Außenseiter brandmarkt. Kampf ohne Katharsis, die geschickt die Eleganz der Actionästhetik unterläuft.

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P.S.: Ich habe zugegebenermaßen die Dominanz der Farbe Blau in Dwights Leben nicht verstanden. Kann jemand aushelfen?

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7
September 2014

Harter Deckel für harte Kerle

Ich bin vom Fantasy Filmfest zurück und arbeite gerade meine immerhin 25. Teilnahme (ununterbrochen seit 1990) statistisch auf. Da kommen noch ein paar interessante Beiträge auf euch zu, die zum Stöbern einladen.

Während ich in Berlin weilte, kam in Speyer ein lang erwartetes Päckchen für mich an – das Charles Band-Buch, das ich betreut und teilweise geschrieben habe, ist angesichts guter Verkaufszahlen in England nun auch als von Charles Band signiertes Hardcover erhältlich:

Empire-Promoted

Ich hab mein Sammlerstück schon, hurra:

hardcSollte jemand von euch mit dem Gedanken spielen, sich diese signierte Edition zu zu legen, der kann sie auch direkt an mich schicken lassen – dann unterschreibe ich ebenfalls und schicke sie weiter.

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6
September 2014

Fantasy Filmfest 2014 (47): The House at the End of Time

The House at the end of timeVenezuela 2013. Regie: Alejandro Hidalgo. Darsteller: Ruddy Rodriguez, Gonzalo Cubero, Rosmel Bustamante, Guillermo Garcia

Offizielle Synopsis: Seit Dulce, die Mutter zweier Kinder, mit ihrem Mann in das geheimnisumwitterte, alte Kolonialhauses irgendwo in Venezuela gezogen ist, geschehen dort seltsame Dinge. So wie es sich für Spukhäuser gehört. Eines Tages findet sie ihren Mann erstochen auf und als kurz darauf ihr kleiner Sohn Leopoldo von dem finsteren Kellergewölbe regelrecht verschluckt wird, hat sie bei der Polizei ein Glaubwürdigkeitsproblem. Was ihr jahrzehntelange Haft einbringt, die sie unschuldig verbüßt. Und sie schließlich mit der unerschütterlichen Absicht in das Gemäuer zurückkehren lässt, dessen Rätsel endgültig zu lösen. Noch kann sie nicht ahnen, wie sich ihr Schicksal erfüllen wird an diesem rätselhaften Ort – dem Haus, das Anfang und Ende vereint.

Kritik: Ich habe dieses Jahr irgendwie einen Overkill an Spukhausfilmen. Das Thema ist einfach nicht totzukriegen (pun intended). Nach zwei Beiträgen aus den USA und einem aus Neuseeland gibt sich nun Venezuela die Ehre – ein Land, das nicht gerade für seine blühende Filmindustrie bekannt ist (Vellywood?). Aber genau wegen solcher Außenseiter gehe ich (unter anderem) auf das FFF, also Ceylon-Tee auspacken, Leberkäs-Semmel bereit legen und „Film ab!“…

„The House at the End of Time“ lebt von seiner Struktur, der Art, wie er Gegenwart und Vergangenheit über Flashbacks zusammen bringt, bis sie sich ergänzen, schließlich sogar beeinflussen. Dulce war immer da, wird immer da sein – ist damit omnipräsent. Sie ist der Fokus des Geschehens, auch wenn sie als Protagonistin wenig taugt. Sie hat Angst, ist vom Leben ausgelaugt, schweigsam und mürrisch. Für sie Sympathie aufzubauen, sei es in der Gegenwart oder in den Flashbacks, fällt vergleichsweise schwer.

Es tut mir leid, wenn ich sehr vage klinge, aber es ist ausnehmend schwer, den Film zu erklären oder zu bewerten, ohne zuviel zu verraten. Denn das Geheimnis von “The House at the End of Time“ geht weit über die Frage hinaus, was im Haus spukt. Vom Prolog an fragen wir uns, wer hier eigentlich wem etwas will. Jeder ist verdächtig und doch gleichzeitig ein Opfer. Das macht den Reiz aus, vor allem, wenn am Schluss langsam alles zusammen findet.

Ich will mich jetzt nicht weiter in wolkigen Analysen ergehen. Inhaltlich ist “The House at the End of Time“ durchaus potent, präsentiert eine Spukgeschichte, die wir so noch nie gesehen haben – und deren Ende so stimmig wie befriedigend ist. Das Finale ist es auch, dass Dulce als Protagonistin rechtfertigt, wenn auch etwas spät.

Technisch hat “The House at the End of Time“ allerdings so seine Probleme: Trotz der relativ straffen und mehrschichtigen Struktur sind viele Szenen lähmend langsam, verbringen die Figuren anödend viel Zeit damit, in Türen und dunkle Gänge zu starren. Es ist ein freudloser Film, dessen Figuren nicht mit tatsächlichem Antrieb ausgestattet sind, sondern erst aus leerer Verzweiflung in die Gänge kommen. Alle schauen ständig drein wie auf einer Beerdigung und die Hauptemotion, die “The House at the End of Time“ transportiert, ist Depression. Wirkliche Begeisterung kann da auch im Zuschauerraum nicht ausbrechen.

Angesichts der zähen Vorgänge auf der Leinwand ist die Bewunderung, die man für die raffinierte Geschichte aufbringt, denn auch eher intellektueller Natur.

mitteFazit: Ein müder, trister Geisterhausfilm, dem die sympathischen Figuren abgehen – was letztlich schade ist, weil die Grundidee spannend ist und souverän aufgelöst wird. Ein geeigneter Kandidat für ein US-Remake mit etwas mehr Fokus auf dem Entertainment.

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6
September 2014

Fantasy Filmfest 2014 (46): We gotta get out of this place

we gotta get out of this placeUSA 2013. Regie: Simon & Zeke Hawkins. Darsteller: Ashley Adams, Mackenzie Davis, Logan Huffman, Jeremy Allen White, Jon Gries, William Devane, Mark Pellegrino

Offizielle Synopsis: Windkraftanlagen scheinen das Einzige zu sein, was sich im texanischen Flachland bewegt. Staubige Straßen, hässliche Häuser, dazwischen ragen kümmerliche Palmen wie Klobürsten aus der spärlich bewohnten Gegend. Sue und Billy hoffen auf eine bessere Zukunft am College, deswegen überredet sie ihr Freund B.J. noch ein letztes mal einen draufzumachen. Er hat gerade den Safe seines Chefs ausgeräumt, was Sue und Billy natürlich erst später erfahren, als der wütende Boss seinen Revolver sprechen lässt und ein unschuldiger Mexikaner dran glauben muss. Um das Geld  zurückzuzahlen, sollen die drei Freunde nun den Chef vom Chef beklauen und geraten tief in den sumpfigen Mief der lokalen Mafia.

Kritik: Noch ein Südstaaten-Krimistück. Diesmal eingepackt in die Geschichte einer Freundschaft, die an der Grenze zum Erwachsensein zerbricht. Das Verbrechen ist dabei nur ein Katalysator, der beschleunigt, was sowieso nicht aufzuhalten ist.

Letztlich geht es nicht um viel: Sue, Billy und BJ sind auf dem Sprung aus dem Kuhkaff heraus, haben ein letztes Mal Scheiße gebaut, müssen für den Kleinstadtgauner Gif nun einen „Job“ erledigen, der verdächtig einfach klingt. Aber wie Sue bei Jim Thompson gelernt hat: „Nichts ist so, wie es scheint“. Der Job ist nicht so einfach, wie er scheint, BJ nicht so loyal, wie er scheint – und die Beziehung von Sue und Billy ist sowieso von Unausgesprochenem und Unerfüllbarem geprägt. Es ist die Mischung aus kleinen Lügen und banalen Geheimnissen, die zu einer Katastrophe führen werden.

So etwas kann ganz schnell schief gehen, wenn man bei den Charakteren nur auf Klischees und bei den Dialogen nur auf Banalitäten zurückgreifen kann. Das ist hier glücklicherweise nicht der Fall.

Ich kann euch nicht sagen, wie erfrischend es ist, nach einem Rotz wie „Extraterrestrial“ und „Rufus“ mal wieder einen FIlm zu sehen, der seine jugendlichen Charaktere mit Leben füllen kann. Sue, Billy und BJ sind Alltagsgeschöpfe einer trostlosen Gegend und nicht billige Dekoration. In Zeichnung und Darstellung sind sie so präzise, dass man ihnen ansieht, woher sie kommen und wo sie in fünf Jahren sein werden – ohne dass der Film es zeigen müsste. Wir verstehen, warum sie befreundet sind, was sie aneinander bindet – und was sie letztlich auseinander treibt. Die Dynamiken sind zu 100 Prozent plausibel.

Es ist eine Sache, Figuren gut zu schreiben – eine andere, dann auch noch die perfekten Darsteller für sie zu finden. Die Hawkins-Brüder setzen ganz auf sympathisch ungelackte 70er Jahre-Gesichter, die trotz der Jugend schon geprägt sind, reif und verloren zugleich.

Angesichts die gut beobachteten Figuren und Situationen verzeiht man dem Film auch, dass er letztlich nicht wirklich knallt und am Schluss genau den Twist verweigert, den man eigentlich erwarten durfte. Bonuspunkt allerdings für Szene beim Sheriff, die ist eine wunderbar Miniatur und sollte dem Drehbuchnachwuchs mal als Beispiel dienen, wie man „um den heißen Brei reden“ zu einer Kunst macht.

hochFazit: Ein fast schon intimer Film, der sich für die Spannungen in der kleinen Gruppe interessiert und weniger für das Verbrechen, das begangen werden soll – was tatsächlich funktioniert, weil die Hawkins-Brüder mit Hilfe ihrer Darsteller und dem Drehbuch von Dutch Southern sehr präzise und glaubwürdige Figuren zeichnen.

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6
September 2014

Fantasy Filmfest 2014 (45): Among the Living

Aux-yeux-des-vivants-posterFrankreich 2014. Regie: Alexandre Bustillo, Julien Maury. Darsteller: Anne Marivin, Béatrice Dalle, Chloé Coulloud, Damien Ferdel, Fabien Jegoudez, Francis Renaud, Nicolas Giraud, Sidwell Weber, Théo Fernandez, Zacharie Chasseriaud

Offizielle Synopsis: Der letzte Sommertag vor den Ferien. Eigentlich wartet nun draußen vor dem Fenster das große Abenteuer auf Victor, Dan und Tom – zu dumm, dass die drei Freunde nicht gerade Musterschüler sind und ausgerechnet heute nachsitzen müssen. Flugs wird jedoch ein Fluchtplan geschmiedet, und nur wenig später sind die Jungs unterwegs über sonnenheiße Wiesen und Felder, hin zu dem alten verfallenen Studiogelände, dessen marode Attraktionen einen aufregenden Nachmittag versprechen. Ihr unbeschwertes Spiel findet ein jähes Ende, als die Drei plötzlich zu Zeugen eines grausamen Verbrechens werden. Im Schatten der verlassenen Bauten lauert etwas unsagbar Böses, ein unheimliches Phantom, das den Jungs auf ihrer panischen Flucht bis nach Hause folgt. Und hier erst, im vermeintlichen Schutz ihrer Familien, beginnt mit Einbruch der Nacht für Kinder und Eltern ein blutiger Kampf ums Überleben …

Kritik: Ich muss gestehen, dass ich im Subgenre “Französischer Terrorfilm” nicht sonderlich “drin” bin. Es ist mir zwar durchaus zu Ohren gekommen, dass aus unserem Nachbarland in den letzten Jahren ein paar beinharte Folterthriller gekommen sind, aber wirklich beschäftigt habe ich mich damit nie. Es ist ja bekannt, dass ich es mit Streifen in denen Leute mit sadistischer Freude gequält werden, nicht so habe.

Darum konnte ich “Among the Living” auch relativ “frisch” sehen, ohne ihn mit den Vorgängern vom gleichen Team, “Livid” und “Inside”, zu vergleichen. Zu dem Thema gab es nach der Vorstellung auch lebhafte Diskussionen.

Dass die Regisseure ihr Handwerk verstehen, daran besteht kein Zweifel: “Among the living” erzählt ebenso kompetent eine Coming of Age-Geschichte wie eine brutale “Home Invasion”, spielt mit Elementen von “Texas Chainsaw Massacre” und “Stand by me”, wechselt flüssig von “Die Drei Fragezeichen und das Geheimnis der verlassenen Westernstadt” zu “High Tension”.

Das ist aber auch leider das Problem: Während die Elemente für sich genommen funktionieren, greifen sie leider nicht ineinander. Statt EINE Coming of Age-Geschichte oder EINEN Home Invasion-Thriller zu drehen, wollen Bustillo und Maury alles in einem Kochtopf verrühren. Und das kann nicht funktionieren.

Schauen wir uns dazu nur mal kurz den Ablauf des Films an:

1) Brutales Intro der Antagonisten
2) “Stand by me”-Einführung der drei Schuljungen
3) “Die drei Fragezeichen und das Geheimnis der verlassenen Westernstadt”
4) “Home Invasion” (drei Episoden)
5) “Texas Chainsaw Massacre”, “The Hills have eyes”

Das ist zuviel und in den einzelnen Elementen dann doch wieder zu wenig.

Hinzu kommt, dass Monsterkind Klarence keine wirklich glaubwürdige Kreation ist. Seine Herkunft wird geradezu absurd unglaubwürdig transportiert und seine Kräfte sind ebenso fragwürdig wie überzogen, was “Among the living” fast schon ins nächste Genre “okkulter Killer” schubst. Irgendwann geht dann auch dem geduldigsten Zuschauer die Lust am Richtungswechsel aus.

Nun sollte man einem Film nicht vorwerfen, dass er zuviel will – es gibt mehr als genug Filme auf dem FFF, die zuwenig wollen und selbst daran scheitern. Aber letztlich wirkt “Among the living” bei aller handwerklichen Expertise einfach nicht homogen und torpediert sich damit selbst.

mitteFazit: Ein exzellent inszenierter und mit potenten Schocks ausgestatteter Hardcore-Thriller, der sich aber weder für ein Subgenre noch für ein Suspenselevel entscheiden kann und letztlich an den tonalen Diskrepanzen leidet.

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6
September 2014

Fantasy Filmfest 2014 (44): Housebound

HB POSTER FINAL_BLEED_3Neuseeland 2014. Regie: Gerard Johnstone. Darsteller: Morgana O’Reilly, Rima Te Wiata, Glen-Paul Waru, Cameron Rhodes

Offizielle Synopsis: Kylie kann das augenscheinlich verfluchte Haus ihrer Mutter leider nicht verlassen, da ein Richter sie zum Tragen einer elektronischen Fußfessel verdonnert hat. Der Grund dafür ist der misslungene Versuch, einen Geldautomaten zu knacken. Übler gestraft als mit Einzelhaft sitzt sie nun also wieder in ihrem alten Kinderzimmer fest, wird tagsüber von ihrer nörgelnden Mutter und einem schleimigen Seelenklempner traktiert, während ihr nachts unerklärliche Ereignisse den Schlaf rauben. Könnten Kylies entnervte Blicke töten, wäre hier bereits nach 20 Minuten niemand mehr am Leben.

Kritik: “Housebound” ist ein schönes Beispiel, dass letztlich alles wiederkommt. Der Erwachsene, der widerwillig wieder bei den nervigen Eltern ins verspukte Haus einziehen muss? Hatten wir vorgestern erst in “Surburban Gothic”. Die elektronische Fußfessel, die verhindert, dass die Protagonistin vor den Geistern fliehen kann? War auch schon der Aufhänger von “100 Feet” 2008.

Ich hatte zu “Suburban Gothic” ja geschrieben, dass der Film sich im Zweifelsfall für softe Comedy statt für harten Terror entscheidet. “Housebound” ist hingegen wild entschlossen, sich auf keinen Kompromiss einzulassen und beide Genres gleichwertig zu bedienen. Das ist gar nicht so einfach, denn eine überzogene Figur, über die wir lachen können, muss gleichzeitig realistisch genug sein, dass wir uns um sie Sorgen machen.

Und das gelingt. Prächtig sogar.

Schon die Ausgangssituation ist ein Highlight: Kylie hat die Rebellion der Pubertät gegen ihr spießiges Elternhaus ins Erwachsenenleben gerettet – und ist “am System” gescheitert. Und am eigenen kriminellen Unvermögen. Hausarrest daheim ist für sie schlimmer als jeder Knast, denn der Stiefvater ist ein tumber Eigenbrötler und die Mutter eine plappernde Nervensäge. Mehr noch: Kylie muss sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, den Wurzeln ihres aktuellen Dilemmas. Damit sind die Grundkonflikte vorprogrammiert – und Regisseur Johnstone melkt sie, bis es im Euter nur noch trocken raschelt.

Während “Suburban Gothic” sich damit begnügt, die Klischee des Geisterfilms abzuhaken (vergangenes Unrecht, symbolischer Gegenstand, Seelenfrieden), schläft “Housebound” einen Haken nach dem anderen, lässt seine Protagonisten falsche Schlüsse ziehen und neue Hinweise finden. Während viele Filme auf dem FFF ihre 100+ Laufzeiten durchaus um 10 bis 20 Minute hätten rasieren können, tragen Witz und Einfallsreichtum “Housebound” tatsächlich locker über 109.

Ganz elementar ist dabei, dass auch die Gruselatmosphäre und die Schockeffekte sitzen. Natürlich verhindert die Auflockerung durch Humor und Slapstick, dass durchgehende Spannung wie bei “Let us prey” entsteht, aber wenn “Housebound” die Küchenmesser auspackt, dann haben wir Angst um Kylie und ihre Mutter – und so mancher “Buh!”-Effekt funktioniert besser, als man sich eingestehen möchte.

Schön, auf der Zielgeraden des Festivals noch mal so eine Perle zu entdecken.

hochFazit: Eine außerordentlich witzige, einfallsreiche und gut gefilmte Horror-Comedy, die bei der Balance vom Gags und Grusel nie einen falschen Schritt macht und als echter Crowdpleaser zum Pflichtprogramm des FFF 2014 gehört.

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