23
Februar 2014

Sexistischer Dreckskram

Manchmal wundert mich schon, was alles unkommentiert im Radio läuft. Der Text von Frank Zappas “Bobby Brown” ist die erstaunlichste Form von Pornografie, die selbst zur Kinderstunde über den Äther geht.

Dass Männer sexistischen Müll singen und Frauen eigentlich ausschließlich “Baby”, “Babe”, “Girl” oder im Stile eines Eskortservice “Lady” nennen, ist ja nun wahrlich nicht neu (löbliche Ausnahme: “Woman” von John Lennon). Viel mehr hat mich allerdings immer fasziniert, dass Frauen Texte singen können, in denen sie ihr gesamtes Geschlecht verraten und sich als ebenso unterwürfig wie hörig deklassieren.

Doc Acula erinnerte eben z.B. an “Substitute” von Clout:

I’ll be your substitute
Whenever you want me
Don’t you know I’ll be your substitute
Whenever you need me

Eine Frau, die sich als Ersatz anbietet, falls die vom Mann angebetete Ische sich entscheidet, erfolgreich das Weite zu suchen.

Oder Blondies Klassiker “The tide is high“, u.a. gecovered von Atomic Kitten:

Every girl wants you to be her man
But I’ll wait my dear till it’s my turn
I’m not the kinda girl, who gives up just like that, oh no

The tide is high but I’m holding on
I’m gonna be your number one

Wieder: Er ist eigentlich prima versorgt, der Stecher des Viertels – sie stellt sich freudig hinten an.

Nächster Kandidat – “You’ll never stop me from loving you” von Sonia. Für einen Song aus der Schmiede von Stock/Aitken/Waterman erstaunlich stalker-ish und devot:

But you’ll never stop me from loving you
It doesn’t really matter
what you put me through

It doesn’t matter what you put me through? Bettelt die um Schläge?

Aber noch größere Pop-Legenden haben sich aus dem selben Antifeminismus-Topf bedient – Abbas Text zu “Take a chance on me” kann man eigentlich nur ironisch ertragen:

If you change your mind, I’m the first in line
Honey I’m still free
Take a chance on me
If you need me, let me know, gonna be around
If you’ve got no place to go, if you’re feeling down

Mich macht es angemessen fassungslos, dass darüber nie weiträumig diskutiert wurde. Sind das die Rollenmodelle, die wir Mädchen vermitteln wollen? Egal, wie scheiße der Typ ist, wenn du verknallt bist, darfst du ihm ruhig hinterher kriechen und dich demütigen lassen?

Es fällt auf, dass es in allen Songs nicht darum geht, ob die obsessive Liebe erwidert wird – im Gegenteil: Die Missachtung durch den Mann scheint Ansporn zu sein. “Bedenklich” ist da noch ein harmloses Adjektiv.

Mein persönlicher “Favorit” kommt leider auch aus der Ecke und erschließt sich erst in Kombination mit dem absurden Video – Agnetha von ABBA versuchte sich nach dem Ende der Supergroup an ein paar Solo-Songs. “I won’t let you go” wird der Androhung des Titels voll gerecht – die zarte Blondine macht sich der sexuellen Belästigung eines augenscheinlich desinteressierten Bodybuilders strafbar:

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Die Texte aller Songs stammen übrigens (Überraschung!) von Männern, im Fall von “Substitute” und “The tide is high” handelt es sich sogar um Coverversionen von Songs, die ursprünglich für Männer geschrieben worden waren.

Bin ich mal wieder allein in meiner Empörung? Oder gibt es Songtexte, bei denen ihr vielleicht nicht das Radio, aber zumindest das Hirn ausschalten müsst, damit es nicht zu rauchen beginnt? Her damit.

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20
Februar 2014

Die Rückkehr des Pizzaboten

Ihr erinnert euch vielleicht noch an diese etwas traurige Geschichte, die fast exakt ein Jahr zurück liegt. Der Pizzabote, der mich an unsere Abby erinnerte, was seltsam schön und traurig zugleich war.

Heute habe ich mir mal wieder eine Pizza bestellt, ganz außer der Reihe – eine frustrierte Belohnung für die Chicago-Reise, die ich absagen musste. Und wer kam die Treppe hoch gestapft? Er. Der Pizzabote. Wieder freundlich, wieder entspannt.

Ich entscheide mich spontan, ihm von den Nachwehen seines letzten Besuches zu erzählen. Schon als ich sage “Sie waren doch letzte Jahr noch da, als unsere Abby…”, sprudelt es aus ihm heraus: “Mei, das tat mir so leid. Ich wusste das ja nicht. Da bin ich dann ganz schnell gegangen, weil ich das so traurig fand. Ich hab’ gleich gemerkt, wie schwer es Ihnen damit ist.”

Ich winke ab, erzähle ihm davon, dass ich die Anekdote mit meinen Lesern geteilt habe. Das findet er gut, auch wenn er nicht wirklich etwas damit anfangen kann. Dann erzähle ich von den “Nachmietern” von Abby, die schon “in der Mache sind”. Sein Gesicht hellt sich auf: “Ach, wieder Thai? Die sind so nett.”

Und dann erzählt er. Von dem Hund, den seine Frau in die Ehe mitgebracht hat. 16 Jahre alt, “aber top fit!”. Er erzählt von seiner Katze, die keine zwei Tage brauchte, um Chef im Haushalt zu werden. Wir sind uns einig, dass man Katzen nicht so lange allein lassen darf, wie schön es mit den Tieren ist, wie sehr sie einem ans Herz wachsen.

Irgendwann stehen wir dann da. Das Thema ist durch. Er hat vergessen, mir die Pizza zu geben. Ein paar Sekunden Stille. Ich sage: “Ich wollt’s Ihnen auch nur erzählen. Weil es auch gut war, wie es war”. Er nickt dankbar und sagt: “Dann wünsche ich Ihnen viel Glück mit den Kätzchen. Auch, dass sie gesund sind.”

Auch, dass sie gesund sind – da ist wieder dieser scheiß Klumpen im Bauch.

Ich esse jetzt Pizza. Und schau mir ein paar Bilder von Abby an.

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20
Februar 2014

Last Minute: 7 Tage Chicago plus Mietwagen

Ich habe mich gerade entschieden, meine Reise nach Chicago nicht anzutreten. Es wartet in München gerade zuviel, besonders angesichts des Umzugs. Das kann ich nicht alles der LvA liegen lassen.

Ein Anruf bei der AirBerlin hat mir bestätigt, dass ich durchaus noch jemand anderen an meiner statt in die USA schicken könnte. Damit die Reise nicht vollständig verfällt, wäre ich bereit, auf knapp die Hälfte der Kosten zu verzichten.

Details:

24.2.-4.3. Frankfurt über Berlin nach Chicago und zurück.

Mietwagen für die komplette Zeit steht am Flughafen in Chicago bereit.

Kein Hotel, aber Motels sind in Chicago um diese Jahreszeit preiswert zu finden.

Aktuell ist es in Chicago auch wieder frühlingshaft warm.

Wer preiswert in die “windy city” will, sollte sich also schnell mal bei mir melden.

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18
Februar 2014

Mein Charles Band-Buch lässt sich feiern

Es tut mir leid, dass ich in diesen Wochen wenig “Futter” bieten kann, aber der Umzug nach Speyer, ein Trip nach Chicago und SEHR viel Arbeit lassen mir kaum Platz für atmen, schlafen und die schwere Erkältung, mit der sich mein Körper gerade vergnügt.

empireZumindest kann ich euch ein paar kleinere Updates bieten, was das Charles Band-Buch angeht, das ich mit Dave Jay ausgeheckt habe.

Ich versuche derzeit, 20 Exemplare zu organisieren, die ich auf eine gefährliche Weltreise schicke, damit wirklich alle Beteiligten (die drei Autoren UND Charles Band) sie signieren können. Wenn das klappt, werde ich ein oder zwei davon sicher hier verlosen.

Wer so lange nicht warten will, kann sich das Buch mittlerweile auch bei Amazon UK bestellen. Es sei versprochen: Jeder, der mir ein Exemplar vor die Nase hält, bekommt zumindest mein Autogramm freiwillig und mit Freuden. Gelegenheit dazu habt ihr dieses Jahr unter anderem bei den Fantasy Filmfest Nights in München, dem B-Film Basterds Festival in Nürnberg und dem Fantasy Filmfest in Berlin.

Der Verkauf (auch von Charlie selbst über seine Webseite) läuft wohl SEHR gut, alle Beteiligten suhlen sich in erfreulich hohen Zahlen, die ich allerdings auch nicht genauer weiß. Im neuen Delirium-Magazin und in Dark Side wird es Auszüge zu lesen geben, Fangoria will das Buch vorstellen, M.J. Simpson hat ein tolles Interview mit meinem Partner Dave Jay veröffentlicht.

Die Kritiken sind bisher extrem erfreulich. Besonders stolz bin ich auf die hervorragende Besprechung der renommierten Webseite The Register. Auch der UK Horror Scene hat’s gefallen. Bei Horror News beginnt der Review mit dem Absatz:

“This is a wondrous book which needs to be purchased with the utmost urgency. An expansive, comprehensive and utterly engrossing work of cult film perfection, this is a definitive work on one of genre cinema’s greatest – and most debated – characters.”

Dem kann ich nur zustimmen.

Ein wenig mehr Einsatz würde ich mir vom deutschen Fandom und seinen Publikationen wünschen, aber vielleicht muss ich da selber beizeiten ein wenig mehr trommeln.

Eine deutsche Fassung ist weiterhin angedacht, aber nicht in trockenen Tüchern. Dafür müsst ihr noch mindestens ein Jahr warten. Vielleicht fällt der Release zusammen mit der Veröffentlichung von Band 2 in England, über dessen Aufbau wir uns seit heute konkrete Gedanken machen müssen…

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11
Februar 2014

33 Jahre ist das Grauen her…

Letzte Woche hatte ich – ausgerechnet im Zuge einer Reportage für die “Liebes Land” – das Glück, ein sehr nettes Siegerländer Pärchen kennen zu lernen. Während mein Fotograf die Frau beim Spaziergang durch die Altstadt ablichtete, kam ich mit dem Mann ins Gespräch. Und es fanden sich viele Gemeinsamkeiten. Wenn mich jemand fragt, ob ich schon mal von Mario Bava gehört habe, kann ich schließlich stolz auf eines der dicksten Bücher in meinem Regal verweisen.

Es stellte sich raus, dass der Mann in seiner Jugend an der Organisation eines lokalen Horrorfilm-Festivals beteiligt war – zu einer Zeit, da Horror wirklich noch was für die Nische war und Film von der Rolle kam. Viel Geld konnte man vor 30 Jahren mit so etwas nicht verdienen, da war noch echter Einsatz gefragt. Ich unterstelle mal, dass der Anteil an Hüftspeck und Led Zeppelin T-Shirts hoch, der Frauenanteil aber gering war.

Gestern bekam ich dann per Post eine Kopie des Programms der “Wochen des phantastischen Films 1981″ geschickt. Das möchte ich euch nicht vorenthalten, denn es kann neidisch machen:

81 01de Palma, Kümel, Scott – was für eine Mischung! Aber es geht noch besser:

81 0281 03Carpenter, Coscarelli, Vadim, Polanski, Murnau, Kubrick, Corman, Lynch, Romero – ein Best of, eine Hall of Fame konnte man sich da zwischen dem 9. und 22. Januar vor 33 Jahren gönnen.

Hier noch das genaue Programm:

81 04Schon dafür würde es sich lohnen, endlich mal eine Zeitmaschine zu erfinden.

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7
Februar 2014

22 messages from Wortvogel to people who believe in biblical creation

Bill Nye (The Science Guy) hat neulich mit Ken Ham diskutiert, einem strammen Verfechter der biblischen Schöpfungsgeschichte. Erwartungsgemäß hat der eloquente Ham versucht, dem Kern der Diskussion auszuweichen, in dem er nach Belieben verschiedene Sorten “Wissenschaft” definiert, die dann gerne auch mal die Existenz einer Gottheit nicht ausschließen:

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Im Vorfeld hat man 22 Kreationisten gebeten, ihre Totschlagargumente gegen den Atheisten Bill Nye in Frageform auf Zetteln in die Kamera zu halten. Das ging dann schnell im Netz rum – und wurde von mir als Aufforderung verstanden.

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Because we don’t come from monkeys – we have common ancestors. The fact that dogs evolved from wolves does not mean there are no more wolves.funny-messages-creationist-vs-evolution-star

There was NO exploding star involved.funny-messages-creationist-vs-evolution-amazing

Yes, it is. Beauty does not require a creator – it requires the ability to recognize a structure or an image as beautiful. If the beauty of the world were an objective property, even slugs would think “it’s amazing!”.funny-messages-creationist-vs-evolution-Big-Bang

Yes, because it’s a believe based on the available evidence. That’s not faith.funny-messages-creationist-vs-evolution-Lucy

Because “1 Lucy” is an arbitrary definition and human corpses do not age well.funny-messages-creationist-vs-evolution

If you need a purpose – make life as pleasant for as many people as possible.funny-messages-creationist-vs-evolution-evolutionist

Apart from empirical evidence – very little. Yet. Working on it.
funny-messages-creationist-vs-evolution-school

Science is not a theory. Please consult Wikipedia.funny-messages-creationist-vs-evolution-fact

Because (as has been said millions of times) the scientific definition of “theory” does not mean what you think it does.funny-messages-creationist-vs-evolution-metamorphosis

Depends on what you are referring to.funny-messages-creationist-vs-evolution-proof

There is no such thing as an “official proof”. Can I have your number?funny-messages-creationist-vs-evolution-alien

Because we believe aliens to be real (or at least their existence to be plausible), not a supernatural force that defies all the laws of the universe. funny-messages-creationist-vs-evolution-Bang

Good for you. Not a question, though.funny-messages-creationist-vs-evolution-God

Yeah. Pretty awesome, right?funny-messages-creationist-vs-evolution-meaning-life

That presupposes there has to be a meaning and that the meaning can be objective. How about “no” on both? funny-messages-creationist-vs-evolution-noetics

What about what now? Okay, I looked it up – not relevant to the questions raised by the creation/evolution debate.funny-messages-creationist-vs-evolution-science

They don’t. funny-messages-creationist-vs-evolution-no-God

That is dumb. And it’s “there”, not “their”. funny-messages-creationist-vs-evolution-second-law

No, because evolution on earth is powered by external power sources like the sun. Entropy requires a closed system.funny-messages-creationist-vs-evolution-earth

Yes, that is completely illogical. Even if there were a God, why would he do that? To trick us? To trick science? Just for kicks?funny-messages-creationist-vs-evolution-divine-creator

Bill Nye isn’t. I’m not. Because there is no DC to be scared of.funny-messages-creationist-vs-evolution-NyeAbsolutely. He is teaching children that we live in an awesome universe and that each and every individual is free from original sin and responsible for his or her actions.

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Hier noch eine Fassung als reine Bilddatei.

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7
Februar 2014

Bilder, aufblitzend, verblassend

Ich war mal wieder on the road – nach drei Reportagen in vier Tagen bin ich derart “durch”, dass ich die letzte Tour heute kurzfristig abgesagt habe. Damit ist meine Woche allerdings noch nicht zu Ende, morgen geht es weiter ins Rheinland. No rest for the wicked.

Während mein Fotograf sich müht, Land und Leute in Szene zu setzen, ihnen Schönheit und Sympathie zu lassen, greife ich eher zu meinem Smartphone, wenn ich auf die Brüche in der Realität aufmerksam werde, auf die Schnittstellen von Wahn und Spießigkeit.

Fährt man tagelang durchs Land ist es genau so wahrscheinlich, einen Getränkemarkt mit einem grandios-direkten Namen zu entdecken

durstywie einen Wehrmachtshelm im Lagerraum einer Dorfkirche:

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Wenn bei über 1100 Grad Bronze geschmolzen wird

IMG_20140205_154851fragt man sich nicht, aus was für einem Kühlschrank das Mineralwasser kommt:

IMG_20140205_145717Das war jetzt zugegebenermaßen ein kleiner Fake – dieses Gerät ist nicht mehr in Betrieb. Ich hoffe, das gilt auch für den Wehrmachtshelm.

In einem Technikmuseum kann man gewöhnlich auf tolle Fahrzeuge treffen. Sollte dieses Schätzchen mal restauriert sein, drehe ich gerne eine Runde:

IMG_20140206_142535Der Bauwagen im Hintergrund ist übrigens nicht irgendein Bauwagen – es ist der Bauwagen von Peter Lustig!

Mein absoluter Favorit ist allerdings dieser Hingucker, mit dem man jede Ische aus dem Porsche des Nebenbuhlers bekommt:

IMG_20140206_142254Aber man muss gar nichts ins Technikmuseum fahren, um so etwas zu entdecken – auch mittelständische Betriebe in der Eifel haben mitunter zugestaubte Preziosen in ihren Hallen lagern:

IMG_20140205_111416Ein Opel Commodore. Ich meine, mein Papa hätte Ende der 60er so einen gefahren.

Wann immer man in Betrieben wie diesen fotografiert, gilt – wachsam sein! Niemand hat etwas von einem Arbeitsunfall, auch wenn dabei ein noch so tolles Bild heraus kommt. Oder um es einfacher zu sagen:

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Beschwert euch nicht über die maue Qualität der Bilder – ich bin kein Fotograf. Fotograf ist der hier – und ich nutze an dieser Stelle die Gelegenheit, mich mal wieder für die sensationelle Zusammenarbeit zu bedanken:

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5
Februar 2014

Kino Kritik “RoboCop”

RCP.PL_Bike_A3_RZ.inddUSA 2014. Regie: José Padilha. Darsteller: Joel Kinnaman, Abbie Cornish, Michael Keaton, Gary Oldman, Samuel L. Jackson u.a.

Offizielle Synopsis:  Im Jahr 2028 ist der multinationale Megakonzern OmniCorp globaler Marktführer für Robotertechnologie. Die von ihm produzierten Drohnen werden weltweit eingesetzt und sichern OmniCorp ein beachtliches Vermögen. Zu dieser Zeit versucht der engagierte Polizist Alex Murphy (Joel Kinnaman) die steigende Kriminalität und Korruption in seiner Heimatstadt Detroit mit allen verfügbaren Mitteln zu bekämpfen. Als er im Dienst schwer verletzt wird, ist dies für OmniCorp die Gelegenheit, seine umstrittene Technologie endlich auch in den USA zum Einsatz zu bringen.

Der Plan ist, im von Verbrechen verwüsteten Detroit den perfekten Polizisten zu schaffen: einen Gesetzeshüter, der halb Mensch und halb Roboter ist. Als Murphy im Krankenhaus erwacht, versteht er, dass er als  unverwundbarer und gleichzeitig kontrollierbarer Prototyp dieser Erfindung den Reichtum von OmniCorp vervielfachen soll.

Doch mit einer Sache hat der Konzern dabei nicht gerechnet: Sein Produkt besteht, zumindest in Teilen, aus einem menschlichen Wesen, das sich nicht vollständig kontrollieren lässt. Und mit Alex Murphy hat OmniCorp eindeutig auf das falsche Versuchsobjekt gesetzt…

ROBOCOP

Kritik: Auch nicht schlecht – für “RoboCop” mussten die Journalisten ein Embargo von Sony USA unterschreiben, das nicht nur den Tag, sondern auch die Stunde festlegt, an der die Sperrfrist endet – die Reviews sollten nicht mit der Premiere in London kollidieren. Ich finde das albern, aber was soll ich machen?

Viele Vorabberichte haben sich mit der Frage auseinander gesetzt, ob die Welt ein “RoboCop”-Remake braucht und warum ein PG 13-Rating den Film natürlich automatisch zum RoboRohrkrepierer macht. Ich halte das für das übliche Fanboy-Bitching. Nein, Remakes soll es gar nicht geben – wenn schon, dann aber genau wie das Original. Und wenn es genau wie das Original ist, braucht es kein Remake. Eine klassische, dadurch aber nicht weniger dumme Zirkelargumentation. Und ja, ein massenkompatibleres Rating macht natürlich gleich alles kaputt. Weil die Qualität von Verhoevens Original nicht in der technischen Brillanz lag, der gelungenen Satire, der inszenatorischen Qualität – sondern in den Gore-Effekten. Sicher.

Ich selbst kann nur sagen, dass es FÜR MICH kein Remake gebraucht hätte, weil ich die Generation bin, die mit dem Original aufgewachsen ist und dieses noch absolut aktuell und frisch findet. Ich verstehe aber, dass Filmfans nachwachsen, die keinen 25 Jahre alten “RoboCop” sehen wollen, sondern einen mit “new car smell”. Zumal der dann auch mal wieder im Kino läuft statt im Spätprogramm eines Kabelsenders.

Lassen wir also mal die Fanboy-Pedanterie außen vor und schauen uns an, was der Regisseur der “Tropa de Elite”-Streifen zusammen geschraubt hat…

ROBOCOP

Zuerst einmal erledigt “RoboCop” die Pflicht vorbildlich: Der Film ist laut, schnell, flüssig inszeniert, teilweise überdurchschnittlich gut getrickst und trotzdem kein seelenloser Michael Bay-Budenzauber. Allen Beteiligten liegt am Herzen, dass Alex Murphy tatsächlich “wants and needs” besitzt, dass uns das Drama hinter dem RoboCop-Projekt bewusst wird.

“RoboCop 2014″ hat auch Momente, die sich einprägen, die in wiederum 25 Jahren die gleiche ikonographische Kraft haben könnten wie heute das Massaker von Ed 209 am Vorstand von OCP. Die Demontage, mit der Murphy seine eigenen “Reste” vorgeführt bekommt, ist so beklemmend wie mutig.

Auch ansonsten darf man sich von dem Rating nicht täuschen lassen – es mögen keine Schädelplatten fliegen wie Frisbees und Extremitäten plumpsen eher offscreen zu Boden, aber der Effektivität der gebotenen Action tut das keinen Abbruch. Die Welt von RC14 ist eine brutale, zynische, durch und durch korrupte. Politik, Industrie und Verbrechen sind drei Seiten einer Medaille mit austauschbaren Bestandteilen. Die Wissenschaft (verkörpert von Gary Oldman in einer ungewohnt kantenlosen Rolle) navigiert hilflos zwischen den Machtpolen hin und her.

RC14 bemüht sich auch, die Fragen auch RC87 etwas zu variieren – es geht weniger darum, ob Murphy ein Mensch ist. Das ist er zweifellos. Es geht eher darum, wie viel Mensch sich das RoboCop-Projekt leisten kann, ab wann ein übrig gebliebenes, beliebig reprogrammierbares Stück Fleisch noch als Repräsentant des Volkes taugt. Der RoboCop dieses Films ist zugleich menschlicher als sein Vorgänger – und weniger Mensch. Erinnerungen an “Ghost in the Shell” werden wach und sind vermutlich kein Zufall.

Weil es keine Selbstverständlichkeit ist, danke ich dem Film auch für diverse ehrfürchtige Querverweise auf Verhoevens Meisterwerk: Nicht nur das Kostüm, auch der Schriftzug und das Main Theme von RoboCop finden ihren Platz.

ROBOCOP

Weniger erfolgreich ist RC14 bei den Versuchen, auf den satirischen Spuren des Vorgängers zu wandeln. Alles, was an Zynismus aufgeboten wird – die TV-Show “Novak Element”, der Dreyfuss-Akt -, wirkt seltsam nachträglich eingefügt als Produkt hektischer Reshoots, um den Film düsterer und kantiger zu machen, auch wenn es das gar nicht ist. Zwischen diesen Segmenten nimmt sich RoboCop total ernst, wird teilweise sogar sentimental. Es ist der größte Bruch zu Verhoevens Original, auch wenn er nur unter der Haube stattfindet: RC14 ist keine Satire auf eine außer Kontrolle geratene, gewaltgeile Gesellschaft. Es ist ein straighter futuristischer Message-Actionfilm. Als solcher hat er ein paar Probleme, auf logischen Füßen zu stehen: Schon die Ausgangssituation, dass ausgerechnet die Amerikaner als eines der letzten Völker die Kontrolle durch Maschinen ablehnen, dürfte für ungeplantes Gekicher sorgen. Und dass die Stimmung kippt, weil man die Reste eines zerfetzten Bullen in ein Stahlkorsett schraubt, mag ich auch nicht so recht glauben.

Ich bin auch ein wenig enttäuscht von der Vision, die RC14 präsentiert – das futuristische Element reduziert sich hier komplett auf die Technik von OCP. Der Alltag in Detroit unterscheidet sich an keiner Stelle von unserer Gegenwart. Wo uns Verhoeven wenigstens noch eine Dystopie andeutete, einen Bruch zwischen glänzender “corporate world” und “urban slum” visualisierte, begnügt sich RC14 mit Gadgets.

Padilha möchte uns etwas erzählen – Verhoeven hatte etwas zu sagen.

Vielleicht muss man bei den Zielgruppen unterscheiden: Wer in den letzten zehn Jahren in die Pubertät gekommen ist und “RoboCop” für ein Relikt “von vor meiner Zeit” hält, der mag sich bei RC14 gut unterhalten und ohne gefühlte Defizite aus dem Kino kommen. Alle Beteiligten haben sich sichtlich Mühe gegeben, mehr als nur Dutzendware abzuliefern. Wer aber wie ich einen RoboCop-Film nicht sehen kann, ohne permanent den Vergleich zum Original zu ziehen, dem tut RC14 eher leid, weil er sich beim Versuch verhebt, etwas zu übertreffen, das vielleicht nicht perfekt, aber gerade deshalb so grandios war. Für uns kann RC14 eben nicht DER RoboCop-Film sein, sondern immer nur der NEUE RoboCop-Film.

Das wäre bei einem Remake von “Blade Runner” nicht anders. Wäre es nicht schlauer, beschissene Filme neu aufzulegen, gegen die man tatsächlich bestehen kann? “Dredd” war auch deshalb so klasse, weil niemand die depperte Stallone-Version als Messlatte sieht. Dürfte ich ein Remake von “Howard the Duck” vorschlagen? “Moon Trap”? “Battlefield Earth”? “Wing Commander”?

Trotzdem: Als gelungener Vorwärmer auf den Blockbuster-Sommer 2014 und als solider Kracher zu einer Jahreszeit, in der die Verleiher gerne ihre Totalausfälle verklappen, sei “RoboCop” trotzdem und uneingeschränkt empfohlen.

Fazit: Ein guter, schnittiger Actionfilm mit Mumm und Message, dessen einziger signifikanter Klotz am Bein die Brillanz des unübertroffenen Vorgängers ist.

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Bonus-Content für meine treuen Leser: 31 Seiten Presseheft.

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3
Februar 2014

Kurzkritiken nachgeholt: Riddick, Ender’s Game, Chinese Zodiac, Justice League War

RiddickNach dem völlig vergeigten “Riddick: Chroniken eines Kriegers”, in dem aus SciFi-Survival-Horror plötzlich ein Frank Herbert’sches Eso-Epos gemacht wurde, besinnt sich David Twohy auf die Qualitäten, die den Erstling “Pitch Black” so erfolgreich gemacht haben – er setzt unseren liebsten Antihelden auf einem Planeten aus, dessen primäre Existenzgrundlage die Vernichtung Riddicks zu sein scheint und wirft noch ein paar Arschlöcher als Antagonisten in den Mix. Darin ähnelt die Trilogie den “Transporter”-Filmen, in denen ein charismatischer Muskelspacken in der ersten Fortsetzung unangemessen aufgeblasen wurde, nur um in Teil 3 wieder “back to the roots” zu gehen.

Mal abgesehen davon, dass weder die Figur noch die Franchise “Riddick” je wieder so frisch sein kann wie in “Pitch Black”, macht der neuste “Stranger in a strange land”-Dosenbierfilm angemessen Spaß. Die Bilder wie von Frank Frazetta gemalt, die Story wie aus einem Corben-Comic für “Heavy Metal” (ohne Dödel – echte Fans wissen, was ich meine), creepy creatures, coole Sprüche – das “sitzt”. Ein Weltraum-Western, der Motive von “Rio Bravo” und “The Alamo” referenziert, damit dank “Assault” den Bogen zu Carpenter schlägt und bei “Ghosts of Mars” landet, aber in besser. Das offene Ende lasse ich allerdings nur durchgehen, weil Teil 4 bereits in Entwicklung ist.

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Hatte ich mir nix von erwartet, kann ich aber jedem empfehlen, der seine SF muskelbepackt und sarkastisch mag.

Für das genaue Gegenteil wenden wir uns an…

enders-game-bigshotIch habe die Bücher nicht gelesen und sorry – Protagonisten im Hosenscheißer-Alter kann ich nicht ab. Darum fand ich “Spy Kids” albern, darum habe ich die “Cody Banks”-Filme ebenso ausgelassen wie “The Last Airbender”. Selbst um die “Harry Potter“-Streifen habe ich mich ja zehn Jahre erfolgreich gedrückt.

Die erste Stunde scheint alle Befürchtungen zu bestätigen. Aalglatte Designer-SF eines Autors von fragwürdiger Reputation, die mit etwas weniger Aufwand auch als “Star Trek: Cadets”-Serie hätte verwirklicht werden können. Ein Mickerling als Protagonist und eine fragwürdige Martyrer-Militaria-Mentalität ließen in meinem Kopf schon das Schild “Hitlerjugend – Der Film” aufleuchten. Aber dann schafft “Ender’s Game” noch eine ziemlich solide Kehrtwende, stellt die eigenen Maximen in Frage und beschäftigt sich halbwegs glaubwürdig mit den Problemen der Moral in Kriegszeiten. So stolpert er etwas überhastet, aber immerhin noch in ein wenigstens ambivalentes Ende. Fragt sich nur, ob das zu dem Zeitpunkt die Zielgruppe noch schert. Ordentlich Schauwert hat’s auf jeden Fall.

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“Starship Troopers” für die Rotznasen-Fraktion, die auch mal Oberwasser haben will. “The Last Starfighter” für das neue Millennium. Kann man auf Scheibe entspannt mal weg gucken.

chinese-zodiacIch habe Jackie Chan irgendwann Mitte der 90er aufgegeben. Ich akzeptiere die Versicherungen von Freunden, dass er dann und wann noch Filme dreht, die gar nicht so schlecht sind, aber seit Jackie bei den Stunts doch gerne auf CGI-Unterstützung setzt und sich dem chinesischen Regime zum Büttel gemacht hat, verzichte ich lieber.

“Chinese Zodiac” aber musste ich gucken – weil es tatsächlich der abschließende Teil der grandiosen “Armour of God”-Reihe ist, in der Jackie Chan Indiana Jones, James Bond und Ethan Hunt gleichzeitig channelt. 23 Jahren haben wir Fans darauf warten müssen!

Und tatsächlich: “Chinese Zodiac” macht einen Heidenspaß, ist so knallbunt in seine Comic-Charaktere und seine absurde Disneyland-Version unserer Welt verknallt, dass man den papierdünnen Plot ebenso verzeiht wie die Karikaturen, als die Chan jede kaukasische Figur zeichnet. Es zählen Tempo, aberwitzige Stunts und modernste Gadgets – also genau das, was auch schon “Armour of God” und “Mission Adler” auszeichnete. Wirklich alles, was derzeit auf Elektronikmessen hyped, wird hier zum Zweck totalen Entertainments verwurstet – 3D-Drucker, Drohnen, Datenbrillen.

Natürlich ist mittlerweile auch hier ein wenig CGI dabei, beeindrucken mitunter die Einfälle für die Stunts mehr als die Ausführung – aber wie üblich zeigt der Nachspann, dass Jackie auch mit fast 60 Jahren noch Kopf und Kragen riskiert und mehr Akrobatik drauf hat als so mancher Olympionike halben Alters.

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Wer sich nicht über die plumpe Anbiederung an das chinesische Regime aufregt und die rassistische Darstellung aller Langnasen, die keinen Deut besser ist als die einstmalige Präsentation von Schlitzaugen in Hollywood, bekommt mit “Chinese Zodiac” einen federleichten, aber enorm unterhaltsamen Action-Cocktail in vielen Farben, mit wenig Alkohol, aber Kirsche und Schirmchen serviert. Prost.

JL War

Ah, endlich mal wieder ein neuer DC-Trickfilm, noch dazu von Jay Oliva, dem wir die überzeugenden Adaptionen von “Flashpoint Paradox” und “The Dark Knight Returns” verdanken. Diesmal geht es um eine neu gestrickte Origin Story für die Gerechtigkeitsliga (benutzt jemand den deutschen Begriff eigentlich noch?), in der sich die Helden erstmals treffen und gegen Darkseid zusammen schließen.

Kurz gesagt: mau. Das Chara-Design und die Animation nur auf TV-Standard, das Voice Acting deutlich unter dem Niveau der früheren Releases, die Story fade und primär aus Haudrauf bestehend. Wenig Pluspunkte: Ein paar hübsche Momente ergeben sich aus den Konfrontationen der Superhelden, besonders die augenblickliche sexuelle Chemie zwischen Superman und Wonder Woman ist gut gehandhabt. Auch die Kostüme finde ich gelungen.

Trotzdem wirkt das Projekt wie ein hingeschluderter Lückenfüller, B-Ware aus einem Universum, das an A-Story wahrlich nicht arm ist.

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Es gilt übrigens mittlerweile auch bei den DC-Trickfilmen: Nach dem Abspann sitzen bleiben, es kommt noch was. Wenn es auch in diesem Fall eher überflüssig und seltsam zusammenhanglos scheint.

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31
Januar 2014

Wortvogel greift zu den Waffen: Recht bekommt, wer Recht verlangt

Heute erzähle ich euch mal eine Geschichte, in der ich wieder alle Daten, Namen und involvierten Firmen anonymisieren muss. Nicht “to protect the innocent”, sondern “to protect the guilty”. Ich will die Sache einerseits nicht wieder aufreißen, andererseits denke ich, dass die Schilderung als hübsches Beispiel dienen kann, wie es in der Branche manchmal abgeht. Aus diesem Grund bitte ich auch darum, in den Kommentaren von Spekulationen abzusehen, wen ich im konkreten Fall beschreibe.

Fangen wir mal damit an, dass ich für die TV-Firma N vor ein paar Jahren ein ganz nettes Projekt gestemmt habe. Im Rahmen des Projekts A kommt mir die Idee für ein neues, ähnliches Projekt B, das ich mit der zuständigen Redaktion bespreche. Ich schreibe auch ein “pitch paper”, in dem ich Handlung, Hauptdarsteller und ein grobes Gerüst zur preiswerten Umsetzung erläutere. Allein, man will sich nicht auf ein neues Projekt einlassen, so lange das alte noch nicht in trockenen Tüchern ist, in diesem Falle gemastered und sendetauglich. Ich hake es ab.

Zwei Jahre später. Anruf von TV-Firma N. Gleiche Redaktion, anderer Redakteur, aber kein Unbekannter: Mit O habe ich bei einer anderen Firma gearbeitet, der hat nun den Arbeitgeber gewechselt. Ein etwas scheuer, aber ganz netter Typ. Er erzählt mir von einer Idee, die man in der Redaktion entwickelt habe und für deren Umsetzung ich der richtige Autor wäre.

Die Idee, die er mir in knappen Worten umreißt, kommt mir bekannt vor: es ist meine. Nicht nur die Idee, auch der angedachte Hauptdarsteller, die vorgeschlagene Produktionsweise – alles direkt aus meinem “pitch paper”. Als ich Redakteur O das vorsichtig andeute, wird er merklich nervös. Davon wisse er nichts, er sei ja erst kurz bei N. Aber es wäre doch super, wenn ich dann auch als Autor dabei wäre, oder?

Ich verkneife mir den Hinweis, dass das nicht “super” wäre, sondern selbstverständlich – und dass er keine Ahnung hat, auf welch dünnes Eis er sich begibt, wenn er versucht, das Projekt ohne mich zu stemmen. Schließlich kann ich meine Urheberschaft problemlos belegen, sämtliche Email-Korrespondenz liegt vor.

Da es ein gutes Projekt ist und ich nicht auf Streit aus bin, lasse ich diesen (zugegebenermaßen für die Branche ungewöhnlichen) Lapsus durchgehen und frage, was er denn genau von mir haben will. Ach so, Texte. Moderation, Erzähler, Handlung, Dialoge. Alles, was man braucht, um ein “presentation package” zusammen zu stellen, mit dem man dann um Unterstützung aus der Chefetage für eine Umsetzung in bewegte Bilder bitten kann.

Sei’s drum. Ich arbeite mich noch mal in das Thema ein, besorge mir Material aus den USA, checke die einst vorrecherchierten Locations – sollte gehen. Ich einige mich mit O auf zwei verschiedene Versionen, damit der Chef was zur Auswahl hat. Das Manuskript soll zwar wenig Seiten haben, aber nur Naivlinge glauben, dass ein 10seitiges Manuskript ein Zehntel der Arbeit eines 100seitigen Manuskripts verursacht. Auch auf 10 Seiten muss die Story komplett passen, müssen die Charaktere funktionieren, muss der Spannungsbogen sitzen. Das ist keine Arbeit für einen Nachmittag.

Natürlich kommt das Thema bald aufs Honorar. Ich arbeite nicht mehr nur für das Privileg, meinen Namen auf dem Bildschirm lesen zu dürfen. Außerdem, auch wenn ich das nicht laut sage: Es ist MEIN gottverdammtes Konzept, die dürfen froh sein, dass ich ihnen nicht täglich zur Mittagspause den Arsch aufreiße.

O rudert ein wenig herum. Man sei ja noch in der Planungsphase, Budget gäbe es noch keins, ist ja nur Preproduction, etc. Die üblichen hohlen Phrasen, mit der man einfach nur sagen will: Wir sind alle fest angestellt, unsere Kohle ist sicher – wenn DU deine Miete nicht zahlen kannst, ist das nicht unser Problem. Ich bedanke mich artig für die Aussicht, bei einem Projekt mitarbeiten zu dürfen, das ich entwickelt habe.

Nun gut, ich bin lange genug im Geschäft, um die Fallstricke zu kennen. Darum schlage ich ein zweigeteiltes Szenario vor: Ich schreibe meine Texte für relativ wenig Geld, bekomme aber dafür die Zusicherung, bei der konkreten Umsetzung des Projekts alle weiteren Texte als Chefautor schreiben zu dürfen. So rechnet sich das. Sollte sich Firma N entscheiden, das Projekt B mit einem anderen Partner umzusetzen, der auf einen anderen Autor besteht, muss meine Arbeit nachträglich deutlich höher vergütet werden. Ich habe das zu oft erlebt, als dass ich darauf noch reinfalle.

Große Begeisterung bei Firma N und Redakteur O: Genau so machen wir’s! Ich schreibe die beiden Textvarianten, sie kommen gut an – mit der Rechnungsstellung will ich warten, bis ich weiß, welchen der vorgeschlagenen Wege Projekt B gehen wird. Kann ja auch sein, dass es im Sande verläuft. Dann bekomme ich wenigstens das Grundhonorar.

Zwei Monate lange frage ich nach. Es tut sich nix. Angeblich, weil es dauert, aus den Texten ein vierfarbig gedrucktes Package zusammen zu stellen, so mit Grafiken und Layout. Irgendwann bin ich mit anderen Projekten zu beschäftigt und hake das erstmal ab. Es ist auch keine riesige Summe, der ich da hinterher laufe.

Zwei Jahre gehen ins Land und irgendwann bekomme ich eine brandneue Idee, die prima zum Profil von Firma N passen würde. Ich kontaktiere Redakteur O und habe längst vergessen, dass ich für Projekt B nicht bezahlt wurde, weil ich keine Rechnung gestellt habe. Ich frage O, ob er Zeit hat, bei einem Kaffee eine neue Idee zu bequatschen. Eher im Nebensatz: “Projekt B ist ja wohl irgendwann einen leisen Tod gestorben, oder?”

Ehrlich? Zu diesem Zeitpunkt habe ich nicht mal vor, die Rechnung noch zu stellen. Kleinkram. Das versendet sich. Ist lange her. Schwamm drüber.

O’s begeisterte Antwort überrascht mich dann doch: Nein nein, Projekt B sei genehmigt und in Produktion! Mit Produktionsfirma Q! Schon im nächsten Monat gehe man vor die Kameras! Tolle Sache!

Ich sitze etwas ratlos vor der Email. Die haben das Projekt genehmigt bekommen, die Produktion mit Firma Q angeschoben, sind knapp vor Drehstart – und ich WEISS nichts davon?!

Ganz vorsichtig erinnere ich Redakteur O, dass ich von N als Autor der Reihe verpflichtet wurde – und dass das eine der Vereinbarungen war, auf deren Basis ich die beiden Texte verfasst hatte. O windet sich: Man habe das ja alles an Firma Q gegeben, die hätten halt eigene Autoren, da könne er nix machen.

Darauf bin ich vorbereitet. Ich verweise O auf die Vereinbarung: Wenn ein anderer Partner das Projekt übernimmt und mich als Autor nicht will, greift augenblicklich die deutlich höhere Vergütung. Schlimm genug, dass mir das nicht mitgeteilt wurde. Zur Erinnerung schicke ich ihm die Emails mit unserer Korrespondenz, die keinerlei Zweifel an der Vereinbarung lassen.

O sitzt in der Zwickmühle: Augenscheinlich hat er den Deal nicht von seiner Chefetage absegnen lassen und ein Budget, mich “ordentlich” auszuzahlen, hat er schon gar nicht. Er versucht es mit einem Bluff: Man könne die Mails auch so lesen, dass ich nur voll ausbezahlt werde, wenn das Projekt innerhalb der Firma N an eine andere Redaktion geht. Ich rate ihm, die Rechtsabteilung von N hinzu zu ziehen, denn nun wird es hässlich.

Tatsächlich bekomme ich eine Woche später ein Schreiben von der Rechtsabteilung der Firma. Tenor: hätte, hätte, Fahrradkette – Pech gehabt. Der Redakteur sei eine kleine Wurst, die gar nix zu sagen habe und eine Verpflichtung wäre die Firma zu keiner Zeit eingegangen. Außerdem hätte ich “Committment” falsch geschrieben, bätsch.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich zu einer friedlichen Einigung bereit gewesen. Der Tonfall des Schreiben erweist sich für N und O als Knieschuss. This means war.

Es ist immer gut, einen Anwalt aus der Branche zu kennen. Und nicht nur einen – einen der DER Anwälte aus der Branche. Ich rufe ihn an, erkläre ihm mein Dilemma. Er fragt mich, was ich will – so am Ende. Ich überlege, nenne ihm eine Summe. Er schlägt 30 Prozent drauf, dazu einen Entwickler-Credit: “Wir brauchen Verhandlungsspielraum, von dem aus wir uns auf deine Summe runterhandeln lassen”.

Mein Anwalt schreibt Firma N. Tenor: Es ist scheißegal, welche Kompetenzen Redakteur O vielleicht überschritten hat. Er ist im Namen der Firma Verpflichtungen eingegangen, die sich leicht beweisen lassen. Geld und Credit, bitteschön. Ach ja: Einstweilige Verfügung gegen das Projekt B ist in Vorbereitung. Sieht sicher nicht gut aus, so vor den Kunden und der Presse.

Firma N stellt noch mal auf stur. Mein Anwalt ebenso. Es kommt zu einem Telefonat, von dem mir mein Anwalt erheitert berichtet: “Die haben so eine Großkanzlei mit dem Vorgang beauftragt, die nach Stunden abrechnet. Da hat die Kollegin mich erstmal in eine halbe Stunde Smalltalk verwickelt. Das allein kostet Firma N mehr Geld als die von dir geforderte Summe.”

Wie es aussieht, ist auch die Anwältin der Gegenseite nicht sicher, dass man mit Sturheit weiter kommt. Sie fragt, was ich haben will. Die alte Leier: Geld und Credit. Sie handelt uns knallhart runter – auf die Summe, die mir nach der originalen Vereinbarung zusteht. Mit diesem “Erfolg” sieht sie bei Firma N gut aus, solange niemand auf ihren Stundensatz schaut. Selbstverständlich muss ich unterschreiben, dass Firma N mit der Zahlung kein Fehlverhalten eingesteht und dass Diskretion zu wahren ist.

Ende vom Lied: Ich bekomme das Geld, das mir Firma N gleich hätte zahlen können. Dann hätten alle Parteien gut Freund bleiben können, zukünftige Zusammenarbeit wäre nicht ausgeschlossen gewesen – und ich hätte Redakteur O nicht als rückgratlosen und impotenten Feigling entlarven müssen. Ich mag das Geld bekommen haben: Gewonnen hat in dieser Angelegenheit niemand.

Die Lektion aus der Geschichte? Wenn einer deine Ideen klaut, SOFORT eingreifen, und zwar mit allen Mitteln. Weil jemand, der dich einmal linkt, dich auch zweimal linkt. Und: Wenn man mit jemandem eine Honorarverhandlung führt, muss man sich vergewissern, dass dieser Jemand überhaupt berechtigt ist, Honorarverhandlungen zu führen.

Es sei aber noch einmal angemerkt, dass so ein Verhalten in der Branche absolut unüblich ist. Ich bin eigentlich immer fair behandelt worden. Es gilt jedoch die Faustregel: Vorsicht – Arschlöcher unterwegs.

ass

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28
Januar 2014

Kleinkram: “Lily Allen: Hard out here”

Ich mag Lily Allen. Die ist süß, witzig und singt in ihren Songs gerne darüber, wie scheiße Skinheads sind und dass Bettversager Arschlöcher sein können. Auch ihr neuer Song “Hard out here” nistet sich so schnell im Ohr ein wie ein Ceti-Egel:

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26
Januar 2014

Schriftzeichen sind Lebenszeichen

Ich mache mir Gedanken über die Zukunft. Nicht über eure oder die der galaktischen Föderation – über meine eigene. Der Arsch ist einem bekanntlich näher als die Hose. Aber ich will euch zumindest an meinen Überlegungen teilhaben lassen, weil mich eure Meinung interessiert und ihr ja schließlich mit den Folgen leben müsst.

Seit knapp fünf Jahren arbeite ich primär für Landhefte, bei der “Liebes Land” seit einem Jahr als “editor at large”, was nach meinem Verständnis soviel heißt wie “Redakteur mit eingeschränkter Narrenfreiheit”. Die LvA leitet das Heft als Chefredakteurin von Speyer aus, was eine Fernbeziehung zur Folge hat, die uns beiden nicht passt.

Weil die Situation nicht ideal ist und mir die Arbeit für die “Liebes Land” unheimlich Spaß macht, haben wir entschieden, dass ich ebenfalls nach Speyer gehen werde, zumindest für die vorhersehbare Zukunft. Der Gedanke, München den Rücken zu kehren, nagt an meiner Laune, denn München ist Heimat, Speyer ist Provinz. Auch wenn ich beide Städte mag, ist das einfach kein Vergleich.

Wir geben unsere Wohnung hier in München nicht auf. Sie wird untervermietet. Vielleicht ist das nur eine psychologische Kiste, aber wir brauchen das Gefühl, den Fuß noch in der Tür zu haben. Nicht die Absicht, zurück zu kehren, aber die Möglichkeit. So ist Speyer nicht Ziel, sondern Abenteuer.

Speyer bedeutet für mich auch, wieder mehr zu arbeiten. Es ist nicht so, dass ich wenig arbeite – bei der “Liebes Land” produziere ich vier mal soviel Seiten wie seinerzeit bei der Konkurrenz. Und ich schreibe weiterhin für Hyperland. Und ghoste noch diverse Artikel, die nicht unter meinem Namen erscheinen. Und entwickle mal wieder ein Drehbuch für einen großen deutschen TV-Sender (was auch immer daraus werden wird).

Daneben habe ich meine Mußestunden 2014 auch schon üppig verplant: Der Wortvogel bekommt beizeiten ein modernisiertes Gefieder. Und entweder wird es eine deutsche Fassung von “Empire of the B’s” geben oder ich mache mich an die Zusammenstellung von Band 2 (der u.a. die “Puppet Master”- und “Subspecies”-Filme in all ihrer Glorie bespricht). Für Band 1 muss ich im Februar auch noch fleißig die Werbetrommel rühren.

Dazu passt, dass ich dieses Jahr auch wieder an drei Festivals teilnehmen werden: Fantasy Filmfest Nights in München, B-Film Basterds in Nürnberg, Fantasy Filmfest in Berlin. Was geguckt wird, wird auch besprochen. Ächz.

Außerdem habe ich mich hinreissen lassen, mal wieder eine SEHR üppigen Übersetzungsauftrag anzunehmen, dem vielleicht weitere folgen werden. Es geht ins SF-Genre, das Buch ist dick wie ein Brikett – und im Gegensatz zu früher kann ich mich heute mit dem Autor per Facebook kurz schließen, wenn ich Fragen habe. Den Übersetzungsprozess könnt ihr via diverser Beiträge, die ich dazu verfassen werde, relativ hautnah mitverfolgen.

Speyer könnte auch ein kleines Filmfestival gebrauchen oder zumindest so etwas wie “Kino unter freiem Himmel” im Sommer. Ein Gespräch mit den entsprechenden Stellen in der Stadtverwaltung sollte zu organisieren sein.

Aber ich will mehr. Ich will wieder Projekte von der Idee bis zum fertigen Produkt stemmen. Die Geistesblitze sollen nicht mehr verlöschen, sondern sich beweisen. Um mit Rocky Balboa zu sprechen: “Da ist immer noch Sprit im Tank.”

Nach über 2.500 Beiträgen und fast 70.000 Kommentaren dazu trage ich mich mit dem Gedanken, ein paar “Best of”-Bücher zu meinem Blog zusammen zu stellen. Themen wie “Fantasy Film Fest Reviews”, “Sentimentales”, “Kino-Kritiken” und “Reisen” würden jeweils locker für den Umfang eines eigenen Taschenbuchs à 350 Seiten reichen. Korrigiert, annotiert und hübsch hergerichtet natürlich.

Das Problem: In iBooks auf dem Apple sieht so eine Zusammenstellung klasse aus, lässt sich aber nicht dynamisch einrichten, wie es für einen Ebook-Reader notwendig ist. Baue ich das Manuskript im Kindle-Format, sieht es beschissener aus als hier auf dem Blog. Da ist viel zu wenig Raum für typographische Gestaltung und die Einbindung von Bildern.

Charmant finde ich den Gedanken, die Blog-Delikatessen in limitierter Auflage als Bücher drucken zu lassen – nummeriert und signiert für Freunde und echte Wortvogel-Connaisseure. Bisher habe ich so eine Vorgehensweise immer für zu aufwändig und mit hohen Startkosten verbunden erachtet. Dann bin ich auf einen Anbieter gestoßen, der konkurrenzlos günstig alles drucken würde, was ich brauche – aus dem Vanity Project könnte damit tatsächlich einer Profitbringer werden.

Und das ist mein Problem: Ich komme immer vom Hundertsten ins Tausendste. Wenn ich schon ein Buch drucken lasse – warum dann nicht einen ganz neuen Roman? Wäre es nicht an der Zeit, meine kreativen Säfte mal wieder in eine große Erzählung zu gießen, wie ich es seit Jahren vor hatte? Ist es angesichts der günstigen Preise nicht angebracht, statt sieben oder acht Prozent Gewinnbeteiligung vom Verlag einfach mal als Manager in eigener Sache aufzutreten?

Schon habe ich neue Ideen, denke ich weiter. Da ist die weltweit sehr erfolgreiche Buchreihe eines befreundeten Kollegen, die in Deutschland keinen Verlag gefunden hat. Könnte ich übersetzen und selber auf den Markt bringen. Oder wie wäre es mit der Neuauflage der legendären Filmprogrammhefte? Oder einem Softcover-Album mit den besten Filmplakaten aus den Bereichen Trash und Kult?

Andererseits: Das bedeutet Verwaltung, Planung, Post und Vertrieb. Genau das, was ich hasse. Kann man studentische Hilfen für anstellen, aber ich will Autor sein, kein Arbeitgeber.

Jenseits des Gedruckten treibe ich mich auch noch rum. Ich habe seit Jahren eine Idee für einen Kammerspiel-Film in der Schublade, der großes Schauspielerkino und nagelbeißende Spannung verspricht. Ein preiswert umsetzendes, aber anspruchsvolles Projekt, für das ich mich aktuell nach einer Produktionsfirma umschaue. Am anderen Ende der Skala wartet die Hoffnung, auch mal einen Low Budget-Horrorschocker loszutreten, der beweist, dass auch in Deutschland gute Genreware im Niedrigpreis-Segment produziert werden kann. Man wird sehen, wohin das führt.

Klar ist: Wenn ich meinen aktuellen Verpflichtungen gerecht werden UND neue Projekte anschieben will, muss ich in Speyer eine ganz neue Disziplin an den Tag legen. Dann wird es festgelegte Arbeitszeiten geben. Pensa.

Das ist mein Dilemma. Ich weiß nicht, wie ich das alles schaffen soll – und will eigentlich noch viel mehr schaffen.

Was sind eure Gedanken dazu? Was würdet ihr gerne von mir sehen/lesen? Macht eine gedruckte und überarbeitete Sammlung meiner Filmkritiken Sinn? Soll es doch eher ein Roman sein? Oder ist Ebook sowieso besser als totes Papier?

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23
Januar 2014

Meine Leser haben alle Tassen im Schrank

Gestern habe ich mir auf diesem Facebook-Dingens mal ein Experiment gegönnt – ich habe ein Bild meiner liebsten Kaffeetasse gepostet und die Leser gebeten, es mir gleich zu tun. Binnen weniger Stunden hatte ich ein Dutzend Fotos heiß geliebter und schlecht behandelter Kaffeeträger im Stream. Die will ich euch nicht vorenthalten – Mauszeiger über die Bilder halten verrät Details zum Besitzer:

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21
Januar 2014

o2: Stochern im Service-Nebel

Mal wieder Zeit für eine kleine Leidensgeschichte. Heute morgen brennt mir der Router durch. Also nicht “brennt” im Sinne von “schlägt Flammen”, sondern im Sinne von “abkacken” (nennt man das heute noch so?). Mein WLAN-Netzwerk weg, dafür meldet die Suche plötzlich wieder “FritzBox 7120″. Ich ahne schnell: aus unerklärlichen Gründen hat sich das Gerät auf Werkzustand zurückgeschaltet. Das hatte ich in satten acht Jahren sonst klaglosen Dienstes zwei oder drei mal, das ist kein Drama.

Diesmal schon.

Ich klinke mich über den Browser in meine FritzBox ein, um das WLAN-Netz samt Passwort (es steht ja nun sperrangelweit offen) wieder einzurichten. Leider will die FritzBox erstmal wieder Zugang zu diesem komischen Internetz habe und bittet mich um die Zugangsdaten meines Provider “1+1″.

Ich war nie bei 1+1. Des Rätsels Lösung: Ich habe vor mehr als fünf Jahren den Router gebraucht gekauft von einem Kunden, der von 1+1 ein redundantes Gerät bekommen hatte. Auch kein Problem, es gibt ja das Dropdown-Menü “andere Anbieter”.

Dazu muss man wissen, dass ich vor zehn Jahren von der Telekom zu Alice gewechselt bin, als die mit der hübschen Vanessa Hessler geworben haben. Alice wurde mittlerweile von o2 geschluckt, was zu Telefonica gehört. Demnach stellte sich die Frage: Als Anbieter nun Alice oder o2 auswählen?

Es war letztlich egal: Beides geht nicht. Bei Alice will das System die zweimalige Eingabe eines Passwortes, bei o2 eine 15stellige PIN. Ich rufe beim Kundendienst von o2 an, wo man jegliche Verantwortung von sich weist – der WLAN-Router sei nicht die Hardware von Alice, dafür sei man nicht zuständig. Ich solle das seinerzeit gelieferte Modem wieder anschließen, ich müsse das ja noch haben, da es rechtlich gesehen o2 gehöre.

Ein zehn Jahre altes Modem ohne WLAN soll also die Lösung sein? Kaum, zumal ich das Gerät irgendwann als defekt ausgemistet habe – und Alice das auch mitgeteilt wurde. Diese Information wurde wohl nicht ins Kundencenter des neuen Providers transferiert.

Man empfiehlt mir, mich wegen der FritzBox-Probleme an den Hersteller AVM in Berlin zu wenden. Dort wiederum habe ich das Gefühl, der Hotline-Mitarbeiter kann sich nur schwer das schallende Lachen verkneifen, als ich ihm meine Modellnummer mitteile. Nein, DAS Gerät sei schon lange nicht mehr auf dem Markt und erhalte auch keinen Support. Er könne mir aber den Link zu einer Hilfeseite schicken, mit der ich das Gerät auf den Werkzustand zurück setzen könnte. Vielleicht helfe das.

Natürlich ist die Zurücksetzung auf den Werkzustand keine Lösung, sondern das Problem! Es hakt ja an der Verbindung zum Provider!

Um mich nicht ewig mit den Hotlines herum zu schlagen, entschließe ich mich zu einem vergleichsweise radikalen Schritt – ich fahre zu einem Großmarkt und kaufe für 91 Euro die FritzBox 3272. Ein neues Modell, mit dem ich zumindest von AVM Support erwarten darf – und dem o2 keinen Fehler andichten kann.

Es geht wieder nicht. Keine Verbindung zum Netz.

Wieder Anruf bei o2, diesmal mit der Absicht, mich nicht mit dem Verweis auf Hardware-Probleme abspeisen zu lassen. Die Dame am anderen Ende der Leitung versichert mir, von ihrer Seite aus sähe alles prima und in Ordnung aus. Eine durch und durch erfreuliche Information, die mir keinen Schritt weiterhilft, weil es auf MEINER Seite eben NICHT in Ordnung ist. Ich bitte um Hilfe, was denn die PIN sein solle, die ich zur Verbindung mit o2 eingeben muss. Sie meint, das sei wohl meine Telefonnummer.

Die PIN muss 15 Stellen haben, meine Telefonnummer hat samt Vorwahl 11. Keine große Überraschung, dass ich damit nicht weiter komme. Ich rufe noch mal beim Support an. Eine andere Dame mutmaßt nun, mit der 15stelligen PIN sei der WLAN-Schlüssel auf der Unterseite des Routers gemeint. Der hat aber 16 Stellen.

Nächster Blindflug: Nach Rücksprache “mit der Technik” versichert mir die Dame, das Problem identifiziert zu haben – mein Router sei für VOIP ausgelegt, nicht für “normales” Internet. Ich erkläre ihr entspannt, dass das kaum sein könne, weil ich mit dem alten Router acht Jahre lang problemlos surfen konnte UND ich den neuen Router ja nicht nach Geschmack ausgesucht habe. Ich kenne den Unterschied und der Router ist das richtige Modell für das richtige Bedarfsprofil.

Allgemeine Verwirrung. Die Dame von der Hotline holt einen Techniker dazu, der ihr fortan souffliert, statt einfach selber den Hörer zu nehmen und mit mir zu sprechen. Tenor des Gesprächs: So etwas haben wir noch nie gehabt, da sind wir auch ein wenig überfragt. Man kündigt an, von o2-Seite noch ein paar Testprogramme laufen zu lassen. Ich möge doch zwei Minuten in der Warteschleife bleiben.

Während ich knurrend auf dem Sofa hocke und Dudelmusik höre, entschließe ich mich zu einem letzten Versuch. Da ich zur Schlamperei neige, schreibe ich ALLE Passwörter und Logins immer sofort in eine Liste, die ich an einem hoch geheimen Ort aufbewahre. So muss ich nie in Akten wühlen, sondern kann auf eben diese “Masterlist” zurück greifen (wenn die mal jemandem in die Hände fällt, kann er faktisch mein Leben übernehmen). Auf der Liste finde ich auch diverse Kunden- und Auftragsnummern, die ich vor 10 Jahren von Alice bekommen habe. Eher zur Totschlagung der Hotline-Wartezeit wähle ich im Router Alice als Anbieter, gebe die Telefonnummer ein und beim Passwort das, was Alice damals “Passcode” nannte, eine willkürliche Abfolge von Buchstaben.

Um mit Boris Becker zu sprechen: Ich bin drin!

Zur Sicherheit schließe ich noch mal den alten Router an. Wenn es nur am Passcode gelegen hat, kann ich vielleicht den neuen Router wieder zurück geben. Leider nein. Der alte Router mag gar nicht mehr mit der Außenwelt in Verbindung treten. Als ich den neuen Router wieder am Netz habe und selber im Netz bin, meldet sich auch die o2-Hotline wieder: Man kann mir leider nicht helfen. Ich vermelde nicht ohne Stolz, mir mittlerweile selber geholfen zu haben.

Drei Stunden Arbeitszeit habe ich verloren. Wichtige Arbeitszeit, denn Reportagen wollen heute geschrieben werden.

Was bleibt? Die Erkenntnis, dass man bei der o2-Hotline offenbar nicht weiß oder nicht wissen will, dass ehemalige Alice-Bestandskunden zum Verbindungsaufbau einen Passcode brauchen, der ihnen bei Vertragsabschluss zugestellt wurde. Es ist diese Information, die ich von Anfang an gebraucht hätte. Dann hätte man sich auch das Gesabbel über “Fremd-Router” und mögliche Fehler im Splitter schenken können.

Echt, o2? Wäre das so schwer gewesen?

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19
Januar 2014

Updates und weitere Gedanken dazu

Es wird kaum jemand bemerkt haben, aber seit heute gibt es auch einen Kindle-Button zu jedem Artikel, über den man Beiträge direkt auf seinen Reader schicken kann. Ich denke, das lohnt sich besonders bei meinen exorbitant langen Privatgeschichten – auch wenn ich es mangels Kindle selbst nicht prüfen kann. Wenn jemand dazu Feedback geben kann/mag, würde es mich freuen.

Auf Anraten des Lesers Howie wird es ein neues Tag geben: “Foodstuff”. Darin findet ihr alle meine Erlebnisse mit Lebensmitteln – und dem, was unter diesem Begriff verkauft und konsumiert wird.

In absehbarer Zeit stehen auch ein paar einfache eBook-Versionen verschiedener Blog-Kategorien ins Haus. Ich sammle und überarbeite derzeit Materialien wie Filmkritiken, Biographisches und Humor, die dann gesondert veröffentlicht werden. Kann sein, dass ich nach immerhin acht Jahren ein “Best of” signiert in limitierter Druckauflage heraus bringe.

In diesem Zusammenhang wird es einige gehörlose und/oder blinde und/oder guckfaule Leser freuen, dass ich die Videokritiken zum Fantasy Filmfest 2010 transkribieren und als Text einstellen werde. Das wird primär Handarbeit sein, denn die Möglichkeiten zur automatischen Wandlung haben sich bisher als untauglich erwiesen. Angesichts der mauen Tonspur versagt gerade die entsprechende YouTube-Funktion so humorvoll wie vollständig.

Aus

“…und ich dachte mir, da ich mit meinen Videoaufnahmen ein bisschen hinterher hänge, mache ich das jetzt mal hier – egal was kommt und egal wie blöd die Leute gucken. So, gestern Abend war ich noch in dem einzigen 3D-Film, den ich auf dem Festival sehen werde…”

wird

“…und dass wir da schon mal ein Video aufnahm sind der Heringe Meister vor je gab was kommt denn egal wie blöd die Leute gucken so als letzte Arbeit noch in dem einzigen 3d kündigten Festwirtin werde…”

Es ist natürlich auch wieder angedacht, das Layout zu überarbeiten. Ich möchte ein anderes Farbschema, ein anderes Logo, vielleicht eine Anpassung der Textspalten, auch wenn die jetzt schon sehr lesefreundlich sind (eine Änderung würde vermutlich auch hässliche Auswirkungen auf den Textfluss früherer Einträge haben).

Auf der Suche nach einem neuen WordPress-Theme, das mich anspricht, bin ich auf das “Responsive Webdesign” gestoßen. Die Idee dahinter ist durchaus reizvoll: Die Elemente der Webseite sind so flexibel gehalten, dass sie automatisch für jedes Endgerät optimal angeordnet werden – ob Smartphone, Tablet oder Notebook. Ein paar schicke “responsive themes” findet ihr hier vorgestellt.

Das Problem: Responsive Design limitiert die Möglichkeiten zur Gestaltung massiv. Elemente dürfen nicht mehr zwangsweise zusammen hängen, Fotos und Bilder müssen sich in Beiträgen automatisch entzerren lassen. Das würde in meinem Falle dazu führen, dass das Design der Webseite weniger unverkennbar wird – und dass praktisch alle alten Beiträge (sofern sie Bilder mit umlaufendem Text enthalten) unvorhersehbar “zerschossen” werden.

Nun bin ich zerrissen: Auf der einen Seite verstehe ich, dass man seine Webseite an aktuelle Entwicklungen anpassen muss, dass immer mehr Leute den Wortvogel per Tablet und Smartphone ansurfen, dass eine flexible Gestaltung grundsätzlich vorzuziehen ist. Auf der anderen Seite will ich nicht den Aufbau von 3000 Artikel aus sieben Jahren gefährden und eine Webseite konstruieren, die letztlich nicht nur dynamisch, sondern auch austauschbar aussieht.

Da ich das alles letztlich für euch mache, bitte ich nun um eure Meinung: Was wäre angebracht und erwünscht?

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