3
Mai 2012

Wie werde ich ein Geek – in 10 Minuten?

Manchmal beneide ich die Amerikaner. Was die Verbreitung von Filmen angeht, sind die schon längst über DVD und Blu-ray hinaus. Das Zauberwort heißt Netflix. Selbst anerkannte Kritiker wie Tim Lucas und William S. Wilson kaufen nicht mehr ausschließlich Scheiben, sondern streamen obskure Produktionen und Klassiker auf den heimischen Fernseher. Da es praktisch keine Produktionskosten und wenig Aufwand für die digitale Bereitstellung gibt, können auch kleinere “out of print”-Streifen wieder landesweit zugänglich gemacht werden.

Als Deutsche müssen wir uns mit Alternativen behelfen. Bei der Recherche für einen extrem umfangreichen Beitrag bin ich auf einen rechtlich fragwürdigen YouTube-Kanal gestoßen, der ein bisschen an die Zusammenschnitte von “Everthing is terrible” erinnert, aber einen konsequenten Schritt weiter geht.

Bei “InUnder10Minutes” kann sich der geneigte Zuschauer um die 80 Trashfilme ansehen, relativ konsequent und schnittig auf eine Laufzeit von unter 10 Minuten geprügelt. Alle relevanten Plots, Kills und Schocks sind drin – rausgefallen sind die üblichen 80 Minuten Füllmaterial, die sowieso kein Schwein braucht. Als Fundgrube dienen fast ausschließlich die miserablen B-Reißer, die der Syfy-Channel im Wochentakt raus haut.

Nehmen wir als Beispiel mal “Decoys 2: Alien Seduction”:

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Das ist genau so viel von dem Film, wie man braucht.

Auch an “Alien Tornado” braucht man keine 90 Min. zu verschwenden:

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Carnosaur, Mosquito, Troll 2, Anaconda 3, Howling 4, Samurai Cop, Snowmageddon, Cyclops – alles dabei. Kurzum: Ein YouTube-Channel, auf dem man im Laufe eines Abends fünf Jahre Trash-Fachwissen nachholen kann. Jede Menge gesparte Lebenszeit. Angesichts der begrenzten Laufzeit und Auflösung eignen sich die Zusammenschnitte auch perfekt für den Einsatz auf Smartphones.

Und wo wir schon beim kostenlosen Sehvergnügen über YouTube & Konsorten sind – eine andere alte Leidenschaft von mir wird derzeit ebenfalls ordentlich befeuert. Ich stehe nämlich auf uralte TV-Filme aus den USA, bevorzugt mit Genre-Aufhänger. Mein Kumpel David hat mich da in den 90ern reichlich versorgt. Ich besitze auch die großartige gebundene Erstausgabe von “Movies made for Television“, in der haufenweise seltene Bilder und Inhaltsangaben zu finden sind:

Man muss zu dem Thema wissen, dass die Frühzeit des amerikanischen Fernsehens von Live-Präsentationen auch im Fiction-Bereich lebte. Das gefilmte TV-Movie, wie wir es kennen, kam erst Mitte der 60er auf. Die meisten dieser frühen Produktionen sind in keinem Nachschlagewerk verzeichnet.

Mittlerweile ist es so, dass sich immer mehr Fans dieser TV-Filme finden, die mitunter noch bei Kabelkanälen und im lokalen Spätprogramm die Runde drehen. Mancher Sammler digitalisiert auch endlich seine alten VHS-Kassetten, wie hier offensichtlich bei der SF-Schmonzette “The Love War” geschehen:

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Während sich “InUnder10Minutes” (mit Ausnahmen) auf relativ neue B-Reißer beschränkt, kredenzt uns “TVTerrorland” mehrere Dutzend obskurer TV-Filme und gescheiterte Pilotepisoden vornehmlich der 70er und 80er, z.B. “The World Beyond”:

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Auch andere Plattformen haben Schätzchen in voller Länge zu bieten – bei Veoh gibt es “Horror at 37.000 Feet” mit William Shatner zu sehen:

http://www.veoh.com/videos/v835463gzntxBSf

Natürlich verlangen solche Produktionen mehr Sitzfleisch – damals waren die Budgets, die Effekte und die Dramaturgie noch deutlich begrenzter. In vielen Fällen lohnt sich die Geduld aber.

Angesichts der rechtlichen Problematik ist es vielleicht angeraten, bei beiden Kanälen die Filmchen, die man unbedingt sehen will, per Browser-Plugin auf die heimische Festplatte zu bannen, bevor YouTube das große “geschlossen”-Schild raus hängt.

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2
Mai 2012

“Hey you!”: Terry Crews has something to show you

… es erinnert an den “Expendables”-Trailer, der gegen “Eat Pray Love” antrat – die Jungs wissen, wie man Fanboys anheizt:

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2
Mai 2012

Experimente aus der Prä-Wortvogel-Ära

Mittlerweile betreibe ich mein Blog ja schon mehr als fünf Jahre mit nie versiegender Begeisterung (ächz). Es war keine leichte Geburt, denn ich wollte es nicht einfach nur machen – ich wollte es auch richtig machen. Als die ganze Chose noch in Planung war, spielte ich mit dem “Logo Creator” herum, um ein erstes Design als Vorschlag für den Grafiker zu entwerfen. Damals war kein Bild im Header geplant:

Ich fand die Farbkombination sehr hübsch. Irgendwie comicky.

Alternativ spielte ich mit dem Gedanken, aus Platzgründen nur ein sehr kleines “Siegel” zu verwenden, das ich mit irgendeinem Online-Editor gebaut hatte:

Das war mir letztlich zu eitel und irgendwie auch faschistoid.

Diverse schicke WordPress-Themes luden mich damals zu Experimenten ein. Dabei war auch ein Foto in der näheren Auswahl, das mich (weil aktueller) mit Haaren, Brille und Heiligenschein zeigte:

Auch damit konnte ich mich letztlich nicht anfreunden. Zumal Kumpel Xeno ja schließlich ein deutlich hübscheres Logo kreierte, das hier satte vier Jahre lang eingesetzt wurde.

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2
Mai 2012

Creeping in: “Dark Shadows”

Nächste Woche ist die Pressevorführung von dem hier:

Eine Sperrfrist scheint es diesmal nicht zu gegen, rechnet also zeitnah mit meinem Review. Bis dahin halte ich euch mit Goodies von Warner bei Laune.

Hier ist der deutsche Trailer:

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Wer sich etwas genauer einlesen will, kann das mit dem deutschen Presseheft tun – immerhin 26 Seiten Infos zu Burtons Kino-Remake der Grusel-Telenovela.

Bei Collider habe ich “behind the scenes”-Footage gefunden:

Zum Film selber gibt’s dann eine schöne Galerie – und meine Meinung.

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1
Mai 2012

“Dark Knight Rises” und “Tron: Uprising” Trailer: Getting there

Ich muss gestehen, dass ich bei Nolans Abschluss der Batman-Trilogie bisher eher still geblieben bin, einfach weil mich die Trailer und die Bilder nicht wirklich überzeugt haben. Das erschien mir alles sehr vage und… sehr dröge? Hathaway ist in meinen Augen als Catwoman fehlbesetzt, ich mag das Batman-Kostüm immer noch nicht und Tom Hardy mag den Look von Bane auf den Punkt treffen – aber Bane? Ich hätte mir einen anderen Bösewicht gewünscht.

Der neue, dritte Trailer bringt nun endlich den Saft, der mich am letzten “Dark Knight” so begeistert hat:

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Ähnlich geht es mir mit der neuen Trickserie “Tron: Uprising”. Der erste Trailer war kompletter Unfug, der sich in schönen Bildern suhlt, aber den Zuschauer emotional überhaupt nicht abholt. Bei der neuen Vorschau ist das schon deutlich stringenter erzählt:

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Trotzdem bleibe ich skeptisch. Zwar bin ich extrem beeindruckt, wie perfekt man den Stil des letzten “Tron“-Films getroffen hat, aber ich kann mit dem Design der Charaktere und ihrer abgehackten 2D-Animation nichts anfangen. Das erinnert mich fatal an die “Æon Flux”-Trickserie von Peter Chung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Darstellung große Begeisterung bei den Kids auslöst.

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1
Mai 2012

Cinema anno 1984: Die BILD-eske Hybris von Europas größter Filmzeitschrift

In den letzten 10 Tagen habe ich bereits diverse alte Ausgaben der Cinema gelesen und bin dabei auf so viele bemerkenswerte Details, Artikel und Argumente gestoßen, dass es sich lohnen mag, einen größeren Beitrag über die gesammelten Absurditäten jeweils eines Jahrgangs zu schreiben.

Nicht vorenthalten wollte ich euch bis dahin das wohl heuchlerischste Cover, mit dem die Cinema je auf Leserfang ging – aus nachvollziehbaren Gründen erst nach dem Break:

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30
April 2012

The gang’s all here: “Expendables 2″

Eine prächtige klickbare Galerie – Nerdgasm voraus:

Offizielle Synopsis: “The Expendables are back and this time it’s personal… Barney Ross (Sylvester Stallone), Lee Christmas (Jason Statham), Yin Yang (Jet Li), Gunnar Jensen (Dolph Lundgren),Toll Road (Randy Couture) and Hale Caesar (Terry Crews) — with newest members Billy the Kid (Liam Hemsworth) and Maggie (Yu Nan) aboard — are reunited when Mr. Church (Bruce Willis) enlists the Expendables to take on a seemingly simple job. The task looks like an easy paycheck for Barney and his band of old-school mercenaries. But when things go wrong and one of their own is viciously killed, the Expendables are compelled to seek revenge in hostile territory where the odds are stacked against them. Hell-bent on payback, the crew cuts a swath of destruction through opposing forces, wreaking havoc and shutting down an unexpected threat in the nick of time — six pounds of weapons-grade plutonium; enough to change the balance of power in the world. But that’s nothing compared to the justice they serve against the villainous adversary who savagely murdered their brother. That is done the Expendables way….”

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30
April 2012

All the lambs in the house say YEAH!

Ich poste ungern “lustige” oder gar “tierische” Videos – aber dieses virale 6 Sekunden-Wunder bringt mich jedes Mal zum hysterischen Kichern. Angeblich ist der Ton authentisch:

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Könnte ich tausend mal hören – werde ich vermutlich auch.

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30
April 2012

Forgotten Hero: Harry Piel

Als ich Ende der 80er Zivildienst in der mobilen Altenpflege geleistet habe, waren meine “Klienten” alt genug, um teilweise noch den Kaiser gekannt zu haben. Und damit meine ich nicht Kaiser Franz Beckenbauer, sondern DEN Kaiser. Ihre Anekdoten werde ich beizeiten noch ausführlich erzählen. Eine bezaubernde alte Dame namens Emma Irgendwas (ich hab’s vergessen, sorry) war verwitwet, hatte aber einen nicht minder verschrumpelten, geradezu miniaturformatigen Verehrer. Ein Pärchen zum Verlieben. Als ich dem Mann mal zwischen Einkauf und Staubsaugen erzählte, dass ich ein großer Kinofan sei, leuchteten seine Augen: “War ich auch in meiner Jugend. Harry Piel. Jeden Monat. Harry Piel!”

Dank des “Lexikon des Science Fiction-Films” wusste ich ungefähr, von wem er sprach.

Harry Piel war DER deutsche Filmstar der 10er, 20er und 30er Jahre. Er ist heute fast vergessen, weil seine Filme keine aufgebrezelten Klassiker und große Dramen waren, sondern Abenteuer- und Actionstoffe für das ganze Volk, gerne auch mit futuristischem Einschlag. Er war ein Tausendsassa, der seine Stunts selbst erdachte und absolvierte. Er produzierte seine Filme und führte auch Regie. Evolver.at bezeichnet ihn nicht unkorrekt als den “Jackie Chan der 30er Jahre” – hier fährt er mit dem Motorrad ein Treppengeländer herunter:

Wer möchte nicht Filme sehen wie “Achtung Harry! Augen auf! – 6 Wochen unter den Apachen”, “Abenteuer im Nachtexpress”, “Schneller als der Tod”, “Das schwarze Kuvert” oder “Das fliegende Auto”? Leider sind die meisten Negative seiner Filme bei einem Brand in einer Windmühle (in die er sie verbracht hatte, um genau diesem Schicksal zu entgehen) vernichtet worden. Vor einigen Jahren strahlte Premiere mal sein Spätwerk “Ein Unsichtbarer geht durch die Stadt” aus, eine atemlose Actionkomödie, die man heute mit einem aktuellen US-Star problemlos neu drehen könnte. Besonders begeistert hat mich die Tatsache, dass Piel eben nicht in den großen Studios seiner Zeit gedreht hat, sondern in den Straßen von Berlin, was einen authentischen Blick erlaubt, den der Film damals gerne zu vermeiden suchte:

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Piels Filme (insbesondere die Stummfilme, die ja nicht synchronisiert werden mussten) waren auch internationale Erfolge, wie dieses tolle Plakat aus den 20ern beweist:

Ich habe jahrelang versucht, Piels Leben (das an Triumphen, aber auch schweren Niederlagen wahrlich nicht arm ist) als Filmstoff unterzubringen. Es wäre DIE Paraderolle für Heino Ferch, der Piel in Ausstrahlung und Hoppla-Attitüde durchaus ähnelt. Aber leider bevorzugen die Sender im historischen Bereich weibliche Protagonisten – und “Film über Film” geht sowieso nicht, wie ich immer wieder zu hören bekomme. Wäre auch ziemlich teuer zu drehen.

So tröste ich mich, in dem ich immer mal wieder seltene Fotos, Plakate und Autogramme von Piel kaufe:

Harry Piel liegt auf dem Münchner Waldfriedhof begraben. Auch nach Dutzenden von Spaziergängen habe ich sein Grab nicht gefunden. Ich werde wohl mal bei der Friedhofsverwaltung nachfragen, um den genauen Platz ausfindig zu machen.

Wer etwas mehr in das Thema einsteigen will, sollte sich antiquarisch die SEHR spannende Piel-Biographie von Matias Bleckmann besorgen. Lesenswert ist auch der Nachruf im SPIEGEL von 1963.

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29
April 2012

Bildersturm zum Wochenende

Hier mal wieder ein paar Pretiosen von meiner Festplatte, die ich dem digitalen Vergessen entreißen möchte.

Für “TV für mich” und “TV piccolino” muss ich ja auch fleißig Texte und Bilder von den Presseservern der Sender ziehen. Die sind gewöhnlich recht zuverlässig, auch was die Betextung von Fotos angeht. Dem ZDF gelang allerdings zur Ausstrahlung von Stieg Larssons “Millennium-Trilogie” ein bezaubernder Fauxpas:

Alle, dies es nicht verstehen, dürfen sich von älteren Kommentatoren mit nostalgischen Herzen belehren lassen.

Dass die Türken Filme nachbauen, ist bekannt und wurde bei SPIEGEL online dieser Tage auch sehr schön dokumentiert. Aber auch bei Filmpostern bedienen sie sich, wo sie wollen – ob es nun zum Thema passt oder nicht:

Auf dem Poster zu sehen ist der ehemalige Pornostar Kascha – und sie wirbt so freizügig für Michael Manns Thriller “Manhunter”! “Tuzak” bedeutet übersetzt soviel wie “Falle” oder “Hinterhalt”.

Es versuchen sich ja immer wieder UFC, MMA oder WWE-Hanseln im Filmgeschäft. Die Leistungen reichen von respektabel (The Rock) und akzeptabel (John Cena) über blamabel (Kevin Nash) bis korkengabel (Chyna). Neulich war Kurt Angle (who?) an der Reihe. Das erste Plakat zum Horror-Thriller “River of Darkness” schien noch seine körperlichen Meriten herausstellen zu wollen:

Ein paar Monate später entschied man sich beim Vertrieb, den Protagonisten lieber ordentlich einzupacken – den Kopf behielt man der Einfachheit halber bei:

Wer jetzt neugierig ist: 2,3 bei IMDB sollten Warnung genug sein.

Nicht viel sehenswerter, aber von hohem historischen Interesse ist die einzige Verfilmung der deutschen Taschenbuch-Reihe “Mister Dynamit” mit Lex Barker, von der ich neulich ein hübsches italienisches Poster gefunden habe:

Das Problem: Nach einem desaströsen Kinoeinsatz wurde der Film Anfang der 70er nur einmal im Fernsehen ausgestrahlt und ist seither in der Versenkung verschwunden. Ich habe eine (qualitativ sehr maue) Version auf DVD – wie ich an die gekommen bin, darf ich leider nicht verraten….

Ja, das Charles Band-Buch kommt. Es kommt auch immer näher. Einen genauen Termin erfahrt ihr, wenn ich ihn selber weiß. Bis dahin muss ich euch mit Zückerchen gewogen halten. Band hat in den 80ern ja massiv auf Messen und in Fachblättern für seine neuen Produktionen geworben. Der Höhepunkt dürfte sicher dieser Pop Up-Beileger gewesen sein, mit dem er stolz den Aufbau der Empire-Studios in Rom verkündete:

Ich weiß, wie albern das ist – und ich bin so froh, es zu haben!

Neulich auf dem Wertstoffhof wurde wieder mal eine GANZ alte Sammlung toller Bücher entsorgt:

Einen wunderschön erhaltenen Band mit Geschichten und Gedichten von Edgar Allen Poe (samt toller Radierungen) habe ich mir geschnappt.

Eine Reportage für die LandIdee führte mich vor knapp zwei Jahren in die Uckermark. Sehr schön, viele Seen, wenig Menschen, preiswerte Immobilien. Beim “Aufbau Ost” scheint es aber noch zu haken:

Wer übrigens wissen will, wovon sich der Herr Redakteur ernährt, wenn er wegen einer Doppel-Reportage in Leipzig übernachten muss:

Don’t judge me!

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29
April 2012

It’s an Abby Sunday (3): Let the sunshine in

Letze Woche waren wir mit Abby erstmals bei der Tierärztin. Wir wollten wissen, ob soweit alles mit ihr okay ist, bevor sie Mitte Mai ins Einzelzimmer der Katzenpension kommt, wenn wir nach Ibiza fliegen. Laut der Veterinärin ist sie in sehr guter Verfassung, nur eine verdächtige Menge Zahnstein muss beizeiten mal entfernt werden. Das verkrüppelte Schwänzchen ist kein Problem und die Hüfte wurde bei der Ursache dieses Defekts auch nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Wie von der Ärztin prophezeit, ist Abby mit der Anpassung an unsere Wohnung und an uns noch nicht fertig. Jeden Tag wird sie etwas zutraulicher, etwas anhänglicher – aber auch etwas frecher. Hat sie die ersten vier Wochen noch brav im Wohnzimmer geschlafen, bis wir morgens aufwachten, um sie zu füttern (und die Katzentoilette zu reinigen), so sitzt sie mittlerweile ab ca. sieben Uhr vor der Schlafzimmertür. Und sie fängt an zu vokalisieren – ein kräftiger Maunzer soll davon künden, dass sie nun durchaus bereit wäre, sich über eine halbe kleine Dose Carny herzumachen. Gerne auch mehr.

Ebenso laut verkündet Abby, wenn ihre Toilette nach einem Besuch nicht mehr im Idealzustand ist. Dann erwartet sie zeitnah das Reinigungspersonal.

Da das Wetter mittlerweile auch längere Aufenthalte auf dem Balkon ermöglicht, hat Abby diesen gleich in Beschlag genommen. Sie kann stundenlang in der Sonne dösen oder die vielen Vögel und Eichhörnchen im Hinterhof milde interessiert beobachten. Gestern kam sie zum ersten mal “face to face” mit der weißen Katze vom Balkon schräg über uns. Eine Viertelstunde lang schauten sich die beiden Fellträger neugierig an. Keine körperliche Reaktion, kein Geräusch, keine Bewegung. Dann drehte sich Abby weg und schlief ein. Den Beginn einer wunderbaren Freundschaft habe ich mir anders vorgestellt…

Was mich wirklich verblüfft, ist ihre Ruhe auch in eher angespannten Situationen. Drei halbwüchsige Jungs, die um sie herum stolpern und sie angrabschen? Kein Problem, dafür fährt sie nicht mal die Krallen aus. Leichte Verkrustungen, die mit dem Daumen vorsichtig aus ihren Augenrändern gepuhlt werden müssen? Sie blinkt nicht einmal. Zwei Regalmeter Bücher, die unter ihrem Gewicht zur Seite wegrutschen? Abby bleibt genau da sitzen, wo sie ist. Selbst der Besuch beim Tierarzt schien sie nur mäßig zu irritieren – nach zwanzig Sekunden fing sie an, die Praxis zu erforschen.

Kurzum: Die Königin ist entspannt und versieht ihr repräsentativen Pflichten mit Grazie und Güte.

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28
April 2012

You’ve come a long way, baby: “Avengers 1978″

Es ist absolut davon auszugehen, dass ein Team-Movie von CBS oder NBC in den 70ern SO ausgehen hätte:

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Wer sich fragt, woher die Footage stammt: Hulk (Serie und TV-Film), M*A*S*H (Serie), Kampfstern Galactica, Airwolf, Captain America (TV-Filme), Exo-Man, Jason King, Kiss – Phantom of the Park, sowie Clips aus TV-Specials (Paul Lynde). Nur “Black Widow” kann ich aus dem Stehgreif nicht zurordnen.

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27
April 2012

Freitagsforum: Filmbücher

Okay, nach mehreren leeren Versprechungen gehe ich es heute mal konsequent an – das Freitagsforum. Themen für das traditionell etwas ruhigere Wochenende, bei denen ich mich über rege Teilnahme und Vorschläge freue. Interaktion statt reiner Rezeption, sozusagen.

Ich werde erstaunlich häufig gefragt, welche Bücher ich angehenden Drehbuchautoren empfehle. Mit etwas mehr Elfenbein in meinem Turm würde ich vielleicht sagen: keine. Das heißt nicht, dass es nicht nötig ist, sich das relevante Fachwissen anzueignen. Es heißt auch nicht, dass es unmöglich ist. Aber so eine Auswahl ist immer extrem subjektiv und kann aus mehreren Gründen nicht weiter gegeben werden.

Zuerst einmal gilt die Faustregel: wenn du verstehen willst, wie Filme funktionieren, dann schau dir möglichst viele an. Aber konsumiere nicht nur, sondern analysiere auch. Wenn dir eine Szene gut gefallen hat, frage dich: warum hat die mir so gut gefallen? Was haben das Drehbuch, die Regie und die Darsteller eingebracht, wie hätte die Szene anders aussehen können, was macht sie einzigartig? Ganz wichtig: lerne KINO. Das ist kein Genre. Auch wenn du nur Horrorfilme schreiben willst – Horror bedeutet Drama, Spannung, manchmal auch Humor und Action. Schaue jede Sorte Film, lerne ihre Stärken und Schwächen. Wenn du bei einem Gag lachst, studiere das Timing. Wenn du bei einer Szene weinst, finden den Trigger, den der Autor in dir angesprochen hat. Achte bei einer Actionszene auf Schnitt und Choreographie. Lerne den Rhythmus guter Filme – wie sie von Szene zu Szene springen. Finde Parallelen, aber auch Unterschiede zu vergleichbaren Produktionen. Studiere Figuren – was macht sie einzigartig, was sind ihre Manierismen?

Ein weiterer Grund, warum jede “required reading”-Liste problematisch ist, liegt im Anspruch des Lesers. Will man das “reine Handwerk” des Drehbuchschreibens lernen, weil man nicht vor hat, jemals aus seinem Home Office zu kriechen? Will man nur pure Geschichten erzählen und die visuelle Umsetzung der Produktion überlassen? Will man sich mit Zielgruppen, Sendeplätzen und Formaten nicht auseinander setzen? Dann kann man auf die Helden der Drehbuchtheorie Robert McKee (“Story”) und Syd Field (“Das Handbuch zum Drehbuch”) zurück greifen. Wenn man aber die Branche in ihrer Gänze besser verstehen will oder auch die Grundlagen aller filmischen Aspekte, gräbt man bei ihnen zwar tief, aber nicht breit genug.

Nächstes Argument gegen dieses Essay: Das Internet. Es gibt Hunderte von Webseiten mit Tipps und Tricks zum Thema Drehbuchschreiben. Es gibt Foren, in denen sich junge Autoren austauschen und helfen können. Es gibt Grafiken, Programme und Kurse, die man nutzen kann, um die handwerklichen Aspekte etwas “rutschfester” zu gestalten. Software, die das Skript korrekt formatiert (für Einsteiger Celtx, für Profis Final Draft) und den Autor bei dramaturgischen Problemen an die Hand nimmt (Dramatica). Wer recherchieren will, greift nicht mehr zum Lexikon, sondern surft zu Wikipedia. Ich halte es für absolut glaubwürdig, dass man ein guter Drehbuchautor werden kann, ohne je ein Buch zum Thema in der Hand gehabt zu haben.

Und schließlich: Es gibt Tausende Bücher zum Thema. Ich habe nur einen Bruchteil davon gelesen. Viele stehen sogar ungelesen bei mir im Regal. Es mag sein, dass es erheblich tollere Kurse und Lehrgänge gibt, als ich euch vorschlagen kann – die kenne ich aber nicht. Ich habe mich in meiner Karriere auf eine Kombination aller Aspekte verlassen: viele Filme schauen, ein paar Bücher lesen, im Internet surfen, Drehbücher studieren, dann und wann ein Seminar besuchen, etc. Mir hat es sehr geholfen, dass ich jahrelang als Lektor bzw. Leser (wenn man den US-Begriff des “readers” übernehmen will) die Fehler in anderer Leute Drehbüchern aufgestöbert habe. Solange man nicht zu eitel ist, schärft es das Auge für die eigenen Defizite.

Es gäbe also genug Gründe, euch keine Bücher zu empfehlen. Aber damit ihr endlich Ruhe gebt – meine Schätzchen in unsortierter Reihenfolge.

The Secrets of Action Screenwriting

William Martell hat einen ganzen Haufen preiswerter Actionfilme und Thriller geschrieben. Die sind sicher nicht innovativ oder anspruchsvoll, aber sie sind solides Handwerk. Martell hat die Elemente identifiziert, die einen klassischen Reißer ausmachen – und bringt sie präzise auf den Punkt. Wenn man bedenkt, dass die meisten Autoren in Deutschland nicht mal einen Bösewicht korrekt “bauen” können oder beim “Popeye Punkt” versagen, ist “The Secrets of Action Screenwriting” sicher so praktisch wie nötig. Zumal sich, wenn man dieses Format erst mal beherrscht, von der Actiondramaturgie viele andere Genres ableiten lassen.

Auf seiner Webseite hat Martell auch noch viele weitere Materialien (teilweise als Broschüren) zu sehr häufigen Autorenproblemen – mit sehr konkreten Lösungsvorschlägen.

Empfehlenswert für alle, die statt des nächsten “Inception” eigentlich nur den nächsten “Under Siege” schreiben wollen. Bonus: Martell signiert die Bücher, die man direkt bei ihm bestellt.

The Complete Book of Scriptwriting

Ich gebe ja zu, dass ich mir das Buch in den 90ern nur gekauft habe, weil es vom “Babylon 5″-Schöpfer JMS stammt. Tatsächlich kann man “Scriptwriting” als essentiell für alle bezeichnen, die nicht nur Drehbücher schreiben, sondern mit dem Schreiben von Drehbüchern auch Karriere machen wollen. JMS beschreibt so ziemlich alle Fallen und Figuren, mit denen man immer wieder konfrontiert wird, warnt vor gängigen Fehleinschätzungen ebenso wie vor gierigen Agenten. Er stellt die verschiedenen Abnehmer vor (Skripts werden nicht nur in Kino und TV gebraucht) und hat eine ganze Sackladung Anekdoten direkt aus der Branche parat.

Natürlich lernt man hier nicht, in welcher Schriftart der Titel des Drehbuchs gesetzt werden muss – aber “Scriptwriting” ist eine echte Fundgrube und ein kalter Eimer Wasser, den viele naive Nachwuchsschreiber gut brauchen können. Wie oft ich Situationen aus dem Buch bei meinen Besuchen in LA gespiegelt fand, kann ich gar nicht mehr zählen.

Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?

Als ich 1990 beim GONG anfing, hatte ich einen ziemlich arroganten Kollegen, der mir einen wirklich guten Tipp gab: “Wenn du über Hollywood Bescheid wissen willst, dann lies die Bücher von Anger und Truffaut”. Er meinte “Hollywood Babylon” (das mittlerweile doch arg angestaubt ist) und dieses Werk von François Truffaut, das auf elend langen Interview-Sessions mit dem Meister der Suspense beruht. Es ist bis heute der beste, nachvollziehbarste und humorvollste Einblick in den Kopf eines filmischen Genies, den ich kenne. Immer wieder ertappe ich mich dabei, Filme an kleinen Details zu messen, die ich bei Hitchcock gelernt habe und die mir ans Herz gewachsen sind. Nicht zuletzt gehört dazu die Grundregel, dass es leicht ist, spannende Fragen zu stellen – aber schwer, eine ebenso spannende Antwort zu geben. Darauf basiert dann auch meine Abneigung vieler moderner Horrorfilme oder von Serien wie “Lost”.

Als Bonus empfehle ich nicht das normale Taschenbuch, sondern die «édition définitive» des Diana-Verlages. Die ist zwar momentan nur antiquarisch und recht teuer zu bekommen, aber es lohnt sich.

500 Ways to beat the Hollywood Script Reader

Der Titel klingt nach reiner Marktschreierei – wie überliste ich den Lektor des Senders, des Studios oder der Produktionsfirma, damit mein Skript es zumindest in die Chefetage schafft? Tatsächlich gibt Jennifer Lerchs Buch 500 handfeste Tipps, wie man sein Skript nicht nur professionell gestaltet, sondern auch aufbereitet und präsentiert. Es ist eben NICHT ratsam, vorne ein hübsch buntes Bild drauf zu pappen. Oder die 120 Seiten in einen Schnellhefter zu packen. Oder seitenlange Einleitungen zu schreiben, warum das Skript so spannend und einmalig ist. Es sind die absoluten “basics”, die dafür sorgen, dass der Reader den Eindruck bekommt, das Werk eines professionellen und damit ernstzunehmenden Autors vor sich liegen zu haben. Und DAS ist eine Hürde, an der erschreckend viele Schreiber (auch bei mir) scheitern.

Obendrein ist “500 Ways…” angesichts der Aufteilung ideale Klolektüre.

Film verstehen

James Monacos Buch wird nicht ohne Grund gerne als “Bibel” bezeichnet und hier geht es derart ans Eingemachte, dass ich Anfängern sogar aktiv davon abraten würde. Die ersten Jahre in München habe ich mehrfach versucht, mich durch die teilweise recht trockenen und faktenprallen Texte zu wühlen, nur um den Band nach 20 Seiten frustriert ins Regal zu stellen. Monaco geht sehr tief und verlangt vom Leser eine hohe Mitdenktbereitschaft. Als Belohnung winkt allerdings ein präzises Verständnis von Film in Form und Inhalt, das ich von jedem verlange, der sich professionell als Autor oder Kritiker umtreibt.

Keine leichte Lektüre – eine Herausforderung.

The Guerilla Film Makers Pocketbook: The Ultimate Guide to Digital Film Making

Von diesem Buch habe ich den Vorgänger im Regal stehen. Ich glaube, dass die neue Ausgabe deutlich nützlicher sein dürfte, weil es gerade die Digitalisierung der Filmemacherei ist, die jungen Autoren und Regisseuren neue Möglichkeiten eröffnet. Das “Guerrilla Film Makers Pocketbook” ist wie das “Guerilla Film Makers Handbook” wirklich rappelvoll mit praktischen Tipps, Anleitungen und Beispielen für No Budget- und Low Budget-Filmer. Hier wird nicht theoretisiert oder geschwafelt, sondern klipp und klar aufgezeigt, wie man einen Film auf die Beine stellt, wenn es so ziemlich an allem fehlt: Geld, Connections, Ausrüstung, Crew. Dabei gefallen mir zwei Aspekte besonders. Zum einen verweisen die Macher darauf, dass man trotz aller Beschränkungen immer darauf aus sein sollte, einen GUTEN Film zu drehen. No Budget ist nicht gleichbedeutend mit Null Bock. Zum anderen geht es darum, trotz aller Defizite die Notwendigkeiten nicht zu ignorieren. Auch wenn man kein Geld hat, muss der Film verständliche Dialoge haben und ausreichende Beleuchtung. Das möchte man gerade deutschen Nachwuchsfilmern mal ins Stammbuch schreiben.

Kein Lehrbuch – ein Handbuch für alle, denen der erste Dreh bevorsteht und die nicht zu arrogant sind, sich Tipps von erfahrenen Low Budget-Kollegen zu holen. Würde ich selbst  jemals auf den Regiestuhl wollen – DAS wäre mein unverzichtbarer Begleiter.

The Fiction Writer’s Silent Partner

Martin Roths Buch (das ich ca. 1998 bei einem “Borders” gegenüber von der Beverly Hills Mall gekauft habe) ist weder Lehr- noch Handbuch. Es ist eine unglaubliche praktische Sammlung an Listen und Themen, Gegenständen und Gebäuden, Indizien und Elementen für alle Filmgenres. Wenn man mal stecken bleibt, weil einem nicht einfällt, in welches Dilemma man seinen Protagonisten stürzen will oder welche Bedrohung der Bösewicht darstellen könnte – hier gibt es sämtliche “standards” übersichtlich geordnet. Ihr wollt wissen, welche Ränge es beim US-Militär gibt? Welche Arten von Doktoren welche Behandlungen durchführen? Was Comedy-Grundsituationen sind? Martin Roth weiß Bescheid.

Um zu verdeutlichen, welche Bandbreite das Buch abdeckt – hier mal ein Scan von zwei Seiten Inhaltsangabe:

Mit Martin Roth kommt man vielleicht nicht auf neue Ideen – aber wie man die Klassiker kompetent umsetzt, kann man hier jederzeit nachschlagen. Und daran (ich wiederhole mich) hapert es hierzulande ja schon oft genug.

So, das ist meine Auswahl für ein möglichst breites Wissensspektrum aus den Bereichen Filmemachen und Drehbuchschreiben. Viele der Bücher gibt es (z.B. bei Amazon USA) für Centbeträge. Wie schon erwähnt – your mileage may vary. Eure Meinung und eure Vorschläge erwarte ich mit Spannung.

Eine Warnung aber vorab: ich nehmen niemanden ernst, der glaubt, er könne ohne all dieses Hintergrundwissen gute Skripts schreiben. Wer meint, eine üppige DVD-Sammlung reiche für eine Karriere als Drehbuchautor, hat komplett keine Ahnung. das gilt auch für Leute, die meinen, mit der Lektüre von McKee oder Field “ausgelernt” zu haben. Von der Sorte habe ich genug kennen gelernt – und KEINER von denen hat es je zu nennenswertem Erfolg gebracht. Man lernt nie aus. Es gibt eine Filmsprache, die man kennen und können muss. Wer meint, dem Kino eine neue Sprache beibringen zu können, wird scheitern. Und mag er sich dann auch als “verkanntes Genie” sehen – es ist Ignoranz gepaart mit Inkompetenz.

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26
April 2012

B-Film Basterds 2012 RAW (4)

Kommen wir zu ein paar abschließenden Impressionen, Gedanken und Anekdoten vom unterhaltsamen, schrägen und allemal wiederholenswerten B-Film Basterds Festival 2012. Danke an Chaosmonger für den Großteil der schicken Fotos.

Ich bin natürlich wieder im Motel One abgestiegen – diesmal allerdings im ANDEREN Motel One, das leider 20 Minuten Fußweg vom Kino entfernt liegt. Auf dem fast ebenso langen Weg von der Rezeption um Zimmer 146 bin ich drei mal falsch abgebogen. Warum? Weil die Hinweisschilder mit den Zimmernummern in meinen Augen ungünstig gestaltet sind:

Beim obigen Beispiel bin ich natürlich tranig nach RECHTS abgebogen. Die Zahlen und der Pfeil, die nach links weisen, sollten bitte auch linksbündig gesetzt werden. Lernt man sowas nicht im Grundkurs für grafisches Design?

Auf dem Fußmarsch zum Kino hielt ich mich zur Orientierung einfach an die Innenseite der Nürnberger Stadtmauer. Hübsche Häuschen in Backstein, Kopfsteinpflaster, malerisch, malerisch. Als Münchner Mann von Welt hatte ich offensichtlich bei den Nürnberger Provinzgirls echt Platzvorteile, denn ich wurde mehrfach angepfiffen oder aus Fenstern freundlich gegrüßt. Es ist meiner grenzenlosen Naivität zu zu rechnen, dass mir nicht augenblicklich klar war, dass ich hier auf der Rotlichtmeile der Stadt gelandet war – und dass die Damen in den Schaufenstern mehr an meinem Geld als an meinem Glück interessiert waren. Zumindest waren hier mehr “happy ends” zu erwarten als bei den vor mir liegenden Filmen…

Es stellte sich heraus, dass Doc Acula keinen Plan B hatte, um die Filme (unter anderem den Eröffnungsfilm “Raumschiff Alpha”) aus meinem Kofferraum zum Kino zu transportieren. Schlimmer noch: er hatte nicht mal einen Plan A. Also mussten wir durch die Gegend kurven und ich wurde vom Gast zum Handlanger des Festivals befördert. Immerhin konnte ich dadurch mit ansehen, wie der Film seiner Bestimmung zugeführt wurde – DAS ist ein Bild, das künftigen Generationen von Filmfreaks vermutlich nichts mehr sagen wird:

Badmovies (und Wortvogel) hatte gerufen – und siehe, das Pack kam:

Nicht wenige zahlten sogar Eintritt für das Privileg, sich gleich mehrere Sinnesorgane multipel vergewaltigen zu lassen. Dabei war auch wieder der “harte” (using the term loosely) Kern aus dem Badmovies-Forum. Alles Helden vor dem Herrn, deren Gesichter ich mir mittlerweile merken kann, deren alberne Nicks ich aber ständig durcheinander bringe: Damien Crowley, Chaosmonger, Chainsaw Horst? War Manhunter da? Der Magician? Ich weiß es doch auch nicht.

“Moderiert” (using the term loosely again) wurde das Geschehen von Doc selbst. Das nasale Gestammel mag man für ein solches Festival angemessen finden, den Lon Chaney-Gedenk-Gesichtsausdruck gab es kostenlos obendrauf:

Jau, das ist der Doc beim Verteilen der T-Shirts und Poster. Es geht mal wieder ein doller und besonderer Dank an Leserin Comicfreak, die den druckreifen Teil des Merchandisings übernahm und bei den “Hard Rock Zombies” das finale “s” vergaß – es macht die Sache nur authentischer.

Wie gesagt: Doc versuchte mehrfach, mit abstrusen Quizfragen DVDs unter das Volk zu bringen. Die meisten schafften es nicht mal über die erste Reihe hinaus, in der ich mittig platziert war, um konsequent MTS3K-ig zu kommentieren. Ich betrachte es durchaus als Leistung, bei “Perrak” die komplette Dialogzeile “Dafür braucht man ein großes Auto – und muss alt und reich sein!” EXAKT vorhergesagt zu haben.

Das Kino füllte sich für gewöhnlich zu zwei Dritteln, was über den Daumen gepeilt 30 bis 40 Zuschauer bedeutet. Ich könnte WELTFILME nennen, die weniger hatten. Bei den “Hard Rock Zombies” war es sogar rappelvoll. Kurioserweise scheinen Horrorfans generell einen Rechtsdrall zu haben, denn wenn noch Plätze frei waren, befanden sich diese praktische immer auf der (vom Projektionsraum aus gesehen) linken Seite:

So sehr ich mich freue, die ollen Nasen von Badmovies und FFF zu sehen – es ist doch immer ein besonderer Kick, wenn jemand kommt, den man nicht so häufig sieht. Da ist zum Beispiel Leser Anderl, der sich von meinen Beiträgen nach Nürnberg hat locken lassen – oder Reini von “Deliria Italiano“, der unverständlicherweise auf Giallos steht, was seinem ansonsten astreinen Charakter aber keinen Abbruch tut:

Der Samstag war mit sechs Filmen am Stück Großkampftag und als ich weit nach Mitternacht zum Parkhaus am Kinocenter schlurfte, erwartete mich noch ein metallener Schurke in dieser Gestalt:

Ein Parkautomat. Gut, das sollte zu schaffen sein, bin ich doch in der Bedienung von Kästen mit Knöpfen recht versiert. Geld hatte ich ebenso dabei wie diverse Plastikkarten.

Zuerst wurde der Versuch, mit EC- oder Geldchip zu zahlen, torpediert:

Ich stelle mir bei sowas nicht mal mehr die Frage, WARUM das nicht möglich ist – es mag  zu kundenfreundlich sein. Aber ich war ja bei der Bank gewesen, somit sollte sich die Sache mit einem 50er erledigen lassen.

Mitnichten:

Okay, meine EC-Karte und meine Scheine wollte der Automat also nicht. Praktischerweise befand sich ich Untergeschoss des Parkhauses ein 24 Stunden besetztes Wachhäuschen. Ich stiefelte also die Treppe hinunter, nur um mich belehren zu lassen, dass der Herr hinter dem Panzerglas viele Aufgaben haben mag – Scheine wechseln gehört aber nicht dazu. Ich solle doch zur Kinokasse gehen.

100 entnervte Meter weiter war ich froh, dass die Kinokasse noch nicht geschlossen hatte und mir relativ stressfrei “den Fuffi klein machte”, wie man so sagt. 2 Zwanziger, 2 Fünfer. Passt. Damit wieder zurück zum Parkautomaten. 12 Euro sollte ich zahlen, zwei hatte ich klein, also mussten noch zehn in die Maschine gefüttert werden. Ich schob einen Fünfer ein – es surrte, passt. Ich schob einen zweiten Fünfer ein – nix surrte, nix passte. Nach dem fünften erfolglosen Versuch entdeckte ich, dass ein weiterer Aufkleber auf dem Automaten mir galt:

Das ist in einem Maße willkürlich und kundenfeindlich, dass ich mir schwor, den Automaten am nächsten Tag mit einem Vorschlaghammer zu besuchen, wenn er nun meinen Zwanziger auch noch ablehnte. Das Risiko wollte er wohl nicht eingehen und ich konnte ENDLICH ins Hotel fahren.

Ich hatte schon erwähnt, dass ich die erste Nacht wegen meiner Erkältung nicht besonders gut geschlafen habe. In der zweiten Nacht schlief ich besser – bis gegen 4 Uhr früh ein Pärchen im Nebenzimmer anfing zu rammeln, dass die Wände wackelten. Gut, sowas kann ich aussitzen. Dauert erfahrungsgemäß nicht lange. Blöd nur, dass die beiden offensichtlich eine Vorliebe für postkoitalen Smalltalk hatten und hinterher quatschten, dass nicht weniger die Wände wackelten. Ich besann mich eines Klassikers und haute mit dem Schuh gegen die Wand. Es wurde schlagartig still.

Wäre ich nicht so müde gewesen – ich hätte das mit einem MP3 dokumentiert.

Am nächsten Morgen wurde mir klar, dass das Pärchen nebenan angesichts der ungeheuer suggestiven Motive auf dem Zimmerfußboden gar keine andere Wahl hatte, als sich fleischlichen Exzessen hinzugeben:

Wenigstens war der Sonntag programmatisch eher ein Leichtgewicht – nur noch “Sadomona” stand auf dem Programm, eingeläutet von einem ausgiebigen Brunch im “O’Shea’s”, in dem ich übrigens den Shepherd’s Pie sehr empfehlen kann. Es kamen die üblichen Verdächtigen zu launiger Runde beisammen, trotz des Festivalerfolges lud der Doc allerdings niemanden ein und jeder musste für sich selber zahlen:

Nach dem extrem unterhaltsamen “Sadomona” gab’s zum Abschied vom Doc noch mal einen dummen Gesichtsausdruck

und die nonchalante Mitteilung, ich müsse nun VIER Filme mit zurück nach München nehmen. Vorher mal fragen? Nicht doch. Der Wortvogel macht’s ja.

Nicht nehmen ließ sich der “harte” Kern der Badmovies-Leser und Kommentatoren das gemeinsame Erinnerungsfoto in Paco-Gedenkpose, auf dem ich mir nicht ausreichend schwarz gekleidet vorkomme:

Kurzum: a good time was had by all.

Die Rückfahrt nach München gestaltete sich ereignislos, was ich angesichts meiner Müdigkeit auch zu schätzen wusste. Allerdings gab es doch einen Unfall samt Feuerwehr und schwerer Rauchentwicklung zu begaffen:

Ich fand das sehr symbolisch, hatte ich in den letzten drei Tagen doch viele rauchende Wracks gesehen – und damit meine ich die Filme und nicht etwa den nikotingeilen Doc und Konsorten…

Nächstes Jahr wieder.

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