24
Juni 2014

Das Wortvogel-Manifest: Wofür ich stehe (3)

Eigentlich wollte ich euch dieser Tage mit einem Mehrteiler erfreuen – die ganze Produktionsgeschichte von “Lost City Raiders”. Leider entpuppt diese sich als deutlich umfangreicher, spannender, verwickelter und rechercheaufwändiger als gedacht. Noch dazu ist die Festplatte mit den benötigten Videos und Fotos vermutlich in der nächsten Folge “Aktenzeichen XY” zu sehen. Darum verschiebe ich das noch ein wenig.

Kommen wir stattdessen zu einer weiteren Folge unserer beliebten Sendereihe “Der Wortvogel erklärt die Welt”. Wie üblich willkürlich und wild gemischt wie Haribo Colo-Rado.

Keine Industriesubventionen

In diesem Bereich bin ich gleichzeitig links und marktorientiert – auch wenn das wie ein Widerspruch klingt. Es muss Schluss sein mit der Verlagerung von Risiken auf den Staat und damit den Steuerzahler, genau so wie mit der Verhätschelung von Großbetrieben, die Milliarden Gewinne einfahren, sich aber die Standortwahl massiv subventionieren lassen und den Strom aus der Steckdose auch.

Jede Subvention, die eine sonst lebensunfähige Industrie (gerne mit dem Verweis auf Arbeitsplätze) am Leben erhält, ist abzulehnen. Firmen, die trotz Profiten bei drohendem Verlust von Subventionen mit dem Verlust von Arbeitsplätzen drohen, sind anzuprangern. Der um sich greifenden Methode, sämtliche Gewinne über ausländische Töchter zu kanalisieren und im Lande dadurch Verluste zur Steuervermeidung zu produzieren, gehört ein Riegel vorgeschoben.

Eine Wirtschaft, die sich brüstet, weltweit führend zu sein, aber nicht auf Hilfen vom Staat verzichten möchte, blamiert sich selbst und verzerrt den Wettbewerb. Steuern sollen von oben nach unten fließen, nicht umgekehrt.

Es gibt Ausnahmen, keine Frage. Für klar definierte Perioden können neue, wünschenswerte Technologien gefördert werden (Solar, Katalysator, Umstellung auf biologische Produktion). Wenn die Technologien danach keine Marktreife in Form von Rentabilität ohne Subvention erreicht haben, müssen sie sich selbst überlassen werden.

Ebenso kann es Auslauf-Subventionen geben, die zur Abwicklung sterbender Industriezweige eingesetzt werden. Aber auch hier müssen enge Grenzen gesetzt werden, um eine Verlängerung der Verlustphase mit Steuergeldern zu vermeiden.

Das gilt übrigens nicht nur für die Industrie, sondern auch für die Agrarwirtschaft. Es kann nicht sein, dass sich die bäuerliche Planung nach EU-Fördertöpfen richtet, dass Geld für die Nicht-Produktion fließt und dass günstige Supermarktpreise mit Steuergeldern bezahlt werden.

Zu viele Bereiche sind durch Einmischung (ob gewünscht oder erzwungen) der Regierung abhängig, verzerrt, aufgebläht. Hier muss es wieder zu einer klareren Trennung von Politik und Wirtschaft kommen.

Ander als bei…

Nicht auf die Vernunft der Verbraucher setzen

Ich bin durchaus der Meinung, dass der Markt vieles regelt, und das nicht mal schlecht. Allerdings ist auch nicht zu bestreiten, dass durch Unwissen und Trägheit viele notwendige Fortschritte nicht in die Gänge kommen. Und darum würde ich mir (nicht zum ersten Mal) an solchen Punkten eine stärkere lenkende Hand des Staates wünschen.

Klar ist das ein zweischneidiges Schwert: Die Einführung der Mülltrennung halte ich generell für gelungen, die Einführung der Energiesparlampe allerdings für einen Witz. Vorschriften zur energetischen Sanierung sind nötig – der momentane Zwang zur Außendämmung scheint sich allerdings als Bumerang heraus zu stellen.

Trotzdem: Manchmal muss man den Menschen zu seinem Glück zwingen – oder eben zur Vernunft. Darum empfehle ich die Einsetzung einer Expertenkommission aus Wissenschaftlern, die jährlich Vorschläge erarbeitet, was von Gesetzgeberseite aus durchgesetzt werden könnte, um Steuerzahler, Umwelt und Gewissen zu erleichtern.

So wäre es sicher keine schlechte Idee, die Verpackungsindustrie nicht mehr zur Entwicklung und Verwendung von abbaubaren Bechern und Deckeln aufzufordern, sondern zu zwingen. Ebenso kann die Menge des erlaubten Verpackungsaufwands pro Produkt festgelegt werden, damit nicht jeder Keks in drei Folien steckt. Supermärkte werden verpflichtet, nicht verkaufte (aber auch nicht verdorbene) Waren an Bedürftige abzugeben. Das müssen nicht mal einzelne Menschen sein, das gilt auch für Zoos und Tierheime.

Und wo wir gerade beim Thema sind…

Abschaffung von Tierzirkus, Einschränkung von Zoos

Ich kann Menschen nicht verstehen, die in Zirkusvorstellungen mit Tieren gehen. Die Haltung und Dressur dort ist barbarisch und basiert auf einem Verhältnis Tier/Mensch, das wir seit 100 Jahren überwunden haben sollten. Der Mensch kann sich gerne in der Manege zum Affen fürs Publikum machen, dem Affen ist das nicht zu zu muten. Aus diesem Grund befürworte ich ein komplettes Verbot von Zirkus- und Showdarbietungen mit Tieren.

Bei Zoos sehe ich das etwas anders: Diese KÖNNEN wichtige Dienste in Sachen Forschung und Artenerhalt leisten, außerdem ist es wichtig, dass Kinder auch “am lebenden Objekt” über die Wildnis lernen können. Darum fordere ich keine totale Abschaffung von Zoos, sondern deren Reduzierung auf jene Einrichtung, die strengen Maßstäben in Sachen artgerechte Haltung gerecht werden. Zoos, die diesen Maßstäben nicht gerecht werden, müssen entweder saniert oder geschlossen werden. Darüber hinaus sind Zoos verpflichtet, sich aktiv an Forschung und Lehre zu beteiligen, Kooperationen mit Universitäten einzugehen, Zuchtprogramme zu etablieren, sich mit anderen Zoos zu vernetzen, etc. Das ist in vielen Fällen schon heute so, aber eben nicht in allen.

Mir ist klar, dass dabei am Ende die Zahl der Zoos massiv reduziert wird und der sonntägliche Besuch für viele Familien erschwert – aber sorry, das verbuche ich unter Kollateralschaden im Namen der guten Sache.

Nahtlose Überleitung zu…

Privatbesitz von Tieren

Das ist ein komplexes Thema, zu dem mir viele Antworten fehlen. Es ist grausam, wie viele Tiere misshandelt werden, ausgesetzt, durch falsch verstandene Liebe völlig artfremd leben. Wer sich ein Tier anschafft, hat die Verpflichtung, damit nicht nur den eigenen, sondern auch den Bedürfnissen des Tieres nachzukommen. Leider besitzen nicht alle Menschen das Interesse und/oder die Sachkenntnis, um das zu tun.

Ich habe nur leider keine Lösung. Tierhaltung grundsätzlich kontrollieren? Dann schaffen wir ein behördliches Monster, eine landesweite Überwachung, eine Petzkultur – und treiben Menschen womöglich dazu, Tiere anonym zu entsorgen, um der Kontrolle zu entgehen.

Das Verbot von privater Tierhaltung ist in meinen Augen auch keine Lösung. Für zu viele Menschen sind Tiere wertvolle und geliebte Begleiter. Sie tun der Seele gut – und ich glaube z.B. nicht, dass Becky und Rufus lieber woanders wäre als bei uns.

Es gibt aber ein paar Sachen, die ich angehen würde, auch wenn sie das Problem nicht vollumfänglich lösen:

Sogenannte Kampfhunderassen, die von Experten definiert werden, werden abgeschafft. Ich weiß – nicht der Hund ist das Problem, sondern die Bestie am anderen Ende der Leine. Trotzdem lässt sich nicht bestreiten, dass es Rassen mit niedriger Erregungsschwelle gibt – und den Zähnen und der Muskulatur, die für das Durchbeißen von Oberschenkelknochen reichen. Wer einen Pitbull will, kann auch mit einem Terrier leben – und wer das nicht kann, ist mir suspekt. Zumal die Abschaffung der kritisierten Rassen einfach und ohne Grausamkeit möglich ist. Alle Rüden müssen kastriert werden. Der Besitz darüber hinaus ist strafbar. Dann enden diese Rassen mit der nächsten Generation, ohne auch nur ein Tier einschläfern zu müssen.

Zusätzlich muss der pervertierten Rassezucht bei Katzen und Hunden Einhalt geboten werden. Rassen, deren Zuchtmerkmale Krankheiten und körperliche Gebrechen fördern, sind zu verbieten. Katzen mit rassetypisch kaputten Beinen, Hunde mit chronischem Asthma – alles für die Show? Nicht mit mir. Es muss gesetzlich geregelt sein, dass sämtliche Zuchtvorhaben zu allererst darauf ausgerichtet sind, die Gesundheit der Tiere zu erhalten, ihre Beweglichkeit und ihre Lebenserwartung. Was danach an Farbe und Fell gewünscht wird, sei jedem selbst überlassen.

Zu guter Letzt wäre ich auch noch für ein Stigma-System: Wer als Tierquäler aufgefallen ist, bekommt einen entsprechenden Vermerk im Pass und darf künftig kein eigenes Tier mehr halten oder ohne den eigentlichen Halter führen. Züchter, Tierheime und Tierärzte sind verpflichtet,  Kunden auf diesen Vermerk zu prüfen und die Zusammenarbeit zu verweigern und schon den Versuch zu melden. Allerdings sehe ich ein, dass das auch schnell nach hinten losgehen kann – eine gesellschaftlich sanktioniert Jagd auf vermeintliche Tierquäler könnte die Folge sein.

Kundenservice

Bisher gingen die Themen ja relativ nahtlos ineinander über – damit ist jetzt Schluss!

Das Verhältnis Anbieter und Kunde ist heute oft automatisiert und gestört. Die Schuld trägt nicht nur der Handel – wer immer superbillig kaufen will, darf sich nicht wundern, wenn es bei der Betreuung hapert. Aber Auswüchse müssen (wie im Garten) zurück geschnitten werden. Da gibt es so einiges.

Zum Beispiel sehe ich nicht ein, warum das Geschäft eines einzelnen Herstellers zwar die Produkte des Herstellers anbieten kann, bei Beschwerden und Reklamationen aber renitent auf Service-Hotlines verweist. Die Entgegennahme von Beschwerden und Reklamationen sollte z.B. für Provider-Läden verpflichtend sein, da sie dem Kunden unnötigen Aufwand beim Postversand erspart.

Umgekehrt gilt: Mitarbeiter von Service-Hotlines haben dem Kunden grundsätzlich ihren Namen (oder eine Kennzahl, die eine eindeutige Zuordnung möglich macht) zu nennen und zu allen Fragen eine Fallnummer zu erstellen. Diese muss vom Unternehmen verpflichtend in eine Datenbank eingepflegt werden und jederzeit wieder abrufbar sein. Dadurch wird sichergestellt, dass er Kunde nachweisen kann, mit wem er gesprochen hat und was versprochen wurde. Ziel ist es, die Hotline nicht mehr als anonyme Sackgasse zu missbrauchen, in der Kunden in Endlosschleifen vertröstet werden.

Die Beilage von Rücksendescheinen ist verpflichtend – nicht allerdings die Erstattung der Rücksendung (das ist ja anderweitig geregelt). Es ist dem Kunden nicht zuzumuten, dass er bei Nichtgefallen erstmal rausfinden muss, wie er die Ware korrekt adressieren muss, zumal dem Versender alle Informationen (Adresse und Absender) für eine ordnungsgemäße Rücksendung bereits vorliegen.

Deutsche für Deutschland!

Zum Abschluss noch was zur Neiddebatte aus dem Bereich Nationalismus und Polemik. Damit begebe ich mich gleichzeitig auf dünnes Eis und an den Stammtisch, aber sei’s drum – ich probier’s einfach mal.

Noch in den 70ern wurden Fussballer, die bei ausländischen Vereinen kickten, nicht in die Nationalelf genommen. Das war eine Frage des Nationalstolzes. Wer sein Geld im Ausland verdient, braucht nicht für die Heimat anzutreten. Dass das nicht mehr so ist, finde ich angesichts der Internationalisierung des Sports durchaus richtig und verständlich.

Aber es gibt genug andere Beispiele. All die Rennfahrer und Tennisspieler, die in den Ranglisten mit schwarzrotgoldenen Fähnchen angezeigt werden, obwohl sie sich in Monaco oder auf Ibiza die Sonne auf den Bauch brennen lassen. Die Moderatoren. Die Schlagersänger. Die Manager. Daheim verdienen, woanders (günstig) versteuern – aber in Interviews die Schönheiten der Heimat preisen.

Man kann niemandem verbieten, da zu wohnen, wo es für ihn am günstigsten ist. Man kann aber durchaus die Besteuerung der Arbeit an den Arbeitsplatz koppeln. Wer in Monaco seine Steuern zahlen möchte, der soll bitteschön für Monaco den Schläger schwingen. Wer in Belgien seine Steuern zahlen möchte, soll bitteschön eine Karriere im belgischen Fernsehen anstreben – und nicht bei SAT.1. Was hier verdient wird, wird hier versteuert. Eine Regelung, die mir so sinnvoll und naheliegend erscheint, dass ich fast schon wieder befürchte, sie enthält einen von mir unentdeckten Denkfehler.

Klar verlieren wir dann viele unsere Helden. Boris hätte nicht “für uns” Wimbledon gewonnen, Schumi nicht “für uns” den Grand Prix. Auf diese Partydeutschen könnte ich allerdings gut verzichten.

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20
Juni 2014

Harte Männer in harten Zeiten:
“A million ways to die in the West” & “Fire & Ice”

A million ways to die in the West

a_million_ways_to_die_in_the_westSeth MacFarlane scheidet die Geister – manche finden ihn unerträglich pubertär, langweilig, overhyped und seine Serien “Family Guy” und “American Dad” sind für sie nur müde Abklatsche der “Simpsons”. Ich hingegen mag Seth. Der kann singen wie Sinatra, ist ein Atheist, kann unglaubliche viele Stimmen - und ob man seine Serien nun mag oder nicht, sie sind von relativ konstanter Qualität. MacFarlane wird nicht mit Koks auf der Toilette erwischt oder mit Lady Gaga im Fahrstuhl, der wirkt trotz seiner humorigen Ruppigkeit sympathisch und “down to earth”. Mit “Ted” hat er zudem die Nachfolge der Farrelly-Brüder angetreten und (hoffentlich/endlich) die Apatow-Ära beendet.

Darum schmerzt es mich umso mehr, dass ich seinen neuen Film, die Western-Parodie “A million ways to die in the West”, so in den Boden treten muss. Hier werden mit viel Aufwand und Starpower die Klischees der John Ford-Pferdeopern durch den Kakao gezogen – und es wirkt wie eine überlange Rohversion eines TV-Sketchs, den auf Länge und Pointe zu bringen man vergessen hat.

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Die Charaktere haben keinerlei Background (mit Ausnahme von Anna, die ihn aber auch nur am Ende des dritten Akts pflichtschuldig erzählt), viele Figuren sind nur ermüdendes Füllmaterial (Giovanni Ribisi und Sarah Silverman haben wirklich gar keine Funktion), unzählige Szenen verlaufen im Sande, weil sie nichts zum Fortkommen der Handlung beitragen. Ein Gefühl echter Bedrohung (oder im Fall von Andrew und Anna: echter Romantik) kommt nie auf und das Ende mag zwar pfiffig sein, dramaturgisch ist es aber ein Blindgänger. Kurzum: Das gesamte Gerüst, an dem MacFarlane seine Gags aufhängt, trägt nicht. Und bei einer Kino-Komödie mit beträchtlicher Laufzeit ist das ein echtes Problem.

Es ist auch erstaunlich, wie wenig sich die Stars einbringen. Charlize Theron wirkt steif, Liam Neeson gelangweilt – und MacFarlane als Leading Man völlig überfordert.

Mit dem richtigen Bierpegel mag man sich über einige der rüderen Scherze amüsieren können, es gibt zwei grandiose Cameos, und der Faux-Western-Soundtrack ist großartig, aber in toto ist “A million ways to die in the West” schwachbrüstig und ohne jede Existenzberechtigung.

Der Trailer ist eigentlich ein prima “gag reel”, nachdem man sich den restlichen Film getrost schenken kann:

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Fire and Ice

fire_and_ice-movie-poster-frank-frazettaAhhh, den wollte ich sehen, seit ich Anfang der 80er vor dem Plakat im Kino gestanden habe. Es war die Zeit von “Conan” und seinen unzähligen Ripoffs, eine Zeichentrickvariante schien mir ungeheuer spannend, denn da konnte man schließlich Schlachten und Effekte zeigen, die für den Realfilm noch unerreichbar waren. Durfte ich aber damals nicht rein, war ab 16.

In den folgenden Jahren war es primär eine vernichtende Kritik im SF- oder Fantasy-Lexikon, die mich abhielt, mir die Kassette auszuleihen. Mittlerweile sehe ich die Wertungen von Hahn und Jensen allerdings kritisch und hole so manchen Streifen nach, den sie mir ausgeredet haben. Diese Woche: “Fire and Ice”.

Die Story ist so rudimentär wie die damaligen Atari VCS-Spiele: Die Bösen vom Eisreich (mit Hauptsitz Icepeak) wollen die Guten vom Feuerreich (mit Hauptsitz Firekeep) unterwerfen. Der böse Nekron nutzt Magie, der gute Larn spaltet Gegnern lieber mit der Axt den Schädel. Zwischendrin permanent in Gefahr und als Preis winkend: Prinzessin Teegra im Porno-Bikini.

Das klingt ein bisschen nach “Star Wars”, ist in seiner tumben, grunzenden Debilität aber deutlich näher an “Star Crash”. Mögen die Hintergründe auch bunt und die Figuren auch gut animiert sein – inhaltlich bleibt alles Skizze, die Figuren werden in der erstaunlich vagen und langweiligen Fantasywelt ein wenig hin- und hergeschoben, bis sie genügend “experience points” haben, um den Bösen Nekron zu besiegen.

Besonders nervt “Darkwolf”, eine krude deus ex machina-Figur, die immer zur Stelle ist, wenn Larn mal wieder nichts auf die Reihe bekommt. Dieser Urzeit-Batman ist derart willkürlich in die Handlung getackert, dass wir seinen Namen nur aus den Credits erfahren.

Hahn und Jensen regten sich in ihrem Buch in den 80ern außerdem massiv über den Sexismus des Films auf, der die Prinzessin als billiges Fleisch charakterisiert. Ich war darauf vorbereitet, diesen Aspekt als spießige Reaktion auf typischen Hollywood-Tease abzutun, aber in der Tat – Teegras gesamte Rolle beschränkt sich darauf, so herum zu laufen und zu posen:

fire and ice

Die Figur ist eine Masturbationsvorlage für Corben-Fans, nicht mehr. Darüber hinaus spielt “Fire and Ice” auch unangenehm mit faschistischen, sadomasochistischen und homoerotischen Elementen, die zur Boom-Zeit des Schwermetall-Magazins allerdings Standard waren.

Mögen die Designs auch von Frank Frazetta sein, die zeichnerische Qualität ist dürftig, viele Hintergründe wirken fahrig hingeschludert, die Animation von Eis und Feuer schafft nicht mal TV-Niveau. Klar, das Rotoscoping der Figuren ist filmhistorisch interessant als analoge Version des Motion Tracking, aber wirklich raus reißen kann es den Film auch nicht.

Schlimm genug: Als “Fire and Ice” in den US-Kinos floppte, war auf den TV-Bildschirmen der Nation “He-Man” schon erheblich weiter. Ob man den Muskelspacken von Eternia mag oder nicht – er belebte mit seinen schrägen Figuren wenigstens ein aufregendes Universum. “Fire and Ice” scheint in einem statischen Frazetta-Bild gefangen zu sein, bewegt sich nie über die Vorgaben des Rahmens hinaus: Bösewicht, Held, Schlampe, Schwerter, zwei Schlösser im Hintergrund. Das muss reichen. Es reicht aber nicht.

Dieser Trailer lässt den Film deutlich stringenter und plotlastiger aussehen, als er ist – hier hören wir auch das einzige Mal den Namen Darkwolf:

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6
Juni 2014

Unkenrufe aus der Wortvogel-Steinzeit

Acht Jahre ist dieses Blog nun schon alt. In Menschenjahren entspricht das 105. Mindestens. Viel verändert hat sich nicht. Ich schreibe nicht mehr so viel über die BILD, Mini-News landen nun eher bei Facebook, aber die Themen und die Schreibe sind, was sie immer waren – Geschmackssache.

Manche Aufreger, Dossiers und Kommentarschlachten sind so lange her, dass ich mich selber einlesen muss, wenn sie plötzlich wieder thematisiert werden. Dabei ist es nicht so, dass ich frühere Kontrahenten aus den Augen verliere. Es gehört zu meinen Gewohnheiten, durchschnittlich alle sechs Monate mal wieder zu googeln, was die von mir vorgeführten Schaumschläger so machen. Das kann mein Troll Benduhn sein, der weiterhin unter Pseudonym in Diskussionen grätscht, seine belästigenden Aktionen aber weithin eingestellt hat. Oder Bernd P. “Ich BIN die Astro-Saga!”-Kammermeier, der immer noch nicht auf die Idee gekommen ist, sich Astro-Saga.de oder wenigstens Panasensor.de zu sichern. Crazy Katusin hat (man glaubt es kaum) wieder mal einen “Hollywood-Film” in der Röhre – wo er mit Sicherheit auch bleiben wird.

Und dann ist da Ha. A. Mehler, Gegenstand meiner allerersten kritischen Recherchen als Wortvogel. Oktober 2006 war das. Lohnt immer noch die Lektüre – auch wegen der bezaubernden Sockenpuppen, die in den Kommentaren auftauchten. Mehler war auch der erste, der mich erfolglos zu diskreditieren versuchte (was bei seinem Scientology-Background fast schon erwartbar war). Ein “Bestseller-Autor” ohne Bestseller, dessen Ratgeber zum (erfolg)reich werden kaum den Nährwert von Glückskeksen besitzen.

Ich weiß nicht, wie ich drauf kam, den Mann dieser Tage mal wieder zu googeln. Zuletzt hatte ich das vor drei oder vier Jahren gemacht, als Mehler über eine Webseite wieder mal seine “Geheimnisse, wie man Bestseller schreibt” an den Mann bringen wollte. Für jemanden, der sich als essentieller Zuträger des Weltkulturerbes sieht, wirkte das alles eher mühselig.

Nun gut, Mehler ist aber wieder da und 2014 ist anscheinend ein sehr produktives Jahr - er verrät weiterhin sämtliche “tricks of the trade”, die er augenscheinlich selber nicht beherzigt:

“Wie sie eine wirklich spannende Geschichte schreiben, von der sich der Leser nicht losreissen kann:: Die 5 notwendigen Bestandteile einer guten Geschichte”

“Wie schreibe ich einen Bestseller: Geheimnisse, Techniken und Erfolgsformeln von Bestseller-Autoren”

“Das Geheimnis der Kreativität – Welche Techniken Ihre Phantasie auf ein völlig neues Niveau heben, so dass Sie explodieren vor guten Ideen”

Alle diese Bücher zeichnen sich durch 10-15 verdächtig ähnlich klingende 5 Sterne-Bewertungen aus, die nur selten von deutlich authentischer klingenden Negativkritiken kontrastiert werden. Basierend auf meinen Erfahrungen mit “Wie schreibe ich einen Bestseller” scheint mit dieser Kommentar sehr exemplarisch:

Ratgeber, wie man Bestseller schreibt, von Leuten, die noch nicht einmal in die Nähe eines Bestseller gekommen sind, können per se nur eins sein: der Versuch, mit Chuzpe und Wortgeklingel den Leuten einzureden, die Kompetenz zu haben, ebendieses “geheime” Wissen zu vermitteln, das es braucht, um Bestseller zu verfassen.

Mehler kann mich nicht einmal in der Leseprobe davon überzeugen, weiterlesen zu wollen, weil seine literarische Pose von Eitelkeit und Bauchnabelschau verkleistert ist, sein Blick reicht nicht über seine Grundkenntnisse hinaus, und die wenigen Hard-Facts, die man herauslesen kann, findet man auf jedem beliebigen Literaturforum – und das sind nur die no-na-ned-Erkenntnisse. Diese werden in seinem Ratgeber von jeder Menge strohiger Selbstreferenz und proffesoralem Gehabe umfasst.

Mehler benutzt zur Illustration seiner banalen Erkenntnisse ebenso banale Textwerke, die er selbst verfasste. Damit umschifft er halbwegs elegant die Klippe, anhand eines wirklich guten Textes sein analytisches Scheitern darzustellen. Die verwendeten “Novellen” sind geschwätzig, unelegant, langweilig, marktschreierisch und aufsatzhaft verfasst. Mich erschreckt, das Mehler über keinerlei erkennbare Selbstkritik verfügt und dieses Buch augenscheinlich nur verfasst hat, um sich als “Wissender”, als “Kenner der Materie” in Szene zu setzen. Das Endergebnis ist lachhaft, eine Stümperei sondergleichen, die schon in der Leseprobe so abschreckend ist, dass ich dankbar bin, wirklich dankbar, dass es eine Leseprobe-Funktion gibt.

Jau, so kennen wir ihn, den Mehler.

Aber das ist nicht Grund genug, die Geschichte hier noch mal aufzuwärmen. Neben seinen Sachbüchern verhökert Mehler nämlich noch diverse Romane für 99 Cent als Ebooks. Strategisch mag das ein Fehler sein, kann man angesichts der Vorschau-Funktion damit doch selber mal schauen, was es mit der “literary prowess” des Bestsellerautors auf sich hat.

So beginnt sein Roman “Der falsche Pharao” mit diesen zwei Sätzen:

Er befand sich tief im Innern der Pyramide – an einer Stelle, die noch nie jemand zu betreten gewagt hatte. Er befand sich in den Eingeweiden des riesigen Bauwerks, in unterirdischen Gängen, die absolut tabu waren.

Und wenn ihr euch jetzt am Kopf kratzt und murmelt “Das ist doch zweimal der gleiche Satz – nur anders formuliert”, dann habt ihr schon mehr schriftstellerischen Sachverstand als Ha. A. Mehler.

Selbst darüber müsste ich nicht schreiben. Schlechte Bücher gibt es wahrlich genug, und Schaumschläger auch. Aber mir ist wieder etwas aufgefallen, das nach Beschiss riecht, nach genau der Sorte Manipulation, die ich Mehler locker zutraue. Dabei geht es um die lobenden Kritiken, die als redaktioneller Begleittext zu den Büchern eingestellt wurde.

Beim “Falschen Pharao”:

„Ich habe den Roman in einem Atemzug gelesen und verschlungen und konnte einfach nicht aufhören.“ 
- Tanja auf ihrem Blog. 

„Das Ende ist der Hammer! Alles hätte ich erwartet, aber nicht das!“ 
- Ernst H., Probeleser 

„Ein Roman erster Güteklasse, der aber plötzlich vollständig umschlägt und in Gefilde führt, die alle Vorstellungen sprengen.“ 
- Jürgen P. auf Facebook 

Bei “Der Para-Spion”:

“Unglaublich spannend und mal etwas ganz anderes! Wer da nicht mitfiebert… dem ist auch nicht mehr zu helfen.”
- Theo W. auf seinem Blog

“Ich hoffe sehr es gibt eine Fortsetzung. Eine geniale Geschichte die seinesgleichen sucht. Abend für Abend bin ich in dem Buch versunken – und es war leider viel zu schnell vorbei.”
- Tine Walz, Probeleserin

“Ich will nicht zu viel verraten – aber das Ende ist der absolute Hammer! Leute, lest dieses Buch! Absolute Kaufempfehlung…” -
- Nico S. auf Facebook

Bei “Ein bizarres Geschäft”:

“Spannend bis zum Ende und ein genialer Mix aus fiktiver Geschichte und psychologischer Studie. Kann man einfach nur empfehlen!”
- Esther Müller 


“Ein krasses Szenario – man will sich gar nicht vorstellen was aus der Welt wird wenn das eines Tages zur Realität wird. In diesem Buch kriegt man einen kleinen Vorgeschmack. Unheimlich aber doch unglaublich spannend.”
- Florian Manner, Probeleser 


“Das Buch hat mich regelrecht in seinen Bann gezogen. Eine toll geschriebene, aufkratzende Geschichte mit ein klein bisschen Gesellschaftskritik.”
- Brian N. auf Facebook 

Na, gemerkt? Immer die gleichen Lobeshymnen, immer Blog, Probeleser, Facebook. Und nun ratet mal, was man findet, wenn man diese Preisungen auf Facebook oder per Google auf Blogs sucht? Nix. Nada. Nüscht.

Augenscheinlich erfindet Mehler seine begeisterte Klientel wie Katusin seine Facebook-Freunde. Er macht es noch dazu so offensichtlich, dass man schon ziemlich verballert sein muss, ihm nicht sofort darauf zu kommen.

Tricksen, täuschen, tarnen – das ist Marketing ganz aus der Hubbard-Schule. So, wie es aussieht, hat Mehler vor allem seinen eigenen “Bestseller” von 1990 nicht gelesen: “Wie finde ich einen Verleger”.

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Juni 2014

Die sporadischen Abenteuer von Becky & Rufus (1)

Ich habe in den letzten vier Wochen auf Facebook immer mal kleinere Nachrichten unserer Katzen vermeldet und finde es angebracht, die Leserschaft des Wortvogels jetzt mal offiziell aufzuklären und einzubinden.

Die Entscheidung, neue Katzen anzuschaffen, haben wir uns nicht leicht gemacht. Nach dem Glück, aber letztlich auch der Trauer in Sachen Abby wollten wir erstmal für uns bleiben. Dann stand fest: Wenn eine Katze, dann zwei Katzen. Die sollen schließlich auch Gesellschaft haben, wenn wir mal nicht in der Wohnung sind. Und schließlich: Katzen aus Zucht, mit Stammbaum. Nicht aus Eitelkeit, sondern weil wir aus verständlichen Gründen diesmal Krankheiten so weit wie möglich ausschließen wollten.

Bei einer sehr netten Züchterin meldeten wir uns daher für zwei Thai-Geschwisterchen an und die Freude war groß, als am 27.1.2014 fünf gesunde Scheißerchen geboren wurde. Auf die Frage, welche beiden wir denn haben wollten, antworteten wir: “Egal, Hauptsache, die kommen gut miteinander aus.”

Cats 1

Um Diskussionen wegen der Namen zu vermeiden, beschlossen wir eine faire Aufteilung: Die LvA würde alle Weibchen taufen, ich alle Männchen. Nach ein paar Wochen schlug uns die Züchterin einen Jungen und ein Mädchen vor, die (der Titel des Beitrags verrät es) nun Becky und Rufus heißen.

Wir wollten absichtlich vorher nicht zuviel über unsere neuen Wohnungsgenossen wissen, die Auswahl sollte eher zufällig sein. Die Züchterin schrieb lediglich, dass der Kater gerade albern schmusig sei und sich am liebsten den ganzen Tag rumschleppen ließe. Nun, das war mir durchaus recht.

Mit drei Monaten verblieben unsere Kätzchen ausreichend lang im Familienverbund, um sozial stabil aufzuwachsen. Sie sind laute Geräusche gewöhnt, stubenrein und zutraulich.

Vor ungefähr einem Monat fuhren wir dann Braunschweig. Aus den hilflosen Babys waren mittlerweile die hier geworden:

Cats 2Rufus schmiss sich sofort an uns ran, ganz Charmeur und Kuschelschlampe. Er schlief gleich mal demonstrativ auf meinem Arm ein. Becky zeigte sich distanzierter, musste erst aus einem Regal gepflückt werden, um die Kontaktaufnahme zu ermöglichen.

Wir packten die beiden nach einer Viertelstunde Knuddelei erst in Abbys große Reisebox, dann in den Wagen. Doch die dreistündige Fahrt erwies sich schon nach 10 Minuten als zu aufregend. Besonders Rufus plärrte am laufenden Band. Das war ihm alles zu unheimlich. Also setzte sich Britta auf den Rücksitz und holt die Kleinen abwechselnd aus der Box, um sie zu streicheln und zu beruhigen. Das war schon besser.

Bei einem Tankstellenaufenthalt ließ ich Rufus sogar ein paar Minuten autonom durch das Auto stromern. Besonders begeistert sah er allerdings nicht aus:

Cats 3Wir waren froh, als der Stress für die beiden Katzen vorbei war und wir sie in Speyer in der Wohnung rauslassen konnten. Das gefiel ihnen dann auch prompt sehr gut, sie schlenderten interessiert umher, begutachteten die Toilette ebenso wie den frisch gefüllten Napf. Unser Herz ging auf, als beide dann aufs Sofa sprangen – direkt auf Abbys Lieblingsdecke. Dort schliefen sie erschöpft ein.

Es gibt in unserem Haus ein paar Regeln. Das Schlafzimmer und das Bügelzimmer sind tabu für die Katzen. Gerade weil ich die Tendenz zu einer Fellallergie habe, muss ich nachts meinen Schleimhäuten Entspannung gönnen. Was runterfällt und kaputt geht, ist halt kaputt. Da können Katzen nichts für. Von den Gardinen sollen sie allerdings ebenso weg bleiben wie vom Esstisch, wenn wir essen. Das klappt soweit auch ganz gut.

Da ich den Tag über oft zu Hause bin und arbeite, verbringe ich natürlich mehr Bruttozeit mit den Katzen. Das erlaubt mir, die Charaktere unserer Butzelchen etwas genauer zu beobachten.

Rufus (ein heller chocolate point wie der Papa) ist ein Haudegen, furchtlos und strahlend, so eine Art Errol Flynn auf vier Beinen. Er ist deutlich größer als sein Schwesterchen, hat sehr muskulöse Hinterbeine und einen O-Gang, was die LvA dazu veranlasste, ihm den Spitznamen “Littbarski” zu geben. Wenn ich mit dem Macbook auf dem Sofa hocke, sitzt Rufus eigentlich immer daneben und drängelt sich so stark wie möglich an mich ran. Das macht ihn glücklich:

Cats 4

Bei seinem Mensch zu sein, das ist für ihn das Höchste. Er hat auch voll raus, wie das mit der Schnurrerei geht – man schnurrt nicht, wenn man gestreichelt wird, sondern man schnurrt, um gestreichelt zu werden. Man braucht Rufus nur einmal freundlich anzuschauen und schon wirft er den Motor an.

Andererseits ist Rufus nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen. Er besitzt weder die Eleganz noch die Intelligenz seiner Schwester. Becky (eine dunkle seal point wie die Mama) ist nämlich, den Geschlechterrollen fast erschreckend angepasst, ganz Dame. Zierlich, kleiner als der Bruder, deutlich vorsichtiger, wenn Entscheidungen anstehen (rein? raus? hoch? runter?). Sie lässt sich auch gerne streicheln, aber nur dann, wenn sie sowieso müde ist und sich hinlegt. Sie ist gerne um Menschen, klebt aber nicht an ihnen. Distanz ist für sie eine Währung, die sie sorgsam einsetzt.

Becky und Rufus können hervorragend miteinander. Sie machen eigentlich alles zusammen. Immer in Sichtweise, wird sofort gemaunzt, wenn der direkte Kontakt abreißt. Man frisst gemeinsam, spielt gemeinsam, schläft gemeinsam. Gegenseitige Fellpflege wird ausgiebig und liebevoll wahrgenommen. Man hat das Gefühl, Rufus würde für seine Schwester eine Kugel abfangen – und sie betet ihn dafür vorbehaltlos an.

In den letzten vier Wochen haben wir ungefähr zwei Dutzend verschiedene Sorten Nassfutter getestet – und festgestellt, dass die beiden am liebsten Trockenfutter fressen. Nachts lassen sie uns in Ruhe, wobei “nachts” ihrer Meinung nach um spätestens 6 Uhr aufhört – dann beginnt das große Morgenkonzert für zwei Stimmen vor der Schlafzimmertür mit dem prächtigen Chor “Wir wollen Spass, Spass, SPASS und Futter woll’n wir auch, Futter woll’n wir auch – jawoll! (Poopie wegmachen wär’ nicht schlecht)”.

Bezaubernd anzusehen sind die beiden hauptsächlichen Betriebsmodi unserer Katzen: Keile und Koma. Keile heißt, dass sie wie angestochen durch die Wohnung jagen, sich gegenseitig überfallen und wirklich gar keine Rücksicht kennen. UFC – Ultimate Fighting Cats. Das passiert meistens zweimal am Tag und dauert gewöhnlich eine knappe halbe Stunde.

Die Keile geht nahtlos ins Koma über. Die Katzen fallen einfach um. Dann könnten auch gebratene Hühnerstückchen um sie herum tanzen – egal. Poofen ist wichtiger. Und träumen. Beide strampeln und schmatzen gerne mal im Schlaf.

Neben Keile und Koma scheint “wachsen” ihr größtes Hobby zu sein. Mit vier Monaten sind die beiden schon erstaunlich groß, Rufus bringt über zwei Kilo auf die Waage. Hübsch gucken und harmlos tun, das können sie prima:

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Soviel also zur offiziellen Vorstellung. In den nächsten Monaten werde ich ab und an berichten, wie es mit den beiden weitergeht.

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Juni 2014

What I watch: Kino-Kurzkritiken

Ich habe viel aufzuarbeiten. Leider nehmen auch die anderen Aspekte meines Lebens (Lover – Fighter – Catpoopshoveller) viel Raum ein, darum fasse ich mich zu den Bereichen Kino, TV und Dokumentation (hoffentlich) ungewohnt kurz.

Astronaut – The last Push

The-Last-Push-Feature

Eine Zwei-Mann-Mission zu den Jupiter-Monden geht schon kurz nach dem Start schief – und sogar der Abbruch wird Jahre dauern und von täglicher mühsamer Kabelpfriemelei geprägt sein. Was geschieht mit einem Mann, der allein in einer Konservendose hockt und monatelang seine recycelten Fäkalien essen muss?

Ein spröder Streifen, der bewusst die Langeweile in der Kapsel in die Dramaturgie übernimmt und teilweise minutenlang nur sprachlosen Frust illustriert. Um der Authentizität willen bleibt der Astronaut eine Chiffre, ein Befehlsempfänger, der mühsam versucht, nicht aus Angst, Ödnis oder Wut wahnsinnig zu werden. Nach einem gemächlichen Beginn entwickelt “Astronaut” dabei tatsächlich eine erstaunliche Sogwirkung – auch wenn das Ende vergleichsweise vorhersehbar ist.

Beeindruckt hat mich vor allem die spartanische Produktion – eine Kapsel, ein bisschen CGI. Das erinnert an den alten Spruch “Ein Kilo Blech, ein Töpfchen Lack, fertig ist der Hanomag”. Hier wurde aus SEHR wenig Geld SEHR viel Film gepresst. Dazu gehört auch, Lance Henriken drei, vier Szenen in die Kamera sprechen zu lassen – das hat vielleicht 5000 Dollar gekostet, sichert aber die internationale Vermarktung. Respekt.

Gravity” ohne das Remmidemmi oder “Europa Report” ohne den letzten Akt oder “Dark Star” ohne den Humor oder “Operation Ganymed” als Low Budget-Independentfilm. Sicher kein Crowdpleaser, aber für die Fans wissenschaftlich orientierter SF ein lohnenswerter Abend.

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 The Stunt Man

The Stunt Man Quad

Der flüchtige Verbrecher Cameron kommt als Stuntman in einer Filmproduktion unter und läuft Gefahr, sich in der Traumwelt vor und hinter der Kamera zu verlieren – während der scheinbar allmächtige Regisseur Eli zynisch die Strippen zieht.

So eine Art kleiner Klassiker, den ich schon seit Jahren auf dem Zettel hatte. Bei einer Zugfahrt kam ich nun endlich dazu. Und es hat sich mehr als gelohnt: “Der lange Tod des Stuntman Cameron” (so er deutsche Titel) ist eine echte Entdeckung. Ein so zynischer wie anrührender Film über Masken und Kulissen, der die ganze Bandbreite von Slapstick bis Drama bedient und in der Konfrontation des Urmenschen Cameron mit dem Übermenschen Eli ein erstaunlich potentes Duell findet. Vielschichtig, witzig, rasant, monströs, mit einem genauen Auge für die Eitelkeiten Hollywoods, gestützt von zwei großartigen, wenn auch nicht überraschend großartigen Performances.

Jedem Filmfan ans Herz gelegt, zumal die Entstehung des Film nicht weniger bizarr war als der Plot selbst und eine eigene spielfilmlange Dokumentation zur Folge hatte – “The Sinister Saga: The Making of The Stunt Man”:

It took almost 10 years for director Richard Rush to get his adaptation of Paul Brodeur’s novel The Stunt Man made, and in spite of successful preview runs, glowing reviews from influential critics, and recognition from festivals and award shows, the film became a well-remembered, little-seen cult item. Richard Rush’s two-hour documentary The Sinister Saga Of Making The Stunt Man details the filmmaker’s joy in creating the movie and his travails in securing its release. What it hints at but doesn’t fully explain is how the movie and its director fell into obscurity, becoming a cautionary tale for the mavericks who dominated ’70s cinema. When critics hailed The Stunt Man as the first great movie of the ’80s, they had no way of knowing it would actually be the last great movie of the ’70s.

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Computer Chess

Computer-Chess-Poster

Verschiedene Gruppen von Computer-Nerds treffen sich (in den frühen 80ern?) zu einer Konferenz, um ihre Schachprogramme gegeneinander antreten zu lassen. Eine Video-Crew dokumentiert weniger die Spiele, dafür die Eitelkeiten, Eifersüchteleien und unterschiedlichen Motivationen der Beteiligten.

Eine hochgelobte Pseudo-Dokumentation aus der Frühzeit der Computer-Ära, die durchaus Look & Feel von Floppy & Fortran trifft und zumindest technisch nur in der Hinsicht patzt, dass das schwarzweiße Videomaterial zu clean und letztlich doch gegenwärtig wirkt.

In der Tat gibt es einige brillante, so schwarzhumorige wie gut beobachtete Szenen, die den Schweißgeruch der ausgelaufenen 70er noch am Polyester kleben haben. Kleine Vignetten mit schmerzhaft authentischen Dialogen, die heute wie aus einer anderen Welt klingen – aber damals absolut gängig waren.

Darüber hinaus hat mich “Computer Chess” kalt gelassen. Es ist ein Film ohne Fokus, dessen Handlungsstränge am Ende keine Handlung ergeben, der zwar die Unterschiede seiner Figuren herausarbeitet, daraus aber keinen Konflikt baut. Er ist zu offensichtlich keine echte Doku – und zu offensichtlich kein echter Spielfilm. Das beeindruckt als “proof of concept”, bräuchte aber eine stärkere Dramaturgie, um die doch nicht geringe Laufzeit spannender zu gestalten.

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 Monkey Business

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Zur Abwechslung mal wieder ein “echter” Klassiker – eine legendäre Hollywood-Screwball-Komödie von einem Regie-Titanen aus der Feder dreier Drehbuch-Titanen. Cary Grant, der perfekte Hollywood-Gentleman, darf endlich mal wieder den gepflegten Trottel geben, sich zwischen fleischlicher Versuchung Marilyn und ehelichem Anstand Ginger entscheiden. Ein Affenzirkus.

Ich bin kein Nostalgiker. Ich erkenne durchaus an, dass viele Filme aus Hollywoods goldener Ära nicht gut gealtert sind, heute langsam und (angesichts des damals noch eher groben Analogschnitts) seltsam stotternd wirken. Was Flow, Struktur und die Einbindung von Nebenplots angeht, hat sich die Industrie unbestreitbar weiterentwickelt.

Das macht es umso interessanter, wenn ein Film auch nach über 60 Jahren immer noch unerhört frisch wirkt, temporeich und frech. “Monkey Business” arbeitet praktisch ohne Fett, rast förmlich in die Story, reiht Gag an Gag – und hält sich auch nicht mit einem übermäßig emotionalen Ende auf. Rogers, Grant und die Monroe sind perfekt aufeinander abgestimmt, spielen sich selbst und dabei doch mit den Klischees ihrer Traumfabrik-Identitäten. Ich finde es hier noch auffälliger zu sehen als z.B. in “Das verflixte 7. Jahr”, was die Monroe zur Sexgöttin des Jahrhunderts machte. Ihrer Ausstrahlung kann man sich auch heute noch kaum entziehen – und was ihr an zweideutigen Dialogen in den Mund gelegt wird, ist erfreulich anzüglich. Man konnte damals “dank” des Hays Code vielleicht praktisch nichts zeigen, aber sehr viel andeuten…

Immer und immer wieder sehenswert!

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 Anchorman 2

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Ich bin ein Fan von “Anchorman: The Legend of Ron Burgundy” – einfach weil das Konzept so bezaubernd schräg ist. Eine Komödie über die aufgeblasenen News-Macher der 70er zu drehen, darauf muss man erstmal kommen. Der ganze Film wirkt wie das Ergebnis eines bekifften Wochenend-Brainstormings der aktuellen Comedy-Elite, ein perfekter “Saturday Night Live”-Sketch, der Will Ferrell erst eingefallen ist, nachdem er bei “Saturday Night Live” schon draußen war.

Nur leider werden manche Witze nicht besser, wenn man sie zweimal erzählt. “Ron Burgundy” hatte schon mit den ersten beiden Filmen (Film 1 gibt es ja in zwei sehr verschiedenen Versionen) sein Potenzial verschossen. Ihn noch einmal auszubuddeln und als 70er-Relikt in die 80er zu schicken, entpuppt sich im Nachhinein als Fehler. “Anchorman 2″ ist eine Sammlung an mehr oder weniger erwartbaren, oft aus dem Vorgänger recycelten “Shticks”, die den Mangel an Ideen durch noch krassere Überzeichnung der Figuren wettzumachen sucht – bis sie endgültig Karikaturen sind, an die wir nicht mehr andocken können. Ein, zwei gute Szenen können nicht übertünchen, dass hier nur blind Punchlines in den Topf geworfen und verrührt wurden.

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 Mister Dynamit

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Ahhh, der Wortvogel gönnt sich was. Als alter Lex Barker-Fan, der das “Mister Dynamit”-Plakat im Wohnzimmer hängen hat, wollte ich diese Adaption der bekannten Romanserie von C.H. Guenter immer schon mal sehen. Leider ist sie extrem schwer zu kriegen. Der Film war seinerzeit ein Flop, wurde (nach meinen Recherchen) nur Anfang der 70er einmal im Fernsehen ausgestrahlt und auch nur einmal (in Kleinstauflage) auf Kassette veröffentlicht. Vor zehn Jahren ergatterte ich eine US-Fassung mit dem Titel “Spy today die tomorrow” (auch “Die slowly you’ll enjoy it more”), die aber derart mies kopiert war, dass sich daraus praktisch keine Aussagen über den Film treffen ließen. Erst von zwei Monaten bekam ich eine deutsche Version in brauchbarer Qualität in die Hände.

Wie die meisten 60er-Spionagefilme, die sich an James Bond ranhängen wollten, ist “Mister Dynamit” fest dem Kolportage-Krimi seiner Zeit verbunden. Es geht nicht um Handlung, es geht um Aktion, es geht nicht um ein dramaturgisches Vorankommen, sondern um den Wechsel von exotischen Schauplätzen. Hier einen Handlanger erschießen, da eine Bikinischönheit küssen – der Bösewicht spielt mit einer elektrischen Eisenbahn. Drollig.

Leider ist “Mister Dynamit” selbst in seinem reduziert anspruchsvollen Subgenre nur B-Ware, das Geld für wirkliche Schauwerte fehlte augenscheinlich, die ganze Produktion wirkt hastig zusammen gestoppelt. Kein Vergleich zu den überlegenen “Kommissar X”-Filmen und eine Schande vor allem deshalb, weil Lex Barker eigentlich prädestiniert gewesen wäre, in einer eigenen Reihe den erfolgreichen Agenten zu geben. Hätte er in den Jahren zuvor nicht als Euro-Darsteller die Karriere fest im B-Bereich verankert, hätte ihm der Smoking Sean Connerys deutlich besser gepasst als George Lazenby oder Roger Moore.

Was “Mister Dynamit” allerdings bei allen Schwächen auszeichnet, ist ein exzellenter Twist im Finale, den ich nicht habe kommen sehen und der vielen Actionkonventionen eine lange Nase dreht.

Kein Trailer, leider – nur eine einzelne Szene:

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30
Mai 2014

Der Kunde ist Kacke: Von Arschlöchern umzingelt

Sorry, ich muss mal wieder Luft ablassen – in letzter Zeit häufen sich die Vorkommnisse, bei denen ich mich über Mitbürger ärgern muss, denen jegliche Sozialkompetenz abgeht.

Die Spielregeln sind nicht schwer: Man sagt “Guten Tag” und “Auf Wiedersehen” (gerne auch Varianten aus dem regionalen Dialekt), “Bitte” und “Danke”, “Entschuldigung” und “Macht nichts”. Es scheint, als würden alle diese Umgangsformen langsam ersetzt durch “was schert’s mich denn?”.

Vor zwei Wochen kam ein Techniker von Kabel Deutschland, weil im Treppenhaus unserer Wohnung ein neues Panel für die Internet-Infrastruktur eingebaut werden musste. Das Problem: Es gibt aktuell keine Leitung, die Anlage zu erden. Soll aber von einem Elektriker dieser Tage gelegt werden. Der Techniker von KD erwähnt (missgelaunt) die mangelnde Erdung, ich weise freundlich darauf hin, dass der Elektriker schon bestellt ist, um sie bereit zu stellen.

Der Techniker von KD: “Von unserem Panel lassen Sie aber die Finger. Das ist Eigentum von Kabel Deutschland.”

Ich gucke zwei, drei Sekunden ziemlich baff. Dann erlaube ich mir einen Klassiker: “Wie REDEN Sie eigentlich mit mir? Geht’s noch? Sind Sie bei der Schulung in Sachen Kundenkontakt durchgefallen?”

Er wird patzig, ich verabschiede ihn vorzeitig.

Ein paar Tage später beim Supermarkt. Der letzte Gang ganz hinten, der an der Fleischtheke endet, ist blockiert von zwei Rollwägen, weil eine Verkäuferin Waren ins Kühlregal einräumt. Alle Kunden müssen umdrehen und einen langen Umweg durch den vorherigen Gang nehmen. Das Problem: Es wäre nicht nötig, den Gang zu blockieren. Die beiden Rollwägen würden, direkt an das Kühlregal gerollt, mehr als genug Platz lassen für die Kundschaft, auf deren Geld man hier spekuliert. Sie sind nur konsequent so positioniert, dass sie ein Maximum an Blockade verursachen. Ich sehe das von der Fleischtheke aus und ohne Witz – als eine Frau AUF KRÜCKEN umdrehen muss, entscheide ich mich, einzuschreiten.

Ich gehe zu der Verkäuferin, die augenscheinlich nichts sieht, außer sich selbst und ihre Aufgabe, Rahmspinat zu stapeln: “Entschuldigung - könnten Sie vielleicht die Rollwägen beiseite schieben, damit die Kunden nicht allesamt umdrehen und durch den nächsten Gang gehen müssen?”

Sie schaut mich lange an. Dann schaut sie auf die Rollwägen. Dann schaut sie auf mich und spricht: “Ich muss hier auspacken.”

Ich lächle weiter, obwohl ich mir veralbert vorkomme: “Das ist klar und dagegen hat niemand etwas. Sie könnten aber doch die Rollwägen so platzieren, dass die Kundschaft trotzdem durchkommt, oder? Gerade musste eine Frau auf Krücken umdrehen und den Umweg gehen.”

“Habe ich nicht gesehen.”

“Auch das ist mir klar.”

Ich merke, dass sie sich in keiner Weise angesprochen oder verpflichtet fühlt. Ich winke ab und drehe mich um. Hinter mir höre ich sie murmeln: “Ich hab doch hinten keine Augen im Kopf.”

An der Fleischtheke geht es weiter. Ich warte. Und warte. Personal ist da – eine Verkäuferin räumt Wurst in die Auslage. Sie reagiert nur nicht auf mich. Zwei, drei, vier Minuten. Dann räuspere ich mich auffällig. Sie schaut auf. Ich sage (angefressen, aber höflich): “Entschuldigung, aber ich würde schon gerne mal was kaufen.”

Sie: “Ich habe Sie nicht gesehen.”

Eine lethargische Feststellung, keine Entschuldigung. Die bekomme ich auch nicht, als sie mich dann endlich bedient.

Termin beim Standesamt – steht ja langsam an. Öffnungszeiten 8.00-12.00 Uhr. Es ist 11.50 Uhr, die LvA ist extra aus der Redaktion gekommen. Die Tür ist verschlossen. Niemand reagiert. Kollege zu Tisch?

Heute zweiter Versuch. Auf der Webseite steht: Öffnungszeiten freitags 8.00-12.00 Uhr. Es ist 8.02 Uhr. Ein Schild informiert uns: “Freitags geschlossen”.

Telefonat mit der Arbeitsagentur in Düsseldorf. Ich muss eine Bestätigung für eine Mieterin abgeben. Auf dem Schreiben steht “Sprechzeiten 7.30 Uhr bis 11.30 Uhr”. Ich versuche tagelang, durchzukommen. Dann entdecke ich, dass im Adresskasten unter dem Namen der Sachbearbeiterin winzig steht “Sprechzeiten 8.00 bis 9.00 Uhr”. Also rufe ich 8.40 Uhr an. Nach endlosem Klingeln geht ein junger Mann ran. Ich sage: “Hallo, mein Name ist Dewi, ich würde gerne Frau XY sprechen.”

Er sagt: “Die ist nicht da, Sie müssen mit mir sprechen.”

Noch so einer, bei dem die Schulung versagt hat.

Ich: “Wieso MUSS ich mit Ihnen sprechen? Ich habe hier ein Schreiben, in dem steht, ich solle mit Frau XY sprechen.”

“Die ist aber noch nicht da, also geht das aufs Team-Telefon. Worum geht es?”

Ich lese die Fallnummer vom Blatt ab und beschreibe kurz, worum es geht.

Er: “Da müssen Sie doch mit Frau XY sprechen.”

Ich: “Aha.”

Er: “Sie kommt auch gerade rein.”

Ich: “Na super, dann reichen Sie mich doch einfach weiter.”

Er: “Nein, die muss sich ja erst einloggen und so. Ich schreibe mir mal Ihre Nummer auf, sie ruft Sie dann gleich zurück.”

Große Überraschung – kein Rückruf. Also versuche ich es eben noch einmal. Es klingelt. Lange. Dann ein Sprachansage: “Es sind gerade alle Leitungen belegt, bitte bleiben Sie dran”. Zehn Minuten. Dann Musik und eine begeisterte (automatische) Stimme, die mir erklärt, dass ich bei irgendeinem Amt gelandet bin. Das weiß ich. Eine Minute später die dritte Stimme vom Band: “Wir sind leider gerade nicht in der Lage… späterer Zeitpunkt… Sie uns auch…”. Klick.

Must. Control. Fist. Of. Death.

Schön auch der Baumarkt. Ich brauche Universalhalterungen für Jalousien, mit denen man diese ohne Bohren befestigen kann. Gibt es im Doppelpack. Ich weiß nur nicht, wo die im Baumarkt zu finden sind. Also gehe ich gleich zur Information und sage: “Guten Tag, ich bin auf der Suche nach Universalhalterungen für Jalousien.”

Die junge Dame, die für “Information” steht, schaut mich ausdruckslos an: “Was suchen Sie?”

Ich seufze: “Ich kann es leider nicht einfacher erklären: Universalhalterungen. Für Jalousien.”

Sie: “Gibt es die denn einzeln?”

Ich: “Die gibt es einzeln.”

Sie: “Ich weiß nicht, ob wir die haben.”

Ich: “Ich auch nicht – darum bin ich zum Informationsschalter gekommen.”

Nun entscheidet sie sich endlich, mal in der entsprechenden Abteilung anzurufen. Der Tonfall, in dem sie ihrem Kollegen erklärt, was ich suche, lässt deutlich darauf schließen, dass sie eher an die Existenz von Einhörnern auf dem Mond glaubt als an die Existenz von Universalhaltern für Jalousien. Darum entrutscht ihr auch ein wenig das Gesicht, als der Kollege sie aufklärt. Sie guckt bedröppelt, als sie sich wieder an mich wendet.

Sie: “Die haben wir.”

Ich: “Schön. Wo?”

Sie: “Bei den Jalousien.”

Ich: “Klasse. Und die sind wo?”

Sie deutet vage hinter sich: “Da links.”

Auch hier: Keine Höflichkeit, keine Entschuldigung.

Bei Baumärkten bin ich gerade öfters. Als ich zu den Universalhalterungen die entsprechenden Jalousien kaufen will, meldet die Webseite des OBI Hockenheim: “Begrenzte Anzahl verfügbar”. Ich fahre also gleich hin. Nach ungefähr 15 Minuten taucht endlich ein zuständiger Verkäufer auf. Ich frage nach den Jalousien, er geht an seinen Computer. Und scrollt. Und scrollt. Und scrollt. Ungelogen drei bis vier Minuten rutscht sein Zeigefinger auf der Maus rauf und runter. Ich habe das Gefühl, er hat nur “J” eingegeben und sucht im Warenbestand nun Jalousien. Stoisch. Dumpf.

Irgendwann sagt er: “Haben wir wohl nicht.”

Ich: “Im Internet steht aber was von einer begrenzten Anzahl.”

Er: “Begrenzte Anzahl kann ja viel heißen.”

Ich: “Stimmt. Eins heißt es aber definitiv nicht: keine.”

Er: “Tja. Wir haben keine.”

Keine Entschuldigung. Ich entschließe mich, auf die angebrachte Schimpftirade zu verzichten und zum OBI nach Ludwigshafen zu fahren. Dort sind die Jalousien nach Aussage der Webseite “in ausreichender Anzahl” verfügbar. Bevor ich mir die Finger wund suche, gehe ich gleich zu einem Verkäufer.

Ich: “Hallo. Ich brauche Jalousien, Marke Gardinia, Holzlamellen, braun, 80 Zentimeter breit, 150 Zentimeter lang.”

Er führt mich ohne Zicken zu den Jalousien, zieht Jalousien in 120 Zentimeter Breite heraus: “Die hier?”

Ich: “Fast. 80 Zentimeter Breite.”

Er: “Die sind 120 Zentimeter.”

Ich: “Genau.”

Herr Hallmackenreuther zieht 80 Zentimeter breite Jalousien aus dem Regal, diesmal aus Geflecht.

Ich: “Ich brauche Holzlamellen.”

Er: “Ich schaue ja noch.”

Ich: “Ich weiß, und darum wollte ich Ihnen Zeit ersparen, in dem ich Ihnen gleich sage, dass dieses Modell auch nicht meinem Anspruch entspricht.”

Abgekürzt: Ich bekomme meine Jalousien. “Ausreichende Anzahl” bedeutete in diesem Fall übrigens drei Stück.

Man sagt immer, IKEA ist besser. Ich sage das ja auch. Da sind die Mitarbeiter sorgsamer geschult, eigentlich immer höflich und hilfsbereit. Aber auch dieses System zeigt Risse, wie ich feststellen musste, als ich wegen einer Schublade im Selbstbedienungsareal nachfragte – und diesmal kann der Zwist nicht an mir gelegen haben, denn es ging nicht um mich.

Vor mir steht ein Mann. Er will wohl irgendeinen Einlegeboden kaufen. Die Dame am Infoschalter schaut in den Computer und zuckt mit den Schultern: “Nicht da.”

Er (etwas entgeistert): “Wie, nicht da? Ich bin gerade 30 Kilometer gefahren, weil auf der Webseite steht, es seien 39 Stück vorhanden!”

Sie: “Inventurschwund.”

Er: “Was heißt denn das?”

Sie: “Die sind in falsche Regale geräumt worden, man hat sich bei der Lieferung verzählt – das kann viele Gründe haben.”

Er zieht sichtlich frustriert ab. Als er außer Hörweite ist, wendet sich die Dame an uns: “Können die Leute nicht einfach mal hinnehmen, wenn ich ‘Inventurschwund’ sage?”

Ich fühle mich bemüßigt zu widersprechen: “Nein. Der Mann hatte sich korrekt informiert und ist eine ziemliche Strecke gefahren, nur um hier doch leer auszugehen. Den Frust und den Ärger kann ich verstehen – und das sollten Sie auch. Mit einer Leerphrase wie ‘Inventurschwund’ abgespeist zu werden, ist da wirklich nicht entspannend. Könnten Sie nicht wenigstens so tun, als ob es Ihnen persönlich leid täte, dem Kunden nicht helfen zu können?”

Sie schaut indigniert, hatte Solidarität erwartet, nicht Widerstand.

Ich könnte kotzen. Hätte ich in meinem Umfeld nicht gute Freunde, nette Handwerker, einen exzellenten Zahnarzt, hilfsbereite Nachbarn – ich müsste Amok laufen.

Aber ich will den Beitrag nicht so negativ beschließen. Lasst uns friedlich und Freunde sein. Enden wir also auf einer positiven Erfahrung.

Die LvA hatte letzte Woche lange gearbeitet, wir hatten weder Lust auf kochen noch auf Essen gehen. Hunger war aber schon da. Kein Problem, wozu wohnen wir über einem Thai-Restaurant? Ich gehe also die paar Stufen runter und sage zu dem Oberkellner freundlich: “Könnten Sie uns mal 18 und 52 fertig machen für daheim?”

Er lächelt freundlich, sagt “selbstverständlich, gerne, ich klingel dann bei Ihnen”.

Ich erwarte eine Plastiktüte mit zwei Gerichten in Styroporboxen.

Nach zehn Minuten klingelt es und vor der Tür steht der zweite Kellner hiermit:

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Ich bedanke mich ausgiebig, gebe ein gutes Trinkgeld und verspreche, das Geschirr später wieder ins Restaurant zu bringen. Er winkt ab: “Nicht nötig, der Koch wohnt ja gleich hier neben Ihnen. Stellen Sie es da vor die Tür.”

Mit sichtlich gehobener Laune haben wir an diesem Abend sehr gut gegessen. Und das Geschirr hinterher sorgsam gespült und zusammen gestellt.

Ist es WIRKLICH so schwer? Freundlich sein, Rücksicht nehmen, Versprechen halten? Wieso bröckelt der soziale Kitt?

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27
Mai 2014

Noob-Review: Chromecast – One Stick To Rule Them All

Ich bin ja nicht so der “early adopter”, der nach jeder Technikmesse gleich die neuste Hardware ordert. Ich glaube auch nicht daran, dass ein Gadget sich seine eigene Notwendigkeit schafft. Den Android-Stick im Fernseher finde ich technisch beeindruckend (eigentlich Zauberei), aber für mich unnötig. Das ALDI-Tablet war ein guter Deal für ein gutes Gerät – zurückgegeben habe ich es trotzdem. Den Kobo-Reader hat die Mama zum Geburtstag bekommen, nachdem er bei mir ein Jahr lang Staub angesetzt hat.

Aber diese Woche hat es mich mal wieder erwischt:

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35 Euro, um irgendwie alles vom Smartphone und Notebook auf den Fernseher schubsen zu können. Da brauchte ich keinen größeren Reviews lesen, um zu wissen – das probiere ich doch mal aus!

Leider verzögerte sich der Kauf ein wenig, weil ich schlicht und ergreifend nicht dazu kam, in der neuen Wohnung den Fernseher an die Wand zu hängen und zu verkabeln. Und wo kein Fernseher ist, braucht’s auch kein Chromecast.

Mittlerweile hängt der Fernseher und gestern nachmittag regte sich der Kaufwunsch erneut. Amazon One-Click gedrückt – keine 18 Stunden später stand die Paketbotin vor mir. So ist’s recht.

Erster Eindruck: Schicke kleine Schachtel. Und absolut ausreichend Hardware: der Chromecast-Stick, USB-Kabel, eine HDMI-Verlängerung, und eines dieser Netzteile, in die man ein USB-Kabel stecken kann. Letzteres brauche ich für Chromecast nicht, weil der sich bei mir den Strom über die USB-Buchse des Fernsehers zieht, aber für mein Motorola G kann man nicht genug Ladegeräte haben. Wird noch nützlich sein. Danke, Google.

Was nicht dabei ist: Eine Anleitung. Weder gedruckt, noch auf Mini-CD, wie das eine Weile lang üblich war. Wird wohl auf der entsprechenden Webseite zu finden sein, spart Ressourcen, ist okay.

Ich stelle mich auf eine Viertel- bis halbe Stunde für die Installation ein, wenn alles läuft wie Butter. Aber wann läuft es schon mal wie Butter? Also besser den Vormittag frei nehmen.

Aus Begeisterung verrate ich es vorab: nach zwei Minuten war das System installiert, konfiguriert, upgedated und “up and running”.

SO sieht gut Nutzerführung aus. Chromecast in den Fernseher, am Notebook Webseite aufrufen, mit ein paar Klicks die WLAN-Verbindung bestätigen, Chromecast-Extension für den Browser installieren. Done. Und es wird alles geführt, man muss sich keinen Klick selber zusammen reimen. Eine extrem smoothe Erfahrung, von der sich so manche Hardware-Hersteller mal zwei bis zweihundert Scheiben abschneiden könnten.

Auf dem Fernseher begrüßt mich einer von über 200 schönen Hintergründen, die Uhrzeit und eine Anzeige der WLAN-Verbindung. Sieht schick aus, unauffällig gefällig.

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Im Browser habe ich nun ein Chromecast-Symbol. Wenn ich das recht verstanden habe, kann ich damit den Inhalt eines Tabs direkt auf den Fernseher schicken. Ich klicke drauf – keine zwei Sekunden später sehe ich die Webseite gestochen scharf auf dem TV. Ich scrolle rauf und runter. Geht auch problemlos. Ich rufe eine Dropbox-Gallerie auf, blättere mich durch hochauflösende Fotos. Schick, schick!

Besonders angenehm: Chromecast folgt meiner Surfsession nicht, sondern bleibt dem Tab verbunden, den ich angewiesen habe. Ich kann also einen Inhalt auf den Fernseher werfen und dann bequem weitersurfen. Das sieht doch schon mal nicht schlecht aus.

Youtube – irgendein Trailer. Chromecast-Button drücken. ZACK. Auf dem Fernseher. Minimaler Lag, aber Bild und Ton synchron und absolut klar.

Ich bin beeindruckt. Das beendet nicht den Hunger auf der Welt und senkt auch nicht die Benzinpreise, ist aber in seiner Funktionalität und intuitiven Nutzung vorbildlich. Ich realisiere erst nach fünf Minuten, dass ich keine Bedienungsanleitung genutzt habe – weil ich keine brauche. Chromecast ist selbsterklärend, im wahrsten Sinne des Wortes.

Weiter mit den Tests. Ich rufe die Webseite vom Klassikradio auf – die LvA ärgert sich dauernd, dass es hier in Speyer den Radiosender nicht über UKW gibt. Wäre doch gelacht, wenn ich den nicht per Chromecast an die Lautsprecher des Fernsehers weiterleiten könnte.

Es hakt. Nicht an Chromecast, sondern daran, dass der Livestream vom Klassikradio ein eigenes Fenster aufmacht, in dem der Chromecast-Button nicht zu sehen ist. Aber es findet sich auch ein stinksimpler Workaround. Einfach die Adresse des Streams von Hand in einen normalen Tab einkopieren. DANN Chromecast-Button drücken. Voilà – Internetradio aus den Fernsehlautsprechern!

In einem Vorabbericht aus der Zeit, als es Chromecast nur in den USA gab, habe ich gelesen, dass viele User die Fähigkeiten des Gerätes missverstehen – es sendet nicht beliebige Inhalte an den Fernseher, sondern nur Inhalte aus dem Browser heraus. Die Filmsammlung auf der Festplatte, die MP3-Alben, die Fotos vom letzten Geburtstag – ist es nicht in der Googlesphäre, geht da gar nichts.

Das stimmt nur halb. Es stimmt sogar nur ein Viertel.

Ja, Chromecast streamt nur, was mein Macbook über den Chrome-Browser rausschickt. Aber der Chrome-Browser kann so ziemlich jedes Dateiformat von der Festplatte öffnen – PDF, JPG, AVI, MP4, MP3, etc. Es ist nicht elegant oder komfortabel, aber ich kann einen Film einfach im Browser starten und das Tab dann im Vollbild an den Stick schicken. Instant Heimkino!

Es wird das Wehklagen zu hören sein all derer, die mit Safari surfen, mit Firefox oder Opera – Chromecast spielt nur lieb mit Chrome. Die Googlesphäre ist sich erwartbar selber bester Freund. Aber da ich sowieso mit Chrome surfe, ist es mir wurscht. Euch vielleicht nicht.

In den nächsten Tagen werde ich noch schauen, ob es irgendeinen Zusatznutzen hat, dass ich Chromecast auch von meinem Android-Smartphone ansprechen kann. Ich werde der LvA die Verbindung zum Chromecast auch auf ihrem Macbook Air installieren. Es gibt sicher auch noch ein paar andere Tricks, wie und was man so alles streamen kann.

Zur Halbzeit kann ich auf jeden Fall schon mal sagen: geiles Teil.

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23
Mai 2014

Eilig herunter gehackte Kurzkritiken zu “Edge of Tomorrow” und “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit”

hr_Edge_of_Tomorrow_9USA 2014. Regie: Doug Liman. Darsteller: Tom Cruise, Emily Blunt, Bill Paxton, Lara Pulver u.a.

Story: Bill Cage, ein feiger Operettensoldat, wird unfreiwillig für die große Offensive gegen die Alienrasse der Mimics rekrutiert. Schon beim ersten Einsatz im sperrigen Exo-Suit muss er dran glauben – und wacht wieder im Armeelager auf, kurz VOR dem Einsatz. Das Spiel wiederholt sich: Cage stirbt, wacht auf, versucht eine andere Taktik, stirbt, wacht auf. Er tut sich mit der Kriegsheldin Rita zusammen, um in einem gigantischen “trial and error”-Experiment die Schwachstelle der Aliens zu identifizieren und sie zu besiegen.

Kritik: Ich bewundere Tom Cruise. Der Mann hat mittlerweile drei große SF-Filme gedreht, die alle drei thematische Ähnlichkeiten besitzen und ehrlich versuchen, großes Blockbusterkino mit etwas konzeptionellem Anspruch zu verbinden. Würde man mir die Pistole auf die Brust setzen, würde ich “Edge of Tomorrow” (doofer generischer Titel, die Romanvorlage heißt “All you need is kill”) in der Mitte zwischen dem überlegenen “Minority Report” und dem schicken, aber spröden und letztlich unbefriedigenden “Oblivion” einordnen.

Natürlich kann man sich bei Doug Liman darauf verlassen, dass die Actionszenen krachend inszeniert sind und dass bei den Effekten nicht gespart wird. “Edge of Tomorrow” weiß genau, wie viele wiederkehrende Elemente er zeigen muss, damit das Gefühl der permanenten Wiederholung spürbar wird, ohne zu langweilen. In der zweiten Hälfte wird sogar damit gespielt, wenn der Zuschauer selber nicht weiß, ob Bill bestimmte Situationen schon mal erlebt hat. Tom Cruise spielt Cage am Anfang sympathisch unsympathisch und erarbeitet sich erst mit tausend Toden so etwas wie einen Charakter.

Es ist auch charmant, in der ständigen Wiederholung einen Rückgriff auf die Mechanismen alter Videospiele zu sehen. Wie eine Figur in einem Nintendo-Game muss Cage das Level immer wieder neu beginnen, neue Wege suchen, neue Gegenstände sammeln, Levelboss um Levelboss besiegen. Game over – continue?

Mein größtes Problem habe ich damit, dass “Edge of tomorrow” im Gegensatz zu “Und immer grüßt das Murmeltier” und “Source Code” entschlossen ist, BEIDE Zielgruppen zu bedienen – die Popcornfresser und die Nerds. Er verstolpert sich, weil zwar die Idee der ewigen Wiederholung interessant ist, die Ursache der ewigen Wiederholung allerdings banal. Die Alien-Invasion ist letztlich nicht interessanter als bei “Battleship” oder “Independence Day”, die Aliens sind wieder mal tentakelige Viecher ohne nennenswerten Background – das übliche Blahblah von “perfekten biologischen Maschinen, gezüchtet zur Invasion” passt so gar nicht zur komplexen Zeitschleifen-Thematik. Und so endet, was eine Meditation über das ständige Streben zur besseren Lösung sein könnte, mit ein paar Bombenexplosionen, die erzählerisch nur Blindgänger sind. Das aufgesetzte Happy End lässt einen dann noch frustrierter aus dem Kino gehen, als der Film eigentlich verdient.

Ganz subjektiv sei noch vermerkt, dass ich nichts mit Emily Blunt anfangen kann und ihr manga-inspiriertes Kampfschwert unglaublich albern finde.

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Fazit: Unterhaltsam, aber gescheitert beim Versuch, “Source Code” und “Starship Troopers” unter einen Hut zu bringen.

x-men

USA 2014. Regie: Bryan Singer. Darsteller: Hugh Jackman, James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Halle Berry, Nicholas Hoult u.a.

Story: Irgendwann in der ferneren Zukunft haben die Sentinels die Macht über die Erde übernommen – gigantische Roboter mit dem einzigen Ziel, alle Mutanten auszurotten. Die letzten X-Men leisten verzweifelt Widerstand und Professor Xavier ordnet an, dass Wolverines Geist in seinen jüngeren Körper zurückversetzt wird. Im Jahr 1973 soll er den Mord an Bolivar Trask verhindern, der die Jagd auf alle Mutanten auslösen wird. Doch dazu braucht er die Hilfe des jungen Xavier, der ein haltloser Trinker geworden ist – und Magneto, der in einer Hochsicherheitszelle unter dem Pentagon gefangen gehalten wird. In kürzester Zeit stellt Wolverine so eine Art Notfall-Team zusammen, während in der Zukunft der letzte Angriff der Sentinels auf die Mutanten beginnt…

Kritik: Ich habe lange keinen Blockbuster mehr gesehen, der es mir so schwer macht, eine ausführliche Kritik zu schreiben – einfach deshalb, weil er so verdammt perfekt ist, dass man kaum pro und contra besprechen kann.

“X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” ist das, was “Avengers” für die andere große Marvel-Franchise war: Der perfekte Höhepunkt, Kombination und Essenz aller vorhergehenden Filme. “X-Men 1-3″, “Wolverine”, “First Class” – alles nur Zutaten, die nun zur Explosion kommen. Die ganz große Story, das ganz große Drama, Alpha und Omega. Eine Art Superhelden-Blockbuster-Version des TNG-Finales “All good things…”. Alles läuft zusammen, alles klickt, alles passt.

Natürlich hat es Singer hier vergleichsweise einfach: Er arbeitet nicht nur auf der Basis einer großartigen Vorlage – er kann auch halbwegs sicher sein, dass sein Publikum die Charaktere nach sechs Filmen so gut kennt wie die Hauptfiguren einer Fernsehserie. “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” braucht deshalb nicht mehr Vorgeschichte und Beziehungsgeflechte zu wiederholen, sondern kann sie als bekannt voraussetzen. Darauf aufbauend gelingt ihm eine epische Story, die ungleich größer ist als alles, was uns die anderen Franchises in den letzten Jahren vorgesetzt haben – obwohl hier deutlich weniger auf das Spektakel gesetzt wird. In seinem Fokus auf die interpersonellen Konflikte ist “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” fast schon intim.

“X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” versucht nicht, die Vorgänger oder die “Avengers” in Sachen Aufwand und Effekten zu übertreffen. Seine Actionsequenzen unterwerfen sich einer dramaturgischen Notwendigkeit, ziehen das Tempo an und die Schlinge um Figuren, die uns wirklich scheren, deren Schicksal diesmal tatsächlich offen ist. Wir sehen X-Men gefoltert, ermordet – und es ist das vielleicht größte Verdienst Singers, dass es “right in the feels” geht. Geschickt werden Fragen von Gut und Böse neu definiert, Loyalitäten neu gebaut. Der gemeinsame, unglaublich übermächtige Gegner fordert alle zu einer wirklich finalen Schlacht.

Trotz der üppigen Laufzeit ist “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” perfekt getaktet, keine Sekunde langweilig und niemals um der Effekte willen von den Charakteren abgekoppelt. Singer kann nicht nur Superhelden-Fights im klassischen Comic-Stil inszenieren, er hat auch ein perfektes Händchen dafür, die speziellen Kräfte der Mutanten so zu präsentieren, dass es keine absurden Level-Unterschiede gibt. Jeder ist wichtig, jeder ist Teil des Ganzen – selbst der schwächste Mutant kann genau die Kraft besitzen, die es braucht, um den stärksten zu besiegen.

Und wären die straffe Dramaturgie und die komplexe Story nicht schon genug Grund, euch ins Kino zu scheuchen, beschenkt uns “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” auch noch mit bezaubernden Details, die auf Silberscheibe immer wieder mal zum Drücken des Pause-Knopfes einladen.

The real deal. Get it while it’s hot.

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Fazit: Der bisher gelungenste Versuch, eine Superhelden-Graphic Novel auf die große Leinwand zu übertragen und ein gelungenes Gegengewicht zu den eher auf Rabatz und Oneliner ausgelegten Filmen aus dem Avengers-Universum.

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20
Mai 2014

Das George Lucas-Evangelium

Ich schaue aktuell mit großer Begeisterung das hier:

Klar ist das meiste bekannt, kaum ein SF-Nerd wird hier neue Erkenntnisse finden. Es ist eine Sammlung sattsam bekannter Clips aus sattsam bekannten Filmen, kommentiert von sattsam bekannten Personen – inklusive des umvermeidlichen John Landis.

Aber “The Real History of Science Fiction” ist trotzdem liebevoll gemacht, sauber recherchiert und hat tatsächliche rote Fäden, wo frühere Dokumentationen nur eine Anekdote an die nächste reihten. Es werden Zusammenhänge hergestellt, die nicht überraschend, aber doch interessant sind.

Einen dieser Zusammenhänge möchte ich hier gerne zur Diskussion stellen, weil ich nicht weiß, was ich von der unterliegenden These halten soll. Sie würde vieles erklären, was bisher unerklärlich schien, viele scheinbar willkürliche Entscheidungen des Bärtigen in ein neues Licht stellen.

Richard Dreyfuss ist es, der sich an ein Treffen mit George Lucas erinnert, in dem der Produzent und Regisseur deprimiert wirkte, obwohl sein Film “Star Wars” gerade Hunderte von Millionen einspielte. Auf die Frage nach dem Grund für die Mieslaunigkeit antwortete Lucas demnach: “Ich habe einen Kinderfilm gedreht”.

“The Real History of Science Fiction” extrapoliert daraus folgende These: George Lucas war früh mit der Entscheidung konfrontiert, welche Art von Science Fiction-Film er umsetzen wollte. Zwei Möglichkeiten schienen ihm vielversprechend: Abenteuer-SF im Stile alter Pulp-Magazine und Serials wie Flash Gordon – oder anspruchsvolle SF im Stile der “Foundation”-Romane von Isaac Asimov, die sich mit den Mechanismen von Imperien beschäftigen, die von Politik und Philosophie handeln, von Diplomatie und Diktatur.

Er entschied sich, mit der Abenteuer-SF “Star Wars” auf Nummer Sicher zu gehen – und hat es seither bereut. Und dagegen gekämpft. All das öde Gerede von Handelswegen und Allianzen in der zweiten Trilogie, die Tiraden im Senat, die wechselnden Loyalitäten sind sein Versuch, “Star Wars” ex post facto den Anstrich von “Foundation” oder “Dune” zu verleihen – seine ursprüngliche Entscheidung wenn nicht zu revidieren, dann wenigstens zu relativieren.

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Selbst seine wiederholten Versuche, die Filme durch neue Editionen umzufeilen, würde sich daraus erklären lassen. Lucas ist grundlegend unzufrieden mit der Art von Science Fiction, die ihn zur Legende gemacht hat.

Das klingt sehr, sehr stimmig. Was meint ihr?

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18
Mai 2014

B-Film Basterds 2014: Badass bad taste (4)

Voyage_of_the_Rock_Aliens_German_DVDSo, mit etwas Verspätung komme ich doch noch zur Würdigung des finalen Films und zum abschließenden Kommentar.

Mit “Voyage of the Rock Aliens” hatte sich Doc Acula einen Abschlussfilm ausgesucht, zu dem man ihm vorwerfen kann, kein Risiko eingehen zu wollen – dieser Bastard der MTV-Ära ist ein garantierter Crowdpleaser, eine perverse Mischung aus “Grease” und “Class of Nuke ‘Em High” minus Talent und Respekt vor dem Publikum. Ein eiskalt kalkuliertes Vanity-Projekt für eine mäßig begabte und mäßig aussehende Millionärsgattin, die eine Saison in den 80ern Star spielen durfte.

“Voyage of the Rock Aliens” ist “the stuff of legends”, in einem seltsam schwulen Kaugummiuniversum angesiedelt und gänzlich unbelastet von sympathischen Charakteren oder so etwas wie einer nachvollziehbaren Story. Strunzdumme Aliens kommen auf die Erde, eine Ische verguckt sich in einen E.T., verlässt ihren Macker, kehrt zurück zum Macker, Happy End. Weil das ungefähr zehn Minuten Laufzeit trägt, wird der Rest mit vergessenswertem California-Pop aufgefüllt sowie ein paar Subplots, die sich nicht mal die Mühe machen, irgendeinen Abschluss zu finden.

Hier machen sich wirklich ALLE Beteiligten zum Affen – besonders schlimm erwischt es aber Craig Sheffer, einen eigentlich brauchbaren Schauspieler, der sich als Pinup-Boy im Stile der 80er-Romantik-Poster verkaufen lassen muss (ihr wisst schon – die mit den schmutzigen Typen in zerrissenen Jeans, die oben ohne LKW-Reifen schleppen). Seine Solo-Nummer dürfte auch 2014 noch für Heiterkeit oder schlimme Scham im Hause Sheffer sorgen:

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Aber damit sind die Macher noch nicht durch mit der Demütigung – zum Einstieg in den Film wird das Musikvideo von “When the rain begins to fall” gezeigt, in dem Jermaine Jackson mit Pia Zadora singt. Zum Nachspann muss Craig Sheffer mit dem gleichen Song ran – zum gleichen Playback. Und es ist peinlich offensichtlich, dass man sich nicht die Mühe machen wollte, ihn eine eigene Fassung einsingen zu lassen.

Kurzum: Eine Zeitreise “Worst of the 80′s”, deren Trashwert jede Skala sprengt, der aber letztlich zu kalkuliert daher kommt. Ein aalglattes Kommerzprodukt, dem mehr Versagen aus Inkompetenz und weniger Versagen aus Leckmichmentalität gut getan hätte.

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Das war’s dann auch schon wieder. 2014 durch – in anderen Städten geht es demnächst (mit leicht angepasstem Programm) weiter. Und 2015 ist natürlich bereits in Planung.

Was bleibt? Viele sehr unterhaltsame Stunden mit sehr unterhaltsamen Menschen, die ich von Jahr zu Jahr mehr ins Herz schließe. Diesmal waren es ungefähr ein Dutzend Veteranen des Festivals, die sich auch zwischen den Filmen schwadronierend austauschten. Comicfreak kam mit Simone erstmals auch dazu – direkt vom Bestatterblog-Treffen in Forchheim. Das nenne ich mal “best of the web”.

Die Filmauswahl war mal wieder 1a – wenngleich einige Filme die hohen Erwartungen teilweise nicht erfüllen konnten. “Manos” ist halt doch langweilig wie ein Meter Feldweg und Filme wie “Der große Krieg der Planeten” eher Kinderstunde. Müsste ich einen Preis verleihen, ginge er an “The Room” – aber das war zu erwarten. Besonderes Lob gibt es für die Beschaffung obskurer Perlen wie “Der Perser und die Schwedin” und “Das Geheimnis der vier Geisterreiter”.

Wie in den Vorjahren gilt: Auf langweilige Kurzfilme kann künftig zugunsten schräger Trailer-Compilations gerne verzichtet werden. Ran an den Speck, rauf auf die Rolle.

Weil ich finde, dass ich zu wenig Gehör finde, starte ich dieser Tage mal eine offene Diskussionsrunde mit Wunschfilmen für das nächste Jahr.

2015 bin ich wieder sowas von mit dabei!

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17
Mai 2014

Die Wortvogel-Lobby braucht keinen Wallraff

Vor dreieinhalb Jahren habe ich mich an dieser Stelle über einen überteuerten Snack in Form, Geschmack und Textur eines Radiergummis aufgeregt. Form, Geschmack und Textur waren allerdings nicht mein Problem – mein Problem war die Tatsache, dass ein Produkt zu über 90 Prozent aus Apfel bestehen kann und trotzdem als Geschmack “Erdbeere” verkauft wird.

Damals sah die Verpackung so aus:

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Auffällig auch, dass “Ohne Zuckerzusatz” zwar gut klingt, aber eben nicht “Ohne Zucker” bedeutet und dass man mit der Fußnote “Alle Rohstoffe bestehen aus Früchten” zwar nicht lügt, aber zumindest unterschlägt, dass es sich dabei zu 95 Prozent eben nicht um Erdbeeren handelt.

Auch anderen Bloggern ist das Missverhältnis von Inhalt und beworbenem Geschmack aufgefallen.

Neulich stoße ich im Supermarkt mal wieder auf eine Tüte Frucht Snack – und was sehen meine müden Augen?

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Plötzlich sehen wir Äpfel – und die Beschreibung rückt gleich damit raus: “ERDBEERE – Softe Stückchen auf Apfelbasis”. UND es gibt eine Fußnote “Enthält von Natur aus Zucker aus Früchten”.

Haben die Hersteller die Verpackung nach der Kritik noch einmal überdacht? Das möchte ich hoffen. Wurden Sie von den Behörden angehalten, nicht mehr so dreist zu täuschen? Das scheint mir wahrscheinlicher.

Wie dem auch sei: Respekt.

Essen würde ich die Dinger aber trotzdem nicht.

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15
Mai 2014

Busted!

Manchmal versuchen Leute, mich zu denunzieren, zu verleumden oder anderweitig zu treffen – treffen dabei aber nur sich selbst. Selten war das allerdings so lustig wie auf dem Tumblr-Blog “Deutsche Zustände“, das wohl rechtes und/oder menschenverachtendes Gedankengut an den Pranger stellen möchte. Natürlich anonym und auf Zuruf hat man meine schändliche, frauen- wie extremistenphobische Existenz dort ins grelle Licht der Öffentlichkeit gezerrt:

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Elmar Hörig 2.0: Wortvogel-Blogger (wortvogel.de) Torsten Dewi hat ganz dolle Angst vor (antideutschen) Extremisten und Frauen, die sich in der Öffentlichkeit nackt zeigen.”

Bevor einer fragt: Nein, ich weiß auch nicht, wo sich meine Kommentare mit dem Urteil der armseligen Denunzianten decken. Aber vielleicht ist das ja auch das Problem. Also mein Problem. Oder unser aller Problem?

Ich sag: supergeil, Baby!

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14
Mai 2014

“Louie”: Die beste Serie, über die ich mit niemandem reden kann

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Ich gebe zu, dass ich mit den Jahren begonnen habe, immer weniger Serien zu schauen – das betrifft auch und besonders die Serien des “new golden age of television”. Es mangelt an Zeit und ehrlich? Es ist auch nicht ganz so dolle, Serienfan in einer Zeit zu sein, da jeder Serienfan ist.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich so gerne obskure Perlen suche, kleinere Projekte, Außenseiterproduktionen. Neulich habe ich mir alle sechs Folgen von “Spoils of Babylon” angesehen (immerhin mit Will Farrell, Val Kilmer, Toby Maguire, Kristen Wiig, Tim Robbins und Jessica Alba):

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Eine Parodie auf die Event-Miniserien der 70er. Comedy. Die letzte Episode hatte in den USA gerade mal 80.000 Zuschauer.

Als alle vom Finale von “Breaking Bad” sprachen, versuchte ich gerade, über das dritte Staffelfinale von “Louie” hinweg zu kommen. Es hatte mir das Herz gebrochen. Vielleicht, weil Louis C.K. so alt ist wie ich, so (leicht) übergewichtig wie ich und weil er manchmal so einsam ist, wie ich es eigentlich mein ganzes erwachsenes Leben lang war.

Bei “Louie” mag ich etwas, das ich eigentlich sonst immer ablehne – echtes Drama im Rahmen einer Sitcom. Ganze Episoden, die nicht einen Gag enthalten. Eine unerwartete Linkskurve und ein Schlag in die Magengrube. Das Finale von “MASH”. Niles Herzdiagnose in “Frasier”. Der Tod von Marschalls Vater in “How I met your Mother”.

Nach der dritten Staffel hat sich Louie C.K. 2013 eine Auszeit genommen. Jetzt gibt es neue Episoden. Er ist konzeptionell zur Struktur der ersten Staffel zurück gekehrt, erzählt wieder mehr von seinem Leben als Club-Comedian in New York. Und in Folge 3 geht er (sehr widerwillig) auf ein Date mit einer fetten Frau – was in einem so unglaublich herzzerreissenden und wahren Dialog endet, dass ich froh bin, ihn für euch bei YouTube gefunden zu haben:

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Das ist für mich “the golden age of television writing”.

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12
Mai 2014

Insider-Joke – direkt am Publikum vorbei

Ich liebe “The Soup“. Besser kann man sich Wirrniss und Wahnwitz des US-Fernsehen nicht aufarbeiten. Manchmal geht es aber mit den Autoren durch und sie bringen obskure Querverweise, die geschätzte 0,02 Promille des Publikums verstehen dürften. In der letzten Folge wurde ein – nennen wir es mal so – “Klassiker” von Charles Band beiläufig referenziert:

Gemeint ist übrigens der hier:

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12
Mai 2014

B-Film Basterds 2014: Badass bad taste (3)

Man gestehe mir zu, dass ich am Samstag Abend einfach zu fertig war, um die letzen beiden Filme des Tages nachzuschieben. Und da es am nächsten Morgen „schon“ um 11 Uhr weiter ging, nutze ich nun die Rückfahrt für die abschließenden Reviews.

Vor“ Scarletto“ (aka „Bloody Pit of Horror“ aka „Crimson Executioner“) hatten die Filmgötter in Form von Doc Aula und Reini den Kurzfilm „Klopf nicht an die Tür des Teufels“ gesetzt, so eine Art Pseudo-Giallo-Bebilderung der Musik des Pseudo-Giallo-Projekts Sospetto. Nun sind ja schon Giallos oft nicht wirklich handlungsorientiert, aber hier konnten 23 Minuten sehr lang werden. Es wäre hilfreich gewesen, wenn die Macher mitgeteilt hätten, was die Geschehnisse auf der Leinwand zu bedeuten haben. Im Nachhinein wurde uns erklärt, dass da wohl zwei Hexen gegeneinander (aus der Ferne) kämpften. Gut zu wissen – zusammen reimen kann man sich das nicht. Es sei aber entschuldigend angemerkt, dass die Pseudo-Giallo-Musik an beste Goblin-Zeiten erinnert und ein paar stimmungsvolle Bilder durchaus den Schick des späten Giallo zu emulieren wissen – was allerdings wieder durch den elenden Videolook ein wenig negiert wird. Würde ich normalerweise nicht gut wegkommen lassen, aber bei einem B-Film Basterd-Festival gilt auch hier eine niedrigere Messlatte und es trägt wieder zur Bandbreite bei.

bloody_pit_of_horror-CopyDann aber „Scarletto“, ein betörend bunter Gruselstreifen im Stil billiger Schundromane, der zwar wenig Plot, aber (nach einem etwas ausgewalzten Beginn) ausreichend Wahnwitz und Hokuspokus mitbringt. Da knarzt die Eiserne Jungfrau, da wälzt sich das Bikinigirl auf dem Streckrahmen, da ölt sich der muskulöse Schlossherr genüsslich die Nippel, während er von der Verkommenheit der Welt schwafelt. Es passt, dass es inhaltlich um das Team eines Verlages geht, das Cover für Schundromane schießen will, denn ein ums andere Mal fühlte ich mich an Titelbilder von Romanreihen wie „Macabros“ und „John Sinclair“ erinnert.

Weder ein Klassiker des Genres noch ein schrecklicher Schocker – aber blutrote Unterhaltung für alle, die als Kinder gerne chipsfutternd Edgar Wallace-Filme geschaut haben.

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„Manos – The Hand of Fate“ war dann zu später Stunde sicher einer der Zuschauermagneten – ein Kultfilm vom Schlage „The Room“, der seinen Appeal einer Präsentation bei „Mystery Science Theatre 3000“ verdankt und mittlerweile per Crowdfunding soweit restauriert wurde, dass man ihn auch „separat“ anschauen kann, ohne sich die Augen am Pixelmatsch zu verderben.

ManosposterNur leider: „Manos – The Hand of Fate“ ist ein gar tückisch Biest, das seinem Ruf als vielleicht schlechtester Film aller Zeiten mit einer nonchalanten und nicht zu relativierenden Langeweile verdient. Hier wird minutenlang tonlos Auto gefahren, Amateurdarsteller reden massiv off sync im Kreis, die ganze Produktion strahlt eine Schmierigkeit und ein Desinteresse an Unterhaltung aus, dass man sich im Sitz windet. Das Sofa, der eigentliche Mittelpunkt einer der zwei Locations (die andere ist der Satansaltar), ist derart versifft, dass man sich als Kinobesucher hinterher die Hände waschen muss. Kombiniert mit der späten Vorstellung fühlt man sich ins Nickerchen geprügelt, nachdem den hämischen Kommentaren erstaunlich schnell die Munition ausgeht. Wie Hausgeselle Torgo wirkt „Manos“ ein wenig behindert und es fühlt sich nicht richtig an, darüber Witze zu machen.

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Ich hatte es eilig, danach ins Hotel zu kommen und ins Bett zu fallen.

Tag 3 des Festivals begann mit einem kleinen Frühstück bei Dunkin Donuts und „Zombies from Outer Space“, einem Streifen, den ich Doc Acula schon für das letzte Jahr ans Herz gelegt hatte. Auf diesem Blog sind Film und Filmemacher ja bereits im Kontext des Katusin-Debakels erwähnt worden.

zombies-from-outer-space-poster1Es ist immer schön, eine deutsche Produktion zu sehen – diesmal sogar halbwegs aktuell und aus dem Amateurbereich. Inhaltlich handelt es sich bei ZfOS um eine Variante von „IT! The Terror from Beyond Space“, allerdings mit viel Liebe ins bayerische Voralpenland der Nachkriegszeit verlegt. Eine Mordserie, seltsame Kornkreise und geheime Absichten der Besatzer bilden den Hintergrund für eine zarte Liebesgeschichte zwischen der Magd Anna und einem jungen Wissenschaftler, der mitansehen muss, wie Aliens aus ihren Gräbern steigen. Zwischen Parodie und Hommage pendelnd, beeindruckt ZfOS durch bemühte, wenn auch nicht immer perfekte Ausstattung und den Anspruch, es endlich mal nicht bei einer banalen „Spacken werden im Wald abgemurkst“-Geschichte zu belassen. Hier werden tatsächlich Charaktere entwickelt, Subplots gebaut, Twists offenbart. Es ist ein „richtiger“ Film und keine von jeglicher Fähigkeit zur Einschätzung der eigenen Möglichkeiten und Talente befreite Laienproduktion.

Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist, dass gerade wegen des Anspruchs auch die Defizite von ZAfOS sehr deutlich zu Tage treten – teilweise inakzeptable schauspielerische Leistungen und erheblich zu lange, sehr lustlos vorgetragene Dialoge ziehen viele Szenen ins Unendliche, nehmen ständig das Tempo raus und torpedieren die meisten guten Ansätze in Sachen Charaktere und Humor. Es sind 90 Minuten, die nur 45 hätten sein dürfen. Da ist vieles knapp daneben – und für die Zuschauer dann eben doch dabei. ZfOS erinnert damit an „Nydenion“ von Jack Molk, der ebenfalls mit viel Aufwand und Fanliebe entstanden ist, beim Drehbuch und den Darstellern aber der eigenen technischen Expertise nicht gerecht werden kann.

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Trotzdem waren sich die meisten Besucher nach dem Ende des Films einig, dass man das zähe Erzähltempo und die schwachen Darsteller allemal unter den roten Teppich des Respekts kehren kann, den wir Martin Faltermeier für seine Ambitionen ausrollen, außerhalb der etablierten Systeme einen kommerziell verwertbaren und nicht nur auf die Horrorzielgruppe schielenden Genre-Streifen zu stemmen.

karamuratFür den nächsten Film wechselten wir Land, Anspruch und Ergebnis – „Kara Murat – Der Rächer von Anatolien“ ist ein vornehmlich aus Farben und Bärten bestehender Turksploitationkracher mit der Cüneyt Arkin, einer Mischung aus Pierre Brice und Götz George, die 30 Jahre lang das Aushängeschild der türkischen Actionproduktionen war. Der Mann hat einen Haarhelm wie Howard Carpendale zu seinen besten Zeiten, beherrscht souverän Trampolin-Fu und haut seine Gegner um wie weiland Bud Spencer. In „Kara Murat“ spielt er den gleichnamigen Comichelden, der ein paar in Geiselhaft genommene Botschafter des Sultans aus den Händen des bösen Mustafa befreien soll.

„Kara Murat“ ist das perfekte Gegenstück zu ZfOS – ein stürmischer Aufwecker, befreit von allen Ambitionen außer der, das Publikum mit Schlägereien und Streitereien im Minutentakt zu unterhalten. Es herrscht eine dem Comic angemessene Hoppla-Attitüde, zwei Schleiertanz-Stripteases dürften in den 70ern das anatolische Blut des Publikums mächtig in Wallung versetzt haben.

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Wie in Videospielen hat Murat immer Flitzebogen, Geldbeutel oder Schwert zur Hand, wenn er sie braucht – obwohl er auf seinem Pferd sehr offensichtlich ohne Gepäck reitet. Dem Mann gehen nie die Pfeile aus und alle Gegner stellen sich brav in einer Reihe auf, um sich von ihm vermöbeln zu lassen. Da ist einer, den man zum Freund haben möchte.

Den Film gibt’s im Netz umsonst zu sehen:


Kara Murat – Der Rächer Anatoliens – MyVideo

Erstaunt hat mich die Menge an Twists und wechselnden Loyalitäten, die den Film unberechenbar und damit durchaus spannend halten. Zwischendrin schickt Kara Murat außerdem seinen Vetter Lothar (danke, deutsche Synchro!) auf Drogenentzug, was amüsant unpassend wirkt – und bei den Türken augenscheinlich eine Sache von Minuten ist. Es gibt also immer wieder was zu entdecken.

Die Stimmung des Publikums hellte sich bei diesem Crowdpleaser deutlich auf, ich half mit einem Karton Donuts noch nach. Guten Freunden gibt man halt einen Arterienverkalker – oder zwei, oder drei…

geheimnisder14Nächste Station: Mexiko. Wir schreiben das Jahr 1959 und die einheimische Filmindustrie dreht fleißig Schundstreifen für ein anspruchsloses Publikum, die den US-Standards 20 bis 30 Jahre hinterher hinken. So ist auch „Das Geheimnis der 14 Geisterreiter“ kein solider Western im damals aktuellen Hollywood-Stil, sondern eine billig heruntergekurbelte Pferdeoper, deren sinnfreier Plot mit maskierten Bösewichten und einem milchgesichtigen „Geheimagenten der Regierung“ samt Superpferd „Silberpfeil“ deutlich den Geist der alten Schwarzweiß-Serials atmet. Einzig die Verwendung einer Pseudo-Wrestlingmaske für den (irrelevanten) Hauptbösewicht verweist auf die Herkunft. Außer der Farbe ist hier wirklich nichts aus den 30ern raus gekommen – weder die Dramaturgie, noch die Charaktere oder die Dialoge. Action beschränkt sich auf ein paar Faustkämpfe, Schießereien im Karnevallsstil und fleißigen Ritten hin und her durch den immer gleichen Steinbruch und in die Stadt hinein und hinaus, die aus vier Häusern besteht.

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Grundsätzlich kam der harmlose Familienwestern bei mir und dem restlichen Publikum ganz gut an – vor allem, nach dem wir einmal durchgezählt hatten, dass wir satte sieben Geisterreiter mehr geboten bekamen als die titelgebenden 14. Auch der unsägliche „comic relief“ in Form eines Sidekicks, der sich wirklich pausenlos in Fliegenpapier verheddert, sorgte erst für Fassungslosigkeit, dann für hämische Freude. Weniger amüsant waren allerdings die permanenten Aussetzer, die einen Neustart des Projektors (?) verlangten und das Erlebnis über eine Stunde lang unangemessen verhackstückten. Es ist dem miserablen Zustand der Kopie zu verdanken, dass das nachfolgende Programm verschoben werden musste und ich „Voyage of the Rock Aliens“ nicht bis zum Ende genießen konnte. Ärgerlich!

Vor dem letzten Film gab es eine Verlosung mit so vielen Preisen, dass eigentlich jeder Besucher ein oder zwei mal beglückt werden konnte. Ich selbst habe die legendäre TV-Serie „Belphegór“ von Pidax abgegriffen. Die LvA wird’s freuen.

Statt nun zügig zum Abschlussfilm überzugehen, tat uns Doc Acula einen weiteren Kurzfilm an: „Die Wildkatzen von St. Pauli“. In einem Bumsschuppen auf der Reeperbahn soll irgendein Deal laufen, drei hohlbirnige Macker werden von drei billigen Ischen mit dem Versprechen auf schnellen Fick gelockt, auf der Toilette und im Hinterhof kommt es zum Koitus und zur Exekution. Reingelegt! Sex & Crime der ganz billigen Sorte, ohne Sinn und Verstand (von einer tatsächlichen Story ganz zu schweigen), offenbar von Leuten gekurbelt, die das (und sich) für total geil halten. Eine Hommage an das Bahnhofskino der 70er, wie kolportiert wird? Dafür haben die Macher die Vorbilder (wie den grandiosen “Perrak“) nicht gut genug verstanden.

Es mag für so etwas ein Publikum geben und vielleicht sogar ein Festival – hier war es nicht und das war es nicht.

Zugegeben: Jetzt bin ich müde und leer – auf den glorreichen Abschluss mit “Voyage of the Rock Aliens” und mein Fazit müsst ihr bis morgen warten.

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