21
August 2015

FFF 2015 Gastreview: Yakuza Apocalypse

Yakuza Apocalypse

YAKUZAAPOCALYPSEEXPICSNEWS3Japan 2015. Regie: Takashi Miike. Darsteller: Hayato Ichihara, Yayan Ruhian, Mio Yûki, Rirî Furankî, Denden, Pierre Taki

Story: Kamiura  ist ein Yakuza-Boss alter Schule – gnadenlos gegenüber seinen Feinden, autoritär gegenüber seinen Untergebenen, außerordentlich beliebt beim kleinen Mann auf der Straße. Kein Wunder, denn nicht nur hält Kamiuras Clan besser Recht und Ordnung als es jeder Gesetzeshüter könnte, nein, er hat auch dafür Sorge getragen, dass die großen Supermarkt- und Fast-Food-Ketten im Viertel kein Bein auf die Erde gebracht haben und die kleinen Läden und Essensstände der einfachen Bevölkerung erhalten geblieben sind. Auch der junge Kageyama sieht zu Kamiura auf und wünscht sich nicht sehnlicher, einmal so zu sein wie sein Boss. Kamiura schätzt den Nachwuchs-Yakuza auch sehr, wohingegen der Rest des Clans Kageyama für eine Pfeife hält, schon allein, weil er sich wegen seiner empfindlichen Haut kein Tattoo stechen lassen kann.

Aber natürlich ist nicht alles Eitel Freude Sonnenschein – Kamiura z.B. hat Geheimnisse, von denen nur seine lalerengsten Vertrauten wissen, so z.B. das Privatgefängnis, das er im Keller seiner Lieblingsbar unterhält und in dem seine Feinde zwangsweise Strick- und Philiosphieunterricht erhalten. Nicht alle aus seiner Führungsgruppe sind mit Kamiuras Stil einverstanden – sie haben Kontakt mit einer anderen Organisation aufgenommen, die zwei mysteriöse Killer, eine Art Pilgervater und einen strubbeligen „Rucksacktouristen“ auf Kamiura ansetzen. Kageyama, gerade im Bodyguard-Dienst, kann nicht verhindern, dass Kamiura getötet wird. Doch der sterbende Boss hat noch eine Überraschung auf Lager – er beißt Kageyama in den Hals…

Als Kageyama wieder zu sich kommt, hat er einen unzähmbaren Appetit auf frisches Menschenblut. Nur langsam reimt sich der junge Gangster zusammen, dass sein Boss ein Vampir war und seine Kräfte auf ihn übertragen hat. Dass es den Boss zu rächen gilt, liegt auf der Hand, und seine neuen Vampirfähigkeiten dürften ihm dabei zupass kommen. Und er wird sie auch brauchen, denn die verräterischen Yakuza aus seinem Clan und die Killer bereiten noch ganz andere teuflische Rituale vor, die Kageyama auf Kollisionskurs u.a. mit einem Frosch-Dämon schicken…

Kritik: Takashi Miike als Japans „enfant terrible“ der Filmindustrie zu bezeichnen, ist mittlerweile schon ein eigenes Klischee und dabei eins, das sich auch ein wenig selbst überholt hat. Miikes Zeiten als unkontrollierter Garagenfilmer, der schon mal zehn Filme im Jahr zusammenschusterte, sind vorbei, heutzutage darf er auch für die großen Studios ran und üppig budgetierte Fantasyabenteuer, gern auch mal für jugendliches Publikum, und historische Samurai-Actiondramen inszenieren. Aber irgendwie scheint das allein den guten Mann nicht glücklich zu machen und so erlaubt er sich mit „Yakuza Apocalypse“ einmal wieder „back to the roots“ zu gehen.

YakuzaApocalypse

In knapp zwei Stunden hetzt Miike durch eine Art „best-of“-Programm seines Ouevres –  unbefangen und frei von jeglichen Zwängen logischen Storytellings und/oder Worldbuildings mixt Miike Horror, Martial-Arts-Action, Gangsterfilm, Fantasy und Komödie, erlaubt sich diese wüste Melange auch noch selbst zu parodieren. Alles, was Miike sich in den letzten Jahren an inszenatorischer und dramaturgischer Disziplin angeeignet zu haben schien, wird freudestrahlend über Bord geworfen. Wie in seinen Anfangstagen als rüpeliger No-Budget-Randalefilmer baut Miike jeden Einfall, so gut oder schlecht er auch sein mag, in sein Werk ein und scheint dabei mit breitem Grinsen ein „und wenn’s euch nicht passt, könnt ihr ja wieder gehen“-Schild vor sich her zu tragen.

Der Unterschied zum „alten“ Miike ist natürlich, dass „Yakuza Apocalypse“, auch wenn es sicher nicht das teuerste Projekt war, an dem der Maestro in den letzten Jahren gearbeitet hat, top-notch aussieht. Die Splattereffekte sind amtlich (wenn auch nicht übermäßig zahlreich), für die knochenharten Martial-Arts-Gefechte versicherte man sich der Künste der Choreographen der Indonesia-Kracher THE RAID und THE RAID 2, und die Schauspieler agieren mit der Gravitas altgriechischer Tragöden. Das macht dann auch eine ganze Weile lang ordentlich Spaß, aber irgendwann, so nach 60-70 Minuten, beginnt ein Ermüdungseffekt einzusetzen. Man beginnt zu ahnen, dass die ganze Nummer letztendlich nirgendwo speziell hinführen wird, dass die Zutaten kein schmackhaftes Mahl ergeben werden, an das man sich noch in Jahren erinnern wird, sondern eher einen Art Fast-Food-Brei ergeben, dass Miike sich trotz der ganzen Randale auch mal ziemliche Auszeiten nimmt. Miike hat nicht wirklich vor, seine hier aufgebaute Welt zu erklären, es ist oft genug nur Schrägheit um der Schrägheit willen (wie z.B. beim einerseits frechen, andererseits eben auch, äh, *frechen* grünen Froschmonster, dessen nächster Verwandter Tabaluga sein dürfte).

Dass Miike wie so oft die Yakuza und ihren angeblichen Ehrenkodex verherrlicht, mache ich ihm nicht zum Vorwurf, das ist im japanischen Film gelebte Tradition (der einzige, der das hinterfragen darf, ist wohl Takeshi Kitano, und das auch nur, weil seine Filme in Japan selbst ja meist unter dem Radar durchfliegen) und eine Frau in führender Yakuza-Position darzustellen, ist vermutlich schon regelrecht progressiv. Einen Anerkenntnispunkt gibt’s für den Killer-Pop-Punk-Track im Abspann.

Man fragt sich schon, wax Miike mit „Yakuza Apocalypse“ erreichen wollte – und WEN er erreichen wollte. Wollte er sein gezielt sein „neues“ Mainstream-Publikum erschrecken? Ist es eine Art „Geschenk“ an seine Fans aus alten Garagentagen? Am Ende ließ mich der Film relativ leer zurück – der ganze Fun, der sich zunächst aufgebaut hatte, war offensichtlich sehr sehr flüchtig und irgendwo war ich am Ende froh, als es vorbei war. Nicht, weil das ganze wirklich schlecht wäre, aber weil Miike hier einfach nur konzeptfrei ein Sammelsurium an wirren Ideen an die Wand klatscht, wie ich es seit seinem „Izo“ nicht mehr gesehen habe (wobei „Izo“ natürlich einen ganzen Tacken schlimmer war…).

Fazit: Es ist unterhaltsam, es ist sauber gemacht und hat irre Einzelszenen, aber ich ziehe dann doch „Like A Dragon“ vor, der auch wahnwitzig war, aber mehr *Film* als dieser hier. 6/10.

Doc Acula

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18
August 2015

FFF 2015 Gastreview: Night Fare

Night Fare

Night-Fare-Teaser-PosterFrankreich 2015. Regie: Julien Seri. Darsteller: Jonathan Howard, Fanny Valette, Jess Liaudin, Jonathan Demurger

Story: Nach zwei Jahren halbfreiwilliger Abwesenheit kehrt der Brite Chris nach Paris zurück, um die Freundschaft zu seinem alten Kumpel Luc und seiner Freundin Ludovine wieder aufzunehmen. Aber so einfach ist das nicht, speziell weil Ludovine, seit Chris sich damals grußlos nach Britannien verabschiedete, nun ersatzweise mit Luc eingefädelt hat und weder die eine noch der andere einen speziellen Grund sehen, die Beziehungskonstrukte wieder auf den alten Zustand zurückzusetzen. Chris ist also schon mal allerbester Laune, und dass Luc ihn zur Wiedersehensfeier auf diverse Partys mit Leuten, die er nicht kennt und (mangels Sprachkenntnissen) nicht versteht (Ludovine hat sich gleich mal ausgeklinkt), hebt seine Stimmung auch nicht in elysische Sphären. Eigentlich will Chris nur noch in sein Hotel, aber Luc überredet ihn, noch zu einer anderen Party zu fahren. Vor Ort angekommen hält es Luc für eine witzige Idee, den Taxifahrer um seine Kohle zu bescheißen. Schnell müssen Luc und Chris feststellen, dass der Fahrer in der Hinsicht überhaupt keinen Spaß versteht und die Freunde konsequent verfolgt und dabei äußerst rabiat wird. Ums Geld geht’s scheinbar nicht wirklich, sondern ums Prinzip. Als Luc und Chris sich zu Lucs Gangsterfreunden retten, folgt der Fahrer auch dorthin und metzelt die versammelte mit Totschlägern und Knarren bewaffnete Araberschaft kurzerhand brutal nieder. Luc und Chris nehmen die Beine in die Hand, aber wohin soll man fliehen, wenn der Fahrer sich schlicht und ergreifend nicht abschütteln lässt?

Kritik: Noch mehr Kost aus dem Land der Baguettes und Eiffeltürme – Regisseur Julien Seri hat als Actionregisseur in der Luc-Besson-Produktion „Yamasaki – Samurai der Moderne“ begonnen und inszenierte den Clovis-Cornillac-Klopper „Scorpion“, den Cedric Jimenez („The Connection“) schrob. Jeder treibt’s mit jedem…

Natürlich erinnert „Night Fare“ von seiner Grundkonstellation her erst einmal an den Spielberg-Klassiker „Duell“ – im Gegensatz zu „Duell“ sind unsere beiden Protagonisten hier nicht „unschuldig“ und der geheimnisvolle Fahrer hat eine gewisse Motivation durch die Fahrtprellerei, dennoch ist der spirituelle Vorfahr natürlich unverkennbar. Das schwarze Auto, das stets wieder auftaucht, wenn die Protagonisten glauben, endlich in Sicherheit zu sein, hat etwas geradezu archetypisch unheimlich-böses. Und die Hartnäckigkeit, mit der der mysteriöse Verfolger vorgeht, lässt vor allem Chris bald zur Überzeugung kommen, dass es hier nicht um die lausigen 40 Euro gehen kann, um die die Freunde den Taxler geprellt haben. Und in der Tat – gab’s da nicht vor zwei Jahren einen gewissen Vorfall, weswegen Chris Hals über Kopf das Land verlassen hat?

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Ja, „Night Fare“ versucht, die „ungesühntes Verbrechen aus der Vergangenheit“ zu ziehen – das ist auch das Eröffnungsmotto des Films, sinngemäß übersetzt „jede Rechnung muss irgendwann bezahlt werden“ – ein verdientes Veteranenmotiv, das allerdings hier nicht unbedingt Sinn macht, weil der Fahrer nun mal mit der bewussten zurückliegenden Sünde nichts am Hut hat und sie auch nicht kennen kann. Für die mythische Überhöhung der Fahrerfigur zu einer Art übernatürlichen, antropomorphen Projektion vergangener Schuld spricht aber, zumindest rein nach dem Drehbuch, nun auch nichts, und ganz besonders nicht, wenn man den Twist am Ende berücksichtigt. Ich will nicht spoilern, aber ich weise darauf hin, dass nach dem vermeintlichen Abschluss der Geschichte noch eine Viertelstunde drangetackert wird, die aus der simplen, aber effektiven Figur des Fahrers nein, eben keine mythische Figur macht, sondern ihn eher noch de-mystifiziert. Es ist ein Twist, der ungefähr so viel Sinn macht wie ein typischer Shamalamadingdong und den ich als Zuschauer absolut nicht mitgehen konnte (er wirft viel viel viel mehr Probleme auf als dass er Fragen beantwortet, ganz zu schweigen davon, dass er von einer ethisch-moralischen Seite her sehr fragwürdig ist).

Sieht man mal von diesem missglückten Versuch, das Publikum noch mal gehörig zu überraschen, ab, ist „Night Fare“ schon ordentlich rasant, spannend und flott inszeniert – die Bilder des nächtlichen Paris verfehlen nicht ihre Wirkung und der fortwährende „Abstieg“ (vom Pariser Stadtzentrum über La Defense geht die Reise in heruntergekommene Vororte und endet in einer abgefuckten Lagerhalle), funktioniert als Metapher für die unter Druck immer deftiger auseinanderbröckelnde Freundschaft der Protagonisten ziemlich gut. Effektseitig wird ordentlich blutig aufgetischt – besonders das Massaker an Lucs algerischen (vermutlich) Ganovenfreunden ist eine heftige Splatterei.

Schauspielerisch ist das ganz okay – Jonathan Howard („Thor – The Dark Kingdom“) und Jonathan Demurger („Die Schöne und das Biest“) geben ein recht glaubwürdiges Freundesduo ab (wobei man schon darüber streiten kann, wie glaubwürdig es ist, dass Chris offenbar lange Zeit in Paris gelebt hat, aber kaum drei Brocken Franzmännisch spricht?), Fanny Valette („High Lane“) ist nur zu Beginn und im Finale zu sehen. Jess Liaudin, legitimer Mixed-Martial-Artist, der auch auf ein paar UFC-Fights zurückblicken kann, ist ein eindrucksvoller physischer Specimen, Dialoge hat man ihm sicherheitshalber nicht gegeben. Im Film war er u.a. in „The Wrestler“ zu sehen.

Fazit: Ein weitgehend fetziger und spannender Actionfilm mit Splattereinlagen, der nicht unbedingt viel Sinn ergibt und dessen Twistende zu den weniger guten Ideen des Festivaljahrgangs gehört. Wer über die kleinen dramaturgischen Macken hinwegsehen kann (und darüber, dass „Night Fare“ auch zu den Filmen dieses Jahrgangs gehört, der so im Wortsinne keinen *Plot* hat), wird gut unterhalten. 7/10.

Doc Acula

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18
August 2015

FFF 2015 Gastreview: Extinction

Extinction

Extinction---Cartel-TeaserSpanien/ Ungarn 2015. Regie: Miguel Angel Vivas. Darsteller: Matthew Fox, Jeffrey Donovan, Quinn McColgan, Valeria Vereau

Story: Während einer Zombie-Apokalypse gelingt es Jack, Patrick, Emma und ihrem Baby-Töchtling, mit Müh und Not, sich in ihrem Heimatort Harmony zu verbarrikadieren…

Neun Jahre später – aus recht unspezifizierten Gründen ist ein dauerhafter Winter über’s Land hereingebrochen (ich vermute stark, damit Regisseur Vivas den Gag „weather forecast – the day after tomorrow: cold!“ unterbringen konnte), die Zombies sind, davon geht man aus, an der Kälte krepiert. Emma ist gestorben, Jack und Patrick spielen seither grumpy old men und vermeiden jeden Kontakt, jeder hat sich in seinem Haus hinter Stacheldrahtzäunen verschanzt. Jack wagt sich nur zu gelegentlichen „Einkaufsausflügen“ in den Supermarkt der nächsten Stadt, um neue Konserven zu bunkern, heraus und verbietet Tochter Lu nicht nur den Umgang mit Patrick, sondern generell das Verlassen des Hauses. Patrick spielt indes haarigen Waldschrat und geht mit Skimobil und Hund auf die Jagd nach Hirschen und ähnlichem Getier, das er sich auf den Grill haut und anschließend depressiv sein Funkgerät zulabert. Mit viel gutem Zureden gelingt es Lu, Jack zu überreden, Patrick zu einer Geburtstagsfeier einzuladen. Tatsächlich scheinen die Herrschaften gewillt, die alte Feindschaft zu überwinden (die daraus resultiert, dass Patrick nach Jacks Meinung Emmas Tod verursacht hat), doch noch ehe der Abend vorbei ist, hat Jack wieder genügend Gründe gefunden, Patrick zu hassen und vor die Tür zu setzen. Dabei wäre gerade jetzt gemeinsames Handeln nötig, denn die Zombies sind wieder da, haben sich der neuen kalten Umgebung angepasst und greifen die Überlebenden wieder an. Patrick wird vom wilden Zombie gebissen, doch stellt sich heraus, dass mit der neuen Evolutionsstufe der Untoten keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. Dennoch – aufgrund der neuen Bedrohung dringt selbst bei Jack der Gedanke durch, dass Harmony nicht mehr sicher ist…

Kritik: Wieder einmal erweckt ein Trailer den nicht ganz richtigen Eindruck… das Vorschaufilmchen für „Extinction“ verspricht adrenalingetränkte Zombieaction, doch was Miguel Angel Vivas („Kidnapped“) abliefert, ist dann doch eher ein Drama, das seine Action-Einlagen sehr dosiert und geballt im durchaus intensiven Prolog der katastrophal verlaufenden Evakuierung der Bevölkerung von Harmony und dann wieder im Finale einsetzt. Dazwischen konzentriert sich Vivas auf die Dreierbeziehung zwischen Jack, Patrick und Lu, genauer gesagt, auf den Versuch Lus, zwischen den verfeindeten Erwachsenen zu vermitteln. Das ist manchmal etwas schwer verdaulich aufgrund Lus Altklugheit, aber genau so oft auch – aufgrund Quinn McColgans sehr guter Performance in der kinderrolle – trocken humorvoll.

So gesehen ist „Extinction“ das bessere Zombie-Familiendrama als „Maggie“, sofern man die drei Protagonisten als eine dysfunktionale Zwei-Väter-Familie ansieht (wobei es hier keineswegs um LGBT-Themen geht. Beide Protagonisten sind strikt hetero. Die Gay-Variante wäre aber auch mal ein interessantes Thema…). Auch die leisen dramatischen Momente funktionieren recht gut – wenn Patrick, von der Jagd heimgekehrt, vor seinem Funkgerät sitzt, verzweifelt versucht, andere Überlebende ans Rohr zu bekommen oder classic rock in den Äther pustet, ist das durchaus bewegend; ebenso, wie man mit Jack mitfühlen kann, wenn der für Lu eine Geburtstagsfeier und ein stark emotional belastetes emotionales Geschenk vorbereitet, aber bei der Übergabe dann durch Patrick ausgestochen wird, der „Happy Birthday“ über die Außenlautsprecher plärren lässt.

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Allerdings sind 110 Minuten für den letztendlich dann doch nicht sonderlich gewichtigen Plot schon eine gewaltige Strecke, und zwischendurch geht „Extinction“ schon mal die Puste aus, muss sich irgendwelche Kniffe einfallen lassen, um die Beziehung von Jack und Patrick wieder auf „Erzfeinde“ zu stellen, weil’s für’s Finale nach Vivas Meinung noch zu früh ist – und bevor das eigentliche Finale eingeläutet wird, muss Vivas, wie seinerzeit auch Ridley Scott bei „I Am Legend“, für den Schlussakt einen neuen Charakter (auch hier Weibsvolk) aus dem Hut zaubern, damit der Plot einigermaßen in Bewegung bleibt und eine neue Dynamik eingeführt wird, an der sich Jack und Patrick reiben können.

Die handwerkliche Seite ist untadelig – allein schon der Winter-Look hebt „Extinction“ wohltuend von den meisten anderen Genre-Konkurrenten ab (auch wenn, wie gesagt, das Dauer-Winter-Setting nie wirklich begründet wird und letztlich auch nicht von existentieller Bedeutung für den Plot ist. Vivas inszeniert die Nummer sehr souverän, hat ein Auge für das ein oder andere schöne Bild und versteht es auch, wenn die Action ins Spiel kommt, die ziemlich fetzig und splattrig zu gestalten.

Matthew Fox („Lost“) überzeugt schauspielerisch kurioserweise mehr, sofern er noch seinen Rübezahl-Look pflegt – sobald Bart und Mähne ab ist, ist seltsamerweise von seinem in „Lost“ durchaus sichtbarem Charisma nicht mehr viel übrig. Jeffrey Donovan („Burn Notice“) macht aus seinem „ich-bin-gegen-alles“-Charakter mehr als erwartet, eine Überraschung ist Quinn McColgan („Non-Stop“). Ich bin bekanntermaßen von Kinderdarstellern immer sehr schwer zu überzeugen, aber McColgan bringt das sowohl in ihren dramatischen als auch lustigeren Momenten auf den Punkt.

Toter Hund? Jep.

Fazit: Ein ingesamt eher ruhiges Zombie-Drama mit uniquem Look und Actionspitzen zum Auftakt und zum Finale, ordentlich, wenn auch nicht überragend gespielt und mit der ein oder anderen Länge im Mittelpart. Kuckbar, aber kein Highlight. 6/10

Doc Acula

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17
August 2015

FFF 2015: Tales of Halloween

Tales of Halloween

227577USA 2015

REGIE & DREHBUCH

Darren Lynn Bousman, Axelle Carolyn, Adam Gierasch, Andrew Kasch, Neil Marshall, Lucky McKee, Mike Mendez, Dave Parker, Ryan Schifrin, John Skipp, Paul Solet

DARSTELLER

Barbara Crampton, Joe Dante, John Landis, Stuart Gordon, Adam Green, Pollyanna McIntosh, u.v.m.

Story: Zehn Kurzgeschichten, die alle in der selben Stadt in der selben Nacht spielen. Ein Junge wird unversehens zum Gefährten des Teufels. Eine alte Legende braucht Schokolade. Eine Hexe will ein Kind – um jeden Preis. Zwei Nachbarn streiten sich um die angemessene Halloween-Dekoration. Eine Entführung geht gründlich schief. Eine Gang sieht sich mit einem Rachegeist konfrontiert. Dreh dich nicht um, wenn dir deine Augen lieb sind. Kleine Kinder zeigen perversen Erwachsenen, was eine Harke ist. Auch Aliens wollen Süßkram. Ein mutierter Kürbis macht die Straßen unsicher.

Kritik: Ich könnte es mir an dieser Stelle einfach machen – lest einfach meinen fast sechs Jahre alten Review zu letzten Sammlung an Halloween-Horrorgeschichten, „Trick’r’Treat“. Die Stärken wie die Schwächen sind derart analog, dass man meinen alten Text einfach übernehmen könnte.

Weil ich aber kein Content-Recycler bin, formuliere ich es noch mal frisch aus. „Tales of Halloween“ erzählt im EC Comics-Stil zehn mehr oder weniger gruselige, mehr oder weniger brutale, mehr oder weniger ironische Geschichten. Da werden viele Köpfe mit Äxten gespalten, viel rumgeschrien, und zerstückelte Leichen starren aus toten Augen zur Decke. Nicht immer sind es die Bösen, die ihr Fett weg bekommen – und ein ums andere Mal endet eine Geschichte mit genau der „Pointe“, die wir von der ersten Sekunde haben kommen sehen.

Wie viele Anthologien hat „Tales of Halloween“ seine High- und Lowlights, setzt hübsche Miniaturen neben Wegwerf-Plots, die man schon vergessen hat, wenn der Nachspann läuft. Die Schauspieler üben sich primär im angemessenen Grimassenschneiden, die Kamera besäuft sich an Primärfarben und spielbergschem Vorstadt-Idyll. Ein Film, dessen Vorstellung von Suspense BUH!!! lautet.

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Zumindest als Altnerd hat man die Möglichkeit, sich mit Cameo-Spotting über die Zeit zu retten, denn wahrlich: Hier wurde im Seniorenheim des Horrorgenres gecastet. Es wäre Spielverderberei, zu viele der Namen zu nennen, es lohnt womöglich sogar ein „drinking game“ nach dem Motto „Den kennen wir aus…!“…

Das ist alles launig auf pubertäre Art, nimmt sich nicht ausreichend ernst, um peinlich zu sein – aber eben auch nicht ausreichend ernst, um jemals wirklichen Zug zu entwickeln. Ein McDonalds-Menü an Gruselsnacks, über die man sich nicht mehr Gedanken machen sollte, als es die Beteiligten getan haben.

Letztlich nicht der neue „Creepshow“, aber wenn man sich den noch mal ansieht – nicht mal der alte „Creepshow“ taugt mehr zum neuen „Creepshow“…

Fazit: Ein qualitativ sehr variierendes Zehnerpack an Halloween-Geschichten, das sich mit ein paar gelungenen Einfällen immer wieder über Durststrecken hinweg rettet. Für sich genommen 5/10, an Halloween mit Freunden 6/10, mit Cameo-Spotter-Bonus sogar 7/10.

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17
August 2015

FFF 2015: Reality

Reality

R-alit-2014-Quentin-Dupieux-v2-poster-450Frankreich, Belgien, USA 2014

REGIE
Quentin Dupieux

DARSTELLER

Alain Chabat, Jonathan Lambert, Élodie Bouchez, Kyla Kenedy, Eric Wareheim, John Glover, Lola Delon, Matt Battaglia

Offizielle Synopsis: Ein bärtiger Mann sucht wie besessen nach dem ultimativen Todesschrei. Ein anderer Mann in Frauenkleidern bringt Rentnern keine Blumen. Ein Kochshow-Moderator im Biberfell-Kostüm leidet unter chronischem Juckreiz. Telekinetische Röhrenfernseher töten. Und ein kleines Mädchen namens Reality findet eine Videokassette in den Gedärmen eines Wildschweins …

Kritik: Das wird eine Premiere – ich werde einen Gastreview zulassen, nicht weil er meine Meinung repräsentiert, sonder weil er mir widerspricht. In den nächsten Tagen bekommt ihr noch die Kritik von Doc Acula serviert, der „Reality“ ganz dufte fand.

Machen wir uns nichts vor: Ich und Dupieux, da wird keine große Liebe mehr draus. Von vielen Filmfans kultig verehrt, laufen die Streifen des Avantgarde-Regisseurs immer wieder beim FFF – und komplett an mir vorbei. „Rubber“, „Wrong“, „Wrong Cops“, das sind für mich keine Filme, sondern dramaturgische Fingerübungen, akademisch-kalte Konzeptpuzzle, die mit Erzählebenen spielen, ohne etwas erzählen zu wollen. Erzähltalent ohne Erzähldrang. Cola light und koffeinfrei.

Ich kann „Reality“ zumindest zugestehen, dass er für mich der beste Dupieux-Film ist, auch wenn das in diesem Fall ein sehr begrenztes Lob ist. Der Film ist hervorragend darin, seine Figuren und Plots nicht nur parallel zu erzählen, sondern auch innerhalb der Wirklichkeitsebenen zu verschachteln. Figuren aus einem Film treffen Figuren einer empfundenen Realität, die aber auch ein Traum sein könnte, der wiederum Zeitschleifen zulässt.

Weil sich das schwer erklären lässt, schildere ich einfach mal eine exemplarische Szene: Da sieht ein Möchtegern-Regisseur im Kino genau den Film, an dem er gerade arbeitet und der noch gar nicht gedreht wurde. Er ruft entgeistert bei seinem Produzenten am, der ihm versichert, das sei gar kein Problem – weil der Regisseur gerade bei ihm im Büro sitze und ihn versichere, dass das alles nur ein Traum sei.

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So geht das 95 Minuten lang. Figuren folgen einander in die eigentlich verschlossenen Territorien, führen jeden Continuity und damit die Realität selbst ad absurdum. Alles sind Schleifen, Loops ohne Anfang und Ende, die keine Selbsterkenntnis und keinen Ausbruch erlauben.

Das ist natürlich auch wieder ohne Sinn, aber mit Verstand, wie bei Dupieux üblich. Weder gibt es übergreifende Themen, noch eine Message oder gar eine nachvollziehbare Charakterentwicklung. Es passiert, was passiert, und irgendwann ist dann Nachspann. Aber im Gegensatz zu z.B. „Wrong Cops“, der sich in halbgarem Slapstick erging, ist „Reality“ deutlich stimmiger und über die gesamte Laufzeit unterhaltsam.

Dass Dupieux niemals den Versuch unternehmen wird, seine vergeistigten Projekte auch optisch ansprechend umzusetzen, damit habe ich mich mittlerweile abgefunden. Auch „Reality“ sieht mal wieder aus, als handle es sich um den unterbudgetierten TV-Film eines regionalen kanadischen Senders.

Fazit: Wer Dupieux mag, für den ist „Reality“ sicher ein neues Highlight im Oeuvre des Regisseur. Wer – wie ich – das alles für hippen und selbstverliebten Budenzauber hält, wird von diesem Film auch nicht bekehrt, aber zumindest solide unterhalten. Gnädige 6/10.

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17
August 2015

FFF 2015: Bite

Bite

bite_ver2_xlgKanada 2015

REGIE

Chad Archibald

DARSTELLER

Elma Begovic, Annette Wozniak, Jordan Gray

Offizielle Synopsis: Wenn die eigene Hochzeit bevorsteht, muss man sich mit den ganz großen Fragen beschäftigen: Ist mein Zukünftiger wirklich der Partner fürs Leben? Habe ich auch das richtige Kleid gekauft? Und: Verwandle ich mich etwa bald in ein mordendes Rieseninsekt? Gerade die letzte Frage macht Casey Sorgen. Bei ihrem Junggesellinnenabschied hat sie gleich zwei Fehler begangen: Angetrunken etwas zu heftig mit einem Fremden geflirtet und sich beim Baden im Teich einen folgenschweren Biss geholt. Wieder daheim folgen Infektion, eklige Eiterblasen – die ausgerechnet beim Sex aufplatzen – und bisher unbekannte Instinkte.

Kritik: Glück gehabt – die ersten 10 Minuten dachten der Doc und ich, es mit einem Found Footage-Filme zu tun zu haben. Die Welle ebbt anscheinend ab, auf diesem Festival war kaum was aus dem extrem nervigen Subgenre zu sehen. Auch hier entpuppt sich die Wackelkamera nicht als alleiniges Stilmittel – es ist nur der Prolog, der so erzählt wird.

Danach wird der Film klaustrophobischer, intimer, irrealer – Casey zieht sich in ihr Apartment zurück, während das, was ihren Körper infiziert hat, sie in die unfreiwillige Mutterrolle zwingt. Der Verlobte, die Freunde werden zu Störfaktoren, denen Casey zunehmend aggressiv begegnet. Sie, die nie Kinder wollte, wird zum ultimativen Muttertier einer gar schröcklich-schleimigen Brut.

Tjaha, da merkt auch der Laie: Chad Archibald ist ein Fan seines Landsmanns David Cronenberg, liebt wohl „Die Fliege“ genau so wie „Die Brut“, thematisiert „new flesh“, feiert „body transformation“. Casey lernt, den Ekel zu überwinden, den allgegenwärtigen Schleim und ihren eigenen Laich zärtlich zu begreifen.

FANTASIA2015BITE

Der Haken an der Sache: Archibald ist nicht Cronenberg, seine Story folgt keiner kohärenten, transgressiven Weltsicht. Er schaut nur oberflächlich die Themen ab und prügelt sie wenig stimmig in einen B-Horror, der eher durch die schiere Menge seiner Widerlichkeiten als durch die erzeugte Empathie für das Abseitige schockieren möchte. Cronenberg hat den Ekel immer nur als Werkzeug eingesetzt, konnte deshalb auch auf ihn – wie in „Dead Ringers“ – verzichten, ohne an erzählerischer Potenz zu verlieren. Bei Archibald ist der Ekel Selbstzweck, weil sonst wenig geboten wird.

Selbst wenn man akzeptiert, dass man es hier „nur“ mit besonders schleimgeilem Creature-Horror zu tun hat, windet man sich angesichts der Spackigkeit der Personen im Sitz. Alle fünf Minuten müsste die Story ihr Ende finden, wenn nicht alle Charaktere völlig unglaubwürdig konstruiert wären und sich ebenso verhalten würden.

Zuerst einmal soll der Zuschauer schlucken, dass Casey, ihr Verlobter und seine Mutter in einem Mietshaus leben – in getrennten Wohnungen. Dass Casey und ihr Verlobter keinen Sex haben und die Nächte getrennt verbringen, weil die Mutter das so will. Dass Casey nicht zum Arzt geht, als sie faustgroße schleimige Pusteln am Bein entwickelt. Dass ihr Verlobter, der das mitbekommt, sie nicht ins nächste Hospital scheucht. Dass der Verlobte nicht merkt, dass seine Mutter irgendwann verschwunden ist. Dass der Verlobte nicht in Casey Apartment eindringt, obwohl daraus entsetzlicher Geruch wabert und er den Schlüssel hat. Dass der Verlobte und Caseys nuttige Freundin mal eben im Auto ficken – und sich dabei auch noch komplett ausziehen. Dass diverse Leute Apartments betreten, die total zugeschleimt und mit seltsamen Netzen und Membranen vollgepropft sind, ohne schreiend auf dem Absatz umzudrehen. Etc. pp.

Das alles ist so völlig hanebüchen, dass viele Zuschauer an Stellen kicherten, an denen die atmosphärische Kameraarbeit und die beeindruckende Ausstattung durchaus ihre Wirkung hätten entfalten können.

Fazit: Ein Möchtegern-Cronenberg, dessen intensive und durchaus gelungene Ekel-Schleimszenen von einem strunzdummen Skript torpediert werden, in dem alle Figuren sich so unrealistisch wie dümmstmöglich verhalten. Weil’s den Gorehound trotzdem fröhlich stimmt, kommt „Bite“ noch mit 5/10 davon.

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17
August 2015

FFF 2015: Office

Office

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REGIE

Won-Chan Hong

DARSTELLER

Eui-Sung Kim, Sung-Woo Bae, Ah-Sung Ko, Sung-Woong Park

Offizielle Synopsis: Es war ein langer Arbeitstag in Seoul. Als Verkaufsmanager Kim heimkehrt, schlägt er mit einem Hammer seine Frau, seine Mutter und Sohn tot. Die Tragödie entsetzt alle Mitarbeiter, die am nächsten Morgen auf ihrer Büroetage von Kommissar Choi befragt werden. Empört stellen sie den Mörder als Psychopathen hin. Nur die Praktikantin Lee, die in dem geschäftigen Büro wie eine Sklavin behandelt wird, weiß es besser: Kim war der einzig nette Vorgesetzte in einem Laden voll giftiger Schlangen. Doch die Bosse verbieten ihr den Mund und behindern die Ermittlungen – der Ruf ihrer Firma geht für sie über Menschenleben. Deshalb merkt auch keiner, dass der verschwundene Kim sich im Gebäude versteckt hat und seine ehemaligen Kollegen wie ein Geist heimsucht.

Kritik: Mittlerweile kennt ihr das – ich beschwere mich gerne darüber, dass Filme mittlerweile von Haus aus einen hohen technischen und inszenatorischen Standard mitbringen, bei den Ideen und den Drehbüchern oft aber durchhängen. „The Office“ ist da anders. Das Problem ist nicht die depperte Grundidee. Das Problem ist, dass der Film sich sehr schnell entscheidet, eine an und für sich entzückende Grundidee ruckzuck aus dem Fenster zu schmeißen.

Consider this: Eine Bürodrohne im so grauen wie grausamen Office-Alltag der koreanischen Hauptstadt dreht durch, massakriert seine Familie und verschwindet. Die Polizei sucht ihn, die Ex-Kollegen fürchten ihn – und es mehren sich die Zeichen, dass sich der Rächer mit der Papierschere und dem Tacker irgendwo in den endlosen Fluren und Treppenhäusern der Firma herum treibt. Das klingt nach einem ziemlich geilen „Phantom of the Opera“-Update (gab es in Gestalt von „Phantom of the Mall“ ja auch schon).

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Eine halbe Stunde lang lässt uns Regisseur Won-Chan Hong auch glauben, dass er diesen Film erzählen will. Kim ist das Phantom, Lee ist seine Christine, es gibt den Kommissar und die neue Büromaus, die Lee den Platz streitig macht und dadurch auf der Abschussliste des Phantoms landet.

Und dann – ist Schluss mit lustig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Statt Suspense und Scares gibt es endlose gezischte Diskussionen über Feindseligkeiten unter Kollegen, über Quartalsberichte und Personalprobleme. Man giftet sich an, Lee heult auf dem Klo, es wird im Treppenhaus geraucht. Am Ende ist der Täter (soviel darf verraten werden) doch nicht so offensichtlich, wie es scheint – aber damit auch nicht plausibel. Und der eigentliche Plot wird in einer Wegwerf-Szene im Finale abgehakt, als wäre er eine tote Ratte, die es zu entsorgen gälte.

Damit könnte ich leben – wenn die Konflikte der Karrieristen untereinander spannend wären, existentiell. Wie bei „Kill your friends“ oder wenigstens „Glengarry Glen Ross“. Aber das ist alles so grau in grau, so banal, so mickrig. Ich habe bei ProSieben seinerzeit potentere Machtkämpfe um Firmenparkplätze erlebt. Will ich 110 Minuten lang sehen, wie eine Praktikantin auf eine Festanstellung hofft? Eher nicht.

„Office“ ist einer der Filme, die ich gerne neu für den deutschen Markt umsetzen würde – um eine halbe Stunde gekürzt und mit dem Fokus auf der eigentlichen Grundidee, dass ein geschundener Bürodackel durchdreht und zum Rächer zwischen Kopiergerät und Ablage wird.

Fazit: Eine faszinierende Grundidee für einen „Phantom of the office“-Thriller, die allerdings schon nach 20 Minute für elend langweilige Büro-Zwistigkeiten aufgegeben wird und sich nur müde zum Nachspann schleppt. Wo ist Michael Scott, wenn man ihn braucht? 3/10.

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17
August 2015

Fantasy Filmfest 2015 raw (5)

Ladies & Gentlemen – ich bin raus! Back to Speyer, back to Baden Baden. In den nächsten Tagen kommen noch haufenweise Reviews und mein endgültiger „survival guide“ für Festival-Fans. Das war es dann für 2015. Aber die Fantasy Filmfest Nights 2016 und das Fantasy Filmfest 2016 sind ja nicht mehr sooo lange hin. Die entsprechenden Städte können sich schon mal bei mir bewerben…

Nächstes Jahr würde ich die Sache mit den Vlogs gerne etwas professioneller angehen. Dieses Jahr hat immerhin bewiesen, dass es theoretisch geht. Es bleibt natürlich das Problem der Balance – eine aufwändigere Erstellung und Bearbeitung der Videos darf nicht dazu führen, dass ich für die Filme oder die geschriebenen Reviews keine Zeit mehr habe. Im Idealfall müssen Location und Technik perfekt vorbereitet sein und die Beiträge werden nur noch in das entsprechende Framework gesetzt und autark hochgeladen. Ich mache mich da mal schlau.

Ich möchte mich zuerst mal bei Doc Acula bedanken, mit dem ein Kinobesuch einfach mehr Spaß macht als mit einem Pfund Popcorn. Großes Amüsemeng, wie man bei uns daheim immer sagte. Ich rechne es ihm auch hoch an, dass ich ihn zwischendrin für fünf Tage einfach sitzen gelassen habe und er es mit Fassung getragen hat.

Der zweite Dank geht AUCH an Doc Acula – für seine tollen Gastreviews. Und an Marcus Heine, dessen Gastreviews noch kommen werden. Die beiden treuen Seelen erlauben mir, die Filme hier auf dem Blog umfangreich abzudecken, auch wenn ich selber nicht immer im Kino sitzen konnte. Ihrem Urteil könnt ihr vertrauen –  es sei denn, es geht um Ti West oder Quentin Dupieux. Da hat Acula einfach eine Schraube locker.

Und hier noch ein angemessenes Vlog über unsere ganz persönliche Festivalgeschichte mit entsprechender Eigenwerbung – unscharf und ich weiß nicht wieso:

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16
August 2015

Fantasy Filmfest 2015 raw (4): Dilemma deutscher Film

Man freut sich, weil viele deutsche Produktionen auf dem FFF laufen – und ärgert sich, weil sie meistens schlecht sind. Warum ist das so? Antworten haben wir auch nicht. Aber Meinungen.

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16
August 2015

FFF 2015: Rabid Dogs

Rabid Dogs

Frankreich/Kanada 2015

REGIE

Éric Hannezo

DARSTELLER

Lambert Wilson, Guillaume Gouix, Virginie Ledoyen, Franck Gastambide, François Arnaud, Laurent Lucas

Offizielle Synopsis: Diese Geschichte von drei Unschuldigen, die von einer Gruppe Bankräuber nach einem vereitelten Bankraub als Geiseln genommen werden, ist buchstäblich eine Fahrt auf dem Highway to Hell! Nach dem todesbedingten Ausscheiden ihres Anführers verlieren die übrigen Gangster Verstand und Vernunft. Sie nehmen eine Frau gefangen und halten wenig später noch einen Mann in seinem Auto an, um den Fluchtwagen zu wechseln. Der Haken: Auf dem Hintersitz schläft die schwer unter Medikamenten stehende Tochter des Mannes, mit der er sich auf den Weg zu einer lebensnotwendigen Organtransplantation befindet. Zu der ohnehin angespannten Situation gesellt sich also noch eine tickende Uhr. Es geht in doppeltem Sinne um Leben und Tod. Eine Extremsituation führt in die Nächste, Loyalitäten wechseln, alles ist möglich und die Eskalation scheint unumgänglich.

Kritik: Mario Bavas „Rabid Dogs“ ist so etwas wie eine Legende – der Film wurde 1974 gedreht, aber nie fertig gestellt, weil der Investor ums Leben kam. Erst in den 90ern und dann wieder im neuen Jahrtausend sah er das Licht der Welt – und überraschte Fans des atmosphärischen Gruselfilmers als brutales, nihilistisches Roadmovie.

Warum die Kanadier und Franzosen sich nun an einer Neuverfilmung versuchen? Keine Ahnung. Jedenfalls hält sich „Rabid Dogs 2015“ inhaltlich recht genau an die Vorlage und die einzelnen Stationen von Bavas Film. Man hat die Technik ein wenig angepasst, die Locations in den französischsprachigen Teil Kanadas verlegt, ein paar kleiner Grobheiten geglättet, die Bavas mangelndem Budget geschuldet waren.

ENRAGÉS

Leider hat man diesen „Rabid dogs“ damit auch alle Zähne gezogen. In der Neuauflage ist die Inszenierung zu glatt, zu thriller-esk, um echtes Sleaze-Feeling aufkommen zu lassen. Um der Vermarktbarkeit willen hat man die brutaleren Elemente rausgestrichen, weder die Urin-Szene noch diverse versuchte Vergewaltigungen haben es in das Remake geschafft.

Die Glättung des Stoffes setzt sich bei den Figuren fort: Im Versuch, sie plausibel und mit eigenen wants/needs zu zeichnen, sind sie zwar plastischer als bei Bava, aber längst nicht mehr so anarchisch unberechenbar und beängstigend. Selbst der Psychopath der Truppe ist bestenfalls ein wenig durchgeknallt. Mit solchen Charakteren kann man Spannung bauen, echten Terror wie bei Bava allerdings nicht.

So bleibe ich gespalten zurück: Für sich genommen kann man „Rabid Dogs 2015“ nichts vorwerfen. Es ist ein solider Thriller mit sehr guten Darstellern und einem hübschen Twist-Ende. Aber wenn man reingeht, weil mal eine moderne Aufarbeitung eines knochenharten Italo-Sleazers sehen will, dürfte man enttäuscht sein.

Fazit: Als Hostage-Roadmovie kompetent und gut gespielt – als Remake des Bava-Films eindeutig zu zahm und zahnlos. Gerade noch 7/10.

Hier ein Blick ins Original:

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Und hier das Remake:

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16
August 2015

FFF 2015: Hellions

Hellions

Beauty, Power and GraceKanada 2015

REGIE

Bruce McDonald

DARSTELLER

Chloe Rose, Rossif Sutherland, Rachel Wilson, Peter DaCunha, Luke Bilyk, Robert Patrick

Offizielle Synopsis: Ausgerechnet zu Halloween erfährt die 17-jährige Dora von ihrer ungewollten Schwangerschaft. Abends, als sich die traditionsbewusste Kleinstadt zur schaurigsten Nacht des Jahres rüstet, wartet sie allein auf die Ankunft ihres Freundes. Statt dem jungen Liebhaber tauchen jedoch seltsame Kinder an ihrer Tür auf. Während die Streiche der vermummten Rotzgören anfangs noch harmlos erscheinen, wird ihre radikale Präsenz bald zur unmittelbaren Bedrohung für Dora. Nichts scheint mehr mit rechten Dingen zuzugehen – ein geisterhaftes Licht taucht die Nacht in unnatürliche Farben, Menschen sterben, und Dora beginnt an ihrem Verstand zu zweifeln. Und draußen fordern die unheimlichen Kids weiter mit Nachdruck ihr ungeborenes Baby…

Kritik: Auf den hatte ich gesetzt, weil der Regisseur mich vor sechs Jahren mit dem preiswerten, aber sehr effektiven „Pontypool“ positiv überrascht hatte. Die Story von „Hellions“ klingt ja auch nicht schlecht: Kleine Dämonen fallen an Halloween über eine unvorsichtig schwanger gewordene Teenagerin her, um sich ihr ungeborenes Baby zu sichern.

Leider versucht McDonald, dieses knallharte Horrorkonzept ins Traumhafte, Künstlerische zu zerren, aus der recht konkreten „Will ich dieses Kind?“-Symbolik ein verquastes Stück über Entfremdung und Isolierung zu machen.

Zu diesem Zweck gibt „Hellions“ nach dem ersten Akt jeden strukturellen Ansatz auf, legt über alles einen Rosa-Filter und diverse Fehlfarben-Effekte und schneidet seine Schnipsel über- und nebeneinander, als ginge darum, so viele Funktionen der Editing-Software wie irgend möglich unterzubringen.

hellions

Es hilft nicht, dass die Darsteller sehr gut sind, dass einige der Bilder tatsächlich endzeitliche Potenz besitzen und dass die agile Kamera ein teilweise beunruhigendes Gefühl von Desorientierung erzeugt – weil nichts dahinter steckt. Letztlich ist das Hin- und Hergerenne in dem Haus, sind die wiederkehrenden Auftritte der kleinen Hellions nicht substanzieller als die repetitiven Wespen-Attacken in „Stung“.

Fazit: Ein verquaster, verkopfter und sich selbst erheblich zu wichtig nehmender Home Invasion-Streifen der trippigen Sorte, dessen Meta-Ebenen kaum zu entschlüsseln sind und dessen aggressive Willkürlichkeit schnell nervt. Wegen ein paar effektiver Bilder gerade noch 3/10.

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16
August 2015

FFF 2015: Therapie für einen Vampir

Therapie für einen Vampir

therapie-fuer-einen-vampir-posterÖsterreich/Schweiz 2014

REGIE

David Rühm

DARSTELLER

Tobias Moretti, David Bennent, Jeanette Hain, Cornelia Ivancan, Dominic Oley

Offizielle Synopsis: Das ewige Leben ist nicht für jeden. Nach Jahrhunderten der Finsternis ist dem ehrwürdigen Graf Geza von Köznöm ein bisschen die Lust am Leben beziehungsweise Tod vergangen. Als waschechter Vampir hat er schließlich schon alles gesehen und erlebt. Nichts gibt es mehr in der Welt, für das er sich begeistern kann. Das Speisen ist ihm fad und seine Ehe kriselt auch schon seit einer Ewigkeit. Kein Wunder, dass ihm da der Biss abhandengekommen ist. Glücklicherweise jedoch praktiziert im Wien der 30er-Jahre der berühmte Psychoanalytiker Sigmund Freud. Auf dessen Couch lässt sich der Graf fortan Nacht für Nacht therapieren, berichtet von der anstrengenden Jagd der Gräfin nach ihrem Spiegelbild und seiner wahren Liebe, der längst verstorbenen Nadila. Als er die geköpfte Schönheit auf einem Portrait der jungen Kellnerin Lucy wiederzuerkennen glaubt, erfüllt ihn plötzlich ein längst vergessenes Verlangen.

Kritik: Es ist schon ein wenig beschämend, wenn die Ehrenrettung des deutschen Films auf diesem Festival aus Österreich kommt. „Therapie für einen Vampir“ (aka „Der Vampir auf der Couch“) mag zwar nicht der große Wurf sein, auf den das deutschsprachige Genrekino seit Jahren wartet, aber wenigstens gelingt ihm, was er sich vornimmt, und man muss ihn nicht wie ein behindertes Kind nur für die Teilnahme loben und mit einer selbst gemalten Papier-Medaille neben das Siegerpodest stellen.

Das mag daran liegen, dass Regisseur Rühm kein Anfänger ist, sondern ein alter Hase, der schon seit den 80ern dreht und viel Werbung gemacht hat. Er hat nicht (wie er in Berlin auch betonte) den Drang, als Genre-Filmemacher Sam Raimi und John Carpenter nachzueifern. Er ist ein Geschichtenerzähler, dem es mehr um Figuren und ihre Verwicklungen als um Spezialeffekte und Schocks geht.

Das Wien der frühen 30er baut „Therapie für einen Vampir“ bezaubernd klein, artifiziell, aber doch stimmig nach, im Kostüm- und Requisitenfundus hat man sich augenscheinlich üppig bedienen können. Schon dieser ungewöhnliche Background hebt „Therapie“ aus der Masse, gibt den Figuren Spielraum für Wiener Schmäh, verblasste KuK-Herrlichkeit, Schnitzel und Burschenschafter. Die Müdigkeit des Grafen ist die Müdigkeit der Aristokratie, der es nicht gelingt, in der Moderne anzukommen.

therapie-fuer-einen-vampir-04

Auch bei den Dialogen, den kleinen Gags und der visuellen Eleganz in den Bewegungen der Nachtwesen beweist Rühm eine sichere Hand. Morettis Graf, wenn auch dem Slapstick nicht abgeneigt, bewegt sich mit erstaunlicher Souveränität und Räumlichkeit. Jeanette Hain als Vampirgräfin versteht es trefflich, die verführerischen, fließenden Bewegungen einer „femme fatale“ einzusetzen, auch wenn die Strahlkraft ihrer Jugend schon vergangen ist.

All das sollte reichen, „Therapie für einen Vampir“ zu einer Art europäischen Antwort auf „What we do in the Shadows“ zu machen. Doch leider reicht es dafür dann doch nicht. Rühm baut seinen Stoff und seine Figuren zu leicht, die ganze Handlung ist ein „Tür auf, Tür zu“-Geplänkel im Stil des Boulevardtheaters. Vier Figuren in verschiedenen Konstellationen, ein bisschen Irrungen und Wirrungen – echtes Drama oder eine Steigerung der Spannungskurve bleiben außen vor. Der Film nimmt sich selbst zu gemütlich.

Und wo keine Spannung ist, wo der zentrale Konflikt fehlt, da ist auch kein wirkliches Finale zu erwarten. „Therapie für einen Vampir“ endet eher entspannt wie nach einem letzten Glaserl Wein, statt auf die Pauke zu hauen. Kann man machen, darf man aber kein Trinkgeld für erwarten.

Und schließlich: Der drollige Aufhänger, dass sich der Vampir beim großen Psychiater auf die Couch legt, wird nach einer Viertelstunde fallen gelassen, die Figur Freuds gerät in den Hintergrund. Da fühlt man sich als Zuschauer ein wenig vorgeführt.

Aber ich will gar nicht sehr meckern. Die Darsteller sind großartig, die Ausstattung ist es auch, viele der Gags und Dialoge sitzen – vielleicht sollten wir Wohl und Wehe des deutschen Genrefilms nicht beim Nachwuchs suchen, nicht bei den Amateuren, sondern bei den erfahrenen Veteranen wie Rühm, die im Zweifelsfall den Grusel so gut bedienen können wie den Krimi oder die Familiengeschichte. Wenn’s Ergebnis stimmt…

Fazit: Charmante kleine Komödie über die Beziehungswirren von Vampiren und jungen Menschen im Wien der 30er Jahre. Letztlich ein wenig anämisch in Sachen wirklicher Story und Drama, punktet die Produktion mit Fleiß in Sachen Ausstattung, Tricks und Besetzung. Dafür auch mal 8/10.

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16
August 2015

FFF 2015: Frankenstein

Frankenstein

frUSA, Deutschland 2015

REGIE

Bernard Rose

DARSTELLER

Xavier Samuel, Carrie-Anne Moss, Danny Huston, Jerry Ying, Maya Erskine, Mckenna Grace, Tony Todd

Offizielle Synopsis: Frankenstein erwacht als hübscher junger Mann in einem geheimen Hightech-Labor, erschaffen von zwei Wissenschaftlern, die sich sofort rührend um ihr neues „Baby“ kümmern. Allerdings kriegt das Wunder der Natur nach kurzer Zeit Eiterbeulen, so dass sich das Team gezwungen sieht, ihn wieder einzuschläfern. Nur entpuppt sich ihre Kreatur als überraschend untötbar und ziemlich angepisst. Bald stapeln Leichen ihren Weg. Dabei sucht das Monster, das seinen Namen mittlerweile auch optisch wirkungsvoll verkörpert, doch nur eins: Seine Mama und Liebe.

Kritik: Gut, die Veröffentlichung des Romans „Frankenstein“ jährt sich zum 200sten Mal, da ist es nicht verwunderlich, dass mehrere Adaptionen des Stoffes in Arbeit sind und auf den Markt drängeln. Ich habe auch kein Problem damit, dass sich Bernard Rose, ein Regisseur mit eher eklektischer Filmographie (Paperhouse, Candyman, Ludwig van B., Der Teufelsgeiger) mal dran versuchen möchte.

Es ist sogar und selbstverständlich legitim, „Frankenstein“ in die Gegenwart zu hieven und Technik und Thematik zu modernisieren. Genau genommen ist Frankenstein nämlich kein Horror, sondern Science Fiction – eine der ersten auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende „Mad Scientist“-Geschichte. So etwas profitiert von eine Anpassung an moderne Entwicklungen.

Darum: Lasst die Kreatur ruhig in LA aus dem 3D-Drucker kommen. Lasst sie kein Stückwerk aus Leichenteilen sein, sondern eine leere Leinwand, ein in den vollständig erwachsenen Körper transplantiertes Bewusstsein eines sprach- und erfahrungslosen Babys. Kann man machen. Geht. More power to you, Mr. Rose.

Nur leider geht es SO nicht. „Frankenstein“ ist die lexikalische Definition nicht etwa von „schlecht“, sondern von „fehlgeleitet“. Man ahnt ständig, was Regisseur/Autor Rose sagen möchte, welche Empfindungen er wecken möchte, was Message und Moral des Films nicht – aber das Geschehen auf der Leinwand erweist sich als unfähig, das zu transportieren.

Natürlich sollen wir mit dem Monster Mitleid haben, durch seine Augen die kalte und brutale Welt erstmals erleben, schockiert sein von Gewalt und Indifferenz. Leider müssten wir uns dazu mit der bis ins Exzess überspielten Gestalt identifizieren können oder zumindest empathisch sein. Das gelingt an keiner Stelle. Rose‘ Monster ist eine Leerstelle, ein torkelnder Knochenbrecher, heulend und wütend, unfähig, sich selbst oder andere zu verstehen. Zwischen ihm und uns steht eine unüberbrückbare Mauer.

Mühsam versucht eine Off-Stimme, das Problem aufzufangen, wenn ein (so dürfen wir vermuten) älteres und gereiftes Monster die eigenen Erlebnisse begleitend kommentiert. Das macht nur leider keinen Sinn, weil das Monster im Finale, immer noch kaum artikulationsfähig und ohne Erkenntnisgewinn, stirbt. Die Erzählerstimme ist demnach Fake.

FRANKENSTEIN-First-LookEs ehrt den Film, wenn es ihm auch nicht hilft, dass Rose immer wieder Schlüsselszenen aus dem Roman und der klassischen Whale-Verfilmung einstrickt. Es erinnert uns nur daran, wie viel besser Andere den Stoff bereits beackert haben.

Über den Low Budget-Amoklauf des Monsters hinaus müht sich „Frankenstein“ nicht, eine größere Geschichte oder einen nennenswerten Kreis von Figuren zu erzählen. Die Wissenschaftler, die Frankenstein erschaffen haben, werden analog zu seiner kindlichen Natur als Eltern dargestellt, sollen wohl für die zunehmende Entfremdung der Generation stehen, vielleicht auch für die emotionale Kälte einer „in vitro“-Gesellschaft, aber das kann nur erahnt werden, weil Rose sich nicht die Mühe macht, es auszuerzählen.

Bonus-Mitleidspunkt noch für die vermutlich dem geringen Budget geschuldete Erkenntnis, dass es in ganz LA gerade mal einen Cop gibt, der immer wieder auftaucht und wie eine Parodie von Bill Paxton wirkt.

Schade drum. „Frankenstein“ ist – als Film mehr noch als als Figur – eine kernlose Gestalt, ein wütender Golem, ohne Richtung, ohne Erkenntnis. Das Mitleid, das man für das Monster haben soll, wird kanalisiert in das Mitleid für diese geschundene Produktion, die man lange vor dem Ablauf der 90 Minuten von ihrem Schicksal erlösen möchte. Holt die Fackeln und die Mistgabeln – wir stürmen den Projektorraum!

Fazit: Ein im Ansatz ehrenvolles, aber in der Ausführung katastrophal fehlgeleitetes Update der klassischen Geschichte, dem es in keiner Sekunde gelingt, den Zuschauer für die armselige Kreatur einzunehmen. Bedauerliche 2/10.

Kein echter Trailer vorhanden, das hier muss leider reichen:

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16
August 2015

FFF 2015: Deathgasm

Deathgasm

Deathgasm-poster-580x870Neuseeland 2015

REGIE
Jason Lei Howden

DARSTELLER

Milo Cawthorne, James Blake, Kimberley Crossman, Stephen Ure

Offizielle Synopsis: Death to false Metal! Nach diesem Motto leben Brodie und Zakk im teufelsverlassenen Greypoint. Doch auch wenn die beiden Killernietenträger die erzchristliche Bevölkerung nur allzu gerne mit ihrer satanischen Musik provozieren – dass Greypoint zur wahrhaftigen Hölle wird, wollten die beiden dann doch nicht. Aber wer den letzten Song der bösesten Grunz-Band aller Zeiten in Lautstärke 11 nachspielt, darf sich nicht wundern, wenn plötzlich Blitze aus seiner Gitarre schießen und die Nachbarn zu blutrünstigen Maniacs mutieren. Die Brothers of Steel wissen sich ihrer tätowierten Haut jedoch zu erwehren. Mit Axt und Kettensäge!

Kritik: Nachdem letztes Jahr bereits „Metalhead“ begeistert aufgenommen wird, streichelt heuer „Deathgasm“ das ramponierte Ego der Freunde von Brüllkrach. Als launige Komödie mit viel handgemachtem Splatter für wenig Geld kann der Film dabei durchaus sehr hübsch unterhalten, aber es bleibt das komische Gefühl, dass es sich vielleicht doch um eine Mogelpackung handelt.

Was ich damit meine? Zuerst einmal entsprechen die Metalheads im Film einfach zu sehr den Klischees über nerdige Metalheads. Sozial unsicher, im Unterricht Logos und Dämonen kritzelnd, Blutsbruderschaft schließend, von der großen Karriere der eigenen Band träumend. So stelle auch ich mir das vor  und genau da hakt es. Würden Leute „aus der Szene“ nicht mehr darauf achten, ihre Protagonisten eben nicht als bestenfalls alberne, manchmal auch armselige Träumer darzustellen?

deathgasm-1

Die Liebesgeschichte von (funky cold) Medina und Brodie scheint mir auch etwas gezwungen – dass die hotte Highschool-Blondine auf den Metal-Nerd abfährt und dieser nicht lieber zu Bildern von Cristina Scabbia masturbiert, ist halt doch wieder den Mechanismen des Teenie-Horrors geschuldet, denen das Thema Metal nur als Hülle übergestülpt wird. Genau so gut könnten die Hauptcharaktere D&D-Fans, Videospieler oder passionierte BMX-Fahrer sein.

Hinzu kommt, dass einige Dialoge steif und unauthentisch klingen und sehr viele Gags auf Kosten unserer „Helden“ gehen. Da deutet auf eine Distanz zwischen den Machern und ihren Figuren, die in so einem Fall nicht ideal ist.

Da ich selber kein Fan dieser – nennen wir es der Einfachheit halber mal so – „Musik“ bin, muss ich mich an der Frage aber nicht weiter abarbeiten, sondern kann mich über die gelungenen Ideen, das genaue Zeitkolorit (der Film spielt unausgesprochen wohl in den späten 80ern) und die Sackladung Dämonensplatter freuen, die „Tanz der Teufel“ ebenso referenziert wie Hunderte schlechter Plattencover. Da wird nicht weg geblendet, wenn der Latexschaum bricht und das Kunstblut blubbert. Korrekt.

Fazit: Nicht sehr innovative, aber durchaus witzige Melange aus „Tanz der Teufel“ und „Dance of the Dead„, aus der echte Metalheads sicher noch mehr Saft ziehen werden. Perfektes Festivalfutter, darum in diesem Kontext 8/10.

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16
August 2015

Fantasy Filmfest raw (3): The Return of the Vlog

Weiter geht’s mit dem „proof of concept“ (ein ernsthaftes Projekt kann man das ja nicht nennen). Zwischen zwei Filmen in einer Pause von 15 Minuten raus rennen, Location suchen, Kamera aufbauen, Mikro anschließen, konzeptfrei drauf los plappern, das Material am Abend mit Vorspann versehen und über Nacht hochladen – geht. Nicht gut, nicht perfekt, nicht schön, aber geht. Das lässt für das nächste Jahr hoffen, wo ich die Filmerei deutlich professioneller angehen möchte:

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Danke an dieser Stelle auch an Andreas Eisele, der den tollen Vorspann auf Zuruf und superfix gebastelt hat. Geile Sache!

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