7
Juni 2015

„Datenpanne“ anno 1983: Geht auch ohne Google

Man mag es für eine seltsame Angewohnheit halten, aber immer mal wieder gebe ich die Namen obskurer Filmtitel bei Google ein und schaue, was passiert. Weil immer mal wieder obskure Filme doch noch auftauchen.

Heute ist es wieder passiert – ich bin auf „Datenpanne – das kann uns nie passieren“ gestoßen, ein „Fernsehspiel der Gegenwart“ von 1983, gedreht für das ZDF. Im „Lexikon des Science Fiction Films“ wurde seinerzeit darüber geschrieben – ein TV-Stück aus dem Kalten Krieg, vor Paranoia und Technikphobie strotzend, aus Angst vor „1984“ den Computer als diktatorischen Datenschnüffler für 1991 (!) prognostizierend.

Ganz schlecht gealtert, sieht „Datenpanne“ (wie übrigens auch „1984“) nur die ungute Verquickung von Technik und Politik als Katastrophe und übersieht die Technik als Werkzeug des Missbrauchs in den Händen derer, die sie erschaffen – der Konzerne. Die Inkompetenz, ja Impotenz des überforderten Staates ist eine Facette, die den meisten SF-Autoren bis in die Gegenwart vielfach entgangen ist.

Der SPIEGEL schrieb seinerzeit:

„In seiner „absurden, irrwitzigen Geschichte“ beschreibt Autor und Regisseur Daniel Christoff den „David Mensch im Kampf gegen den anonymen Goliath Computer“ (Christoff).“

Gerade die stoffelige, sozialliberal-altlinke Dystopie macht „Datenpanne“ auf nostalgische Art spannend, auch wenn die Inszenierung massiv hinkt. Dies ist noch „Papas Fernsehen“ aus der Zeit, als die öffentlich-rechtlichen Sender keine Sorge haben mussten, dass jemand zu den Privaten umschaltet. Ein „Fernsehspiel der Gegenwart“, dessen Zukunft längst Vergangenheit ist.

Trotzdem bringt „Datenpanne“ hellsichtig ein paar gute Skizzen zum Thema Verdatung, Verdrahtung und Identitätsdiebstahl unter. Besonders die Eingangsszenen wirken fast schon wieder aktuell.

Hier die Inhaltsangabe des Senders aus dem Jahr 1983:

„Wir befinden uns im Jahr 1991, also in ziemlich naher Zukunft: Der Ex-Botaniker Thilo Meier, der nach mehr als zweijährigem spontanem Aussteiger-Aufenthalt in Fernost nach Hause zurückkehrt, muss erfahren, das sich in der Zeit seiner Abwesenheit hier Entscheidendes geändert hat. Durch seine abgelaufene Identitätskarte bleibt er schon in der Flughafenkontrolle hängen – das ist sozusagen normal. Außergewöhnlich aber sind die Umstände der weiteren Behandlung, die er erfährt, die absurde Dramatik, die sein Fall auslöst. Zuerst setzt man ihn nämlich fest, dann lässt man ihn laufen, ja, er bekommt zunehmend das Gefühl, die sprichwörtlich „heiße Kartoffel“ zu sein, und plötzlich begreift er, dass er alles daransetzen muss, gegen ein perfekt gewordenes, von Daten beherrschtes System um den Erweis seiner Existenz und damit um sein nacktes Leben zu kämpfen.

Dass er bei seinen verzweifelten Bemühungen seine frühere, jetzt wieder zu ihm übergeschwenkte Freundin Annette verliert, verdankt er auch den Daten, die ein paar Indiskretionen über ihn ausspucken. Aber sein, wie Annette meint, sich steigernder Verfolgungswahn wäre ohnehin nicht dazu angetan, eine alte Liebe wieder erstarken zu lassen.

Noch jemand hat nach der Panne mit Thilo einen verzweifelten Kampf zu kämpfen: ein Kriminalkommissar, der sich in dieser Angelegenheit kurz zu der Vermutung verstieg, die Daten könnten irren – eine gesetzlich mittlerweile unter Verbot gestellte Straftat. Er wendet sich an seinen alten Kollegen Fritz, der als einer der Erfinder des  neuen, perfekten Systems nach dessen Einführung in Pension gehen musste und sich als Privatdetektiv mit Observierungswagen und anderen Schikanen ein Zubrot verdient. Diesen Fritz bittet der Kommissar um Hilfe bei seiner Rehabilitierung, aber Fritz entpuppt sich im Entscheidungsfall als Fanatiker der von ihm ausgebrüteten Datenwelt. Seine humorvolle Gemütlichkeit hat enge Grenzen, und es zeigt sich, wie schnell er über Leichen zu gehen bereit ist.

Thilo bemerkt erst spät, welche Kreise er gezogen hat und in welchen Netzen er zappelt. Trickreich versucht er, zu einem Datenschützer vorzudringen, einer jener geheimen Größen, die neuerdings nicht mehr Menschen gegen Daten, sondern Daten gegen Menschen zu schützen haben und die Ideologie des Systems mit geradezu religiösem Eifer verfechten. Allmählich weiß Thilo nicht mehr, auf welcher Seite der Wahnsinn sich ausbreitet, auf seiner oder der anderen. Die Frau des Datenschützers, eine noch nicht von der Datenhörigkeit infizierte, sinnenfrohe Blondine, die das Herz und auch sonstiges auf dem rechten Fleck hat, ist ein Lichtblick für Thilo. Aber sie kann ihm letzten Endes auch nicht helfen, sondern ist ihm eher ein Hindernis, und so wird der tragikkomische Held dieser bissigen, gar nicht so auszuschließenden, sondern zum Teil schon angebrochenen Zukunftsgeschichte gegen Ende gerade von dem Datenschützer vor eine wahnwitzige Alternative gestellt.“

Und nun – ohne weitere Umschweife:

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Tja, deutsche TV-SF war mehr als nur „Die Hamburger Krankheit“, „Welt am Draht“, „Kamikaze 1998″ und „Das Millionenspiel“. Wäre schön, den mal „ordentlich“ auf DVD zu sehen. Und diesen hier gleich obendrauf:

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Dieser Tage zeige ich noch mindestens eine weitere deutsche TV-SF-Perle.

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6
Juni 2015

Der Wortvogel ist auf Öl gestoßen!

Eine gewisse Vorliebe für ungesunde ausländische Fresskultur meinerseits ist bekannt. Verbunden mit meiner Affinität für Discounter führt das dazu, dass ich gerne in fernen Ländern durch ALDI und LIDL stromere, um zu sehen, wie sich die Sortimente unterscheiden. Nicht viel, würde ich sagen – zwei bis fünf Prozent nationaltypische Produkte konnte ich ausmachen.

Bei ALDI Memphis hat der Konzern es geschafft, den Amerikanern das bei ihnen bis dato unbekannte Pfand-Prinzip bei Einkaufswagen beizubringen. Viel ekliges Lightbier und gigantische Schachteln mit Cornflakes sind mir außerdem aufgefallen.

Auf Sizilien macht man sich nicht mal die Mühe, beim LIDL die Verpackungen zu lokalisieren. Was bei uns „Milchschokolade Traube-Nuss“ heißt, heißt auf italienisch „Milchschokolade Traube-Nuss“. Es gibt ein bisschen mehr Südfrüchte als bei uns und ganz tolle Pistaziencreme.

Wieder anders bei LIDL in Schottland. Dort gibt es tollen Cider, eine Hausmarke für Shortbread, Einmachgläser mit indischen Soßen und Müllsack-große Chipstüten mit 20 bis 50 kleinen Chipstüten in der ortsüblichen Pub-Größe. Ein Traum – und der Tod meiner schlanken Linie.

Eher zufällig sind wir während der Hochzeitsreise durch die Cotswolds in einem ALDI gelandet. Wir hatten uns verfahren, wollten nur kurz auf dem Parkplatz wenden – und dann kam die Idee, doch schnell was zu trinken einzukaufen. Auch hier kam uns vieles bekannt vor, darüber hinaus primär die Ekligkeiten, die Briten für Wurst halten, und Sandwich-Brote in verschiedenen Helligkeitsstufen, die wohl verschiedene „Sorten“ darstellen möchten. Aber dann:

oil

Cooking Spray. Danach hatte ich während meiner Diät schon mal gesucht, ist in Deutschland aber notorisch schwer zu bekommen, angeblich wegen irgendwelcher lebensmittelrechtlicher Vorschriften. Wir haben gleich zwei Flaschen/Dosen mitgenommen – die Unterscheidung ist nicht so einfach, weil es sich um ein Pumpspray handelt.

In den letzten Tagen haben wir das Spray mehrfach ausprobiert. Die Verteilung des Fetts in der Pfanne ist ideal und leicht zu handhaben, Konsistenz und Farbe des Schmiers gleicht weicher Margarine. Durch die Hitze verflüssigt sich das Fett, was auch eine Orientierung gibt, wann das Bratgut in die Pfanne muss. Ein Spritzer reicht nicht, aber mit zwei oder drei kommt man hin, solange es um ein morgendliches Spiegelei geht. Bei Fischstäbchen muss „nachgeschossen“ werden.

Insgesamt würde ich sagen, dass man mit dem Spray tatsächlich deutlich weniger Fett braucht. Geschmacklich ist es mir auch nicht negativ aufgefallen. Aus diesem Grund gibt es von mir für „Fry light 1 Cal“ den Daumen hoch – und gleich wieder runter für die Weigerung, es in Deutschland anzubieten.

Im Gegenzug für diese Produktinformation müsst ihr jetzt hier durch:

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4
Juni 2015

Neues Altes aus dem Dritten Reich (UPDATE!)

Kurzes Update: Wir sind immer noch an der Sanierung meines Hauses in Obergiesing dran. Es zieht sich. Aber es wird. Unwägbarkeiten und Unvorhersehbarkeiten gibt es immer. Und von einer kuriosen Unvorhersehbarkeit möchte ich heute berichten.

Im Dachgeschoss haben wir die Dämmung und das alte Laminat mittlerweile komplett raus gerissen. In einer Ecke war früher ein Teil mit einer Rigipswand abgetrennt, davor stand einst mein PC-Schreibtisch. Dahinter fand sich altes Gerümpel einer früheren Renovierung. Die Rigipswand ist nun entsorgt, das Gerümpel auch. Darunter fehlen fehlen ein paar Bodenbretter und wir haben vorgestern die Gelegenheit genutzt, den Schutt zwischen den Balken raus zu kehren.

Ecke

Irgendwann kamen zwischen Holzspänen und Styroporresten ein paar alte Zeitungen zum Vorschein. Staubig, dreckig, vergilbt und bei Berührung zerbröselnd. Ich sagte scherzhaft zu meinem Bruder: „Neues vom Reichsparteitag?“

Er gab mir die Zeitungen für den Bauschuttcontainer – und siehe da:

cover1Münchener Neuste Nachrichten“ (mit Filmzeitung) aus dem Jahr 1938.

Ich kann nur vermuten, dass diese Zeitungen bei einem Umbau als Dämmstoff zwischen die Balken gestopft wurden. Es lässt auch interessante Rückschlüsse darauf zu, wann dieser Teil meines Hauses zuletzt saniert wurde.

Eben habe ich mir eine halbe Stunde Zeit genommen, die unbrauchbar verrotteten Seiten ein letztes Mal zu blättern und interessante Beiträge zu fotografieren. Geht mit mir auf die Reise ins selbstbesoffene Deutschland nach der Olympiade, aber vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Nicht alles wirkt so antiquiert, wie man es vielleicht erwarten würde.

Fangen wir mit der Mode an und drei Unternehmen, die es auch heute noch gibt – so keck warb das Kaufhaus Oberpollinger 1938 für die Damenmode, auch wenn die gezeichneten Fräuleins heute sicher als „Magermodels“ verpönt wären:

mode3

Ebenfalls ganz vorne im Kampf um die Kundschaft dabei – Hertie. Die Preise erinnern an Kik, die Familie ist angemessen entgeistert:

mode1

UPDATE: Es sollte übrigens nicht unerwähnt bleiben, dass Hertie von Hermann Tietz (daher der Name) gegründet wurde, der jüdischen Glaubens war. Das Unternehmen wurde 1933 von den Nazis arisiert. Wer sich für dieses Thema interessiert, kann hier einiges darüber nachlesen. Danke an Klaus-Martin Meyer von der Hertie AG für den Hinweis.

Peek & Cloppenburg zeigt gleich mal, wie hektisch es beim Schussverkauf in den hauseigenen Filialen zugeht – zumindest in der Fantasie des Zeichner:

mode2Auch für die Verschönerung des eigenen Gartens gibt es praktische und erstaunlich moderne Konsumwaren:

garten

Kommen wir zum Spocht – Max Schmeling muss gegen den Südafrikaner Ben Foord ran, ein „Funkbild“ zeigt die Kämpfer auf der Waage:

sport

Bonus-Info: Foord hat den Kampf nach Punkten gewonnen und sich vier Jahre später bei der Spielerei mit einem Revolver die Birne weg geblasen.

Hunger? Eine Salzburger Tageszeitung überrascht mich mit der Erkenntnis, dass es die Kette „Nordsee“ damals schon gab:

nordsee

Eine wahre Fundgrube sind auch die Kleinanzeigen – so konnte man 1938 die Probleme noch beim Namen nennen: Weiterlesen

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3
Juni 2015

Sentimentalitäten einer alternden Tastenschlampe

Es ist nicht üblich, angesichts einer profanen Summe D-Mark nostalgisch zu werden – Schecks taugen nicht zu feuchten Augen und einem gehauchten „ach…“. Man verzeihe mir, dass ich trotzdem etwas wehmütig an die Zeit zurück denke, als ich meine ersten Schecks als Buchautor und als Übersetzer bekam. Die sind nämlich gestern ebenfalls in alten Aktenordnern aufgetaucht – und bald 20 Jahre alt.

Adleraugen bemerken, dass zwischen den beiden Schecks auch die Umstellung von vier- auf fünfstellige Postleitzahlen lag.

SchecksIch war so jung. Und so stolz.

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3
Juni 2015

Mit diesem Ring…

ring1Ein Ring kann dir die Macht der Galaxien geben. Er formt, was immer du dir vorstellen kannst. Keine Limits. Keine Angst. Am lichten Tag und in dunkler Nacht macht er dich zum Beschützer.

ring4Ein Ring kann ein Symbol sein. Für das Gute, das die Zeiten überdauert, für die Werte, denen du verpflichtet bist. Sein Zeichen ist das Zeichen deines Reiches, in seinen Grenzen kennst du keine.

ring3Ein Ring kann Schutz und Versteck sein. Er verbirgt deine wahre Kraft, bewahrt deine Geheimnisse und ist nur denen Signal, die auf deiner Seite stehen.

ring2Und schließlich kann ein Ring auch Flügel verleihen, dich in die Wolken heben auf unsichtbaren Händen, damit du den Himmel berührst und die Welt mit neuen Augen siehst.

Ich dachte immer, das seien nur Geschichten aus Comics, in denen das Gute mit mutigem Herzen das Böse bekämpft – bis SIE kam und mich mit einem Ring zu ihrem Helden machte:

ring KopieNun kann ich fliegen. Ich kann kämpfen. Ich kann träumen. Ich bin unbesiegbar. Und ich werde sie beschützen, so lange ich lebe.

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31
Mai 2015

Der Parkplatz, das Abzock-Paradies

Auf Facebook machte dieser Tage dieser Cartoon die Runde:

car2

Ja-haa, da lacht der überlegene liberale Sozialnetzwerker, da nickt man per Like-Button und amüsiert sich über den deutschen Regelwahn. Sowas von wahr, echt. Anderswo – anderswo ist es immer besser.

Ist natürlich vor allem Bullshit. Ich weiß, dass der Cartoon im Dienste der Pointe überspitzt und vereinfacht, aber es ist eben ein Unterschied, ob ich einfach ein Ticket auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz ziehe oder ob ich eine Fahrkarte aus Tausenden Verbindungen, Hunderten Preismodellen und Dutzenden Fahrverbünden herausfiltern will. Einfacher ist nicht immer besser – und nicht immer möglich.

Natürlich wäre es an der Zeit, dass sich gerade semi-behördliche Unternehmen mal angewöhnen könnten, die User Interfaces ihrer elektronischen Kundenbetreuerarbeitsplatzvernichter überschaubarer zu gestalten. Aber das ist kein deutsches Problem, wie jeder, der schon mal in der Londoner Ubahn vor einem Automaten gestanden hat, bestätigen kann.

Mehr noch: Es ist woanders gerne mal schlimmer als bei uns.

In keinem Land habe ich eine derart konsequent Abzocke bei vergleichsweise simplen Vorgängen erlebt wie gerade erst in Großbritannien. Und weil das dort kein Einzelfall war, sondern systemisch, möchte ich euch auch davon berichten.

Es geht um den relativ einfachen Vorgang des Parkens auf einem gebührenpflichtigen städtischen Großparkplatz. Von diesen „car parks“ gibt es einige, weil die Menge an Abstellmöglichkeiten gerade in Städten mit historischer Bausubstanz massiv beschränkt ist. Da unterscheidet sich Oxford nicht von Speyer.

cp1

Leider haben es die Briten zur Kunst erhoben, die Erhebung der Parkgebühren so kompliziert, nutzerunfreundlich und hinterfotzig wie nur irgend möglich zu gestalten. Das fängt schon damit an, dass man ein Prozedere anwendet, das sowohl unsinnig als auch hinterlistig ist: Man soll VORHER festlegen, wie lange man zu parken beabsichtigt. Also nix mit: Ticket ziehen, reinfahren, Standzeit bezahlen, rausfahren. Bezahlt wird schon bei der Einfahrt am Automaten – wer nicht weiß, wie lange er den Parkplatz braucht, sollte schon aus Sicherheitsgründen für das Maximum planen und zahlen.

Abzocke Nr. 1.

Nun könnte man denken: Ha, kann ich wenigstens jemandem was Gutes tun, wenn ich doch mal eine Stunde vorher zurück komme. Dann drücke ich einem Kurzparker einfach meinen Parkschein in die Hand. Ein Verfahren, das ich aus München gut kenne. Aber mitnichten: Viele Parkplätze verlangen allen Ernstes, dass man am Automaten über ein Keyboard DAS KENNZEICHEN des Wagens eintippt, damit der Parkschein auch garantiert nicht übertragbar ist. Wer von seinen gebuchten vier Stunden nur eine gebraucht hat, weil vielleicht das Meeting geplatzt ist – Pech gehabt.

Abzocke Nr. 2.

Über die Preise selbst zu diskutieren ist eher müßig. Die schwanken je nach Ort und Auslastung, das ist bei uns nicht anders. Man kann in Speyer 2,50 Euro für 24 Stunden zahlen, in München 30 Euro für einen Arbeitstag. Die Briten sind aber besonders perfide bei der Festlegung der Gebühren: Es werden durch die Bank krumme Summen verlangt, die man oft genug nicht in Münzen dabei hat. So kosten zwei Stunden am Kinocenter in Cheltenham eben nicht 3 Pfund, sondern 3,10 Pfund. Und das ist der Kicker: Die Automaten praktisch aller Parkplätze im Königreich geben kein Rückgeld. Das heißt: Wer mit zwei 2 Pfund-Münzen zahlt oder gar mit einer 5 Pfund-Note, bekommt dafür den Parkschein und sonst gar nichts. Na ja, fast nichts: In Oxford kann man mit dem Parkschein einen Rabatt auf den Eintritt des Eisstadions einfordern.

Abzocke Nr. 3.

Okay, so weit, so ärgerlich. Bei den krummen Summen ist es kein Wunder, wenn man mitunter Hose und Jackentaschen auf der Suche nach Münzen durchwühlt, um die monetäre Forderung zu erfüllen. So kam ich in Bath mühsam auf 2,90 Pfund. Dachte ich mir: Scheiß drauf, dann parkst du halt nicht 2 Stunden, sondern nur 1 Stunde und 45 Minuten. Rein damit.

Parkticket

Ihr ahnt es: Die Maschine nahm mein Geld, entschied sich aber, mich gleich komplett auf den nächsten Tarif runter zu stufen. Dank der fehlenden 20 Pence wurden von den 2,90 Pfund nur 1,80 Pfund angerechnet. Eine Stunde Parkzeit. Friss oder stirb. Die überzahlten 1,10 Pfund? Pech gehabt. Hätte ich mir vorher überlegen und nur 1,80 Pfund einschmeißen müssen.

Abzocke Nr. 4.

Man sollte übrigens nicht glauben, dass die Automaten im Gegenzug für ihre Geldgier wenigstens übersichtlich strukturiert sind. Der Wahnsinn hat Methode – und das Kleingedruckte auch:

car1

Da kann man sich schon mal eine halbe Stunde mit der Lektüre vertreiben. Sollte man auch, denn der Teufel steckt besonders hier in den Details, wie ich in der Oxpens-Parkgarage nach einem Ausflug in die klassische britische Universitätsstadt Oxford feststellen musste.

Ja, wir kamen eine halbe Stunde später vom Shopping zurück als die drei Stunden, die wir am Automaten gebucht hatten. Das lag primär daran, dass die Stadt gerade ein komplettes Viertel durch eine Großbaustelle ersetzt hatte, was einen erheblichen Umweg bedeutete. Da ich die Humorlosigkeit der Briten in Sachen Gebühren und Knöllchen kenne, stellte ich mich auch schon mal darauf ein, draufzahlen zu müssen. Kulanz wäre Toleranz – und beides ist angesichts leerer Kommunalkassen verpönt.

Park 1 Kopie

Tatsächlich steckte ein grüner Zettel unter dem Scheibenwischer, auf dem sauber vermerkt war, dass ein Knöllchenschreiber 19 Minuten nach Ablauf meiner Parkzeit bereit gestanden hatte, meine Brieftasche zum Dienst für die Krone zu verpflichten. Auf der Rückseite fand sich auch gleich die passende Gebührenordnung, die mich dann doch etwas baff machte:

Park 1 Kopie 2

100. Fucking. Pfund.

Das sind 140 Euro. Für 19 Minuten zu spät. In einem riesigen Parkhaus.

Abzocke Nr. 5 – und der absolute Hauptgewinner des Tages.

But wait, there’s more!

Liest man sich das Kleingedruckte auf dem Knöllchen durch, stellt man schnell fest, dass sogar die vorgebliche Rücksichtnahme der Behörde der Knechtung des Kunden dient: Wer binnen 14 Tagen zahlt, bekommt die Hälfte der Strafe erlassen. Klingt gut. 50 Pfund statt 100 Pfund.

Nur: Diese Methode sorgt natürlich primär dafür, dass niemand das Risiko eingeht, das Knöllchen anzufechten, was allein durch den Amtsvorgang mindestens zwei Wochen dauert und am Ende ziemlich sicher zur Einforderung der vollen Summe führt. Die „Kulanzzeit“ ist kaum weniger als eine Nötigung zur hastigen Begleichung.

Abzocke Nr. 6.

Es bleibt eigentlich nur der Schluss: Das gesamte System der Parkplätze in öffentlicher Hand ist in Großbritannien bewusst darauf hin konstruiert, die Autofahrer zu drangsalieren und sie förmlich zur Überzahlung zu zwingen – sei es durch unnötig gebuchte Zeiten oder durch drastische Strafen für Überziehung. Nur in diesem Kontext machen nämlich die krummen Gebühren, die Verweigerung von Rückgeld und die Vorabzahlung Sinn.

Die Automaten selbst wären problemlos umstellbar – sowohl auf eine Begleichung der tatsächlich aufgelaufenen Gebühren wie auf die Herausgabe überzähliger Münzen. Es wäre eine in jeder Beziehung praktikablere und vor allem logischere Lösung. Der einzige Grund, warum es nicht gemacht wird: Damit würden sämtliche Knöllchen hinfällig, weil praktisch kein Autofahrer mehr überziehen oder unterzahlen könnte. Es wäre ein faires System, das keine drakonischen Strafen braucht.

Ich bin nicht sicher, wie viel Geld Kommunen wie Oxford durch diese Strafgebühren einnehmen. Es wird nicht wenig sein. Ich bin auch nicht sicher, ob es überhaupt rechtmäßig ist, dem Kunden aus Prinzip kein Wechselgeld rauszugeben. Sicher bin ich mir nur, dass ich dieses System zum Kotzen finde und seitdem einen neuen Respekt für die deutsche Ordnung habe.

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30
Mai 2015

Straight from the depths of Hyperspace

Ich komme meinem Ziel, den Aktenbestand zu sichten, auszumisten und zu digitalisieren, immer näher. Nur noch zwei Ordner liegen hier, die ich vermutlich seit 1999 nicht mehr in der Hand hatte. Und in einem davon habe ich ein Kleinod gefunden, an das ich mich gar nicht mehr erinnern konnte.

Vor mittlerweile sechs Jahren habe ich euch von meinen ersten ungelenken Schritten in Sachen Sekundärliteratur erzählt – und davon, dass Heyne mich zwar schon am 6.7.1995 für das „Babylon 5 Universum“ unter Vertrag nahm, den Band aber dann aus rechtlichen Gründen nicht veröffentlichen konnte (das übernahm Jahre später der Heel-Verlag). Den voreiligen Eintrag für das Buch bei Amazon gibt es bis heute. Allerdings ohne Cover-Abbildung.

Das kann ich nun ändern:

Babylon 5 Cover HeyneTatsächlich: Heyne hat mir damals einen Cover-Andruck geschickt, den ich auch sorgsam zum Autorenvertrag geheftet habe.

20 Jahre ist das her. Da werden Erinnerungen wach…

P.S.: Das letztlich erschienene Buch gibt es immer noch kostenlos hier.

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19
Mai 2015

Coole Terminator-Artwork

Gesehen und gefilmt im Kino-Center in Cheltenham / Cotswolds:

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19
Mai 2015

Utopie vs. Dystopie Double Feature: „A World Beyond“ & „Mad Max: Fury Road“

Tomorrowland_posterUSA 2015. Regie: Brad Bird. Darsteller: George Clooney, Hugh Laurie, Britt Robertson, Raffey Cassidy, Tim McGraw u.a.

Story: Casey ist mit der Welt unzufrieden. Das Mädchen kann nicht verstehen, dass die Welt ihre Träume verloren hat, sich keine Ziele mehr setzt, dass ihre Mitmenschen dem Verfall sozialer und kultureller Normen lethargisch zuschauen. Eines Tages gelangt sie in den Besitz eines Tomorrowland-Pins, der ihr eine strahlende Welt aus Fortschritt und Feingeist zeigt. Nur ein Hologramm? Eine Attrappe? Ein Blick in die Zukunft? Ein Tor in eine andere Welt? Casey, macht sich auf den Weg, Tomorrowland zu finden – und stößt dabei auf Frank, einen Eigenbrötler, der einst aus der Wunderwelt verstoßen wurde.

Kritik: „A World Beyond“ (O-Titel „Tomorrowland“) ist ein „dark horse“ dieses Sommers, ein Film, dessen Potential sich schwer einschätzen lässt. Oberflächlich gesehen baut Disney hier an der nächsten Franchise basierend auf einer Disneyland-Attraktion: Nach dem Mega-Erfolg der „Pirates of the Caribbean“-Filme und dem Flop von „Haunted Mansion“ soll „Tomorrowland“ als Young Adult SF-Reihe reüssieren, und dafür ist man mit Brad Bird und George Clooney durchaus in der A-Liga einkaufen gegangen.

Weil der Film deutlich auf das Publikum anderer Young Adult-Reihen wie „Divergence“ und „Ender’s Game“ zielt, bespreche ich ihn auch in diesem Kontext. Es ist ein Film für Jugendliche, auch und vor allem für Mädchen. Erwachsene werden bestenfalls als Begleitung angepeilt.

Disney-typisch, aber dem Zeitgeist seltsam entrückt (wie auch die technik-besoffene Tomorrowland-Attraktion selbst), verweigert sich „A World Beyond“ der trendigen Dystopie von „Maze Runner“ und „Hunger Games“. Zwar ist die Welt nicht im idealen Zustand, aber das Ziel ist nicht der Sturz einer Diktatur oder die Umkehr einer Umweltkatastrophe – es geht um die Wiedergeburt des Traums, dass die Menschen gemeinsam jedes Problem lösen können, dass Vertrauen und Zuversicht die wichtigsten Voraussetzungen für Fortschritt sind.

So wird das Tomorrowland als Fernziel etabliert, als platonisches Ideal, weit weg, aber abhängig von der Entscheidung, sich heute auf den Weg zu machen.

Das ist zunächst einmal lobenswert. Der „sense of wonder“ der Science Fiction ist über die letzten Jahrzehnte etwas verloren gegangen und es scheint mir angebracht, die Zukunft nicht als Damoklesschwert zu zeichnen, sondern als Lehm von unendlichem Potenzial, den wir in der Gegenwart zu formen beginnen.

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Ich mag auch die Tatsache, dass „A World Beyond“ auf viele Klischees der Young Adult-SF verzichtet. Casey bekommt keinen „love interest“ gestellt, ihre Motivation kommt gänzlich aus ihr selbst. Clooney’s Frank ist ein gebrochener Charakter, dessen letzte Liebe die Form eines 10jährigen Mädchens behält. Es gibt keine niedlichen Tieren, keinen Wettbewerb, keine kosmische Bestimmung. Die Heldenreise ist eine physische wie meta-physische: Die Rettung von Tomorrowland ist die Rettung des Traums von Tomorrowland, der letztlich zur Entstehung von Tomorrowland führen muss.

Und weil das etwas kompliziert klingt, liegt hier auch schon der Hase im Pfeffer. So glatt, so perfekt durchkonstruiert und so kantenfrei wie die chromglänzende Tomorrowland-Welt ist der Film dann doch nicht geworden. Teilweise wirkt das Skript, als hätte man eine 12teilige Buchreihe auf Spielfilmlänge komprimieren wollen. Zuviel Exposition wird nur widerwillig und halbgar gegeben: Wie kam es genau zum Tomorrowland? Wie wurde der Weg in eine andere Dimension gefunden? Warum wurde der „offizielle Start“ aufgegeben? Was genau hatte Frank erfunden, was zu seinem Rauswurf führte? Ist der Gouverneur nur fehlgeleitet oder tatsächlich böse?

So beeindruckend viele Elemente, Szenen und Effekte auch sind, so hastig werden sie beiseite geschoben, um zu einem Ende zu kommen, das letztlich nur mechanisch ist. Wo Casey eine Entscheidung treffen müsste, wo der Glaube über die Lethargie siegen sollte, fällt den Beteiligten für das Finale doch wieder nicht anderes ein als ein paar kämpfende Roboter.

Ich behaupte mal, die Probleme haben wir Damon Lindelof zu verdanken, der schon in „Lost“, „World War Z“ und „Cowboys & Aliens“ bewiesen hat, dass er zwar schicke Ideen und knackige Bilder auf die Leinwand bringen kann, bei den emotionalen Mechanismen und der logischen Auflösung seiner Geschichten aber gerne schlampt.

So lässt man sich gerne auf „Tomorrowland“ ein, freut sich über rundweg positiv geladene SF mit Begeisterung für das menschliche Potenzial – muss dann aber auch hinnehmen, dass der Film zunehmend konfus und am Ende nicht ausreichend befriedigend verläuft.

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Fazit: Eine etwas unausgegorene, aber in Ambition und Message beeindruckende Science Fiction-Abenteuerstory, die sympathisch oldschool auf den „sense of wonder“ setzt und 12jährige wie 12jährig gebliebene begeistern dürfte.

Mad Max poster

Australien/USA 2015. Regie: George Miller. Darsteller: Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hoult, Rosie Huntington-Whiteley, Zoe Isabella Kravitz, Hugh Keays-Byrne u.a.

Story: Lange schon zieht „Mad“ Max Rockatansky durch die Einöde, die einst Australien war, verfolgt von den Erinnerungen an Frau und Tochter, die er nicht retten konnte. Marodierende Krieger fangen ihn und bringen ihn in eine Siedlung, die vom brutalen Immortan Joe diktatorisch beherrscht wird. Unfreiwillig und hautnah wird Max Zeuge, wie die zähe Furiosa eine Wasserlieferung für eine andere Siedlung umleitet, um diverse „Schätze“ von Immortan in Sicherheit zu bringen. Es kommt zu einer schier endlosen Materialschlacht, an deren Ende vielleicht nicht Hoffnung, aber doch eine Art Erlösung winkt.

Kritik: „Mad Max: Fury Road“ ist ein Projekt, das schon seit Jahren durch Hollywood spukt – seine Wurzeln reichen in die Zeit zurück, als Mel Gibson selbst noch als valider Kandidat für die Hauptrolle galt. So wie die Entwicklung sich schier endlos zog, so scheinen die Dreharbeiten auch kein Klacks gewesen zu sein: von Spannungen zwischen Tom Hardy und George Miller wird berichtet, von desaströsen Testvorführungen, von Nachdrehs. Warner Bros. befürchtete bereits, den Big Budget-Flop des Jahres am Start zu haben – und ist froh, dass „Fury Road“ am ersten Wochenende doch 44 Millionen einspielen konnte, auch wenn der Film hinter „Pitch Perfect 2″ nur auf Platz 2 landete.

Lässt man all das außen vor, muss man zuerst einmal konstatieren, dass „Mad Max: Fury Road“ ein ECHTER „Mad Max“-Film ist und kein hipper Neuaufguss für die eierlose Transformers-Zielgruppe. Die Dystopie ist intakt, alles erfreulich am Arsch, und primär geht es darum, dass sich durchgeknallte Wüstenpunks mit dröhnenden Lastern endlose staubige PS-Duelle liefern. Auch wenn natürlich einiges an CGI aufgewendet wird, bleibt der Großteil des Spektakels hand- und hausgemacht. Das tut teilweise noch richtig weh.

Die Story ist denn auch konsequent in den 80ern und bei den vielen „Mad Max“-Epigonen zu Hause: Letztlich ging es doch immer nur darum, Wasser/Benzin/Weiber von A nach B zu bringen oder an einer Location zu verteidigen. Die einzige Neuerung, die „Fury Road“ mitbringt, ist die konsequente Verweigerung der alten „might makes right“-Attitüde: So sehr die Männer dieser Welt auch auf Muskeln und Megatrucks setzen, es sind die Frauen, die das Schicksal bestimmen. Es ist ihr Wille zum Frieden, ihre ausgleichende Empathie, die eine Zukunft ermöglichen wird. In der ruppigen Macho-Schale von „Mad Max“ steckt ein ausgewiesener feministischer Kern.

Und trotz seiner 70 Jahre und nach mehr als 15 Jahren ohne Live Action-Regiearbeit zeigt George Miller, dass er weiterhin auf der Höhe der Zeit ist: „Fury Road“ ist ein Actionmonster, ein brüllendes Tier von einem Spektakel, permanente Bewegung, Explosion, Panorama, Staub, Schweiß und Blut. Zwei Stunden ohne Handlung, ohne Charaktere, nur von A nach B mit sich konstant reduzierendem Cast.

Ich sage das selten, weil ich mich dem Kino-Schnickschnack gerne verweigere, aber „Mad Max: Fury Road“ ist insbesondere im IMAX und mit voll aufgedrehten Lautsprechern ein Erlebnis für Augen und Bauch, unterhaltsam wie eine stinkbesoffene Schlägerei auf einem versifften Parkplatz.

FURY ROAD

 

So weit, so gut. Aber eben nicht mehr. Mehr als eine aufwändige Materialschlacht wird nicht geboten, bei zwei Stunden ist die Geduld des Zuschauers teilweise schon strapaziert, weil keine interessanten Charaktere oder Wendungen neues Interesse wecken. Die Figuren machen keinerlei Entwicklung durch (mit der Ausnahme einer Nebenfigur, die ich hier nicht spoilern will) und selbst das Ende wirkt, als könne man ein missglücktes Skript-Meeting noch durchscheinen sehen: „Uns fällt partout nichts für das groß angepriesene Paradies ein, das die Figuren am Ende finden sollen! Was meint Ihr? Einfach umdrehen und wieder alles auf Anfang? Nicht der Hammer, aber wenigstens können wir da den Nachspann einblenden.“

Ich verstehe durchaus, dass die Figur des Mad Max Rockatansky ab dem zweiten Film immer nur Katalysator war, nie Auslöser. Er ist der namenlose Fremde, der Mythos, der dem Fortschritt Starthilfe gibt. Aber so ineffektiv, blass und letztlich irrelevant wie in „Mad Max: Fury Road“ war er noch nie. Man muss angesichts der feministischen Tendenzen des Skripts durchaus mal das Wort „impotent“ in die Runde werfen. Immer wieder wird Max gefangen, können seine Mitstreiter vieles besser als er, erweisen sich seine Pläne als undurchführbar. Protagonistin in hingegen Furiosa, die einen Background besitzt, eine emotionale Bindung, einen Plan. Die Figur des „Road Warrior“ ließe sich spurlos aus dem Skript streichen.

Der Versuch, Max durch Visionen seiner toten Tochter als „mad“ zu legitimieren, bleiben letztlich nutz- und folgenlos, denn sie bestimmen nicht sein Handeln und werden in der Interaktion mit Anderen auch nie erwähnt. Solche draufgetackerten „Eigenschaften“ kann man sich ruhig schenken.

So kann am Ende all die technische Expertise von George Miller in Kombination mit großem Spektakel nicht darüber hinweg täuschen, dass „Fury Road“ inhaltlich Magermilch präsentiert und seine Hauptfigur beschämend unterentwickelt ist.

„Mad Max: Fury Road“ ist Science Fiction als Bodybuilding: Aufgeblasen, wutschnaubend, gold glänzend und vor Energie berstend, letztlich aber tumb und nicht zur Nachahmung empfohlen.

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Fazit: „It is a tale told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing.“ (William Shakespeare, Macbeth)

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15
Mai 2015

Geschlossen. Wegen.

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Die nächsten zwei Wochen verbringen wir so:

cott

Ich melde mich, wenn ich Zeit und Lust habe. Das Ehepaar Dewi ist dann ab Ende Mai wieder offiziell im Lande.

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10
Mai 2015

Der futurologische Konkurs: Zur Verteidigung der Science Fiction in „Zärtliche Chaoten 2″

zaertliche_chaoten_2Auf Wilsons Dachboden wurde gestern „Zärtliche Chaoten 2″ besprochen, eine dieser deutschen Fremdschäm-Komödien der 80er, die nur von den Leuten für Kult gehalten werden, die sie nie gesehen haben. Retrospektiv ist allenfalls der Zynismus erstaunlich, mit dem man seinerzeit (zu Recht) annahm, es reiche für einen Kinofilm, wenn man ein paar deutsche TV-Nasen, Gaststars aus aktuellen US-Serien und die aktuellen Sommerhits zusammen blödelt. Was an Kreativität und tatsächlicher Handlung fehlte, wurde mit Adjektiven wie „frech“ und „rasant“ übertüncht, auch wenn die Inszenierung nie über das Niveau schlechter Werbespots hinaus kam.

Um euch auf meinen kleinen Exkurs einzustimmen, hätte ich euch gerne den Trailer zum Film gezeigt, den scheint es online aber nicht zu geben. Also muss der Trailer von Teil 1 herhalten – das gibt sich nix:

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In Teil 2 geht es um eine Zeitreise – drei genervte Mitarbeiter des Patentamts wollen verhindern, dass ihr tyrannischer Chef je geboren wird, und reisen zu diesem Zweck in das Jahr 1988 zurück. Es gibt Verwechslungen, Romanzen, Stunts und David Hasselhoff – katastrophal synchronisiert – unter südlicher Sonne.

Genau genommen ist „Zärtliche Chaoten 2″ also Science Fiction, genau wie Gottschalks anderer Rohrekrepierer „Die Einsteiger“. Auf der Webseite Wilsons Dachboden wird der futuristische Prolog mit den kurzen Worten abgekanzelt:

„Das Jahr 2043 wird mit ein paar automatischen Maschinen zur Morgenhygiene und Mitarbeiterüberwachung dargestellt. „

Dieser pauschalen Abwertung möchte ich an dieser Stelle entschieden widersprechen. Wenn überhaupt, hat die Darstellung der schönen neuen Welt des gottschalkschen 2043 seit 1988 deutlich an Charme UND an Weitsicht gewonnen. Ich möchte das nun weiter ausführen.

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8
Mai 2015

Let’s make it a John Cleese weekend, shall we? (Monty Python and Fawlty Towers not included)

Einfach so – because I can.

Den Anfang muss der legendäre „Class Sketch“ aus „The Frost Report“ machen, ein Frühwerk:

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Noch vor den Pythons drehte Cleese das Special „How to irritate people“, das seinen Stil schon perfekt repräsentiert und in dem diverse spätere Kollegen auftreten:

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8
Mai 2015

Wortvogel gegen die Unhöflichkeit

Wieder mal so eine Geschichte, wie ihr sie gerne lest und diskutiert. Ich schreibe das auf, um mein Adrenalin abzuregeln.

Seit ein paar Wochen habe ich die unangenehme Aufgabe, wegen eines Todesfalls fast jeden Tag irgendwelche Firmen anrufen zu müssen, dass sie bitte die Postsendungen (Kataloge, Einladungen, Bettelbriefe) einstellen sollen. Kommt nicht an, landet per Nachsendung direkt bei uns und damit in der Altpapiertonne. Ich finde es nur angemessen, den Versender wissen zu lassen, dass er die betreffende Person aus der Kartei streichen kann.

Das geht auch ganz gut. Todesfall ist so ein Stichwort, bei dem sehr wenige Firmen Zicken machen, da bekommt man auch schon mal ein „Das tut uns leid“ oder „Mein Beleid zu Ihrem Verlust“ zu hören. Ausgerechnet der ADAC hat nach Abmeldung ein sehr persönliches und taktvolles Schreiben geschickt, sich für die lange Mitgliedschaft und die Unterstützung bedankt. Vorbildlich.

Eben hatte ich aber ein Erlebnis, das man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen muss. Ziel meines Anrufs war ein teures Modegeschäft im Sauerland. Auch von dort war eine Karte mit dem Verweis auf eine neue Kollektion gekommen. Kein Problem, ich bin ja mittlerweile auf die immer gleichen, sehr höflich vorgetragenen Phrasen trainiert.

Dem Namen kann ich entnehmen, dass die Besitzerin am Apparat ist.

Sie: „Geschäft X, Frau Y am Apparat.“

Ich: „Ja, schönen guten Tag. Mein Name ist Torsten Dewi. Ich rufe wegen einer Werbesendung an, die wir von Ihnen…“

Sie (scharf und ungehalten): „Wir haben KEIN Interesse!“

Ich: „Sie missverstehen mich. Es geht um…“

Sie (unangenehm laut): „Ich habe hier den Laden voll! Ich sagte Ihnen doch, wir haben KEIN Interesse!“

Mir zweimal ins Wort fallen und mich als unerwünschten Cold Caller abkanzeln? Ihr ahnt, dass sie damit an den Falschen geraten ist.

Ich (vergleichbare Lautstärke): „Jetzt hören Sie mir doch erstmal ZU!“

(ich schlucke das „Sie dumme Kuh!“ im letzten Augenblick runter)

Sie: „WAS?“

Ich: „SIE haben UNS eine Werbesendung geschickt, die wir nicht haben wollen, weil die Dame verstorben ist! Und ICH habe das Recht, von Ihnen zu verlangen, dass sie uns aus der Kartei streichen! Und dafür nehmen Sie sich jetzt gefälligst die Minute!“

Sie (baff und verunsichert): „Ach so? Ja, um wen geht es denn?“

Ich (schalte einen Gang zurück): „Frau A in B.“

Sie notiert sich den Namen. Ich kann durch das Telefon hören, dass es in ihrem Kopf klickt. Eine sehr gute Kundin. Nun verstorben.

Sie: „Ich habe das notiert. Sie müssen entschuldigen, ich…“

Ich: „Geschenkt. Kann vorkommen. Aber es wäre vielleicht von Vorteil, wenn Sie Leute erstmal aussprechen lassen. Ich mache das hier auch nicht zu meinem persönlichen Vergnügen.“

Sie: „Ja, wissen Sie, es kommt so oft vor, dass…“

Ich: „Schon klar. Auf Wiederhören.“

Ich lege auf. Und bin immer noch sauer.

Wir bekommen auch ab und an Cold Calls, obwohl sich das angesichts der neuen Rechtslage deutlich verringert hat. Ich verstehe, dass so etwas nervt. Aber schon bei dem Präfix „Werbe-“ ohne jeden Kontext pampig zu werden, finde ich hochgradig unangebracht und respektlos.

Oder ist das wieder so ein Fall, in dem ich das hätte anders spielen sollen?

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7
Mai 2015

Micro-Reviews (1): Lieblingsfilme

Ich weiß, ich gehöre zu den Bloggern, die gerne Artikelreihen anfangen, aber nicht beenden. Die Movie Mania ist ein bisschen eingeschlafen, die vergessenen TV-Serien habe ich… ääähhh… vergessen, und ich wollte eigentlich auch mal einen Sci Fi-Sommer machen, was momentan brachliegt.

Zumindest die vergessenen TV-Serien greife ich wieder auf, versprochen. Dazu muss ich allerdings Zeit haben, und aktuell ist Zeit genau die Ressource, an der es mangelt: Haus-Sanierung in München, Arbeit am zweiten Band-Buch, Vollzeit-Job mit Nebentätigkeiten, Hochzeitsvorbereitungen samt Flitterwochen. Da muss ich mir jede Stunde vor dem Rechner stehlen – und schlimmer noch: rechtfertigen.

Ich hatte deshalb darüber nachgedacht, mein Blog für einen Monat dicht zu machen. Nach 9 Jahren einfach mal einen Mai lang das Schild raushängen: Betriebsferien. Das würde euch auch ersparen, hier immer ergebnislos nach neuen Beiträgen zu schauen.

Andererseits: Ich bin ein Blog-Junkie. Einfach so Licht aus und Tür abschließen passt mir nicht. Also mache ich stattdessen kleinere, kürzere Sachen, die sich schnell schreiben lassen und die trotzdem zur Diskussion einladen. „Micro-Reviews“ ist so eine Reihe. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich bei Facebook ständig meine Meinung zu Filmen abgebe, die ich teilweise vor 40 Jahren gesehen habe. Zu denen gibt es hier natürlich keine Reviews. Und das werde ich ändern, mit 10 Micro-Reviews (die ungefähr dem Fazit eines normalen Reviews entsprechen) pro Beitrag. Der Titel verlinkt zu weiteren Informationen.

Um die Sache etwas interessanter zu gestalten, werde ich die Filme irgendwie thematisch gruppieren. Thema heute: „Lieblingsfilme“.

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30
April 2015

Das große Clint Eastwood Buch (Band 1)

ce1Machen wir uns nichts vor: Ich habe viele gute Gründe, diesen Prachtband wohlwollend zu besprechen, die nichts mit der tatsächlichen Qualität zu tun haben. Autor Tobias Hohmann ist fleißiger Leser und Kommentator dieses Blogs, ich habe auch schon seine früheren Arbeiten gemocht, er hat mir den 49 Euro teuren Band zum Zwecke des Reviews geschenkt und ganz generell bin ich der Meinung, dass die deutsche Filmbuch-Landschaft nach Kräften gefördert gehört. Wie neutral kann ich da noch sein? Das lastet schwer auf meiner Integrität.

Aber ehrlich gesagt: Ich empfehle euch „Das große Clint Eastwood Buch (Band 1)“ vor allem deshalb, weil ich sicherstellen möchte, dass mir Tobias zeitnah Band 2 schickt. Und damit nehme ich mein Fazit mal eben vorweg: Viel geiler werden Filmbücher nicht. Man muss nicht mal Clint Eastwood mögen oder Clint Eastwood-Filme. Wer generell Spaß hat an üppigen, verschwenderisch bebilderten Filmbüchern, wie es sie bis ins neue Jahrtausend nur aus dem angloamerikanischen Raum gab, der holt sich hier ein Schätzchen ins Haus, in dem noch die Enkel begeistert blättern werden – auch deshalb, weil das Buch dank hochwertiger Ausstattung Atomkriege und Armageddon überleben dürfte.

ce2Dass es viel zu gucken gibt, ist bei den MPW-Büchern erfreulicher Standard: seltene Privataufnahmen, obskure ausländische Plakate, knallige Aushangfotos – auch dieser Band platzt vor Bildmaterial förmlich aus der Bindung. Es gibt sogar Ausklappseiten, was angesichts des Preises höchst erfreulich und wahrlich nicht selbstverständlich ist.

Aber was wäre die Form ohne den Inhalt? Miserabel von Fans hingeklatschte Pseudo-Fachbücher gibt es wahrlich genug, an die verschwende ich keinen Regalmeter und keinen Review mehr. IMDB-Datensätze zu Fließtext umarbeiten und aus der Wikipedia abschreiben kann schließlich jeder. Das Internet macht es damit einfach, „Bücher“ auf den Markt zu bringen, die weniger geschrieben als zusammen gestellt sind.

Ich war zuerst auch ein wenig unsicher, ob die Zweiteilung Sinn macht und ob man Eastwoods Karriere nicht in einem anständigen Band abfeiern könnte. Könnte man. Aber nicht so. Nicht mit dieser Vielfalt, dieser Bandbreite, dieser Ausführlichkeit in Wort & Bild. Hohmann lässt wirklich keine Fragen offen, bedient Produktionsgeschichten, Inhalte und Crew-Biographien genau so wie obskure Ableger, verworfene Projekte und Querverweise. Das ist immer spannend zu lesen, nie von oben herab oder zu akademisch, aber auch an keiner Stelle aus der Hüfte geschrieben. Hier hat ein Experte mit hoher Sachkenntnis ein so tiefes wie breites Werk abgeliefert, um das uns sogar die Amerikaner beneiden dürften.

Man kann monieren, dass es sich nicht um eine Biographie von Clint Eastwood handelt, sondern „nur“ um eine umfangreiche Würdigung seiner Filmographie. Aber erstens habe ich das bei meinem Charles Band-Buch auch nicht anders gehandhabt – und zweitens schert mich nicht, ob Clint Eastwood als Kleinkind ein rosarotes Fahrrad hatte oder ob er als Postbote gejobbt hat. Dieser Mann IST sein Werk.

Klar, „Das große Clint Eastwood Buch (Band 1)“ bietet keine neue Sichtweise auf Eastwood, hat keine Meta-Erkenntnisse zu bieten und keine abschließende Wertung des in Ehren ergrauten Actionstars. Es ist vielmehr eine Zusammenfassung, eine kompetente Verdichtung „all things Eastwood“ zum Zwecke von Information und Entertainment. Und es schmerzt mich fast zu sagen – wirklich sinnvoll wäre es, mit Band 2 zu warten, bis Clint in seinen Stiefeln begraben wurde. Weil die Bücher dann auch WIRKLICH vollständig sein könnten statt nur „vollständig bis auf seine letzten drei Filme“. Aber das soll heute nicht Thema sein.

ce4Kommen wir zum Fazit: Das hohe Niveau der Bände über Norris und Hallervorden wird demnach gehalten, der Lesespaß der Topfilme-Bücher ebenfalls erreicht. Und ich sage das ohne Übertreibung, aber mit ein wenig Neid im Herzen: Tobias Hohmann hat sich schnell und gründlich als einer der Top-Autoren für Filmbücher etabliert. Vielleicht nicht der brillanteste Schreiber, vielleicht nicht der schärfste Analytiker, aber sicher der fleißigste Kurator seiner Zunft. Es ist faszinierend, dass jemand im Zeitalter des angeblichen sterbenden Print-Marktes die deutsche Filmbuch-Kultur noch mal aus Dornröschenschlaf weckt und Appetit auf richtig dicke Schmöker weckt.

Klasse Klolektüre. Klare Kaufempfehlung.

Und was Band 2 angeht:

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