31
Dezember 2014

2014: Eine Lachnummer

Weil wir das Jahr heute zumachen und ich mir eine Ansprache ersparen will, schicke ich euch mit einer dritten britischen Sendung zum Jahreswechsel ins Silvester – “The 50 funniest moments of 2014″ zeigt das Jahr, wie wir es in Erinnerung halten sollten:

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31
Dezember 2014

Hau weg den 2014-Scheiß!

Wenn man so anglophil ist wie ich, braucht man neben dem schon präsentierten “Big Fat Quiz of the Year” noch Charlie Brookers “2014 Wipe”, um sich erklären zu lassen, wie scheiße das Jahr war – und warum:

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31
Dezember 2014

All hail the Stephen King Triple Feature: “Big Driver” & “A Good Marriage” & “Mercy”

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als Stephen King-Verfilmungen eine ganz große Sache waren. Ein Event. Da gab es jedes Jahr neues Kinofutter vom Meister, jeder neue Roman wurde mit Spannung erwartet. Und kleinere Produktionen, die sich mit seinem Namen schmücken durften, waren im Video-Tauschkreis schwer gefragt: Frank Darabonts Erstling “The Woman in the Room”, die Twilight Zone-Folge “Gramma” (adaptiert von Harlan Ellison!) und die erste, wenngleich erfolglose King-TV-Serie “The Golden Years”.

Mit der “direct to video”-Ära kam es erstmals zu einer Schwemme semi-offizieller Sequels (Children of the Corn, Sometimes they come back) und diverse TV-Sequels (Carrie, Shining, Salem’s Lot) machten es immer unmöglicher, wirklich alles zu schauen, was den Namen des Horrorkönigs trägt. “Stephen King” auf dem Cover – das verlor seinen Glanz.

Natürlich gibt es immer noch größere Verfilmungen wie “Secret Window” und “Der Nebel”, aktuell laufen mit “Haven” und “Under the Dome” gleich zwei TV-Serien nach Vorlagen von King, aber die Masse der Stoffe und teilweise auch die nachlassende Qualittät hat den Namen doch etwas entwertet. Ich habe vor Jahren aufgehört, das alles nachzuverfolgen.

Vor einigen Tagen fiel mir eher zufällig der Film “A good Marriage” in die Hände und ich kam auf die Idee, ein Double Feature über 2014 durch den Rost gefallene King-Verfilmungen zu schreiben. Eine Google-Suche später war es ein Triple Feature.

Es sei vorausgeschickt, dass ich keine der Vorlagen gelesen habe und deshalb die Werktreue nur sehr vage einschätzen kann.

Big Driver posterBig Driver

USA 2014. Regie: Mikael Salomon. Besetzung: Maria Bello, Ann Dowd, Will Harris, Joan Jett, Olympia Dukakis u.a.

Story: Krimiautorin Tess Thorne nimmt nach einer Lesung den Tipp, die Heimfahrt abzukürzen, gerne an – und landet mit einem platten Reifen erst im Nirgendwo, dann unter einem verschwitzten Trucker, der sie mehrfach vergewaltigt und schließlich als tot in einem Abflussrohr entsorgt. Doch Tess überlebt und macht sich mit der Sorgfalt einer Schriftstellerin daran, Rache zu nehmen – unterstützt von Tom, der Stimme ihres Navigationsgeräts, und Doreen, der fiktiven Heldin ihrer Bestseller…

Kritik: Zuerst einmal scheint es seltsam, einen King-Film auf dem Weichspül-Sender Lifetime zu finden, der eher das Oprah Winfrey-Publikum anspricht und Krimis nur in der Liga von Nora Roberts produziert. Wenn man aber mal genauer drüber nachdenkt. würden sich diverse King-Stoffe (z.B. “Cujo” und “Dolores”) mit ihren Soap-Elementen und den starken weiblichen Protagonisten für eine derartige Aufarbeitung eignen.

“Big Driver” basiert auf der gleichnamigen Novelle aus der Sammlung “Zwischen Dunkel und Nacht” aus dem Jahr 2010. Es ist Kings “gender switch” Version von “Ein Mann sieht rot”. Die Brutalität zu schmerzhaft, die Gewalt zu unfassbar, als dass die Justiz adäquat helfen könnte – da muss die selbstbestimmte Amerikanerin halt zum großen Kaliber greifen.

big driver

Das hier ist nicht die erste King-Verfilmung von Salomon und der ehemalige A-Kameramann ist sehr gut darin, sowohl die heile Welt der King-typischen Bestsellerautorin zu bebildern, als auch den Einbruch der Gewalt, die Auflösung von Privatsphäre und kuscheliger Sicherheit. Gerade als Schriftstellerin weiß Tess um die Abgründe der Menschen, kennt ihre Niedertracht. Natürlich könnte sie zur Polizei gehen – aber was werden die Nachbarn sagen? Noch schlimmer – was werden sie hinter vorgehaltener Hand flüstern? Der Rachefeldzug wird zu einer Aufräumaktion, die Tess’ Leben schützen soll – die einzige Chance, das Erlebnis wirklich hinter sich zu lassen.

Das alles ist flüssig inszeniert, schön anzusehen und vom beeindruckenden Cast sehr professionell gespielt.

Aber es reicht nicht. “Big Driver” ist letztlich ein Film ohne Entwicklung, ohne Wendung, der aus der Novelle keine plausible 3 Akt-Struktur baut. Tess wird vergewaltigt, Tess rächt sich – das war’s auch schon. Es fehlen die Hindernisse, die Wendungen, die Überraschungen, für die gerade King bekannt ist. Das ist umso schmerzlicher, da Ansätze vorhanden sind – das Navigationsgerät und die Protagonistin von Tess’ Romanen zu “Mittätern” zu machen, ist so putzig wie gruselig. Und es könnte prima auf einen Wahnsinn der Hauptfigur hindeuten, der alles, was wir sehen, in Frage stellt.

Aber das traut sich Salomon nicht, weil “Big Driver” für das weibliche TV-Publikum schmackhaft und leicht verdaulich sein muss. Er verlässt sich auf leichte, unkomplizierte Antworten, die es gerade im Fall von Vergewaltigung und Mord eigentlich NICHT geben sollte.

So ist der perfekteste Moment ein sehr kleiner, als wir noch glauben können, dass der Film eine völlig unerwartete Richtung einschlägt – wenn das Navigationsgerät mechanisch und unerwartet sagt “I don’t like it out here”. DAS ist ein perfekter King-Moment in einem Film, der ansonsten bestenfalls King light bietet.

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Fazit: Ein für den Frauensender Lifetime erstaunlich rüder und zynischer Rachethriller mit vielen King-typischen Details, der als Fernsehfilm überzeugt, als King-Adaption jedoch allenfalls Durchschnitt darstellt.

good-marriage-posterA Good Marriage

USA 2014. Regie: Peter Askin. Besetzung: Joan Allen, Anthony LaPaglia, Stephen Lang u.a.

Story: Darcy und Bob sind seit 25 Jahren verheiratet, als Darcy eine entsetzliche Entdeckung macht – Bob ist ein gesuchter Serienkiller, der seine jungen weiblichen Opfer vor dem Mord sadistisch vergewaltigt. Mit seinen Untaten konfrontiert, zeigt Bob sich geständig, aber uneinsichtig: Wenn Darcy nur die Klappe hält, kann alles bleiben, wie es ist – und der Familienfrieden bleibt gewahrt…

Kritik: Auch “A Good Marriage” stammt aus der Geschichtensammlung “Zwischen Dunkel und Nacht” und es ist vielleicht ein Zeichen von Kings nachlassender Potenz als Autor, dass beide Geschichten sich unter der Oberfläche ähneln: Es geht um den gewaltsamen Erhalt der Privatsphäre und des heimischen Glücks, um Frauen, die zu sehr männlicher Brutalität greifen, um nicht ihr Leben, sondern ihren Lebensstil zu verteidigen. Und in beiden Fällen fällt King dazu – abgesehen von einem mäßig cleveren “What if?”-Setup – nicht viel ein.

Wie “Big Driver” besteht “A Good Marriage” aus zwei Teilen, wo gute Filme aus drei bestehen sollten – Darcy entlarvt ihren Mann als Killer, Darcy entledigt sich ihres Mannes. Am Schluss wird in beiden Geschichten die Rache durch externe Charaktere gerechtfertigt, bzw. validiert. Diese Erzählstruktur ist gerade bei weiblichen Thriller-Autoren fast schon die Norm und erschreckend gesellschaftlich akzeptiert: Die gequälte Frau hat nicht nur das Recht zur Selbstjustiz, die Rache wird sogar mitfühlend abgenickt und mit einem “das hat er verdient, das Schwein!” legitimiert. Die Unfähigkeit des Systems, Frauen zu schützen, wird als bequemer Katalysator vorausgesetzt.

marriage

Leider ist “A Good Marriage” darüber hinaus noch deutlich schwächer als “Big Driver”. Weder die Darsteller noch die Inszenierung noch die Kameraarbeit schaffen es je über Fernsehniveau, was fast schon amüsant ist, sollte “A Good Marriage” im Gegensatz zu “Big Driver” doch KEIN TV-Film sein. Regisseur Peter Askin interessiert sich mehr für die Mechanismen einer zerbrechenden Ehe als für den Horror, eine Bestie im eigenen Haus vorzufinden. Zugegeben, LaPaglia hat sichtlich Spaß, den spießig-charmanten Psychopathen zu geben, aber er steckt in einer Figur, die in ihrer Monstrosität nie über sich hinaus wächst, nie wahre King-Ausmaße annimmt. Er bleibt immer Jack Torrance, wird nie Johnny.

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Fazit: Ein Ehedrama auf TV-Niveau, das weder aus seiner Grundidee noch aus seinen Darstellern Saft zieht und lange vor dem Finale langweilt.

mercy-posterMercy

USA 2014. Regie: Peter Cornwell. Besetzung: Dylan McDermott, Frances O’Connor, Chandler Riggs, Mark Duplass, Hana Hayes u.a.

Story: George liebt sein Großmutter Mercy, ist aber entsetzt, als die Familie sie aus dem Pflegeheim in ihr kleines Landhaus zurück holen muss – die alte Frau schwankt zwischen Wachkoma und aggressiven Schüben, die den Jungen völlig überfordern. Hinzu kommt, dass das Haus einige Geheimnisse birgt, die darauf schließen lassen, dass Mercy nicht ohne Grund so von Sinnen ist…

Kritik: Im Gegensatz zu den anderen beiden Adaptionen hat die Vorlage von “Mercy” schon dreißig Jahre auf dem Buckel und wurde für die Serie “Twilight Zone” damals bereits umgesetzt (relativ werkgetreu, aber nicht besonders gut):

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Peter Cornwell, Regisseur von “The Haunting in Connecticut” versucht es nun noch einmal auf Spielfilmlänge. Nach allem, was man so hört, gab es hinter den Kulissen ziemlich stress, der schon lange fertige Film wurde mehrfach verschoben und schließlich relativ geräuschlos veröffentlicht.

Eigentlich schade, denn sehr viel falsch macht “Mercy” nicht – zwar muss man auch einen sehr kleinen Ausschnitt zu einer größeren Geschichte aufblähen, aber mit dem momentan populären Genre der Haunting/Possession-Filme hat man wenigstens ein Gerüst, an dem man sich dabei entlang hangeln kann. So behält “Mercy” die grobe Struktur von Kings Geschichte bei, erweitert sich aber um Charaktere und Backstory.

MercyEs knirscht an relativ wenigen Stellen – dass man eine Frau in Mercys Zustand allen Ernstes in ein Landhaus “in the middle of nowhere” verfrachtet, ist ebenso wenig glaubwürdig wie Georges Sorge, sie könne ihm wegsterben – angesichts ihres Verhaltens sollte das seine größte Hoffnung sein.

Kings Geschichte ist außerdem eher zahm, was dazu führt, dass “Mercy” zwar aussieht wie einer der Haunting-Filme, insgesamt aber vergleichsweise harmlos bleibt. Das ist FSK 16 und vielleicht für die Zielgruppe etwas zu schwach, besonders weil Cornwell das naheliegende ambivalente Ende von Kings Kurzgeschichte einem eindeutigen und damit enttäuschenden Happy End opfert.

Trotz der Defizite ist “Mercy” von den drei hier vorgestellten King-Adaptionen diejenige, die am ehesten als kompletter Film funktioniert und durchaus auch auf der Kinoleinwand ihre Berechtigung hat. Es ist kein großer Grusler, kein Klassiker für die kommenden Generationen – aber eine solide Achterbahnfahrt, auf die man auch die Freundin mitnehmen kann. Außerdem ist er mit 75 Minuten nett erfreulich kurz(weilig).

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Fazit: Hübsch anzusehender Grusler im hippen Haunting-Stil, der sich sichtlich bemüht, eine zu kurze Geschichte plausibel zu strecken, sich aber dabei immer wieder verstolpert und durch ein schwaches Happy End nochmal Minuspunkte sammelt.

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30
Dezember 2014

Indie-Genre Double Feature: “I Origins” & “Tusk”

I Origins

ioriginsposterUSA 2014. Regie: Mike Cahill. Besetzung: Michael Pitt, Brit Marling, Astrid Bergès-Frisbey, Steven Yeun, Archie Panjabi u.a.

Offizielle Synopsis: Ian Gray, der an seiner Doktorarbeit in Molekularbiologie arbeitet, verlässt sein Labor und geht zu einer Party, wo er eine intensive Begegnung mit einem maskierten Model hat. Obwohl er nur ihre Augen gesehen hat, spürt er sie auf und verliebt sich in sie. Ihr gegensätzlichen Ansichten vom Leben verstärken ihre Verbindung nur noch, und die beiden schwören sich, für immer zusammenzubleiben. Jahre später machen Ian und seine Laborpartnerin Karen eine erstaunliche Entdeckung mit existentiellen Konsequenzen.

Kritik: Oh, wow. Wow. Ich hatte Mike Cahills hochgelobten Indie-SF-Erstling “Another Earth” verpasst, darum wollte ich ihm wenigstens mit einem Screening seines Indie-SF-Zweitlings Respekt zollen. 7,0 und 7,3 bei der IMDB, das ist schließlich kein Fliegenschiss. Und Low Budget-Zukunftsvisionen sind ja auch so richtig meins.

Was für ein SCHEISS!

Mann, Mann, Mann! Ich behalte mir das Fazit ja normalweise für das letzte Drittel eines Reviews auf, aber hier kann ich echt nicht an mich halten. Das muss jetzt raus: FUCK!

Cahill hat Hipster-SF erfunden, utopisches Kino für Angeber und Eierschaukler irgendwo zwischen “Cherie, mir ist schlecht” und “Coherence“. Schöne, leere Menschen reden penetrant pseudo-tiefgründiges Zeug, als wäre jeder Nudelauflauf eine existenzialistische Krise wert. Eine wirklicher Hirnfurz wird als epochale Message verkauft, die unsere Existenz neu definiert, Wissenschaft und Spiritualität vermählt. Ian entdeckt zuerst seine Seelenverwandte, schließlich sogar die Seele selbst – alles in den Augen des bezaubernd spontanen Models Sofi, das ihn lehrt, auf sein Herz zu hören.

Wenn ich gerade auf meinen Magen höre, muss ich kotzen.

Es ist schwer zu beschreiben, wie unfassbar dämlich ich diesen Streifen finde. Ich brauchte eine Weile, den Grund dafür zu finden. “I Origins” sieht durchaus schick aus, hat gute Darsteller, ist zwar nicht schnell, aber auch nicht trödelig. Was also weckt in mir solche Aversionen?

Es ist die Arroganz. Diese alles durchdringende, durchschaubare, ejakulative Arroganz eines Filmemachers, dessen erzählerisches Talent sich in Abercrombie & Fitch-Ästhetik und Calvin Klein Werbespot-Weisheiten erschöpft, der aber in jeder Szene inszenatorisch die Arme hochreißt, den Kopf in den Nacken wirft und ruft “Preiset mich, denn ich schenke euch meinen Genius!” – um dann in den Regiestuhl zurück zu plumpsen und sich Mineralwasser für 55 Dollar die Flasche reichen zu lassen.

Ich bin SICHER, Cahill hat jeden Abend, wenn er bei seinen Starlets keinen hochbekommen hat, beiläufig abgewunken, dass für echten Koitus angesichts seiner cineastischen Orgasmen einfach keine Potenz mehr übrig sei. Er schenkt sich schließlich mit seinen Filmen der ganzen Welt, das ermüdet.

Diese Erdspalte zwischen geprotztem Anspruch und jämmerlichem Ergebnis ist es, die mich so wütend macht. Und die Tatsache, dass so viele Kritiker sich davon blenden lassen, weil es eben immer sicherer ist, Größenwahn zu beklatschen, als lachend auf den nackten Mann zu zeigen und sich dem Vorwurf auszusetzen, man könne vielleicht einfach nur die Vielschichtigkeit des Gesehenen nicht nachvollziehen.

Fuck that shit. “I Origins” hat die Substanz einer bekifften Idee, die man am nächsten Morgen schon wieder vergessen haben sollte. Der Geistesblitz lautet: “Wenn der Mensch eine Seele hat und die Augen der Spiegel zur Seele sind – kann man dann vielleicht an der einzigartigen Struktur der Augen Reinkarnation beweisen?”. Das wäre vielleicht sogar ein Ausgangspunkt für ein ganz brauchbares Skript. Nur leider kriegt Cahill über diese zwei Zeilen hinaus den Arsch nicht hoch. Weder kann er die Entdeckung dieser Tatsache plausibel erzählen – noch ihre Konsequenz. Letzten Endes sollen wir von der schieren Idee überwältigt sein und hinterer bei einem guten Chianti noch stundenlang darüber diskutieren.

Wäre “I Origins” kein Hipster-Film, sondern ein Hipster – ich würde ihm gerne auf einer Party begegnen. Und dann derart auseinander pflücken, dass sich selbst seine hohle Freundin (asiatisch-irische Innenarchitektin, trägt Pudelmütze und weiße Plastikbrille) für ihn schämt.

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Fazit: Pseudo-intellektueller Schwachfug mit dünner Story, unsäglich prätentiösen Dialogen und Hipster-Anspruch, der jenseits der selbsternannten In-Crowd kaum einen Filmfan aus dem Keller locken wird.

Tusk

tuskUSA 2014. Regie: Kevin Smith. Besetzung: Michael Parks, Justin Long, Haley Joel Osment, Génesis Rodríguez und Johnny Depp

Story: Wallace, ein großkotziger und zynischer Podcaster, reist nach Kanada, um dort einen jungen zu interviewen, der sich aus Versehen das Bein abgehackt hatte und dadurch zum viralen Videostar wurde. Daraus wird nichts, aber Wallace stößt auf Mr. Howard, der ihm unglaubliche Geschichten aus seinem langen Leben verspricht. Leider stellt sich schnell heraus, dass Howard aus dem armen Wallace einen Gefährten erschaffen will, dem er seit Jahrzehnten nachtrauert. Aus jedem drogeninduzierten Koma wacht Wallace fortan mit weniger Extremitäten auf…

Kritik: Wenn ich das richtig verstehe, geht “Tusk” auf eine virale Story zurück, die Kevin Smith in einem Podcast weiter gesponnen hat und dann als Basis für ein Drehbuch nahm, um die Zeit bis “Clerks III” zu überbrücken. Er selbst definiert die Basis für den Film so:

I just wanted to showcase Michael Parks in a fucked up story, where he could recite some Lewis Carroll and The Rime of the Ancient Mariner to some poor motherfucker sewn into a realistic walrus costume.

Das ist dummerweise zu wenig für einen Film. “Tusk” missglückt zu nennen, ist eine sträfliche Untertreibung. Der Film ist ein Debakel auf allen Ebenen. Er ist hässlich, handelt von hässlichen Menschen, die hässliche Dinge tun – und er hat kein Interesse, das zu brechen, zu spiegeln oder zu wenden. Wie die viralen Videos, die er anzuprangern vorgibt, suhlt er sich im Gaffertum, provoziert Ekel ohne Facetten, freut sich über die eigene Bedeutungslosigkeit, die eigene Leere, die eigene Antriebslosigkeit.

Selbst wenn wir den lahmen “Misery”-Plot, dem nach einer halben Stunde mangels Ideen und Charakteren die Luft ausgeht, außen vor lassen, ist “Tusk” ein Wrack: Der Subplot von Teddy und Ally killt alle Suspense, denn wir wissen immer, dass jemand auf der Suche nach Wallace ist und ihn am Ende finden wird. Howard Howe ist ein fragiler alter Mann, kein matronenhaftes Monster wie Annie Wilkes. Nach nicht mal der Hälfte der Laufzeit ist außerdem unbestreitbar, dass Wallace vielleicht gefunden wird – aber auf jeden Fall zu spät.

Als hätte er seine eigene Dramaturgie durch den Subplot nicht schon ausreichend torpediert, setzt Smith noch einen drauf: Johnny Depp spielt einen kanadischen Ermittler in einer Gastrolle, die fassungslos macht. Er ist nicht schlecht – er ist so katastrophal, als wolle er sich an Smith für irgendwas rächen, als wolle er beweisen, dass “and starring Johnny Depp” zugleich Bonus und Malus sein kann, dass Captain Sparrow noch lange nicht die Grenze seines Overacting ist. Hätte der Film in dem Moment, in dem Depp erstmals auftaucht, noch einen Funken Leben gehabt – hier wäre er hinter die Scheune gebracht und mit der Schrotflinte erledigt worden.

In vielerlei Beziehung ist “Tusk” das Gegenteil von “I Origins” – er scheitert nicht am grandiosen Anspruch, sondern am völligen Mangel eines solchen. Es ist die Sorte Film, die jemand wie Smith besoffen an einem Wochenende rauskotzen kann – und die er deshalb schon lange nicht mehr drehen sollte. So etwas überlässt man als Erstling einem begeisterten Protegé, der etwas zu beweisen hat.

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Fazit: One Trick Pony-Mischung aus Farce, Torture Porn und “Misery” mit einigen miserablen Performances und der Substanz von 30 Minuten, die auf 105 gestreckt wurde. Ein Lowlight in der Karriere von Kevin Smith.

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29
Dezember 2014

K(oll)ateralschaden

Es gibt Accessoires, die ich nicht benutze, weil ich mich nie an sie gewöhnen konnte – Regenschirme, Mützen, Sonnenbrillen, Schals. Trotzdem HABE ich Regenschirme, Mützen, Sonnenbrillen und Schals – das ist Teil meines Plunderproblems.

Neulich musste ich aber mal einen neuen Schal kaufen, weil ich bei einer Schneeproduktion zur dunkelgrauen Jacke laut LvA “irgendwas mit Farbe” brauchte – alle meine Schals sind so grau wie mein Gemüt. Eilfertig kaufte ich einen blaugraurotweißen Schal bei Tchibo.

Zu Hause machte ich den Fehler, die Tüte mit dem eingepackten Schal unbeaufsichtigt zu lassen. Am nächsten Tag sah er so aus:

schalRufus hatte entschieden, dass der Schal entweder ein Erzfeind der Menschheit ist, den es zu erlegen galt – oder das tollste Spielzeug seit der zwei Meter langen Gliederkette, die er immer breitbeinig durch die Wohnung schleppt.

Ob die den noch als Fehlkauf umtauschen?

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28
Dezember 2014

You need to zig-a-zig-ahhh: Big Fat Quiz of the Year

Es ist eine Tradition für die LvA und mich seit 2010: Zwischen den Jahren schauen wir das “Big Fat Quiz of the Year” mit Moderator Jimmy Carr und drei Teams aus Showstars und Comedians. Es ist hysterisch komisch und wir können prima prüfen, ob wir über das Geschehen in Königreich adäquat auf dem Laufenden sind. Wir sind.

Seit zehn Jahren gibt es das “Big Fat Quiz” nun schon mit diversen Ablegern, es ist eine echte Institution für die Engländer und eine wunderbare Alternative zu den ganzen trocknen Jahresrückblicken.

Die 2014er-Fassung gibt es (noch) auch auf YouTube. Besonders sehenswert wird die Folge durch Ex-Spice Girl Mel B., die vermutlich unter Alkohol und/oder Psychopharmaka steht, komplett humorfrei ist und sich von den Mitspielern gnadenlos veralbern lassen muss:

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28
Dezember 2014

Cthulhu in Entenhausen

Als Kind habe ich viel “Micky Maus” gelesen, sowohl die Heftchen als auch die Lustigen Taschenbücher. Ein Klassiker ist immer noch Band 41 “Donald mal ganz anders“, die brillante Origin Story von Phantomias. Von Erika Fuchs habe ich Worte wie “Tapisserie”, “Morpheus” und “Triptychon” gelernt, auch lateinische Phrasen wie “plenus venter non studet libenter” (“Voller Bauch studiert nicht gern”). Ein üppiges Mahl begrüße ich heute noch gerne mit dem Satz “Jetzt muss ich mir erstmal was Nahrhaftes zwischen die Rippen schieben”.

Beim B-Film Basterds Festival vor zwei Jahren kaufte ich als Klolektüre das “Mega Magnum 4″, 750 Seiten mit aus den “Lustigen Taschenbüchern” recycelten Geschichten für 3 Euro (gebraucht). Ich wollte mal sehen, was der aktuelle Stand ist.

Es fällt auf, dass die Comics in den letzten 20 Jahren stark modernisiert wurden. Die Bildsprache ist unruhiger, hektischer, die Dialoge sind aggressiver. Vor allem aber bricht man immer mehr aus dem Disney-Universum aus, parodiert/adaptiert Star Wars und Men in Black, James Bond und Superman. Die Konkurrenz von Fix & Foxi hat sich ja auch schon an “World of Warcraft” verhoben.

Trotzdem hätte ich nicht damit gerechnet, dass man bei Disney mittlerweile allen Ernstes auf H.P. Lovecraft zurück greift!

Die Story von Mark und Laura Shaw heißt original “The Call of C’rruso” (bei uns “Der Supersänger”) und lässt keinen Zweifel an der Inspiration:

cth

Die englische Einleitung lautet übrigens

What if the whole world and everybody in it weren’t real, but just a bad dream of some unreal sleeper?

Ich bin nicht sicher, ob ich das als 8jähriger emotional verkraftet hätte…

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28
Dezember 2014

The Year of Giving Dangerously – Update

Ich erinnere mich nur vage an diesen Bekannten. Das war Mitte der 70er, da war ich noch ein Knirps und der Mann hat uns nur ein paar Mal besucht. Ich glaube, er war mit einem Onkel oder einer Tante deutlich besser befreundet. Ich kannte allerdings seinen Arbeitgeber – er war bei Henkel. Das war offensichtlich, denn er brachte uns eines Tages einen Kofferraum voll mit Waschmitteln und anderen Produkten aus dem Sortiment dieses Herstellers. Aus Gesprächsfetzen konnte ich schlussfolgern, dass er auch andere Menschen seines Umfelds derart beschenkte.

Zwei Tage später hängte er sich auf.

Seinen Grabstein fand ich ein paar Jahre später auf den Hinweis meiner Mutter nur ein paar Meter neben dem von meiner Oma. Eine schmucklose letzte Ruhestätte – er hatte wohl an Einsamkeit gelitten und entschieden, dass “weiter so” nicht mehr die Attraktivität von “weg hier” hatte.

Es hat mich als Kind fasziniert, dass jemand, der seinen Suizid plant, vorher noch Dinge im Bekanntenkreis verteilt, die andere Leuten brauchen können. Diese Rücksicht angesichts eines doch so viel wichtigeren, persönlichen Schrittes. Oder war es ein Hilferuf, den niemand hören wollte?

Wie dem auch sei – die folgenden Zeilen sollten bitte nicht ähnlich interpretiert werden. Meine Inventur ist kein Kassensturz vor dem Brückensturz. Alles easy. Mir geht’s prima.

Der Adventskalender 2014 ist rum und war – wenn ich das sagen darf – ein voller Erfolg. Nicht finanziell, und anstrengend war es auch, aber ich glaube, viele schöne Dinge haben stolze neue Besitzer gefunden. Und ein Bücherregal ist für ein Buch nun mal der karmisch fairere Platz im Vergleich zum Altpapiercontainer.

Im ersten Beitrag zu diesem Thema habe ich schon gesagt, dass ich diesmal dran bleiben will. Dass es um mehr geht als um ein aufgeräumtes Arbeitszimmer. Es geht um ein aufgeräumtes Leben. Und darum haben die LvA und ich an und zwischen den Feiertagen begonnen, die Regale auszumisten, die Schubladen zu sichten, die Bestände in Sachen Werkzeug, Putzmittel und Kugelschreiber zu ordnen.

Mir ist dabei aufgefallen, dass das Problem der Grundräumung sich in ein leichtes Prinzip fassen lässt – und seine Lösung ebenso.

Wir besitzen meistens drei Sorten Dinge: ja, nein und vielleicht. Ja sind die Dinge, die wir unbedingt brauchen, an denen unbezahlbare Erinnerungen hängen, die einen Wert über den Wert hinaus haben. Das kann eine Kette der Oma sein, ein Requisit von meinen Dreharbeiten oder auch nur eine Box mit alten Briefen. Nein sind Dinge, die wir nicht mehr brauchen und bei denen das auch klar ist. Die können weg, von Herzen ohne Schmerzen.

Triumph und Niederlage bei der Entmistung sind die vielleicht. Vielleicht brauche ich das noch mal, vielleicht findet sich ja doch noch ein Platz, vielleicht kann Kumpel X oder Y das brauchen. An vielleicht hängt oft auch Geld (“weißt du, was das gekostet hat?”) oder Nostalgie. Und vielleicht ist der Punkt, an dem man ansetzen muss. Vielleicht darf sich nicht mehr an ja kuscheln und in dunklen Ecken verstecken. Vielleicht muss den Weg von nein gehen. Hinaus!

DB3So, wie ich das eben gesichtet habe, besteht unser 85 Quadratmeter Dachboden zu 80 Prozent aus vielleicht. Machen wir uns nichts vor: Es wird mir nicht gelingen, mich von diesen 80 Prozent vollständig zu lösen. Aber es wäre unheimlich was gewonnen, wenn ich von den 80 Prozent vielleicht 50 Prozent loswerden könnte. Denn die 50 Prozent machen wiederum 80 Prozent des Volumens aus. Was wir an Bastkörben, Schaumstoffmatratzen, Holzbrettern, Schränkchen und verrotteten Bilderrahmen da stehen haben, geht nicht auf die sprichwörtliche Kuhhaut (von der ich – anders als einer meiner ersten Blogbeiträge impliziert – keine habe).

Aus einem vielleicht ein nein zu machen, bedeutet auch nicht, es zu entwerten.  Ich werde jedes Stück einzeln sichten. Es gibt keinen Grund, einen sehr gut erhaltenen Gel-Kamin wegzuwerfen. Drei Kisten mit Elektrokabeln. Einen Panasonic-DVD-Rekorder, der mal 1000 Euro gekostet hat. Einen Gameboy Advance SP mit einem frei bespielbaren Modul. Eine Canon Ixus-Kamera. Einen Rimowa-Koffer. Einen iRiver-MP3-Player. Einen noch von der Vorwohnung frisch gereinigten und verpackten Teppich. Eine Vibro-Plate. Ein Ergometer. Ein altes, aber noch funktionsfähiges Notebook.

Und dann die Bücher. Hunderte. Die DVDs. Auch Hunderte. Zeitschriften. Hunderte. Comics. Hunderte. Im Kamin verfeuern? Nie im Leben.

Nun kann man viele Bücher einfach in diese Bücherschränke packen, wie es sie hier auch in Speyer mittlerweile gibt. Aber da finde ich die Zielgruppe falsch. Meine Bücher sind meistens aus England oder Amerika, waren ziemlich teuer und dürften bei den entsprechenden Nerds prima Verzückung auslösen.

Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, im ersten Quartal 2015 “Wortvogels wirtuellen Wlohmarkt” (Arbeitstitel) zu starten. Dabei handelt es sich um einen Beitrag an dieser Stelle, der für einige Monate immer als erster auf der Webseite steht. In einer Galerie werden dabei eine wachsende Menge an vielleicht zu sehen sein, die ich unter das Volk zu bringen bereit bin. Viel mehr als Porto & Verpackung werde ich nicht verlangen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst – und was weg ist, wird in der Liste sichtbar ausgestrichen.

Natürlich muss ich darauf achten, den Aufwand für mich handhabbar zu halten. Das heißt, ich werde Bücher und DVDs in eigenen Listen präsentieren und dann “en bloc” verkaufen. Man kann sich drei Bücher oder DVDs (Mischungen gehen auch) auswählen und diese dann für einen noch festzulegenden Pauschalpreis abgreifen.

Andere Dinge werde ich bei Ebay einstellen (z.B. meine Sammlung an SFX-Ausgaben), seltene Bücher bei Amazon gebraucht.

Und was dann am Ende nicht weg gegangen ist – DAS kommt dann in die Bücherschränke der Stadt, in “zu verschenken”-Kartons vor der Haustür und zum Wertstoffhof.

Leben heißt loslassen. Und durchatmen.

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27
Dezember 2014

Aral: Alles super doof.

franziEs geht mit bei diesem Beitrag weniger um Häme, mehr um mangelndes Verständnis. Es gibt immer wieder Situationen, da stehe ich vor Plakaten und frage mich, was in den Köpfen von Werbeagenturen und Großkonzernen eigentlich vorgeht, wenn sie neue Kampagnen planen und dabei zig Millionen rausballern.

Nehmen wir das nebenstehende Bild, das ich vor einigen Tagen an einer Aral-Tankstelle aufgenommen habe. Es ist das aktuellste Motiv einer seit ein paar Monaten laufenden Aktion. Franzi van Almsick wirbt für Aral-Prämien per Payback.

Zuerst einmal: Franzi van Almsick? Seriously? Eine Sportlerin, die nie so erfolgreich war, wie die BILD sie schreiben wollte, die vor 20 Jahren das erste und einzige Mal bei einer Schwimm-WM überzeugen konnte und die sich vor 10 Jahren aus dem aktiven Sport zurück gezogen hat? DIE gilt heute noch als zugkräftiger Promi für die Werbekampagne eines internationalen Öl-Multis?

Und weil man sie vielleicht nicht erkennen könnte, muss sich die Mittdreißigerin und Mutter von zwei Kindern noch mal im Badeanzug an einen Pool stellen – weil Öl und Wasser so gut zusammen passen, Leistungssport und Dieselmotoren? Wie genau soll da der Image-Transfer funktionieren?

Hätte ich Zeit und kein Leben, ich hätte mal 100 beliebige Aral-Kunden befragt, wer die Frau auf dem Plakat ist. Ich bin ziemlich sicher, die Trefferquote hätte bei unter 20 Prozent gelegen.

Das erinnert mich ein wenig an furchtbar vergeigte Radiospots mit Regina Halmich vor einigen Jahren, in denen die bestenfalls C-prominente Boxerin sich erstmal mit den Worten “Hallo, hier spricht Regina Halmich – die Boxerin!” vorstellen musste. Merke: Wenn deine “spokesperson” im Äther erstmal den Ausweis vorzeigen muss, ist sie als “spokesperson” ungeeignet.

Zurück zu Almsick: Ich kann schlicht das Agenturmeeting nicht nachvollziehen, in dem ein Werber beim Brainstorming in die Runde schreit “Ich hab’s! Wir nehmen Franzi für die Aral-Kampagne!” – und die Kollegen respektvoll nicken. Und der Konzern am Tag drauf begeistert den Daumen nach oben hält.

Kommen wir nun von der allgemeinen Abstrusität der Kampagne zur speziellen, nämlich diesem Weihnachtsmotiv. Was wird hier angepriesen bzw. verkauft, was ist die Aussage des Plakats?

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Autofahrer sollen viel tanken und anderen Schnickschnack kaufen, um ausreichend Paypack-Punkte anzusammeln, damit sie noch schnell Handtücher als Weihnachtsgeschenke mitnehmen können. Aus der Tanke.

Ich wiederhole das gerne: Die Kampagne richtet sich an eine Zielgruppe, die an Weihnachten in Panik gerät, weil nicht alle Geschenke gekauft sind und dieses Problem raffiniert löst, in dem sie den Tank füllt und eine Stange Marlboro Light kauft, um dann die erreichten Payback-Punkte in Handtücher umzuwandeln. Aus der Tanke.

Weil man nicht gleich die Stange Zigaretten verschenken könnte. Weil man schönere, bessere und individuellere Handtücher nicht auch am Heiligabend vormittags bei IKEA bekommt. Weil die DVDs, CDs, Bücher und Alkoholika in der Tanke keine besseren Geschenke wären. Weil nichts weihnachtliche Nächstenliebe besser ausdrückt als “Hier haste ein Handtuch – ich habe für dich mein Payback-Punktekonto geplündert”.

Ich mag einfach nicht glauben, dass es solche Menschen gibt…

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26
Dezember 2014

Crowdfunding “Video Watchdog” und die Gefahren der digitalen Nostalgie

viwaIch liebe das Magazin “Video Watchdog“, seit ich es auf meinen Reisen in die USA in den 90er Jahren entdeckt habe. Kaum ein Fanzine wird mit so professioneller Akribie gemacht, mit so viel Liebe zum Detail. Tim Lucas und Konsorten sind keine Fanschreiber, sondern Cinephile, deren Interesse weit über Horror und SF hinaus geht. Sie lieben Kino – und von ihnen kann man lernen, Kino zu lieben.

Als Tim Lucas sein sechs Kilo schweres opus magnum “Mario Bava: All the colors of the dark” nach über 30 Jahren Feinarbeit endlich heraus brachte, gehörte ich zu den ersten Käufern. Ich habe es nie bereut.

Es gab Zeiten, da lagen VW und ich über kreuz – als Kim Newman die Fans von MST3K als armselige Wichte beschrieb, die wohl keine Freunde hätten, schrieb ich ihm eine böse Email, die er patzig abkanzelte. Und als Tim Lucas sich hinter Kim stellte, war die VW zwei Jahre lang für mich gestorben. Schwamm drüber.

Ich bin auch zugegebenermaßen nicht glücklich über Tims Reaktion auf den Lianne Spiderbaby-Skandal. In seinem aktuellen Editorial verurteilt er zwar ihr Vorgehen, stilisiert sie aber immer noch zum Opfer – für mich ist das so, als würde man den Bankräuber bedauern, weil er für seine Taten im Gefängnis sitzen muss.

Mein Hauptproblem ist allerdings: So toll “Video Watchdog” auch ist, so teuer ist es auch, besonders inklusive Versand. Und im Gegensatz zu anderen Magazinen kann man sich ältere Hefte nicht günstig nachbestellen. Viele sind komplett vergriffen. Nachträglich eine lückenlose Sammlung aufzubauen, war mir daher zu aufwändig und kostenträchtig. Darum habe ich Tim Lucas vor Jahren auch schon geraten, doch mal über eine komplette Digitalisierung der Bestände nachzudenken.

Das hat er getan. Im Februar 2014 endete die Indiegogo-Kampagne zu genau diesem Zweck. Fast das Doppelte als die erhoffte Summe hat die Aktion gebracht. Genügend Cash, um sämtliche alten Ausgaben lesefreundlich in die digitale Ära zu retten und auf Tablets und Computern abrufbar zu machen.

Zufrieden bin ich trotzdem nicht.

Ja, es ist super, beispiellos fast, dass man auf der Webseite das aktuelle Heft tatsächlich kostenlos lesen kann. Es ist auch vergleichsweise komfortabel, was das Handling angeht.

vw

Aber Grundgütiger, hätte man die Präsentation der Video Watchdog auf noch mehr Webseiten verteilen, die Angebote noch unübersichtlicher gestalten und die Preise noch abstruser staffeln können?!

Selbst als Backer der Indiegogo-Kampagne musste man mindestens 175 Dollar investieren, um Zugriff auf das komplette Archiv zu erhalten. Zum offiziellen Start (für diesen Monat angekündigt, aber augenscheinlich noch nicht angelaufen) wird es mindestens doppelt so teuer.

Schlimmer wird die Angelegenheit dadurch, dass Tim sich entschieden hat, die Hefte im Flash-Format online bereit zu stellen. Das heißt: Man kann die Ausgaben nicht auf die eigene Festplatte speichern, nicht sammeln, nicht auf beliebigen Plattformen ohne DRM-Probleme anschauen. So schön sie sind, so kastriert sind die Digi-Versionen auch. Was passiert, wenn Flash in ein paar Jahren endgültig out ist oder Tim die Server abschaltet oder die Apps nicht mehr updated, daran mag ich gar nicht denken.

Das scheint Tim auch klar zu sein – darum gibt es die Option, “the whole enchilada” zu kaufen, bei der die Hefte auch auf die eigene Festplatte gesichert werden können. In welchem Format, das scheint aktuell unsicher. Sicher ist aber der Preis: 599 Dollar für 176 Hefte plus Specials. Aktuell als Vorkäufer-Sonderangebot 450 Dollar. Bei der Kampagne kostete dieses Angebot 300 Dollar.

300 Dollar für ein rein digitales Archiv eines Horrormagazins, noch dazu in einem nicht zukunftsträchtigen Format. 599 Dollar, wenn man sich erst in ein paar Wochen dazu durchringen kann. Das sind fast vier Dollar pro Heft – und genau die will Tim dann auch für digitale Einzelausgaben haben. Dafür, dass man im wahrsten Sinne des Wortes nichts in der Hand hat.

Sorry, das ist Wucher.

Fakt ist: Mit der Indiegogo-Kampagne hat Tim Lucas die Digitalisierung seines Archivs finanziert. Es gibt keinen Grund, diese Kosten nun erneut über Digi-Abos einzutreiben. Und da er auch bisher nicht ständig nachgedruckt hat, fallen die Einnahmen für ältere Print-Ausgaben ebenfalls nicht weg. Die Kosten für die Bereitstellung digitaler Hefte sind relativ gering, da geht es primär um Traffic. Und die neuen Ausgaben werden digital erstellt und müssen nicht mühsam aus Printheften gescannt werden. Es sollte also möglich sein, Video Watchdog als digitales Archiv vergleichsweise preiswert zugänglich zu machen und trotzdem noch ordentlich zu verdienen. Leider hat sich Tim augenscheinlich auf den zweiten Aspekt fokussiert.

Wie es aktuell aussieht, ist die digitale Version von Video Watchdog nur für Leute, denen es nichts ausmacht, Vollpreis für den digitalen Komfort zu zahlen – und die keinen Nutzen darin sehen, den Gegenwert auch in 20 Jahren noch im Regal oder wenigstens auf der Festplatte zu haben.

Ich wäre bereit, 175 Dollar (also ein Dollar pro Heft) für die Flash-Variante zu zahlen. Und selbst dabei würde ich an einem langen Abend an einem hoch auflösenden Monitor alle Seiten per Screenshot sichern und dann zu PDF-Ausgaben bündeln, um mich von der kastrierten Flash-Umgebung zu lösen und die Hefte beliebig ansehen zu können. Obwohl ich eigentlich erwarten würde, dass die PDF-Version im Preis inbegriffen ist.

Video Watchdog 2015 erinnert mich an iTunes 2005 und entspricht nicht der Freiheit, die ich meine. Es ist der Versuch, beim Sprung von analog zu digital klammheimlich den Wechsel von Besitz zu Lizenz zu vollziehen. Man darf sich das Heft anschauen, aber wirklich haben darf man es nicht mehr. Das ist dann doch nichts für mich.

Richtige Idee, Tim, falsche Richtung.

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25
Dezember 2014

Mentisentales Fegasel zur Neihwacht (*hicks*)

Meine Lieben,

Heiligabend rum, Feiertage voraus, Silvester in Sicht – 2014 war ein rasantes Jahr, von dem ich jetzt schon nur noch die Rücklichter sehe. Dafür blendet mich 2015 mit unverschämtem Fernlicht und macht auch keine Anstalten, auf die Bremse zu treten.

Kurze Rückschau scheint angebracht.

Wenn man bedenkt, dass ich 2014 tierlos, freiberuflich und in München begonnen habe, ist es fast schon bescheiden, die letzte 12 Monate ereignisreich zu nennen. Ich lebe nun mit der LvA auf zwei Stockwerken in Speyer, zwei Katzen kuscheln sich um unsere Füße, beim Klambt-Verlag bin ich nicht nur “editor at large” der “Liebes Land”, sondern auch Medienredakteur. Für so viele Reportagen, wie das Jahr Wochen hat, bin ich durch die ganze Republik gereist und manchmal darüber hinaus.

Urlaub gab es wenig, zu wenig – aber er wurde wenigstens genutzt. Von Karlsruhe mit dem TGV nach Paris, von Paris nach Guernsey, von Guernsey nach Jersey, von Jersey nach London. So viele neue Eindrücke. Schade, dass für Ibiza 2014 keine Zeit war.

Und natürlich das Fantasy Filmfest – die Nights in München und die volle Packung in Berlin. Lange Abende, kurze Nächte, die Augen entweder auf der Leinwand oder dem Laptop. It’s good to be a nerd.

Das Charles Band-Buch war erfolgreich genug, eine Hardcover-Edition zu rechtfertigen und den Druck des Verlegers, 2015 Band 2 zu schreiben. Wir mühen uns redlich und gerne. Außerdem haben wir ein paar Co-Schreiber an Bord geholt die so manchem Fan ein gepflegtes “holla!” abringen dürften.

Ich versuche nach Kräften, mich zu entspannen und meine Welt für 2015 zu wappnen. Dazu gehört die weitere Entschlackung meines Besitzstandes (inklusive eines großen Wortvogel-Trödelmarkts künftig an dieser Stelle), die fertige Renovierung meines Münchner Hauses (Bilder kommen, versprochen!), ein Redesign des Blogs, die Fortführung diverser brachliegender Reihen, etc pp.

Die Doppelpräsenz Blog/Facebook werde ich beibehalten. Der Wortvogel ist mein Haus, hier stehe ich im Mittelpunkt, hier kommt ihr zu mir. Meine Welt, meine Themen. Facebook ist die Party, auf der ich auch nur Gast bin, auf der man mich in beliebige Gespräche verwickeln kann, auf der alles auf Augenhöhe passiert. Das hat seine Berechtigung.

Das hier mag mein Blog sein, aber ohne euch wäre es sinn- und wertlos. Auch nach acht Jahren, über 2.700 Beiträgen und mehr als 72.000 Kommentaren zeigen sich zumindest bei mir keine Ermüdungserscheinungen. Wir sind ein gutes Team.

Danke.

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24
Dezember 2014

Ja, is’ denn scho’ Weihnachten? Nein, aber des Wortvogels Kalenderplunder muss unters Volk! (24)

Frohe Weihnacht, ihr Wenigen, die ihr an diesem Festtage eure Zeit damit verschwendet, im Internet zu surfen! Wenigstens für eine(n) von euch soll es sich lohnen, denn Wortvogel “Christkind” Dewi entleert letztmalig seinen Sack für euch. Und in einer Woche werde ich mich für diese Formulierung sicher furchtbar schämen…

Was kann, nein, was MUSS das Geschenk zum Heiligabend sein?
streichel mich
Mein Buch. Signiert. Von ALLEN drei Autoren UND Charles Band persönlich. Davon gibt es exakt 20 Stück auf der Welt und nur gut ein Dutzend ist noch verfügbar. Ich denke, 10 werden auf ewig in meinem persönlichen Archiv bleiben. Es sind Sammlerstücke, deren Wert sprunghaft steigen wird, sobald einer der Signatoren den Löffel abgibt. Und wer sich nicht um solche Nerdfaktoren schert, bekommt immer noch ein töfftes Buch mit vielen Bildern und lustigen Anekdoten!

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23
Dezember 2014

Diffi-Cult Directors Double Feature: “The Guest” & “Magic in the Moonlight”

Die beiden Filme, die ich heute bespreche, haben eine eher exzentrische Verbindung zueinander – in beiden Fällen wusste ich vor Ansicht nicht, von welchem Regisseur sie waren. Das macht die Bewertung spannender.

The Guest

The-Guest-Poster-1USA 2014. Regie: Adam Wingard. Besetzung: Dan Stevens, Maika Monroe, Brendan Meyer, Lance Reddick, Leland Orser u.a.

Story: Irgendwo in der amerikanischen Provinz lebt die Familie Peterson mit vielen kleinen Provinz-Problemen – und dem Trauma des in Afghanistan gefallenen Sohnes Caleb. Eines Tages taucht David auf, der behauptet, in Calebs Einheit gedient zu haben. Der höfliche junge Mann macht sich schnell beliebt, vor allem, weil er mit fokussierter Präzision Probleme zu lösen weiß. Tochter Anna hat allerdings bald das Gefühl, dass David nicht alle Kerzen auf dem Kuchen hat – und einer Rüstungsfirma kommt die Rückfrage nach David augenscheinlich sehr ungelegen…

Kritik: Ausgeliehen habe ich mir “The Guest”, weil die LvA und ich mal sehen wollten, wie sich “Matthew” aus “Downton Abbey” als taffer Ex-Soldat schlägt. Es ist offensichtlich, dass Dan Stevens diese Rolle gewählt hat, um von seinem Pussy-Image runter zu kommen.

Inhaltlich reißt “The Guest” keine Bäume aus. Der Gast, der sich als Gefahr entpuppt, ist ein klassisches Motiv des modernen Thrillers, wurde von Hitchcock in “Im Schatten des Zweifels” ebenso thematisiert wie in “Weiblich, ledig, jung, sucht…”, in “Fear” (eine frühe Hauptrolle von Mark Wahlberg) oder in “Stepdad”. Am Ende steht immer das schwächste Mitglied der Familie allein gegen den charmanten Psychopathen. So auch hier. Man kann am Drehbuch allenfalls loben, dass es sich nicht verstolpert und die typischen Elemente dieses Subgenres recht sauber abhakt.

Bei der Inszenierung sieht das aber schon ganz anders aus. “The Guest” ist ausnehmend straff, schnittig und mit einem Auge für Effizienz umgesetzt, das an Grindhouse-Filme der 70er wie “Race with the Devil” und “Der Mann mit der Stahlkralle” erinnert. Die Bilder platzen fast vor Primärfarben, statt ausgewaschenem Pseudo-Realismus regiert hypnotisches Bunt. Und immer wieder überraschen clevere Bildkompositionen und kleine Details, deren Sorgfalt bei einem so klar im B-Bereich angesiedelten Film wahrlich nicht selbstverständlich sind.

Der Cast ist dem Anspruch, auf einem oft beackerten Feld wenigstens die größte Kartoffel zu sein, souverän gewachsen: Dan Stevens schaltet nahtlos von Sonnyboy auf Satansbraten, Maika Monroe gibt der etwas zu billigen Provinz-Schönheit erfreuliche Tiefe und in einer weiteren Rolle überzeugt mal wieder Leland Orser. Nur die Nebenrollen sind teilweise etwas zu “over the top”, was daran liegen mag, dass der Autor sich wenig Mühe gemacht hat, mehr als Pappcharaktere in den Hintergrund zu stellen.

Und so gelingt es “The Guest”, mehr Unterhaltung aus dem “Malen nach Zahlen”-Skript zu quetschen, als eigentlich drin stecken sollte. Wer kleine Thriller mag, wie sie immer mal wieder gerne beim FFF laufen, der findet hier genau die richtige Scheibe für einen spannenden Abend. Wer eine überraschende Geschichte und unerwartete Wendungen sucht, sollte den Film stehen lassen.

Noch ein Wort zum Regisseur: Adam Wingard ist Teil der neuen Horror-Avantgarde aus den USA, gehört zum Umfeld von Eli Roth, den Vicious Brothers, Ti West und E.L. Katz. Das gibt eigentlich deutlichen Punkteabzug, aber wie ich schon in meinem Review zu “A horrible way to die” angemerkt habe, ist Wingard für mich der talentierteste unter den jungen Schlockmeistern. Zwar weicht er ungern von seinen präferierten Formeln ab, aber inszenatorisch ist er West und Roth weit überlegen.

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Fazit: Ein kleiner, aber schicker und mit schönen Einfällen ausgestatteter Psychothriller, der in Sachen Regie und Besetzung deutlich potenter punktet als beim hausbackenen Drehbuch.

Magic in the Moonlight

Magic-in-the-Moonlight-onesheetUSA 2014. Regie: Woody Allen. Besetzung: Colin Firth, Emma Stone, Hamish Linklater, Marcia Gay Harden, Jacki Weaver, Erica Leerhsen, Eileen Atkins, Simon McBurney u.a.

Story: Stanley ist ein erfolgreicher Bühnenzauberer, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Hellseher und andere Scharlatane zu entlarven. Ein Freund holt ihn von Berlin nach Südfrankreich, um dort das Medium Sophie zu entlarven, das sich mit angeblichem Kontakt zum Jenseits in die High Society getrickst hat. Das Problem: Stanley findet keinen Hinweis auf Betrug – und beginnt sich in Sophie zu verlieben…

Kritik: Wenn man in einer Beziehung lebt, kann man nicht nur Horror- und SF-filme schauen. Dann muss der LvA zuliebe auch mal was Romantisches in den Player, gerne mit Colin Firth. So kam ich auch auf “Magic in the Moonlight”, den ich im Kino komplett verpasst hatte. Erst der typische weiße Vorspann-Font auf schwarzem Untergrund ließ mich erkennen, dass es sich um Woody Allens neusten Streich handelte. Kein gutes Omen, kann die LvA den New Yorker Filmkomiker doch nicht leiden und ich gehöre zu der Heerschar an Fans, die “seine frühen, lustigen Filme besser fanden”. Mittlerweile hat der kalauernde Klarinettist einfach nichts mehr zu sagen, er hält keinen Spiegel mehr vor, begnügt sich mit federleichtem Entertainment.

Darum ist es auch kein Wunder, dass “Magic in the Moonlight” kaum mehr ist als die zuckersüße Romanze zweier bezaubernder Menschen vor idyllischer Kulisse, gebadet in weiches, elysisches Licht. Wo es dramaturgische Konflikte bräuchte, beschränkt Allen sich auf harmlose Missverständnisse und am Ende ist der Film nur in Sachen Ironie und Besetzung einem handelsüblichen Pilcher-Melodram überlegen. Das ist dünn, sehr dünn.

Aber es ist eben auch nett anzuschauen und gut fürs Herz. Man will sehen, wie die lebenslustige Sophie den knarzigen Stanley knackt, man möchte mit der ganzen nichtsnutzigen Schnösel-Bande zum Sonnenuntergang einen Aperitif nehmen. Zumal sich Allen diesmal wenigstens das übliche Dutzend Nebenplots und diverse Superstar-Gastauftritte spart. Im Vergleich zu einigen Filmen der letzten zwei Dekaden ist “Magic in the Moonlight” regelrecht bescheiden, im positiven wie im negativen Sinne.

Ich wäre nicht der Wortvogel, würde ich nicht noch ein paar Worte über den Aufhänger des Films verlieren. Natürlich steht Stanley in der Tradition Harry Houdinis und der Konflikt zwischen ihm und Sophie wird wieder mal als der Konflikt zwischen Kopf und Herz inszeniert, zwischen Skeptik und Spiritualität. Das ist natürlich Unfug, weil Skeptik nicht das Ergebnis emotionaler Taubheit ist und Spiritualität kein Ausdruck von gelebter Empathie. Aber auch, wenn Allen hier bequeme Klischees bedient, ist er zumindest redlich genug, Sophie letztlich als die Betrügerin zu entlarven, die sie sein muss. Hier wird nicht um der Figur willen rumgeeiert.

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Fazit: Eine für Woody Allen-Verhältnisse erstaunlich präzise und kleinformatige Art déco-Romanze, die etwas zu sediert reichen Müßiggang feiert. Mit einem anderen Regisseur hätte das nur für einen BBC-Fernsehfilm gereicht.

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23
Dezember 2014

Interna: Kleines Plugin – große Wirkung

Es ist einfach, mit WordPress ein Blog zu betreiben. Die Bedienung ist nicht komplizierter als eine 08/15-Textverarbeitung, auch Amateure können damit schnell und schick ihre Meinung in die Welt posaunen – und tun es.

Man kann WordPress außerdem wie seinen Browser mit Plugins pimpen – das macht das Blog nicht nur schicker und flexibler, sondern erleichtert auch die Arbeit hinter den Kulissen.

Obwohl ich meine Wortvogel-Administration mittlerweile recht ordentlich angepasst habe, fehlte mir immer noch eine Funktion, besonders bei Sachen wie den FFF-Reviews und dem Adventskalender: Man kann für Postings keine Vorlagen herstellen. Damit meine ich Posting-Gerüste, in die ich nur noch den jeweils individuellen Content einfließen lassen muss. Bisher war es so, dass ich z.B. beim Adventskalender für jeden der 24 Beiträge den Code für das Türchen und den Titel von Hand kopieren musste. Das nervt. Und auch bei den FFF-Reviews muss ich immer wieder die gleichen Schritte vornehmen, um das immer gleiche Gerüst der Kritiken zu bauen.

Klar kann man sich behelfen, in dem man z.B. bestimmte Code-Schnipsel in Evernote sammelt und einfach rüber kopiert. Komfortabel ist das nicht.

Nun habe ich aber ein Plugin gefunden, das mit diesem Ärger Schluss macht: Duplicate Post. Es ergänzt das Dashboard um einen Butten “duplicate”, mit dem man ein Posting duplizieren kann. Das heißt, ich kann eine Art Vorlage bauen und diese dann so oft ich will intern kopieren. Beim Adventskalender 24 Versionen, beim FFF bis zu 50. Diese stehen dann als Entwürfe bereit und ich brauche nur noch die Content-Blöcke einzufügen.

Natürlich habe ich das erst entdeckt, NACHDEM ich den Adventskalender 2014 fertig hatte. Aber ab 2015 wird mir das 2015 VIEL Arbeit abnehmen.

Ich habe dem Entwickler 5 Euro gespendet. Das ist es wert.

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23
Dezember 2014

Ja, is’ denn scho’ Weihnachten? Nein, aber des Wortvogels Kalenderplunder muss unters Volk! (23)

Auf der Zielgeraden wurde es noch mal haarig – ich war mir unschlüssig, was ich als großen Heiligabend-Gewinn raushauen soll. Das hier war lange im Wettbewerb, aber ich habe mich letztlich für was anderes entschieden:
streichel mich
Nun kann man fragen “Warum sollte mich eine DVD von einem ollen Italo-Mad Max-Ripoff scheren?”.
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Kann man. Wäre aber ein Fehler. Weil das hier nicht nur eine superduper neue Spezialedition ist, sondern weil ich dafür auch noch das beiliegende Booklet geschrieben habe! Und um der Sache die Krone aufzusetzen, signiere ich DVD oder Booklet für den Gewinner auch noch. Ist das nix?

Kleingedrucktes: Die DVD erscheint erst im Januar und wird dem Gewinner dann von mir zeitig zugesandt.
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