14
Juni 2016

Wortvogel neu am Kiosk: WanderGenuss (Update)

Wir unterbrechen unseren Urlaub für eine Kurzmitteilung:

WG 01 16

Gibt es ab morgen am Kiosk. Hier das, was der Verlag dazu raus gibt:


Pressemitteilung

14.06.2016

NEU! WanderGenuss: Die Mediengruppe KLAMBT macht Lust auf Wandern

Morgen erscheint die erste Ausgabe der Zeitschrift „WanderGenuss“, ein Sonderheft der Landzeitschrift „Liebes Land“ aus dem Hause KLAMBT

Baden-Baden, 14.06.2016 -  Die Marke „Liebes Land“ wird um einen weiteren Titel ergänzt: „WanderGenuss“. Damit greift der Verlag im Segment der Landtitel den neuen Freizeittrend auf. Am morgigen Mittwoch erscheint die Zeitschrift, ein Sonderheft von „Liebes Land“ mit einem Umfang von 140 Seiten zu einem Copypreis von 4,90 Euro. Das hochwertige Magazin richtet sich an alle Naturfreunde, die nicht nur spazieren gehen wollen, sondern ohne Sportstress Berge, Täler oder das Wattenmeer erkunden möchten.

Typisch für eine Zeitschrift aus der „Liebes Land“-Redaktion: Die ganz persönliche Note – denn die Redakteure sind mit Wanderexperten wunderschöne Strecken gelaufen, haben Kunst am Wegesrand bewundert, Trecker bestiegen und einen Stockmacher besucht. Es gibt Tipps für den richtigen Rucksack, die leckere Brotzeit und Touren mit Hund.

WanderGenuss geht mit der Zeit: Als technischen Bonus können die Leser jede vorgestellte Strecke über einen Link sowie QR-Code auf ihr Smartphone oder Navigationsgerät herunterladen. Höhenprofil, Schwierigkeitsgrad, Besonderheiten, Bilder und Wegbeschreibungen – an alles ist gedacht.

Chefredakteurin Britta Dewi: „Unsere Leser sind gerne und oft in der Natur unterwegs, spazieren viel – wir möchten sie mit WanderGenuss ermuntern, den Sprung zum Wandern zu wagen. Von Nord nach Süd, von Ost nach West, bis hin nach Schweden und auch in Südtirol sind wir unterwegs, bieten fundierten Service und erzählen liebevolle, persönliche  Wandergeschichten. Die Redaktion wandert mit echter Leidenschaft und großer Freude mit, was man beim Lesen spürt.“


Ihr ahnt schon, wer da die meisten Texte gezimmert hat? Genau. Für die "WanderGenuss" bin ich in Algund in Südtirol den Waalweg lang gelatscht, habe in und um Salzburg viele Höhenmeter bezwungen, meine Lungen und Waden auf dem Hochrhöner Wanderweg gequält. Erfreulicherweise gab es manchmal auch mechanische Hilfe:

Wandern in Algund

(Foto: Johannes Geyer)

Müsste ich das Heft beschreiben - es ist für Menschen, die gerne spazieren gehen, in der Natur unterwegs sind, die sich aber bisher den Sprung zum "richtigen" Wandern noch nicht getraut haben. Mein Maßstab lautete bei allen Touren: Wenn ich das schaffe, schaffen die Leser das auch.

Interessiert das wen? Keine Ahnung. Aber ich gehe immer nach dem Motto vor: Wenn die Leser an dem Heft auch nur halb so viel Spaß haben wie ich bei der "Arbeit", dann ist alles in Ordnung.

Natürlich ist die "WanderGenuss" nicht primär für die Wortvogel-Zielgruppe. Sollte aber trotzdem einer von euch in einem Anfall von Langeweile und/oder Neugier den Kiosk stürmen, freue ich mich über respektvolles Feedback.

Update: Hier könnt ihr im Heft blättern.

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Juni 2016

Wegen Urlaub geschlossen: Und wech

Andere ärgern sich über das Hochwasser, wir springen freiwillig in die Fluten. Zwei Wochen Ibiza. Verdient und fern der Heimat. Auf bald!

ibiza

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Juni 2016

Comics: Dummes Zeug

Nein, nicht wie ihr denkt. Comics sind kein dummes Zeug, aber über Comics wird gern dummes Zeug geredet. Besonders von Journalisten, die aus dem Elfenbeinturm mal in den Bodensatz steigen und dann gönnerhaft verkünden: "Schau an, ist ja gar nicht alles Scheiße hier."

Die Überheblichkeit der Journaille gegenüber den Bildheftchen - selbst dann, wenn es vorgeblich um ein Lob geht - ist selten besser illustriert worden als mit diesem Anreißer einer Story im European Journalism Observatory zum Thema politische und sozialkritische Graphic Novels:

"Comics können mehr als Ächz, Bumm und Würg. Bootsflüchtlinge, die ihre Rettung in einer Fahrt übers Mittelmeer suchen, Sportlerinnen in Somalia, die von der Terrormiliz drangsaliert werden oder die Nazi-Szene – zunehmend werden ernsthafte Geschichten über Kriege, Flucht und soziale Missstände im Format der Comic-Reportage erzählt. Doch ist das wirklich Journalismus?"

Die letzte Frage möchte ich gleich an die Autorin zurück geben. Und es erschüttert mich, dass ich ohne Autorenzeile wusste, dass dieser Text von einer Frau stammt.

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1
Juni 2016

Das kleine Arschloch: Ein Plädoyer für und wider den Comic-Salon Erlangen (2)

Disclaimer: Dieser Beitrag ist polemisch und gehässig. Er basiert außerdem ausschließlich auf empirischen Einzelerfahrungen, die er zum Anlass für unangemessene Verallgemeinerungen nutzt. Der Autor dieses Beitrages hat mit Sicherheit vieles missverstanden und relevante Fakten unterschlagen, Außerdem ist er ein ganz doofer Spielverderber und Stinkstiefel.

Ich war ca. 2000 zuletzt auf dem Comic-Salon, da sah ich noch so aus:

cserll

Jung, schlank, mit brauner Wildlederjacke und hehren Ansprüchen an das Leben. Das sollte dokumentiert werden, auch wenn ich mir den Hinweis nicht verkneifen konnte, dass Wonder Woman eigentlich kein Cape trägt.

Der Typ vor mir wollte sich nicht NEBEN Wonder Woman fotografieren lassen. Er bat darum, sich auf den Boden legen zu dürfen, damit das Model ihm mit ihren Plateaustiefeln auf den Kopf trete. DAS wollte er abgelichtet haben. Mein Glaube an die Menschheit - er starb ein wenig an diesem Tag.

Erst 2016 hatte ich meine Traumata ausreichend verarbeitet, um wieder zum Comic-Salon zu fahren. Und so sehr mich das Beisammensein mit Freunden, Bekannten und sonstigen Like-Klickern freute, so ungut kroch doch immer mehr der Sarkasmus in meine Stimmung. Im Verlauf des Tages begann ich, eigentlich jeden und alles abfällig zu kommentieren, sehr zum Vergnügen von Doc Acula. Es wurde ein Sport, der Szene mit genau der Herablassung zu begegnen, die sonst den etablierten Qualitätsmedien vorbehalten ist.

Es stellte sich heraus, dass Boshaftigkeit ein deutlich besserer Energiespender ist als Gutmütigkeit.

Leichteste Zielscheibe: die Cosplayer.

BisonOfCourse

Das Konzept war mir nicht neu, ich war in den 90ern schon ausreichend mit dicken Mädchen konfrontiert worden, die als klingonische Kriegerinnen auftraten - und pickeligen 50 Kilo-Nerds, die He-Man spielten. Cosplay, das war in Deutschland immer eine eher tragisch anzusehende Angelegenheit, die weniger trendigen als therapeutischen Notwendigkeiten folgte.

Aber wow - die Verkleiderei des zeigefreudigen Nachwuchses hat mächtig zugenommen. Und einige der Mädchen haben abgenommen. Satte 10 Prozent der Cosplayer würde ich als "zum dargestellten Charakter passend" bezeichnen, auch wenn schlechte Perücken und an Hintern miserabel vernähte Lederflicken immer noch den Gesamteindruck trüben. Eine (für sich genommen auch schon wieder wenig spannende) Perfektion wie bei den internationalen Cons ist hierzulande wohl nicht zu erwarten:

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Dazu gehört auch, dass viele Cosplayer eben nicht cosplayen, sondern nur gelangweilt in ihren Kostümen rumhängen, auf Betontreppen rauchen und dabei Kaffee aus Pappbechern trinken. Ein bisschen mehr Einsatz, ein bisschen mehr Performance, bitteschön!

Es wäre sicher nicht unkomisch gewesen, zu einer der Gruppen hinzugehen, einem beliebigen Mädchen mit einem bespuckten Taschentuch das Makeup aus dem Gesicht zu schmieren und dabei zu poltern: "Jetzt habe ich aber genug, Susanne - du kommst SOFORT mit nach Hause, verstanden!?"

Nicht überraschend, aber irgendwie doch Igittigitt war die Tatsache, dass viele der ansehnlicheren Cosplayerinnen (gerne in bestrapsten Manga-Outfits mit Spitzöhrchen und High Heels) permanent von Herren Mitte 50 fotografiert wurden, für die sie sich auch kawaii kichernd in Pose warfen.

Zwei Möglichkeiten zur dramatischen Aufladung der Situation drängten sich mir auf:

  • Zu den Mädchen gehen und im Vorbeigehen flüstern: "Dir ist schon klar, dass der sich auf das Bild von dir heute Abend einen von der Palme wedelt, oder? Sugoi!"
  • Sich hinter die Männer stellen und murmeln: "Von der habe ich auch schon ein paar geile Aufnahmen gemacht - wollen wir tauschen?"

Da ich nicht vorhabe, diese (womöglich minderjährigen) Halbstarken dem Gespött ihrer Klassenkameraden auszusetzen, beschränke ich mich an dieser Stelle auf ein Bild von Lucky Luke, wie er am Ehapa-Stand dutzendfach herum lief:

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He's a poor lonesome Cowboy...

Andere Cosplayer musste ich eher wegen mangelnder Authentizität kritisieren - nichts gegen diese X-Men Classic-Outfits:

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Aber Rogue hätte ohne Handschuhe niemals ihre Kollegen anfassen können! #dasweissmandoch

SCHWERMETALL046Auch in den hehren Hallen des Comic-Salons gab es viel Absonderliches von der schweinkramigen Sorte zu bestaunen. So wurde ich an einigen Altcomic-Ständen daran erinnert, warum ich mir mit 15 immer die Schwermetall-Comics von meinem Freund Reiner geliehen habe. Die hatten tolle Storys, super Science Fiction und voll die realistische Darstellung von... Technik. Genau, Technik. That's my story and I'm sticking to it...

Von Doc Acula habe ich übrigens diese Faustformel zur Feststellung des konfliktfreien Damenalters gelernt: "Alles ab halbes eigenes Alter plus sieben Jahre aufwärts."

"Adult Erotica" ist auch heute noch ein großes Thema, ein größeres als zu meinen Kinderzeiten, finde ich. So scheinen sich erstaunlich viele deutsche Zeichner (und auch Zeichnerinnen) auf Anime-Erotik zu spezialisieren, idealisierte, oft androgyne Jungs posen hier in romantisch-pornografischen Szenarien ebenso wie anatomisch überschätzte asiatische Schulmädchen. Konnte ich (teilweise) die zeichnerische Qualität durchaus schätzen, erschlossen sich mir Motive und Zielgruppe nicht wirklich. So fühlte ich mich bemüßigt, einen der Zeichner direkt drauf anzusprechen: "Sind dir manche der Leute, die deine Bilder kaufen, eigentlich unangenehm?". Er stockte, etwas unsicher, seufzte aber dann und nickte: "Manche schon."

Es gibt aber durchaus auch wertige, westlich orientierte Erotik, besonders gern im (vom Kunst-Kanon abgesegneten) Pinup-Stil:

2016-05-28 17.20.30

Es wäre fast die Mühe wert gewesen, Doc Acula die Kamera in die Hand zu drücken und mich dabei filmen zu lassen, wie ich mit mächtigen Armbewegungen die Tische leer fege und dabei unheilvoll brülle: "Schmutz und Schund! SCHMUTZ und SCHUND!!! HINFORT!!!"

Alternative: Einen kleinen Jungen (ca. 5 Jahre) ausleihen, mich mit indigniertem Blick zusammen mit ihm vor einen solchen Stand stellen, ihm die Augen zuhalten und empört schimpfen: "Das ist ja wirklich unerhört! Hier sind schließlich Kinder anwesend! SCHÄMEN Sie sich denn kein bisschen?!"

Umgekehrt kann es auch nicht verkehrt sein, an die semi-jugendfreien Stände zu schlendern und sehr entspannt zu fragen: "Ich suche nach Masturbationsvorlagen - haben Sie da was?"

Oder wie wäre es damit? Man geht zu einer der Zeichnerinnen und liest halblaut eine der Preislisten am Tisch vor: "10 Euro für ein Plakat, 20 für eins mit Signatur - was machste denn so für 50, mhhh?"

Der Geist des Wortvogels, er ist ein dunkler, schmutziger Ort mitunter.

Um sich bei den etablierten Publishern wie Carlsen ins Gespräch zu bringen, wäre es vermutlich nützlich, sich an einen der Stände zu stellen und beim Blättern der neuen Premium-Comicbände vernehmlich zu murmeln: "Könnte ich auch... mit links... Kinderkram... im Schlaf... hat keiner von denen was Ordentliches gelernt?"

strichmann

Leute vor den Kopf stoßen geht übrigens nicht nur bei Fremden, das kann man auch prima mit Freunden. Als ich mir bei Dirk vom Buddelfisch seinen "Strichmann"-Sammelband anschaute, kommentierte ich das Kaufangebot mit der Frage: "Kommt darauf an, ob du nicht besser als das hier zeichnen WILLST oder KANNST - wenn du es besser kannst, die Krakeleien aber Konzept sind, akzeptiere ich es als Kunst. Wenn das hier das Limit deiner zeichnerischen Fähigkeiten darstellt, sollte man dir das Hardcover tüchtig auf den Kopf hauen."

Dabei will ich gar nicht behaupten, dass man nur sexistische oder gemeine Sachen hätte loswerden können. Humor ist schließlich was für die ganze Familie. Hätte ich eine - ich hätte meine Söhne mit Plastiktüten an die Stände der großen Verlage wie Panini und Carlsen geschickt, damit sie kräftig singen können: "Hier wohnt ein reicher Mann, der uns vieles geben kann, vieles soll er geben, lange soll er leben". Die schamroten Gesichter wären es wert gewesen...

Aber genug von den kleinen Rachephantasien eines ungeliebten Bloggers. Gehen wir die Sache zum Ende noch mal mit ein wenig mehr Ernst an. Ernst ist ein alter Kumpel aus Schulzeiten, der...

Made myself laugh, that's half the battle.

Egal. Es hat mich überrascht, dass es auch einige Stände gab, deren Existenz auf einem Comic-Salon ein rauchiges Fragezeichen über meinen Kopf zauberte. So kann ich verstehen, dass man neben Comics, Büchern über Comics, Artwork und Merchandising auch Zeichnerbedarf kaufen kann (Buntstifte, nicht Red Bull). Gehören aber SCHWERTER in diese Sphäre?

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Schon klar, das sind unscharfe (im wahrsten Sinne des Wortes) Klingen für Fantasy-Enthusiasten, gerne den Waffen aus Videospielen und Comics nachempfunden. Aber trotzdem: Schwerter - auf einem Comic-Salon? Ich fand es bezeichnend, dass sich für meine Aufnahme primär zwei 10jährige Steppke für das Thema begeistern konnten...

Müsste ich eine Sache wirklich kritisieren, wäre es nicht der Comic-Salon selbst, sondern die Entwicklung der Branche, so wie ich sie wahrnehme. Es gab mal eine Zeit, da waren Comics billige Wegwerfprodukte primär für Kinder. Gesammelt wurde allenfalls für den kleinen Bruder, der noch nicht im richtigen Alter war. Für jede Generation, die zu Büchern aufstieg, wuchs eine andere nach. Das ist nicht mehr so. Ich habe das deutliche Gefühl, dass Comics heute eine schwer relevante Sache für Erwachsene sind, dass die heute 40jährigen vergessen haben, aus ihnen heraus zu wachsen. Beim Comic-Salon waren erschreckend wenig Jugendliche zu sehen, dafür tonnenweise Mittfünfziger mit Jutetaschen und Notizbüchern, in denen sie ihre Heft-Indexe notiert hatten.

Dieser "shift" (beziehungsweise non-shift, es ist ja etwas stehen geblieben, nicht fortgeschritten) hat einige Auswirkungen, die mir Bauchgrimmen bereiten. Zuerst einmal werden Comics immer aufwändiger und teurer. Nicht inhaltlich, sondern in der Aufmachung. 50, 60, 100 Euro für einen Band mit Hardcover, Lesebändchen und Goldschnitt? Kein Problem. Prachtedition für hohe dreistellige Summen? Sicher doch. Selbst Sekundärliteratur, z.B. zu den deutschen Piccolo-Heftchen, sieht aus wie die private Bibel des Papstes. Die kann man nicht kaufen, die muss man sich anschaffen - wie ein Auto. Niemand bezahlt diese Preise aus Spaß, da geht nur noch Fanatismus.

"Gibt halt teure und billige Comics", könnte man mir entgegen halten. Nur: Die  Billigen konnte ich nicht finden. So sehr ich z.B. den Cross Cult-Verlag schätze, so sehr empört mich die Preispolitik z.B. bei den Sammelbänden zu "Walking Dead", die alle Merkmale von preiswerten Massenmarkt-Produktionen haben: schwarzweiß, Taschenbuch-Format, einfacher Druck, Softcover. So ein Brikett sollte den Gelegenheitsleser 15, 20 oder 25 Euro kosten, damit er keine dreistelligen Summen investieren muss, um sich eine komplette Sammlung zu zu legen.

Stattdessen: 50 Euro. Oder wie ich gerne laut fluche: Das sind ja 100 Mark!

Mit diesen Kategorien in Sachen Preis und Ausstattung haben sich Comics endgültig in eine tödliche Spirale begeben. Ständig plärrt die Branche, zum Nischengeschäft zu verkümmern - und sorgt mit der Preispolitik dafür, dass es auch so bleibt. Comics haben den Nimbus des Mitnahme-Produkts - so scheint es mir zumindest - völlig verloren.

Dieses Problem wird durch eine zweite Politik gefördert, die ebenfalls nicht geeignet ist, eine neue Lesergeneration heran zu ziehen: Die horizontale Erzählweise. Aktuell massiv hip bei TV-Serien, gab es horizontale Erzählstränge bei Comics schon immer. Aber sie haben die Hefte nie soweit verzahnt, dass man als Gelegenheitsleser nicht ein Heft lesen und dann weglegen konnte.

Heute? Heute verlangen viele Franchises und Lizenzen nicht nur, dass man sklavisch alle Ausgaben liest - man muss auch die Spinoffs, Prequels, Sequels, Graphic Novels und Reboots kennen, um das dargestellte "Universum" zu verstehen. Weil es nicht mehr bloß um Heldengeschichten geht, sondern immer gleich um ganze Universen.

Versiertere Leser werden mich sicher schelten, dass es NATÜRLICH noch Reihen für Kinder gibt und Serien, die episodisch aufgebaut auch für Gelegenheitsleser geeignet sind - ich war allerdings nicht in der Lage, diese im Wust der Produktionen ausfindig zu machen. Es herrscht Chaos, auch weil die Verlage immer schneller umbauen und rebooten. Ich habe den Sammelband der "New 52" noch nicht komplett gelesen - schon schmeißt DC das gesamte Universum erneut zum Fenster raus. Wer soll denn da mithalten?

Und schließlich: Ich könnte bis zu einem gewissen Grad mit dem Sex-Fetisch, der Comics seit der Image-Welle der 90er durchdringt, leben. Aber die Brutalität und der Nihilismus aktueller Superheldenserien, die strikt erwachsenen Themen, das geht für mich an der ursprünglichen Zielgruppe - dem Nachwuchs - vorbei. Die Comics sind seit den 80ern mit den Geeks gealtert, richten sich an eine Dauer-Zielgruppe, statt konsequent alle vier bis fünf Jahre die nächste Generation anzusprechen. Man mag das heute für komplexer, für anspruchsvoller, für intellektueller halten - aber mir ist das verloren gegangen, was Comics ausmacht. Die Tatsache, dass mir vieles sehr gut gefällt, ist eigentlich ein Warnsignal - ich sollte längst "aus dem Alter raus ein" (um ein Klischee zu bedienen). Und so sehr ich die Branche beglückwünsche, dass es ihr gelungen ist, Fans teilweise 30, 40 Jahre zu binden - dabei hat sie die nächsten Generationen verloren.

Andererseits - heute gucken die Kids ja auch sowas:

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Während ich mit sowas aufgewachsen bin:

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Kurzum: Ich will den Schund wiederhaben, die Bildheftchen, die Klolektüre, das Infantile!

Mir blieb da nur die Nostalgie und die Freude, dass man ältere Heftchen, sofern sie keinen Sammlerwert besitzen, immer noch recht preiswert als Altpapier kaufen kann und das teilweise im wahrsten Sinne des Wortes: An einem Stand gab es "1 Kilo alte Comics für 10 Euro". So wurden in den 70er Jahren noch "skandinavische Hefte" unter dem Ladentisch verkauft.

Und damit schließt sich die Klammer zum Schweinkram. Das passt.

P.S.: Dem ersten Teil sei noch nachzutragen, dass ich mittlerweile das neue CAMP durchgelesen habe und meine Leseempfehlung noch einmal dringlich wiederholen muss. Eine fantastische Sammlung von Essays und Reportagen zu vielen interessanten, weil nicht abgenudelten Themen wie:

  • Bruce Pennington, einer der besten und bekanntesten britischen Science Fiction-Illustratoren erzählt aus seinem Leben
  • Der italienische Zeichner Alberto Giolitti ist der Schöpfer der Turok-Serie
  • Der amerikanische Kolumnist Jeet Heer deckt Erstaunliches über die »Farben« von George Herrimans Serie Krazy Kat auf
  • Die Peanuts und der Jazz von Vince Guaraldi handelt von der idealen Kombination aus Comic und Musik
  • Arbeiten der llustratorin Ilse Wende-Lungershausen haben wir alle schon mal gesehen. Aber: Wer war das nochmal?
  • Federico Fellini und die Fumetti. In einem hierzulande bislang unbekannten Interview erfahren wir, wieso der Meisterregisseur Comics toll gefunden hat
  • Außerdem: Pippi Langstrumpf, Weird Western, Theodore Sturgeon und exklusive Comics von André Franquin, Paul Cuvelier und Patrick McDonnell.

Kaufen, sag' ich, kaufen!

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31
Mai 2016

Wortvogel in der Elektrosmog-Folter

Gestern ist mir etwas Komisches passiert, das ich mit euch teilen möchte, weil ihr vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht habt. Vorab: Ich glaube nicht an Elektrosmog, nicht an Erdstrahlen, nicht an die Gefahren aus dem Handymast oder von den Windrädern. Ich glaube aber an das, was ich sehen, hören und riechen kann. Da bin ich Empiriker.

Manchmal höre ich Töne. Leider keine Stimmen. Nur Töne. So eine Art hohes Pfeifen oder ein elektronischer Sington. Seit meiner Kindheit. Ist nicht lokalisierbar, geht meistens auch nach ein paar Minuten rückstandsfrei wieder weg.

In unserer neuen Wohnung hat sich das Problem intensiviert. Drei, vier Mal in den letzten Wochen habe ich über längeren Zeitraum einen intensiven Pfeifton wahrgenommen. Nicht mehr ignorierbar, sondern störend. Nachbarn, die eine schlecht abgeschirmte Kaffeemaschine betreiben? Ein Gruß vom Strommast?

Gestern Nachmittag saß ich arbeitend im Tageswohnzimmer (und ja, wir haben auch ein Abendwohnzimmer) und bemerkte wieder diesen Ton. Er ging nicht nur nicht weg - er wurde schlimmer. Innerhalb von drei Stunden war er nicht mehr störend, sondern fast schmerzhaft. Mangels Konzentration war an Arbeit nicht mehr zu denken. Dieses Pfeifen - oder war es mehr ein Singen? Und warum schien es die Katzen nicht zu stören, die doch angeblich viel besser hören als wir?

Ich wartete zwei, drei Stunden. Es hörte nicht auf. Den Kopf hin und her schwenkend konnte ich verifizieren, dass es sich um ein ECHTES Geräusch handelte - der Ton veränderte sich je nach Körperhaltung. Und wenn ich mich durch den Raum bewegte, wurde er auch ein wenig lauter. Trotzdem konnte ich die Quelle nicht ausfindig machen.

Gegen 17.00 Uhr war es so schlimm, dass ich überzeugt war, mir einen Tinnitus eingefangen zu haben. Doch bevor ich Symptome und Medikamente googeln würde, wollte ich es - wie es sich für einen Skeptiker gehört - mal mit ein paar Experimenten versuchen. Das bedeutete: So viele Quellen wie möglich ausschließen.

Lichter aus. Heizung abdrehen. Dem Fernseher den Stecker ziehen. Router abschalten. Netzteil vom Notebook abstöpseln.

Nichts half. Ich dachte darüber nach, über den Sicherungskasten gleich raumweise den Saft abzudrehen. Eher im Vorbeigehen zog ich den Stecker der Basisstation unseres Siemens Gigaset-Mobiltelefons raus.

Stille.

Absolute, herrliche, schmerzfreie Stille.

Ich steckte den Stecker wieder rein. Es blieb still. Kein Pfeifen mehr, keine vibrierenden Nerven, keine erhöhter Puls.

Es mag daran liegen, dass unser Gigaset direkt vor dem Telekom-Router steht. Da mögen sich zu viele Funkwellen hochschaukeln, vielleicht beißen sich Telefon und WLAN um die Frequenzen. Aber das ist eine Laienmeinung, die ich nicht belegen kann. Ich bin nur froh, mit dem Problem auch die Lösung gefunden zu haben.

Dennoch würde mich interessieren - habt ihr vergleichbare Fälle erlebt? Kann es an der räumlichen Nähe von Telefon und Router liegen? Oder bin ich schlicht elektrosensitiv und könnte mich nun verrenten lassen?

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30
Mai 2016

Der alte Sack: Ein Plädoyer für und wider den Comic-Salon Erlangen (1)

Zwei Herzen wohnen - ach! - in meiner Brust. So toll war der Comic-Salon - und so grausam. So sehr meine nostalgische Ader mit frischem Blut durchströmend, so sehr meine sarkastische Ader mit Gift aufspritzend. In der Furcht, positive wie negative Gedanken könnten sich womöglich neutralisieren und zu einem ausgewogenen Bild führen, spalte ich meine Berichterstattung deshalb auf. Heute gibt es die watteweiche Sicht, ich erzähle von alten Freunden - gezeichneten wie realen. In zwei Tagen haue ich dann auf die Kacke, mache mich bei den Frauen und bei den Geeks (von den Schnittmengen gar nicht zu reden) gleichermaßen unbeliebt. Danach kann ich meinen Blog vermutlich dichtmachen.

Aber zuerst einmal - easy.

Auf Facebook hat man es schon gesehen - so sah ich aus, als ich das letzte Mal beim Comic-Salon Erlangen war:

cserll

Ich mag den Kommentar eines Lesers dazu:

"Der Badeanzug steht dir. Ist der Typ mit dem Bart irgendein Promi?"

Das muss um 2000 gewesen sein. Mein Ko-Autor arbeitete damals sehr viel für Carlsen und Panini, die Wonder Woman war Promo für die Warner Bros. Movie World in Bottrop. Der Comic-Salon war gut besucht, hauptsächlich traf man Leute aus der Branche, mit denen man sonst nur Email-Kontakt hatte. Es war unspektakulär und für mich auch ein wenig enttäuschend. Das mag einer der Gründe gewesen sein, warum ich auf weitere Besuche verzichtete.

Mein einziger peripherer Kontakt zum Comic-Salon war in den folgenden Jahren Jojo Beetlebum Kretzschmar, der zweimal bei mir unterschlüpfte, als er zum Salon in München anreiste. Das hatte bekanntlich Folgen.

Vor ein paar Wochen machte ich den Fehler, auf Facebook zu erwähnen, dass es nett sein könnte, mal wieder "in echt" zu networken und einige der Nasen aus den Social Media-Sphären persönlich zu treffen. Diese Idee hatte ich nach ein paar Stunden schon wieder vergessen. Aber vorgestern kamen plötzlich Emails und PMs mit dem Tenor: "Sehen wir uns dann in Erlangen?". Oops. Aber versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen - ich sattelte unseren EOS und holte in Nürnberg Doc Acula ab, um nicht alleine durch die Hallen zu wandeln.

superbandErste Erkenntnis: Die Location ist nicht gewachsen, der Event schon. Vor allem hat sich der Salon auch auf dem Vorplatz des Rathauses ausgebreitet wie ein Tumor. Dort präsentieren Dutzende Comic-Stände ihre Ware und man findet neben überteuerten Hardcover-Prachtbänden auch viele, viele, viele Lustige Taschenbücher, alte ZACK-Ausgaben und Superbände von Ehapa. Da habe ich viele, viele, viele Heftchen gesehen, in denen ich als Dreikäsehoch in den 70ern begeistert geschmökert habe. Das Herz des Wortvogels wurde ganz warm.

Zweiter Fokus auf dem Vorplatz sind mittlerweile die Cosplayer, deren Professionalität massiv zugenommen hat. Es dominiert natürlich die Liebe zur japanischen Kultur, alles ist furchtbar kawaii und sugoi. Ich selber kann mit Kostümen zu One Punch Man und Gravity Falls jetzt nicht so viel anfangen, aber mich verzückte ein Trio junger Menschen, das Quicksilver, Rogue und Scarlet Witch darstellte - in den klassischen 70er-Kostümen:

2016-05-28 15.57.48

Es fiel allerdings auf, dass viele der Cosplayer am Comic-Salon selber kaum Interesse zeigten. Es geht - wie einst bei den Poppern - um sehen und gesehen werden, rumhängen, sich fotografieren lassen.

Für den Comic-Salon eine Bühne mit launigen Veranstaltungen aufzubauen, fand ich komplett am Thema vorbei und was es dort zu sehen gab, hat mich nicht vom Gegenteil überzeugt.

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Drinnen war es vor allem ein: stickig. Die Besuchermenge, die Enge und die Hitze sorgten für ordentlich durch die Lokalität wabernden Geek-Schweiß und ich beneidete niemanden, der zu Promotion-Zwecken in fetten Kostümen herum laufen musste.

An einem riesigen Tisch mit kostenlosem Papierkram deckte ich mich erstmal mit Bierdeckeln ein. Brauche ich Bierdeckel? Nein. Brauche ich Bierdeckel mit "Spion & Spion" drauf? Natürlich.

Während ich subjektiv den Eindruck hatte, die Veranstaltung wäre förmlich explodiert (so weit, dass ich mir eine weitläufigere Location wünschen würde), versicherte mir Zeichner Sebastian Kempke, den ich am Cross Cult-Stand traf, dass es heuer eher mau war, was sowohl Besucherzahlen als auch Business anginge. Der Grund dafür liege vermutlich in der Aufsplitterung des Marktes durch diverse relativ neue Comic Cons nach amerikanischen Vorbild.

So drehte ich mit Doc Acula zwei, drei Runden durch die Hallen, streifte aber nur kurz die Ausstellung, weil da - unvermeidlich und wie immer - der Begriff "Comic-Kunst" mal wieder ausschließlich im politisch-kritschen Kontext gesehen wurde und es mal wieder um Mord und Vertreibung ging, als könne nur die Message den Kunstbegriff füllen und nicht die Methodik. Leute, die solche Ausstellungen bestücken, scheinen das Medium nicht über "Maus" und "Persepolis" hinaus zu begreifen.

An einem der Stände saß Jörg Buttgereit und promotete fleißig seinen "Captain Berlin", über den ich mich in meinem Fanzine in den 80ern schon lustig gemacht hatte. Aber es drängte mich, ihm in Person mitzuteilen, dass der Krach um "German Angst" mir leid tat und nichts mit seiner Arbeit zu tun hatte, die ich zwar nicht schätze, aber zumindest respektiere. Er nahm es sportlich. Ich kaufte nichts, weil ich a) kein Freund von Autogrammen bin und b) mit der LvA ja seit geraumer Zeit an der Entmistung der Bestände arbeite.

Allerdings bin ich auch ein Freund von Originalen, weshalb ich mich nun das erste und einzigste Mal für eine persönliche Signatur anstellte. Wenn man schon Zeichnungen von Flix, Beetlebum und Joscha Sauer hat, ist es nur eine logische Ergänzung, Ralf Ruthe um eine solche anzugehen. Es dauert eine lockere Dreiviertelstunde, bis wir dran kamen, aber die Wartezeit verging im Flug, weil ich Leser S-Man traf, mit dem ich auch gerne beim FFF in Berlin auf ein Bier gehe. Zusammen mit einem weiteren Besucher diskutierten wir angeregt den aktuellen Stand der Branche, den Mangel an Comicläden im Osten und die Verwerflichkeit der geradezu sozialistischen Verweigerung kommerzieller Ausbeutung des beetlebums'schen Oeuvres. A good time was had by all (I hope).

Da ich "resident artists" nicht gerne mit "ja hallo, ich bin ein großer Fan" anspreche, eröffnete ich das Gespräch mit Ralf Ruthe dergestalt:

"Wenn ich mit 16 geahnt hätte, dass man mit so einer Krickelei Geld verdienen kann, hätte ich auch damit angefangen."

Der Cartoonist nahm es im Sinne der Heldenverehrung, in dem es gemeint war. Wir einigten uns darauf, dass Zeichner faules Pack sind, das sein Handwerk auch besoffen auf dem Sofa ausüben kann, während es "Game of Thrones" schaut. Ich kann nicht ausschließen, dass sein Cartoon für mich davon beeinflusst wurde:

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S-Man (alias Mark) teilte mir mit, dass sich Beetlebum übrigens gleich auf der anderen Seite der Stellwand befände, was ich mir dann doch nicht entgehen lassen wollte. Es war eine Freude, Jojo wiederzusehen, es wurde ein wenig geplauscht - und am Ende versprach ich ihm, mich endlich mal in Jena sehen zu lassen. Und wenn man schon mal da ist:

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Ich bleibe übrigens bei der Meinung, dass es mehr als Zeit ist, einen fetten Band "Best of Beetlebum" in Druck zu geben. Wenn ich Jojo nur davon überzeugen könnte, dass die kommerzielle Vermarktung seiner bezaubernden Zeichnungen keinen Seelenverkauf darstellt... hrmpf.

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Dann knöpfte ich mir die Jungs von Jazam vor. Mit denen hatte ich nämlich noch eine Rechnung offen - ich finde es ziemlich arm, dass man als Zeichner und Texter kostenlos für sie arbeiten darf, aber nicht mal ein einziges kostenloses Belegexemplar für das heimische Regal dabei heraus springt. Ich zahle ungern für meine eigene Arbeit und bis heute fehlt in meiner Sammlung die Ausgabe von Jazam, in der Jojo meine Golem-Story adaptiert hat. Es kam zu einem recht meinungsstarken Gespräch darüber, ob eine selbstzerfleischende Kalkulation "auf null" anständig sein kann, die den Künstler völlig außen vor lässt. Am Ende hatte ich mehr Einsicht in das altruistische Geschäftsmodell von Jazam, aber immer noch kein Belegexemplar. Man muss sich nicht immer einigen können.

Ein paar Meter weiter stolperten wir über Wortvogel-Veteran DMJ, der voll ausgeschrieben als Dirk Jürgens zusammen mit Gregor Schenker für die Buddelfische da war.

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Er war dann auch am verlagseigenen Tisch zu finden, wo er sich zu folgender Karikatur in einem "Strichmann"-Hardcover hinreißen ließ, das darauf Bezug nimmt, dass an diesem Tag mangels Barmitteln der gute Doc Acula mehrfach die Geldbörse für mich zücken musste:

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Da ich eine kommunikative Persönlichkeit besitze, kam ich immer wieder auch mit Vertretern von Kleinverlagen und semi-professionellen Zeichnern ins Gespräch. Das war wirklich spannend, teilweise aber auch sehr ernüchternd: Obwohl durch moderne Druckmethoden die Erzeugnisse immer edler werden (Farbdruck, Hardcover, etc.), ist es immer noch so unmöglich wie in den 70ern, aus Comics ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu machen, wenn man nicht zu den Großverlagen gehört oder zufällig einen Trend erwischt. Da tut es auch weh, an den vielen kleinen Tischen mit hoffnungsvollen Gesichtern ohne nennenswertes Interesse vorbei zu laufen.

Spannend wurde es, als wir kurz aus dem Gebäude traten, um Luft zu schnappen - dort stand jemand mit einem "Zombies from Outer Space"-T-Shirt. Diesen launigen Heimat-SF-Film hatten wir ja auf dem B-Film-Basterds-Festival wohlwollend aufgenommen. Und siehe da, der Träger des T-Shirts entpuppte sich als Martin Hager, der Produzent des Films, der selber Zeichner ist. Es wurde ein nettes Gespräch und ich nutze die prima Gelegenheit, das Team mit diesem Video vorzustellen:

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Der Salon besteht übrigens schon lange nicht mehr nur aus dem Salon. Hätte ich mich vorab informiert, ich hätte auch an vielen spannenden Events und Aktionen rund um die Veranstaltung teilnehmen können, von denen mir nun lediglich begeistert erzählt wurde. Nächstes Mal werde ich den Fehler nicht machen, ad hoc hinzufahren.

But what about the loot?! Außer den genannten Bierdeckeln und den Büchern, die ich mir habe signieren lassen, blieb die Ausbeute geplant gering. Lediglich ein paar Flyer und Visitenkarten von interessanten Zeichnern habe ich eingesteckt.

campDie einzige Sache, die ich ohne Signatur und Hintergedanken für Geld gekauft habe, ist die zweite Ausgabe des Comic-Kulturmagazins Camp aus der Edition Alfons. Die guten Menschen dieses Verlages bringen daneben noch die Magazine Reddition und Alfons heraus. Hier stimmt alles, sogar das Preis-Leistungsverhältnis: Camp ist dick wie ein Buch, vierfarbig, exzellent recherchiert, und vergnügt viele Stunden mit hervorragenden Artikeln zum Thema Comic-Kultur. Eine Art Cicero für Geeks, nur in besser. Kann ich so ziemlich allen Leuten empfehlen, die eben nicht knietief in der Szene stecken, sondern sich unterhaltsam und faktenstark darüber informieren wollen. Daumen hoch!

Beim Buddelfisch seiner Tombola habe ich obendrein noch ein Set Buntstifte und eine Postkarte zum Selberausmalen gewonnen.

Unter dem Strich - ein Plus.

War also ingesamt eine runde Sache - auch dank dem Dicken:

2016-05-28 15.53.11

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29
Mai 2016

Doxear: Diese App ist auf den Hund gekommen

Disclaimer: Ich kenne und schätze die Macher dieser App.

dox

Es ist bei Hunden nicht anders als bei Katzen - ungewohnte, aggressive Geräusche machen Angst. Mancher Pudel versteckt sich vor dem Müllwagen, unsere Katze Katinka hat Silvester immer zusammen gekauert hinter dem Klo verbracht. Das ist nicht schön für Tier UND Mensch.

Die Lösung liegt in der Gewöhnung. Lehrt man Welpen oder Kitten schon früh, dass sie auch vor bestimmten lauten Geräuschen keine Angst haben müssen, wachsen sie entspannter auf, weniger traumatisiert.

Genau da setzt Doxear an - eine App, die es nun für Android gibt. Sie enthält die typischsten Problemlaute und erlaubt damit, das Haustier vorsichtig an sie zu gewöhnen. Das kann gerade bei Jungtieren in urbanen Gegenden von unschätzbarem Vorteil sein, vor allem weil eine Geräuschpanik - wenn einmal etabliert - kaum noch abzutrainieren ist.

Generell wäre ich jetzt vorsichtig - ist die Methode hinter dieser App plausibel und überprüfbar? Haben die Macher wirklich Ahnung von Tierhaltung? Aber da kann ich entwarnen: Claus Schmidt ist ein Profi.

Auf Nachfrage hat er mir mitgeteilt, dass doxear auch für Katzen geeignet sein sollte, eine spezifische Katzen-App aber auch schon in Arbeit ist.

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27
Mai 2016

Wissenswertes über Erlangen

Ich vermelde das jetzt hier mal offiziell: Ich fahre morgen (Samstag) zum Comic-Salon nach Erlangen - wer mich erkennt, darf mich ansprechen. Zu behaupten, ich würde nicht beißen, so weit werde ich allerdings nicht gehen.

Der Yeti neben mir ist dann Doc Acula - der beißt auf jeden Fall.

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27
Mai 2016

Werbung, die das Blut kochen macht

Ich bin aktuell mal wieder viel unterwegs - von München nach Salzburg nach Südtirol, von Günzburg nach Fulda und rauf in die Berge. Man ahnt: Der Dewi arbeitet mal wieder fleißig für den Erhalt der Printpresse - mehr dazu Mitte Juni.

(Foto: Johannes Geyer)

(Foto: Johannes Geyer)

Wie gesagt: Salzburg. Treffpunkt Mozartdenkmal. Busweise Asiaten, die mit ihren Smartphones und iPads zuerst das Denkmal separat, dann sich selbst mit dem Denkmal im Hintergrund als Selfie fotografieren. Salzburg.

Ein Laster hält, er bringt Lebensmittel für eines der Restaurants. Ich schaue mir die Plakatierung des LKWs an. Es ist wie Hypnose, wie ein irrer Rorschach-Test: Je länger ich schaue, desto bizarrer, ja ekliger wird das Motiv. Schließlich muss ich das Handy zücken, um es zu fotografieren:

salzburg

Zu Einführung: Werbungen sind wie Filme. Sie haben ein Thema, eine Message, eine Präsentation in Wort und Bild, manchmal einen Cast und gerne auch Effekte. In vielen Fällen erzählen sie eine kleine Geschichte, die ein Produkt sympathisch machen soll. Die Mechanismen der Werbung sind bekannt, die Werkzeuge auch. Fleischwaren anpreisen sollte seit den 50er Jahren keine schwierige Aufgabe sein, auch nicht in Cinemascope.

Aber hier? Das hier ist eine Photoshop-Katastrophe mit vielen Verletzten.

Ich weiß nicht, wo ich fangen soll... beim Slogan "Frische bringt's", der nur dann Sinn machen würde, wenn die Firma tatsächlich Frische hieße und nicht Kroswang? Weil "Frische bringt's" nämlich null Inhalt besitzt und keine Message transportiert? WAS bringt die Frische?

Oder heißt die Firma gar nicht Kroswang, sondern Kröswang? Die grafische Spielerei beim O macht es unmöglich, das zu beurteilen.

Hat man bei "Frische bringt's." (sollte man als Claim übrigens eher ohne Punkt schreiben) vergessen, die korrekte Schriftart einzustellen und deshalb Standard-Serifa verwendet?

Wieso lässt man den Claim in das Fleisch rüber lappen, statt ihn z.B. unten links vor freien Hintergrund zu stellen?

Warum ist das Steak so grässlich falsch mit hartem Licht fotografiert worden, dass es nach rechts immer mehr wie glänzendes Plastik aussieht?

Warum wird das Steak einfach ohne Kontext hausgroß in den Hintergrund geklebt?

Ich weiß, dass "Photoshop für Dummys"-Bücher gerne raten, Elemente mit einem weißen Glow zu versehen, um sie aus dem Hintergrund zu heben - bei hausgroßen Steaks sieht das aber eher nach Radioaktivität aus.

Und dann der "Metzger" - war ein dem Beruf angemessen authentisch wirkender Darsteller nicht zu bekommen? Musste es ein Frisurenmodel sein, das nicht mal ohne Schlafzimmerblick ein Stück Fleisch anpreisen kann - geschweige denn ein Hackmesser halten?

Was genau soll die Bedeutung der Körperhaltung in der Totale aussagen? "Hey, falscher Alarm, ich habe mein Hackmesser wieder gefunden"? "Hallo Taxi, zum Schlachthaus bitte"? "Schiri, wir wissen, wo dein Pudel parkt"? Hat dieser junge Mann jemals ein echtes Stück Fleisch mit einer echten Klinge bearbeitet, ohne sich dabei ein böses Aua zu holen?

Nur weil man bei Photoshop Ebenen transparent machen kann, heißt es noch lange nicht, dass man das MUSS. Warum zur Hölle ist die Großaufnahme des jungen Mannes an der rechten Schulter transparent, damit man seine Gestalt in der Totalen noch mal vollständig durchscheinen sehen kann? Wa-rum? WARUM???

Dies ist keine Werbung für Fleisch - die ist ein kongenial verkürzter Grundkurse in Sachen "Photoshop-don'ts". Alles, was hier gemacht wurde, ist falsch. Jedes einzelne Element.

Wer eine gute Fleischwaren-Werbung entwerfen will, braucht einfach nur alles anders zu machen.

Und ja - ich kann mich über so etwas aufregen. Ist das nicht furchtbar?

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22
Mai 2016

bento und der Trashfilm: Hingerotzt und rausgehauen

Ich war jetzt fast zwei Wochen lang auf dem Kontinent unterwegs, habe Süditalien bereist und Salzburg, bin im Dreibundesländereck gestiefelt, habe Kleinflugzeuge bestiegen und in Klöstern übernachtet (ohne vom Blitz erschlagen zu werden). Deswegen war hier auch weitgehend Funkstille.

Jetzt dachte ich: Gehste die Sache dieser Tage mal entspannt an, schreibst ein paar kürzere Kritiken zu neuen Serien und alten Filmen, vielleicht ein Meinungsstück zur politischen Lage oder was mit Katzen.

Und dann bringt bento ein Listicle mit "Trasfilmen". Und ich so:

bento

Geschrieben wurde dieser vermeintlich augenzwinkernde Blick auf das unterbelichtete Genrekino von zwei Damen, sie sich Mediasteak nennen und sich ganz bento-typisch mit unsäglicher Hipster-Arroganz beschreiben:

"Mit ihrem Röntgenstrahl-Blick für hochqualitative Inhalte scannen die Bloggerinnen die vernebelte Fernsehwelt, um ihre Television eines perfekten Unterhaltungsprogramms zu realisieren."

Ich kenne sie nicht - und kann sie trotzdem nicht leiden.

Gehen wir die Sache mal wieder strikt chronologisch an...

Peinliche Dialoge, schlechte Special-Effects, viel zu viel Kunstblut und ein irrer Plot, der an der Zurechnungsfähigkeit des Regisseurs zweifeln lässt: Es lebe der Trashfilm!

Tja, nur leider sind weder die Dialoge, noch die Effekte oder der Plot Kennzeichen des Trashfilms, ein Begriff, über dessen genaue Definition sich trefflich streiten lässt - was EIGENTLICH Thema eines guten Artikels sein könnte/sollte, für den sich Mediasteak aber offensichtlich nicht die cineastischen Finger schmutzig machen wollte. Christian Kessler z.B. mag den Begriff gar nicht, weil er ihn für unangemessen abwertend hält. Ich selbst verwende ihn gerne, weil ich ihn auch mit Entertainment gleichsetze und für unbelasteter als "Kult" halte.

Aber was ist Trash denn nun? In meinen Augen gibt es zwei Ansätze, aus denen Trash geboren wird. Entweder gebiert ihn eine bizarre Diskrepanz zwischen Anspruch und Ergebnis, eine Fallhöhe wie in den "Roadrunner"-Cartoons, wenn Großes versucht und Kleines geliefert wird. Darunter fällt z.B. "Samurai Cop", ein "Lethal Weapon"-Klon, der in seiner debilen Inkompetenz fast mehr Unterhaltungswert mitbringt als das Original:

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Der zweite Maßstab für Trash kann, muss aber nicht die präsentierte Weltsicht sein. Manchmal ist die Message eines Regisseurs so verschroben, so am Publikum vorbei entwickelt, dass das Ergebnis wie ein Diamant aus Scheiße funkelt. Kein Wunder, dass hierbei "The Room" her halten muss, gerade weil er jenseits der Vision von Tommy Wiseau nichts mitbringt, was in irgendeiner Form unterhaltsam sein dürfte:

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Es ist auch wichtig, was Trash NICHT ist: self-aware, also sich der eigenen Scheißigkeit bewußt, sie vielleicht sogar provozierend. Trash ist keine Parodie, hat kein Augenzwinkern, keine Kumpanei mit dem Publikum. Trash unterhält eine spezifische Form von Filmfan, während sie den Rest des Publikums verstört, verärgert oder meistens einfach nur langweilt. Ein Film, dem die Mehrheit nicht mit "Warum guckst du dir so einen Scheiß an?" begegnet, ist kein Trash.

Muss Trash immer Low Budget sein? Nein, aber es hilft, weil ein Mangel an Ressourcen fast zwangsläufig zu der oben genannten Diskrepanz zwischen Anspruch und Ergebnis führt. Die meisten groß budgetierten Filme, die leichtfertig zu Trash erklärt werden ("Wild Wild West", "Van Helsing") sind schlicht misslungen. Die werden nicht in 20 Jahren als unverstandene Meisterwerke des Müllkinos gefeiert.

Das zur Einleitung. Weiter im bento-Text.

Doch Trash muss nicht immer gleich Müll bedeuten.

Doch. Genau das muss es bedeuten. Weil Trash Müll heißt. Weil Splatterfilme Schmodder brauchen und Western mindestens ein Pferd. Zu unterstellen, Trash müsse kein Müll sein, entspricht der Unterstellung, nicht jedes Musical brauche Musik und nicht jede Pommes Ketchup.

Wir haben unsere liebsten Trashfilme rausgesucht, die so schlecht sind, dass sie teilweise schon schon wieder gut sind, pardon: Kultstatus haben. Prügelnde Busenweiber, Hardcore-Stoner und fliegende Haie – das ist unsere Top 10.

Da haben wir es - das Ekelwort "Kult". Ich kenne kaum einen leereren Begriff, von Werbung und Marketing auf den PR-Strich geschickt, von Ignoranten für jeden Rotz missbraucht. Thomas Müller hat Kultstatus, "Full House" auch, Playmobil sowieso. Get. The. Fuck. Out. Of. My. Face.

Und nein - prima Trashfilme sind nicht die, die so schlecht sind, dass sie fast schon wieder gut sind. Der Begriff "so bad it's good" bedeutet nämlich: so schlecht, dass sie gut sind. Nicht "schon wieder". Es findet keine Transformation statt. Der Film bleibt schlecht - und das ist auch gut so. Wer "gute schlechte Filme" sucht, hat nicht verstanden, worum es geht. Und das scheint mit hier sehr augenscheinlich der Fall zu sein.

1. "Sharknado"

Haie. Tornados. Haie und Tornados. Eigentlich muss man nicht viel mehr sagen. Und auch die Story ist schnell zusammengefasst: Mehrere gefährliche Tornados fegen über eine Stadt hinweg und lassen Haie aus dem aufgewühlten Meer über der Küste niederregnen. Ein heldenhafter Superdaddy, der anfangs nur seine Kinder beschützen will, entscheidet sich dazu, die Tornados zu zerstören und kämpft mit allen Mitteln – anfangs noch mit einer Brechstange, später mit einer Kettensäge – gegen die blutrünstigen Wasserbewohner.

Dieser Film ist so richtig positiv schlecht. Übrigens auch nicht zu empfehlen: "Sharknado 2", "Sharknado 3" und "Sharknado 4".

Kein Wunder, dass "Sharknado" auf dem ersten Platz steht. Weil der Film das genaue Gegenteil von Trash ist und nur von tumben Idioten dafür gehalten wird. "Sharknado" ist Non-Trash, weil er genau das liefert, was er verspricht, weil er an keiner Stelle mehr sein will als drittklassiger Schrott. Er entspricht keiner fairen Definition des Begriffes, sondern amüsiert ein Mainstream-Publikum, das keinen echten Trashfilm mit dem Arsch anschauen würde.

Was "Der Film ist so richtig positiv schlecht" bedeuten soll, erschließt sich mir nicht und die Aussage "Übrigens auch nicht zu empfehlen:..." ist voll daneben, weil es doch angeblich um Filme geht, die sich eben DOCH lohnen. Aber genau das ist das Problem mit der Mediasteak-Liste: Keine Ahnung vom Trashfilm und kein wirkliches Interesse, beim Leser Verständnis zu wecken. "Hi hi - guck mal, wie toll scheiße" meint nämlich in Wirklichkeit "natürlich immer noch scheiße".

Platz 1 des Listicles und das Urteil lautet schon: Hoecker, Sie sind raus!

2. "Kifferwahn"

Ein Film, das ursprünglich auf einem kirchlichen Anti-Cannabis-Film basiert? Klingt nach einer vielversprechenden Grundlage für einen der absurdesten Musicalfilme aller Zeiten: Mary Lane und Jimmy Harper leben den Traum der perfekten ersten Beziehung – ganz so wie Shakespeares Romeo und Julia (das Ende haben sie allerdings nicht gelesen). Bis Jimmy den Dealer Jack kennenlernt und sich schon nach dem ersten Zug am Joint in einen irren Junkie verwandelt. Und auch Mary kann dem Kifferwahn anscheinend nicht entkommen: Schnell macht das böse Marihuana aus dem unschuldigen Mädchen eine sexbesessene Domina...

Songs mit Ohrwurmpotenzial und eine vollkommen abgedrehte Story machen "Kifferwahn" sogar irgendwie sehenswert!

Ach du wieso was nun ehrlich? Zuerst einmal ist der Original-Film "Reefer Madness" eine perfekte Trashgranate, weil er beide Definitionen bedient: Er scheitert an seinem Anspruch UND präsentiert eine seltsam versch(r)obene Weltsicht, die beim Publikum für rege Heiterkeit sorgt. Den hätte ich in diesem Listicle unkritisiert stehen lassen.

Aber das hier ist die Musical-PARODIE von "Reefer Madness", ein hervorragend gespieltes und mit knackiger Musik versetztes Kleinod, das zudem den Charme einer gewissen Kristen Bell noch vor "Veronica Mars" zu nutzen wusste:

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NICHTS an "Kifferwahn" ist Trash. Und wenn das Ziel dieser Liste ist, die Filme zu finden, die "fast schon wieder gut sind", wieso wundern sich die Mediasteak-Damen, der Streifen wäre "sogar irgendwie sehenswert"? Isn't that the fucking point of all this?

3. "Super - Shut Up, Crime"

Ein bisschen Splatter, ein bisschen Irrsinn, ein bisschen Kevin Bacon – und fertig ist die perfekte Anti-Superhelden-Trash-Komödie. In dem Independent-Film "Super - Shut Up, Crime" entscheidet sich Frank Superheld zu werden. Und das ganz ohne Superkräfte.

In Franks eintönigem Leben gab es genau zwei Höhepunkte: die Hochzeit mit der schönen Sarah (Liv Tyler) und als er einen Dieb bei den Bullen verpfiff. Als ihn Sarah für einen Drogendealer (Kevin Bacon) verlässt, verliert Frank die Kontrolle über sein Langweiler-Leben. Er schlüpft in einen roten Ganzkörperanzug, schnappt sich eine Rohrzange und beschließt, mit Hilfe der Comic-Verkäuferin Libby das Böse zu bekämpfen und seine Frau zu retten.

"Super - Shut Up, Crime" ist kein Hollywood-Blockbuster, aber der viel bessere "Kickass"!

Der bessere "Kickass"? Geht's noch? Das ist so aus der Nase (oder sonstwo her) gezogen, dass nicht mal das Gegenteil stimmt. Haben die Autorinnen auch nur einen der Film gesehen? "Super" ist ein hochklassiges Comedy-Drama, das nebenbei auch noch über die Natur des Heldentums meditiert.

Die Tatsache, dass "Super" für Mediasteak besser als irgendein anderer Film sein muss, ist ein ziemlich guter Hinweis auf das, was hier schief läuft - trotz gegenteiliger Beteuerungen suchen die Damen nämlich nicht nach Trashfilmen, die sie sowieso nicht verstehen würden, sondern nach tatsächlichen kleinen Perlen in der Jauchegrube des Kinos.

4. "Manta Manta"

Ziemlich trashig geht es auch in deutschen Auto-Filmen der Neunziger Jahre zu, man denke an "Superstau" oder "Go Trabi Go". Unser liebstes Exemplar aus diesem ehrwürdigen Genre ist mit Abstand "Manta, Manta"! Gedreht 1991, spiegelt dieses Meisterwerk der Filmkunst das Lebensgefühl der Spezies Manta-Fahrer und ihrer dazugehörigen Uschis wider.

Fast schon liebevoll zeigt der Film Bertie (Til Schweiger), Klausi (Michael Kessler) & Co., wie sie mit ihrem getunten Sportvehikel durch die Straßen prollen. Bis zum Schluss schauen wir den Mannis mit ihren Mantaletten, Fuchsschwänzen und Vokuhilas gerne beim ein oder anderen Fehltritt zu. Denn wissen wir nicht alle, dass die wahren Idioten Porsche fahren?

Hier bin ich gespalten. Ja, "Manta Manta" hat vieles, was ihn rückblickend wie Trash UND wie Kult aussehen lässt. Betrachtet man den Film aber im Kontext seiner Zeit, war er weder/noch. Der Film bot dem damaligen Dumpfbacken-Publikum genau das, was es sehen wollte - und ist in seiner Darstellung der Manta-Szene auch ziemlich deckungsgleich mit den damals kursierenden Witzen. Es gibt keine Diskrepanz, keine Defizite. Die Trashigkeit von "Manta Manta" liegt nicht im Film, sondern im Thema.

5. "Zombiber"

Dieser Film bedient sich des altbewährten Horror-Trash-Szenarios der süßen Girl-Clique (ziemlich oft im Bikini), die einen Ausflug in eine abgelegene Gegend macht, um in der Natur ein geruhsames Wochenende zu genießen.

Überraschenderweise werden die jungen Party-People aber nicht von mysteriösen Kreaturen oder Kettensägen schwingenden Massenmördern gejagt. Nein, die Angreifer sind klein, haarig und ziemlich bissig. Es sind Zombie-Biber. Kein Film, den man ernst nehmen sollte, aber allemal was für einen witzigen Abend mit Freunden auf der Couch.

Siehe "Sharknado". Trash kann nicht als Trash produziert werden.

"Kein Film, den man ernst nehmen sollte"? Der Film heißt "ZOMBIBER", zur Hölle. Dreck bestellt, Dreck geliefert.

6. "Kung Fury"

Silikonbrüstige Wikingerinnen, aggressive Laser-Dinos und Hitler als Meister des Kung-Fu: "Kung Fury" ist sicherlich der verrückteste und beste Kung-Fu-Film, den wir je gesehen haben.

Was ist daran dann Trash? Und wenn DAS hier der "verrückteste und beste" Kung-Fu-Film ist, den die Mediasteak-Autorinnen je gesehen haben, sollten sie dringend noch ein paar Jahre im Kino-Kindergarten absitzen.

Die per Crowdfunding finanzierte Trash-Komödie, die vor einem Jahr Premiere auf YouTube feierte, ist eine "spektakuläre Action-Comedy mit Wurzeln in Achtziger-Jahre-Cop-Streifen."

Kung Fury, der Supercop mit tiefer Terminator-Stimme und krassen Kampfkunst-Skills, hat nur eine Mission: Den Kung Führer (Hitler) ausschalten. Da wir uns aber im Jahr 1985 in Miami befinden, muss der Actionheld zurück in die Vergangenheit. Eine abgefahrene Zeitreise beginnt. Garniert mit übertriebenen Gags und knalligen Achtziger-Jahre-Spezialeffekten ist "Kung Fury" ein 30-minütiges Festmahl für alle Trashfilm-Fans!

Nein, er ist eine nostalgische Hommage an den Trashfilm. Aber nachdem die Autorinnen schon Trash nicht von seiner Parodie unterscheiden können, darf so ein Lapsus nicht wundern.

7. "Harold & Kumar"

Der Film handelt von einer Nacht, in der die beiden Kiffer Harold und Kumar auf eine Reise gehen, an die sie niemals erinnern werden. Mit mehreren Bong-Köpfen intus wollen die ungleichen Freunde zum Fast-Food-Restaurant "White Castle" (wo es amerikanischen Quellen zufolge die widerlichsten Burger ever gibt) und sich dort ausgiebig vollstopfen.

Auf dem Weg dahin begegnen die beiden aber allerhand Hindernisse: zwei College-Girls mit Flatulenz, einem beißwütigen Waschbären, dem bibeltreuen Randy (genannt "Freakshow") und einem kleptomanischen Neil Patrick Harris auf Ecstasy. Nach ein paar Stunden im Gefängnis und einem Ritt auf einem bekifften Gepard fliegen Harold und Kumar mit dem Gleitschirm endlich in ihr Paradies: White Castle.

So viel Trash hat selbst ein Stoner-Movie selten gesehen!

Fucking hell! "Harold & Kumar" ist eine wunderbare Stoner-Komödie. Ich wiederhole mich, aber: NICHTS daran ist Trash. Selbst im Subgenre der Stoner-Komödien gehört der Film in die Oberklasse, neben "Half baked" und "Viel Rauch um nichts".

Echt jetzt, ich trete den Mediasteak-Schnepfen die Wohnungstür ein, fessle sie ans Sofa und lasse sie alle "Evil Bong"-Filme erleiden:

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8. "Die Satansweiber von Tittfield"

Dieser Film (im Original "Faster, Pussycat! Kill! Kill!“) von Russ Meyer ist eine Hommage an die selbstbestimmte, gefährliche und aufständische Frau. In den Sechzigern, als der Film entstand, war es keine Selbstverständlichkeit, Frauen so selbstbewusst und dominierend darzustellen: Drei Stripperinnen brechen aus ihrer männerdominierten Welt aus und übernehmen das Zepter. Sie prügeln, morden und preschen in schnellen Autos durch die Wüste.

Neben der exzessiven Gewalt sind prallgefüllte Dekolletés omnipräsent. "Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ ist kultiger Trash, der dem emanzipierten Frauencharakter ein Denkmal setzt.

Und schon wieder das Wort "Kult" und nicht die geringste Ahnung, an welcher Stelle dieser großartige Film, der den Mediasteaks augenscheinlich sehr gefallen hat, Trash sein soll. Man kann ANDEREN Filmen vorwerfen, durch die konkrete kreative Vision von Russ Meyer ins Trashige abzudriften, aber hier gilt das definitiv nicht.

Um es kurz zu halten, zitiere ich mal die Wikipedia:

"Im Jahr 1972 war Meyer mit fünf seiner Filme Teilnehmer der Kasseler Documenta 5 in der Abteilung Filmschau: Russ Meyer-Retrospektive. 1983 gab es eine Retrospektive von Russ-Meyer-Produktionen in der Pariser Cinémathèque française. Drei seiner Filme wurden in die Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art aufgenommen."

Noch zwei Filme. Torsten, du schaffst das!

9. "Angriff der Killertomaten"

Tomaten – ein Nachtschattengewächs, das es nicht einfach hat. Wir machen aus ihnen Ketchup, ziehen ihnen die Haut ab und schneiden ihnen ins Fleisch. In "Angriff der Killertomaten", dem "schlechtesten Film aller Zeiten", geht das unterdrückte Gemüse nun auf einen blutrünstigen Rachefeldzug und macht Jagd auf Menschen. Mehr Trash geht nicht! Oder doch?

Seufz... es ist eine PARODIE auf schlechte Horrorfilme! Ich gebe zwar zu, dass sich auch Parodien im Schleppnetz der Trash-Definition verfangen können, aber in diesem Fall ist das nicht der Fall, weil die zelebrierten Defizite gewollt gedrehte Langnasen in Richtung "Invasion der..."-Filme sind.

In der Fortsetzung "Die Rückkehr der Killertomaten" (1988) hatte sogar George Clooney sein Schauspiel-Debüt. Wird ja immer besser.

Wundert es irgend jemanden, dass die Mediasteaks-Damen sogar entweder zu dumm oder zu faul zur IMDB-Recherche sind? Selbst ohne Internet-Krücke KANN man wissen, dass Clooney bereits seit Jahren im Geschäft war, als er die Rolle in "Return of the Killer Tomatoes" übernahm, dass er längst Dutzende Haupt- und Nebenrollen gespielt hatte. Aber wie wir ja schon festgestellt haben, gilt Recherche bei den bento-Autoren als spießiger Oldschool-Journalismus.

Soviel zu den Bloggerinnen mit dem "Röntgenstrahl-Blick".

10. Hänsel & Gretel Hexenjäger

"Hänsel & Gretel verliefen sich im Wald, es war so finster und auch so bitterkalt. Sie kamen an ein Häuschen von Pfefferkuchen fein..." dann pusteten sie der Hexe, die in der Hütte wohnte, den Kopf weg und widmeten ihr restliches Leben der Hexenjagd.

Fiese Hexen, jede Menge Rumgeballere und literweise Kunstblut. Willkommen beim trashigsten Märchen aller Zeiten.

Okay, zumindest das sprengt mir nicht den Blutdruckmesser, weil es zwar falsch ist, aber wenigstens NUR falsch und nicht ärgerlich falsch. "Hänsel & Gretel Hexenjäger" ist einer dieser Hollywood-Blindgänger, von denen die Traumfabrik jedes Jahr ein halbes Dutzend raus haut: bunt, teuer, langweilig, leb- und erfolglos, getrieben nicht von einer kreativen Vision, sondern vom Marketing. Die Beispiele sind Legion: "Wild Wild West", "Van Helsing", "The Sorcerer's Apprentice", "The Last Witch Hunter", "Gods of Egypt", "Prince of Persia", etc.

Flops, ja - aber Trash? Meine Antwort könnt ihr erahnen.

Es gehört eine Menge dazu, den Begriff Trash nicht nur derart komplett misszudeuten, sondern dazu dann auch noch zehn so unterschiedliche und auf ihre Art faszinierende Filme dieser Fehleinschätzung unterzuordnen. Man könnte natürlich kontern, dass die Damen Trash eben anders definieren und deshalb meiner Definition auch nicht gerecht werden. Darf doch wohl jeder seine eigene Meinung zu haben, n'est-ce pas?

Abgesehen davon, dass der Wert einer Meinung sich durchaus an der dahinter stehenden Expertise misst, werden die Autorinnen ja nicht mal ihrer eigenen Definition gerecht. Die hier vorgestellten Filme passen in KEINE gemeinsame Schublade, es wird Kommerzschund mit Billigheulern und potentem Independent-Kino in einen Topf geworfen, im wahrsten Sinne des Wortes ohne Sinn und Verstand.

bento, ich wollte es gut sein lassen. Ich wollte nach dem Prinzip verfahren "Lasst mich in Ruhe, dann lasse ich euch in Ruhe". Aber mit diesem Trashfilm-Listicle habt ihr auf mein Territorium gepinkelt. All bets are off. Ich kann jetzt nicht mehr garantieren, dass ich eure Sex-Kolumnist(inn)en nicht doch noch zum Scham-Schafott schleifen werde...

P.S.: In diesem Fall sind die Kommentatoren dem Niveau des Artikels entsprechend - einer empfiehlt als Trash die "Evil Dead"-Filme und ein anderer kann "Blacula" nicht mal richtig schreiben.

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16
Mai 2016

The Best of the Worst of the Worst: Basterd-Ratings

Ich war zwar gestern nicht mehr dabei, habe mir aber von Doc Acula die Ergebnisse des Zuschauervotings schicken lassen. Es gab Noten von 1 bis 5 zu vergeben, wobei 5 Bestnote war/ist. Ein allgemein verständliches Schulnotensystem war dem Herrn Nowak wohl nicht allgemein verständlich genug.

Chronologisch sieht die Wertung so aus:

  • Puma-Man 3,53
  • Fantasy Mission Force 4,05
  • The Pirate Movie 4,00
  • Samtpfötchen 2,85
  • Die Engel von St. Pauli 3,40
  • Champions of Justice 2,96
  • Oblivion 3,54
  • Die BMX-Bande 3,40
  • Riffs II 3,11
  • Die Autonummer 3,35
  • Ich spüre deine Haut 3,26
  • Zachariah 3,56
  • Revenge of the Alligator Ladies 2,56

Souveräner Sieger ist demnach der debile "Fantasy Mission Force", fast gleichauf folgt der drollige "Pirate Movie". Ende der Fahnenstange: Jess Francos letztes filmisches Hurra "Revenge of the Alligator Ladies". Mich persönlich freut, dass der Charles Band-Film "Oblivion" im oberen Drittel schwimmt, Kopf an Kopf mit "Zachariah" und dem "Puma Man".

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15
Mai 2016

Back to the Basterds: Trash-Wochenende 2016 (2)

So, Tag 3 ist auch gleichzeitig mein Abgesang, denn der erste Hochzeitstag verpflichtet mich zur Heimreise. Ob es eine Schande ist, die Vorführung des letzten Jess Franco-Films zu verpassen, sei dahin gestellt...

ChampionsOfJusticePosterVeranstalter Doc Acula ist bekanntermaßen ein Fan von massigen Männern, die sich verschwitzt betatschen und umher rollen. Kein Wunder, dass in "Die Engel von St. Pauli" bereits gerungen wurde und mit "Champions of Justice" dann sogar ein vollblütiger Vertreter des Luchadores-Kinos auf dem Programm stand. Maskierte Mexikaner im Kampf gegen einen verrückten (wobei - eher korrupten) Wissenschaftler und seine bösen Wichte. Kennt man das Genre etwas genauer, weiß man, was zu erwarten ist - kindertaugliche Rangeleien, unverbrüchliche Freundschaft zwischen den Fleischklopsen und alle fünf Minuten Rangelei für die gute Sache. Das klingt nach verdammt viel Entertainment, ist aber schlussendlich doch sehr lang und weilig. Trash darf vor allem eines nicht - brav sein. Und das Luchadores-Kino ist halt sehr brav. Einen gewissen Genuss kann man aus lokaltypischen Kuriositäten ziehen und dem Soundtrack, der zwischen Lounge-Jazz und hysterischen Drum-Soli oszilliert.

Dieser Ausschnitt ist erschreckend repräsentativ:

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oblivionKindertauglich ging es dann auch weiter - mit einer Charles Band-Produktion, was mich befähigte, selber ein paar Worte zur Einleitung zu sprechen. Auch "Oblivion" (aka "Alien Desperados") bringt oberflächlich alles mit, was so ein Festival braucht - ein Western auf einem fernen Planeten mit Stop Motion, Aliens, George Takei dauer-besoffen, einer peitschenschwingenden Domina und sackweise Insider-Gags.

Leider scheitert "Oblivion" (der zeitgleich mit seiner etwas besseren Fortsetzung gedreht wurde) primär daran, dass er nicht scheitert. Er ist genau die Sorte harmloser Genre-Unterhaltung, die in der Video-Ära Anfang der 90er populär war. Keiner der Beteiligten blamiert sich, es war ausreichend Geld da, und ein paar der Gags sind sogar milde witzig. Letztlich ist der einzige wirkliche Fehlgriff die deutsche Chinesen-Synchlo von Geolge Takei, die veldammt lassistisch klingt.

Ein Festival wie dieses braucht Filme, die entweder an ihrem Anspruch spektakulär scheitern oder in ihrer Weltsicht so weit am Publikum vorbei zielen, dass sie erheiterte Fassungslosigkeit auslösen. Das ist bei völlig stimmigen Kommerzfilmen wie "Oblivion" einfach nicht der Fall.

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BMX Bandits QuadUnd beim nächsten Film genau genommen auch nicht. Adleraugen können "BMX Bandits" immer mal wieder im Vormittagsprogramm der kleineren deutschen TV-Sender finden und die Tatsache, dass hier Genre-Allesfilmer Brian Trenchard-Smith das Megaphon führte, sollte zu keinen Hoffnungen verleiten, es gäbe schrabbelige Schmierigkeiten zu sehen.

"BMX Bandits" ist ein Jugendkrimi im TKKG-Stil, der sich an den 80er-Boom der BMX-Räder aufhängt, mit viel Augenzwinkern und Action eine banale Geschichte (es geht um geklaute Funkgeräte) flott über die Runden bringt. Das ist bunt, nett, und erstaunlich wenig gealtert. Aber ist es ein Film, der auf das Festival gehört? Schließlich fehlt hier der Wahnwitz von "Turbo Kid" oder die schiere Blödsinnigkeit von "Voyage of the Rock Aliens".

Genau genommen hat "BMX Bandits" cinemahistorisch nur ein Pfund, mit dem er wuchern kann - die weibliche Hauptrolle spielt eine 16jährige Nicole Kidman. Und tatsächlich ist die spätere Hollywood-Diva und Stilikone auch in jungen Jahren sehenswert. Sie mag schlaksig sein und ungeschminkt, die Zähne schief und die Haare wuschelig - aber das Charisma ist unbestreitbar schon vorhanden.

Sehr drollig, dass die Kidman im Trailer gar nicht zu sehen ist - man wusste ja nicht, was man sich da angeheuert hatte:

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Riffs_IIDas Abendprogramm eröffnete "Riffs II - Flucht aus der Bronx", die Fortsetzung der durchaus respektablen "Warriors"/"Klapperschlange"-Variation "The Riffs". Wieder muss der stumpfgesichtige Zottelkopf Trash mit seinen wenig sympathischen Kumpanen die paar Ruinen verteidigen, die von der Bronx übrig sind. Mächtig politisch aufgeladen, kann die "The Riffs"-Reihe (deren dritter Teil nur dem Namen nach dazu gehört) mit ein paar eigenen Ideen und solidem Location-Shooting in New York überzeugen. Bei Teil 2 ist das Budget allerdings schon sehr mager, die Ordnungsmacht besteht aus den immer gleichen sechs Knallchargen in silbernen Overalls und Motorradhelmen und genau EINEM entsprechend hergerichteten Lieferwagen. Die Besetzung ist ein Best of des italienischen Epigonen-Kinos, nur Henry Silva dürfte auch den weniger bewanderten Zuschauern Interesse abverlangen.

So ist "The Riffs 2" auch nur eine schwache Cover-Version des Originals, verplempert die Laufzeit mit den immer gleichen Shootouts und Stunts und kann am Ende auch nicht sagen, ob die Sieger nun irgendwas gewonnen haben. Im Vergleich zu anderen Trittbrettproduktionen der Ära ist er - wie "The last Jaws" - damit allerdings immer noch im oberen Mittelfeld.

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Auto-Nummer_(1972)

Bestimmte Genres gehören bei den B-Film Basterds einfach zum guten Ton. Der Italo-Ripoff, der deutsche Kolportage-Reißer und das schmierige Bumskino der Übergangsphase der 60er auf die 70er zum Beispiel. Letzteres übernahm diesmal "Die Auto-Nummer - Sex auf Rädern", eine lose Sammlung Rammelgeschichten rund um 2-, 4- und Mehrräder. Man trifft sich, man begattet sich, man schifft sich im Hafen der Ehe ein.

Es gibt vieles zu entdecken - Alt-Playboy Rolf Eden spielt einen radikal linken Biker-Priester, die Damen sind sehr hübsch anzusehen, der Regisseur bekam 16 Jahre später einen Oscar für "Babette's Fest", Episödchen spielen in München, Paris und London.

Wer allerdings auf scharfes Gehopse aus ist, wird gleich auf zwei Ebenen enttäuscht. "Die Auto-Nummer" ist auch für ihre Zeit rechtschaffen züchtig, der Matratzensport verhalten. Vor allem aber: Der Film ist durch und durch gutmütig, ja sympathisch. Hier ist Sex nicht gieriges Gegrabbel geiler Geschlechtsgenossen, sondern fröhliches Zusammenkommen herzensguter Frühlingserwachter. Keine junge Dame wird bedrängt, Kopulation ist gesund, um an Ende wird geheiratet. Die Schmierigkeit des deutschen Bahnhofs-Kinos geht dieser Produktion vollkommen ab, was natürlich erwähnens- und lobenswert ist, in der Retrospektive aber wenig Fleisch für ein Trash-Festival-Publikum hergibt.

Von dem gibt es leider keinen Trailer.

So, nun noch schnell zum traditionellen Frühstück mit der Truppe und dann wieder ab gen Heimat.

Nächstes Jahr wieder!

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14
Mai 2016

Back to the Basterds: Trash-Wochenende 2016

Auch heute mache ich es aus Zeitmangel knapp und knackig, denn der Magen rumort, die Dusche wartet und der nächste Film ist keine zwei Stunden entfernt. Nach Wanderungen in Südtirol und Salzburg, mehreren tausend Kilometern auf dem Tacho und zu vielen Unwägbarkeiten geht nicht nur die Woche, sondern langsam auch meine Energie zu Ende...

Ich bin also wieder bei B-Film Basterds-Festival, das ich bisher nur 2015 wegen Heirat ausfallen lassen musste. Eine erfreuliche Menge an Veteranen, auch vom Fantasy Filmfest, ist heuer wieder dabei. Ich fläze mich wie üblich in der Mitte der ersten Reihe neben dem Moderator, der sich meinen Spott ebenso gefallen lassen muss wie das Geschehen auf der Leinwand. Generell sind die ersten zwei Reihen ziemlich maulaktiv, was angesichts des gebotenen Zelluloids zur allgemeinen Erheiterung beiträgt. A good time is had by all.

Zu den Filmen der ersten zwei Tage.

puma man

Den Einstieg macht der italienische "Klassiker" "Puma-Man" von Alberto De Martino, der eigentlich immer in einem Atemzug mit "Supersonic Man" von J.P. Simon genannt wird und den Donald Pleasence für den schlechtesten Film seiner an schlechten Filmen wahrlich nicht mangelnden Karriere hielt.

In der Tat ist "Puma Man" (was echte Geeks "Pjuma Man" aussprechen) objektiv gesehen ein cineastischer Verkehrsunfall mit vielen Verletzten. Die Story um Aliens, eine Hypno-Maske und den Gürtel des Puma-Gottes ist mit abstrus noch milde beschrieben, die Spezialeffekte hinken locker 20 Jahre hinterher und die Hauptfigur ist eine so unsäglich feige Pussy, dass man ihm ständig was aufs Maul geben möchte. Besonders viel Tempo hat der Streifen auch nicht, dafür aber eine ausgesucht schrottige Synchro. Man hält sich optisch an Sydne Rome fest, die um der Kindertauglichkeit willen allerdings zu viel anbehält.

Ihr ahnt es: Genau so sehen perfekte Festival-Filme aus. Das Vergnügen wurde mir nur dadurch geschmälert, dass ich "Puma Man" in meinem Leben ungefähr 10 mal gesehen habe - inklusive der amüsanten Mystery Science Theater 3000-Fassung:

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fantasy mission forceDanach ging es nahtlos mit "Fantasy Mission Force" weiter, einem Action-Comedy-Spektakel asiatischer Provenienz, über das selbst in Trash-Kreisen nur ehrfürchtig geflüstert wird. Splatter, Nazis, Slapstick, Karate - die volle Packung ausgelassenen Blödsinns, angereichert mit jeder Menge Pyrotechnik und einem Schnitt aus der Moulinex.

Ich gebe zu, die völlige Absenz eines Plots und das wirre Agieren der asiatischen Knallchargen verhindert mein völliges Abtauchen in den Wahnsinn, aber es lässt sich mit Fug und Recht sagen, dass "Fantasy Mission Force" eine Feuertaufe für echte Trash-Fans ist. Da muss man dann halt durch.

Wie sehr der Film international verhackstückt wurde, sieht man auch daran, dass diverse Szenen aus dem internationalen Trailer in unserer Version nicht zu finden waren:

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Pirate_MovieTag 2 begann mit einem kinderfreundlichen Nachmittagsprogramm - dachten wir. "The Pirate Movie" ist oberflächlich eine als Kostümmusical verkleidete Teenager-Romanze der frühen 80er, die in Cast und Tonalität auf das Publikum von "Die blaue Lagune", "Grease" und "Kleine Biester" schielt.

Tatsächlich ist "Pirate Movie" gelebter Irrsinn, die schwulste Hetero-Komödie aller Zeiten, eine Gratwanderung zwischen Benny Hill und John Waters, ständig die Mauer zwischen Akteuren und Publikum brechend. Hier ist Massenvergewaltigung eine rasend komische Sache, die Heldin tritt ihrem Geliebten in die Eier und fragt ihn, ob er eigentlich schwul sei - und dann tauchen Inspector Clouseau und Indiana Jones auf, während zu den Laserschwerter gegriffen wird. Und das alles auf dem Niveau eines schwachbrüstigen TV-Films.

Denkt man am Anfang noch, der Film sei ein völlig missratenes Stück Sommerkino auf Kindergarten-Niveau, dämmert es dem versierteren Zuschauer in der zweiten Hälfte, dass es sich vielmehr um eine Parodie auf missratene Stücke Sommerkino auf Kindergarten-Niveau handelt. Der Film ist auf eine irritierende Weise selbstbewusst scheiße - auch wenn die Meta-Ebene ihn noch lange nicht erträglich macht.

Einziger ECHTER Pluspunkt ist Kristy McNichol, in die wir in den frühen 80ern alle verknallt waren, die sich wirklich rein hängt und deren Infragestellung der sexuellen Normen in "Pirate Movie" angesichts ihrer eigenen geschlechtlichen Präferenzen heute geradezu hellsichtig wirkt.

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samtpfoetchen-die-kung-fu-katze-von-chinatown

"The Pirate Movie" war zwar bunt, lustig und ließ das Publikum angemessen verdattert zurück, aber nun brauchte es wieder Exotik und vor allem Gewalt der hausgemachten Handkanten-Sorte. Da musst das "Samtpfötchen" ran, ein bizarr plotfreier Haudrauf-Film aus der untersten Schublade, in der ein selten tumber Held mit seiner Freundin irgendwann im zweiten Drittel mit Gangstern über Kreuz liegt, die Diamanten in einer Bonbon-Dose suchen.

Es wird eigentlich permanent geprügelt, ernst nimmt das keiner, der Bösewicht hat ein tennisballgroßes Geschwür am Hals und die deutsche Synchro holt mehr raus, als drin ist. Die vorliegende Kopie war in Monocolor, nach Jahren auf dem Bahnhofsklo herrschte grelles Pink vor.

Anderthalb Stunden lang so:

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Skandalös genug, dass mit "Die Engel von St. Pauli" erst jetzt der deutsche Kolportage-Reißer dran war, der auf dem Festival gewöhnlich fester Bestandteil ist. Action-Garant Jürgen Roland hetzt die Luden in seinem Stamm-Kiez erst aufeinander, dann auf einen Nuttenkiller. Großartig besetzt u.a. mit einem souveränen Horst Frank und vielen bekannten Gesichtern in Nebenrollen, von erstaunlich geschmeidiger Kameraarbeit und einem exzellenten Blick für das Milieu getragen, erreicht "Die Engel von St. Pauli" zwar nie den Trash-Wert von "Mädchen mit Gewalt" oder die bunte Bandbreite von "Perrak", aber er ist nichtsdestodoch ein beeindruckender Beweis dafür, dass es hierzulande einst hochkarätige Sleaze-Thriller gab, auf denen man hätte aufbauen können, wenn die Sackratten des Neuen Deutschen Films das gesamte Genre nicht hochnäsig zur Unkultur erklärt und ausgetrocknet hätten.

Wie bezaubernd - ein englischsprachiger Trailer:

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Danach war Kessler-Time - der allseits beliebte Chronist des abseitigen Kinos unterhielt den Saal zum dritten Mal mit launigen Anekdoten und ausgesucht beschämenden Filmausschnitten von italienischen Sex-Utopien und indonesischen Terminator-Trittbrettfahrern. Nichts, was die wirklich harten Geeks nicht schon kennen würden, aber man muss ja auch mal den Nachwuchs heran ziehen und auch wenn man nichts lernt, verbringt man doch einen Abend im Kreise guter Freunde und schlechter Filme. Ein herzhaften "bravo!" von mir dafür.

Kessler hatte natürlich Exemplare seines neuen Buches "Der Schmelzmann in der Leichenmühle" dabei, die er freundlich und umfangreich signierte. Bestellen kann man das Werk hier, auch wenn echte Fans das Werk mit Widmung und aus der Hand des Meisters wollen.

sharkDamit neigte sich der zweite Tag dem Ende entgegen und Veranstalter Doc Acula hatte erfolgreich dicht gehalten, was es als Überraschungsfilm zu sehen gab: "The last Jaws", einen uninspirierten, aber sehr kompetenten Italo-Ripoff von Spielbergs Hai-Saga, der vor allem deswegen berühmt-berüchtigt wurde, weil Universal gegen seinen Release erfolgreich klagte und der Film zumindest auf dem englischsprachigen Markt über 20 Jahre lang kaum zu bekommen war. Bei den Basterds gab es die deutsche Variante in einer Uncut-Version zu sehen, was einige Untertitel später wieder eingefügter Szene bedingte.

Betrachtet man "The last Jaws" unbelastet von den rechtlichen Problemen, ist es ein für italienische Verhältnisse erstaunlich solides Produkt mit starken Schauspielern (Vic Morrow, James Franciscus), viel Aufwand und weitgehend überzeugender Stunt-Arbeit. Die Hai-Szenen sind mit viel Stock Footage aufgefüllt, aber ja - die Italiener haben auch Modell-Haie gebaut, die teilweise mit Spielbergs "Bruce" mithalten können. Die Spannungskurve sitzt, der Soundtrack ist klasse - da blamiert sich niemand. Fast schon zu gut, um in Nürnberg zu laufen.

Ich übergebe mal an den geschätzten Brandon für eine Video-Kritik:

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So wurde es 2 Uhr morgens und das Publikum müde, der Doc schickte uns für die Nacht heim und hampelte noch ein wenig rum:

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Darum bin ich gerne hier.

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