Movie Mania Minis (19)

Gepostet am 19. Januar, 2010 um 00:34 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Sky Crawlers

Japan, 2008. Regisseur: Mamoru Oshii.

the-sky-crawlersInhalt: In einer nicht näher erklärten Parallelwelt ist der Krieg auf Konzerne verlagert, die ihre Luftkämpfe von genetisch gezüchteten Kinderpiloten austragen lassen. Kannami wird auf eine Basis der Rostock Corporation versetzt, wo er sich in die Flugleiterin Kusanagi verliebt, ebenfalls ein “Kildren”. Mehr und mehr wird Kannami klar, dass er zu seinem Vorgänger, einem verstorbenen Piloten, eine mehr als psychische Verbindung besitzt…

Kritik: Dankt mir für die Zusammenfassung. Das, was ich da oben als Plot beschrieben habe, ist das, was man sich nach geschlagenen zwei Stunden als Zuschauer mühsamst zusammen reimen kann – wenn man denn wach geblieben ist. Ich kenne nur wenige Filme, die sich to träge und vage einer klaren Narrative verweigern, deren Figuren so stumm und apathisch bleiben. Es mag sein, dass im Roman von Mori Hiroshi erheblich genauer auf die Details eingegangen wird – auf der Leinwand ist davon allerdings nichts angekommen.

Nicht nur die konkrete Geschichte und die Personen bleiben nebulös – auch die gesamte Welt, in der “Skycrawlers” spielt, ist kaum über Chiffren hinaus definiert. Wo spielt die Handlung? WANN spielt die Handlung? Wer gegen wen? Was ist Sinn und Zweck eines Krieges, der scheinbar nur aus vereinzelten Luftkämpfen besteht, und jenseits der Politik stattfindet? Wieso rauchen die Kildren alle Kette? Es ist eine fremde, kalte Welt, die wir nicht verstehen können – und die uns deshalb auch nicht im Geringsten schert.

Nachdem der Film sich 90 Minuten lang konsequent weigert, irgendwas zu erklären, werden die gesamte Backstory und der emotionale Aufhänger dann in den letzten 20 Minuten dem Zuschauer in zwei groben, statischen Packen Exposition vor die Füße geworfen. Friss oder stirb. Da sterbe ich lieber.

Diese ganze lähmend diffuse Erzählweise wäre als Realfilm schlimm genug – als Trickfilm ist sie unerträglich. Simpelst gezeichnete Figuren ohne Details, die zehn Sekunden lang aus dem Fenster starren, ohne dass sich im Frame IRGENDWAS bewegt – das ist schon provozierend lethargisch. Die attraktivste 2D-Animation gehört dann auch passenderweise dem Basset Hound der Basis, dem mit Abstand lebendigsten Charakter des Films.

Ich sage sowas immer ungern, aber: Das Ende ist eine bodenlose Frechheit. Die Geschichte wird nicht beendet, sie hört einfach auf. Klappe zu, Affe tot. Keine Erklärungen, keine emotionalen Abschlüsse, gar nichts. Eine “post credits”-Sequenz setzt einfach wieder alles auf Anfang.

All das ist umso enttäuschender, da “Skycrawlers” nicht nur ein an sich spannendes Konzept spazieren trägt, sondern in der technischen Umsetzung hart an der Grenze zum Meisterwerk vorbei schrammt. DIe Figuren mögen detailarm sein, aber ihre Animation ist geradezu erschreckend flüssig. Simple Vorgänge, wie das Absteigen von einem Motorroller, oder das Falten einer Zeitung, haben eine hypnotische Wirkung, einfach weil sie so real wirken. Gegenstände, Hintergründe, Fahrzeuge – anhand von Referenzbildern wurde alles liebevoll gestaltet, mit geradezu manischer Perfektion.

Und die Luftkämpfe! Grundgütiger, diese Luftkämpfe! In dem Moment, wenn die Piloten von der Basis abheben, explodiert die Dramaturgie, springt “Skycrawlers” aus dem Koma in hyperaktive Action, die wirklich sehenswert ist. Komplett in CGI (bis auf die Piloten), zieht eine “mittendrin statt nur dabei”-Choreographie den Zuschauer ins Geschehen, wie ich es in den letzten Jahren nur bei “Battlestar Galactica” erlebt habe. Man hat das Gefühl, die 3D-Abteilung habe einen ganz anderen Film machen wollen, als die Zeichner der 2D-Drama-Sequenzen. Was “Skycrawlers” an Dogfights bietet, ist mehr als State of the Art – es definiert State of the Art für diesen Bereich.

Aber es hilft nicht: Letztlich quält man sich durch die emotionslosen Dialoge der ausdruckslosen Charaktere, um alle 20 Minuten mal ein Bonbon in Form eines Luftkampfes hingeworfen zu bekommen. Und das KANN nicht genug sein.

Fazit: Eine unsäglich fade “Wings of Honneamaise”-Variante, die sich in Parallelwelt- und Psycho-Details verliert, und dafür ungefähr eine Stunde zu lang ist. Es lohnt sich aber, die DVD auszuleihen, um sich zu den einzelnen Luftkämpfen durchzuspulen.

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Movie Mania Minis (18)

Gepostet am 17. Januar, 2010 um 09:34 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Paranormal Activity

USA 2007. Regie: Oren Peli. Darsteller: Micah Sloat, Kathie Featherston

paranormal_activityInhalt: Micah und Katie ziehen erstmals zusammen, in ein großes Haus im amerikanischen Suburbia. Doch es stellt sich schnell heraus, dass Katie seit ihrer Kindheit paranormale Ereignisse anzieht, und Micah schafft eine Videokamera an, die das nächtliche Geschehen dokumentieren soll. Was als Klopfzeichen und Schritte auf der Treppe beginnt, steigert sich schon bald zu unbestreitbaren okkulten Attacken, die das Pärchen um den Schlaf bringen. Auch ein “Experte” sieht sich überfordert, und ein Umzug kommt nicht in Frage – das “Böse” würde Katie immer folgen…

Kritik: “Paranormal Activity” ist der “Blair Witch Project” des Jahres 2009: unglaubliche 200 Millionen Dollar hat der gänzlich mit einer handelsüblichen Videokamera aufgenommene Film eingespielt – bei einem Budget von gerade mal 5000 Dollar. Es gibt keinen Soundtrack, keine nennenswerten Effekte, keine wirklichen “Schauspieler”: Wir sehen nur, was die Videokamera von Micah sieht. Besonders in der ersten Hälfte sind das viele körnige Aufnahmen eines geschmacklosen “Von der Stange”-Vorstadthauses, in dem ab und an mal eine Tür aufschwingt. All das, wofür man normalerweise Eintritt bezahlt, verweigert “Paranormal Activity”. Es ist eher ein filmisches Experiment, Konzept-Kino, Dogma als Horrorfilm.

Ich bin massiv gespalten, was meine Meinung zu dem Streifen angeht, und das kommt ja wahrlich selten vor. Einerseits hat “Paranormal Activity” kaum mehr zu bieten als diese unsäglichen “Ghost Hunters”-Shows auf amerikanischen Kabelsendern. Viel Buhuu um nix, und das noch dazu erschreckend banal umgesetzt. Sowas gehört eigentlich nicht ins Kino – und wenn doch, dann sollte es verdienstvolle 20 Millionen Dollar einspielen, aber keine 200. Wo kommen wir denn da hin?

Andererseits lässt sich kaum bestreiten, dass “Paranormal Activity” gerade dank seiner Reality-Technik nach einer schwachen ersten Hälfte eine beeindruckende Sogwirkung entwickelt, und man bis zum Schluss durchaus gebannt dran bleibt. Spannung wird hier nicht durch hektische Schnitte oder schockierende Effekte erzeugt, sondern durch genuin gruselige Momente, wenn z.B. Katie schlafwandelnd aufsteht, und wir im Schnellvorlauf sehen, dass sie den schlafenden Micah anstarrt – stehend, still, im dunklen Schlafzimmer, zwei Stunden lang. Es ist die Erzeugung einer Art von Gänsehaut, die der aktuelle Horrorfilm so gar nicht kennt.

Weil die Schauermomente dünner gesät sind, als man gewohnt ist, verdient Regisseur Peli Lob dafür, auch den Zerfall der Beziehung von Micah und Katie so subtil, aber dennoch eindringlich eingefangen zu haben. Das Pärchen wirkt absolut authentisch, ohne gleich langweilig zu sein.

Letztlich kann ich “Paranormal Activity” etwas experimentierfreudigen Horrorfans durchaus empfehlen – auf DVD, nicht im Kino. Außerdem glaube ich, dass jede Synchro den Reality-Effekt komplett zunichte machen wird. Originalton ist also ein Muss.

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Movie Mania Minis (17)

Gepostet am 12. Januar, 2010 um 00:33 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Trick’r'Treat

USA 2007. Regie: Michael Dougherty. Darsteller: Leslie Bibb, Tahmoh Penikett, Lauren Lee Smith, Anna Paquin, Brian Cox

trick-or-treatInhalt: Warren Valley, Ohio, an Halloween. Im Verlauf einer Nacht überschneiden sich immer wieder verschiedene grausige Vorgänge okkulter Natur: Ein knurriger Rentner wird von einem Kürbis-Monster heimgesucht, ein Schuldirektor entledigt sich eines unverschämten Kindes, ein paar Teenager suchen Dates für eine ganz spezielle Party, und ein Pärchen stellt fest, dass man Halloween nicht folgenlos verfrüht für beendet erklärt…

Kritik: Wieder so ein Film, der im Internet einen sehr gemischten “buzz” erzeugte. Eine Weile lang wurde “Trick’r'Trick”, sicher auch wegen Bryan Singer auf dem Produzenten-Stuhl, sehr gehyped, obwohl das Studio Warner Brothers ihn hatte fallen lassen. Nach ersten Screenings erklärten ihn einige Internet-Buzzer dann für ziemlich banal. Wie im Fall von “Across the Universe” stimmt beides – allerdings nur dann, wenn man es kombiniert.

Zuerst einmal sollte man sich klar machen, dass “Trick’r'Treat” kein Hardcore-Horror sein will. Es ist ein episodischer Gruselfilm im Stil von “Creepshow” oder “Tales from the Crypt”, der Mädchen zum Kieksen, und Jungs zum Grinsen bringen soll. Nervenzerfetzende Spannung oder großes Erzählkino ist nicht zu erwarten. In seiner ironischen, aber gänzlich unzynischen Einstellung erinnert der Film an “Night of the Creeps”, “Monster Squad”, und “Gremlins”. Das ist erfrischend, und für alte Säcke wie mich fast schon nostalgisch – aber man muss sich eben auch darauf einlassen.

Bis auf einen verunglückten Monster-Effekt ist “Trick’r'Treat” technisch auf sehr hohem Niveau, mit warmer, dreidimensionaler Kameraarbeit, kompetent geschnittenen Effekt-Sequenzen, und sympathisch symphonischer Musik. Die allesamt soliden Darsteller rekrutieren sich vollständig aus dem kanadischen Bereich, und wieder einmal fällt Anna Paquin positiv auf. Vielleicht wäre es ratsam gewesen, ihren Part zu einer Art Rahmengeschichte auszubauen, um den Film mehr zu klammern.

Natürlich schadet dem Film ein wenig, dass es keine durchgehende Hauptfigur gibt, dass einige Episoden überhaupt keine klar definierten Protagonisten haben, und dass die achronologische Erzählweise keine dramaturgische Finesse ist, sondern den Flow mitunter arg stört. Das sind alles Fehler, aber keine fatalen.

Fazit: DVD-Futter für den wohlwollend eingestellten Gruselfan, das auch die Freundin genießen kann. Gewinnt an oder um Halloween herum noch einmal deutlich.

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Kino-Kritik: Sherlock Holmes

Gepostet am 7. Januar, 2010 um 21:06 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

USA 2009. Regie: Guy Ritchie. Darsteller: Robert Downey Jr., Jude Law, Rachel McAdams, Mark Strong u.a.

SherlockHolmesPoster

Story: Sherlock Holmes überführt den adeligen Sektierer Lord Blackwood des mehrfachen Mordes. In der Todeszelle verspricht der charismatische Düsterling, auch nach seinem Ableben London in Angst und Schrecken zu versetzen. Und tatsächlich: Sein Geist scheint unaufhaltbar nach der Macht zu greifen. Holmes, der nicht an okkulte Vorgänge glaubt, braucht zur Lösung seines Falles natürlich Dr. Watson – der sich allerdings gerade verlobt hat, und eine radikale Trennung von seinem alten Freund anstrebt…

Kritik: Ich mache das extrem ungern, darum ziehe ich diese Kritik vor, um es hinter mich zu bringen…

Here goes:

Ich habe mich geirrt. Und ich habe mich noch dazu geirrt, weil ich meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden bin, und voreilig über etwas geurteilt habe, ohne genügend Fakten zu haben.

Wenn ihr euch erinnert, habe ich seinerzeit böse über den Trailer zu diesem Film hergezogen. Downey als Action-Holmes mit flotten Sprüchen und Faustkämpfen? Nur über meine Leiche.

Aber leider: Der Film entpuppt sich dann doch als ziemlich gut, und nicht halb so hysterisch wie die aufgejazzte Vorschau. Wo ich einen neuen “Wild Wild West”,”Van Helsing” oder “League of Extraordinary Gentlemen” fürchtete, liefert Guy Ritchie erstaunlich souverän einen Abenteuerfilm ab, der zwar auf keine Blockbuster-Ingredienz verzichtet, sich aber trotzdem nicht in überladenen Effektseqzuenzen verliert, sondern die Story und die Charaktere im Auge behält.

Natürlich ist “Sherlock Holmes” nicht “Dark Knight”, “Watchmen”, oder “Avatar”. Er ist pures Entertainment ohne Anspruch, eine flotte Fingerübung innerhalb des System, die an keiner Stelle versucht, das System zu durchbrechen. Hätte es kilotonnenweise CGI-Matte Paintings vom zeitgenössischen London gebraucht? MUSSTE das Finale auf der im Bau befindlichen Tower Bridge vor Greenscreen stattfinden? Kann es überhaupt eine Rechtfertigung geben, dass ein Holmes-Film über 100 Millionen Dollar kostet? Es sind so gerechtfertigte, wie letztlich sinnlose Fragen.

Was für mich zählt, ist die Tatsache, dass sich unter dem ganzen Schnickschnack, und hinter den ganzen schlauen Sprüchen, immer noch ein echter Sherlock Holmes-Film versteckt. Der größte Detektiv aller Zeiten löst seine Fälle am Ende immer noch mit Grips und brillanter Kombinationsgabe. Eine unzerstörbare, wenn auch nicht immer gesunde Freundschaft bindet ihn an Dr. Watson, und sein größter Feind ist die Langeweile, die seinen Intellekt quält, wenn er keine Nuss zu knacken hat. Dazu passt, dass die Story des Films tatsächlich sowas wie ein Mystery aufbaut, und von Anfang bis Ende halbwegs gut durchdacht ist. Hier ist das Drehbuch mal keine Entschuldigung, um die Wünsche von drei Dutzend Werbepartnern zu befriedigen. “Sherlock Holmes” mag nicht “Avatar” sein, aber er ist auch nicht “Transformers” oder “GI Joe”.

Neben der straffen Regie von Guy Ritchie, und einem Drehbuch, das nicht hektisch von Actionszene zu Actionszene springt, ist der Erfolg des Films sicher den beiden Hauptdarstellern zu verdanken. Wie ich bereits vermutet habe, spielt Downey tatsächlich so eine Art viktorianischen Tony Stark, und lebt ganz von seinem natürlichen Charme. Es ist hübsch anzusehen, wenn auch keine wirkliche Leistung. Herausragend ist allerdings (und wieder mal) Jude Law, der Downey in meinen Augen locker die Schau stiehlt. Sein Watson, knallhart, kopfgesteuert und pragmatisch, aber mit einer unterschwelligen Sehnsucht, ist sicher die rundeste Interpretation dessen, was gewöhnlich nicht mehr als ein amüsanter Sidekick ist. Die Beziehung der beiden Männer trägt den Film, und sie ist ungleich spannender und glaubwürdiger als Holmes’ doch sehr mechanisches Getue mit Irene Adler (eine bezaubernde, aber fehlbesetzte Rachel McAdams).

Ich danke den Autoren besonders, dass sie (obwohl es über weite Strecken anders scheint) die Essenz von Holmes’ Genius nicht verraten. Er ist ein Mann der Aufklärung, der Wissenschaft, und am Ende triumphiert er damit über Aberglauben und Fortschrittsfeindlichkeit. So muss das sein.

Ich kann selber kaum fassen, dass ich das jetzt schreibe: Das Finale von “Sherlock Holmes” baut klar auf die Möglichkeit einer Fortsetzung – und die würde ich (ächz) tatsächlich gerne sehen. Und zwar so bald wie möglich. Grundgütiger.

Fazit: Ein solider Spagat zwischen Hollywood-Blockbuster und viktorianischem Krimi, der nicht funktionieren dürfte, es aber trotzdem tut. Hut ab.

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Movie Mania Minis (16)

Gepostet am 6. Januar, 2010 um 10:33 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Across the Universe

USA 2007. Regie: Julie Taymor. Darsteller: Evan Rachel Wood, Jim Sturgess, Joe Anderson, Dana Fuchs, Martin Luther McCoy u.a.

poster_across-the-universe1Inhalt: Arbeiterkind Jude reist von Liverpool nach Amerika, um den Vater zu finden, den er nie kennen gelernt hat. Fasziniert von den kulturellen Umwälzungen der 60er Jahre, bleibt er dort hängen, zieht mit Kumpel Max nach New York, und verliebt sich in dessen Schwester Lucy. Nach und nach müssen Lucy, Jude, Max, und ihre Freunde lernen, ihren Weg in einer Welt zu machen, die den Weg nicht mehr vorgibt. Drogen, Musik, Geld, Politik, Liebe – alles muss mit dem eigenen Lebensentwurf unter einen Hut gebracht werden.

Kritik: Ein Musical aus Beatles-Musik – wie… unerwartet. “Across the Universe” hatte ich schon ewig lange hier rumliegen. Das Hintergrundrauschen aus dem Netz, das ich zu dem Film wahrgenommen hatte, war extrem gemischt gewesen: An manchen Stellen wurde der Film als detailverliebtes Pop-Märchen gepriesen, andernorts hieß es, der Film sei prätentiös und emotional unaufrichtig. So eine Art “Mamma Mia!” für pseudo-intellektuelle Gymnasiasten und Nostalgiker. Das stimmt alles, und doch nicht wirklich.

Der sehr aufwändige, sehr bunte, und sehr hip inszenierte Film ist eine Hommage an Alan Parker, an Baz Luhrmann, und an die anderen Kino-Poeten, die bei den Gefühlen den Verstärker gerne auf 11 drehen. Er suhlt sich im Kitsch, verniedlicht Gefühle ebenso wie Geschichte, und saugt in Postkartenbildern jedes Quentchen Authentizität aus seiner Story. Schöne Menschen sagen sich bedeutsame Dinge in Kulissen, die nach den prächtigen Fotobänden vom Taschen Verlag aussehen. Und dann singen sie viel und ausgiebig von Liebe.

Andererseits: Warum auch nicht? Haben die Beatles nicht hauptsächlich Liebeslieder von unglaublichem Pathos und perfekter Schönheit geschrieben? Sehen wir die 60er nicht ebenso romantisiert, wie es “Across the Universe” tut? Ist es nicht eine Aufgabe des Kinos, den Traum zu zeigen, statt ihn zu zerstören?

Julie Taymor ist nicht Alan Parker, auch nicht Baz Luhrman, eher schon Julien Temple. Sie verschluckt sich an der Mammut-Aufgabe, eine packende Love Story UND das ganze große Panorama zu erzählen. Die Liebe von Jude und Lucy wird teilweise in den Hintergrund gedrängt, weil Taymor mehr an dem visuellen Füllhorn interessiert scheint, das ihr zur Verfügung steht. Die Protagonisten bleiben blass, ihre Romanze besitzt nicht genug Drama, nicht mal genug Melodrama, um zu überzeugen. Die Unausweichlichkeit ihrer Liebe fehlt, und damit das emotionale Investment für den Zuschauer.

Aber auch wenn der Kern der Geschichte etwas mager sein mag, hat “Across the Universe” allemal genug für einen unterhaltsamen Abend zu bieten: Dutzende schicker und sensibler Cover-Versionen der Beatles-Klassiker, grandiose Bilder, bezaubernde Gast-Auftritte (Bono, Joe Cocker, Eddie Izzard), und stundenlanges Vergnügen, auch die visuellen Referenzen bezüglich der Beatles zu finden. Man muss sich nur einlassen.

Ich vermute, dass der Film in den 80ern ein riesen Hit geworden wäre, als Nostalgie für die 60er noch deutlich verkitschter wahrgenommen wurde, und die Reduktion auf visuelle Schlüssel im Zeitalter der Musikvideos selbstverständlicher war.

Wer die Musik der Beatles nicht mag, ist hier allerdings total falsch.

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Movie Mania Minis (15)

Gepostet am 4. Januar, 2010 um 18:43 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

The Thaw  (aka Frozen)

USA 2009. Regie: Mark A. Lewis. Darsteller: Val Kilmer, Martha MacIsaac, Aaron Ashmore, Kyle Schmid, Steph Song

the-thaw-900-1200Inhalt: Professor Krupen und sein kleines Team beobachten in der Arktis die Folgen des Klimawandels. Im Kadaver eines tauenden Mammuts finden sie eine seltsame Form von Parasit, die jeden infiziert, der ihr zu Nahe kommt. Alle Versuche, die Ausbreitung der Infektion einzudämmen, scheitern. Dann bringt ein Hubschrauber Studenten zum Camp – und Krupens Tochter…

Kritik: “The Thaw” ist eine sauber durchdeklinierte “Das Ding aus einer anderen Welt”-Variante ohne nennenswerte Überraschungen, aber auch ohne nennenswerte Patzer (sieht man mal von einer etwas undurchdachten und fast schon komischen Amputation ab). Es fällt auf, dass die ganze Produktion deutlich polierter daher kommt als die meisten aktuellen B-Movies, und fast schon Kino-Qualität hat. Das gilt auch für Effekte, Darsteller, und Musik. Fans von Ekelsplatter kommen wohldosiert auf ihre Kosten, es gibt prima Käfer und Larven, die sich in offenen Wunden suhlen.

Man mag sich darüber lustig machen, dass Val Kilmer mittlerweile in Filmen wie “The Thaw” mitspielt – aber wenn man akzeptiert, dass auch Mister Kilmer manchmal Rechnungen zu bezahlen hat, dann muss man eingestehen, dass er sich dafür deutlich beschämenderen Müll hätte aussuchen können. Zumal “The Thaw” eine Öko-Message einbaut, die ausnahmsweise mal nicht angetackert wirkt, sondern das Finale von “Das Ding aus einer anderen Welt” vom moralischen Standpunkt her für das 21. Jahrhundert neu durchdenkt.

Fazit: Sauber produzierter Parasiten-Horror der alten Schule mit guten Effekten und solidem Budget.

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Movie Mania Minis (14)

Gepostet am 2. Januar, 2010 um 21:15 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Fanboys

USA 2009. Regie: Kyle Newman. Darsteller: Jay Baruchel, Sam Huntington, Christopher Marquette, Dan Fogler, Kristen Bell

fanboys_poster_preview2 Inhalt: 1998: Vier Jungs, die ihr Leben lang von einem neuen “Star Wars”-Film geträumt haben. Nur noch 200 Tage bis “Phantom Menace”. Da stellt sich heraus, dass einer von ihnen an Krebs erkrankt ist. Sie machen sich auf, in die Skywalker Ranch bei San Francisco einzubrechen, um vor seinem Tod den Rohschnitt anzuschauen. Ein Road Trip mit Tücken…

Kritik: Ich kann die Prämisse des Films gut nachvollziehen, wirklich. Wie extrem fleißige und mit gutem Gedächtnis ausgestattete Leser wissen, flog ich 1999 mit einem Kumpel nach New York, um mir den neuen “Star Wars”-Film anzusehen. Keiner von uns beiden war allerdings krebskrank.

“Fanboys” ist einer dieser Filme, die im Web unglaublich gehyped wurden, besonders bei AICN. Kein Wunder – Harry Knowles kommt als Figur selbst drin vor (gespielt von Ethan Suplee aus “My Name is Earl”). Und eitel war der dicke Rotschopf ja schon immer.

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Umso erfreulicher, dass das Ergebnis, wenn auch ein wenig zu arg poliert und kommerzialisiert, durchaus überzeugen kann: Der Film ist witzig, frech, vollgestopft mit Cameos, und überzeugend “geeky”, ohne dabei aufdringlich zu werden. Außerdem geht es zur Abwechslung mal (fast) nicht um Körperausscheidungen und Sex, was “Fanboys” charmant harmlos macht.

Kristen Bell beweist wieder, dass sie jeden Funken “nerd love” wert ist, den wir für sie aufbringen. Who needs Sarah Michelle Gellar?

Es erstaunt auch, wie schnell man nostalgisch wird, und wie weit 1998 schon weg ist: Super Mario Kart, Palm Pilot, Rush, Buffy, Toughbook, Tubthumping?

Geärgert hat mich, dass der melodramatische Teil, die Krebserkrankung von Linus, bis fast zur Unkenntlichkeit herunter gefahren wurde. Es geht das Gerücht, dass diese Szenen dem erwünschten (aber nicht eingetretenen) Box Office-Erfolg zum Opfer fielen. Das nimmt dem Film ein wenig den Druck. Auch der Subplot mit dem übermächtigen Vater verliert sich irgendwann. Da kann man wohl nur auf einen Director’s Cut hoffen.

Fazit: Flotte und detailverliebte Nerd Comedy für Fans, die jeden umhauen würden, der behauptet, Han Solo sei eine Bitch. Und vom heutigen Standpunkt aus betrachtet ist der letzte Satz des Films allein schon den Preis für die Leih-DVD wert…

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Movie Mania Minis (13)

Gepostet am 1. Januar, 2010 um 10:00 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Gamer

USA 2009. Regie: Neveldine/Taylor. Darsteller: Gerard Butler, Amber Valletta, Michael C. Hall, Kyra Sedgwick, Terry Crews, Ludacris, Alison Lohman, Logan Lerman, John Leguizamo u.a.

game Inhalt: In der nahen Zukunft: Sozial sind die Menschen in der Online-Community “Society” organisiert, für die etwas härteren Naturen gibt es den Shooter “Slayers”. In beiden Fällen werden allerdings keine virtuellen Avatare gesteuert, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Star von “Slayers” ist der Todeszellen-Kandidat Kable, der (unter der Führung des gefeierte 17jährigen Spielers Simon) nur noch zwei Level gewinnen muss, um die Freiheit zu erlangen. Doch eine Hacker-Gruppe namens “Humanz” mischt sich ein, und deutet an, dass der Software-Mogul Ken Castle sinistre Ziele verfolgt. Kable soll ihr Werkzeug sein, die Neue Weltordnung zu verhindern…

Kritik: “Gamer”, der erste “ernsthafte” Film der “Crank”-Macher Neveldine/Taylor, floppte böse am US Box Office, was relativ erstaunlich ist, hat er doch einen angesagten Cast, jede Menge Action, und ein trendiges Thema. Tatsächlich ist der Streifen nicht ansatzweise so frisch und sozialkritisch, wie er vorgibt: Genau der Zynismus, der hier angeblich angeprangert wird, trieft aus der ganzen Produktion, die mit kindlicher Spielfreude splattert, und am Ende auch nichts anderes als “das Recht des Stärkeren” zur Lösung der Konflikte anbietet. So wie “Starship Troopers” keine glaubwürdige Satire auf den Militarismus war, ist “Gamer” keine glaubwürdige Kritik an der Dehumanisierung durch Virtualisierung. Den Film werden vermutlich genau jene Hardcore-Gamer geil finden, die er eigentlich kritisiert.

Das Konzept wirkt auch zu halbgar: Die hier vorgestellte Zukunft ist in sich nicht geschlossen oder plausibel. Wenn man die Logistik der Spiele “Society” und “Slayers” durchdenkt, bekommt man Kopfschmerzen.

Der Einstieg in die Story wird dem Zuschauer unnötig schwer gemacht: Nachdem die erste Hälfte der Laufzeit mit hyperkinetischen, aber etwas wirren Shoot-Outs verbracht wird, findet der Film erst im zweiten Teil, und damit zu spät, so etwas wie einen Erzählrhythmus – der dann umso stärker entlarvt, dass die Action-Kaiser Neveldine/Taylor keine narrativen Kleider anhaben. Unter dem ganzen modischen Gekrache verbirgt sich nur eine weitere Variante von “Das 10. Opfer”, bzw. “Preis der Angst” (für die Jüngeren unter meinen Lesern gerne auch “Running Man”). Und nicht mal eine besonders clevere.

Weil der Zuschauer hirnseitig nicht allzu sehr gefordert wird, kann er seine Zeit damit verbringen, Gastauftritte und Insider Gags zu suchen (wenn z.B. eines der möglichen “Society”-Kostüme von Angie das von “Pris” aus “Blade Runner” ist).

Trotzdem muss ich zugeben, dass Neveldine/Taylor immer noch zu den Kings gehören, wenn es darum geht, aus einem vergleichsweise geringen Budget das größtmögliche Spektakel zu pressen – “Gamer” sieht richtig fett aus, und lässt bei der Action auch nichts aus. Der Film wurde größtenteils mit der Digital-Kamera Red One gedreht, was für ein ziemlich geiles BluRay-Screening sorgen dürfte. Zusammen mit “District 13 9” zeigt er, dass teurer nicht immer besser ist, und dass eine neue Generation von Filmemachern die Kosten für Blockbuster vielleicht wieder in den erträglichen Bereich zurückschleifen kann. Das allein nötigt mir schon Respekt ab. Nun müssen bloß noch die Drehbücher ebenfalls für das 21. Jahrhundert taugen.

Fazit: Ein Hardcore Action-Streifen der neuen Welle, der inhaltlich keine Bäume ausreißt, aber hip genug ist, um 85 Minuten kernig zu unterhalten. Allerdings hat “Punishment Park” von Peter Watkins das Thema besser, konsequenter, kritischer, und weniger verlogen abgehandelt – vor fast 40 Jahren.

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Movie Mania Minis (12)

Gepostet am 28. Dezember, 2009 um 14:16 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Der Superbulle auf dem Ku’Damm

Italien 1984. Regie: Bruno Corbucci. Darsteller: Tomas Milian, Bombolo, Olimpia di Nardo, Anita Kupsch, Paco Fabrini u.a.KuDamm

Inhalt: Als ein Revue-Star der Transvestiten-Bar “Blue Gay” ermordet wird, muss sich Tony Marroni von der Kripo (aka “Superbulle”) der Sache annehmen. Die Gattin wird belogen, und der beste Freund wird rekrutiert, damit Tony in der schwulen Szene recherchieren kann. Nach allerlei tuntigem Getue führt die Spur zu einem deutschen Regisseur nach Berlin…

Kritik: Die “Superbulle”-Reihe ist in meinen Augen die mit Abstand unerträglichste aus dem großen Schundvorrat der italienischen Serienkomödien, die in den 80ern in die deutschen Kinos gespült wurden. Bei den “Flotten Teens” gab es wenigstens Gloria Guida nackig zu sehen. Hier bekommen wir Tomas Milian mit dick Kajalstift, Waldschrat-Bart, Strickmütze, quietschbunter Jacke, und unvorstellbarem Overall, wie er laut lamentierend Fratzen schneidet, und nebenher Kriminalfälle “löst”, die selbst TKKG zu anspruchslos wären. Knallchargen wedeln mit den Armen, es fällt mal wer hin, und wenn man in den 80ern Dieter Hallervorden als “Schimanski” in den “Tatort” geholt hätte – es wäre wohl sowas dabei rausgekommen.

“… auf dem Ku’Damm” nimmt selbst unter den “Superbulle”-Filmen eine Sonderstellung ein, denn was hier an Sexismus und Homophobie rausgehauen wird, das ist schon ekelhaft. Männer als Frauen reden komisch und schwenken ihre Feder-Boas – mei, wie krachledern lustig! Eine unerträglich dusselige Synchro, und die unpassendste Break Dance-Nummer seit “Macho Man” machen dann endgültig den Deckel drauf:

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Weil die “Superbulle”-Filme tatsächlich hierzulande eine gewisse Popularität besaßen, kamen die Italiener auf die Idee, den dritten Akt nach Berlin zu verlegen, was bloß Augenwischerei ist: drei kurze Szenen auf dem Ku’Damm, eine an der deutsch-deutschen Grenze, plus Anita Kupsch, das muss schon reichen. In Italien hieß der Streifen übersetzt “Marroni im ‘Blue Gay’”.

Fazit: Nicht mal aus nostalgischen Gründen ansehbar. Wir raten ab. Es gibt einen guten Grund, warum der Film laut IMDB auch unter dem Titel “Ein Superesel auf dem Ku’Damm” kursiert…

Movie Mania Minis (11)

Gepostet am 26. Dezember, 2009 um 23:39 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Infestation

InfestationUSA 2008. Regie: Kyle Rankin. Darsteller: Christopher Marquette, Kinsey Packard, Brooke Nevin, Ray Wise u.a.

Inhalt: Cooper hat nicht viel Spaß am Leben – sein Vater respektiert ihn nicht, und in der Firma gilt er als fauler Trottel. Doch eines Tages überfallen riesige Alien-Käfer die Stadt, betäuben die Bewohner, und spinnen sie in Netze. Cooper kann entkommen, und führt eine kleine Gruppe erst auf der Flucht, dann gegen das Nest der Super-Insekten…

Kritik: Manchmal fürchte ich, dass ich mit modernen B-Movies generell zu hart ins Gericht gehe. Ich habe einen qualitativen Mindestanspruch, den der durchschnittliche Zuschauer dieses DVD-Futters augenscheinlich nicht hat. Saubere Kameraarbeit, prima Splatter, und ein paar ausgediente Altstars reichen mir einfach nicht, um in Begeisterungsstürme zu verfallen. Es sind dann Filme wie “Infestation”, die mich beruhigen: geht doch!

Tatsächlich ist dieser billig in Bulgarien gedrehte Käfer-Horror genau die Sorte B-Movie, die mir Spaß macht: temporeich, halbwegs anständig inszeniert, mit ein paar kruden Gags angereichert, und dabei innerhalb der Genre-Klischees noch einfallsreich genug, um nicht zu langweilen.

Dass der durchaus humorvolle Heuler ausgerechnet von einem Veteranen der Trash-Firma UFO, T.J. Sasakegawa, ins  Leben gebracht wurde, überrascht dann doch. Die liefern ja seit “Apokalypse Eis” nicht mehr als Dienst nach Vorschrift ab.

Besonders die Idee, den Protagonisten als vom Leben getretenen Nerd (Christopher Marquette, “Fanboys”) zu etablieren, macht “Infestation” frisch genug, um ihn über die Laufzeit zu retten. Endlich mal ein amerikanisches Setting in einem osteuropäischen Billig-Grusler? Check. Mehr Käfer-Ekel, als in die Laufzeit passen sollte? Check. Einfallsreiches Creature-Design? Check. Abgehalfterter SF-Serienstar? Check (Linda Park). Titten? Check (nicht Linda Park). Humor? Check.

Alles, was ich an “Infestation” kritisieren könnte, von einzelnen Effekt-Shots bis hin zu der wirklich horriblen Charakterisierung der Wetter-Lady mit den Appetit verderbenden Silikon-Brüsten, gehört genau zu den Sachen, bei denen man halt ein Auge zudrücken muss, wenn nicht gerade Sam Raimi auf dem Regiestuhl sitzt. Auch das gigantische Logik-Loch, nach dem eine Großstadt scheinbar ohne jegliche Kenntnisnahme der Restwelt von außerirdischen Käfern eingenommen werden kann, lasse ich durchgehen.

Fazit: Ein Film, der mich für 85 Minuten wieder 16 Jahre alt gemacht hat. Cool.

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Movie Mania Minis (10)

Gepostet am 25. Dezember, 2009 um 21:14 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Tough guys don’t dance

USA 1987. Regie: Norman Mailer. Darsteller: Ryan O’Neal, Wings Hauser, Debra Sandlund, Isabella Rossellini, Frances Fisher u.a.Tough Guys

Inhalt: Tim Madden ist ein geprügelter Hund. Der gescheiterte Schriftsteller muss seine reiche und untreue Ehefrau Patty ertragen, deren einziges Ziel es ist, Geldquellen aufzumachen, um in der Society noch weiter aufzusteigen. Eines Morgens erwacht er mit einem frischen Tattoo, schmerzhaften Verletzungen, einem Blackout – und abgesägten Köpfen in seinem Marihuana-Versteck. Beim Versuch, die Ereignisse zusammen zu puzzeln, kommt ihm mehrfach der psychopathische Polizeichef Regency in die Quere, der mittlerweile mit Tims großer Liebe Madeleine verheiratet ist. Anscheinend geht es um einen sehr großen Koks-Deal, und den Tod (u.a.) der ehemaligen Pornodarstellerin Jessica…

Kritik: Kennt ihr das, dass man über einen Film stolpert, der wirklich nach keinem Maßstab “gut” zu nennen ist, der aber trotzdem eine echte Entdeckung darstellt? “Tough guys don’t dance” ist so einer. Er kommt aus der kleinen Gruppe von “anspruchsvollen” Cannon-Produktionen, mit denen sich Golan und Globus in Hollywood Respektabilität erkaufen wollten. Sie ließen dem großen Norman Mailer freie Hand bei der Umsetzung seines Romans, und herausgekommen ist ein wirklich sehenswertes Debakel.

Ein total deplatziert wirkender Ryan O’Neal mit schaurigen Frisuren, der in einer Kombination aus Flashbacks und Blackouts versucht, seine Beteiligung an mehreren Morden und Drogendeals nachzuvollziehen – alles vor der Kulisse eines malerischen Dorfes an der Ostküste. Es wird von Anfang bis Ende in Mengen gekokst, dass Christoph Daum vermutlich ganz schwitzige Finger bekäme, und keiner der Beteiligten scheint Interessen jenseits von Sex und Drogen zu haben.

Das ist alles derart hilflos zusammen gestümpert, dass es schon wieder Spaß macht. Besonders die Tatsache, dass Norman Mailer offenbar nicht ansatzweise verstanden hat, dass sich prätentiöse Roman-Dialoge nicht 1:1 in Drehbücher übernehmen lassen, sorgt für solide Lacher. Die Kirsche auf der Torte ist dann noch der völlig unpassende und fies schlechte 80er-Rocksong “Real Man” während des Nachspanns.

Zur echten Perle wird “Tough guys” aber erst, wenn man erkennt, dass es sich hierbei um einen Proto-“Twin Peaks” handelt, eine noch sehr krude erste Version dessen, was vier Jahre später zum Meisterwerk reifen würde. Setting, Charaktere, Plots – es müsste mit dem Teufel (Bob?) zugehen, wenn David Lynch Mailers Film nicht als Inspiration gesehen hätte. Der Eindruck wird verstärkt durch den Soundtrack von… genau, Angelo Badalamenti. Lynch war halt nur erheblich schlauer als Mailer: Er gab seinem Projekt einen klaren Fokus (den Mord an Laura Palmer), und einen sympathischen Protagonisten (Dale Cooper).

So bleibt “Tough guys” im Vergleich ein kompletter Fehlschlag – aber wenigstens einer, über den man sich mit anderen TP-Fans prima die Köpfe heiß reden kann. Mailer versucht übrigens mittlerweile, das Fiasko als Satire zu verkaufen, die bloß keiner verstanden hätte. Sicher.

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Movie Mania Minis (9)

Gepostet am 23. Dezember, 2009 um 20:12 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Fermat’s Room

Spanien, 2007. Regie: Luis Piedrahita, Rodrigo Sopena. Darsteller: Santi Millan, Lluis Homar, Elena Ballesteros u.a.Fermats Room

Inhalt: Vier Mathematiker lösen ein Rätsel, das ihnen anonym zugestellt wurde. Man lädt sie in ein Lagerhaus, wo sie sich bald in einen seltsamen Raum eingesperrt finden, der von hydraulischen Pressen konstant verkleinert wird, wenn sie nicht am laufenden Band weitere Kopfnüsse knacken. Ihnen droht das Schicksal von Han, Leia, Chewie, und Luke in der Müllpresse des Todessterns. Nebenher stellen sie sich auch noch die durchaus relevante Frage, wer dahinter steckt, und warum man ihnen ans Leder will…

Kritik: Ein perfektes Gegenstück zu “Star Quest”, denn mit vergleichbaren Mitteln liefern beide Filme Ergebnisse, zwischen denen Welten liegen.“Fermat’s Room” ist ein kleiner, aber feiner spanischer Thriller, der mit guten Charakterisierungen, einer gut ausbalancierten Spannungskurve, und verschiedenen Twists zu überzeugen weiß.

Natürlich häufen sich nach einer Weile die bequemen Zufälle, und nicht immer erscheinen die Schlussfolgerungen der Protagonisten wirklich logisch. Auch das Ende ist ein wenig unbefriedigend. Aber als Denker-Krimi kann man den Film allemal Leuten empfehlen, denen es mehr um Grips als um Gore geht. Ich würde den Kollegen von Shivers widersprechen, wenn sie “Fermat’s Room” als Mischung aus “Pi”, “Cube”, und “Saw” bezeichnen. Das weckt Erwartungen im Bereich Genre und Gewalt, die einfach nicht gedeckt sind. “Zehn kleine Negerlein” meets ”Cube” trifft es ganz gut, finde ich.

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Movie Mania Minis (8)

Gepostet am 22. Dezember, 2009 um 19:26 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Star Quest: The Odyssey

USA 2009. Stümper: Jon Bonnell. Knallchargen: Aaron Ginn-Forsberg, Davina Joy, Tamara McDaniel, James Ray u.a.Star Quest

Inhalt: Abklatsch des neuen “Star Trek”-Films unter der Ägide der Mockbuster-Macher Maverick. Ich sah mich genötigt, die willkürlichen Vorgänge auf dem Bildschirm derart schnell aus meinem Hirn zu verbannen, dass ich mich jetzt schon glücklicherweise nicht mehr daran erinnern kann…

Kritik: Himmel hilf! Erinnert ihr euch, dass ich angesichts des Trailers von “Star Quest” meinte, so hätte vielleicht auch eine eventuelle “Sumuru”-Serie ausgesehen? Streichen.

Natürlich haben die Asylum- Maverick-Jungs mal wieder jeden Shot, der auch nur als “nicht extrem peinlich” durchgeht, in den Trailer gepackt – der Rest hat nicht einmal Fanfilm-Niveau, und das ist keine Übertreibung. Die Sets sind oft genug nicht mal aus Spanplatten, sondern aus Pappe, der on Location aufgenommene Ton klingt nach Grammophon, und was hier an CGI geboten wird, haben die Jungs um René von Bodisco bei ihren “Star Trek”-Amateurproduktionen vor fünfzehn Jahren schon in den Schatten gestellt.

Charismafreie Gesichtsverleiher sprechen Texte, die irgendwie dramatisch klingen sollen, aber ohne Kontext einfach nur peinlich sind. Man kann sich nur vorstellen, was der Drehbuchautor im Sinn hatte, um den Konflikt zwischen dem irdischen Captain und dem Alien-Botschafter zu etablieren – und was dann im Film als wüste Schlägerei auf einem Parkplatz endete.

Musik, Effekte, Kostüme, Dramaturgie – Boden trifft satz. Die Leckmich-Einstellung der Macher stinkt aus jedem Meter Film. Endlich mal ein SF-Streifen, bei dem jeder von uns mit Fug und Recht sagen kann: “Das könnte ich auch!”

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Movie Mania Minis (7)

Gepostet am 21. Dezember, 2009 um 22:11 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Deathtrap

DeathtrapUSA 1982. Regie: Sidney Lumet. Darsteller: Michael Caine, Christopher Reeve, Dyan Cannon, Joe Siegel u.a.

Inhalt: Bühnenautor Sidney Bruhl hat seit Jahren kein erfolgreiches neues Krimistück mehr geschrieben. Als Clifford Anderson, der Bruhls Lehrgang besucht hat, ihm ein brillantes Erstlingswerk schickt, will Bruhl ihn töten, um es unter seinem Namen heraus zu bringen. Zumindest glaubt das Bruhls Ehefrau Myra. Die Wahrheit ist allerdings nicht weniger kompliziert als Bruhls Arbeiten…

Kritik: “Deathtrap” ist eine Variation von Caines Welterfolg “Sleuth”, in der sich wieder zwei Männer unterschiedlichen Alters (der Senior davon Autor) in einem Landhaus ein Duell auf Leben und Tod liefern, zuerst allerdings nur auf intellektueller Ebene.

Zu meiner Überraschung fand ich “Deathtrap” noch einen Tacken überzeugender als “Sleuth”, weil die Wendungen weniger vorhersehbar, und teilweise auch weniger absurd sind. Die größte Überraschung ist dabei sicher der oft geschmähte Christopher Reeve, der gegen die Routine von Michael Caine nicht nur besteht, sondern sie mit viel Leidenschaft teilweise übertrifft. Er liefert in meinen Augen die Vorstellung seines Lebens, und fühlt sich unter der Regie des Altmeisters Sidney Lumet augenscheinlich wohl.

Wenn man diese Form von Kammerspiel-Krimi klassischen Zuschnitts liebt, sollte man unbedingt zugreifen. Nur der arg altmodische Soundtrack von Johnny Mandel und die Figur der Hellseherin (ein zu offensichtlicher “deus ex machina”) nerven mitunter.

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Movie Mania Minis (6)

Gepostet am 20. Dezember, 2009 um 19:01 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Dead of Night

Dead of NightEngland, 1945. Regie: Cavalcanti, Charles Crichton, Basil Dearden, Robert Hamer. Darsteller: Mervyn Johns, Roland Culver, Mary Merrall, Googie Withers, Frederick Valk, Sally Ann Howes

Inhalt: Architekt Walter Craig besucht eine Landpension, der er einen Anbau planen soll. Alles kommt ihm seltsam bekannt vor, sogar die kleine Gruppe von Gästen, die ihm vorgestellt wird. Der Psychologe Dr. Van Straaten hält jedwede Erklärung aus der paranormalen Ecke für Unfug – woraufhin komischerweise jeder der Anwesenden eine passende Anekdote parat hat…

Kritik: “Dead of Night” gilt als Klassiker des britischen Schauer-Kinos – und ich habe keine Ahnung, warum. Ähnlich wie der alberne “Devil Girl from Mars” und “Adel verpflichtet” erzählt der Film seine Geschichte(n) zu altmodisch, distanziert, und vorhersehbar, als dass so etwas wie Spannung aufkommen könnte. Bis auf die letzte Anekdote sind die “gruseligen Vorkommnisse” an Banalität kaum zu überbieten – und wenn es dann endlich (auch auf technischer und dramaturgischer Ebene) zur Sache geht, werden nur die ältesten “Bauchredner wird von Puppe dominiert”-Klischees durchgekaut (die damals zugegebenermaßen noch nicht ganz so alt waren).

Die “Pointe” des Films sieht man dann auch schon aus der Ferne kommen.

Erstaunlich fand ich eigentlich nur, dass Regisseur Crichton immerhin über 40 Jahre später “Ein Fisch namens Wanda” drehte. Das nenne ich Durchhaltevermögen.

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