Nein, ansehen werde ich mir Eure Sendung nicht. Es scherte mich schon nicht, mit wem Giulia Siegel für ein paar Stunden “Schmetterlinge im Bauch” vortäuscht. Es schert mich auch nicht, wie ihr so tut, als stecke hinter der Sendung “Die Promi-Singles – Traumfrau sucht Mann” mehr als der lachhafte Beweis, dass es Menschen gibt, die wirklich gar keine Scham mehr besitzen, wenn die Chance winkt, sich vor die Kameras zu drängeln.
Aber man muss bei den Kandidatinnen schon differenzieren.
Frau Maja Synke Meinert. Das mit dem “Prinzessin zu Hohenzollern” lasse ich gerne weg. Ich halte nicht so viel von erheirateten Adelstiteln. Von Ihnen habe ich nichts anderes erwartet. Blau(gefärbt)es Blut will beschäftigt sein, und es ist lobenswert, wenn ein Hofnarr auch mal aus den höheren Ständen kommt. Wenn ihr Ex schon bei RTL2 mit “Tatjana und Foffi – Aschenputtel wird Prinzessin” jeden Schein von Anstand und Klassenbewusstsein fahren lassen konnte…
Désireé Nick. Geht auch. Unter einer Bedingung: Hören Sie endlich auf, so zu tun, als wäre das für Sie alles nur Satire, als hätten Sie irgendeine Meta-Funktion im albernen Promi-Zirkus. Sowas wie “Promi-Singles” geht endgültig nicht mehr mit Augenzwinkern. Sie stehen nicht drüber – sie sind mittendrin. Sie haben den Boulevard erst gescholten, um sich ihm bei der erstbesten (und seither jeden) Gelegenheit schamlos in die Arme zu werfen. Sehen Sie es ein: Sie sind keinen Deut besser als Cora Schumacher oder Kader Loth.
Was aber nicht geht: ihr Trailer zur Sendung. Nicht alle Männer sind Schweine, manche sind auch Arschlöcher? Ich wüsste gerne mal, wie der mediale Aufschrei (sicher auch von Ihnen) wäre, wenn ein Mann in einer äquivalenten Sendung nachdenklich sagen würde: “Nicht alle Frauen sind Schlampen, manche sind auch Flittchen!”. Aber nee, bei Ihnen ist das was anderes. Sie meinen das ja total satirisch. Frech halt.
Aber Sabrina Setlur. Schwester S. Die S-Klasse. Da dachte ich erstmal: Himmel, Mädchen, was willst DU denn in dieser Farce? Du warst doch mal… na ja, fast so was wie cool. Taffes Power-Grrrl der ansonsten schrecklich testosteronen deutschen Hiphop-Szene der 90er. Die Einzelversion von “Tic Tac Toe”, aber nicht so peinlich-prollig. Du hast womöglich “Scheiße” und “Ficken” gesagt, ohne dabei billig zu wirken. Belohnung: ein Haufen Echos, ein Haufen Viva-Awards. Dich konnte man geil finden, ohne sich schämen zu müssen. S-Klasse halt.
Echt, Sabrina – du? Hier? Wirklich?
Dann habe ich nachgedacht, nachgelesen, und erkannt: ist halt schon lange her, die Sache mit der Karriere als Musikerin. Seit ca. 2000 bist du dauerpräsent – allerdings auf roten Teppichen, nicht in den Charts. Und du hast wirklich gar nichts ausgelassen:
- Affäre mit Boris Becker? Check.
- Gastauftritte in Kinofilmen? Check.
- Nackfotos für Herrenmagazine? Check.
- Alberne Promi-Clipshows? Check.
- Jury von “Popstars”? Check.
- Gerüchte über Magersucht? Check.
- Teilnahme an der Grand Prix-Vorentscheidung? Check.
- Trunkenheit am Steuer? Check.
- Gerüchte über finanzielle Pleite? Check.
Ich wundere mich nun nicht mehr, dass du bei den “Promi-Singles” dabei bist – ich frage mich bloß noch: was kommt danach? Viel Kapital für die Klatschpresse gibt es ja nicht mehr zu verschleudern. Es wird langsam eng.
Ich habe mir mal für dich den Kopf zerbrochen.
Dschungel-Camp wäre eine Option. Frag mal Désireé.
Oder eine Blitz-Ehe mit einem Zuhälter, den du erst lautstark in Talkshows verteidigst (“Er ist der liebevollste Mann, den ich kenne!”), von dem du dich dann im Paparazzi-Blickfeld verhauen lässt – das garantiert einen Taschenbuch-Bestseller “Sabrina Setlur: Zurück vom Schmerz” noch rechtzeitig zur Urlaubssaison 2010.
Du könntest alternativ ein Buch über deine Orgasmen schreiben. BILD: “Sabrina nimmt kein Blatt vor den Mund! Total frech und witzig schreibt sie über ihren Sex!”. Oder was darüber, dass du dich als farbiges kleines Mädchen total ausgegrenzt gefühlt hast im grauen Deutschland. Ich weiß aber nicht, ob sich beide Themen kombinieren lassen.
Ist ja nicht so, dass du musikalisch untätig sein musst: Best of, Remix, Tribute, Techno – aus den alten Songs lässt sich noch einiges wringen. Charity Single? Sicher doch. Duett mit Patrick Lindner? Man darf künstlerisch keine Scheuklappen haben!
Wie geht’s dir eigentlich gesundheitlich? Wenn du irgendein Zipperlein über ein paar Tage strecken könntest, würde das sicher ein prima “Angst-Tagebuch” abgeben, das eine Postille “exklusiv!” abdruckt.
Das alles dürfte dich bis 2012 in den Schlagzeilen halten – ca. 10 Jahre über das Verfallsdatum deiner ursprünglichen Karriere hinaus. Gerade rechtzeitig für das musikalische Comeback, das ungefähr so verläuft wie das von “Tic Tac Toe”. Und da wächst wieder zusammen, was zusammen gehört.
Alles nur Vorschläge. Ich meine ja bloß. Weil: jetzt ist auch schon egal, findest du nicht?
NACHTRAG: Die Sendung wurde wegen Quotenmangels nach vier von sechs Folgen abgesetzt.