Liebe Unterhaltungsindustrie…

Gepostet am 2. September, 2010 um 03:26 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Lieber..., Neues.

audience… dieser Tage geht die Internationale Funkausstellung los. In Berlin. Habe ich im Radio gehört. Ich selbst werde wieder nicht dabei sein – seit 1994 habe ich die Veranstaltung nicht mehr besucht. Damals fiel mir vor allem auf. dass etliche Besucher augenscheinlich nur darauf aus sind, die größtmögliche Menge an Tüten und Prospekten mit nach Hause zu schleppen. Es ist wahrscheinlicher, dass man mich bei der “Venus 2010” trifft. Da geht es auch um große Tüten.

Egal.

Deutschlandradio hat berichtet, was der Mega-Trend dieses Jahr ist. Zu meiner Überraschung nicht “Kühlschränke mit Internet-Anschluss“. Das Thema scheint nach zehn Jahren endlich durch zu sein.

Es ist – tataaa!!! – 3D-Fernsehen! In fünf Jahren sollen schon 20 Prozent aller neuen TV-Geräte 3D-tauglich sein. Wenngleich, wie der befragte Branchen-Guru erklärt, es derzeit leider noch an Programmangeboten in 3D mangelt. Aber man könnte. Wenn man wollte. Und gelassen würde.

Ich habe mir 3D-TV neulich mal im Kaufhof angesehen: “Monsters vs. Aliens” lag im Player, die Brille war schon leicht angegrabbelt. Ergebnis des subjektiven Sehtests: Coole Spielerei. Braucht kein Mensch.

Nun könnte ich sagen: Schauen wir doch mal, wie sich das entwickelt. Ist ja irgendwie gelebte Science Fiction. Obwohl ich immer gedacht hatte, dass 2010 schon holographisches Fernsehen dran sei.

Stattdessen sage ich: LECKT MICH DOCH ALLE AM ARSCH!!!

3D-Fernsehen? Geht’s noch? Schon wieder neue Fernseher, neue Dekoder, neue Sender, neue Abspiel- und Aufzeichnungsgeräte? Für ein paar Spielfilme vom Schlage “Clash of the Titans“? Oder ein paar Ego-Shooter, bei denen mir 2D schon speiübel wird? Bundesliga endlich noch mittendrinner statt nur dabeier? Porno mit (fast) anfassen?

Ihr könnt mich mal gepflegt und kreuzweise. Etabliert erstmal HD flächendeckend und mit verlässlichen Standards, und lasst mich danach 10-15 Jahre in Ruhe. Vorher gibt es von mir keinen müden Cent für neue TV-Hardware oder andere Systeme.

HD. Genau. Das Zeug, mit dem ihr uns seit 10 Jahren ködert, Flachbild-Fernseher samt Receiver neu zu kaufen und Premiere/Sky zu abonnieren. Jenes hochauflösende Bild, dass selten GANZ HD ist, dann wieder gar nicht, dann nur über Satellit, dann nur mit speziellen Kabeln, kopiergeschützt, gerne auch mal runter- oder raufgerechnet. Das Zeug, bei dem keiner vollends durchblickt, und von dem Otto Normalkunde (ich eingeschlossen) bisher hauptsächlich weiß: gibt es. Aber nicht bei mir. Zumindest nicht jetzt. Oder so richtig. Muss ich erst mehr zahlen.

Dass das neue “over the air”-Fernsehen DVB-TV zwar gänzlich digital, aber auch nicht in HD kommt, ist da fast schon eine Randnotiz.

Der Übergang von analog auf digital und von Low Res auf High Definition ist wie kaum ein zweiter von der Unterhaltungsindustrie verbockt worden. Dagegen waren die Formatkriege VHS vs. Betamax, CD vs. MiniDisc und HDDVD vs. Blu-Ray, die allesamt auf dem Rücken der Konsumenten ausgetragen wurden, harmlos. Seit Jahren können wir theoretisch hochauflösend die Kaffeeflecken auf der Krawatte des Nachrichtensprechers analysieren. Praktisch kann das fast niemand. Weil Hard- und Software nicht ineinander greifen, weil Hersteller, Sender und Politik keinen für alle Beteiligten vertretbaren Übergang definieren konnten. Jeder wurschtelt vor sich hin, verspricht viel, und zeigt beleidigt auf den anderen, wenn man ihn fragt, warum das alles nicht richtig funktioniert.

Totales Chaos.

Machen wir uns nichts vor: Der Umstieg auf HD war von der Industrie gewollt, um endlich den Tod des (aus ökonomischer Sicht erheblich zu langlebigen) Röhrenfernsehers zu forcieren. Gebeten hat darum keiner. Genauso wie um das alberne 16:9-Format, das ebenso nur dazu diente, den Kauf neuer TV-Geräte zu rechtfertigen. Von der EU gefördert, dafür ohne erklärbaren Nutzwert. Wer jetzt “aber für Spielfilme ist das doch ideal!” schreit, den erinnere ich gerne daran, dass auch Spielfilme oft nicht in 16:9 gedreht wurden, und nach 60 Jahren die Masse der TV-Produktionen in der Wiederholungsschleife nun mal 4:3 vorliegt.

Früher war das so: Man hatte einen Fernseher zu Hause von der Größe einer Umzugskiste. Der hatte zwei Kabel: Eins für Strom, eins für Programm. Das Bild war gewöhnlich hell und scharf, die Auflösung konstant, und was ausgestrahlt wurde, konnte man auch ohne Schnickschnack oder Einschränkungen anschauen. Bei Spielfilmen war oben und unten ein schwarzer Rand. Der verhieß uns unausgesprochen: Hollywood. Nachts gab es Schnee, und wenn man ausschaltete, gab es noch eine Weile lang einen neckischen Leuchtpunkt in der Mitte des Bildschirms. Technische Expertise war nur einmal von Nöten: wenn die Kiste nach dem Kauf eingestellt werden musste, damit das ZDF auch auf dem zweiten Knopf der Fernbedienung lag.

Heute hat mein Flachbild-Fernseher mehr Anschlüsse als das Control Panel des Space Shuttle, das Low Res-Kabelsignal ist irgendwie matschig, HD-Sender kann ich nicht empfangen, und ich könnte schwören, dass die Fußball-WM auf meiner alten Röhre knackiger ausgesehen hat. Liegt vielleicht auch nur am Alter. Meinem, nicht dem des Gerätes.

Und jetzt also 3D.

3D my ass.

Bevor die Zukunft des Fernsehens kommt, soll erstmal die Gegenwart funktionieren.

Liebe Frau Künast…

Gepostet am 12. Juli, 2010 um 12:16 Uhr
Kategorien: Gedanken, Lieber..., Neues.

… ist es eigentlich justiziabel, wenn ich sagen würde “Halten Sie doch mal die Klappe!” ?

Wenn dem so ist, weiche ich auf das hier aus:

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Endlich kommt (mit Schützenhilfe des neuen SPIEGEL) die Politikerkaste auf den Trichter, das Gesundheitssystem dadurch zu entlasten, dass man widerlegte “alternative Heilmethoden” wie Homöopathie einfach nicht mehr finanziert. Die SPD hat sich dazu bekannt, und die Regierungskoalition ist angesichts der desolaten Lage im Gesundheitssystem auch dafür.

Wer sich seine Chakren justieren lassen will, soll das bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft tun. Rosinen im Kopf sollte man immer noch aus eigener Tasche bezahlen.

Wie richtig die Idee ist, zeigt sich schon daran, dass das alberne SPIEGELblog vehement dagegen ist.

Auftritt “Die Grünen”, respektive Sie, Renate Künast: “Die pauschale Kritik an der Homöopathie verkennt, dass selbst die Schulmedizin in vielen Fällen auf die industrielle Nachahmung von Heilmitteln zurückgreift, die es in der Natur kostenlos gibt.

a) Die Widerlegung der Wirksamkeit von Homöopathie ist keine “pauschale Kritik”.

b) Der zweite Teil Ihres Satzes hat mit dem ersten nichts zu tun. Gar nichts. Null. Nada.

Desweiteren werden Sie zitiert, die Kosten für Homöopathie stünden in keinem Verhältnis zu den gigantischen Summen, die für Schulmedizin ausgegeben würden.

Das ist wohl so. Für Medikamente, Behandlungsmethoden und Therapien, die tatsächlich und nachgewiesenermaßen wirken, wird mehr Geld ausgegeben als für Quacksalberei. Erfreulich, aber manchmal auch fast schon wieder erstaunlich.

Frau Künast, für Sie nochmal ins Stammbuch:

Ich würde gerne mal wieder die Grünen wählen – machen Sie mir das doch nicht so unmöglich!

Liebe Nichtraucher…

Gepostet am 4. Juli, 2010 um 16:59 Uhr
Kategorien: Gedanken, Lieber..., Neues.

rauchen… ich bin einer von euch. Manchmal bezeichne ich mich sogar als militanten Nichtraucher – besonders wenn ein Raucher darüber schwadroniert, dass ausgerechnet sein Zigarettchen doch wohl niemanden störe, wenn offensichtlich das Gegenteil der Fall ist.

Selber habe ich nie geraucht. Mein Vater ist an Lungenkrebs gestorben, nach 25 Jahren mit 2 Schachteln täglich. Es ist nicht der einzige Fall in meiner Familie, bei dem sich der Kausalzusammenhang so deutlich präsentiert. Trotzdem war meine Ablehnung der Fluppe nie grundsätzlicher Natur: Es schmeckt mir einfach nicht. Und ich habe naturgegebene Abhängigkeiten genug, da brauche ich keine Bonus-Sucht oben drauf, die mich um die Häuser treibt. Würde ich rauchen wollen, würde ich auch rauchen.

Der Beweis – oder der Beweis, dass ich inkonsequent bin: Manchmal stecke ich mir auf Medien-Partys, bei denen langbeinige Squaws auf Tabletts “Indian Spirit” herumreichen, eine an. Lässig, aber noch am nächsten Morgen kratzt es dann im Hals.

Generell befürworte ich die graduelle Ächtung von Raucher und Rauchwaren, die schleichende Ghettoisierung der Raucherzone. Statt mit harten Verboten zu arbeiten, ist es der Regierung tatsächlich gelungen, den Glimmstengel im Verlauf der letzten 30 Jahre uncool und unsexy zu machen. In den 70ern war Rauchen noch der Normalfall, und mit ihm der damit assoziierte Geruch, die dauernde Präsenz voller Aschenbecher, und der Gilb in Tapeten und Gardinen.

Obwohl ich Nichtraucher bin, respektiere ich die Zurückdrängung des Rauchens als ausreichend. In Flughäfen und Flugzeugen wird nicht mehr geraucht, in Straßenbahnen nicht, in Behörden und Schulen sowieso. Ladenketten, Schnellrestaurants, Bahnhöfe: In der öffentlichen Sphäre kommt Rauchen praktisch nur noch unter offenem Himmel vor, und selbst da nur noch begrenzt.

Ergebnis: Nie war es dem Nichtraucher, der Rauchen nicht nur ablehnt, sondern es in seinem näheren Umfeld nicht ertragen kann, leichter, sich dem zu entziehen.

Niemand wird bestreiten, dass die Welt ohne permanenten Nikotin-Dunst besser dran ist.

Aber es gibt Grenzen, und genau die werden beim heutigen Volksentscheid über das totale Rauchverbot in bayerischen Kneipen und Gaststätten überschritten.

Zur Erklärung: Auch in Bayern gilt ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie, basierend auf EU-Recht. Aber es gibt auch Ausnahmen, z.B. für Raucher-Clubs (also Kneipen, die sich frech so nennen), und für diverse Veranstaltungen und architektonische Sonderfälle.

Der Volksentscheid soll nun mit den Sondergenehmigungen Schluss machen – totales Rauchverbot in Gaststätten eben.

Es gehen die Gerüchte, dass die Organisation hinter dem Volksentscheid von der Pharma-Industrie gesponsort wird, und dass die Organisation gegen den Volksentscheid wiederum in der Tasche der Tabak-Lobby steckt. Beides ist mir wurscht, weil es um etwas ganz anderes geht.

Dies ist eine Zivilgesellschaft, die sehr stolz darauf ist, die Freiheit des Individuums zu verteidigen. Konflikte, das ist die Basis unseres Zusammenlebens, werden im Diskurs geklärt. Wenn es in der Sache kein “richtig” oder “falsch” gibt, dann muss eben ein Kompromiss her. Ein friedliches Gemeinwesen braucht und bedingt Konsens. Das ist nicht immer leicht, selten angenehm, aber ein notwendiger und gewollter Prozess.

Dass eine Bevölkerungsgruppe eine andere per Volksentscheid in diesem Maße unter Druck setzen, weg drängen, und stigmatisieren kann, empfinde ich als zutiefst undemokratisch. Wenn ein rauchender Wirt für rauchende Gäste ein Raucher-Lokal anbieten will – dann ist es schäbig, hier als Nichtraucher quasi gewaltsam eine Frischluft-Oase durchsetzen zu wollen. So, wie es Familien zuzumuten ist, dass sie sich kinderfreundliche Restaurants suchen, wenn die Kleinen während der Mahlzeiten ordentlich betreut werden sollen, so ist es Nichtrauchern zuzumuten, dass sie vor dem Betreten eines Lokals einen Blick auf die Tür werfen, ob sie in den Räumen mit Zigarettenrauch rechnen müssen. Jeder ist für seine eigenen Ansprüche verantwortlich. Das Argument “Wo ich hingehe, hat es gefälligst rauchfrei zu sein”, klingt für mich arg unsozial.

Ich bezweifle außerdem die basisdemokratische Funktion solcher Volksbescheide, weil es traditionell leichter ist, die Gegner des Status Quo zu mobilisieren als jene, die mit dem Ist-Zustand eigentlich ganz gut leben können. Es besteht die Gefahr einer Verzerrung durch Abstimmungsergebnisse, die dem tatsächlichen “Volkeswillen” nicht entsprechen.

Wenn uns heute die Raucher in der Öffentlichkeit nicht passen – was kommt dann als nächstes? “Deutsche, kauft nicht bei Rauchern”? Verbieten wir Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit, weil er Kindern ein schlechtes Vorbild sein könnte? Verbieten wir die Verwendung alteingesessener Schimpfwörter wie “Scheiße” oder “Verdammt!”, weil ältere Damen sich empören müssen? Könnte ich dann bitte für das Verbot von Arschlöchern, Crocs und Ballonseide-Joggginganzügen (auf Kombination steht Gefängnis) trommeln?

Kurz: Es darf nicht sein, dass man ein Verbot von Sachen durchsetzen kann, die einem schlicht nicht passen.

Die Raucher-Lobby hat sich allerdings bei mir auch keine Freunde gemacht, als sie mit so affigen wie sexistischen Plakaten für ihre Sache warb:

rauch

Also, liebe Nichtraucher: Euer hehres Anliegen in Ehren, und Schutz von Kind und Hund im Blick – heute stimme ich gegen das “totale” Rauchverbot. Weil “total” sowieso nicht in das Vokabular eines Demokraten gehört. Weil mein Bruder, meine Tante, mein Kumpel, und mein Ex-Chef auch das Recht auf einen Kneipenbesuch haben, ohne alle zehn Minuten vor die Tür zu müssen. Kurzum: Weil ich diese Entscheidung nicht als Nichtraucher treffe – sondern als Staatsbürger. Und der muss eben auch mal über den eigenen Tellerrand schauen.

Liebes Wetter…

Gepostet am 18. April, 2010 um 15:36 Uhr
Kategorien: Lieber..., Neues, Privates.

… WTF? Ernsthaft! Eben noch bei strahlendem Sonnenschein gefrühstückt, und jetzt das:

hagel

Meine Kröte wäre fast erschlagen worden! Geht’s noch?

Liebes Dreckschwein…

Gepostet am 17. April, 2010 um 12:46 Uhr
Kategorien: Gedanken, Lieber..., Neues.

089… irgendwann erwische ich dich.

Dich, der du zerknüllte Papiertaschentücher und Zigarettenpackungen der Einfachheit halber in meinen Briefkasten schmeißt.

Dich, der du nur fast leere alte Starbucks-Becher mit einem fetten Kaffee-Rand auf den Sattel meines Motorrollers stellst.

Dich, der du gestern einen leeren Eisbecher (samt Löffel) in den Heckscheibenwischer meines Autos geklemmt hast.

Irgendwann erwische ich dich. Wie dumm die Idee war, mir deinen Dreck aufzuhalsen, wird dir vermutlich erst zwei Tage später klar, wenn der Schmerz nachlässt. Obwohl ich nicht nachtragend bin und gewöhnlich niemanden für die Fehler anderer bezahlen lasse, werde ich dich nämlich verhauen. Für jeden Eisbecher (zack), jede Zigaretten-Packung (zack), jede Plastikflasche (zack) der letzten 10 Jahre. Dann rotze ich in ein Taschentuch, und stopfe es dir in dein schmieriges Maul.

Du kannst es ja in einen der Mülleimer spucken, die hier in München praktisch an jeder Ecke stehen, und die dir anscheinend noch nie aufgefallen sind.

Lieber Matthias Steiner…

Gepostet am 22. August, 2009 um 10:01 Uhr
Kategorien: Gedanken, Lieber..., Neues.

… ich kann mich nicht erinnern, in den letzten 10 Jahren eine andere private Tragödie erlebt zu haben, die vom Leidtragenden selbst derart öffentlich ausgewalzt wurde, wie der Unfalltod Ihrer Frau. Wie Sie die BILD zum medialen Beichtstuhl machten, und Schlagzeile um Schlagzeile lieferten, bis mit der neuen Freundin das Happy End vermeldet werden konnte, fand ich grenzwertig, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Nun heißt es, das sei Ihnen mit Verspätung auch aufgefallen:

steinerAuffällig scheinen mir nur vier Details dieser Erkenntnis:

  • Sie gehen in die Medien, um sich über den Medienrummel zu beschweren
  • Sich selbst werfen Sie lediglich vor, nicht rechtzeitig “abgeblockt” zu haben
  • Das “selbstkritische” Interview geben sie der BILD-Schwester “Die Welt”
  • Bundesweit werben Sie derzeit in einer Anzeigenkampagne für BILD

Wissen Sie, wie ich das finde? Immer noch grenzwertig. Und Sie können “grenzwertig” gerne noch durch strengere Begriffe ersetzen, wenn Sie wollen…

Liebe SAT.1 Promi-Singles… (Satire)

Gepostet am 19. August, 2009 um 21:27 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lieber..., Neues.

Promi_Singles207x155Nein, ansehen werde ich mir Eure Sendung nicht. Es scherte mich schon nicht, mit wem Giulia Siegel für ein paar Stunden “Schmetterlinge im Bauch” vortäuscht. Es schert mich auch nicht, wie ihr so tut, als stecke hinter der Sendung “Die Promi-Singles – Traumfrau sucht Mann” mehr als der lachhafte Beweis, dass es Menschen gibt, die wirklich gar keine Scham mehr besitzen, wenn die Chance winkt, sich vor die Kameras zu drängeln.

Aber man muss bei den Kandidatinnen schon differenzieren.

Frau Maja Synke Meinert. Das mit dem “Prinzessin zu Hohenzollern” lasse ich gerne weg. Ich halte nicht so viel von erheirateten Adelstiteln. Von Ihnen habe ich nichts anderes erwartet. Blau(gefärbt)es Blut will beschäftigt sein, und es ist lobenswert, wenn ein Hofnarr auch mal aus den höheren Ständen kommt. Wenn ihr Ex schon bei RTL2 mit “Tatjana und Foffi – Aschenputtel wird Prinzessin” jeden Schein von Anstand und Klassenbewusstsein fahren lassen konnte…

Désireé Nick. Geht auch. Unter einer Bedingung: Hören Sie endlich auf, so zu tun, als wäre das für Sie alles nur Satire, als hätten Sie irgendeine Meta-Funktion im albernen Promi-Zirkus. Sowas wie “Promi-Singles” geht endgültig nicht mehr mit Augenzwinkern. Sie stehen nicht drüber – sie sind mittendrin. Sie haben den Boulevard erst gescholten, um sich ihm bei der erstbesten (und seither jeden) Gelegenheit schamlos in die Arme zu werfen. Sehen Sie es ein:  Sie sind keinen Deut besser als Cora Schumacher oder Kader Loth.

Was aber nicht geht: ihr Trailer zur Sendung. Nicht alle Männer sind Schweine, manche sind auch Arschlöcher? Ich wüsste gerne mal, wie der mediale Aufschrei (sicher auch von Ihnen) wäre, wenn ein Mann in einer äquivalenten Sendung nachdenklich sagen würde: “Nicht alle Frauen sind Schlampen, manche sind auch Flittchen!”. Aber nee, bei Ihnen ist das was anderes. Sie meinen das ja total satirisch. Frech halt.

Aber Sabrina Setlur. Schwester S. Die S-Klasse. Da dachte ich erstmal: Himmel, Mädchen, was willst DU denn in dieser Farce? Du warst doch mal… na ja, fast so was wie cool. Taffes Power-Grrrl der ansonsten schrecklich testosteronen deutschen Hiphop-Szene der 90er. Die Einzelversion von “Tic Tac Toe”, aber nicht so peinlich-prollig. Du hast womöglich “Scheiße” und “Ficken” gesagt, ohne dabei billig zu wirken. Belohnung: ein Haufen Echos, ein Haufen Viva-Awards. Dich konnte man geil finden, ohne sich schämen zu müssen. S-Klasse halt.

Echt, Sabrina – du? Hier? Wirklich?

Dann habe ich nachgedacht, nachgelesen, und erkannt: ist halt schon lange her, die Sache mit der Karriere als Musikerin. Seit ca. 2000 bist du dauerpräsent – allerdings auf roten Teppichen, nicht in den Charts. Und du hast wirklich gar nichts ausgelassen:

  • Affäre mit Boris Becker? Check.
  • Gastauftritte in Kinofilmen? Check.
  • Nackfotos für Herrenmagazine? Check.
  • Alberne Promi-Clipshows? Check.
  • Jury von “Popstars”? Check.
  • Gerüchte über Magersucht? Check.
  • Teilnahme an der Grand Prix-Vorentscheidung? Check.
  • Trunkenheit am Steuer? Check.
  • Gerüchte über finanzielle Pleite? Check.

Ich wundere mich nun nicht mehr, dass du bei den “Promi-Singles” dabei bist – ich frage mich bloß noch: was kommt danach? Viel Kapital für die Klatschpresse gibt es ja nicht mehr zu verschleudern. Es wird langsam eng.

Ich habe mir mal für dich den Kopf zerbrochen.

Dschungel-Camp wäre eine Option. Frag mal Désireé.

Oder eine Blitz-Ehe mit einem Zuhälter, den du erst lautstark in Talkshows verteidigst (“Er ist der liebevollste Mann, den ich kenne!”), von dem du dich dann im Paparazzi-Blickfeld verhauen lässt – das garantiert einen Taschenbuch-Bestseller “Sabrina Setlur: Zurück vom Schmerz” noch rechtzeitig zur Urlaubssaison 2010.

Du könntest alternativ ein Buch über deine Orgasmen schreiben. BILD: “Sabrina nimmt kein Blatt vor den Mund! Total frech und witzig schreibt sie über ihren Sex!”. Oder was darüber, dass du dich als farbiges kleines Mädchen total ausgegrenzt gefühlt hast im grauen Deutschland. Ich weiß aber nicht, ob sich beide Themen kombinieren lassen.

Ist ja nicht so, dass du musikalisch untätig sein musst: Best of, Remix, Tribute, Techno – aus den alten Songs lässt sich noch einiges wringen. Charity Single? Sicher doch. Duett mit Patrick Lindner? Man darf künstlerisch keine Scheuklappen haben!

Wie geht’s dir eigentlich gesundheitlich? Wenn du irgendein Zipperlein über ein paar Tage strecken könntest, würde das sicher ein prima “Angst-Tagebuch” abgeben, das eine Postille “exklusiv!” abdruckt.

Das alles dürfte dich bis 2012 in den Schlagzeilen halten – ca. 10 Jahre über das Verfallsdatum deiner ursprünglichen Karriere hinaus. Gerade rechtzeitig für das musikalische Comeback, das ungefähr so verläuft wie das von “Tic Tac Toe”. Und da wächst wieder zusammen, was zusammen gehört.

Alles nur Vorschläge. Ich meine ja bloß. Weil: jetzt ist auch schon egal, findest du nicht?

NACHTRAG: Die Sendung wurde wegen Quotenmangels nach vier von sechs Folgen abgesetzt.

Liebe Giulia Siegel…

Gepostet am 17. Dezember, 2008 um 13:41 Uhr
Kategorien: Gedanken, Lieber..., Neues.

siegel

… ich kenne Sie nicht persönlich, wie die meisten der Menschen, denen ich hier sporadisch schreibe. Aber ich weiß viel über Sie, weil Sie ja keine Gelegenheit auslassen, auch intimste Details aus Ihrem Leben der Presse mitzuteilen. Und was für ein Leben: Nacktfotos, Affären, Schönheits-Op, Zickenkrieg mit Naddel, Dschungelcamp, etc.

Heute lese ich in der BILD, dass es Ihnen elend geht. Weil der Ex-Gatte nicht zahlt. Man trifft sich also vor Gericht. Sie “weinen” (mehrfach), ihre “Stimme ist zittrig”. Ganz schön bitter ihr Vorwurf: „Seit unserer Trennung zahlst Du keinen Cent Unterhalt für mich. Soll das so weiter gehen, bis ich vollkommen auf dem Boden liege?“ Schlimmer noch – Ihnen droht Obdachlosigkeit: “Ich weiß nicht, ob ich meine Wohnung halten kann.”

Ahhh ja. Ist das noch die Wohnung, die in der BILD dereinst als “tristes Wohnsilo” bezeichnet wurde in einem Artikel, der mit dem Satz endet “Die Mieten liegen zwischen 1000 und 3000 Euro”?

Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Ich kenne Sie nur aus den Medien, in denen Sie omnipräsent sind – als Moderatorin, Model, Schauspielerin, Stargast, DJane, Werberepräsentantin, Nacktmodell, etc. pp.

Wurden Sie dafür nicht bezahlt? Kassieren Sie pro Abend am Plattenteller nicht mindestens soviel wie Naddel, nämlich mehrere tausend Euro? Zahlt der Playboy für Promi-Nacktfotos nicht mehr fünfstellig? Haben Sie die Honorare vom “Dschungelcamp” und dem “Club der Ex-Frauen” wohltätigen Zwecken gespendet? Ist Ihr Vater nicht mehr einer der reichsten Männer im deutschen Musik-Business?

Darum geht es ja gar nicht: “Mein Ex schwimmt im Geld, lebt in Saus und Braus”. Genau. Während Sie augenscheinlich von Wasser und Brot leben. Nur weil er als erfolgreicher Business-Manager viel Geld verdient, soll er sich nicht einbilden, davon gut leben zu dürfen.

Tja.

Es ist nicht gut gelaufen vor Gericht: „Ich habe keine Kraft mehr, will diesen Menschen nie mehr wiedersehen”. Also kein monatlicher Unterhalt – eine mickrige “sechsstellige Summe” bekommen Sie vom Ex. Das Wohnsilo können Sie damit noch halten – aber was für eine Demütigung!

Dafür, dass Ihr Ex-Mann Ihnen die nächsten Promi-Eskapaden finanziert, haben Sie ihm zum Abschied noch “den Stinkefinger geschenkt”.

Frau Siegel, wie gesagt: Ich kenne Sie nicht. Und ehrlich? Ich möchte Sie auch nicht kennenlernen.

Lieber deutscher Zuschauer…

Gepostet am 21. Januar, 2008 um 08:52 Uhr
Kategorien: Lieber....

… wir sind durch dick und dünn gegangen in den letzten zehn Jahren – “Apokalypse Eis” hat dir gefallen, gell? Über “Sumuru” hast du dich heftig, wenn auch vielleicht nicht “gut” amüsiert. “Vollgas” muss ich noch bei dir abarbeiten, schon klar. Und “Lotta in Love”? Manchmal ist es für eine Beziehung besser, wenn man nicht über alles spricht. Wenigstens hast du mir trotzdem noch die Tür aufgemacht, damit ich dir meine “Märchenstunde” zeigen konnte.

Kein Zweifel, du warst immer gut zu mir, deutscher Zuschauer. Und ich habe dich auch immer verteidigt – gegen die Klugscheißer, die dich als dumpfes Prekariat abqualifizieren; gegen die Senderchefs, die in dir nur Zahlen und Zielgruppen sehen; gegen die Produzenten, die dir meist wenig zutrauen.

Aber lieber deutscher Zuschauer, SO LANGSAM HABE ICH VON DIR DIE SCHNAUZE VOLL! Du nörgelst am laufenden Band, es mangele an Qualität, in Amerika sei alles besser, früher war es auch besser, und die Sender täten alles, dich für dumm zu verkaufen. Du erzählst am laufenden Band, dass es dir um gute Drehbücher geht, spannende Geschichten, glaubwürdige Darsteller. Dann, ja DANN würdest du der deutschen Serie gerne wieder eine Chance geben.

10,8 – 11,3 – 11,4

Das sind die Einschaltquoten der ersten Folgen von “Die Anwälte”, “Herzog”, und “Maddin in Love”.

Zuschauer, jetzt mal im Ernst – was soll der Scheiß?! Ich könnte ja verstehen, wenn du die neuen Serien guckst, und dann entscheidest: “Das ist nix für mich”. Aber DU SCHAUST JA NICHT MAL REIN!

Herrgott, was fehlte denn? Die Kritiken haben sich fast überschlagen, und mit Nils Ruf, Kai Wiesinger und Maddin Schneider sind doch auch genügend bekannte Gesichter dabei gewesen, um Ärsche auf das Sofa zu kriegen. Es sind GUTE PRODUKTIONEN, mit Liebe zum Detail gemacht. Trüffel im Schweinetrog. Trotzdem – bei dir hatten die Neustarts keine Chance.

Ich kenne ein paar der Autoren und Produzenten, die sich für diese Serien mit Herzblut und Feuereifer ins Zeug gelegt haben. Hätten die nicht wenigstens mal einen wohlwollenden Blick verdient? Eine halbe Stunde hätte dir doch nicht weh getan, lieber Zuschauer. Aber du hast dir lieber die x-te Wiederholung von “Kevin – Allein zu Haus” auf Vox angesehen (über 15 Prozent!).

Wie gesagt: Wenn es dir nicht gefällt, musst du es nicht gucken. Aber bilde dir deine Meinung doch wenigstens am lebenden Objekt, und nicht aus dem niederen Fundus deiner Vorurteile.

Hochgelobte Formate mit neuen Folgen (Pastewka, Angie, Post Mortem) magst du ja anscheinend auch nicht. Dabei hatte man sich hier ebenfalls alle Mühe gegeben, die erkannten Fehler auszumerzen, und bei der Qualität noch eine Schippe draufzulegen.

Bist du vielleicht generell fernsehmüde, deutscher Zuschauer? Aber nein:

14,0 – 20,1 – 33,6

Das sind die Quoten der ersten Folgen von “Big Brother”, “The next Uri Geller”, und “Ich bin ein Star – holt mich hier raus!”

Sekt predigen, aber Selters schauen? Man sagt gerne: Der Zuschauer bekommt das Programm, das er verdient. Wenn das stimmt, dann mag ich gar nicht, was mir das aktuelle Programm über dich verrät, lieber deutscher Zuschauer.

Vielleicht brauchen wir eine Auszeit voneinander. Ich schreibe wieder ein Buch oder zwei, und du besorgst dir die Criterion DVD-Edition von “Berlin Alexanderplatz”, um zu sehen, ob gutes Event-Fernsehen auch ohne Veronika Ferres funktioniert.

Nein, sag’ jetzt nichts. Ich bin gerade sauer. Laß mich einfach in Ruhe. Ich gehe mal eben eine Runde um den Block…

Lieber Matthias Kremp…

Gepostet am 19. Januar, 2008 um 15:05 Uhr
Kategorien: Lieber..., Neues.

… wir hatten ja schon das Vergnügen, als Sie der Atari VCS-Konsole allerlei Fähigkeiten andichteten, die selbst die Entwickler des Gerätes überraschen dürften.

Für das nett gedachte, aber bisher banale und vor allem gruselig schlecht gelayoutete Projekt “Eines Tages” haben Sie sich nun des Brotkastens angenommen. Die Belanglosigkeit und Austauschbarkeit des Textes ist vermutlich gewollt – soll sich ja jeder Ex-64er-Freak damit identifizieren können.

Aber ich hätte da noch ein paar Fragen:

  • Als Sie mit dem C64 am Fahrrad-Lenker vom Gebrauchtkauf heimfuhren, wie sie so schön nostalgisch schreiben – wo war da der Farbfernseher, den sie zwei Absätze weiter unten angeblich zusammen mit dem Computer gekauft haben?
  • Wieso erwähnen Sie nicht, dass die “halbe” Auflösung von 160×200 dem Multicolor-Modus diente, während die gelobpreiste 320×200-Auflösung für Spiele praktisch unbrauchbar war, weil monochrom?
  • Wieso werfen Sie Auflösung und Darstellungsmodus in einen Topf? 25×40 Zeichen sind nämlich dasselbe wie 320×200 Pixel.
  • Warum brauchten Sie, um Ihr erstes Basic-Programm zu stoppen, den zusätzlich eingebauten Reset-Schalter? Hatte Ihr C64 keine Run/Stop-Taste mehr?

Wenigstens bin ich nicht der Einzige, der Ihnen auf die Finger schaut: “In einer älteren Version dieses Artikels stand, dass die Disketten für den C64 eine Speicherkapazität von 80 Kilobyte hätten, aufgrund der vielen Hinweise konnten wir das richtigstellen, es sind 170 Kilobyte. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.”

Also Schwamm drüber, weil “Eines Tages” die ungefilterten Erinnerungen von normalen Menschen reflektieren soll, mit all ihren Fehlern und Gedächtnislücken? Nichts da: “Matthias Kremp ist Redakteur bei SPIEGEL ONLINE im Ressort Netzwelt.

Sie kriegen Geld für sowas. Eine Runde Schämen scheint angebracht.

Liebe Frau Christine Wahl…

Gepostet am 27. November, 2007 um 15:45 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Lieber..., Neues.

… sie haben sicher ganz schön zu tun: Theaterkritikerin, Autorin für den Tagesspiegel, die taz, SPIEGEL online. Da bleibt für vieles keine Zeit. Zum Beispiel für’s Kino. Denke ich. Weil:

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Gut, bereits die Aussage “binnen kurzem” sei Fritzi zum umjubelten Theaterstar geworden, die hätten Sie sich verkneifen können. Schließlich fiel dem gedruckten SPIEGEL “schon” im September 2000 auf, wie sehr die Haberlandt (den Artikel setzt man bei großen Schauspielerinnen ja gerne mal dazu, siehe “die Garbo”) jede Aufführung adelt. Als Theaterkritikerin hätten Sie das durchaus besser wissen müssen/können/sollen. Schwamm drüber.

Aber “Jetzt entdeckt endlich auch das Kino ihr Ausnahmetalent”? Ehrlich? Wirklich? Dazu stehen Sie, dabei bleiben Sie?

Gut, es ist der ganze Aufhänger des Artikels, “das Fleisch”, wie man bei uns in der Redaktion zu sagen pflegte. Ohne den wäre der Beitrag hinfällig. Aber das macht es doch nicht richtiger.

“Kalt ist der Abendhauch” (2000). Sagt Ihnen nichts? Wie wäre es mit “Liegen lernen” (2003)? Auch nicht? Dann vielleicht “Erbsen auf halb 6″ (2004)? Hhhmmm…

Ich sage es diplomatisch mal so: Nur, weil man etwas nicht bemerkt hat, heißt das noch lange nicht, dass es nicht existiert. Fritzi Haberlandts Kinokarriere zum Beispiel. Die IMDB wäre auch in diesem Fall Ihr Freund gewesen…

Herzlich,

Torsten Dewi

Lieber Ulf Poschardt (c/o Vanity Fair)…

Gepostet am 5. August, 2007 um 19:09 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Lieber..., Neues.

Wow! Sie haben ja mächtig Wut im Bauch.

Glücklicherweise haben Sie als Chefredakteur der “Vanity Fair” auch ein prima Forum, sich Luft zu machen. Zum Beispiel im Editorial der neusten Ausgabe, die ich weiter unten ja schon (unter Vorbehalt) empfohlen habe.

Was Sie da in drei Spalten nicht alles auffahren: “Blockwarte” sind Ihre Feinde, “Spinner” auch, “Spießer” mehrfach, vom “Sozialneid” überschattet, von einer “Gleichheitskrankheit” befallen, “verbitterte Ignoranten” mit “überschaubarem Weltbild”, die sich “ihr Feindbild nicht durch Fakten vermiesen” lassen.

Genau! Nicht weniger Schelte verdient die Ökopaxe, weil sie Ihnen die Luft aus den Reifen gelassen hat. Wohlgemerkt – nicht aus den Reifen Ihres Wagens, sondern aus dem Alfa Spider- Testwagen, den Ihnen der Hersteller vor die Tür gestellt hatte.

Es fing an mit Brandanschlägen auf Kaufhäuser, ging weiter mit den Ermordungen von Buback und Schleyer – und jetzt das! Wo ist der gottverdammte Polizeistaat, wenn man ihn mal wirklich braucht?! Wofür zahlen Sie eigentlich Ihre Steuern?

Verstanden haben diese gewissenlosen Radikalos ja sowieso nichts, und das können Sie belegen: “Den Alfa Spider gibt es… auch als Diesel: Der braucht nur 6,8 Liter auf 100 Kilometern.”.

Eben! Den kann man quasi aus dem Feuerzeug betanken!

Allerdings – die Schleuder vor Ihrer Tür war vermutlich eher der Spider 3.2 JTS mit Q-Tronic, oder? Schöngerechnete 12,2 Liter Super für einen Zweisitzer bei 289 Gramm CO2 pro Kilometer.

Ja ja, die Ökos – keinen Sinn für die feinen Dinge des Lebens: “Heute gibt es 7er-BMWs mit Wasserstoff-Antrieb und Audi Turbodiesel, deren Verbrauch jeden Kleinwagen schmutzig aussehen lässt”. Gut, den erwähnten BMW kann man noch nirgendwo kaufen, und der 6er Audi 2.7 TDI bricht mit 7,3 Litern auf 100km keine wirklichen Rekorde. Irgendwie bezweifle ich auch, dass einer von beiden im Verbrauch meinen Lupo 3L schmutzig aussehen lässt. Aber es geht halt ums Prinzip, gelle?

Früher war sowieso alles besser: “Schon in den 70er Jahren ließen sich Porsche Carreras mit neun Liter Normalbenzin fahren – als szenebeliebte VW Käfer in der Stadt fast das Doppelte schluckten.” Gut, neun Liter (im Stand?) – saubere Leistung. Da muss der Porsche Cayenne noch üben, wo er doch aktuell bei Vollgas über 60 Liter Super+ wegsäuft.

Überhaupt geht das alles am Thema vorbei. Sie sind nicht nur Opfer eines gemeinen und sinnlosen Anschlags, Sie sind außerdem noch unverstanden: “Hätten die Aktivisten nur etwas genauer auf die Häuser geblickt, …, sie hätten die Solardächer und Doppelverglasungen entdeckt, …, die naturnahen Gärten und die vielen richtig gesetzten Vogelhäuser, …, die Armadas von Fahrrädern”.

Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie nicht mit einem dieser genannten Fahrräder zur Redaktion geradelt sind? Überhaupt vermisse ich bei all den Auslassungen über PKWs den Hinweis, was Sie sonst eigentlich so fahren (außer Taxi). Unter 200 Pferden aus biologischer Aufzucht drehen Sie doch bestimmt gar nicht erst den Zündschlüssel, oder?

Okay, Nachricht angekommen: Die Ökos sind alles bornierte Drecksäue, die Ihnen den Spaß am Auto versauen wollen. Die wahren Naturschützer sitzen in Grünwald, in Oberkassel, in Starnberg. Beharren Sie auf dieser These! Sonst bekommen Sie womöglich noch sowas wie ein schlechtes Gewissen (googeln Sie mal), wenn Sie in Ihrem Blatt Wagen wie den Bentley Azure anpreisen, der für “ab ca.” 325.600 Euro lungenfreundliche 465 Gramm CO2 pro Kilometer raushustet.

Bei all den nachhaltigen Sachen, die Sie machen könnten, wenn Sie nur wollten, sähen die Müslifresser im direkten Vergleich echt alt aus. Die sollen bloß froh sein, dass sich Ihr ökologisches Engagement auf solche Editorials beschränkt.

Andererseits: Die Menge an heißer Luft, die Sie ablassen, trägt sicher gefährlich zum Klimawandel bei.

Ihr Torsten Dewi

NACHTRAG: Weil es so schön passt

Lieber Volker Schlöndorff…

Gepostet am 23. Juli, 2007 um 21:32 Uhr
Kategorien: Gedanken, Lieber..., Neues.

Dumm gelaufen: Über das Geschäftsmodell des Arbeitgebers gestänkert, rausgeflogen, und nun rumjammern, dass damit ja nicht zu rechnen war.

Doch, damit war zu rechnen.

Besonders heuchlerisch finde ich die Geißelung einer Finanzierungsform, die Sie selber für Ihr Projekt “Die Päpstin” akzeptiert hatten.

Natürlich war zu erwarten, dass Sie als hehrer “Künstler” nun gegen die skrupellosen “Geschäftemacher” wettern, als ginge es mal wieder um den Untergang des kulturellen Abendlandes in Form vom – natürlich – heimischen Bildschirm (der, aber das nur am Rande, diverse Ihrer Projekte finanziert hat, seit es im Kino nicht mehr so gut läuft).

Ach so, Ihnen geht es nicht um “Fernsehen gegen Kino”, sondern um die Vermeidung künstlerisch unbefriedigender Mischformen? Ja, so kann man argumentieren. Man kann auch Beispiele anführen. Aber die sollten dann ehrlich sein. Und weil Sie, Herr Schlöndorff, in ihrem SZ-Beitrag alles andere als ehrlich waren, will ich mal ein wenig reingrätschen.

(mehr…)

Lieber Herr Stapleton…

Gepostet am 18. Juli, 2007 um 16:07 Uhr
Kategorien: Lieber..., Neues.

Sie als Teamchef des T-Mobile-Teams bei der Tour (nein, das ausgeleierte “de Farce” lasse ich mal weg) haben sicher momentan keinen so schönen Job. Sie betreuen mit bekennenden Dopern einen Rennstall, der auch nicht ganz sauber ist. Wäre alles nicht so schlimm – wenn es nicht wieder mal rausgekommen wäre. Ist es aber.

An Ihnen hat es nicht gelegen, wie Sie (laut SPIEGEL) versichern: “Wir führen keine Anti-Dopingtests im Team durch.

Das ist löblich. Anti-Dopingtests sind die Pest. Fast so schlimm wie Dopingtests. Aber die machen Sie ja auch nicht, wie es scheint…

Ich mein’ ja bloß zum Denkanstoß…

Lieber Oliver Pocher…

Gepostet am 3. Juli, 2007 um 11:49 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Lieber..., Neues.

Sie haben viel einstecken müssen. Der unnötige und unpassende Vergleich mit Harald Schmidt lässt Sie schlechter aussehen, als Sie vermutlich sind. Vermutlich – weil ich mir nie eine Ihrer Sendungen angesehen habe. Bei Ihrem Auftritt auf dem Tollwood-Festival habe ich auch nicht im Publikum gesessen. Was ich von Ihnen weiß, stammt aus penetrant oft wiederholten Trailern auf SAT.1 Comedy, und ein paar Beiträgen in Zeitungen und Zeitschriften.

Nun stelle ich mich vielleicht gegen Trend und Mehrheit, wenn ich sage – ich finde Sie gar nicht so schlecht. Sie besitzen anscheinend jene unprätentiöse Kamerageilheit, die von Talent getragen wird, und ich muss mich wohl dafür entschuldigen, Sie gedanklich in einen Topf mit Leuten wie Tobi Schlegel geworfen zu haben. Es mag an Ihrem jungenhaften Aussehen gelegen haben, das so gar keine humoristische Authorität ausstrahlt.

Die Sache mit der Pornotante? Sowas kann passieren. Ich könnte auch nicht für jede meiner Ex-Freundinnen die Hand ins Feuer legen.

Ich gehe einen Schritt weiter: Monica Ivancan passt zu Ihnen. Kein besonderes Talent, aber immer irgendwie mit modeln, schauspielern, moderieren, und öffentlich zeigen beschäftigt. Die Amerikaner nennen das “arm candy”. Muss man ja nicht heiraten.

Aber hier ist mein Problem. Lesen Sie mal.

Niggemeier hat Recht. Ich arbeite (gerne) für den Sender, aber diese Show ist in meinen Augen menschenverachtend.

Soll ich Monica Ivancan böse sein, weil sie die Chance ergriffen hat, sich in einer Primetime-Show als helfende Prinzessin zu gerieren? Unfug. Sie braucht das, und sie weiß es vermutlich auch nicht besser.

Aber Sie, Herr Pocher, und damit kommen wir zum Thema, wissen es doch sicherlich besser. Sie sind doch einer von der hippen, sanft zynischen, alles-geht-meta-postironisch- personality-Generation im deutschen Fernsehen. So wie der Schmidt, der Raab, der Dittrich.

Haben Sie Ihrer Freundin da nicht abgeraten? Was sagen Sie, wenn Monica abends beim Italiener fragt: “Wie fandst du meine neue Sendung?”. Müssen Sie nicht fürchten, als künftiger Kompagnon von Schmidt über genau diese Form von Fernsehen unerbittlich richten zu müssen?

Wird im eigenen Umfeld ein anderer Maßstab angelegt? Ich sehe das Dilemma ein bisschen wie bei dem Pastor, dessen Frau sich für den Playboy auszieht. Meßwein predigen, aber Wodka Red Bull trinken?

Oder steht man da drüber? Gehört das zur endlosen Kette von Selbstinszenierungen und medienwirksamen Widersprüchen, aus denen man seine Popularität speist? Sind Sie der fettleibige Unternehmer, der seiner Frau gönnerhaft die alberne Boutique finanziert, damit sie sagen kann, sie wäre auch Geschäftsfrau?

Ich mein’ ja bloß zum Denkanstoß…

Ihr Torsten Dewi