Ich wollte damit bis Montag warten…

Gepostet am 5. August, 2010 um 21:18 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues, Privates.

… aber nachdem Amazon heute schon geliefert hat:

lektuere

“Hhhhmmm…. das kommt mir irgendwie bekannt vor…”

Immerhin ist das Buch diesmal bis zur letzten Seite failerfrei:

fail

Hart erarbeitete Landromantik: Wie ein Artikel für die “LandIdee” entsteht

Gepostet am 2. August, 2010 um 08:00 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

coverDas größte Lob, das man uns für die “LandIdee” oft macht ist, dass man dem Heft die Mühe nicht ansieht, die darin steckt. Im Idealfall ist die Zeitschrift entschleunigend, entspannend, leicht und unbeschwert. Hinter den Kulissen ist sie aber gehörige Plackerei. Und heute erzähle ich euch mal, wieso das so ist.

Am Beginn jeder Ausgabe stehen Themenkonferenzen: Was soll überhaupt ins Heft? Das ist keine Frage zufälliger Eingebungen, sondern orientiert sich an den Rubriken (“Landblick”, “In den Topf geguckt”) und vor allem an der Jahreszeit. Eine Deko-Strecke über Adventskränze ist in der Sommerausgabe ebenso fehl am Platz wie Spargel-Rezepte, wenn draußen Schnee liegt. In dieser Phase bringen sich alle ein – die Chefinnen, die Redakteure, sogar Freunde und Verwandte, die darauf eingeschworen sind, nach Themen Ausschau zu halten.

Schwierig sind vor allem Themen für die Reportagen. Manchmal ist es ein Schnippsel aus der Tageszeitung, der den Anstoß gibt, oder ein handgearbeitetes Stück bei der Oma auf dem Kaminsims. Ich beiße bei der Auer Dult in ein Stück Marzipan und denke: Marzipan – haben wir das eigentlich schon gemacht? Mittlerweile sind wir alle so programmiert.

Es kommt durchaus vor, dass Leser uns Tipps geben, oder sich Handwerker und Bauern selbst anbieten. Nicht jeder eignet sich: Die Produktionsstätte muss halbwegs nett und traditionell aussehen, das Thema muss auch im modernen Leben noch Relevanz haben, und zu große Betriebe fallen sowieso raus.

Bei den Themen wird sorgsam drauf geachtet, dass sie a) eine gute Mischung ergeben, und b) die Konkurrenz sie nicht schon gemacht hat. Letzteres kommt manchmal vor (auch die Kollegen orientieren sich ja an den Jahreszeiten), besonders bei Obst/Gemüse wie Kürbis, Erdbeeren und Spargel. Dann wird schweren Herzens gestrichen, und nach Alternativen gesucht. Entgegen der Vermutungen einiger Kommentatoren schreiben wir nicht ab – und wir haben bisher auch nicht erlebt, das die Konkurrenz sich bei uns bedient.

Ich schreibe mittlerweile hauptsächlich die Tiergeschichten, die Kinderseiten, und gehe auf Reportage. Artikel aus der freien Natur entstehen dabei ganz klassisch im stickigen Büro: Zuerst einmal wird recherchiert. Wikipedia ist fast immer der Anfang. Was gibt das Internet her? Kann man bei Amazon Bücher zum Thema bekommen? Eine fast unerschöpfliche Quelle, die in Zeiten des Internets fast aus der Mode gekommen ist, nutzen wir seit einigen Monaten exzessiv: Die gute alte Stadtbücherei. Denn da gibt es auch antiquarische und vergriffene Werke, bei denen Amazon passen muss. Ich habe für die aktuelle Geschichte über Murmeltiere u.a. auf ein Buch zurückgegriffen, das von einem russischen Autor in den 70ern in der DDR veröffentlicht wurde. Außerdem: Gibt es Vereine, Museen, Verbände, die einen besseren Einblick haben? Im Idealfall findet sich ein Experte, gerne auch privater Natur, der sich bereit erklärt, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Denn eins ist klar: Die Leser finden jeden Fehler, und sind in ihren Leserbriefen gnadenlos.

Der Recherche folgt das Konzept. Ich schreibe auf, wie ich das Thema auf vier oder sechs Seiten aufziehen würde, was der Erzählbogen ist, und welche Bilder ich dafür brauche. An dieser Stelle muss auch schon festgelegt werden, ob es eine bestimmte Grafik benötigt, die erstellt werden muss. Das Konzept geht an die Chefredaktion, die danach entscheidet, ob der Artikel so funktioniert.

Schmiede

Fotos bekommen wir zu den “Schreibtisch-Themen” von den üblichen Agenturen. Die gibt es für praktisch jeden Bereich (Pflanzen, Tiere, Sex, Gesundheit, Wissenschaft), und über bequeme Online-Datenbanken kann man sich raus suchen, was man braucht. Manchmal greift die zuständige Fotoredakteurin aber auch selbst zur Digi-Kamera, wenn etwas sehr Spezifisches gebraucht wird (“Löffel in leer getrunkener blauer Kaffeetasse”). Wichtig ist immer, dass die Bilder eine extrem hohe Auflösung haben, denn bei so einem Hochglanz-Großmagazin wie der “LandIdee” können wir mit 640 x 400 Pixeln nichts anfangen.

Wenn der Grafiker nach meinem Konzept und unter Anleitung der Chefredakteurinnen das Layout fertig hat, kann ich es mir vom Server holen. Dann muss ich es “nur noch” mit Text füllen. Dabei habe ich dann meistens schon einige Dutzend Ausdrucke, Bücher und Referenzwerke auf dem Schreibtisch, um mich nicht zu dumm anzustellen. Der erste Textentwurf geht dann wieder in die Chefetage. Ist man dort grundsätzlich zufrieden, wartet vor der Weiterleitung an die Schlussredaktion noch das Plazet des Experten – er bekommt ein PDF des Artikels gemailt, um etwaige Fehler und Unstimmigkeiten zu eliminieren. Das ist ein sehr beruhigender Schritt, der mich mit vielen hilfsbereiten Menschen zusammen bringt. So habe ich mal einen Artikel über Fossilien-Gruben geschrieben, und darin kam eine Baustoff-Firma vor, die ein eigenes Museum für prähistorische Funde betreibt. Der hauseigene Archäologe bot von sich aus an, den Artikel gegen zu lesen, und fand prompt diverse verbesserungswürdige Details. Da bin ich uneitel – das ist super toll und nützlich.

Ich glaube nicht, dass man als Journalist Experte für jedes Thema sein muss, über das man schreibt – oder man es überhaupt sein kann. Aber man hat die Pflicht, sich einzuarbeiten, erreichbare Quellen zu studieren, und einen Überblick zu erarbeiten, der es ermöglicht, dem Gegenstand des Artikels gerecht zu werden.

Gans

Die Reportagen sind natürlich aufwändiger. Haben wir ein “Zielobjekt” gefunden (eine Werkstatt, ein Bauernhof, eine kleiner Betrieb), dann kommt es zum “Erstkontakt”. Don’t call us, we’ll call you. Oft sind die Menschen überrascht, das wir Interesse an ihnen zeigen. Immer häufiger aber kennen sie das Heft bereits, und freuen sich. Wir klären ab, ob die “Objekte unserer journalistischen Begierde” Zeit und Lust haben, mit uns zu arbeiten. Eine Reportage dauert zwischen drei bis acht Stunden, da darf man nicht zu schnell ungeduldig werden. Außerdem muss die Location prima wirken, der Hausherr darf nicht wie ein Hooligan aussehen, und die Küche (im Fall von Nahrungsmittelthemen) ist in 70er Jahre Orange-Plastik einfach nicht ideal. Nach ein paar schlechten Erfahrungen lassen wir uns vorab immer schon Digi-Fotos schicken. Es soll ja auch nach was aussehen.

Steht der Termin, rufe ich einen unserer freien Fotografen an, kläre das notwendige Equipment, buche die Flüge und den Mietwagen, eventuell ein Hotel. Dann recherchiere ich mich dusselig, wie ich es auch bei den “Schreibtisch-Themen” mache. Nichts finde ich entwürdigender als einen Journalisten, der den Bauer erstmal fragt: “Was macht ein Bauer eigentlich so?”. Oder den Kinoschreiber, der den Star im Interview angeht: “Worum geht es eigentlich in Ihrem neuen Film?”. Man muss kein Experte sein, aber ein Mindestmaß an Fachwissen sollte man mitbringen. Auch deshalb, weil sich die besuchten Menschen dann erheblicher wohler fühlen.

Es ist meine Aufgabe, mich für ein paar wenige Stunden mit den Handwerkern oder Bauern anzufreunden, über die ich berichte. Es hilft, wenn sie mich nett und kompetent finden, wenn sie mir vertrauen. Ich nehme kein Tonbandgerät mit, denn meiner Erfahrung nach bleiben die wirklich interessanten Fakten und Aussagen sowieso hängen – aber Menschen reden freier und ungestelzter, wenn man ihnen kein Mikro unter die Nase hält, sondern mit ihnen locker auf dem Acker plaudert. Ich bin an allem interessiert, auch an Familiengeschichten und Anekdoten. Man weiß nie, was ein kleines Juwel für den Artikel hervor bringt. Es ist essentiell, dass man sich als Schreiber für alles begeistern kann. Dann ist auch Urgetreide oder das Kunstschmiedehandwerk für mich die spannendste Sache der Welt.

Urgetreide

Zwei Dinge lassen sich bei Reportagen leider nicht beeinflussen: Das Wetter und die Tatsache, dass wir grundsätzlich zwei Monate zu früh dran sind. Denn: Das Weihnachtsheft wird halt nun mal im Oktober geschrieben, und wenn ein Kürbis ins Heft soll, ist der zum Zeitpunkt der Reportage oft genug noch gar nicht reif. In seltenen Fällen kann man eine Reportage ein Jahr im Voraus produzieren. Meistens müssen wir uns aber behelfen: Im März wird mit dem Fön der Schnee für das Frühlingsheft geschmolzen, im Hochsommer dürfen keine Blumen ins Bild, die im Herbstheft unpassend erscheinen. Man kann zwar auf einem Bohnenhof prima Eintöpfe kochen – aber die Bohnen dazu kommen nicht vom Feld nebenan, sondern aus dem Supermarkt. Und wenn gar nichts geht, werden auch noch Bilder von den Agenturen zugekauft. Der Juli muss aussehen wie der September, wenn der Leser das Heft in Händen hält, der März wie der Mai. Es kann nicht immer authentisch sein – aber es muss authentisch aussehen.

Wenn es bei einem Outdoor-Shooting regnet, kann man nicht viel machen. Da müssen kurze Gewitter-Pausen abgewartet werden, oder man baut das schlechte Wetter thematisch ein. Bei meiner Reportage über Reet-Dächer kamen wir im strömenden Regen in Hamburg an, behalfen uns in Bad Oldesloe damit, erstmal im Reet-Lager zu fotografieren – nur um (mit fünfstündiger Verspätung) ein vom Wetterdienst vehement bestrittenes Sonnenfenster zu erwischen, um die Dachdecker abzulichten. Man muss einfach drauf hoffen, Glück zu haben. Hat man dann meistens auch.

Peter

Oft macht der Fotograf seine Arbeit relativ autark, während ich mich mit den Gastgebern unterhalte. Manchmal fasse ich auch selber mit an, wenn es darum geht, ein Motiv zu inszenieren – wie im Fall der Farbenmühle:

bei der arbeit

Hier wurde eine antike Tür vom Speicher geholt, weil sie einen schöneren Untergrund für die farbigen Steine, Pflanzen, und getrockneten Insekten bot. Ich halte derweil den Reflektor.

Der Fotograf schießt durchschnittlich 200 bis 500 Bilder für eine einfache Reportage, von denen er meistens 100 bis 150 auswählt, die wir dann als niedrig aufgelöste Vorschau bekommen. Die großen Datenmengen gehen zwei Tage später über den Server, oder kommen per Kurier. So können wir die Qualität der Aufnahmen sichten, und ich kann der Chefredakteurin anhand der Bilder erklären, wie ich die Geschichte erzählen möchte. Hier wird auch entschieden, was noch zugekauft wird. Nicht selten haben die Handwerker und Bauern selbst ein paar Fotos, die sie uns zusätzlich zur Verfügung stellen.

Auf das ganz oben eingestellte Cover sind wir übrigens sehr stolz, weil es nicht eingekauft wurde, sondern bei einer eigenen Produktion entstanden ist.

Nach der Reportage geht es weiter wie mit den “Schreibtisch-Themen”: Recherche, Layout, Rohtext, Korrektur, Abnahme, Schlussredaktion, Druck. Wichtig auch hier: Die Beteiligten lesen nochmal drüber, dürfen sagen, wenn ihnen was nicht gefällt. Das kommt selten vor, aber es kommt vor: Die Kunstschmiede war gar nicht glücklich über ein zugekauftes Bild mit genau der Sorte Schnörkelei, gegen die sie seit 10 Jahren ankämpfen. Wir haben es natürlich ausgetauscht.

Ich hab’s schon einmal gesagt, und ich sage es gerne nochmal: Die “LandIdee” ist gut fürs Karma. Man macht nette Geschichten mit netten Menschen. Niemand wird in die Pfanne gehauen, es ist schön, hochwertig und anständig. Und der Erfolg gibt uns Recht: Trotz starker Konkurrenz von diversen thematisch ähnlich gelagerten Heften haben wir im ersten Jahr die verkaufte Auflage um 60 Prozent steigern können – und ein Ende dieses Trends ist nicht abzusehen. “TV Sünde” macht auf seine Art auch Spaß, und ich schäme mich dafür null. Aber wenn jemand fragt, was ich denn als Journalist so mache, zeige ich ihm die “LandIdee”.

Big Band Theory: Des Wortvogels Lebenswerk erfährt seinen Ritterschlag

Gepostet am 27. Juli, 2010 um 13:53 Uhr
Kategorien: Bücherregal, Film, TV & Presse, Gedanken, In Arbeit, Neues, Privates.

Der Typ hier – das ist Charles Band:

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Die Internet Movie Database listet ihn als Produzent von mehr als 200 Filmen, darunter B-Klassiker wie “Trancers”, “Dolls”, “Re-Animator”, “The Caller”, und “Prison”.

Ich war schon in den 80ern ein Fan, als die “Cinema” ausführlich über seinen “Metalstorm: The Destruction of Jared-Syn” berichtete – ein 3D-Spektakel, in dem kein Metallsturm vorkam und Jared-Syn am Ende auch nicht vernichtet wurde.

sorority_babes_in_slimeball_bowlorama_poster_01Band war für mich neben Roger Corman immer DER quintessentielle B-Produzent, weil er nicht einfach lieblos “product”  in den Markt scheißen wollte, sondern ein klares Business-Modell verfolgte, das ihn mir sympathisch machte: Empire und später Full Moon Pictures produzierten Filmcomics, die teilweise im selben Universum spielten, Crossover erlaubten, und mit den “Videozone”-Magazinen am Ende der Kassette eine starke Bindung an die Fangemeinde suchten. “Dollman”, “Puppet Master”, “Dr. Mordrid”. Dazu Comics, Puppen, Soundtracks, Trading Cards – Band machte das, was Marvel Entertainment heute auch tut. Nur nicht ganz so teuer. Und nicht ganz so erfolgreich. Trotzdem arbeiteten ihm damals schon viele Comicexperten zu, inklusive der Legende Jack Kirby.

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Schon zu Zeiten meines Fanzines “Dark Palace” war ich ein Band-Geek, besprach Filme wie “Dolls”, “Arena” und “Robotjox”. In den letzten Jahren habe angefangen, Artwork von Band gleich im Dutzend zu kaufen.

Natürlich sind Band-Filme selten wirklich gut. Sie sind meistens das Bruzzeln ohne das Steak. Toller Poster, tolle Ideen, knallige Figuren – am Ende aber (aus Budgetgründen) viel zu langatmig, und ohne wirkliche Höhepunkte. Als Fan verzeiht man vieles.

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Irgendwann in den frühen 90ern begann ich mich zu ärgern, dass es so wenig Literatur über Charles Band gibt. Klar, Kai Meyer hatte mal einen tollen Beitrag für die “Moviestar” geschrieben, in dem sogar das deutsche Cover des nie fertig gestellten “Time Crash” (aka “Pulse Pounders”) zu sehen war. Und die Fangoria hatte Band sogar einen Zweiteiler gegönnt. Aber das war mir nicht substanziell genug, zumal Band in Interviews gerne auf die immer gleichen Phrasen auswich (“Ich wurde praktisch auf einem Filmset groß…” ist der Klassiker-Einstieg). Bei aller Liebe, es gibt mindestens fünf Biographien von und über Roger Corman, eine über Sam Arkoff, eine über William Castle, eine über das Geschäftsgebahren von Cannon – da muss doch Platz im Regal sein für einen Band über den Macher von “Parasite 3D” (mit Demi Moore!)!

Ich habe eine manchmal fatale Eigenschaft: Wenn ich etwas will, dass es nicht gibt – dann mache ich es halt selbst. So sind seinerzeit ja auch meine “Science Fiction TV Guides” entstanden. Und das Buch über “Babylon 5″.

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Also beschallte ich meine damaligen Kumpel mit der hochtrabenden Ankündigung: “Eines Tages mache ich das ultimative Buch über Charles Band!”. Ich war 20. Und doof. Ihr kennt das schon.

ghoulies_2_poster_01Obwohl es weder Zeit noch Möglichkeit gab, das Projekt zu verfolgen, verlor ich es nie ganz aus den Augen. Jeder neue Band-Film erinnerte mich daran, jeder Zeitschriftenartikel dazu wurde gesammelt. Als ich im großartigen Archiv von Harald Dolezal stöbern durfte, scannte ich mir zuerst alle Band-Cover, Reviews und Artikel ein, die er ranschleppen konnte (darunter das phänomenale japanische Pressbook zu “Re-Animator”).

Dabei stellte sich heraus, dass Bands Karriere einer Hydra gleicht: Hakt man einen bisher unbekannten Film ab, tauchten drei neue Titel auf, die in keinem Referenzwerk verzeichnet sind. Band ist der Meister der Ankündigungen, der “pre production artwork”, des filmischen Versuchsballons.

Das Internet ist auch keine große Hilfe: Es gibt Webseiten zu Godfrey Hos Ninja-Heulern und Cannons Trash-Actionern, aber erschreckend wenig zu Charles Band. Irgendwann um die Jahrtausendwende fand ich aber die recht krude Webseite eines Engländers namens Dave, der zwar wenig Infos besaß, diese aber erstaunlich kompetent einzuordnen wusste. Schnell kam per Mail ein reger Austausch von Ideen (und Kassetten) zustande. Dave wusste noch erheblich mehr als ich zum Thema, und konnte sehr präzise und pointiert schreiben. An einem lauen Sommerabend machte ich ihm den fatalen Vorschlag, doch gemeinsam am “ultimate Charles Band book” zu arbeiten.

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Später kam dann noch Nathan Shumate von “Cold Fusion Video” dazu, der in diesem Jahr einen sehr empfehlenswerten Sammelband seiner besten/schlechtesten Reviews veröffentlicht hat. Der Australier John Klyza steuerte ein eigenes Kapitel über Bands Zeit mit dem Label “Wizard Video” bei.

Am Anfang versuchte ich noch, mit Daves Enthusiasmus für das Projekt mitzuhalten, aber es war die Zeit, in der ich an meiner Telenovela werkelte, und das Tempo, das der Musiker und “all around good guy” vorlegte, war erschreckend: Im Wochentakt flatterten mir Reviews ins Haus und Interviews mit Band-Komplizen, die Dave mit detektivischem Eifer aufspürte. Wir machten bald eine eigene Yahoo-Group auf, um das ganze Material zu organisieren. München, Utah, London, Australien – das nennt man wohl eine “internationale Koproduktion”.

TTot_posterMehr als 50 Regisseure, Autoren, Schauspieler und Effekt-Experten haben wir für das Buch interviewt, darunter: Albert Pyun, Tim Thomerson, Jaqueline Lovell, John Buechler, J.R. Bookwalter, Richard Band, Courtney Joyner, Dave Parker, und Peter Manoogian.

Es zeigte sich sehr schnell, dass Dave einfach der geeignete Schreiber für das Projekt war, und ich meine Energie besser darauf konzentrieren konnte, seltene Artwork und Recherche-Materialien zu organisieren. Es gab Zeiten, da kaufte ich pro Woche ein Dutzend Kassetten – aus Hongkong, Australien, Brasilien. Viele Band-Produktionen waren anders kaum noch zu bekommen (mittlerweile hat sich das geändert – Band selbst vertreibt einen Großteil auf DVD). Dank einiger geschäftlicher Kontakte zu der Firma, die mit Bands Partnern Kushner/Locke zu tun hat, kam ich kostenlos an eine ganze Kiste obskurer Softcore- und Kidfilme.

Was die Arbeit von einem, vielleicht zwei Jahren werden sollte, geht nun ins neunte Jahr, und das Ende ist vielleicht in Sicht, aber noch lange nicht erreicht. Klar ist längst, dass es mit EINEM Buch nicht getan sein wird. Da wir ALLE Filme aus Bands Kinofabrik ausführlich vorstellen und besprechen wollen, wird es wenigstens ein Doppelband werden. Suck on that, Corman!

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Einen besonderen Meilenstein passierten wir vor einigen Wochen, als es uns ENDLICH gelang, mit Charles Band selbst ein mehrteiliges und mehrstündiges Telefon-Interview zu führen (sein Bruder Richard öffnete uns dafür die Tür). Tatsächlich war Band angesichts von Davids Detailwissen ausnahmsweise bereit, den PR-Sprech außen vor zu lassen, und ganz tief in seinen Erinnerungen zu kramen, um seine Sicht der nun 40 Jahre dauernden Karriere als Produzent zu Protokoll zu geben.

Warum ich euch das alles ausgerechnet heute so ausführlich erzähle? Ganz einfach: Am Wochenende hatte ich den Ausdruck des ersten Buches von Dave aus London in der Post. Knapp 400 Seiten geballte Begeisterung für das B-Movie-Geschäft:

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Und das ist erst der Anfang…

Tüten für den Führer

Gepostet am 24. Juni, 2010 um 07:56 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

Zu den für diesen Beitrag irrelevanten Fakten gehört, dass ich bis zu meinem 13. Lebensjahr in der gesamten Familie den unerklärlichen Spitznamen “Tüte” hatte. Meine Tante nennt mich heute noch so, und auch meine Mutter ruft mich in Fällen unangemessener Sentimentalität gerne “Tütemann”.

Darum geht’s aber hier nicht. Ich habe nur dieser Tage einen Artikel für die LandIdee über Kultur und Brauchtum der Schultüte geschrieben. Das ist faszinierender, als man meinen sollte – es gab deutliche regionale Unterschiede, was Design und Inhalt angeht, die DDR entwickelte ganz eigene sechseckige Tüten, und politische Themen waren mitnichten tabu. In schweren Zeiten wurden die Spitzkegel unten mit Holzwolle ausgestopft, um nicht vorhandenen Inhalt vorzutäuschen.

Es gibt in Hamburg übrigens den pensionierten Lehrer Hans-Günter Löwe, der eine eigene Webseite zu dem Thema “Erster Schultag” betreibt, und Tausende von antiken Tüten und Stundenplänen gesammelt hat. Ich durfte ihn besuchen, und war wirklich begeistert von Vielfalt und Kunsthandwerk:

tüte

Bei den weiteren Recherchen bin ich auf eine Tüte gestoßen, die wir in der LandIdee nicht abbilden können – die Nazis hatten sich nämlich seinerzeit (erfolglos) an der Einheits-Schultüte versucht:

tut

Der Haken: Unsere Chefredaktion besteht nun darauf, dass die LandIdee-Redaktion ihre eigenen Einschulungs-Fotos mit Schultüten ran schafft. Ob ich der Leserschaft DAS antun kann, weiß ich wirklich nicht…

Wortvogel goes Landromantik

Gepostet am 23. April, 2010 um 12:33 Uhr
Kategorien: In Arbeit, Neues, Privates.

Es gibt Tage, da bin ich glücklich und dankbar, für ein Heft wie die LandIdee schreiben zu dürfen – gestern war mal wieder so ein Tag:

Mit-Lamm

Was ihr da auf meinem Arm seht, ist ein schwarzes Lämmchen, das auf einem artgerechten Hof lebt, zwischen Schafen, Ziegen, zwei Hunden, ungefähr sechs Katzen, und einem Pferd.

Weil dem Redakteur nix zu schwör ist, habe ich mich bei “Stöckelchen” auch gleich mal an die Zitze gemacht:

Melken

Und was soll ich sagen? Es geht!

Bei Ziegen ist man übrigens der umjubelte König, sobald man ein bisschen altes Brot aus der Tasche holt:

Mit Ziegen

Für den Artikel unwichtig, aber ein persönliches Anliegen von mir war der Schnappschuss am idyllischen Teich, der zum Hof gehört. Kaum hatte ich (im Nieselregen) Platz genommen, kam schon einer der beiden alten (und sehgeschwächten) Hunde angelaufen, um mir das Image des englischen Landlords zu verpassen:

Am Teich

Schön war’s, erholsam war’s – so entspannt mag ich meine Reportagen! Worum es dabei im Detail ging, könnt ihr in der nächsten LandIdee lesen, die gibt’s ab dem 19.5. am Kiosk.

Fotos (c) LandIdee / P. Raider

Kurzkrimi: Endstation Scheiterhaufen

Gepostet am 13. April, 2010 um 15:20 Uhr
Kategorien: In Arbeit, Neues.

Ich habe mal wieder eine Kurzgeschichte für die LandIdee geschrieben, diesmal unter dem Pseudonym “Paul Terrid” – eine Anspielung auf den verstorbenen Autor Peter Terrid, mit dem ich bei den Braunschweiger SF-Tagen einst nette Gespräche führte. Thematische Vorgabe diesmal: Weiblicher Protagonist und Walpurgisnacht. Als “Pointe” habe ich die Idee für eine andere Kurzgeschichte verwurstet.

Endstation Scheiterhaufen

Walpurgisnacht, Maifeuer, und eine Leiche, die den Bewohnern von Bollenrode Angst macht. Doch Sophia Franzen glaubt nicht an Hexerei – nur an Mord…
feuer
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“Dr. Hope”-Quoten zum und im Zweiten: Das Haus bleibt gerockt

Gepostet am 23. März, 2010 um 09:14 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

Ich kann in Frieden sterben: 5,6 Millionen Zuschauer, 17 Prozent Marktanteil, satte 9,4 in der Zielgruppe. Keine Sensation, aber sehr gut. Vergleichbar mit “Margarethe Steiff”. Schön.

Im Sport nennt man das einen Arbeitssieg.

Diese Zahlen gleichzeitig “toll”, “stark” UND “mäßig” zu finden – dazu muss man wohl Fabian Riedner heißen…

“Dr. Hope” Special (4): Die Autoren

Gepostet am 19. März, 2010 um 09:45 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, In Arbeit, Neues.

Mit Katrin Tempel habe ich folgenden Text für das ZDF-Pressematerial verfasst.

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((c) ZDF und Erika Hauri)

“Der lange Weg zu Hope Bridges Adams Lehmann”

Die Geschichte von Hope Lehmann ist einzigartig, und ein Geschenk für jeden Autor. Es kommt selten genug vor, dass man auf einen Stoff stößt, der sich geradezu aufdrängt, der erzählt werden will.

“Die Hoffnung stirbt nie” – so lautete der erste Untertitel für “Dr. Hope”. Und daran haben wir uns auch immer wieder festgehalten. Denn der Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Film war lang …

Das Leben dieser Frau ist zu üppig, zu unglaublich für einen Zweitei­ler. Alle ihre Ziele, ihre Freunde, ihre Pläne – es hätte leicht für einen Vierteiler gereicht. Also war von Anfang an nicht die Frage “Was müs­sen wir noch erfinden, damit die Handlung richtig spannend wird?”, sondern: “Was müssen, was können, was dürfen wir weg lassen?”

Die Liste wurde mit jedem Treffen mit den Produzenten länger. Hopes Übersetzungen für ihren langjährigen Bekannten August Bebel? Ein schönes Detail, mehr nicht. Ihre Pläne für den zweisprachigen Kinder­garten? Ein neuer Erzählstrang, der mehr als 30 Minuten in Anspruch nehmen würde. 30 Minuten, die wir nicht hatten. Die Begeisterung von Carl Lehmann für die Berge, sein Engagement für Berghütten, seine Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche für die Lamsenjochhütte? Eine Nebengeschichte, die nichts mit Hope zu tun hat. Ebenso seine Verwicklungen mit den Freiburger Sozialistenprozessen. Szenen mit dem Heimatdichter Ludwig Thoma im Dachauer Biergarten? Gestri­chen. Der “Gastauftritt” von Lenin? Er fiel erst in der letzten Fassung raus.

Der Literatur-Nobelpreisträger William Faulkner hatte Recht: “Du musst bereit sein, deine Lieblinge zu töten.”

Dabei waren wir Drehbuchautoren nicht die einzigen, die unter der strengen Zeitvorgabe litten. Auch die Produzentin Claudia Rittig ver­liebte sich in Szenen und Figuren, von denen sie sich dann wieder verabschieden musste.

Ein weiteres Problem: Welche Sprache hatten die Menschen im aus­gehenden 19. Jahrhundert? Es ist ein Dilemma: Einerseits darf es nicht so staubig und verzopft klingen, dass der moderne Zuschauer sich nicht “einhören” kann – andererseits sind moderne Ausdrücke und Sprachbilder ein Tabu. Uns halfen zeitgenössische Briefe, Berichte, Romane. Am Ende stand eine verfilmbare “Kunstsprache”, die den Eindruck von Klassik erweckt, ohne unangemessen getragen zu wir­ken.

In manchmal endlos scheinenden Diskussionen, bei Recherchen in so vielen Archiven, formte sich – über vier Jahre hinweg und am Leben von Hope Lehmann orientiert – eine Geschichte, so tragisch wie hoff­nungsfroh, so lebensbejahend wie erschütternd.

Kaum jemand kann sich vorstellen, wie schön es ist, nach sieben Jah­ren Arbeit endlich den fertigen Film zu sehen. Die Dialoge von den Lippen der Schauspieler zu hören. Und dabei zu merken: Es fehlt nichts. Die gestrichenen Szenen und Personen mögen wir schmerzlich vermissen – aber die Stärke dieser ungewöhnlichen Frau sorgt dafür, dass wir auf das Ergebnis stolz sind. Und dankbar, dass wir mit Hope sieben Jahre verbringen durften.

“Dr. Hope” Special (3): Heike Makatsch-Interview

Gepostet am 18. März, 2010 um 13:04 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

“Den Mut, Regeln zu brechen, kenne ich auch”

Interview mit Heike Makatsch

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Dr. Hope ist nach Margarete Steiff und Hildegard Knef eine wei­tere Person der Zeitgeschichte, die Sie verkörpern. Worin be­steht für Sie der Reiz, in historische Rollen zu schlüpfen?

Bei Hope, wie auch bei Margarete Steiff, ging es nicht darum, eins zu eins die Biografie einer berühmten Person zu verfilmen. Diesen An­spruch erheben wir nicht, aber wir wollten einen gewissen Grad an Authentizität erreichen. Es machte großen Spaß, eine Figur zu ent­werfen, die zwar kein Abbild der echten Hope ist, aber so gelebt ha­ben könnte, mit ihren Taten, ihrem Kämpfergeist. Ich wollte sie so dar­stellen, dass man das Feuer spürt, das in ihr brennt, und glaubhaft herüberbringen, warum sie so gehandelt hat.

Was ist für Sie das Besondere an Hope?

Sie musste Widerstände überwinden und Tabus brechen. Wenn man sich vorstellt, dass Frauen damals kein Abitur machen oder studieren durften… Sie konnten heiraten, und ein Beruf stand nicht zur Debatte. Hope hatte aber gar nicht das Gefühl, Grenzen zu überschreiten oder bewusst einem Rollenmodell zu widersprechen, sondern sie hat ein­fach getan, was sie für richtig hielt. Sie wollte nur ihren Weg gehen.

Wie viel “Hope” steckt in Heike Makatsch?

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“Dr. Hope”: Waffenruhe

Gepostet am 12. März, 2010 um 14:24 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, In Arbeit, Neues, Privates.

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((c) ZDF und Erika Hauri)

Die SZ hat es eben vermeldet:

“”Dr. Hope”: Lösung in Sicht

(…) Danach erhält Krauss 15 000 Euro “als Abgeltung der wissenschaftlich-publizistischen Leistung, die in Auffindung und Darstellung des verfilmten Stoffes liegt”; so seien alle etwaigen Rechte Krauss” an der Verwertung des Films und eines Begleitromans abgegolten, sie erhebe keinen Plagiatsvorwurf (…)  tyc”

Nochmal fürs Protokoll: “sie erhebe keinen Plagiatsvorwurf“.

Am Ende musste die Gegenseite einsehen, dass der Plagiatsvorwurf nicht halt- oder belegbar ist, und hat gar nicht erst Anzeige erstattet. Aus dem Skandal wurde plötzlich wieder eine Verhandlungssache, und was noch vor zwei Jahren unverschämt und inakzeptabel war, schien der Gegenseite plötzlich fair und angemessen. Schau an.

Damit ist die hässliche Angelegenheit ausgestanden, der Vorwurf hinfällig, und ich kann mich wieder mit Sachen beschäftigen, die tatsächlich relevant sind. Zum Beispiel dem Badmovies-Forumstreffen in Nürnberg an diesem Wochenende.

Es ist kein fauler Kompromiss, ganz im Gegenteil. Schon in unserem Autorenvertrag hatten wir die Bitte eintragen lassen, Frau Krauss als Beraterin zu würdigen. Ihr erinnert euch vielleicht:

Darum wurde der Historikerin, die die größte „Hope“-Biographie geschrieben hatte, von uns als Beraterin der Produktionsfirma vorgeschlagen. Wir hofften darauf, dass sie uns bei den Details zur Seite stehen könne, für ein Honorar, eine Erwähnung im Nachspann, eine Danksagung.

Es wurde ihr Geld für ihre Quellenarbeit und ein Credit angeboten.

Das lehnte sie unter allerlei Forderungen und Drohungen ab. Sie wollte mehr. Viel mehr.

Jetzt bekommt Geld für ihre Quellenarbeit und einen Credit.

Weniger Geld, als sie bekommen hätte, wenn sie vor zwei Jahren unterschrieben hätte. Sie bekommt auch keine Rechte an der Figur Hope. Den Vorwurf des Plagiats muss sie zurückziehen. Den Zweiteiler in ihrem Sinne zu beraten und zu beeinflussen, die Chance hat sie ebenfalls vertan. Sie wurde beim Filmfest nicht auf die Bühne geladen, bei den Pressekonferenzen nicht als Fachfrau präsentiert. Das muss schal schmecken, und weh tun.

Sie hätte es einfacher haben können – ohne Drohungen, ohne Verleumdungen, ohne Schmierkampagne in der Presse. Das Ergebnis wäre dasselbe gewesen. Sogar besser noch: Hofmann & Voges hätte ihr sicher mehr geboten, hätte man nicht in den letzten Wochen beträchtliche Honorare an Anwälte zahlen müssen, die gegen die Vorwürfe vorgehen.

Auch der Sache ist nicht gedient: Da Frau Krauss explizit keine Rechte an dem Stoff zugesprochen bekommt, ist kein Präzedenzfall für andere Sachbuchautoren und Biographen geschaffen worden. Ihre kreative Eigenleistung wurde weder anerkannt, noch vergütet.

Viel Lärm um nichts also? Na ja, ich fühle mich wohler damit, dass die primäre Quelle unserer Recherchen entsprechend gewürdigt wird. Ich habe ihr das ja nie missgönnt. Noch vor drei Wochen habe ich in einem Interview mit dem Münchner Merkur betont:

Meine Mit-Autorin Katrin Tempel hat Frau Krauss kontaktiert, weil wir so begeistert waren von dem Stoff und der Arbeit, die sie geleistet hat, dass wir unbedingt mit ihr zusammenarbeiten wollten.

Die Pressekampagne werde ich Frau Krauss allerdings nicht verzeihen. Das war niederträchtig und verlogen. Letztlich ineffektiv, aber trotzdem niederträchtig.

Ich bin auch froh, dass der Plagiats-Vorwurf aus der Welt ist. Wer mich kennt weiß, dass ich sowas nicht nötig habe. Oder zumindest nicht dumm genug wäre zu glauben, ich käme damit durch.

sie erhebe keinen Plagiatsvorwurf

Ich bin sauber. Und jetzt habe ich es auch schriftlich.

Besonders dankbar bin ich den Lesern meines Blogs, die daran nicht gezweifelt haben.

“Dr. Hope” Special (2): Regie-Tagebuch

Gepostet am 5. März, 2010 um 09:48 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

“Die Zeitreise gelingt”

Drehtagebuch von Regisseur Martin Enlen

Am 6. Dezember 2008 wurde nicht nur in ganz Deutschland Nikolaus gefeiert, sondern auch im Münchner Wirtshaus am Schlachthof das Abschlussfest vom Dreh “Dr. Hope”. Weit über hundert Mitwirkende (Team und Schauspieler) waren mit dabei, um das Ende der 50 Dreh­tage zu feiern. Ein emotionaler, bewegender Abschied, da für die allermeisten die Zeit und Arbeit mit “Dr. Hope” hier wirklich endete (für mich sollte sie noch bis Ende Juni 2009 weitergehen). In meiner tradi­tionellen Abschlussrede kam ich auf einige ganz persönliche “magi­sche Momente” während des Drehzeitraums zu sprechen. Sicherlich hat jeder Mitarbeiter so seine eigenen Erinnerungen, manche über­schneiden sich auch bestimmt – aber dies sind meine:

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((c) ZDF und Erika Hauri)

1. Drehtag
Wir beginnen im Park von Schloss Nymphenburg (den wir für Leipzig verkaufen) an einem großen See. Ursprünglich sollte die Szene mit Hope in einem Ruderboot stattfinden, aber da der See und die darin lebenden Tiere unter Naturschutz stehen, gibt es keine Boote – statt­dessen viele Komparsen, die flanierend über Wege und Wiesen lau­fen. Und es ist ein wahrhaft großer Moment, als unsere Darsteller in ihren Originalkostümen an diesem besonderen Ort auftauchen. Es liegt noch ein leichter Morgennebel über dem See, die Sonne bricht zaghaft durch die Bäume, als nach meinem ersten “Bitte” diese einge­frorene, historische Postkarte das erste Mal zum Leben erwacht. Mein großer Respekt gilt auch Tim, meinem zweiten Regieassistenten, der es tatsächlich schafft, im Kostüm auf einem riesigen Hochrad durch das Bild zu fahren – ohne umzukippen! Und Heike (Makatsch), soviel ist nach wenigen Augenblicken klar, wird Dr. Hope mit soviel Leben füllen, dass ich mir um eine historische Starre keine Gedanken ma­chen muss.

3. Drehtag
Hope und Otto heiraten standesamtlich. Das ging schnell, erst der dritte Drehtag, aber schön zu sehen, wie gut die Chemie zwischen Heike und Justus (von Dohnányi) stimmt. Nach seinen anfänglichen Beden­ken hat er offensichtlich nun auch Freude, sich selber mal 20 Jahre jünger zu sehen…

5. Drehtag
Der erste Auftritt von Carl (Martin Feifel) – und dann gleich eine ab­solut mitreißende Rede vor über hundert “Arbeitern und Sozialisten” in einem engen, dampfigen Wirtshaussaal. Und Martin (Feifel) reißt uns alle mit. Nach einer Woche kann man sagen: Die Zeitreise gelingt!

11. Drehtag
Wir drehen in der Münchner Ruhmeshalle, direkt an der Bavaria. Das Oktoberfest ist gerade erst am Wochenende zu Ende gegangen, die Abbauarbeiten sind in vollem Gange. Wir versuchen, einen Blickwinkel zu finden, die unsere historische Illusion nicht stören, während der Tonmann einen hoffnungslosen Kampf führt: gegen den Lärm der Ab­rissarbeiten auf der “Wiesn”.

12. Drehtag
Der Münchner Hofgarten ist unser Motiv. Großartig, wie viel man hier fast im 360 Grad Winkel zeigen kann (inkl. Frauenkirche), ohne später eine digitale Retouche vornehmen zu müssen – alles echt! Aber natür­lich hat man an einem so zentralen Platz auch viele Zuschauer – lei­der nicht historisch gekleidet. Das weitläufige Absperren ist ein wahr­haft kompliziertes, logistisches Unterfangen mit vielen Zusatz­helfern. Aber es gelingt.

16. Drehtag
Wir sind an den sogenannten Osterseen (südlich von Starnberg), und der Wettergott meint es (wieder mal!) sehr gut mit uns: klare Sicht auf das fantastische bayerische Alpenpanorama! Heut hat “Baby” seine Premiere – das ist Hopes Oldtimer, der für diesen Film speziell ange­fertigt wurde, da es ja nicht nur historisch korrekt aussehen, sondern auch über Stock und Stein (und Wiese …) fahren soll. Ein großer Mo­ment für uns alle, als der Wagen angetuckert kommt – und Heike lernt wirklich schnell, ihn zu beherrschen. Und auf dem Kühler (dem Fabri­katennamen) haben wir unsere Produzentin (Claudia) “Rittig” ver­ewigt. Eine Überraschung, sie sieht es an diesem Tag das erste Mal und ist sichtlich gerührt. Wie schön – sie hat es mehr als verdient!

20. Drehtag
Ein sehr langer Tag bzw. eine sehr lange Nacht, da wir die Ankunft von Ottos Kutsche zum Jahrhundertwechsel drehen und dafür auch künstlichen Schnee erzeugen. Und zwar einen besonderen Schnee. Ich möchte einen, der durch die Luft schwebt, nur ganz langsam zu Boden fällt. Das ist in Wirklichkeit eine Art Asche, die sanft durch den Wind gleitet. Der Haken: Die “Fackeln”, wie die speziellen Schnee-kanonen genannt werden, können nur bis zu zwei Minuten am Stück laufen. Schon deshalb erweist sich dieses Nachtbild als sehr mühsam, es ist sehr kalt und nass, und alle sind am Frieren.

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Fotofrei & Spaß dabei: Der ungedruckte “Coyote Ugly”-Artikel aus der TV Sünde

Gepostet am 2. März, 2010 um 12:00 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

Ich hatte es vor einigen Tagen angekündigt: Ein Artikel von mir, der aus Streitigkeiten über die Fotorechte nicht abgedruckt werden konnte, findet sein Gnadenbrot nun hier. Aus naheliegenden Gründen lasse ich lediglich die Bildunterschriften weg. Man berücksichtige bei der Lektüre bitte Medium und Zielgruppe.

Coyote Ugly: Der heisseste Tresen des Universums!

Gute Laune, gutes Bier, und scharfe Ladys hinter der Bar: In mehr als einem Dutzend „Coyote Ugly“-Saloons weltweit geht es rund

Es ist eine dieser Ideen, die man eigentlich nur haben kann, wenn man betrunken ist – oder verdammt clever: 1992 entschied sich Liliana Lovell, eine Karriere an der Wallstreet sausen zu lassen, um Bartenderin zu werden. Und sie machte schnell Furore, weil sie auf der Theke tanzte, und die meist männlichen Gäste singend und johlend dazu animierte, immer mehr Getränke zu ordern. Schon bald brachte sie anderen Girls bei, das Publikum sexy, aber anständig aufzuheizen, und im Januar 1993 eröffnete in Manhattan das erste „Coyote Ugly“: Ein Saloon, in dem man zum Bier auch richtig was für die Augen geboten bekommt.

Vier Jahre später schrieb ein Bar-Girl für das „GQ“-Magazin einen Artikel über seine Erlebnisse – daraus wurde am Ende der Film „Coyote Ugly“, der 100 Millionen Dollar einspielte, und den Begiff CU weltweit populär machte. Mittlerweile ist aus den „Ugly“-Bars eine ganze Kette geworden, die zwar nach strengen Regeln aufgebaut ist, in den einzelnen Saloons aber lässig entspannt rüberkommt. Ein Besuch im „Coyote Ugly“ von Las Vegas beweist es: Die Musik ist laut, das Bier kommt aus der Flasche, und Bri hinter der Bar hat mehr Tattoos als die meisten Trucker auf dem Highway. Vickie schwenkt den knackigen Hintern im kurzen Schottenröckchen, wenn sie sich zur Kasse umdreht, und irgendwann steckt sich Violet einen Plastikbecher in den üppigen Ausschnitt, und fordert zum „Booze Ball“ auf: Besucher können einen Dollar zerknüllen, und auf den Becher werfen. Wer trifft, bekommt einen Drink umsonst. Wenn der Dollar daneben geht, ist er Trinkgeld für Violet.

Plötzlich grölen ein paar Jungs, die einen feuchtfröhlichen Junggesellenabschied feiern: Einer von ihnen muss sich über den Tresen legen, und kriegt den Hintern von der resoluten Lorie mit dem Gürtel verdroschen. Immer wieder gibt es neue Spiele, neue Tänze, neue Aktionen. Ein paar bullige Security-Jungs achten dabei darauf, dass der Spass nicht ausufert, und niemand die Mädels unerlaubt antatscht. Denn eins ist das „Coyote Ugly“ nicht: Ein getarnter Neppschuppen, in dem sich billige und willige Bardamen abschleppen lassen. Jen, Bri, Tiffany und ihre Kolleginnen sind Profis, und verdienen Respekt, auch wenn sie immer wieder begeistert auf den Tresen springen, und die Meute mit heißen Tänzen anheizen.

Mittlerweile gibt es ein Dutzend „Coyote Ugly“-Saloons in den USA, einen in Moskau – und endlich auch zwei bei uns! In Koblenz und in Baumholder warten Girls wie Steffi, Sabrina, und die rassige Vanessa darauf, den Gästen zu beweisen, dass sie sich vor den US-Ladys nicht zu verstecken brauchen. Das lohnt auch die Fahrt in die Provinz – am besten mit guten Kumpeln…

Wer jetzt traurig ist, dass sich die Bardamen der CU-Kneipen nicht mit nach Hause nehmen lassen, der kann sich mit mit dem aktuellen Girl-Kalender 2010 trösten, den es in den Bars immer noch zu kaufen gibt…

Nibelungen 3 – besser spät als nie!

Gepostet am 25. Februar, 2010 um 11:49 Uhr
Kategorien: Bücherregal, In Arbeit, Neues, Privates.

nibneuIch hatte ja angekündigt, dass mein neuer Nibelungen-Roman im März erscheinen soll.

Dem ist nicht so.

Wir alle sind tragische Opfer eines Kommunikationsproblems geworden: Der März 2010 als Veröffentlichungstermin stand noch in meinem Vertrag aus der Zeit, als Heyne hoffte, ich würde das Brikett irgendwann im Frühjahr 2009 anliefern. Mehrfach bettelte ich um Aufschub, der Verlag war so freundlich – nur das anvisierte Erscheinungsdatum wurde versehentlich nicht aktualisiert.

Also: “Das Erbe der Nibelungen” erscheint nach aktuellem Katalog im August, zu meiner Freude rechtzeitig zu Buchmesse und Weihnachtsgeschäft (machen wir uns nichts vor: März ist eher eine maue Zeit für solche Schinken).

Bin ich sauer, dass ich mich im Dezember so gequält habe, um den Roman rechtzeitig für eine März-Veröffentlichung fertig zu bekommen? I wo. Machen wir uns nichts vor: Hätte ich von dem August-Termin gewußt, wäre das Ding am 30. Juli noch nicht fertig gewesen. Ich brauche den Druck, und fertig ist fertig.

“Dr. Hope” Special (1): Szenenbild

Gepostet am 21. Februar, 2010 um 11:45 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

Wie angekündigt werde ich in den nächsten Wochen bis zur Ausstrahlung viel Material aus dem üppigen Presse-Special des ZDF posten – leider ist ja nicht zu erwarten, dass viele Magazine den Platz haben, um z.B. ein Interview mit der Szenenbildnerin abzudrucken, so spannend es auch sein mag.

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((c) ZDF und Erika Hauri)

“Wir haben extra ein Oldtimer-Auto gebaut”

Su Proebster

(Ausstattung/Szenenbild)

Su Proebster ist in Bielefeld geboren und in Berlin aufgewachsen. Zehn Jahre lang betrieb sie Schwimmen als Leistungssport. Nach ihrer Gesellenprüfung als Tischlerin belegte sie Seminare in Bildhauerei und machte erste kleine Schritte in Richtung Szenenbild als Bühnen- und Kostümbildnerin bei kleinen Independent Art Festivals. Kontakt zum Film bekam Su Proebster zunächst als Stuntfrau. Ab 1985 war sie dann für Baubühne und Requisite bei der Musiksendung “Formel Eins” zuständig. Nach einer Szenenbildnerassistenz folgten erste eigene Arbeiten als Szenenbildnerin für Musikvideos. Nach ihrer letzten “For­mel Eins”-Sendung 1989 war Su Proebster als Requisiteurin, Requisi­tenbauerin und Art Director tätig, seit 1993 als Szenenbildnerin in di­versen Produktionen. Mit dem Drama “Roula” (1995) begann Su Proebsters langjährige Zusammenarbeit mit dem Regisseur Martin Enlen. Su Proebster war außerdem für die Designs von Red-Carpet-Shows und After-Show-Partys zum Beispiel für “Interview mit einem Vampir”, “Brave Heart”, “Drei Engel für Charly”, “Terminator”, “James Bond”, “Spiderman” und verschiedene andere verantwortlich. Außer­dem arbeitete sie im Art Department bei “Peter Jackson’s King Kong” (2005) und Roland Emmerichs “10.000 B.C.” (2008). Für den ZDF-Dreiteiler “Der Liebe entgegen” wurde Su Proebster in der Kategorie Bestes Szenenbild für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

Interview mit Szenenbildnerin Su Proebster

Dr. “Hope” ist nicht Ihr erster historischer Film. Sind solche Aus­stattungen ein besonderer Reiz oder eher ein Fluch?

Natürlich sind die Herausforderungen wesentlich größer als an einen Gegenwartsfilm – allerdings ist es für jeden Szenenbildner ein Traum, historische Stoffe verwirklichen zu dürfen. Die Möglichkeit, eine Zeit­reise antreten und bildlich umsetzen zu dürfen, ist, wie in eine Zeitma­schine zu springen. Und im Fall von “Dr. Hope” war die medizinische Ausstattung noch eine weitere große Herausforderung. Eine Requisi­teurin war nur damit beschäftigt, alle medizinischen Requisiten zu fin­den. Oft war der Zustand aber sehr schlecht, und sie mussten restau­riert, repariert oder sogar komplett neu hergestellt werden.

…und der Gynäkologenstuhl?

Ja, Hopes Gynäkologenstuhl war eine besondere Herausforderung, aber manchmal muss man auch ein wenig Glück haben. Nachdem wir lange bei Sammlern und in Museen recherchiert und nichts gefunden haben, stießen wir zufällig bei der Suche nach anderen Gegenständen auf einen alten kaputten Gynäkologenstuhl im Filmfundus in Stuttgart. Er wurde dann von meinen Werkstätten komplett restauriert, die nach­träglich angebrachten Dinge entfernt und so wieder in den alten Zu­stand versetzt. Mann muss ja bedenken, dass all das, was man heute aus jener Zeit findet, über 100 Jahre alt ist, damals aber brand­neu war.

Haben Sie an Originalschauplätzen drehen können?

Das Münchner Wohnhaus von Dr. Hope steht heute noch, doch die Gabelsbergerstraße ist eine extrem befahrene und belebte Gegend in München, und es war unmöglich, dort zu drehen. Man kann ein sol­ches Gebiet nicht für Wochen sperren lassen. Also musste ich einen Ort finden, der möglichst viel alte Substanz besitzt und für die Vorbe­reitung und den Dreh zu kontrollieren ist. Überhaupt war die Motivsu­che in diesem Fall besonders schwierig, da die Handlung in vielen Großstädten spielt: in London, Leipzig, Frankfurt und München. Aber die passenden Locations haben wir alle in München und Umge­bung gefunden.

Inwieweit konnten Sie bei Ihren Recherchen auf authentisches Material von der historischen “Hope” zurückgreifen?

Am Anfang meiner Recherche habe ich natürlich versucht, soviel wie möglich über die Ärztin zu erfahren und Material über ihre Arbeit zu finden. Wir recherchierten in Archiven der Münchner Ludwig-Maximili­ans-Universität, dem Medizin-Historischen Museum Ingolstadt, der Charité in Berlin, in vielen Büchern und im Internet. Um die vielen Sets zu bestücken, ist das Ausstattungsteam in ganz Deutschland und Österreich in Fundis, bei Sammlern und in Museen unterwegs gewe­sen, um Stoffe, Möbel, Lampen und Requisiten zusammenzutragen. Teilweise wurden Sachen aus England geschickt. Und Utensilien, die nicht gefunden werden konnten, wurden speziell für den Film angefer­tigt.

Was denn, zum Beispiel?

Hopes Oldtimer-Auto. Ich habe Fotos davon an das Technische Mu­seum München geschickt, um Marke und Herstellungsort festzustellen und dabei erfahren, dass es um 1906 noch nicht wirklich Autofabriken gab. Viele Fahrzeuge wurden damals in Hinterhöfen von ehemaligen Kutschenbauern angefertigt, so wie auch das von Dr. Hope. Um einen reibungslosen Ablauf des Drehs zu garantieren, haben wir sogar extra ein Oldtimer-Auto gebaut. Denn ein Auto, das so aussieht wie das von Dr. Hope war nirgends zu finden, und Museumsstücke sind zu wertvoll bzw. überhaupt nicht zu bekommen. Außerdem mussten die Darsteller sicher damit fahren können. Trotz der üblichen Probleme wie Zeit und Geld ist es gelungen, dieses Fahrzeug in 20 Tagen zu bauen. Alle an­deren Fahrzeuge wie Kutschen oder Background-Autos wurden von Sammlern und speziellen Filmfahrzeug-Verleihern angemietet und teilweise beschriftet oder so verändert, dass sie authentisch ausse­hen.

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((c) ZDF und Erika Hauri)

Mussten Sie auch Straßen verändern?

Ja. Da es in einem historischen Film kein Set gibt, das man original benutzen kann, mussten alle Kulissen hergestellt bzw. bearbeitet wer­den. Das heißt, die Straßen mussten von Schildern, modernen Lam­pen, Ampeln und Markierungen befreit werden. Klingelschilder wurden entfernt, Verteilerkästen kaschiert, alte Straßenschilder angefertigt und moderne Fenster ausgetauscht oder bearbeitet. Außerdem muss­ten zeitgenössische Gardinen aufgehängt werden, und der Asphalt wurde mit Sand aufgeschüttet.

Wie authentisch sind denn die vielen Alltagsgegenstände?

Bei den Innenausstattungen – viele Sets wurden übrigens in den Ba­varia Filmstudios gebaut – ist eine enge Absprache mit den Kolle­gen von Kostüm und Kamera nötig, um Farbigkeit und Lichtstimmun­gen zu besprechen. Und um die historisch korrekten Tapeten und Stoffe zu finden, wurden Tapeten- und Stoffhersteller in ganz Europa kontak­tiert. Es gibt auch heute noch Firmen, die Repliken aus der da­maligen Zeit herstellen.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Kollegen von der Ausstat­tung, ist sie enger als bei “aktuellen” Filmen?

Das Ausstattungsteam bei einem Film wie “Hope” besteht aus vielen Spezialisten, darunter Tischler, Maler mit speziellen Patina-Kenntnis­sen, Mechaniker, Dekorateure, Näherinnen und Requisiteure. Nur eine enge Zusammenarbeit aller künstlerischen Abteilungen kann die Ziel­setzung eines solchen Projektes erreichen.

Die Interviews führte Jutta Siekmann, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des ZDF

“Dr. Hope”: Wortvogel unter Beschuss

Gepostet am 19. Februar, 2010 um 22:57 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, In Arbeit, Neues, Privates.

Es gibt Dinge, die man über den Journalismus weiß, ganz besonders, wenn man jahrelang selber in dem Bereich gearbeitet hat. Dinge, die man nonchalant als „das ist halt so“ durchwinkt, wenn sie einen nicht selbst betreffen. Dass jeder von jedem abschreibt. Dass die spannende Story allemal wichtiger ist als die wahre Story. Dass Zeit für Recherche ein Luxus ist, den sich kaum noch jemand leistet. Dass es Gefälligkeitsstorys gibt, sogenannte „hit pieces“, mit denen ein bewusster „spin“ unter die Leute gebracht werden soll.

Wie gesagt: Man winkt es durch – solange es einen nicht selbst betrifft.

Aber heute betrifft es mich selbst.

Es geht um eine Angelegenheit, zu der ich bisher geschwiegen habe, weil es ein Non-Thema ist, oder sein sollte. Es gibt keine Geschichte. Es gibt nichts aufzudecken. Das sind nicht die Droiden, die ihr sucht.

Es geht um “Dr. Hope” und die gerade epidemisch von der Presse weiter verbreitete Behauptung einer Historikerin, wir hätten uns an ihrem Werk auf justiziable Weise vergriffen.

Es wird eine Geschichte daraus gemacht. Und die passt oberflächlich prima in den Hegemann-Skandal, und zu der allgemeinen These, dass das geldgierige Fernsehen skrupellos die Geisteswissenschaften plündert, und sich an anderer Leute Arbeit bereichert.

Allein: Es stimmt nicht. Aber darum enthalten die derzeit erscheinenden Artikel auch so viel „soll“, „hat angeblich“, und „behauptet“. Das ganze Konstrukt würde implodieren, wenn sich nur ein Schreiberling mal die Mühe machen würde, die Fakten zu recherchieren, oder sich Grundlagenwissen zum Thema Plagiat und Copyright anzueignen. Kann man aber augenscheinlich nicht erwarten.

Ich erzähle jetzt einfach mal das, was ich erzählen kann, ohne mich in juristisch halsbrecherisches Fahrwasser zu begeben – in der Hoffnung, dass wenigstens ein Journalist, der die Story übernehmen will, auch mal die Hintergründe googelt. Vielleicht bin ich naiv.

Wie schon an anderer Stelle berichtet (und nie bestritten), sind Katrin Tempel (damals Kaiser) und ich durch eine Ausstellung auf die Figur der Hope Adams-Lehmann gestoßen. Es gibt eine exzellente Biographie der Frau, diverse weitere Bücher (darunter eines über Prozesse, die gegen sie angestrengt wurden), und unzählige Original-Unterlagen in den deutschen Archiven, u.a. in der Monacensia. Hinzu kommt Hopes eigenes Frauenbuch, das wir aus Osteuropa antiquarisch beziehen konnten. Katrin reiste auch nach Nordrach, wo Hope mit ihrem ersten Mann vor mehr als 100 Jahren ein Sanatorium eröffnet hatte. Insgesamt vier Jahre lang haben wir recherchiert, und die Story in immer neuen Variationen für einen Zweiteiler zusammen geschraubt.

Daraus entstand die „wahre Geschichte“ von Hope Adams-Lehmann – natürlich als Fiktion erzählt (es hat ja niemand neben ihr gestanden und ihre Gespräche mit dem Tonband aufgezeichnet). Sie ist so wahr, wie „Der Untergang“ wahr ist zum Thema Hitler. Oder „Apollo 13“ wahr ist zum Thema Apollo 13. Der TV-Film weicht dabei deutlich mehr von der Realität ab als das u.a. auf meinem Drehbuch basierende Roman-Skript von Katrin. Das liegt daran, dass wir für den Zweiteiler erheblich mehr straffen mussten, Figuren zusammen gelegt wurden (Hope hat im Film nur ein Kind, in Wahrheit hatte sie zwei), und ganze Teile von Hopes Leben (politisches Engagement, zweisprachiger Kindergarten) keinen Platz fanden. Katrin konnte für den Roman Elemente aus früheren, längeren Drehbuchfassung wieder übernehmen, und Straffungen wieder ausbreiten.

Daran ist nichts auszusetzen. Das ist normal. Es ist Fiktion. Der Zweiteiler ist keine Dokumentation, der Roman kein Sachbuch.

Es schien uns von Anfang an sinnvoll, kompetente Beratung zu haben, um die historischen Hintergründe so detailgenau wie möglich darstellen zu können. Nicht notwendigerweise „wahr“ – wir müssen uns an das halten, was auch dramaturgisch funktioniert, und das hat bei einer Fiction-Produktion Vorrang vor der historischen Realität. Trotz aller Recherche bin ich kein Historiker, und erhebe auch nicht den Anspruch. Darum wurde der Historikerin, die die größte „Hope“-Biographie geschrieben hatte, von uns als Beraterin der Produktionsfirma vorgeschlagen. Wir hofften darauf, dass sie uns bei den Details zur Seite stehen könne, für ein Honorar, eine Erwähnung im Nachspann, eine Danksagung. Vielleicht waren wir da naiv.

Dummerweise war die Historikern nach ersten Gesprächen mit der Produktionsfirma (bei denen wir nicht zugegen waren) plötzlich der Meinung, sie habe quasi ein „Copyright“ auf das Leben von Hope Adam-Lehmann. Ihr Sachbuch (eine Quelle von fast unendlich vielen) erklärte sie wohl kurzerhand zur Vorlage meines Drehbuchs (grober Unfug, das), und wollte nicht nur eine beträchtliche Summe Geld, sondern auch noch „Creator“-Credits mit weitreichenden Befugnissen. Die Produktionsfirma sah das allerdings anders – nämlich im Einklang mit der aktuellen Rechtslage.

Kleiner, aber wichtiger, Schlenker: Historische Fakten und Personen sind nicht schützbar, enthalten als solche keine schützenswerte kreative Eigenleistung. Wenn ich morgen eine Biographie über Charles Darwin schreibe, gehören mir die darin präsentierten Daten und Fakten nicht, und ich kann für sie kein Copyright geltend machen, und andere Werke über Darwin für mich reklamieren. Es würde jede Geschichtsschreibung ad absurdum führen. Das ist nicht nur selbstverständlich, notwendig, und auch im „Tannöd“-Prozess vom Gericht gerade wieder bestätigt worden – es sollte auch Allgemeinwissen sein. Bei Historikern wie bei Journalisten.

Seit die Produktionsfirma ihre Forderungen zurückgewiesen hat, versucht die Historikerin nun, unserem Projekt ins Kreuz zu treten, in dem sie überall verbreitet, man habe sie um ihre Arbeit betrogen. Sie dreht dabei die Fakten recht geschickt so, dass sie als Opfer da steht – z.B. wird beklagt, dass ihr im Roman nicht einmal gedankt worden sei. Das ist richtig, aber nur die halbe Wahrheit: Die Danksagung wurde ihr mehrfach angeboten. Nur leider war sie nicht bereit, im Gegenzug von ihren Attacken gegen eben diesen Roman abzusehen. Sie wollte die Danksagung – und das Werk gleichzeitig beschädigen.

Bei dem TV-Zweiteiler ist ihre Argumentation ebenso schizophren, wie man im Münchner Merkur sehr schön erkennen kann: Einerseits behauptet sie, es sei quasi alles von ihr abgeschrieben (ohne zu erklären, wie ein Drehbuch mit seiner Narrative und seinen Dialogen von einem Sachbuch abgeschrieben sein kann), andererseits beschwert sie sich, vieles sei „extrem verfälschend“ dargestellt. Diese Behauptung wiederholt sie auch im Vorwort der aktuellen Ausgabe ihres Buches, das ebenfalls zur Schlammwerferei herhalten muss. Beides kann kaum sein, und es wirft die Frage auf: Was soll denn verfälscht worden sein? Die künstlerische Freiheit, Hopes Leben für die Verfilmung dramaturgisch anzupassen, wird wohl kaum in die Zuständigkeit der Historikerin gehören.

Ich sage es noch einmal, weil es genau der Punkt ist, den die Autoren der genannten Artikel nicht hören wollten, weil es ihnen ihre sexy Story kaputt gemacht hätte: Historische Fakten sind nicht schützbar, ein Sachbuch ist kein Roman, und „Dr. Hope“ ist weder die Adaption noch die Verfilmung eines Sachbuches (oder einer anderen Quelle).

Es ist kein „neuer Hegemann-Fall“, weil nicht plagiiert werden kann, was vor dem Gesetz nicht plagiierbar ist. Ich selber habe eine klare Meinung zu „Axolotl Roadkill“: abschreiben ohne Quellenangabe gilt nicht. Das ist unredlich und unfair. So Theorien wie „mashup“ oder „remix“ können mir den Buckel runter rutschen – in 20 Jahren und ebenso vielen Büchern hatte ich es nie nötig, mich bei den Formulierungen und Ideen anderer Autoren bedienen zu müssen. Wäre ja noch schöner. Und genau so haben wir uns auch nicht bei den Ideen und Formulierungen der Historikerin bedient. Das kann jeder nachlesen, der es möchte. Es tut nur keiner.

Und damit kommen wir zum eigentlichen Thema zurück, dem derzeitigen journalistischen System. Der Artikel in der SZ hat mir weh getan, weil ich das Blatt für eigentlich sehr seriös halte, und mich diese Form von Gefälligkeitsschreiberei schon überraschte. Der Autor sprach am Abend vor der Veröffentlichung mit mir, war aber nicht bereit, mit Katrin Tempel, der Produktionsfirma, oder dem Sender zu sprechen. Er ging auch auf meine Erklärungen gar nicht ein, sondern betonte immer wieder, er sei selbst Historiker, und könne die Empörung der Kollegin verstehen. Nun mag man (wenn man will) die Empörung verstehen, aber das sagt immer noch nichts über die Legitimität des Anspruchs. Im vorletzten Absatz des Artikels muss der Autor, nachdem er böse (und abfällig) gegen die Arbeit von Katrin und mir getrommelt hat, selber zugeben, dass der Vorwurf auf nicht einmal tönernen Füßen steht: „Grundsätzlich ist wohl wenig dagegen zu machen, wenn Zweitverwerter wichtige historische Stoffe verhackstücken“. Aha.

Ich hakte den Artikel als Enttäuschung ab, weil ich sowas von der ehrenwerten SZ nicht erwartet hatte. Das muss der „Journalist“ mit sich selber ausmachen. Es wurde nur immer deutlicher, dass es keinen wirklichen formulierten Vorwurf gab. Was GENAU hatten wir denn nun eigentlich Schändliches getan? Nachdem historische Fakten keine schützenswerten kreativen Eigenleistungen sind, kann es ja kaum ein Plagiat sein. Und die fehlende Anerkennung der Leistung der Historikern geht ja ursächlich auf ihre eigene konfrontative Strategie zurück – ich hätte mich gefreut, eng mit ihr zusammen zu arbeiten, und sie dafür auch entsprechend zu würdigen.

Ich komme mir langsam vor wie der Angeklagte in Kafkas „Der Prozess“, der keine Ahnung hat, was man ihm vorwirft, und der sich deshalb auch nicht verteidigen kann. Eine Anklage oder Anzeige gegen “Dr. Hope” liegt meines Wissens nach jedenfalls nicht vor.

Mitte der Woche rief dann eine Dame vom „Münchner Merkur“ an, die außer der Tatsache, dass sie wohl seitens der Historikern angespitzt worden war, keinerlei Hintergrundwissen mitbrachte. Den Roman hatte sie nicht gelesen, den Zweiteiler auch nicht gesehen. Als ich meinte, dass es doch besser wäre, wenn sie sich erstmal schlau mache, erklärte sie mir, der Zweiteiler sei ja noch nicht gelaufen – das ZDF verschickt allerdings seit Wochen an jeden Journalisten, der danach fragt, eine Screener-DVD. Die Tatsache, dass es sich bei „Dr. Hope“ um einen Roman und einen TV-Film handelt, und damit eine FIKTIVE Aufarbeitung einer historischen Figur, schien ihr nicht klar.

Interessant war auch die immer wiederholte Frage der Journalistin, was mich als „Science Fiction und Fantasy-Autor“ für „Dr. Hope“ qualifiziere – als ob ich das rechtfertigen müsse. Ich wies sie darauf hin, dass ich als Drehbuchautor wie ein Journalist arbeite – ich arbeite mich in ein Thema ein. So wie ein Journalist, der für einen Artikel über Gärtnerei kein ausgebildeter Landschaftsarchitekt sein muss. Die Reduzierung meiner Arbeit auf „Science Fiction und Fantasy“-Autor hatte die Journalistin übrigens „bei Wikipedia gelesen“ (schon der Blick in meine Bio auf meinem Blog wäre wohl zuviel der Recherche gewesen).

Die Frage, was eine Historikern denn qualifiziert hätte, ein fiktionales Drehbuch zu schreiben, blieb unbeantwortet. Oder die Frage, was genau der rechtlich relevante Vorwurf sein soll.

Bald fiel natürlich das Stichwort „Hegemann“. Ich erklärte ihr seufzend die Rechtslage – mit Hegemann ist das nicht vergleichbar, allenfalls mit „Tannöd“. Und bei „Tannöd“ hat der Autor des Sachbuches (natürlich) verloren. Weil historische Fakten – seufz – nicht schützbar sind. Als ich die Journalistin bat, statt der  hingenommenen Behauptung der Historikerin doch einfach mal einen Anwalt zu fragen, was denn die Tatsachen sind, legte sie einfach auf. Und mir schwante: Es wird nicht erzählt, was zu erzählen ist, sondern was sich als sexy „Täter/Opfer“-Geschichte verkaufen lässt.

Und so ist der Artikel auch erschienen – mit vielen relativierenden „soll“, „angeblich“, und „womöglich“. Tenor: Arme Historikerin von skrupellosen TV-Schreiberlingen über den Tisch gezogen. Und schon meldet „turi2“: „Das Drehbuch des TV-Zweiteilers “Dr. Hope – Eine Frau gibt nicht auf” mit Heike Makatsch in der Hauptrolle soll teilweise identisch sein mit einer Biographie, die von der bayerischen Historikerin Marita Krauss verfasst wurde.“

Es ist nicht wahr. Aber es liest sich gut. So schnell wird aus einer Ähnlichkeit dann auch „teilweise identisch abgeschrieben“. Was nicht stimmt, und für jeden überprüfbar ist, der sich die in jedem Buchladen erhältlichen Werke mal durchliest. Aber wer hat schon die Zeit? Journalisten bestimmt nicht.

So bleibt ein „Fall“, der keiner ist – und der massive Versuch, meine Reputation (und die meiner Koautorin) zu schädigen. Wir haben nicht abgeschrieben. Wir haben recherchiert. Wie das jeder gute Autor tut. Es wurden keine Ideen und Formulierungen aus irgendeiner Quelle übernommen. Wir haben zu jeder Zeit unsere Quellen offen gelegt, und „Dr. Hope“ ist eine 100prozentige kreative Eigenleistung. Wir dulden keinen Versuch, diese zu kapern. Rechtliche Schritte behalten wir uns nicht nur vor, wir gehen sie auch.

Aber das will wohl keiner hören.

Mir wurde nun klar, dass meine Strategie, offensichtlich tendenziellen Journalisten, die ihre Story schon fertig haben, meine Zitate nicht freizugeben, nach hinten losgeht. Damit ist die einzige laute Stimme da draußen die der Historikerin – und die bleibt unwidersprochen.

Ich habe viel über Journalismus gelernt in dieser Woche – und wenig, was ich wissen wollte.

Das hier ist meine Seite der Geschichte. Glaubt, was ihr für richtig haltet. Ich werde kämpfen.