“Dr. Hope”: Waffenruhe

Gepostet am 12. März, 2010 um 14:24 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, In Arbeit, Neues, Privates.

45034-0-07

((c) ZDF und Erika Hauri)

Die SZ hat es eben vermeldet:

“”Dr. Hope”: Lösung in Sicht

(…) Danach erhält Krauss 15 000 Euro “als Abgeltung der wissenschaftlich-publizistischen Leistung, die in Auffindung und Darstellung des verfilmten Stoffes liegt”; so seien alle etwaigen Rechte Krauss” an der Verwertung des Films und eines Begleitromans abgegolten, sie erhebe keinen Plagiatsvorwurf (…)  tyc”

Nochmal fürs Protokoll: “sie erhebe keinen Plagiatsvorwurf“.

Am Ende musste die Gegenseite einsehen, dass der Plagiatsvorwurf nicht halt- oder belegbar ist, und hat gar nicht erst Anzeige erstattet. Aus dem Skandal wurde plötzlich wieder eine Verhandlungssache, und was noch vor zwei Jahren unverschämt und inakzeptabel war, schien der Gegenseite plötzlich fair und angemessen. Schau an.

Damit ist die hässliche Angelegenheit ausgestanden, der Vorwurf hinfällig, und ich kann mich wieder mit Sachen beschäftigen, die tatsächlich relevant sind. Zum Beispiel dem Badmovies-Forumstreffen in Nürnberg an diesem Wochenende.

Es ist kein fauler Kompromiss, ganz im Gegenteil. Schon in unserem Autorenvertrag hatten wir die Bitte eintragen lassen, Frau Krauss als Beraterin zu würdigen. Ihr erinnert euch vielleicht:

Darum wurde der Historikerin, die die größte „Hope“-Biographie geschrieben hatte, von uns als Beraterin der Produktionsfirma vorgeschlagen. Wir hofften darauf, dass sie uns bei den Details zur Seite stehen könne, für ein Honorar, eine Erwähnung im Nachspann, eine Danksagung.

Es wurde ihr Geld für ihre Quellenarbeit und ein Credit angeboten.

Das lehnte sie unter allerlei Forderungen und Drohungen ab. Sie wollte mehr. Viel mehr.

Jetzt bekommt Geld für ihre Quellenarbeit und einen Credit.

Weniger Geld, als sie bekommen hätte, wenn sie vor zwei Jahren unterschrieben hätte. Sie bekommt auch keine Rechte an der Figur Hope. Den Vorwurf des Plagiats muss sie zurückziehen. Den Zweiteiler in ihrem Sinne zu beraten und zu beeinflussen, die Chance hat sie ebenfalls vertan. Sie wurde beim Filmfest nicht auf die Bühne geladen, bei den Pressekonferenzen nicht als Fachfrau präsentiert. Das muss schal schmecken, und weh tun.

Sie hätte es einfacher haben können – ohne Drohungen, ohne Verleumdungen, ohne Schmierkampagne in der Presse. Das Ergebnis wäre dasselbe gewesen. Sogar besser noch: Hofmann & Voges hätte ihr sicher mehr geboten, hätte man nicht in den letzten Wochen beträchtliche Honorare an Anwälte zahlen müssen, die gegen die Vorwürfe vorgehen.

Auch der Sache ist nicht gedient: Da Frau Krauss explizit keine Rechte an dem Stoff zugesprochen bekommt, ist kein Präzedenzfall für andere Sachbuchautoren und Biographen geschaffen worden. Ihre kreative Eigenleistung wurde weder anerkannt, noch vergütet.

Viel Lärm um nichts also? Na ja, ich fühle mich wohler damit, dass die primäre Quelle unserer Recherchen entsprechend gewürdigt wird. Ich habe ihr das ja nie missgönnt. Noch vor drei Wochen habe ich in einem Interview mit dem Münchner Merkur betont:

Meine Mit-Autorin Katrin Tempel hat Frau Krauss kontaktiert, weil wir so begeistert waren von dem Stoff und der Arbeit, die sie geleistet hat, dass wir unbedingt mit ihr zusammenarbeiten wollten.

Die Pressekampagne werde ich Frau Krauss allerdings nicht verzeihen. Das war niederträchtig und verlogen. Letztlich ineffektiv, aber trotzdem niederträchtig.

Ich bin auch froh, dass der Plagiats-Vorwurf aus der Welt ist. Wer mich kennt weiß, dass ich sowas nicht nötig habe. Oder zumindest nicht dumm genug wäre zu glauben, ich käme damit durch.

sie erhebe keinen Plagiatsvorwurf

Ich bin sauber. Und jetzt habe ich es auch schriftlich.

Besonders dankbar bin ich den Lesern meines Blogs, die daran nicht gezweifelt haben.

Teuer – aber jeden Cent wert

Gepostet am 10. März, 2010 um 18:17 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues, Privates.

Ich reise viel, mache mir aber keine nennenswerten Gedanken über mein Gepäck. Ich bin keiner dieser Fanatiker, die auf Gedeih und Verderb ihre Habseligkeiten für 3 Wochen Alaska in ein Handgepäck-Stück kriegen müssen, nur um triumphierend am Rest des Plebs vorbei zu schlendern, der nach der Ankunft am Laufband steht.

In den 90er Jahren bin ich fast nur mit Reisetasche und/oder Seesack unterwegs gewesen. Ging auch. Als ich in Los Angeles mal eine übergroße Menge Jeans, T-Shirts, und Socken gekauft hatte, legte ich mir eher aus Notwendigkeit einen Trolley zu – Preis bei einem dieser Billigläden am Venice Beach: 18 Dollar. Schwarzes Nylon, viele Taschen, erweiterbar, und mit zwei Rollen untendran. Passt.

Dieser Trolley hat mir über 10 Jahre gute Dienste erwiesen. Er ist zwar mittlerweile etwas abgenutzt, aber er funktioniert. Mehr habe ich bisher auch nicht erwartet.

Trotzdem: In meinem Kopf spukte seit einiger Zeit die Idee, mir mal einen “richtig guten” Trolley anzuschaffen. Von einer Marke. Samsonite oder so. Angesichts der 18 Dollar, die ich für meinen Oldie bezahlt hatte, rechnete ich mit 80, 100 Euro. Soll ja auch lange halten.

Ein Besuch in einem Fachgeschäft im Wertheim Village verursachte Herzflattern, und brachte mich krachend wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: Die drei Trolleys, die mir gefielen, fingen nicht unter 400 Euro an. 400 Euro! Das sind 800 Mark! Für einen Koffer ohne was drin! Und es geht noch teurer!

(mehr…)

Kurze Oscar-Gedanken

Gepostet am 8. März, 2010 um 07:45 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Ich habe die Verleihung nicht geschaut. Ich finde das nicht spannend, mein Schlaf ist mir wichtiger, und blöderweise liege ich auch meistens meilenweit daneben mit meinen Voraussagen. Es ist allemal ausreichend, morgens beim Frühstück die Tabelle mit den Gewinnern zu studieren.

Dieses Jahr kann ich nur sagen: Respekt. “Hurt Locker” als bester Film und beste Regie, das entspricht meinem Verständnis von Fairness. Und dass “Avatar” alle relevanten technischen Oscars bekommen hat, ist genauso gerechtfertigt wie die Tatsache, dass ihm die wirklich wichtigen Auszeichnungen versagt blieben. Ich hätte vermutlich den Rest des Tages mit den Zähnen geknirscht, wenn dieses Öko-Eso-Wellness-Spektaktel als bester Film des Jahres 2009 in die Geschichte eingegangen wäre.

Christoph Waltz? Freut mich. War aber nun wirklich keine Überraschung. Sandy Bullock? Das hätte ich nicht gedacht – harte Konkurrenz, eher banaler Film. Ich gönne ihr die Statue, weil sie die Chuzpe hatte, am Tag zuvor die Goldene Himbeere für “All about Steve” persönlich in Empfang zu nehmen. Ob Jeff Bridges seinen Oscar nur wegen der darauf angelegten Kampagne bekommen hat, ist mir egal – er hätte ihn früher schon verdient.

Anzumerken sei, dass Waltz vor ein paar Jahren noch in einer Handvoll Schundstreifen des von mir verehrten, und leider 2009 verstorbenen Harry Alan Towers mitgespielt hat: “Terror im Orient Express”, “She”, “Queen’s Messenger”, “Dorian”.

Es fällt auf, dass die zwei am meisten geehrten Filme (“Hurt Locker” und “Push”) mit sehr amerikanischen Sujets in Deutschland kaum Wellen gemacht haben.

Eben wollte ich allerdings zum Mörder werden: Bei mir lief (eher zufällig) der Lokalsender Radio NRJ. Da brachte es die launige, aber unerträglich inkompetente Moderatorin fertig, Kathryn Bigelow (“Near Dark”, “Blue Steel”, “Point Break”) als “praktisch unbekannte Regisseurin” und “junge Frau” (sie ist 59) zu bezeichnen. Den Namen konnte sie auch nicht aussprechen.

Ich verlange ein interaktives Feature, über das man diese merkbefreiten Äther-Schwätzer auf die Schnauze hauen kann…

Journalismus 2010: Drecksarbeit

Gepostet am 27. Februar, 2010 um 16:44 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Wenn ich mir die Meldungen der letzten Wochen so ansehe, dann muss ich mir selbst eingestehen, 20 Jahre lang naiv gewesen zu sein: Schmierenkampagnen scheinen ebenso an der Tagesordnung zu sein wie Bespitzelungen, und eine Branche verlangt nach Bestandsschutz, die nicht mal mehr die eigenen Mindeststandards erfüllt, mit denen sie sich angeblich von Bloggern und Online-Medien abhebt.

Mir sind diese Woche gleich zwei Dinge widerfahren, die aktuelle Probleme der gedruckten Presse dokumentieren, ohne gleich hochtrabende Begriffe wie “Qualitätsjournalismus” oder “redaktionelle Autonomie” zu strapazieren.

landideeFall 1: Ich schreibe für die “LandIdee”. Das ist bekannt. Ein wertiges Heft, und wirklich befreiend, weil es grundsätzlich um positive Dinge geht, um das Schöne im und am Leben. Leser, Schreiber und Beschriebene bilden eine wohlfühlige Einheit, es ist eine win-win-win-Situation, die ohne Enthüllungen, üble Nachrede, und Panikmache auskommt. “LandIdee” ist gut für mein journalistisches Karma. Viel Arbeit ist es trotzdem.

Derzeit rödeln wir fleißig an der neuen Ausgabe, und dafür telefoniere ich ständig in der Republik herum, um alte Werkstätten und Familienbetriebe zu finden, die wir porträtieren können. Meistens ergibt sich eine freundliche, manchmal sogar herzliche Zusammenarbeit, die sich in liebevollen Reportagen niederschlägt.

Doch bei zwei möglichen Betrieben, über die wir eine Geschichte machen wollten, wurde ich mit einer skeptischen Zurückhaltung konfrontiert, die in fast identisch gestellten Fragen mündete: “Was soll uns das denn kosten, wenn Sie über uns berichten?”

Es stellt sich heraus, dass die Firmen mehrfach, manchmal sogar regelmäßig, von “Journalisten” kontaktiert werden, die einen Deal bieten: Berichterstattung gegen Geld, oder – juristisch sauberer – gegen Anzeigenschaltung. Es gibt auch die Variante mit dem Buch: Ein Betrieb wird in einem Prachtband über seine Region gefeatured. Dafür verpflichtet er sich, dem Verlag 100 Bücher abzukaufen. Bei 100 porträtierten Betrieben ist das eine exzellente verkaufte Auflage von 10.000 Stück, und das ohne wirtschaftliches Risiko. Das Geschäftsmodell ist üblicher, als man denken (und hoffen) sollte.

Nun höre ich nicht das erste Mal, dass “Berichterstattung gegen Anzeige” in der Printbranche kein Tabu ist. Gerade in Service-Zeitschriften, die Produkte vorstellen (Autos, Stereoanlagen, Videospiele) ist das gang und gäbe. Mehr noch: Auch die Bewertung der Produkte wird an das Anzeigenaufkommen geknüpft. Im Videospiel-Bereich werden Tester mitunter nur dann mit Mustern bestückt, wenn sie versprechen, dass der Titel eine Top-Wertung bekommt. Manchmal wehren sich die Kollegen, oft wird es aber auch als notwendiges Übel hingenommen.

Pfeif auf Begriffe wie Standesehre und journalistischer Auftrag: Ich habe keine Ahnung, wie manche Kollegen es mit ihrem simplen Selbstverständnis vereinbaren, ihre Arbeit und ihr Integrität derart schäbig zu verhökern. Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten können doch nicht alles rechtfertigen.

Für mich kommt sowas nicht in Frage. Hätte ich im Auftrag von Firmen Waren unters Volk bringen wollen, wäre ich in die Werbung gegangen. In beiden Fällen habe ich den Betrieben versichert, dass wir kein Interesse an einer solchen “Kooperation” haben – wir berichten im Interesse unserer Leser, und das ist nicht käuflich. Sichtliche Erleichterung war die Reaktion, und das Resultat sind bezaubernde Reportagen, die in der nächsten LandIdee (kommt Ende März) zu lesen sein werden.

TVsuendeFall 2: Ich schreibe für die “TV Sünde”. Das ist bekannt. Ein Radau-Heft der fast schon satirischen Sorte, rüde im Ton, luderig im Bild, und mit einer hohen Preis/Möpse-Ratio für Leute, die ihre TV-Zeitschrift “nach Gewicht” kaufen (darf’s ein bisschen Fleisch mehr sein?). So wie die LandIdee gut für mein journalistisches Karma ist, so wird die TV Sünde mich in die Hölle bringen. Aber es macht Spass, auch mal über Rockstars und ihre Penisse zu schreiben. Die TV Sünde ist vielleicht kein Sturmgeschütz der Demokratie, aber sie ist “harmless fun” für eine Leserschaft, die in jedem Werbeblock nach Mitternacht rüdere Kost geboten bekommt.

Nun war ich kürzlich in den USA unterwegs, und stolperte bei meinen “Recherchen” (ähem) auch in ein Etablissement der “Coyote Ugly”-Kette. Franchise hin oder her: Diese Saloons mit dem billigen Bier und den sexy Girls hinter dem Tresen haben mir gefallen. Irgendwann dachte ich: Schicke Grundlage für einen Artikel in der TV Sünde. Dann kann ich sogar das Bier absetzen, und die zwei Dollar, die ich beim “booze ball” verloren habe.

Grundlage jedes Artikels in der TV Sünde sind die Fotos – da ist das Heft nicht anders als die LandIdee. Wir kontaktierten also Coyote Ugly USA und Coyote Ugly Deutschland mit der Bitte um Pressefotos. Ich beschrieb den Amerikanern unser Heft folgendermaßen: “We have a few nude and semi-nude pictorials, but nothing too raunchy (that would get us banned from distribution, anyway). The articles mainly focus on cool places to go, how to look good for the ladies, and crazy sex laws from around the world. Harmless fun, really. We have done a similar feature with “Trashy Lingerie” from Los Angeles recently, an both parties were really happy with the result.

Außerdem schickte ich noch einen aktuellen Cover-Scan, damit die US-Boys wussten, womit sie es zu tun hatten. Wir schämen uns für die TV Sünde nicht, und vermarkten sie deshalb auch nicht “sauberer”, als sie tatsächlich ist.

Tatsächlich bekamen wir einen ganzen Haufen toller Bilder von den Bars und den Babes, alles jugendfrei, versteht sich. Eine Kollegin besorgte noch ein paar weniger professionelle, aber allemal verwertbare Fotos aus den beiden deutschen Dependancen von “Coyote Ugly”. Sie versprach dem deutschen Lizenzbesitzer, er könne vor dem Abdruck einen Blick auf den Artikel werfen, um sicherzugehen, dass seiner Franchise dadurch kein Schaden entstehe. Das ist okay, und nicht unüblich. Quid pro quo.

Nun geschah ein blöder Fehler: Eine andere Kollegin schickte das Layout des Artikels als PDF zum Lizenznehmer mit der Notiz, der Artikel könne nun abgenommen werden. Problem: Der Text war noch Blindtext aus einer alten Ausgabe (was über Sexsucht bei Promi-Schauspielern, wenn ich mich recht erinnere), der richtige Text noch gar nicht geschrieben. Erbost rief der Lizenznehmer an und polterte, in dem “Artikel” kämen die Bars ja gar nicht vor. Ich erklärte ihm die Sachlage, bat um Verzeihung für den Fehler, machte aber auch klar, dass ich ihm sowieso nicht die Hoheit einräumen könne, den Tenor oder die einzelnen Formulierungen des Artikels zu bestimmen. Da bin ich bei der TV Sünde so strikt wie beim SPIEGEL.

Trotz aller testosteron-geschwängerten Streitigkeiten einigten wir uns schließlich darauf, dass der Artikel erscheinen können, sofern er vorab vom Lizenznehmer abgesegnet würde. Es wurde auch Zeit, denn das Heft sollte in Druck gehen. Angesichts meiner Begeisterung für die “Coyote Ugly”-Bar schrieb ich einen sehr positiven Text mit deutlich werbendem Charakter und einem besonderen Fokus auf der Tatsache, dass es sich bei aller Sexyness eben nicht um einen Bumsschuppen handelt, in dem man die Bargirls abschleppen darf. Titel: “Die heissteste Theke der Welt”

An dem Tag, an dem das Heft in Druck gehen sollte, kippte der Lizenznehmer den Beitrag. Warum? Es lag nicht an meinem Artikel. Konnte es ja auch nicht, der war respektvoll und enthusiastisch. Ich kann nur vermuten, dass sich der zuständige Herr endlich mal eine TV Sünde am Kiosk gekauft hatte – denn man wollte plötzlich “in so einem Umfeld” (ich paraphrasiere) nicht präsentiert werden.

Nun hätte er sich vorher schlau machen, und die Kooperation gleich von Anfang an ablehnen können. Hat er nicht. Man hat kooperiert, ohne sich zu informieren. Uns am Tag vor Druck ins Kreuz zu treten ist nicht gerade im “spirit” einer guten Zusammenarbeit. Wir haben von Anfang an mit offenen Karten gespielt, und der Artikel ist so positiv, wie er nur sein kann. Aber egal: Ohne die lizensierten Bilder war der Beitrag undruckbar, und genau diesen Hebel nutzte der Lizenznehmer.

Binnen von zwei Stunden musste ich eine doppelseitige Alternative finden, recherchieren, bildmäßig ausstatten, und schreiben – so kam es zu dem oben genannten Beitrag über “Rockstars und ihr bestes Stück” (der ziemlich gut geworden ist). Brutal, aber es braucht schon mehr, um mich aus der Ruhe zu bringen.

Was lernen wir daraus? So wie es viele Journalisten gibt, die sich mittlerweile auch als Anzeigenakquise ihres Verlages sehen, so gibt es viele kommerzielle Partner, die ernsthaft glauben, sich redaktionell einmischen zu können/dürfen/müssen. Für die ist “win-win” ein Deal, bei dem beide gewinnen – nur der Leser wird halt angeschmiert. Auf beiden Seiten ist der Respekt vor dem journalistischen Produkt erodiert, es ist zur reinen Rohmasse verkümmert, in die jeder seine Interessen und Vorgaben injizieren kann.

Mir bleibt als letzte Bastion der journalistischen Weißweste dieser Blog, und erfreulicherweise kann mir niemand verbieten, meinen gekippten Text zur “Coyote Ugly”-Bar hier zu posten. Das werde ich dieser Tage machen. Und zu den Bildern kann ich dann ja verlinken. Bätsch.

“Dr. Hope”: Wortvogel unter Beschuss

Gepostet am 19. Februar, 2010 um 22:57 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, In Arbeit, Neues, Privates.

Es gibt Dinge, die man über den Journalismus weiß, ganz besonders, wenn man jahrelang selber in dem Bereich gearbeitet hat. Dinge, die man nonchalant als „das ist halt so“ durchwinkt, wenn sie einen nicht selbst betreffen. Dass jeder von jedem abschreibt. Dass die spannende Story allemal wichtiger ist als die wahre Story. Dass Zeit für Recherche ein Luxus ist, den sich kaum noch jemand leistet. Dass es Gefälligkeitsstorys gibt, sogenannte „hit pieces“, mit denen ein bewusster „spin“ unter die Leute gebracht werden soll.

Wie gesagt: Man winkt es durch – solange es einen nicht selbst betrifft.

Aber heute betrifft es mich selbst.

Es geht um eine Angelegenheit, zu der ich bisher geschwiegen habe, weil es ein Non-Thema ist, oder sein sollte. Es gibt keine Geschichte. Es gibt nichts aufzudecken. Das sind nicht die Droiden, die ihr sucht.

Es geht um “Dr. Hope” und die gerade epidemisch von der Presse weiter verbreitete Behauptung einer Historikerin, wir hätten uns an ihrem Werk auf justiziable Weise vergriffen.

Es wird eine Geschichte daraus gemacht. Und die passt oberflächlich prima in den Hegemann-Skandal, und zu der allgemeinen These, dass das geldgierige Fernsehen skrupellos die Geisteswissenschaften plündert, und sich an anderer Leute Arbeit bereichert.

Allein: Es stimmt nicht. Aber darum enthalten die derzeit erscheinenden Artikel auch so viel „soll“, „hat angeblich“, und „behauptet“. Das ganze Konstrukt würde implodieren, wenn sich nur ein Schreiberling mal die Mühe machen würde, die Fakten zu recherchieren, oder sich Grundlagenwissen zum Thema Plagiat und Copyright anzueignen. Kann man aber augenscheinlich nicht erwarten.

Ich erzähle jetzt einfach mal das, was ich erzählen kann, ohne mich in juristisch halsbrecherisches Fahrwasser zu begeben – in der Hoffnung, dass wenigstens ein Journalist, der die Story übernehmen will, auch mal die Hintergründe googelt. Vielleicht bin ich naiv.

Wie schon an anderer Stelle berichtet (und nie bestritten), sind Katrin Tempel (damals Kaiser) und ich durch eine Ausstellung auf die Figur der Hope Adams-Lehmann gestoßen. Es gibt eine exzellente Biographie der Frau, diverse weitere Bücher (darunter eines über Prozesse, die gegen sie angestrengt wurden), und unzählige Original-Unterlagen in den deutschen Archiven, u.a. in der Monacensia. Hinzu kommt Hopes eigenes Frauenbuch, das wir aus Osteuropa antiquarisch beziehen konnten. Katrin reiste auch nach Nordrach, wo Hope mit ihrem ersten Mann vor mehr als 100 Jahren ein Sanatorium eröffnet hatte. Insgesamt vier Jahre lang haben wir recherchiert, und die Story in immer neuen Variationen für einen Zweiteiler zusammen geschraubt.

Daraus entstand die „wahre Geschichte“ von Hope Adams-Lehmann – natürlich als Fiktion erzählt (es hat ja niemand neben ihr gestanden und ihre Gespräche mit dem Tonband aufgezeichnet). Sie ist so wahr, wie „Der Untergang“ wahr ist zum Thema Hitler. Oder „Apollo 13“ wahr ist zum Thema Apollo 13. Der TV-Film weicht dabei deutlich mehr von der Realität ab als das u.a. auf meinem Drehbuch basierende Roman-Skript von Katrin. Das liegt daran, dass wir für den Zweiteiler erheblich mehr straffen mussten, Figuren zusammen gelegt wurden (Hope hat im Film nur ein Kind, in Wahrheit hatte sie zwei), und ganze Teile von Hopes Leben (politisches Engagement, zweisprachiger Kindergarten) keinen Platz fanden. Katrin konnte für den Roman Elemente aus früheren, längeren Drehbuchfassung wieder übernehmen, und Straffungen wieder ausbreiten.

Daran ist nichts auszusetzen. Das ist normal. Es ist Fiktion. Der Zweiteiler ist keine Dokumentation, der Roman kein Sachbuch.

Es schien uns von Anfang an sinnvoll, kompetente Beratung zu haben, um die historischen Hintergründe so detailgenau wie möglich darstellen zu können. Nicht notwendigerweise „wahr“ – wir müssen uns an das halten, was auch dramaturgisch funktioniert, und das hat bei einer Fiction-Produktion Vorrang vor der historischen Realität. Trotz aller Recherche bin ich kein Historiker, und erhebe auch nicht den Anspruch. Darum wurde der Historikerin, die die größte „Hope“-Biographie geschrieben hatte, von uns als Beraterin der Produktionsfirma vorgeschlagen. Wir hofften darauf, dass sie uns bei den Details zur Seite stehen könne, für ein Honorar, eine Erwähnung im Nachspann, eine Danksagung. Vielleicht waren wir da naiv.

Dummerweise war die Historikern nach ersten Gesprächen mit der Produktionsfirma (bei denen wir nicht zugegen waren) plötzlich der Meinung, sie habe quasi ein „Copyright“ auf das Leben von Hope Adam-Lehmann. Ihr Sachbuch (eine Quelle von fast unendlich vielen) erklärte sie wohl kurzerhand zur Vorlage meines Drehbuchs (grober Unfug, das), und wollte nicht nur eine beträchtliche Summe Geld, sondern auch noch „Creator“-Credits mit weitreichenden Befugnissen. Die Produktionsfirma sah das allerdings anders – nämlich im Einklang mit der aktuellen Rechtslage.

Kleiner, aber wichtiger, Schlenker: Historische Fakten und Personen sind nicht schützbar, enthalten als solche keine schützenswerte kreative Eigenleistung. Wenn ich morgen eine Biographie über Charles Darwin schreibe, gehören mir die darin präsentierten Daten und Fakten nicht, und ich kann für sie kein Copyright geltend machen, und andere Werke über Darwin für mich reklamieren. Es würde jede Geschichtsschreibung ad absurdum führen. Das ist nicht nur selbstverständlich, notwendig, und auch im „Tannöd“-Prozess vom Gericht gerade wieder bestätigt worden – es sollte auch Allgemeinwissen sein. Bei Historikern wie bei Journalisten.

Seit die Produktionsfirma ihre Forderungen zurückgewiesen hat, versucht die Historikerin nun, unserem Projekt ins Kreuz zu treten, in dem sie überall verbreitet, man habe sie um ihre Arbeit betrogen. Sie dreht dabei die Fakten recht geschickt so, dass sie als Opfer da steht – z.B. wird beklagt, dass ihr im Roman nicht einmal gedankt worden sei. Das ist richtig, aber nur die halbe Wahrheit: Die Danksagung wurde ihr mehrfach angeboten. Nur leider war sie nicht bereit, im Gegenzug von ihren Attacken gegen eben diesen Roman abzusehen. Sie wollte die Danksagung – und das Werk gleichzeitig beschädigen.

Bei dem TV-Zweiteiler ist ihre Argumentation ebenso schizophren, wie man im Münchner Merkur sehr schön erkennen kann: Einerseits behauptet sie, es sei quasi alles von ihr abgeschrieben (ohne zu erklären, wie ein Drehbuch mit seiner Narrative und seinen Dialogen von einem Sachbuch abgeschrieben sein kann), andererseits beschwert sie sich, vieles sei „extrem verfälschend“ dargestellt. Diese Behauptung wiederholt sie auch im Vorwort der aktuellen Ausgabe ihres Buches, das ebenfalls zur Schlammwerferei herhalten muss. Beides kann kaum sein, und es wirft die Frage auf: Was soll denn verfälscht worden sein? Die künstlerische Freiheit, Hopes Leben für die Verfilmung dramaturgisch anzupassen, wird wohl kaum in die Zuständigkeit der Historikerin gehören.

Ich sage es noch einmal, weil es genau der Punkt ist, den die Autoren der genannten Artikel nicht hören wollten, weil es ihnen ihre sexy Story kaputt gemacht hätte: Historische Fakten sind nicht schützbar, ein Sachbuch ist kein Roman, und „Dr. Hope“ ist weder die Adaption noch die Verfilmung eines Sachbuches (oder einer anderen Quelle).

Es ist kein „neuer Hegemann-Fall“, weil nicht plagiiert werden kann, was vor dem Gesetz nicht plagiierbar ist. Ich selber habe eine klare Meinung zu „Axolotl Roadkill“: abschreiben ohne Quellenangabe gilt nicht. Das ist unredlich und unfair. So Theorien wie „mashup“ oder „remix“ können mir den Buckel runter rutschen – in 20 Jahren und ebenso vielen Büchern hatte ich es nie nötig, mich bei den Formulierungen und Ideen anderer Autoren bedienen zu müssen. Wäre ja noch schöner. Und genau so haben wir uns auch nicht bei den Ideen und Formulierungen der Historikerin bedient. Das kann jeder nachlesen, der es möchte. Es tut nur keiner.

Und damit kommen wir zum eigentlichen Thema zurück, dem derzeitigen journalistischen System. Der Artikel in der SZ hat mir weh getan, weil ich das Blatt für eigentlich sehr seriös halte, und mich diese Form von Gefälligkeitsschreiberei schon überraschte. Der Autor sprach am Abend vor der Veröffentlichung mit mir, war aber nicht bereit, mit Katrin Tempel, der Produktionsfirma, oder dem Sender zu sprechen. Er ging auch auf meine Erklärungen gar nicht ein, sondern betonte immer wieder, er sei selbst Historiker, und könne die Empörung der Kollegin verstehen. Nun mag man (wenn man will) die Empörung verstehen, aber das sagt immer noch nichts über die Legitimität des Anspruchs. Im vorletzten Absatz des Artikels muss der Autor, nachdem er böse (und abfällig) gegen die Arbeit von Katrin und mir getrommelt hat, selber zugeben, dass der Vorwurf auf nicht einmal tönernen Füßen steht: „Grundsätzlich ist wohl wenig dagegen zu machen, wenn Zweitverwerter wichtige historische Stoffe verhackstücken“. Aha.

Ich hakte den Artikel als Enttäuschung ab, weil ich sowas von der ehrenwerten SZ nicht erwartet hatte. Das muss der „Journalist“ mit sich selber ausmachen. Es wurde nur immer deutlicher, dass es keinen wirklichen formulierten Vorwurf gab. Was GENAU hatten wir denn nun eigentlich Schändliches getan? Nachdem historische Fakten keine schützenswerten kreativen Eigenleistungen sind, kann es ja kaum ein Plagiat sein. Und die fehlende Anerkennung der Leistung der Historikern geht ja ursächlich auf ihre eigene konfrontative Strategie zurück – ich hätte mich gefreut, eng mit ihr zusammen zu arbeiten, und sie dafür auch entsprechend zu würdigen.

Ich komme mir langsam vor wie der Angeklagte in Kafkas „Der Prozess“, der keine Ahnung hat, was man ihm vorwirft, und der sich deshalb auch nicht verteidigen kann. Eine Anklage oder Anzeige gegen “Dr. Hope” liegt meines Wissens nach jedenfalls nicht vor.

Mitte der Woche rief dann eine Dame vom „Münchner Merkur“ an, die außer der Tatsache, dass sie wohl seitens der Historikern angespitzt worden war, keinerlei Hintergrundwissen mitbrachte. Den Roman hatte sie nicht gelesen, den Zweiteiler auch nicht gesehen. Als ich meinte, dass es doch besser wäre, wenn sie sich erstmal schlau mache, erklärte sie mir, der Zweiteiler sei ja noch nicht gelaufen – das ZDF verschickt allerdings seit Wochen an jeden Journalisten, der danach fragt, eine Screener-DVD. Die Tatsache, dass es sich bei „Dr. Hope“ um einen Roman und einen TV-Film handelt, und damit eine FIKTIVE Aufarbeitung einer historischen Figur, schien ihr nicht klar.

Interessant war auch die immer wiederholte Frage der Journalistin, was mich als „Science Fiction und Fantasy-Autor“ für „Dr. Hope“ qualifiziere – als ob ich das rechtfertigen müsse. Ich wies sie darauf hin, dass ich als Drehbuchautor wie ein Journalist arbeite – ich arbeite mich in ein Thema ein. So wie ein Journalist, der für einen Artikel über Gärtnerei kein ausgebildeter Landschaftsarchitekt sein muss. Die Reduzierung meiner Arbeit auf „Science Fiction und Fantasy“-Autor hatte die Journalistin übrigens „bei Wikipedia gelesen“ (schon der Blick in meine Bio auf meinem Blog wäre wohl zuviel der Recherche gewesen).

Die Frage, was eine Historikern denn qualifiziert hätte, ein fiktionales Drehbuch zu schreiben, blieb unbeantwortet. Oder die Frage, was genau der rechtlich relevante Vorwurf sein soll.

Bald fiel natürlich das Stichwort „Hegemann“. Ich erklärte ihr seufzend die Rechtslage – mit Hegemann ist das nicht vergleichbar, allenfalls mit „Tannöd“. Und bei „Tannöd“ hat der Autor des Sachbuches (natürlich) verloren. Weil historische Fakten – seufz – nicht schützbar sind. Als ich die Journalistin bat, statt der  hingenommenen Behauptung der Historikerin doch einfach mal einen Anwalt zu fragen, was denn die Tatsachen sind, legte sie einfach auf. Und mir schwante: Es wird nicht erzählt, was zu erzählen ist, sondern was sich als sexy „Täter/Opfer“-Geschichte verkaufen lässt.

Und so ist der Artikel auch erschienen – mit vielen relativierenden „soll“, „angeblich“, und „womöglich“. Tenor: Arme Historikerin von skrupellosen TV-Schreiberlingen über den Tisch gezogen. Und schon meldet „turi2“: „Das Drehbuch des TV-Zweiteilers “Dr. Hope – Eine Frau gibt nicht auf” mit Heike Makatsch in der Hauptrolle soll teilweise identisch sein mit einer Biographie, die von der bayerischen Historikerin Marita Krauss verfasst wurde.“

Es ist nicht wahr. Aber es liest sich gut. So schnell wird aus einer Ähnlichkeit dann auch „teilweise identisch abgeschrieben“. Was nicht stimmt, und für jeden überprüfbar ist, der sich die in jedem Buchladen erhältlichen Werke mal durchliest. Aber wer hat schon die Zeit? Journalisten bestimmt nicht.

So bleibt ein „Fall“, der keiner ist – und der massive Versuch, meine Reputation (und die meiner Koautorin) zu schädigen. Wir haben nicht abgeschrieben. Wir haben recherchiert. Wie das jeder gute Autor tut. Es wurden keine Ideen und Formulierungen aus irgendeiner Quelle übernommen. Wir haben zu jeder Zeit unsere Quellen offen gelegt, und „Dr. Hope“ ist eine 100prozentige kreative Eigenleistung. Wir dulden keinen Versuch, diese zu kapern. Rechtliche Schritte behalten wir uns nicht nur vor, wir gehen sie auch.

Aber das will wohl keiner hören.

Mir wurde nun klar, dass meine Strategie, offensichtlich tendenziellen Journalisten, die ihre Story schon fertig haben, meine Zitate nicht freizugeben, nach hinten losgeht. Damit ist die einzige laute Stimme da draußen die der Historikerin – und die bleibt unwidersprochen.

Ich habe viel über Journalismus gelernt in dieser Woche – und wenig, was ich wissen wollte.

Das hier ist meine Seite der Geschichte. Glaubt, was ihr für richtig haltet. Ich werde kämpfen.

Kino: Lebenszeichen eines Sterbenden

Gepostet am 10. Februar, 2010 um 14:44 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Wir hatten das Thema bei der Avatar-Raubkopie ja schon, und nun wirft uns Blickpunkt Film ein paar Argumente zu, die ich gerne weitergebe: Das deutsche Kino hat im abgelaufenen Jahr grob 13 Prozent mehr Besucher gehabt, und über 22 Prozent mehr Umsatz gemacht. Der Anteil deutscher Filme/Produktionen stieg auf über 27 Prozent.

Interessant ist natürlich wieder die Argumentationsschizophrenie der Branche. Wenn es der Filmbranche mies geht, liegt es an Raubkopierern, Downloadern, oder den Spielekonsolen, die den jugendlichen Taschengeldverschwender vom Kinobesuch abhalten. Dagegen muss man was tun, Film ist schließlich Kulturgut, Arbeitsplätze, etc.

Und was sagt FFA-Vorstand Peter Dinges nun, da die Umsätze deutscher Filme steigen? Ist es ein Sieg im Kampf gegen kulturelle Verlotterung, ein Erfolg gerichtlichen Vorgehens gegen Raubkopierer, ein Beweis, dass der Zuschauer tatsächlich kommt, wenn man ihm was zeigt, was er sehen will? Oder hat man sich schlicht geirrt, als man das Internet zum Zentrum des Bösen erklärte? Mitnichten: “Dies ist ein deutliches Zeichen für die gestiegene Vielfalt, Qualität und Professionalität der nationalen Filmwirtschaft”.

Aha.

Vielleicht sollte ich Herr Dinges daran erinnern, wenn der Umsatz wieder einbricht, und ihm dann die Frage stellen: “Ist das ein deutliches Zeichen für die gesunkene Vielfalt, Qualität und Professionalität der deutschen Filmwirtschaft?”

Einmal Kurzstrecke: Von der Yellow Press zum anspruchsvollen Online-Journalismus

Gepostet am 9. Februar, 2010 um 15:43 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Die Stimmen, die den SPIEGEL als “Sturmgeschütz der Demokratie” bezeichnen, werden leiser – und weniger. Besonders der Online-Ableger SPon muss sich häufig Schlabberigkeit bei der Themenauswahl und einen ungesunden Hang zum Boulevard nachsagen lassen. Kein Wunder, denn Klicks bringen Werbung, Werbung bringt Geld – und da darf es auch gerne mal eine Meldung über Hollywood-Starlets oder Promi-Brüste sein (samt Fotostrecke, versteht sich).

Ich habe damit gewöhnlich kein Problem: Auch SPon muss leben, und Artikel, die mich nicht scheren, lese ich auch nicht. SPon ist seit mittlerweile 15 Jahren meine Startseite ins Internet.

Heute habe ich mich aber mal wieder richtig geärgert:

spiegel

Mein Problem an dem Artikel ist nicht das Thema. Soll SPon doch über das Liebesleid der Schwester von Britney Spears berichten, solange sie wollen – ich zahle nicht dafür,  und “wenn’s schee macht”…

Mein Problem ist die Übernahme aus einer Quelle, die sich selbst nur auf (ziemlich wahrscheinlich erfundene) Quellen beruft.

Basis des Beitrags ist diese Meldung bei people.com, in der ausschließlich “friends” und “sources” zu Wort kommen. Und ich habe ja schon mal ausführlich erklärt, wie solche Aussagen zu werten sind.

Jungs und Mädels von SPon, in aller Freundschaft: Klatsch ja, aber bitte auch dabei Spreu und Weizen trennen.

SPon übernimmt bedenkenlos die vagen Quellen – zweimal direkt, und zweimal unter Berufung auf People. Es geht nicht um das, was Jamie Lynn Spears getan hat, sondern getan haben soll. Was man so hört. Über drei Ecken.

Ärgerlich daran: Damit ist die Luftnummer von Meldung immerhin schon auf der Webseite von Europas größtem Nachrichtenmagazin angekommen, und nach den Spielregeln der Boulevard-”Stille Post” legitimiert.

Andere Medien können nun fröhlich nachziehen, ohne sich die Finger an der amerikanischen Klatschpresse schmutzig zu machen, denn: “Wie SPIEGEL online vermeldet…”.

Klingt doch gleich erheblich seriöser als “Wie ein angeblicher Freund der Familie PEOPLE verraten haben soll…”

NACHTRAG: Ein weiteres schönes Beispiel für die sorglose Weiterreichung von gelber an graue Presse findet sich heute auch bei Bildblog.

“Avatar” DVD-Raubkopie: Alles nur eine Frage der Moral?

Gepostet am 4. Februar, 2010 um 09:44 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

movie-piracyEs ging vergleichsweise schnell, trotzdem ist es gerade in der Oscar-Saison nicht überraschend: Seit gestern geistert eine DVD-Raubkopie von “Avatar” durch die Weiten des Internets, vermutlich basierend auf einem Screener für die Academy. Damit gibt es für Leute, die den Film nicht nur wegen der 3D-Effekte sehen wollen, erstmals eine ernsthafte Alternative zum Kinobesuch.

Es gab die Diskussion ja schon angesichts des “Wolverine”-Workprints, aber es scheint mir angebracht, sie hier noch einmal anzustoßen.

Der Download der Raubkopie ist nicht legal. Es ist auch nicht legal, sie zu verbreiten. Aber kann bei einem Film, der 2 Milliarden Dollar eingespielt hat, noch von einem volkswirtschaftlichen Schaden durch die Raubkopie gesprochen werden? Welches Argument könnte 20th Century Fox bringen, um User vom Download abzuhalten? Dass James Cameron Australien kaufen will?

“Avatar” wird sicher dieser Tage einer der beliebtesten Downloads im Netz werden – die Torrents werden glühen, das weltweite Übertragungsvolumen wird ansteigen. Ist das nicht auch wieder der Beweis, dass Leute eben nicht STATT des Kinosbesuchs raubkopieren, sondern ergänzend dazu? Wer scharf drauf ist, “Avatar” aus dem Netz zu ziehen, ist doch scharf genug gewesen, den Film schon im Kino zu sehen, oder? Die Boxoffice-Zahlen sprechen hier eine deutliche Sprache.

Im Jahr der Rezession 2009 schnellten die Besucherzahlen in den Kinos weltweit hoch. 3D-Filme haben um 60 Prozent zugelegt, und sich vom Nischen-Image befreit. Trotz der Abwesenheit von “Spider-Man”, “Batman”, “Herr der Ringe”, James Bond oder “Star Wars” war es für die Branche ein exzellentes Jahr.

So wie die “Wolverine”-Raubkopie dem Film nicht geschadet hat (der eher schwache Streifen spielte allein an den Kinokassen fast 400 Millionen Dollar ein), wird auch die “Avatar”-Kopie keinen nennenswerten Schaden anrichten. Und sie wird auch die Absatzzahlen der DVD nicht mindern, oder die Chancen auf eine Fortsetzung.

Den Beweis für die immensen Verluste, die Raubkopien angeblich verursachen, ist die Branche auch 2009 schuldig geblieben.

Oscar-Gedanken zu “Avatar”

Gepostet am 3. Februar, 2010 um 01:51 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Okay, der goldene Dildo wird am 7. März wieder vergeben. Erwartungsgemäß hat “Avatar” bei den Nominierungen abgeräumt, und ich habe mir dazu mal ein paar Gedanken gemacht.

Best Picture: Geht gar nicht. Spektakel ist nicht gleich Qualität, und technischer Fortschritt ist kein Plus an und für sich. “Inglorious Basterds” passt mir auch nicht (allerdings sollte Waltz schon als Nebendarsteller ausgezeichnet werden). Lieber “District 9″, “Hurt Locker”, “A serious man” oder gerne auch “Up”.

Best Actor/Actress etc.: Interessante Frage – können/würden/dürfen die eine CGI-Figur nominieren? Wird damit der dahinter stehende Schauspieler nominiert? Wäre das fair?

Best Art Direction: Dürfe “Avatar” im Sack haben. Auch wenn ich hier durchaus “Dr. Parnassus” und “Nine” sehen könnte.

Best Cinematography: Vermutlich auch “Avatar”. Wieder die Frage: Kann ein Kameramann die Statue ernsthaft in Empfang nehmen, wenn ca. 70 Prozent des Films von der Festplatte kommen, also nie eine Kamera gesehen haben?!

Best Costume Design: Ich wiederhole mich – kann man für Kostüme einen Oscar bekommen, die nie geschneidert wurden? Sind demnach Leute, die ihren Sim einkleiden, Schneider bzw. Modemacher? Mein Tipp: “Coco before Chanel”.

Best Director: Wäre es nicht cool, wenn Kathryn Bigelow ausgerechnet ihrem Ex die Tour versaut? Wenn es Tarantino wird, ist die Academy bei mir unten durch.

Best Editing: Außer “Basterds” vier richtig gute Kandidaten, die alle den Oscar verdient hätten. Hhhhmmm…

Best Makeup: Kann virtuelles Makeup nominiert werden?

Best Music: Eine eher lasche Auswahl. Ich würde mich für “Up” oder “Fantastic Mr. Fox” freuen.

Best Sound Editing/Mixing/Effects etc.: Alles an Cameron, bzw. seine Crew.

Best Writing: Kein “Avatar”. Welche Überraschung.

Es fällt schon auf, dass die Academy scheinbar das Wespennest der “virtuellen Leistungen” im Bereich Kostüm, Effekte, etc. nicht aufmachen will. Oder vielleicht hat man auch schon festgelegt, dass nur physisch existente Garderobe und Makeup zählen – warum eigentlich?

Mehr Details gibt es hier.

Generell kein sehr spannendes Oscar-Jahr. Es fehlen die wirklich großen Dramen, viele der Mehrfach-Nominierten sind mir zu banal und hollywood-esk.

Was meint ihr?

What are the odds?! No, seriously???

Gepostet am 1. Februar, 2010 um 13:34 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Wahrscheinlichkeit und Zufall sind spannende Sachen, besonders wenn sie an unser eigenes subjektives Empfinden gekoppelt sind. Wie oft scheinen Dinge von so unglaublicher Unwahrscheinlichkeit aufeinander zu treffen, dass man sich am Kopf kratzt und denkt: “Das KANN doch kein Zufall sein, oder?” Wir haben das bei meinem letzten Beitrag ja gerade erst gesehen.

Mir sind dieser Tage gleich zwei weitere banale, aber nichtsdestotrotz memorable Beispiele untergekommen.

Beispiel 1: Ich schaue die ersten beiden Folgen der neuen Staffel/Serie “Scrubs (Med School)”. Dr. Dorian erklärt den Medizinstudenten, auf dem “quad” dürften sie ihn “J.D.” nennen. Ich bin zwar u.a. Übersetzer, kenne den Begriff aber nicht. Aus dem Kontext reime ich mir zusammen, dass es sich dabei um einen Teil des Campus-Geländes handelt, der zur Entspannung der Studenten dient.

Am selben Abend sehe ich eine Folge von” Saturday Night Live” von 1978 mit dem Schauspieler Robert Klein. In einem Sketch erwähnt er den “quad” seiner Uni.

Ein Wort, das ich in 40 Jahren nie gehört zu haben meine, taucht im Abstand von nur zwei Stunden gleich zwei mal auf.

Beispiel 2: Ich schaue das Comedy-Special “I swear to God”. Nagelneu, von 2009. Im Nachspann wird als Regisseur John Moffitt genannt. Der Name bleibt hängen, weil er so viele Assoziationen weckt: Steven Moffat von “Dr. Who”, der Muffit von “Galactica”, der Schauspieler D.W. Moffett…

Am selben Abend sehe ich die erste Folge der Nachrichten-Satire-Show “Not necessarily the news”, die HBO immerhin schon 1982 von der BBC adaptiert hat. Eine eher lahme und juvenile Sache. Als Regisseur im Abspann: John Moffitt.

Erklärbar ja – mein Gehirn hat neue Informationen aus verschiedenen Gründen als “ungewöhnlich” getagged, und kurz darauf ein Wiederauftauchen vermeldet. Aber komisch auch.

Nett auch: Ich schaue in einem Fenster auf meinem Notebook eine Sitcom, in der ein Charakter “Bring it!” ruft – während Firefox gerade einen Artikel öffnet, der… na, kommt ihr drauf?… “Bring it!” heißt…

Keine Überraschung ist hingegen, dass in zwei von 20 aktuellen Filmen, die ich auf Ibiza gesehen habe, der mir bis dato unbekannte Christopher Marquette als Hauptdarsteller auftrat.

Meine (verspätete) Meinung: Avatar

Gepostet am 26. Januar, 2010 um 05:05 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

avatar-james-cameronAuf meiner weiten Reise durch die Welt bin ich nun endlich dazu gekommen, mir “Avatar” anzusehen, und zwar so, wie er gesehen werden sollte: im Originalton, mit digitaler Projektion, in 3D, mit Publikum, und auf einer mörderisch großen Leinwand.

Weil Christian in seiner Besprechung schon vieles abgehakt hat, werde ich mich nicht mit Fragen von Produktion und Inhalt aufhalten. Dürfte ja soweit auch alles schon bekannt sein. Es geht hier nur noch um meinen ganz persönlichen Eindruck. Und der ist zutiefst gespalten.

Der Film ist ein Monster. Angetrieben von einem Monster-Ego. Er ist genau die Sorte von bizarrem Exzess, den man von einem genuinen Meister der Form erwartet, der seinen eigenen Weltrekord in fortgeschrittenem Alter noch einmal übertreffen will, ja übertreffen muss. An keiner Stelle ist “gut” gut genug – die Vorgabe ist immer “mehr”, “schneller”, “bunter”, “breiter”. Mit vielen Ausrufezeichen.

Es ist Camerons immer noch einzigartiger Beherrschung des Mediums zu verdanken, dass er sich dabei nicht im totalen Effekt-Overkill verstolpert. Auch in den brachialsten Actionszenen zeigt er sein trainiertes und perfektioniertes Gespür für Choreographie und Timing, das z.B. George Lucas bei den Prequels, und Michael Bay bei so ziemlich allem abgeht. Da sitzt jeder Insert, ist jeder Frame exakt geplant. Wie bei “Aliens”, “Terminator” – Cameron ist eine Regie-Maschine, und um mit “Inner Space” zu sprechen: Die Cameron-Maschine hat null Defekte.

Definiert “Avatar” damit die Möglichkeiten des SF-Films neu, wie es z.B. “Matrix” tat? Nein. Zwar ist die Menge der Effekte beeindrucken, ihr Einsatz exzellent durchdacht, und ihre schiere Omnipräsenz überwältigend – aber nichts davon ist wirklich neu, und zum “game changer” fehlt dann in letzter Konsequenz auch die Perfektion: Zu oft ist CGI noch als CGI erkennbar, zu oft haben die Figuren von der Festplatte bei schnellen Bewegungen zu wenig Gewicht, und sind jederzeit als virtuell spürbar. In seiner völligen farblich übersättigten Künstlichkeit hat der Planet Pandora manchmal sogar den unangenehmen VR-Beigeschmack eines Xbox360-Shooters.

Dass die Darsteller angesichts ihrer meist kompletten Digitalisierung im allgemeinen Rummel nicht groß auffallen, ist verständlich. Weniger verständlich ist, wie Sam Worthington in kurzer Reihenfolge die Hauptrollen in “Terminator:  Salvation”, “Avatar” und “Clash of the Titans” einsacken konnte. Wenn ihm im Verlauf der Handlung Haare wachsen, sieht er immer mehr wie ein zu muskulöser Ben Affleck aus – und er spielt auch nicht sonderlich inspiriert. Sein Avatar irritiert mich, weil er an Woody Harrelson erinnert. Nennenswert in der CGI-Performance erscheint mir nur Zoe Saldana, die am meisten aus den blauen Pixeln quetscht, was noch als “Schauspielerei” durchgeht.

Nun habe ich keine Probleme, mir fast 3 Stunden lang State of the Art-Effekte in 3D anzuschauen, mit geradezu affiger Detailverliebtheit in groß angelegten Action-Sequenzen. Aber wie schon in “Titanic” zeigt Cameron einen massiven Widerwillen, in der Konstruktion der Geschichte über das Mindestmaß hinaus zu gehen. Das ist im besten Fall praktikabel, im schlimmsten Fall aber peinlich.

“Avatar” ist “Lederstrumpf”, “Shogun”, “Der Smaragdwald”, “Pocahontas”, “Der Mann, den sie Pferd nannten”, “Der mit dem Wolf tanzt”, “Outlander“, und jeder andere Film, in dem (grob gesagt, es gibt Variationen) ein vermeintlich überlegener zivilisierter Charakter (gerne verletzt) bei einem vermeintlich primitiven Stamm landet, dessen Kultur annimmt, die schöne Häuptlingstochter flachlegt, sich vor dem besten Krieger beweisen muss, und am Ende den Stamm gegen seine eigenen Leute führt, weil er deren Rücksichtslosigkeit erkannt hat.

Auffällig scheint mir in diesem Zusammenhang “Terra“, der dieselbe Idee hatte, aber wenigstens den Mut aufbringt, nicht alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu schnitzen – dort wird etabliert, dass die Menschheit praktisch keine andere Wahl hat, als Terra zu plündern. Bei Cameron wird eine solche Motivation gar nicht erst versucht. Die Menschen sind halt böse. Buh-fucking-huh.

Schlimm ist es demnach nicht, so eine 0815-Story zu erzählen, besonders nicht bei einem Film, der mit vielem, aber nicht einem ausgereiften Plot zu begeistern versucht. Auch “Titanic” war als Love Story kaum mehr als eine dünne Hülse. Ermüdend ist aber, dass Cameron so gar kein Interesse hat, die Geschichte wenigstens minimal zu variieren – was sich ja wirklich anböte, wenn man sie schon auf einen anderen Planeten verlegt. Er hakt die einzelnen Plot Beats geradezu gelangweilt ab, und selbst die emotionalen Momente sind nie mehr als Mechanik, eine Fortführung des Films von A nach B, von B nach C, etc..  Jede Folge der ersten Staffel von “Battlestar Galactica” ist mitreißender – und ich habe genug Kampfszenen in “Babylon 5″ gesehen, deren Ausgang mir mehr Sorgen machte. Es ist alles zu vorhersehbar, bis in die einzelnen Dialoge und Konflikte.

Hinzu kommt, dass Cameron die altbekannte Geschichte mit den durchweg blassen Protagonisten um Randfiguren erweitert, die sich in seinem Oeuvre sein 30 Jahren nicht verändert haben – Selfridge ist Burke aus “Aliens”, Chacon ist Hernandez, Sully ist Hicks, etc. Das Militär ist böse und korrupt, steckt mit der Regierung und den Großkonzernen unter einer Decke, für das Ziel der totalen Ausbeutung ist jedes Menschenopfer akzeptabel, etc. pp. So beeindruckend Camerons technische Vorreiterschaft ist – so sehr stagniert seine Entwicklung als Autor. Und es schert ihn augenscheinlich nicht.

Und damit kommen wir zu dem, was mich an “Avatar” nicht nur gestört, sondern regelrecht wütend gemacht hat: Dieser New Age-Chavinismus, nach dem ein Haufen elender Baumtänzer in jeder Beziehung die moralische Überlegenheit hat, weil er “in Einklang mit der Natur” lebt. Es ist die hässliche Fratze des Selbsthasses, der unsere Kultur spätestens seit den 60ern in Wellen immer wieder durchläuft. Wir sind seelenlose Killer, die für behauptete Reichtümer die eigene Existenzgrundlage vernichten. Keine neue, und in ihrer Simplizität auch keine stimmige Message. Cameron will uns weismachen, dass doch alles in Gut und Böse unterteilbar ist, und die Maschine niemals die menschliche Spiritualität ersetzen kann – im Prinzip genau der Gedanke, an dem sein Film erzählerisch scheitert, weil er neben der hochgezüchteten Technik eben keine nennenswerten gedanklichen Fortschritte bietet. Die Macht der Maschine ist seelenlos – das gilt für Pandora wie für “Avatar”. Isn’t it ironic?

Die simple “Noble Savage”-Plotte mit der Öko-Botschaft ist in einem Maße penetrant, unaufrichtig, und folgenlos (was hält die irdischen Streitkräfte davon ab, Pandora nach dem Aufstand einfach zu Klump zu bomben?), dass ich mitunter vermuten musste, Cameron halte seine Erzählung aus blankem Zynismus auf Kindergarten-Niveau – je einfacher, desto mehr Raum bleibt für seinen technischen Achterbahnritt. Dazu passt auch der Soundtrack von James Horner, der ungesund zwischen Bombast, Ethno-Drums, und Enya-Versatzstücken umher rudert.

Zu der ganzen weichgespülten Erzählung passst dann auch die fortschreitende pussification of James Cameron: “Avatar” ist bei aller Action geradezu albern gewaltfrei, der einzig nennenswerte Tod (des Häuptlings) geschieht fast nur im Augenwinkel des Zuschauers. Und die “Sexszene” ist ungefähr so erotisch wie Tara Reids Gehopse auf Christian Slater in “Alone in the Dark”. Ein PG-Rating sah noch nie so verlogen aus.

Ich verwehre mich übrigens gegen Christians präventiven Vorwurfe, Kritik an der Welt, der Philosophie, und der Geschichte “Avatars” sei typisch für den Zynismus und den Flachwitz der “modernen Generation”. In meinen Augen verlangt “Avatar” zum vollen Genuss nicht “einlassen”, sondern “doof stellen”. Die Öko-Moral mögen 12jährige knorke finden, und es mag sie inspirieren, sich Gedanken über die Plünderung unserer Ressourcen zu machen – aber wenn jetzt erwachsene Menschen sich als Na’Vis anpinseln, und künftig in einem “Hometree” leben wollen, dann sehe ich die Infantilisierung der postmodernenen Gesellschaft auf einem neuen, destruktiven Höhepunkt. Ich dachte immer, Hippies gehen nicht ins Kino.

Was macht “Avatar” dann aber zum erfolgreichsten Film aller Zeiten? Da bin ich überfragt. Vielleicht ist es wie oben angedeutet: Die Message, dass der Mensch zu seinen Wurzeln zurückfinden muss, kommt in Wellen (60er, 80er), und spricht eine Ursehnsucht an, die über das rationale Verständnis weit hinausgeht. So dünn die Botschaft ist (letztlich etwa wie “Make love, not war”), so massenkompatibel ist sie genau deshalb auch. Ihre Naivität macht sie kritikresistent, und sie krault geschickt der Furcht des reptilischen Gehirns vor der Vernichtung die Eier. Niemand kann das von Cameron postulierte Dilemma ernstnehmen – und doch will jeder glauben, dass die elementaren Dinge so einfach sind. Mein Freund, der Baum.

Das Wespennest, dass Cameron auch explizit lebensbejahende Religiösität gegen destruktiven Atheismus setzt, lasse ich jetzt mal ungeöffnet, weil ich den Film hätte ernstnehmen müssen, um mich darüber zu ereifern.

Kommen wir zum Fazit, denn meine Reise ruft mich, und die Maid klopft schon an das Hotelzimmer:

“Avatar” ist ein Showcase, mit dem Cameron zeigen will, was heutzutage möglich ist, und was die nächsten 20 Jahre bringen können. Und wie für einen Showcase üblich, hält er seine Ware laut schreiend und wedelnd vor die Kamera: “Alles neu! Alles besser! KAUFEN! KAUFEN!”. Er produziert das, was in der Hiphop-Kultur “bling” genannt wird. Es ist nicht auf Nachhaltigkeit produziert, sondern mit dem erklärten Ziel, ein instinktives “wow” zu provozieren.

Tja, aber an manchen Stellen war mir die dezente, aber durch und durch hochkarätige Wertarbeit in “District 9″ tatsächlich lieber, denn sie zeigt Möglichkeiten der SF in einer ganz anderen, storygebundenen Richtung auf.

“Avatar” ist dennoch ein sehenswerter und perfekt durchgeplanter Trip, ein Spektakel um des Spektakels willen, von genau dem Regisseur, der wie kein zweiter für so ein Projekt prädestiniert ist. “Avatar” reißt mit, begeistert, lädt zum fliegen ein. Wie bei keinem anderen Film habe ich mich im Kino gefragt: “Wie soll dieses Erlebnis auf DVD reproduzierbar sein?” Kino um des Kinos willen, mit Leidenschaft und Spielfreude. Bis das Licht wieder angeht, und der Vorhang fällt. Dann sollte man tunlichst vermeiden, das Gesehene über das Bauchgefühl hinaus zu überdenken.

Eine Frau im Kino fasste es deutlich simpler, aber nicht weniger zutreffend zusammen: “Eine Melange aus Cirque du Soleil und Winnetou 1-3.”

Der “A-Team”-Trailer: Hurra! WTF?

Gepostet am 8. Januar, 2010 um 20:23 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Bitte GANZ gucken:

http://www.vimeo.com/8616405

Wie ist das möglich? 90 Sekunden lang treffen die Macher Ton, Look, und Style des A-Teams so genau, das man schon zweimal hinschauen muss, um zu erkennen, dass es ein Remake ist. Es wirkt tatsächlich, als hätte Hollywood endlich mal kapiert, dass das Publikum keine Parodien oder “Neuninterpretationen” von alten TV-Serien will, sondern respektvolle Updates.

Und dann vergeigen sie es in der letzten Szene mit einer Sequenz, die so blöd und schlecht gefilmt ist, dass meine Begeisterung kurz “kieks!” machte, und nun wimmernd unter der Spüle liegt.

Zur Lage der Nation

Gepostet am 8. Januar, 2010 um 17:49 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues, Privates.

Wortvogel bei einer Senfprobe

Es ist einigen von euch sicher aufgefallen – zumindest in den letzten vier Wochen hat es wenig wirklich diskussionswürdige Beiträge hier gegeben. Ich habe euch nicht nennenswert Frohe Weihnachten gewünscht, das Neue Jahr ohne retrospektives Feuerwerk eingeleitet, und meine große Überprüfung der “Prophezeiungen 2009″-Show steht auch noch aus. Von der Idee, 250 Filme in dem Jahr zu besprechen, musste ich mich schon im Oktober verabschieden. Wann habe ich das letzte mal einen Uwe Boll-Film zerlegt? Ich weiß es nicht.

Keine Sorge, mir ist nicht langweilig geworden, und ich werde dem Wortvogel auch nicht den spirreligen Hals umdrehen.

Es war nur einfach… zuviel.

Nach einem aus verschiedenen Gründen eher deprimierenden ersten Halbjahr machte ich im zweiten Halbjahr 2009 den Fehler, mich in zwei Dutzend Projekte gleichzeitig zu stürzen, um das auszugleichen. Romane, Moderationen, Drehbücher, Reportagen, Seminare. Ich habe alles “on time and on budget” abgeliefert. Egal wie. Und zu welchem Preis.

Nur ist dabei meine Freizeit auf der Strecke geblieben, mein Privatleben, meine Gesundheit. Ich komme kaum noch dazu, Bücher zu lesen, Filme zu schauen, Freunde zu treffen, Beiträge zu schreiben – Grundgütiger, oder wenigstens mal eine halbe Stunde lang die Wand anzustarren! Ich ernähre mich ungesund, lasse meine Fitnessstudio-Mitgliedschaft schleifen, und huste gefährlich viel. Heiligabend war ich krank, und habe als Bescherung in ein Waschbecken gekotzt. Schön war das nicht.

Ich war immer stolz darauf, sehr selbstbestimmt zu leben. Wenn ich morgens nichts aufstehen will, muss ich auch nicht. Wenn mir die neue Folge “Bones” wichtiger ist als mein Arbeitspensum, dann ist das halt so. Und wenn ich bis drei Uhr in der Früh “QI”-Folgen durchnudel, steht mir das frei.

Das habe ich verloren. Ich war in den letzten sechs Monaten fremdbestimmt, habe oft nur noch “funktioniert”, und das meistens auf Reserve. Deadlines, Deadlines, Deadlines. Ich hatte nicht einmal mehr die Kraft, mich aufzuregen – ging was schief, habe ich mit den Schultern gezuckt, und gemurmelt: “Klar, warum nicht das auch noch? Sicher”. Ärger mit der Wohnung in Düsseldorf? Ein Virus macht meinen Rechner platt? Die Putzfrau kündigt? Meine Küchenuhr fällt krachend von der Wand? Ist doch jetzt auch egal.

Natürlich habe ich damit 2009 ganz gut verdient, und mir viele Möglichkeiten für 2010 aufgemacht. Ich bin auch durchaus stolz auf einige der Sachen, die am Ende dabei rausgekommen sind (die Leipzig-Moderationen, die LandIdee-Artikel, der neue Nibelungen-Band). Es stehen auch noch spannende Sachen an. In den nächsten Monaten erscheint der neue Roman, und mein Zweiteiler “Dr. Hope” wird endlich im Fernsehen ausgestrahlt. Das macht mich glücklich – und es schließt das Projekt nach unglaublichen sechs Jahren ab.

Aber so kann es nicht weitergehen, das ist mir um den Jahreswechsel herum klar geworden. Noch so ein Jahr stehe ich nicht durch. Die Batterien sind alle, und bei einem Mann von 41 laden sie auch nicht mehr so schnell wieder auf wie bei einem Mann von 21. Ich muss haushalten lernen, und wieder mehr auf meinen Körper hören.

Ich fahre am Wochenende für zweieinhalb Wochen in Urlaub. Ich weiß noch nicht einmal, wohin. Es war keine Zeit, groß was auszusuchen. Das entscheidet sich am Last Minute-Schalter. Ich nehme Bücher mit, Filme, Notebook, und eine Liste von Themen, die ich seit Ewigkeiten schon für mein Blog aufarbeiten wollte. Vor allem aber nehme ich den Vorsatz mit, zur Ruhe zu kommen. Einen weniger hektischen Blick zu finden. Die Uhr nicht mehr für den Feind zu halten.

Auch während des Urlaubs werde ich, sofern ich nicht auf einer Arktis-Station ohne Internet-Anschluss lande, Kontakt halten. Kinokritiken veröffentlichen (GI Joe, Der Typ vom Grab nebenan, Give em Hell Malone, The Road, Zombieland, Pandorum), Film Funnies (ich mag sie – rutscht mir doch den Buckel runter), Essays. Ich bin also weg, aber weiterhin da.

Der Urlaub kann nicht alle Probleme lösen, mich schwuppdiwupp wieder frisch und heiter machen. Soviel kann ich nicht verlangen. Aber er soll den Wendepunkt markieren.

2010 (das für mich offiziell mit einem Monat Verspätung beginnt) möchte ich dann einiges anders machen. Weniger arbeiten, serieller, nicht immer mit sieben Bällen gleichzeitig jonglieren. Ich möchte mich auf Projekte besser vorbereiten, und sie besser nachbearbeiten können. Ich will Dinge schreiben, für die ich keinen Auftrag habe, sondern die mir am Herzen liegen. Mal wieder ausloten, was ich noch so alles kann. Mich herausfordern. Besser werden. Anspruch leben.

Ich will kein neuer Mensch werden. Ich will wieder ganz der Alte sein.

Und dann bombardiere ich euch mit Beiträgen, dass euch die Ohren schlackern.

Simon Le Bon (Duran Duran) über seinen Weg vom Christentum zum Atheismus

Gepostet am 27. Dezember, 2009 um 14:26 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues.

Ein Beitrag zum “Atheist’s Guide to Christmas”:

Mein klitzekleines Ibiza-Tagebuch (2)

Gepostet am 12. Dezember, 2009 um 13:55 Uhr
Kategorien: Gedanken, In Arbeit, Neues, Privates.

Jeder sollte einen Ort wie Ibiza haben, an dem er sich in harten Zeiten vergraben kann, um herkulische Aufgaben ungestört von der schnatternden Restwelt zu erledigen. Ich lerne wieder einmal, dass epische Romane nicht zu den Dingen gehören, die man in einem Multitasking-Kontext nebenher erledigen kann. Das braucht Ruhe, und Fokus. Sangria hilft auch.

Natürlich vermisse ich die neusten Folgen von House, Bones, und Lie to Me. Ich bekomme weder die TV-Quoten mit, noch den Fortgang der Verhandlungen über die Gesundheitsreform in den USA. Aber das wird sich nachholen lassen, wenn ich zurück bin. Ich beschließe außerdem, im ersten Halbjahr 2010 nochmal strikt für Urlaub nach Eulalia zu kommen. Wenn es draußen 30 Grad hat. Wenn man den faulen Hintern an den Strand knallen kann. Wenn alle guten Restaurants der “Fressmeile” wieder auf haben. Sollte der Besitzer der Wohnung allerdings jemals einen Internet-Anschluss legen lassen, sehen die mich hier nie wieder. Dann ziehe ich vermutlich in eine Blockhütte nach Schweden.

Unter solchen Umständen werden Bestseller geschrieben!

5.12.: Noch schlechter geschlafen, eigentlich kaum. Entweder bricht sich die gesammelte Erschöpfung von 2009 Bahn, oder ich bin schlicht aus-geschlafen, und sollte die Pooferei wieder reduzieren. 15 Grad, sehr sonnig. Spülen. Ich gehe Kleinkram einkaufen, Batterien, Cola, Bananen. Danach Fotos – das beneidenswerte Wetter muss ausgenutzt werden. Der Roman wird recht politisch, und hat unerwartete Parallelen zu verschiedenen historischen Ereignissen der letzten 300 Jahre. Entscheide mich, heute auch den Epilog zu schreiben, um eine genauere Vorstellung von der zu bewältigenden Restmenge zu bekommen. Es werden fünf Seiten. Das reicht. Mein Unterbewusstsein murmelt ständig: noch fünf Tage, noch fünf Tage, noch fünf Tage. Aber egal: Jetzt ist Zielgerade! Brate zum Abend Frikadellen, schaue “Tough guys don’t dance”, und Folgen von “Saturday Night Live” aus den 70ern. Seitenstand: 350.

So geht es prima in den Abend

6.12.: Geschlafen. Nicht wirklich gut, aber geschlafen. Entweder hat es wieder 15 Grad bei strahlendem Sonnenschein, oder das Thermometer ist kaputt. Ich schreibe auch am Sonntag/ Nikolaus – no rest for the wicked! Mein Zeitgefühl geht völlig verloren, ohne dieses Tagebuch wüsste ich nicht, wie lange ich schon hier bin. Es kommen die grundsätzlichen Fragen auf – habe ich am Anfang des Romans genügend Tempo drin? Hätte ich eine distanziertere, weniger echtzeitige Erzählform für den Einstieg finden können? Geht es, besonders in der ersten Hälfte, zu sehr um Sex? Geht es bei den Nibelungen überhaupt um etwas anderes? No regrets – hinterher ist man immer schlauer. Zum Ende muss ich die Szenen genauer vorplanen, weil der Roman die vereinbarte Länge haben soll. Sieht gut aus. Bin spektakulär früh fertig. Trip zum Internet-Café: 171 Emails downloaden, drei Beiträge uploaden. Schicke bisherige Ergüsse als Email an mich selbst (siehe –> Autoren-Paranoia). Graf Lambsdorff ist tot. Ich schaue “Infestation” – cool ekliger B-Käfer-Grusel. Warum macht ProSieben nicht mal sowas? Seitenstand: 370.

Zunehmende Degeneration mit einhergehender äußerlicher Vergammelung

7.12.: Zweite Woche fängt gut an: 15 Grad laut Thermometer, 20 Grad laut N24. Tatsächlich: Draußen Sommerwetter, und alles blüht um die Wette. Ich dusche ausgiebig, will Brötchen kaufen, Supermarkt hat zu. Egal. Keine Dramen in den 171 Emails. Stress lässt nach. Habe die Adresse des Lektors bekommen, damit der über den Jahreswechsel an die Arbeit gehen kann. Ups: Die Nibelungen reden diesmal anders als früher – in direkter Rede statt in Italics. Da muss ich nochmal drüber. Man kann ja nicht alles dem Lektor überlassen. Schreibe etwas zäh, brauche bis 20.30 Uhr für das normale Pensum. Es geht jetzt in die letzten Schlachten – mein nächster Roman wird garantiert eine “schwertfreie Zone” (© Kai Meyer). Ächz. Ausflug: In Ibiza Stadt ist kurioserweise Kirmes. Ich esse ein Eis, und versaue mir den Rest des Abends mit “Der Superbulle auf dem KuDamm”. Es gibt keinen Gott, in der Tat. Seitenstand: 390.

Die Sonne knallt hier zum Jahresende nochmal richtig rein!

8.12.: Ich schlafe immer noch unruhig, träume von den Problemen, die ich habe, weil ich unruhig schlafe. Meta-Träume? Deutsche Bäckerei in Eulalia backt kleine Brötchen. Endlich wieder SPIEGEL – macht die größte Isolation von der Heimat baum erträglich. Essay von Sascha Lobo (vs. Schirrmacher) ist auf den Punkt. Kaufe zusätzlich den “Guardian”. Wetter wieder wunderschön. Der Druck im Kopf ebbt ab. Spanier fahren wie Schweine – könnten aber auch deutsche Überwinterer sein. Ich gehe die 400 an, trete ihr gegen das Knie, verhöhne sie, sagte hässliche Sachen über ihre Mutter. Sie gibt auf. <spoiler> Die Bösewichter der Geschichte sterben. </spoiler> Ich starte die fünfte Text-Datei (immer 100 Seiten pro Block, Gewohnheit). Höre schon die Jubelschreie an der Ziellinie. Es siegt so aus, als würde der Roman ein paar Seiten kürzer als geplant – man will das Ende ja nicht ewig hinaus ziehen. Aber solange ich zwischen 400 und 500 Seiten bleibe, ist es vertragsgemäß. Ich mache mir Albondigas warm (vulgo: Hackbällchen), und Bratkartoffeln. Der Rest des Abends gehört Video-Kleinkram, der seit Ewigkeiten auf der Festplatte rumlungert (Dawkins, Dittsche, deutsche Experimentalfilme der 20er, etc.). Seitenstand: 410.

9.12.: Die Arbeit läuft immer besser, der Schlaf immer schlechter. Aber wieder Kaiserwetter bei 17 Grad. Kaufe ein Sixpack Bier, koche sieben Eier hart. Eine Siamkatze schlendert am Pool vorbei. Die Schokolade im Advents-Kalender ist verdorben. SO sollte Milka frisch aus der Folie wahrscheinlich nicht aussehen... Seltsam. Dem Roman fehlt jetzt nur noch der Ausklang, die ordentliche Auflösung der Beziehungen, das finale Verbeugen der Figuren vor dem narrativen Vorhang. Ich bin zuversichtlich, das auch noch zu schaffen. Und tatsächlich: Mit 10 Seiten weniger als erwartet, und einen Tag früher als errechnet, schreibe ich “Ende” in die letzte Zeile. Bin wie immer ein wenig verwirrt: Was mache ich jetzt? Wer bin ich überhaupt? Ich feiere lustlos mit einem Bier und Spaghetti Carbonara. Ansonsten weiß ich nichts mit mir anzufangen. Weil noch Restenergie vorhanden ist, schreibe ich eine Sackladung Kurzkritiken. Der Crash kommt früh genug. Seitenstand: 420.

10.12.: Mich hin und her gewälzt, als lasteten Kindesmorde auf meinem Gewissen. Zur Strafe lange bei wunderschönem Wetter spazieren gegangen, Fotos gemacht, prima Mehrkorn-Brötchen gekauft. Frühstück um 14.00 Uhr, dann Arbeit an weiteren Kurzkritiken. Schließlich lässt es sich nicht vermeiden: Ich führe alle Textdateien zusammen, schreibe den “Nibelungen-Speak” um, schaue nochmal, was die Rechtschreibprüfung sagt, und verfasse einen neuen Text für das Backcover und die Prospekte, der den aktuellen Inhalt wiederspiegelt. So kann es Samstag vom Internet-Café rausgeschickt werden. Die Pflicht ist getan – die Tage bis zum Rückflug dienen der Kür (Ideen, Konzepte, Projekte). Wetterbericht kündigt für den Tag meiner Rückkehr in ganz Deutschland Dauerfrost an, brrr… Reste-Essen, Schnack mit einheimischem Kumpel, der auf einmal vor der Tür steht. Endgültiger Seitenstand: 429.

Auf der Strasse nach Süden...

Wer generell wissen will, warum ich ausgerechnet nach Ibiza fahre, um meinen Roman zu schreiben, kann das hier nachlesen.