“Dr. Hope”: Waffenruhe

Gepostet am 12. März, 2010 um 14:24 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, In Arbeit, Neues, Privates.

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((c) ZDF und Erika Hauri)

Die SZ hat es eben vermeldet:

“”Dr. Hope”: Lösung in Sicht

(…) Danach erhält Krauss 15 000 Euro “als Abgeltung der wissenschaftlich-publizistischen Leistung, die in Auffindung und Darstellung des verfilmten Stoffes liegt”; so seien alle etwaigen Rechte Krauss” an der Verwertung des Films und eines Begleitromans abgegolten, sie erhebe keinen Plagiatsvorwurf (…)  tyc”

Nochmal fürs Protokoll: “sie erhebe keinen Plagiatsvorwurf“.

Am Ende musste die Gegenseite einsehen, dass der Plagiatsvorwurf nicht halt- oder belegbar ist, und hat gar nicht erst Anzeige erstattet. Aus dem Skandal wurde plötzlich wieder eine Verhandlungssache, und was noch vor zwei Jahren unverschämt und inakzeptabel war, schien der Gegenseite plötzlich fair und angemessen. Schau an.

Damit ist die hässliche Angelegenheit ausgestanden, der Vorwurf hinfällig, und ich kann mich wieder mit Sachen beschäftigen, die tatsächlich relevant sind. Zum Beispiel dem Badmovies-Forumstreffen in Nürnberg an diesem Wochenende.

Es ist kein fauler Kompromiss, ganz im Gegenteil. Schon in unserem Autorenvertrag hatten wir die Bitte eintragen lassen, Frau Krauss als Beraterin zu würdigen. Ihr erinnert euch vielleicht:

Darum wurde der Historikerin, die die größte „Hope“-Biographie geschrieben hatte, von uns als Beraterin der Produktionsfirma vorgeschlagen. Wir hofften darauf, dass sie uns bei den Details zur Seite stehen könne, für ein Honorar, eine Erwähnung im Nachspann, eine Danksagung.

Es wurde ihr Geld für ihre Quellenarbeit und ein Credit angeboten.

Das lehnte sie unter allerlei Forderungen und Drohungen ab. Sie wollte mehr. Viel mehr.

Jetzt bekommt Geld für ihre Quellenarbeit und einen Credit.

Weniger Geld, als sie bekommen hätte, wenn sie vor zwei Jahren unterschrieben hätte. Sie bekommt auch keine Rechte an der Figur Hope. Den Vorwurf des Plagiats muss sie zurückziehen. Den Zweiteiler in ihrem Sinne zu beraten und zu beeinflussen, die Chance hat sie ebenfalls vertan. Sie wurde beim Filmfest nicht auf die Bühne geladen, bei den Pressekonferenzen nicht als Fachfrau präsentiert. Das muss schal schmecken, und weh tun.

Sie hätte es einfacher haben können – ohne Drohungen, ohne Verleumdungen, ohne Schmierkampagne in der Presse. Das Ergebnis wäre dasselbe gewesen. Sogar besser noch: Hofmann & Voges hätte ihr sicher mehr geboten, hätte man nicht in den letzten Wochen beträchtliche Honorare an Anwälte zahlen müssen, die gegen die Vorwürfe vorgehen.

Auch der Sache ist nicht gedient: Da Frau Krauss explizit keine Rechte an dem Stoff zugesprochen bekommt, ist kein Präzedenzfall für andere Sachbuchautoren und Biographen geschaffen worden. Ihre kreative Eigenleistung wurde weder anerkannt, noch vergütet.

Wie Lärm um nichts also? Na ja, ich fühle mich wohler damit, dass die primäre Quelle unserer Recherchen entsprechend gewürdigt wird. Ich habe ihr das ja nie missgönnt. Noch vor drei Wochen habe ich in einem Interview mit dem Münchner Merkur betont:

Meine Mit-Autorin Katrin Tempel hat Frau Krauss kontaktiert, weil wir so begeistert waren von dem Stoff und der Arbeit, die sie geleistet hat, dass wir unbedingt mit ihr zusammenarbeiten wollten.

Die Pressekampagne werde ich Frau Krauss allerdings nicht verzeihen. Das war niederträchtig und verlogen. Letztlich ineffektiv, aber trotzdem niederträchtig.

Ich bin auch froh, dass der Plagiats-Vorwurf aus der Welt ist. Wer mich kennt weiß, dass ich sowas nicht nötig habe. Oder zumindest nicht dumm genug wäre zu glauben, ich käme damit durch.

sie erhebe keinen Plagiatsvorwurf

Ich bin sauber. Und jetzt habe ich es auch schriftlich.

Besonders dankbar bin ich den Lesern meines Blogs, die daran nicht gezweifelt haben.

Tron. Legacy. Awe. Some.

Gepostet am 9. März, 2010 um 20:28 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Dieses Kinojahr macht Träume wahr – ich möchte euch allerdings mit aller Inbrunst die Fullscreen-Variante ans Herz legen:

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Ultimate Bizarro Movie Experience: Artwork that will blow your brain! (1)

Gepostet am 8. März, 2010 um 22:43 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.

Früher habe ich mir von den Filmmessen, die ich nicht selber besuchen konnte, alles mitbringen lassen, was irgendwie nach Genre-Material aussah: Horror, Science Fiction, Fantasy. Es liegt in der Natur der Sache, dass es sich dabei hauptsächlich um Flyer für Filme handelte, die oftmals noch nicht produziert waren – und oft genug auch nie produziert werden würden.

Nun sollte man meinen, dass Menschen, die etwas zu verkaufen haben, sich wenigstens ein Mindestmaß an Mühe geben, Begeisterung oder Optimismus zu verbreiten. Mitnichten. Auf den Filmmärkten wie dem AFM (American Film Market) trifft sich der Bodensatz, und Projekte werden nicht verkauft, sondern verhökert. Mancher Teilnehmer gebiert sich als eine Mischung aus Gebrauchtwagenhändler und Zuhälter. Der Wahrheitsgehalt bleibt gerne und oft auf der Strecke.

Ein paar ganz bezaubernde Beispiele habe ich euch hier mal rausgesucht. Alle Bilder sind klickbar.

LycantropusDas fängt ja gleich gut an – schon der Titel dieses Prachtstücks ist anscheinend falsch geschrieben, jede Form von Design glänzt durch Abwesenheit, dafür gibt es Sex & Monsters, und meinen Recherchen zufolge blieb es bei diesem Flugblättchen.

Über den Regisseur “Robert Fani” konnte ich ebenso wenig herausfinden wie über die herzig benamste Darstellerin “Edel Weiss” (!!). Vielleicht weiß einer von euch ja mehr. Jedenfalls habe ich nicht das Gefühl, dass uns hier ein Meisterwerk entgangen ist. Besser als “The Wolfman” wäre er aber sicher gewesen…

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Wenn es eine Sache gibt, die ich den asiatischen, afrikanischen, und russischen Distributoren ans Herz legen möchte, dann diese: Gebt einfach die 50 Dollar für einen anständigen Übersetzer eurer Promo-Materialien aus! Das ist gut angelegtes Geld. Nun mag man denken: “Okay, der Text auf dem Cover ist krude, aber man versteht doch halbwegs, worum es geht”.

Sicher.

Aber lest mal die Inhaltsangabe auf der Rückseite:

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Wenigstens GIBT es dieses Prachtstück – als Import sogar in Deutschland (mit einer noch etwas stümperhafteren Artwork).

aftershockMachen wir den Sprung von “schräg” zu schlicht “inkompetent”. Hallmark ist nicht gerade eine kleine Firma, und gönnt sich immer wieder Produktionen, die bei Budget nicht kleckern, sondern klotzen. Ich erinnere mich gerne an Miniserien wie “Die Odyssey” mit Armand Assante (angeblich zusammen mit “Der Glöckner von Notre Dame” die erste kommerzielle DVD in Deutschland).

Aus diesem Grund muss ich unterstellen, dass man furchtbar in Eile war, und in der Hotellobby nur eine Papierschere und einen Farbkopierer zur Verfügung hatte, um die Artwork für “Aftershock” zu erstellen. Anders ist das, was bei der MIPCOM als Flyer verteilt wurde, echt nicht zu rechtfertigen.

Ein wirkliches Highlight ist hingegen “The Wild Cat”:

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Falls es jemand nicht gleich erkennt: Von der üppigen Inderin links im Bild abgesehen ist das natürlich die “entliehene” Artwork von Charles Bands “Ghost Town“. Die Dame scheint dem Blick nach selber nicht begeistert. Wildkatze ist anders…

Das ist aber noch nicht alles – die Rückseite hält noch ein paar Überraschungen bereit, und es lohnt sich, die Inhaltsangabe zu lesen:

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Die abschließend gestellten Fragen bringen mich um den Schlaf. Und jawoll, das ist Gabrielle Anwar in Abel Ferraras Remake von “Invasion der Körperfresser” (die Katze gehört nicht hierher).

Tatsächlich wurde “Billi (The Wild Cat)” gedreht, allerdings erst 2006, und der Name des Regisseurs (Autors, Cutters, Produzenten) wandelte sich von “Leo” in “Tilak”. Hhhhmmm….

aod1Zurück in deutsche Gefilde. Horrorporno-Filmer Andreas Bethmann war noch nie dafür bekannt, sich um die Qualität seiner Filme zu scheren. Oder um Artwork. Oder Rechtschreibung. Oder “truth in advertising”. Case in point: “Angel of Death”.

Bethmann ist genau die Sorte Schundkurbler, die erheblich zuviele graue Zellen dem Trashfilm-Konsum geopfert hat, ohne auch nur im geringsten verstanden zu haben, was einen guten Trashfilm ausmacht. Irgendwie Sex und Gewalt in einen Topf, rühren, auskochen, bis auch eine eventuell vorhandene Restkompetenz sich verflüchtigt hat – fertig ist die Schlachtplatte für den Gore-Bauern.

Ich kann euch nur inständig bitten, die nachfolgende Inhaltsangabe in ihrer ganzen epischen Breite (Aufbau, Stringenz, Sprachgefühl, Rechtschreibung) zu genießen. Aus dann ersichtlichen Gründen aber erst nach dem Break.

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Iron. Man. Rock. Hard.

Gepostet am 8. März, 2010 um 19:56 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Gimmegimmegimme:

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Nicht mal einmal hingeguckt: Spiegel online/Getty Images massive *FAIL*

Gepostet am 8. März, 2010 um 08:54 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

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Selbst wenn man drei oder viermal genau hinschaut, wird man hier kaum “Ben Carrington” (aka Christopher Cazenove) erkennen – es ist augenscheinlich Anthony Head (“Buffy”).

NACHTRAG: Immerhin – 15 Minuten, nachdem ich per Email auf den Fehler hingewiesen habe, wurde das Bild ausgetauscht.

Kurze Oscar-Gedanken

Gepostet am 8. März, 2010 um 07:45 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Ich habe die Verleihung nicht geschaut. Ich finde das nicht spannend, mein Schlaf ist mir wichtiger, und blöderweise liege ich auch meistens meilenweit daneben mit meinen Voraussagen. Es ist allemal ausreichend, morgens beim Frühstück die Tabelle mit den Gewinnern zu studieren.

Dieses Jahr kann ich nur sagen: Respekt. “Hurt Locker” als bester Film und beste Regie, das entspricht meinem Verständnis von Fairness. Und dass “Avatar” alle relevanten technischen Oscars bekommen hat, ist genauso gerechtfertigt wie die Tatsache, dass ihm die wirklich wichtigen Auszeichnungen versagt blieben. Ich hätte vermutlich den Rest des Tages mit den Zähnen geknirscht, wenn dieses Öko-Eso-Wellness-Spektaktel als bester Film des Jahres 2009 in die Geschichte eingegangen wäre.

Christoph Waltz? Freut mich. War aber nun wirklich keine Überraschung. Sandy Bullock? Das hätte ich nicht gedacht – harte Konkurrenz, eher banaler Film. Ich gönne ihr die Statue, weil sie die Chuzpe hatte, am Tag zuvor die Goldene Himbeere für “All about Steve” persönlich in Empfang zu nehmen. Ob Jeff Bridges seinen Oscar nur wegen der darauf angelegten Kampagne bekommen hat, ist mir egal – er hätte ihn früher schon verdient.

Anzumerken sei, dass Waltz vor ein paar Jahren noch in einer Handvoll Schundstreifen des von mir verehrten, und leider 2009 verstorbenen Harry Alan Towers mitgespielt hat: “Terror im Orient Express”, “She”, “Queen’s Messenger”, “Dorian”.

Es fällt auf, dass die zwei am meisten geehrten Filme (“Hurt Locker” und “Push”) mit sehr amerikanischen Sujets in Deutschland kaum Wellen gemacht haben.

Eben wollte ich allerdings zum Mörder werden: Bei mir lief (eher zufällig) der Lokalsender Radio NRJ. Da brachte es die launige, aber unerträglich inkompetente Moderatorin fertig, Kathryn Bigelow (“Near Dark”, “Blue Steel”, “Point Break”) als “praktisch unbekannte Regisseurin” und “junge Frau” (sie ist 59) zu bezeichnen. Den Namen konnte sie auch nicht aussprechen.

Ich verlange ein interaktives Feature, über das man diese merkbefreiten Äther-Schwätzer auf die Schnauze hauen kann…

“Dr. Hope” Special (2): Regie-Tagebuch

Gepostet am 5. März, 2010 um 09:48 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

“Die Zeitreise gelingt”

Drehtagebuch von Regisseur Martin Enlen

Am 6. Dezember 2008 wurde nicht nur in ganz Deutschland Nikolaus gefeiert, sondern auch im Münchner Wirtshaus am Schlachthof das Abschlussfest vom Dreh “Dr. Hope”. Weit über hundert Mitwirkende (Team und Schauspieler) waren mit dabei, um das Ende der 50 Dreh­tage zu feiern. Ein emotionaler, bewegender Abschied, da für die allermeisten die Zeit und Arbeit mit “Dr. Hope” hier wirklich endete (für mich sollte sie noch bis Ende Juni 2009 weitergehen). In meiner tradi­tionellen Abschlussrede kam ich auf einige ganz persönliche “magi­sche Momente” während des Drehzeitraums zu sprechen. Sicherlich hat jeder Mitarbeiter so seine eigenen Erinnerungen, manche über­schneiden sich auch bestimmt – aber dies sind meine:

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((c) ZDF und Erika Hauri)

1. Drehtag
Wir beginnen im Park von Schloss Nymphenburg (den wir für Leipzig verkaufen) an einem großen See. Ursprünglich sollte die Szene mit Hope in einem Ruderboot stattfinden, aber da der See und die darin lebenden Tiere unter Naturschutz stehen, gibt es keine Boote – statt­dessen viele Komparsen, die flanierend über Wege und Wiesen lau­fen. Und es ist ein wahrhaft großer Moment, als unsere Darsteller in ihren Originalkostümen an diesem besonderen Ort auftauchen. Es liegt noch ein leichter Morgennebel über dem See, die Sonne bricht zaghaft durch die Bäume, als nach meinem ersten “Bitte” diese einge­frorene, historische Postkarte das erste Mal zum Leben erwacht. Mein großer Respekt gilt auch Tim, meinem zweiten Regieassistenten, der es tatsächlich schafft, im Kostüm auf einem riesigen Hochrad durch das Bild zu fahren – ohne umzukippen! Und Heike (Makatsch), soviel ist nach wenigen Augenblicken klar, wird Dr. Hope mit soviel Leben füllen, dass ich mir um eine historische Starre keine Gedanken ma­chen muss.

3. Drehtag
Hope und Otto heiraten standesamtlich. Das ging schnell, erst der dritte Drehtag, aber schön zu sehen, wie gut die Chemie zwischen Heike und Justus (von Dohnányi) stimmt. Nach seinen anfänglichen Beden­ken hat er offensichtlich nun auch Freude, sich selber mal 20 Jahre jünger zu sehen…

5. Drehtag
Der erste Auftritt von Carl (Martin Feifel) – und dann gleich eine ab­solut mitreißende Rede vor über hundert “Arbeitern und Sozialisten” in einem engen, dampfigen Wirtshaussaal. Und Martin (Feifel) reißt uns alle mit. Nach einer Woche kann man sagen: Die Zeitreise gelingt!

11. Drehtag
Wir drehen in der Münchner Ruhmeshalle, direkt an der Bavaria. Das Oktoberfest ist gerade erst am Wochenende zu Ende gegangen, die Abbauarbeiten sind in vollem Gange. Wir versuchen, einen Blickwinkel zu finden, die unsere historische Illusion nicht stören, während der Tonmann einen hoffnungslosen Kampf führt: gegen den Lärm der Ab­rissarbeiten auf der “Wiesn”.

12. Drehtag
Der Münchner Hofgarten ist unser Motiv. Großartig, wie viel man hier fast im 360 Grad Winkel zeigen kann (inkl. Frauenkirche), ohne später eine digitale Retouche vornehmen zu müssen – alles echt! Aber natür­lich hat man an einem so zentralen Platz auch viele Zuschauer – lei­der nicht historisch gekleidet. Das weitläufige Absperren ist ein wahr­haft kompliziertes, logistisches Unterfangen mit vielen Zusatz­helfern. Aber es gelingt.

16. Drehtag
Wir sind an den sogenannten Osterseen (südlich von Starnberg), und der Wettergott meint es (wieder mal!) sehr gut mit uns: klare Sicht auf das fantastische bayerische Alpenpanorama! Heut hat “Baby” seine Premiere – das ist Hopes Oldtimer, der für diesen Film speziell ange­fertigt wurde, da es ja nicht nur historisch korrekt aussehen, sondern auch über Stock und Stein (und Wiese …) fahren soll. Ein großer Mo­ment für uns alle, als der Wagen angetuckert kommt – und Heike lernt wirklich schnell, ihn zu beherrschen. Und auf dem Kühler (dem Fabri­katennamen) haben wir unsere Produzentin (Claudia) “Rittig” ver­ewigt. Eine Überraschung, sie sieht es an diesem Tag das erste Mal und ist sichtlich gerührt. Wie schön – sie hat es mehr als verdient!

20. Drehtag
Ein sehr langer Tag bzw. eine sehr lange Nacht, da wir die Ankunft von Ottos Kutsche zum Jahrhundertwechsel drehen und dafür auch künstlichen Schnee erzeugen. Und zwar einen besonderen Schnee. Ich möchte einen, der durch die Luft schwebt, nur ganz langsam zu Boden fällt. Das ist in Wirklichkeit eine Art Asche, die sanft durch den Wind gleitet. Der Haken: Die “Fackeln”, wie die speziellen Schnee-kanonen genannt werden, können nur bis zu zwei Minuten am Stück laufen. Schon deshalb erweist sich dieses Nachtbild als sehr mühsam, es ist sehr kalt und nass, und alle sind am Frieren.

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Fotofrei & Spaß dabei: Der ungedruckte “Coyote Ugly”-Artikel aus der TV Sünde

Gepostet am 2. März, 2010 um 12:00 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

Ich hatte es vor einigen Tagen angekündigt: Ein Artikel von mir, der aus Streitigkeiten über die Fotorechte nicht abgedruckt werden konnte, findet sein Gnadenbrot nun hier. Aus naheliegenden Gründen lasse ich lediglich die Bildunterschriften weg. Man berücksichtige bei der Lektüre bitte Medium und Zielgruppe.

Coyote Ugly: Der heisseste Tresen des Universums!

Gute Laune, gutes Bier, und scharfe Ladys hinter der Bar: In mehr als einem Dutzend „Coyote Ugly“-Saloons weltweit geht es rund

Es ist eine dieser Ideen, die man eigentlich nur haben kann, wenn man betrunken ist – oder verdammt clever: 1992 entschied sich Liliana Lovell, eine Karriere an der Wallstreet sausen zu lassen, um Bartenderin zu werden. Und sie machte schnell Furore, weil sie auf der Theke tanzte, und die meist männlichen Gäste singend und johlend dazu animierte, immer mehr Getränke zu ordern. Schon bald brachte sie anderen Girls bei, das Publikum sexy, aber anständig aufzuheizen, und im Januar 1993 eröffnete in Manhattan das erste „Coyote Ugly“: Ein Saloon, in dem man zum Bier auch richtig was für die Augen geboten bekommt.

Vier Jahre später schrieb ein Bar-Girl für das „GQ“-Magazin einen Artikel über seine Erlebnisse – daraus wurde am Ende der Film „Coyote Ugly“, der 100 Millionen Dollar einspielte, und den Begiff CU weltweit populär machte. Mittlerweile ist aus den „Ugly“-Bars eine ganze Kette geworden, die zwar nach strengen Regeln aufgebaut ist, in den einzelnen Saloons aber lässig entspannt rüberkommt. Ein Besuch im „Coyote Ugly“ von Las Vegas beweist es: Die Musik ist laut, das Bier kommt aus der Flasche, und Bri hinter der Bar hat mehr Tattoos als die meisten Trucker auf dem Highway. Vickie schwenkt den knackigen Hintern im kurzen Schottenröckchen, wenn sie sich zur Kasse umdreht, und irgendwann steckt sich Violet einen Plastikbecher in den üppigen Ausschnitt, und fordert zum „Booze Ball“ auf: Besucher können einen Dollar zerknüllen, und auf den Becher werfen. Wer trifft, bekommt einen Drink umsonst. Wenn der Dollar daneben geht, ist er Trinkgeld für Violet.

Plötzlich grölen ein paar Jungs, die einen feuchtfröhlichen Junggesellenabschied feiern: Einer von ihnen muss sich über den Tresen legen, und kriegt den Hintern von der resoluten Lorie mit dem Gürtel verdroschen. Immer wieder gibt es neue Spiele, neue Tänze, neue Aktionen. Ein paar bullige Security-Jungs achten dabei darauf, dass der Spass nicht ausufert, und niemand die Mädels unerlaubt antatscht. Denn eins ist das „Coyote Ugly“ nicht: Ein getarnter Neppschuppen, in dem sich billige und willige Bardamen abschleppen lassen. Jen, Bri, Tiffany und ihre Kolleginnen sind Profis, und verdienen Respekt, auch wenn sie immer wieder begeistert auf den Tresen springen, und die Meute mit heißen Tänzen anheizen.

Mittlerweile gibt es ein Dutzend „Coyote Ugly“-Saloons in den USA, einen in Moskau – und endlich auch zwei bei uns! In Koblenz und in Baumholder warten Girls wie Steffi, Sabrina, und die rassige Vanessa darauf, den Gästen zu beweisen, dass sie sich vor den US-Ladys nicht zu verstecken brauchen. Das lohnt auch die Fahrt in die Provinz – am besten mit guten Kumpeln…

Wer jetzt traurig ist, dass sich die Bardamen der CU-Kneipen nicht mit nach Hause nehmen lassen, der kann sich mit mit dem aktuellen Girl-Kalender 2010 trösten, den es in den Bars immer noch zu kaufen gibt…

Journalismus 2010: Drecksarbeit

Gepostet am 27. Februar, 2010 um 16:44 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Wenn ich mir die Meldungen der letzten Wochen so ansehe, dann muss ich mir selbst eingestehen, 20 Jahre lang naiv gewesen zu sein: Schmierenkampagnen scheinen ebenso an der Tagesordnung zu sein wie Bespitzelungen, und eine Branche verlangt nach Bestandsschutz, die nicht mal mehr die eigenen Mindeststandards erfüllt, mit denen sie sich angeblich von Bloggern und Online-Medien abhebt.

Mir sind diese Woche gleich zwei Dinge widerfahren, die aktuelle Probleme der gedruckten Presse dokumentieren, ohne gleich hochtrabende Begriffe wie “Qualitätsjournalismus” oder “redaktionelle Autonomie” zu strapazieren.

landideeFall 1: Ich schreibe für die “LandIdee”. Das ist bekannt. Ein wertiges Heft, und wirklich befreiend, weil es grundsätzlich um positive Dinge geht, um das Schöne im und am Leben. Leser, Schreiber und Beschriebene bilden eine wohlfühlige Einheit, es ist eine win-win-win-Situation, die ohne Enthüllungen, üble Nachrede, und Panikmache auskommt. “LandIdee” ist gut für mein journalistisches Karma. Viel Arbeit ist es trotzdem.

Derzeit rödeln wir fleißig an der neuen Ausgabe, und dafür telefoniere ich ständig in der Republik herum, um alte Werkstätten und Familienbetriebe zu finden, die wir porträtieren können. Meistens ergibt sich eine freundliche, manchmal sogar herzliche Zusammenarbeit, die sich in liebevollen Reportagen niederschlägt.

Doch bei zwei möglichen Betrieben, über die wir eine Geschichte machen wollten, wurde ich mit einer skeptischen Zurückhaltung konfrontiert, die in fast identisch gestellten Fragen mündete: “Was soll uns das denn kosten, wenn Sie über uns berichten?”

Es stellt sich heraus, dass die Firmen mehrfach, manchmal sogar regelmäßig, von “Journalisten” kontaktiert werden, die einen Deal bieten: Berichterstattung gegen Geld, oder – juristisch sauberer – gegen Anzeigenschaltung. Es gibt auch die Variante mit dem Buch: Ein Betrieb wird in einem Prachtband über seine Region gefeatured. Dafür verpflichtet er sich, dem Verlag 100 Bücher abzukaufen. Bei 100 porträtierten Betrieben ist das eine exzellente verkaufte Auflage von 10.000 Stück, und das ohne wirtschaftliches Risiko. Das Geschäftsmodell ist üblicher, als man denken (und hoffen) sollte.

Nun höre ich nicht das erste Mal, dass “Berichterstattung gegen Anzeige” in der Printbranche kein Tabu ist. Gerade in Service-Zeitschriften, die Produkte vorstellen (Autos, Stereoanlagen, Videospiele) ist das gang und gäbe. Mehr noch: Auch die Bewertung der Produkte wird an das Anzeigenaufkommen geknüpft. Im Videospiel-Bereich werden Tester mitunter nur dann mit Mustern bestückt, wenn sie versprechen, dass der Titel eine Top-Wertung bekommt. Manchmal wehren sich die Kollegen, oft wird es aber auch als notwendiges Übel hingenommen.

Pfeif auf Begriffe wie Standesehre und journalistischer Auftrag: Ich habe keine Ahnung, wie manche Kollegen es mit ihrem simplen Selbstverständnis vereinbaren, ihre Arbeit und ihr Integrität derart schäbig zu verhökern. Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten können doch nicht alles rechtfertigen.

Für mich kommt sowas nicht in Frage. Hätte ich im Auftrag von Firmen Waren unters Volk bringen wollen, wäre ich in die Werbung gegangen. In beiden Fällen habe ich den Betrieben versichert, dass wir kein Interesse an einer solchen “Kooperation” haben – wir berichten im Interesse unserer Leser, und das ist nicht käuflich. Sichtliche Erleichterung war die Reaktion, und das Resultat sind bezaubernde Reportagen, die in der nächsten LandIdee (kommt Ende März) zu lesen sein werden.

TVsuendeFall 2: Ich schreibe für die “TV Sünde”. Das ist bekannt. Ein Radau-Heft der fast schon satirischen Sorte, rüde im Ton, luderig im Bild, und mit einer hohen Preis/Möpse-Ratio für Leute, die ihre TV-Zeitschrift “nach Gewicht” kaufen (darf’s ein bisschen Fleisch mehr sein?). So wie die LandIdee gut für mein journalistisches Karma ist, so wird die TV Sünde mich in die Hölle bringen. Aber es macht Spass, auch mal über Rockstars und ihre Penisse zu schreiben. Die TV Sünde ist vielleicht kein Sturmgeschütz der Demokratie, aber sie ist “harmless fun” für eine Leserschaft, die in jedem Werbeblock nach Mitternacht rüdere Kost geboten bekommt.

Nun war ich kürzlich in den USA unterwegs, und stolperte bei meinen “Recherchen” (ähem) auch in ein Etablissement der “Coyote Ugly”-Kette. Franchise hin oder her: Diese Saloons mit dem billigen Bier und den sexy Girls hinter dem Tresen haben mir gefallen. Irgendwann dachte ich: Schicke Grundlage für einen Artikel in der TV Sünde. Dann kann ich sogar das Bier absetzen, und die zwei Dollar, die ich beim “booze ball” verloren habe.

Grundlage jedes Artikels in der TV Sünde sind die Fotos – da ist das Heft nicht anders als die LandIdee. Wir kontaktierten also Coyote Ugly USA und Coyote Ugly Deutschland mit der Bitte um Pressefotos. Ich beschrieb den Amerikanern unser Heft folgendermaßen: “We have a few nude and semi-nude pictorials, but nothing too raunchy (that would get us banned from distribution, anyway). The articles mainly focus on cool places to go, how to look good for the ladies, and crazy sex laws from around the world. Harmless fun, really. We have done a similar feature with “Trashy Lingerie” from Los Angeles recently, an both parties were really happy with the result.

Außerdem schickte ich noch einen aktuellen Cover-Scan, damit die US-Boys wussten, womit sie es zu tun hatten. Wir schämen uns für die TV Sünde nicht, und vermarkten sie deshalb auch nicht “sauberer”, als sie tatsächlich ist.

Tatsächlich bekamen wir einen ganzen Haufen toller Bilder von den Bars und den Babes, alles jugendfrei, versteht sich. Eine Kollegin besorgte noch ein paar weniger professionelle, aber allemal verwertbare Fotos aus den beiden deutschen Dependancen von “Coyote Ugly”. Sie versprach dem deutschen Lizenzbesitzer, er könne vor dem Abdruck einen Blick auf den Artikel werfen, um sicherzugehen, dass seiner Franchise dadurch kein Schaden entstehe. Das ist okay, und nicht unüblich. Quid pro quo.

Nun geschah ein blöder Fehler: Eine andere Kollegin schickte das Layout des Artikels als PDF zum Lizenznehmer mit der Notiz, der Artikel könne nun abgenommen werden. Problem: Der Text war noch Blindtext aus einer alten Ausgabe (was über Sexsucht bei Promi-Schauspielern, wenn ich mich recht erinnere), der richtige Text noch gar nicht geschrieben. Erbost rief der Lizenznehmer an und polterte, in dem “Artikel” kämen die Bars ja gar nicht vor. Ich erklärte ihm die Sachlage, bat um Verzeihung für den Fehler, machte aber auch klar, dass ich ihm sowieso nicht die Hoheit einräumen könne, den Tenor oder die einzelnen Formulierungen des Artikels zu bestimmen. Da bin ich bei der TV Sünde so strikt wie beim SPIEGEL.

Trotz aller testosteron-geschwängerten Streitigkeiten einigten wir uns schließlich darauf, dass der Artikel erscheinen können, sofern er vorab vom Lizenznehmer abgesegnet würde. Es wurde auch Zeit, denn das Heft sollte in Druck gehen. Angesichts meiner Begeisterung für die “Coyote Ugly”-Bar schrieb ich einen sehr positiven Text mit deutlich werbendem Charakter und einem besonderen Fokus auf der Tatsache, dass es sich bei aller Sexyness eben nicht um einen Bumsschuppen handelt, in dem man die Bargirls abschleppen darf. Titel: “Die heissteste Theke der Welt”

An dem Tag, an dem das Heft in Druck gehen sollte, kippte der Lizenznehmer den Beitrag. Warum? Es lag nicht an meinem Artikel. Konnte es ja auch nicht, der war respektvoll und enthusiastisch. Ich kann nur vermuten, dass sich der zuständige Herr endlich mal eine TV Sünde am Kiosk gekauft hatte – denn man wollte plötzlich “in so einem Umfeld” (ich paraphrasiere) nicht präsentiert werden.

Nun hätte er sich vorher schlau machen, und die Kooperation gleich von Anfang an ablehnen können. Hat er nicht. Man hat kooperiert, ohne sich zu informieren. Uns am Tag vor Druck ins Kreuz zu treten ist nicht gerade im “spirit” einer guten Zusammenarbeit. Wir haben von Anfang an mit offenen Karten gespielt, und der Artikel ist so positiv, wie er nur sein kann. Aber egal: Ohne die lizensierten Bilder war der Beitrag undruckbar, und genau diesen Hebel nutzte der Lizenznehmer.

Binnen von zwei Stunden musste ich eine doppelseitige Alternative finden, recherchieren, bildmäßig ausstatten, und schreiben – so kam es zu dem oben genannten Beitrag über “Rockstars und ihr bestes Stück” (der ziemlich gut geworden ist). Brutal, aber es braucht schon mehr, um mich aus der Ruhe zu bringen.

Was lernen wir daraus? So wie es viele Journalisten gibt, die sich mittlerweile auch als Anzeigenakquise ihres Verlages sehen, so gibt es viele kommerzielle Partner, die ernsthaft glauben, sich redaktionell einmischen zu können/dürfen/müssen. Für die ist “win-win” ein Deal, bei dem beide gewinnen – nur der Leser wird halt angeschmiert. Auf beiden Seiten ist der Respekt vor dem journalistischen Produkt erodiert, es ist zur reinen Rohmasse verkümmert, in die jeder seine Interessen und Vorgaben injizieren kann.

Mir bleibt als letzte Bastion der journalistischen Weißweste dieser Blog, und erfreulicherweise kann mir niemand verbieten, meinen gekippten Text zur “Coyote Ugly”-Bar hier zu posten. Das werde ich dieser Tage machen. Und zu den Bildern kann ich dann ja verlinken. Bätsch.

Craig Ferguson – breakin’ all the rules

Gepostet am 25. Februar, 2010 um 10:36 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Ich habe in letzter Zeit das Gefühl, dass Craig Ferguson auf Sinnsuche ist – immer wieder, immer radikaler bricht er mit dem ehernen Format der Late Night Show: Puppen-Intros, Pop-Songs, ein Stargast (Eddie Izzard) statt des Eröffnungsmonologs.

Vorgestern hat er dann gänzlich mit dem Konzept gebrochen: Als Rückgriff auf Tom Snyder, der die Sendung vor fast 20 Jahren vornehmlich als ruhiges Talkformat führte (seine Gespräche mit Harlan Ellison und P.I.L. sind legendär), warf Craig allen Schnickschnack raus: Kein Publikum, keine Musik, keine Gags. Zwei Stühle, eine Meinung. Sein Gast: Stephen Fry.

Man mag unterstellen, dass ein Gespräch mit Fry per Definition nicht langweilig sein kann (und Craig erwähnt das auch selbst), aber wenn diese bis auf die Knochen reduzierte Late Night Show etwas beweist, dann das: Ferguson ist auch “pur” und “in ernst” gut, und sicher der beste und empathischste Interviewer unter den Late Nightern.

Hier das Intro:

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Den Rest der Sendung gibt’s da auch.

Dolph Lundgren is IN DA HOUSE!

Gepostet am 23. Februar, 2010 um 11:52 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.

Während sich Steven Seagal als Hilfssheriff blamiert, und van Damme beim Bühnentanz einen Ständer bekommt, zeigt der baumlange Schwede in der Heimat, wie man wirklich abrockt:

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“Dr. Hope” Special (1): Szenenbild

Gepostet am 21. Februar, 2010 um 11:45 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

Wie angekündigt werde ich in den nächsten Wochen bis zur Ausstrahlung viel Material aus dem üppigen Presse-Special des ZDF posten – leider ist ja nicht zu erwarten, dass viele Magazine den Platz haben, um z.B. ein Interview mit der Szenenbildnerin abzudrucken, so spannend es auch sein mag.

45034-1-06

((c) ZDF und Erika Hauri)

“Wir haben extra ein Oldtimer-Auto gebaut”

Su Proebster

(Ausstattung/Szenenbild)

Su Proebster ist in Bielefeld geboren und in Berlin aufgewachsen. Zehn Jahre lang betrieb sie Schwimmen als Leistungssport. Nach ihrer Gesellenprüfung als Tischlerin belegte sie Seminare in Bildhauerei und machte erste kleine Schritte in Richtung Szenenbild als Bühnen- und Kostümbildnerin bei kleinen Independent Art Festivals. Kontakt zum Film bekam Su Proebster zunächst als Stuntfrau. Ab 1985 war sie dann für Baubühne und Requisite bei der Musiksendung “Formel Eins” zuständig. Nach einer Szenenbildnerassistenz folgten erste eigene Arbeiten als Szenenbildnerin für Musikvideos. Nach ihrer letzten “For­mel Eins”-Sendung 1989 war Su Proebster als Requisiteurin, Requisi­tenbauerin und Art Director tätig, seit 1993 als Szenenbildnerin in di­versen Produktionen. Mit dem Drama “Roula” (1995) begann Su Proebsters langjährige Zusammenarbeit mit dem Regisseur Martin Enlen. Su Proebster war außerdem für die Designs von Red-Carpet-Shows und After-Show-Partys zum Beispiel für “Interview mit einem Vampir”, “Brave Heart”, “Drei Engel für Charly”, “Terminator”, “James Bond”, “Spiderman” und verschiedene andere verantwortlich. Außer­dem arbeitete sie im Art Department bei “Peter Jackson’s King Kong” (2005) und Roland Emmerichs “10.000 B.C.” (2008). Für den ZDF-Dreiteiler “Der Liebe entgegen” wurde Su Proebster in der Kategorie Bestes Szenenbild für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

Interview mit Szenenbildnerin Su Proebster

Dr. “Hope” ist nicht Ihr erster historischer Film. Sind solche Aus­stattungen ein besonderer Reiz oder eher ein Fluch?

Natürlich sind die Herausforderungen wesentlich größer als an einen Gegenwartsfilm – allerdings ist es für jeden Szenenbildner ein Traum, historische Stoffe verwirklichen zu dürfen. Die Möglichkeit, eine Zeit­reise antreten und bildlich umsetzen zu dürfen, ist, wie in eine Zeitma­schine zu springen. Und im Fall von “Dr. Hope” war die medizinische Ausstattung noch eine weitere große Herausforderung. Eine Requisi­teurin war nur damit beschäftigt, alle medizinischen Requisiten zu fin­den. Oft war der Zustand aber sehr schlecht, und sie mussten restau­riert, repariert oder sogar komplett neu hergestellt werden.

…und der Gynäkologenstuhl?

Ja, Hopes Gynäkologenstuhl war eine besondere Herausforderung, aber manchmal muss man auch ein wenig Glück haben. Nachdem wir lange bei Sammlern und in Museen recherchiert und nichts gefunden haben, stießen wir zufällig bei der Suche nach anderen Gegenständen auf einen alten kaputten Gynäkologenstuhl im Filmfundus in Stuttgart. Er wurde dann von meinen Werkstätten komplett restauriert, die nach­träglich angebrachten Dinge entfernt und so wieder in den alten Zu­stand versetzt. Mann muss ja bedenken, dass all das, was man heute aus jener Zeit findet, über 100 Jahre alt ist, damals aber brand­neu war.

Haben Sie an Originalschauplätzen drehen können?

Das Münchner Wohnhaus von Dr. Hope steht heute noch, doch die Gabelsbergerstraße ist eine extrem befahrene und belebte Gegend in München, und es war unmöglich, dort zu drehen. Man kann ein sol­ches Gebiet nicht für Wochen sperren lassen. Also musste ich einen Ort finden, der möglichst viel alte Substanz besitzt und für die Vorbe­reitung und den Dreh zu kontrollieren ist. Überhaupt war die Motivsu­che in diesem Fall besonders schwierig, da die Handlung in vielen Großstädten spielt: in London, Leipzig, Frankfurt und München. Aber die passenden Locations haben wir alle in München und Umge­bung gefunden.

Inwieweit konnten Sie bei Ihren Recherchen auf authentisches Material von der historischen “Hope” zurückgreifen?

Am Anfang meiner Recherche habe ich natürlich versucht, soviel wie möglich über die Ärztin zu erfahren und Material über ihre Arbeit zu finden. Wir recherchierten in Archiven der Münchner Ludwig-Maximili­ans-Universität, dem Medizin-Historischen Museum Ingolstadt, der Charité in Berlin, in vielen Büchern und im Internet. Um die vielen Sets zu bestücken, ist das Ausstattungsteam in ganz Deutschland und Österreich in Fundis, bei Sammlern und in Museen unterwegs gewe­sen, um Stoffe, Möbel, Lampen und Requisiten zusammenzutragen. Teilweise wurden Sachen aus England geschickt. Und Utensilien, die nicht gefunden werden konnten, wurden speziell für den Film angefer­tigt.

Was denn, zum Beispiel?

Hopes Oldtimer-Auto. Ich habe Fotos davon an das Technische Mu­seum München geschickt, um Marke und Herstellungsort festzustellen und dabei erfahren, dass es um 1906 noch nicht wirklich Autofabriken gab. Viele Fahrzeuge wurden damals in Hinterhöfen von ehemaligen Kutschenbauern angefertigt, so wie auch das von Dr. Hope. Um einen reibungslosen Ablauf des Drehs zu garantieren, haben wir sogar extra ein Oldtimer-Auto gebaut. Denn ein Auto, das so aussieht wie das von Dr. Hope war nirgends zu finden, und Museumsstücke sind zu wertvoll bzw. überhaupt nicht zu bekommen. Außerdem mussten die Darsteller sicher damit fahren können. Trotz der üblichen Probleme wie Zeit und Geld ist es gelungen, dieses Fahrzeug in 20 Tagen zu bauen. Alle an­deren Fahrzeuge wie Kutschen oder Background-Autos wurden von Sammlern und speziellen Filmfahrzeug-Verleihern angemietet und teilweise beschriftet oder so verändert, dass sie authentisch ausse­hen.

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((c) ZDF und Erika Hauri)

Mussten Sie auch Straßen verändern?

Ja. Da es in einem historischen Film kein Set gibt, das man original benutzen kann, mussten alle Kulissen hergestellt bzw. bearbeitet wer­den. Das heißt, die Straßen mussten von Schildern, modernen Lam­pen, Ampeln und Markierungen befreit werden. Klingelschilder wurden entfernt, Verteilerkästen kaschiert, alte Straßenschilder angefertigt und moderne Fenster ausgetauscht oder bearbeitet. Außerdem muss­ten zeitgenössische Gardinen aufgehängt werden, und der Asphalt wurde mit Sand aufgeschüttet.

Wie authentisch sind denn die vielen Alltagsgegenstände?

Bei den Innenausstattungen – viele Sets wurden übrigens in den Ba­varia Filmstudios gebaut – ist eine enge Absprache mit den Kolle­gen von Kostüm und Kamera nötig, um Farbigkeit und Lichtstimmun­gen zu besprechen. Und um die historisch korrekten Tapeten und Stoffe zu finden, wurden Tapeten- und Stoffhersteller in ganz Europa kontak­tiert. Es gibt auch heute noch Firmen, die Repliken aus der da­maligen Zeit herstellen.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Kollegen von der Ausstat­tung, ist sie enger als bei “aktuellen” Filmen?

Das Ausstattungsteam bei einem Film wie “Hope” besteht aus vielen Spezialisten, darunter Tischler, Maler mit speziellen Patina-Kenntnis­sen, Mechaniker, Dekorateure, Näherinnen und Requisiteure. Nur eine enge Zusammenarbeit aller künstlerischen Abteilungen kann die Ziel­setzung eines solchen Projektes erreichen.

Die Interviews führte Jutta Siekmann, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des ZDF

“Dr. Hope”: Wortvogel unter Beschuss

Gepostet am 19. Februar, 2010 um 22:57 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, In Arbeit, Neues, Privates.

Es gibt Dinge, die man über den Journalismus weiß, ganz besonders, wenn man jahrelang selber in dem Bereich gearbeitet hat. Dinge, die man nonchalant als „das ist halt so“ durchwinkt, wenn sie einen nicht selbst betreffen. Dass jeder von jedem abschreibt. Dass die spannende Story allemal wichtiger ist als die wahre Story. Dass Zeit für Recherche ein Luxus ist, den sich kaum noch jemand leistet. Dass es Gefälligkeitsstorys gibt, sogenannte „hit pieces“, mit denen ein bewusster „spin“ unter die Leute gebracht werden soll.

Wie gesagt: Man winkt es durch – solange es einen nicht selbst betrifft.

Aber heute betrifft es mich selbst.

Es geht um eine Angelegenheit, zu der ich bisher geschwiegen habe, weil es ein Non-Thema ist, oder sein sollte. Es gibt keine Geschichte. Es gibt nichts aufzudecken. Das sind nicht die Droiden, die ihr sucht.

Es geht um “Dr. Hope” und die gerade epidemisch von der Presse weiter verbreitete Behauptung einer Historikerin, wir hätten uns an ihrem Werk auf justiziable Weise vergriffen.

Es wird eine Geschichte daraus gemacht. Und die passt oberflächlich prima in den Hegemann-Skandal, und zu der allgemeinen These, dass das geldgierige Fernsehen skrupellos die Geisteswissenschaften plündert, und sich an anderer Leute Arbeit bereichert.

Allein: Es stimmt nicht. Aber darum enthalten die derzeit erscheinenden Artikel auch so viel „soll“, „hat angeblich“, und „behauptet“. Das ganze Konstrukt würde implodieren, wenn sich nur ein Schreiberling mal die Mühe machen würde, die Fakten zu recherchieren, oder sich Grundlagenwissen zum Thema Plagiat und Copyright anzueignen. Kann man aber augenscheinlich nicht erwarten.

Ich erzähle jetzt einfach mal das, was ich erzählen kann, ohne mich in juristisch halsbrecherisches Fahrwasser zu begeben – in der Hoffnung, dass wenigstens ein Journalist, der die Story übernehmen will, auch mal die Hintergründe googelt. Vielleicht bin ich naiv.

Wie schon an anderer Stelle berichtet (und nie bestritten), sind Katrin Tempel (damals Kaiser) und ich durch eine Ausstellung auf die Figur der Hope Adams-Lehmann gestoßen. Es gibt eine exzellente Biographie der Frau, diverse weitere Bücher (darunter eines über Prozesse, die gegen sie angestrengt wurden), und unzählige Original-Unterlagen in den deutschen Archiven, u.a. in der Monacensia. Hinzu kommt Hopes eigenes Frauenbuch, das wir aus Osteuropa antiquarisch beziehen konnten. Katrin reiste auch nach Nordrach, wo Hope mit ihrem ersten Mann vor mehr als 100 Jahren ein Sanatorium eröffnet hatte. Insgesamt vier Jahre lang haben wir recherchiert, und die Story in immer neuen Variationen für einen Zweiteiler zusammen geschraubt.

Daraus entstand die „wahre Geschichte“ von Hope Adams-Lehmann – natürlich als Fiktion erzählt (es hat ja niemand neben ihr gestanden und ihre Gespräche mit dem Tonband aufgezeichnet). Sie ist so wahr, wie „Der Untergang“ wahr ist zum Thema Hitler. Oder „Apollo 13“ wahr ist zum Thema Apollo 13. Der TV-Film weicht dabei deutlich mehr von der Realität ab als das u.a. auf meinem Drehbuch basierende Roman-Skript von Katrin. Das liegt daran, dass wir für den Zweiteiler erheblich mehr straffen mussten, Figuren zusammen gelegt wurden (Hope hat im Film nur ein Kind, in Wahrheit hatte sie zwei), und ganze Teile von Hopes Leben (politisches Engagement, zweisprachiger Kindergarten) keinen Platz fanden. Katrin konnte für den Roman Elemente aus früheren, längeren Drehbuchfassung wieder übernehmen, und Straffungen wieder ausbreiten.

Daran ist nichts auszusetzen. Das ist normal. Es ist Fiktion. Der Zweiteiler ist keine Dokumentation, der Roman kein Sachbuch.

Es schien uns von Anfang an sinnvoll, kompetente Beratung zu haben, um die historischen Hintergründe so detailgenau wie möglich darstellen zu können. Nicht notwendigerweise „wahr“ – wir müssen uns an das halten, was auch dramaturgisch funktioniert, und das hat bei einer Fiction-Produktion Vorrang vor der historischen Realität. Trotz aller Recherche bin ich kein Historiker, und erhebe auch nicht den Anspruch. Darum wurde der Historikerin, die die größte „Hope“-Biographie geschrieben hatte, von uns als Beraterin der Produktionsfirma vorgeschlagen. Wir hofften darauf, dass sie uns bei den Details zur Seite stehen könne, für ein Honorar, eine Erwähnung im Nachspann, eine Danksagung. Vielleicht waren wir da naiv.

Dummerweise war die Historikern nach ersten Gesprächen mit der Produktionsfirma (bei denen wir nicht zugegen waren) plötzlich der Meinung, sie habe quasi ein „Copyright“ auf das Leben von Hope Adam-Lehmann. Ihr Sachbuch (eine Quelle von fast unendlich vielen) erklärte sie wohl kurzerhand zur Vorlage meines Drehbuchs (grober Unfug, das), und wollte nicht nur eine beträchtliche Summe Geld, sondern auch noch „Creator“-Credits mit weitreichenden Befugnissen. Die Produktionsfirma sah das allerdings anders – nämlich im Einklang mit der aktuellen Rechtslage.

Kleiner, aber wichtiger, Schlenker: Historische Fakten und Personen sind nicht schützbar, enthalten als solche keine schützenswerte kreative Eigenleistung. Wenn ich morgen eine Biographie über Charles Darwin schreibe, gehören mir die darin präsentierten Daten und Fakten nicht, und ich kann für sie kein Copyright geltend machen, und andere Werke über Darwin für mich reklamieren. Es würde jede Geschichtsschreibung ad absurdum führen. Das ist nicht nur selbstverständlich, notwendig, und auch im „Tannöd“-Prozess vom Gericht gerade wieder bestätigt worden – es sollte auch Allgemeinwissen sein. Bei Historikern wie bei Journalisten.

Seit die Produktionsfirma ihre Forderungen zurückgewiesen hat, versucht die Historikerin nun, unserem Projekt ins Kreuz zu treten, in dem sie überall verbreitet, man habe sie um ihre Arbeit betrogen. Sie dreht dabei die Fakten recht geschickt so, dass sie als Opfer da steht – z.B. wird beklagt, dass ihr im Roman nicht einmal gedankt worden sei. Das ist richtig, aber nur die halbe Wahrheit: Die Danksagung wurde ihr mehrfach angeboten. Nur leider war sie nicht bereit, im Gegenzug von ihren Attacken gegen eben diesen Roman abzusehen. Sie wollte die Danksagung – und das Werk gleichzeitig beschädigen.

Bei dem TV-Zweiteiler ist ihre Argumentation ebenso schizophren, wie man im Münchner Merkur sehr schön erkennen kann: Einerseits behauptet sie, es sei quasi alles von ihr abgeschrieben (ohne zu erklären, wie ein Drehbuch mit seiner Narrative und seinen Dialogen von einem Sachbuch abgeschrieben sein kann), andererseits beschwert sie sich, vieles sei „extrem verfälschend“ dargestellt. Diese Behauptung wiederholt sie auch im Vorwort der aktuellen Ausgabe ihres Buches, das ebenfalls zur Schlammwerferei herhalten muss. Beides kann kaum sein, und es wirft die Frage auf: Was soll denn verfälscht worden sein? Die künstlerische Freiheit, Hopes Leben für die Verfilmung dramaturgisch anzupassen, wird wohl kaum in die Zuständigkeit der Historikerin gehören.

Ich sage es noch einmal, weil es genau der Punkt ist, den die Autoren der genannten Artikel nicht hören wollten, weil es ihnen ihre sexy Story kaputt gemacht hätte: Historische Fakten sind nicht schützbar, ein Sachbuch ist kein Roman, und „Dr. Hope“ ist weder die Adaption noch die Verfilmung eines Sachbuches (oder einer anderen Quelle).

Es ist kein „neuer Hegemann-Fall“, weil nicht plagiiert werden kann, was vor dem Gesetz nicht plagiierbar ist. Ich selber habe eine klare Meinung zu „Axolotl Roadkill“: abschreiben ohne Quellenangabe gilt nicht. Das ist unredlich und unfair. So Theorien wie „mashup“ oder „remix“ können mir den Buckel runter rutschen – in 20 Jahren und ebenso vielen Büchern hatte ich es nie nötig, mich bei den Formulierungen und Ideen anderer Autoren bedienen zu müssen. Wäre ja noch schöner. Und genau so haben wir uns auch nicht bei den Ideen und Formulierungen der Historikerin bedient. Das kann jeder nachlesen, der es möchte. Es tut nur keiner.

Und damit kommen wir zum eigentlichen Thema zurück, dem derzeitigen journalistischen System. Der Artikel in der SZ hat mir weh getan, weil ich das Blatt für eigentlich sehr seriös halte, und mich diese Form von Gefälligkeitsschreiberei schon überraschte. Der Autor sprach am Abend vor der Veröffentlichung mit mir, war aber nicht bereit, mit Katrin Tempel, der Produktionsfirma, oder dem Sender zu sprechen. Er ging auch auf meine Erklärungen gar nicht ein, sondern betonte immer wieder, er sei selbst Historiker, und könne die Empörung der Kollegin verstehen. Nun mag man (wenn man will) die Empörung verstehen, aber das sagt immer noch nichts über die Legitimität des Anspruchs. Im vorletzten Absatz des Artikels muss der Autor, nachdem er böse (und abfällig) gegen die Arbeit von Katrin und mir getrommelt hat, selber zugeben, dass der Vorwurf auf nicht einmal tönernen Füßen steht: „Grundsätzlich ist wohl wenig dagegen zu machen, wenn Zweitverwerter wichtige historische Stoffe verhackstücken“. Aha.

Ich hakte den Artikel als Enttäuschung ab, weil ich sowas von der ehrenwerten SZ nicht erwartet hatte. Das muss der „Journalist“ mit sich selber ausmachen. Es wurde nur immer deutlicher, dass es keinen wirklichen formulierten Vorwurf gab. Was GENAU hatten wir denn nun eigentlich Schändliches getan? Nachdem historische Fakten keine schützenswerten kreativen Eigenleistungen sind, kann es ja kaum ein Plagiat sein. Und die fehlende Anerkennung der Leistung der Historikern geht ja ursächlich auf ihre eigene konfrontative Strategie zurück – ich hätte mich gefreut, eng mit ihr zusammen zu arbeiten, und sie dafür auch entsprechend zu würdigen.

Ich komme mir langsam vor wie der Angeklagte in Kafkas „Der Prozess“, der keine Ahnung hat, was man ihm vorwirft, und der sich deshalb auch nicht verteidigen kann. Eine Anklage oder Anzeige gegen “Dr. Hope” liegt meines Wissens nach jedenfalls nicht vor.

Mitte der Woche rief dann eine Dame vom „Münchner Merkur“ an, die außer der Tatsache, dass sie wohl seitens der Historikern angespitzt worden war, keinerlei Hintergrundwissen mitbrachte. Den Roman hatte sie nicht gelesen, den Zweiteiler auch nicht gesehen. Als ich meinte, dass es doch besser wäre, wenn sie sich erstmal schlau mache, erklärte sie mir, der Zweiteiler sei ja noch nicht gelaufen – das ZDF verschickt allerdings seit Wochen an jeden Journalisten, der danach fragt, eine Screener-DVD. Die Tatsache, dass es sich bei „Dr. Hope“ um einen Roman und einen TV-Film handelt, und damit eine FIKTIVE Aufarbeitung einer historischen Figur, schien ihr nicht klar.

Interessant war auch die immer wiederholte Frage der Journalistin, was mich als „Science Fiction und Fantasy-Autor“ für „Dr. Hope“ qualifiziere – als ob ich das rechtfertigen müsse. Ich wies sie darauf hin, dass ich als Drehbuchautor wie ein Journalist arbeite – ich arbeite mich in ein Thema ein. So wie ein Journalist, der für einen Artikel über Gärtnerei kein ausgebildeter Landschaftsarchitekt sein muss. Die Reduzierung meiner Arbeit auf „Science Fiction und Fantasy“-Autor hatte die Journalistin übrigens „bei Wikipedia gelesen“ (schon der Blick in meine Bio auf meinem Blog wäre wohl zuviel der Recherche gewesen).

Die Frage, was eine Historikern denn qualifiziert hätte, ein fiktionales Drehbuch zu schreiben, blieb unbeantwortet. Oder die Frage, was genau der rechtlich relevante Vorwurf sein soll.

Bald fiel natürlich das Stichwort „Hegemann“. Ich erklärte ihr seufzend die Rechtslage – mit Hegemann ist das nicht vergleichbar, allenfalls mit „Tannöd“. Und bei „Tannöd“ hat der Autor des Sachbuches (natürlich) verloren. Weil historische Fakten – seufz – nicht schützbar sind. Als ich die Journalistin bat, statt der  hingenommenen Behauptung der Historikerin doch einfach mal einen Anwalt zu fragen, was denn die Tatsachen sind, legte sie einfach auf. Und mir schwante: Es wird nicht erzählt, was zu erzählen ist, sondern was sich als sexy „Täter/Opfer“-Geschichte verkaufen lässt.

Und so ist der Artikel auch erschienen – mit vielen relativierenden „soll“, „angeblich“, und „womöglich“. Tenor: Arme Historikerin von skrupellosen TV-Schreiberlingen über den Tisch gezogen. Und schon meldet „turi2“: „Das Drehbuch des TV-Zweiteilers “Dr. Hope – Eine Frau gibt nicht auf” mit Heike Makatsch in der Hauptrolle soll teilweise identisch sein mit einer Biographie, die von der bayerischen Historikerin Marita Krauss verfasst wurde.“

Es ist nicht wahr. Aber es liest sich gut. So schnell wird aus einer Ähnlichkeit dann auch „teilweise identisch abgeschrieben“. Was nicht stimmt, und für jeden überprüfbar ist, der sich die in jedem Buchladen erhältlichen Werke mal durchliest. Aber wer hat schon die Zeit? Journalisten bestimmt nicht.

So bleibt ein „Fall“, der keiner ist – und der massive Versuch, meine Reputation (und die meiner Koautorin) zu schädigen. Wir haben nicht abgeschrieben. Wir haben recherchiert. Wie das jeder gute Autor tut. Es wurden keine Ideen und Formulierungen aus irgendeiner Quelle übernommen. Wir haben zu jeder Zeit unsere Quellen offen gelegt, und „Dr. Hope“ ist eine 100prozentige kreative Eigenleistung. Wir dulden keinen Versuch, diese zu kapern. Rechtliche Schritte behalten wir uns nicht nur vor, wir gehen sie auch.

Aber das will wohl keiner hören.

Mir wurde nun klar, dass meine Strategie, offensichtlich tendenziellen Journalisten, die ihre Story schon fertig haben, meine Zitate nicht freizugeben, nach hinten losgeht. Damit ist die einzige laute Stimme da draußen die der Historikerin – und die bleibt unwidersprochen.

Ich habe viel über Journalismus gelernt in dieser Woche – und wenig, was ich wissen wollte.

Das hier ist meine Seite der Geschichte. Glaubt, was ihr für richtig haltet. Ich werde kämpfen.

Virtual Backlot: Don’t believe your eyes

Gepostet am 18. Februar, 2010 um 23:24 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Die Effektfirma “Stargate” hat sich in den letzten Jahren zum “go to”-Studio für TV-Serien entwickelt, die zwar gerne in erkennbaren Metropolen spielen (San Francisco, New York), sich aber Drehs vor Ort nicht leisten können. Respekt, wie perfekt und im besten Sinne unauffällig Hintergründe und Locations per Computer gefaked werden können:

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Star Trek: The Sexed Generation

Gepostet am 11. Februar, 2010 um 12:26 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.

Hab ich’s mir doch immer gedacht – alles Schweinkram:

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