Movie Mania Minis (19)

Gepostet am 19. Januar, 2010 um 00:34 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Sky Crawlers

Japan, 2008. Regisseur: Mamoru Oshii.

the-sky-crawlersInhalt: In einer nicht näher erklärten Parallelwelt ist der Krieg auf Konzerne verlagert, die ihre Luftkämpfe von genetisch gezüchteten Kinderpiloten austragen lassen. Kannami wird auf eine Basis der Rostock Corporation versetzt, wo er sich in die Flugleiterin Kusanagi verliebt, ebenfalls ein “Kildren”. Mehr und mehr wird Kannami klar, dass er zu seinem Vorgänger, einem verstorbenen Piloten, eine mehr als psychische Verbindung besitzt…

Kritik: Dankt mir für die Zusammenfassung. Das, was ich da oben als Plot beschrieben habe, ist das, was man sich nach geschlagenen zwei Stunden als Zuschauer mühsamst zusammen reimen kann – wenn man denn wach geblieben ist. Ich kenne nur wenige Filme, die sich to träge und vage einer klaren Narrative verweigern, deren Figuren so stumm und apathisch bleiben. Es mag sein, dass im Roman von Mori Hiroshi erheblich genauer auf die Details eingegangen wird – auf der Leinwand ist davon allerdings nichts angekommen.

Nicht nur die konkrete Geschichte und die Personen bleiben nebulös – auch die gesamte Welt, in der “Skycrawlers” spielt, ist kaum über Chiffren hinaus definiert. Wo spielt die Handlung? WANN spielt die Handlung? Wer gegen wen? Was ist Sinn und Zweck eines Krieges, der scheinbar nur aus vereinzelten Luftkämpfen besteht, und jenseits der Politik stattfindet? Wieso rauchen die Kildren alle Kette? Es ist eine fremde, kalte Welt, die wir nicht verstehen können – und die uns deshalb auch nicht im Geringsten schert.

Nachdem der Film sich 90 Minuten lang konsequent weigert, irgendwas zu erklären, werden die gesamte Backstory und der emotionale Aufhänger dann in den letzten 20 Minuten dem Zuschauer in zwei groben, statischen Packen Exposition vor die Füße geworfen. Friss oder stirb. Da sterbe ich lieber.

Diese ganze lähmend diffuse Erzählweise wäre als Realfilm schlimm genug – als Trickfilm ist sie unerträglich. Simpelst gezeichnete Figuren ohne Details, die zehn Sekunden lang aus dem Fenster starren, ohne dass sich im Frame IRGENDWAS bewegt – das ist schon provozierend lethargisch. Die attraktivste 2D-Animation gehört dann auch passenderweise dem Basset Hound der Basis, dem mit Abstand lebendigsten Charakter des Films.

Ich sage sowas immer ungern, aber: Das Ende ist eine bodenlose Frechheit. Die Geschichte wird nicht beendet, sie hört einfach auf. Klappe zu, Affe tot. Keine Erklärungen, keine emotionalen Abschlüsse, gar nichts. Eine “post credits”-Sequenz setzt einfach wieder alles auf Anfang.

All das ist umso enttäuschender, da “Skycrawlers” nicht nur ein an sich spannendes Konzept spazieren trägt, sondern in der technischen Umsetzung hart an der Grenze zum Meisterwerk vorbei schrammt. DIe Figuren mögen detailarm sein, aber ihre Animation ist geradezu erschreckend flüssig. Simple Vorgänge, wie das Absteigen von einem Motorroller, oder das Falten einer Zeitung, haben eine hypnotische Wirkung, einfach weil sie so real wirken. Gegenstände, Hintergründe, Fahrzeuge – anhand von Referenzbildern wurde alles liebevoll gestaltet, mit geradezu manischer Perfektion.

Und die Luftkämpfe! Grundgütiger, diese Luftkämpfe! In dem Moment, wenn die Piloten von der Basis abheben, explodiert die Dramaturgie, springt “Skycrawlers” aus dem Koma in hyperaktive Action, die wirklich sehenswert ist. Komplett in CGI (bis auf die Piloten), zieht eine “mittendrin statt nur dabei”-Choreographie den Zuschauer ins Geschehen, wie ich es in den letzten Jahren nur bei “Battlestar Galactica” erlebt habe. Man hat das Gefühl, die 3D-Abteilung habe einen ganz anderen Film machen wollen, als die Zeichner der 2D-Drama-Sequenzen. Was “Skycrawlers” an Dogfights bietet, ist mehr als State of the Art – es definiert State of the Art für diesen Bereich.

Aber es hilft nicht: Letztlich quält man sich durch die emotionslosen Dialoge der ausdruckslosen Charaktere, um alle 20 Minuten mal ein Bonbon in Form eines Luftkampfes hingeworfen zu bekommen. Und das KANN nicht genug sein.

Fazit: Eine unsäglich fade “Wings of Honneamaise”-Variante, die sich in Parallelwelt- und Psycho-Details verliert, und dafür ungefähr eine Stunde zu lang ist. Es lohnt sich aber, die DVD auszuleihen, um sich zu den einzelnen Luftkämpfen durchzuspulen.

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Movie Mania Minis (17)

Gepostet am 12. Januar, 2010 um 00:33 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Trick’r'Treat

USA 2007. Regie: Michael Dougherty. Darsteller: Leslie Bibb, Tahmoh Penikett, Lauren Lee Smith, Anna Paquin, Brian Cox

trick-or-treatInhalt: Warren Valley, Ohio, an Halloween. Im Verlauf einer Nacht überschneiden sich immer wieder verschiedene grausige Vorgänge okkulter Natur: Ein knurriger Rentner wird von einem Kürbis-Monster heimgesucht, ein Schuldirektor entledigt sich eines unverschämten Kindes, ein paar Teenager suchen Dates für eine ganz spezielle Party, und ein Pärchen stellt fest, dass man Halloween nicht folgenlos verfrüht für beendet erklärt…

Kritik: Wieder so ein Film, der im Internet einen sehr gemischten “buzz” erzeugte. Eine Weile lang wurde “Trick’r'Trick”, sicher auch wegen Bryan Singer auf dem Produzenten-Stuhl, sehr gehyped, obwohl das Studio Warner Brothers ihn hatte fallen lassen. Nach ersten Screenings erklärten ihn einige Internet-Buzzer dann für ziemlich banal. Wie im Fall von “Across the Universe” stimmt beides – allerdings nur dann, wenn man es kombiniert.

Zuerst einmal sollte man sich klar machen, dass “Trick’r'Treat” kein Hardcore-Horror sein will. Es ist ein episodischer Gruselfilm im Stil von “Creepshow” oder “Tales from the Crypt”, der Mädchen zum Kieksen, und Jungs zum Grinsen bringen soll. Nervenzerfetzende Spannung oder großes Erzählkino ist nicht zu erwarten. In seiner ironischen, aber gänzlich unzynischen Einstellung erinnert der Film an “Night of the Creeps”, “Monster Squad”, und “Gremlins”. Das ist erfrischend, und für alte Säcke wie mich fast schon nostalgisch – aber man muss sich eben auch darauf einlassen.

Bis auf einen verunglückten Monster-Effekt ist “Trick’r'Treat” technisch auf sehr hohem Niveau, mit warmer, dreidimensionaler Kameraarbeit, kompetent geschnittenen Effekt-Sequenzen, und sympathisch symphonischer Musik. Die allesamt soliden Darsteller rekrutieren sich vollständig aus dem kanadischen Bereich, und wieder einmal fällt Anna Paquin positiv auf. Vielleicht wäre es ratsam gewesen, ihren Part zu einer Art Rahmengeschichte auszubauen, um den Film mehr zu klammern.

Natürlich schadet dem Film ein wenig, dass es keine durchgehende Hauptfigur gibt, dass einige Episoden überhaupt keine klar definierten Protagonisten haben, und dass die achronologische Erzählweise keine dramaturgische Finesse ist, sondern den Flow mitunter arg stört. Das sind alles Fehler, aber keine fatalen.

Fazit: DVD-Futter für den wohlwollend eingestellten Gruselfan, das auch die Freundin genießen kann. Gewinnt an oder um Halloween herum noch einmal deutlich.

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Movie Mania Minis (15)

Gepostet am 4. Januar, 2010 um 18:43 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

The Thaw  (aka Frozen)

USA 2009. Regie: Mark A. Lewis. Darsteller: Val Kilmer, Martha MacIsaac, Aaron Ashmore, Kyle Schmid, Steph Song

the-thaw-900-1200Inhalt: Professor Krupen und sein kleines Team beobachten in der Arktis die Folgen des Klimawandels. Im Kadaver eines tauenden Mammuts finden sie eine seltsame Form von Parasit, die jeden infiziert, der ihr zu Nahe kommt. Alle Versuche, die Ausbreitung der Infektion einzudämmen, scheitern. Dann bringt ein Hubschrauber Studenten zum Camp – und Krupens Tochter…

Kritik: “The Thaw” ist eine sauber durchdeklinierte “Das Ding aus einer anderen Welt”-Variante ohne nennenswerte Überraschungen, aber auch ohne nennenswerte Patzer (sieht man mal von einer etwas undurchdachten und fast schon komischen Amputation ab). Es fällt auf, dass die ganze Produktion deutlich polierter daher kommt als die meisten aktuellen B-Movies, und fast schon Kino-Qualität hat. Das gilt auch für Effekte, Darsteller, und Musik. Fans von Ekelsplatter kommen wohldosiert auf ihre Kosten, es gibt prima Käfer und Larven, die sich in offenen Wunden suhlen.

Man mag sich darüber lustig machen, dass Val Kilmer mittlerweile in Filmen wie “The Thaw” mitspielt – aber wenn man akzeptiert, dass auch Mister Kilmer manchmal Rechnungen zu bezahlen hat, dann muss man eingestehen, dass er sich dafür deutlich beschämenderen Müll hätte aussuchen können. Zumal “The Thaw” eine Öko-Message einbaut, die ausnahmsweise mal nicht angetackert wirkt, sondern das Finale von “Das Ding aus einer anderen Welt” vom moralischen Standpunkt her für das 21. Jahrhundert neu durchdenkt.

Fazit: Sauber produzierter Parasiten-Horror der alten Schule mit guten Effekten und solidem Budget.

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Movie Mania Minis (11)

Gepostet am 26. Dezember, 2009 um 23:39 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Infestation

InfestationUSA 2008. Regie: Kyle Rankin. Darsteller: Christopher Marquette, Kinsey Packard, Brooke Nevin, Ray Wise u.a.

Inhalt: Cooper hat nicht viel Spaß am Leben – sein Vater respektiert ihn nicht, und in der Firma gilt er als fauler Trottel. Doch eines Tages überfallen riesige Alien-Käfer die Stadt, betäuben die Bewohner, und spinnen sie in Netze. Cooper kann entkommen, und führt eine kleine Gruppe erst auf der Flucht, dann gegen das Nest der Super-Insekten…

Kritik: Manchmal fürchte ich, dass ich mit modernen B-Movies generell zu hart ins Gericht gehe. Ich habe einen qualitativen Mindestanspruch, den der durchschnittliche Zuschauer dieses DVD-Futters augenscheinlich nicht hat. Saubere Kameraarbeit, prima Splatter, und ein paar ausgediente Altstars reichen mir einfach nicht, um in Begeisterungsstürme zu verfallen. Es sind dann Filme wie “Infestation”, die mich beruhigen: geht doch!

Tatsächlich ist dieser billig in Bulgarien gedrehte Käfer-Horror genau die Sorte B-Movie, die mir Spaß macht: temporeich, halbwegs anständig inszeniert, mit ein paar kruden Gags angereichert, und dabei innerhalb der Genre-Klischees noch einfallsreich genug, um nicht zu langweilen.

Dass der durchaus humorvolle Heuler ausgerechnet von einem Veteranen der Trash-Firma UFO, T.J. Sasakegawa, ins  Leben gebracht wurde, überrascht dann doch. Die liefern ja seit “Apokalypse Eis” nicht mehr als Dienst nach Vorschrift ab.

Besonders die Idee, den Protagonisten als vom Leben getretenen Nerd (Christopher Marquette, “Fanboys”) zu etablieren, macht “Infestation” frisch genug, um ihn über die Laufzeit zu retten. Endlich mal ein amerikanisches Setting in einem osteuropäischen Billig-Grusler? Check. Mehr Käfer-Ekel, als in die Laufzeit passen sollte? Check. Einfallsreiches Creature-Design? Check. Abgehalfterter SF-Serienstar? Check (Linda Park). Titten? Check (nicht Linda Park). Humor? Check.

Alles, was ich an “Infestation” kritisieren könnte, von einzelnen Effekt-Shots bis hin zu der wirklich horriblen Charakterisierung der Wetter-Lady mit den Appetit verderbenden Silikon-Brüsten, gehört genau zu den Sachen, bei denen man halt ein Auge zudrücken muss, wenn nicht gerade Sam Raimi auf dem Regiestuhl sitzt. Auch das gigantische Logik-Loch, nach dem eine Großstadt scheinbar ohne jegliche Kenntnisnahme der Restwelt von außerirdischen Käfern eingenommen werden kann, lasse ich durchgehen.

Fazit: Ein Film, der mich für 85 Minuten wieder 16 Jahre alt gemacht hat. Cool.

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Kleine Film-Kritiken-Grabbelkiste:
OSS 117 2, Blood and Bone, Bronson, Superman and Batman, El Superbeasto, FAQ about Time Travel

Gepostet am 10. Oktober, 2009 um 20:30 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Weil ich derzeit mit beruflichen Anforderungen kämpfe, die meine Zeit über Gebühr fressen, rattere ich an dieser Stelle einfach mal Kurzkritiken zu ein paar Filmen herunter, die ich in den letzten Wochen gesehen habe. Bei dieser wilden Mischung dürfte für jeden was dabei sein. Eine separate Kritik bekommt dann später noch “Das Imaginarium des Dr. Parnassus” von Terry Gilliam.

OSS 117: Rio ne répond plus

ossIn der Fortsetzung des überraschend liebevollen und sympathischen “OSS 117 – Der Spion, der sich liebte” geht es nach Rio, auf der Spur von Altnazis, die frühere französische Kollaborateure zu enttarnen drohen. Der wie immer historisch komplett unbeleckte OSS muss dazu mit einer Agentin des noch sehr jungen israelischen Geheimdienstes Mossad zusammen arbeiten – Raum genug für eine Menge sexistischer und antisemitischer Ausfälle. Außerdem macht der sich überlegen wähnende Superagent erstaunliche Erfahrungen mit Drogen, der Hippie-Kultur, und latenten homosexuellen Neigungen…

War der erste OSS-Streifen noch eine passgenaue Parodie der frühen Connery-Bonds, und billigen Eurospy-Filme im Allgemeinen, so orientiert sich “OSS 117: Rio ne répond plus” (der ein paar Jahre später spielt) eher an den schrägen, vom Zeitgeist der späten 60er getränkten Design-Experimenten à la Mario Bava und Jess Franco (Franco selbst hat damals ja auch in Rio gedreht). Alles ist Farbe, Geometrie, Hipness, Style. Vielleicht gar keine schlechte Idee, die Entwicklung der Bond-Filme, die dem Zeitgeist ja immer stark verpflichtet war, in den OSS-Parodien im Schnelldurchlauf nachzuvollziehen.

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FFF 2009: The Tournament

Gepostet am 15. September, 2009 um 21:50 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

tournamentposterEngland 2009. Regie: Scott Mann. Darsteller. Ving Rhames, Kelly Hu, Robert Carlyle, Ian Somerhalder, Liam Cunningham, Scott Adkins u.a.

Story: Alle sechs Jahre werden in einer beliebigen Stadt auf dem Globus die besten Profi-Killer aufeinander gehetzt, um für ein hohes Preisgeld zu fighten, bis einer übrig bleibt. Die Duelle ohne Regeln werden von hunderten von Kameras für eine ausgesuchte Klientel von Zockern übertragen. Dieses Jahr ist der Schauplatz eine dröge mittelgroße Stadt in England – und die Favoriten sind die schöne Lai Lai Zhen und Joshua Harlow, der eigentlich ausgemusterte Sieger des letzten Turniers. Leider landet einer der Sender, die die Mitspieler unter Beobachtung halten sollen, im Magen des versoffenen Priesters Macavoy, der sich plötzlich mitten in einem Wettbewerb befindet, den zu überleben er eigentlich keine Chance hat.

Kritik: Wer hätte gedacht, dass der vorletzte Tag des Fantasy Film Fest nochmal so ein Perle bereit hält?! “The Tournament” ist blitzsauberes Action-Kino mit B-Genen, aber A-Besetzung. Gerade im Kontrast zum ähnlich aufgebauten “The Condemned” zeigt sich prima, dass es außer dem Geld eben doch einen Unterschied zwischen DVD-Rotz und sorgfältig gemachtem Midbudget-Kino gibt.

Natürlich ist die Story doof wie Brot, und man muss sein Gehirn nicht nur ausschalten, sondern durch heftige Schläge mit dem Vorschlaghammer auch davon abhalten, zwischenzeitig mal wieder aufzuwachen. Schon Basis-Fragen werden nicht beantwortet – warum nehmen die Killer an dem Turnier überhaupt teil, wenn die Chance, es zu gewinnen, so albern gering ist? Wieso merkt die Polizei nichts von den explosiven Verfolgungsjagden und Dutzenden Toten? Warum riskiert Lai Lai für Macavoy immer wieder ihr Leben? Wieviele tausend Kameras sind in der Stadt versteckt worden? Wie kann es nach mehreren Turnieren überhaupt noch fähige Killer geben – die werden doch alle sechs Jahre dezimiert?

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Aber diese ganzen Fragen sind irrelevant, weil “The Tournament”, das Geld, das Talent, und die Spielfreude hat, um den Zuschauer anderweitig zu unterhalten: es gibt Verfolgungsjagden, Schießereien, und Fights so sehr “en masse”, dass sie wohl billig im Ausverkauf zu kriegen waren. Und jeder Stunt ist sympathisch hausgemacht, einfallsreich, und extrem beeindruckend.

Everything goes – “The Tournament” verlegt den statischen Wettbewerb früherer internationaler Kickboxer-Filme wie “Bloodsport” in eine neue Kulisse – und tritt dann auf den Turbo. Er ist “Tekken” und “King of Fighters”, gemischt mit “Double Dragon” und “Counterstrike”.

Das Budget von 12 Millionen Dollar kann ich nicht glauben – würde ich es glauben, wäre “The Tournament” vom Preis/Leistungsverhältnis nicht weniger beeindruckend als “District 9″.

Die Stars spielen nur Klischees – aber das mit Verve und sichtlichem Spaß an der Sache. Es ist tatsächlich ein Unterschied, ob man einen Haufen Handkantenschwinger aus dem örtlichen Fitnessstudio aufeinander los lässt, oder tatsächliche Schauspieler.

So wie “Black Dynamite” nach “Undisputed 2″ Michael Jay White als neuen Action-Superstar empfiehlt, macht “The Tournament” wirklich Lust auf mehr, was Scott Adkins angeht – er hat hier nur eine kleine Rolle, kann sich demnächst aber im extrem vielversprechend aussehenden “Ninja” beweisen:

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Vielleicht ist es tatsächlich Zeit, van Damme, Seagal, und Lundgren ad acta zu legen, und sich neue Action-Idole zu suchen. In meinen Augen kommen die nicht aus der Wrestling- und MMA-Ecke. Adkins und White FTW!

Fazit: “The Tournament” gehört zur neuen Schule des dreckigen “Extreme Hardcore Actionfilms”, die ich gerade erfunden habe, um ihn mit “Crank” und “Shoot ‘Em Up” in einem Atemzug nennen zu können. Ein Film mit zuviel zwischen den Beinen, um ein großes Publikum zu finden – aber die Zielgruppe wird sich vor Begeisterung in die Hose pieseln. Und das ist eigentlich auch okay so.

Großes B-Actionkino – gibt es nicht mehr oft. Umso schöner, wenn ein Streifen doch noch mal so sehr rockt.

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Wortvogels pantomimisches Urteil:

upyours

FFF 2009: Black Dynamite

Gepostet am 15. September, 2009 um 21:07 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

dynamiteposterUSA 2009. Regie: Scott Sanders. Darsteller: Michael Jay White, Arsenio Hall, Tommy Davidson, Kevin Chapman, Richard Edson

Story: Irgendwo in Amerika, irgendwann in den frühen 70ern – ein Schwarzer wird erschossen. Sein Bruder: Black Dynamite, Enforcer und ehemaliger CIA-Agent. Er geht auf einen Rachefeldzug durch die Ghetto-Kultur der Epoche, mit pimpin’ outfits, badass ho’s, und motherfuckin’ rides, untermalt von groovy tunes. Wie es aussieht, wollen die Bösewichte den Schwarzen Mann durch eine neue Droge “down” halten, und nur Black Dynamite kann sie stoppen.

Kritik: Ich geb’s zu – der Film ist komisch. Michael Jay White ist so ziemlich die perfekte Verkörperung des schwarzen Über-Egos, und würde auch in einem “echten” Blaxploitation-Film keine schlechte Figur machen. Viele absichtliche Fehler, Defizite, und Sprünge sind Absicht, schielen auf die krude Machart der Originale. Da wird (unpassende) Footage einfach wiederholt, da wechselt ein Schauspieler mitten in der Szene, und immer wieder sind die Übergänge gewollt sperrig.

Dazu ein Soundtrack, der clever genug ist, eben nicht die Klassiker zu recyceln (wie Tarantino das für “Jackie Brown” gemacht hat), sondern deren Stil perfekt emuliert – mit Texten, die albern genau zum jeweiligen Geschehen auf der Leinwand passen.

Aber ich stelle mich da gerne gegen die Majorität der Kritiken – der große Brüller ist “Black Dynamite” leider nicht. Die meisten Kracher sind im Trailer erheblich effizienter geschnitten als im Film, wo sich doch hin und wieder Längen einschleichen. Es hätte geholfen, die Gagdichte etwas zu erhöhen. Es muss ja nicht gleich ZAZ-Style sein.

dynamite

Außerdem merkt man, dass Michael Jay White von vorne bis hinten seine Hand im Spiel hatte – ausgerechnet die Hauptfigur, die er selber spielt, darf nicht veralbert werden, bleibt über die ganze Laufzeit bierernst. Dabei funktionieren Parodien gerade dann am Besten, wenn sie ihre Protagonisten an der inhärenten Absurdität ihrer Situation scheitern lassen. Leider nimmt White seinen Charakter so ernst, wie das sonst nur Steven Seagal tut.

Außerdem leidet “Black Dynamite” ein wenig daran, dass er die Vorbilder so genau kopiert, dass auch deren Schwächen wieder nerven: keine wirklich überzeugenden Action-Szenen, doofe Dialoge, und einen Hang zum Klischee, der hier durchaus ein wenig mehr Überspitzung verdient hätte. Die wenigsten Exploitation-Filme sind so gut wie ihre Titel, ihre Trailer, ihre Poster – und auf “Black Dynamite” trifft das auch zu. Nicht so sehr wie auf “House of the Devil“, allerdings.

Aber ich will gar nicht so sehr in die Details gehen, weil der Gesamteindruck meiner Kritik sonst verwässert wird: “Black Dynamite” ist sehr lustig, und den Kino-Besuch/DVD-Ausleih allemal wert. Ich hatte halt nur ein wenig mehr erwartet, weil ich den Trailer so toll fand.

Besser als “I’m gonna git you sucka”, aber nicht viel.

Die Warnung sei außerdem angebracht: Zuschauer, die gar keine Ahnung haben, was es mit Blaxploitation auf sich hat, dürften ob der gebotenen Albereien kräftig den Kopf kratzen.

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Wortvogels pantomimisches Urteil:

yougo

Wen solche Details interessieren: Geschrieben habe ich diese Kritik beim Sender EgoFM, während Doc Acula im Tonstudio ein Interview zum Thema “Trash-Filme” gab. Der lügt, wenn er den Mund aufmacht…

FFF 2009: Random Thoughts

Gepostet am 11. September, 2009 um 16:30 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei…

In den nächsten Wochen werde ich noch diverse Filme besprechen (Tournament, Largo Winch, Black Dynamite, OSS 117 – Rio ne repond pas, Bathory, Bronson, etc.), aber die “heiße Phase” des FFF ist vorbei. Schön war’s mal wieder.

  • Schon komisch, wenn man erst einen Hauptdarsteller (Martin Feifel), dann den Regisseur (Martin Enlen) des eigenen historischen Zweiteilers “Dr. Hope” beim Trashfilm-Besuch im Kino trifft
  • Es war erfreulich, mit Olaf, Florian, und Gregor ganz altes Fandom- und FFF-Gestein nach Jahren mal wieder zu treffen
  • Es gab einen FFF-Engel: ein bezauberndes junges Mädchen à la Winona Ryder, mit Zweifarben-Frisur, und seltsam Tim Burton-esken Tätowierungen am ganzen Oberkörper
  • Werbung für die “Watchman”-Blueray mit einem verkleideten “Rorschach” – der Typ war sicher froh, dass man sein Gesicht nicht sehen konnte
  • Der Promo-Clip zu “Saw VI” war wirklich beschissen, nicht durchdacht, und nervte schon nach der zweiten Sichtung – schlimmer als “Die Elyandt-Recherche” 2008
  • Der neue “13th Street”-Clip war toll, hätte aus Rücksicht auf die Mehrfach-Besucher des FFF aber kürzer sein können
  • Einzige mir aufgefallene Blueray-Projektion “House of the Devil” beweist wieder einmal: geht gut, auch im großen Kino
  • Der Spot für “Bioshock 2″ hat mich völlig kalt gelassen
  • Geringste Besucher-Dichte, die ich selbst miterlebt habe: “Giallo” und “House of the Devil”
  • Ich hasse Menschen, die Nachos, Popcorn, Cola, UND Eis mit ins Kino bringen, und eine halbe Stunde lang neben mir mampfen – geht gefälligst vorher was essen!
  • Vom Publikum gewählt: 3. Platz “Round da way”, 2. Platz “Moon”, 1. Platz (knapp) “District 9″ – kann ich gut mit leben
  • Meine Top 3: “Thirst”, “Moon”, und “District 9″
  • Viele Filme (“Red Cliff”, “Black Dynamite”, “Largo Winch”) laden zu der Frage ein, wie die Macher des FFF eigentlich den Begriff “Fantasy” definieren
  • Zehn Minuten zwischen zwei Filmen mit ca. 5 Kilometer Entfernung der Kinos City – Cinema ist extrem unfair
  • Es war tatsächlich gut, die Filme früh auszuwählen, und dann keine weiteren Infos (inkl. Programmheft) zu konsumieren, weil es das Kinoerlebnis spürbar frischer macht
  • Geheimer König des Festivals: Larry Fessenden
  • Keine kluge Idee, sich mit mir auf eine Diskussion einzulassen, weil man auf meinen Platz hockt – “wie, hier gibt es Platzkarten?”
  • Der FFF-Vorspann wurde deutlich abgespeckt – danke dafür
  • Es war ein gutes Programm mit viel Abwechslung, und keinen fiesen Totalausfällen wie “36 pasos” oder “Virus undead” (zumindest habe ich keinen gesehen)
  • Wenn Ron Perlman beim FFF unvermeidlich ist, sollte das für Lena Headey auch gelten
  • Nächstes Jahr will ich wieder mit Kumpels gucken – vielleicht in Berlin. Und dann mache ich Video-Bewertungen
  • Mir fehlten heuer ein bisschen die guten, soliden, unironischen B-Movies aus unerwarteten Ländern (Belize? Kongo? Honduras?)
  • 2010 hätte ich München gerne wieder als ersten Festival-Ort

FFF 2009: District 9

Gepostet am 8. September, 2009 um 23:58 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

districtposterUSA Neuseeland 2009. Regie: Neill Blomkamp. Darsteller: Sharlto Copley, Jason Cope, Nathalie Boltt, Sylvaine Strike u.a.

Story: Anfang der 80er Jahre erscheint ein riesiges Raumschiff über Johannesburg. Die 1 Million Aliens an Bord sind verstört, siech, und ängstlich. Sie werden in ein Lager verbracht, aus dem sich schließlich das Ghetto “District 9″ entwickelt. Als nach über 20 Jahren die Kontrolle über D9 immer schwieriger wird, und die Geduld der Menschen mit den “Garnelen” nachlässt, will man die Aliens in ein neues Lager umsiedeln, weit weg von der irdischen Bevölkerung. Der kleine Beamte Wikus soll die Aktion leiten – ein geschickter Schachzug, um am Ende einen Sündenbock für die brutale und inhumane Vorgehensweise zu haben. Doch Mikus infiziert sich mit einer Biochemikalie außerirdischen Ursprungs, und macht eine erstaunliche Wandlung durch, nicht nur körperlich…

Kritik: Manchmal ist es schwer, einen Film anzuschauen, ohne sich von den vorab verbreiteten Informationen beeinflussen zu lassen. Als ich für diesen Film im Kino saß, wusste ich natürlich, dass er in Amerika schwer abgeräumt hatte, und dass er von der Kritik in den Himmel gelobt wurde (80 Prozent bei Metacritic sind kein Klacks). Die Erwartungen waren entsprechend hoch.

Andererseits: mein Kumpel Doc Acula von Badmovies hatte sich gerade eher zurückhaltend zum Film geäußert, und Florian Breitsameter von SF-Film.de auch. Das sind zwei Stimmen, die für mich durchaus Gewicht haben.

Wenigstens war es mir gelungen, Trailer und Inhaltsangaben weitestgehend zu meiden – was Story und Stil angeht, war ich also eher unbeleckt.

Trotzdem: Hype nervt, und deshalb hatte “District 9″ zuerst einmal Überzeugungsarbeit zu leisten.

Er leistete. Und wie er leistete.

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“District 9″ nimmt das exakte Grundkonzept von “Alien Nation” (was als Krimi konzipiert wurde), und erfindet es als Rassendrama im knallharten Doku-Stil neu – angereichert mit spektakulären Effekten und einem Gefühl für Action, das ich seit langem nicht mehr gesehen habe. Seit dem ersten “Matrix” habe ich keinen Film mehr gesehen, der so souverän und innovativ neue Wege für die Inszenierung von Action aufzeigt. In der eleganten Beiläufigkeit, in der “District 9″ seine Science Fiction-Elemente (Raumschiffe, Waffen, Aliens) in das visuelle Gesamtbild einfügt, wie er Effekte eben nicht aufmerksamkeitsheischend in den Fokus bringt, sondern als selbstverständlich hin nimmt, begeistert er vielleicht nicht die Technik-Nerds – aber er macht den SF-Film schlagartig erwachsen. Ich habe diese Technik bisher nur in sehr rudimentären Ansätzen in “The Host” gesehen.

Neill Blomkamps Beherrschung nicht nur der Technik, sondern auch der Narrative ist geradezu erschütternd offensichtlich – hier ist ein Nachwuchsregisseur, der nichts mehr lernen braucht, dem niemand mehr etwas beibringen muss. Seine Erzählsprache ist voll ausgeformt, reif, und dynamisch. Wenn er am Schluss in beinharte Action geht, dann zeigt er nicht nur, wie man mit viel weniger Geld großflächig Radau macht – er zeigt auch beinahe schulterzuckend, was für ein Stümper Michael Bay ist. Wer nach “District 9″ behauptet, für einen Film wie “Transformers 2″ müssten 200 Millionen Dollar verpulvert werden, der ist von Hollywood verseucht. Zumal Blomkamps Roboter-Action deutlich packender inszeniert ist. Es geht anders, es geht besser, es geht billiger.

Trotzdem war “Moon” für mich der bessere Film des Festivals.

Warum? “District 9″ ist ein über weite Strecken nihilistischer und depressiver Film, der von Menschen wie Aliens nur die hässlichen Seiten zeigt. Es ist kein Science Fiction-Film, der Spass macht – im Gegenteil: er macht den Sense of Wonder, der uns als Kinder für die SF begeisterte, mit dem Holzhammer zunichte. Die Aliens sind eben nicht weise und freundlich, wir Menschen begegnen ihnen nicht mit Respekt und Neugier.

Auch Wikus und das Alien Christopher sind egoistisch, skrupellos, und geradezu hysterisch auf den eigenen Vorteil bedacht. Für meinen Geschmack dauert es einfach viel zu lange, bis endlich mal wenigstens die Möglichkeit in Betracht gezogen wird, dass nicht alle Menschen rassistische und blutrünstige Drecksäue sind.

Kurzum: Das Welt- und Menschenbild von “District 9″ stößt mir auf. Vielleicht, weil ich von Filmen mehr “spirit” erwarte. Vielleicht, weil ich naiv bin. Aber ich möchte an das Gute im Menschen glauben. Und dieser Film lässt mich da sehr lange zappeln. Man kommt nicht gerade mit Knallerlaune aus dem Kino…

Die paar Logikfehler und Unstimmigkeiten, die sich in die Story geschlichen haben, verzeihe ich aber locker – die werden in der großartigen Action ertränkt, dass man gar nicht zum Nachdenken kommt.

So ist “District 9″ sicher einer der besten Science Fiction-Filme der letzten Jahre – und wegweisend. Wir sehen hier die Geburt eines neuen Star-Regisseurs, das kann man jetzt schon sagen. Aber es ist auch ein harter Brocken, und nicht gerade Fun für die ganze Familie.

Ab ins Kino – ab Freitag will ich eure Meinung dazu hören!

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Wortvogels pantomimisches Urteil:

attack

FFF 2009: Carriers

Gepostet am 8. September, 2009 um 18:32 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

carriersposterUSA 2009. Regie: Alex und David Pastor. Darsteller: Chris Pine, Piper Perabo, Emily VanCamp, Chris Meloni, Lou Taylor Pucci u.a.

Story: Eine Seuche hat die Welt entvölkert. Danny und sein Bruder Brian sind auf dem Weg zur Küste, wo sie die Zeit aussitzen wollen, bis alle Infizierten tot sind. Mit dabei: Brians Freundin Bobby, und die schweigsame Kate. Doch auf der langen Reise lassen sich Kontakte mit Kranken nicht vermeiden, und auch innerhalb der kleinen Gruppe wächst die Paranoia…

Kritik: “Carriers” erzählt keine neue Geschichte, und er erzählt sie auch ohne nennenswerte neue Ideen. Bemerkenswert ist eigentlich nur, dass die Handlung (vielleicht sogar einfach aus Kostengründen) erst NACH der großen Epidemie einsetzt, und dass die Infizierten krank sind, aber keine tollwütigen Zombies. Sie sind bemitleidenswert, und nur dann gefährlich, wenn sie um ihr Überleben kämpfen.

Mitunter reicht es aber auch, wenn man eine schon bekannte Idee gut aufarbeitet. Und das gelingt den Pastor-Brüdern allemal. Mit wenig technischem Aufwand wird das überzeugende Bild einer entvölkerten Welt gezeichnet, gekennzeichnet von leeren Straßen, verlassenen Autos, unbesetzten Tankstellen. Die Apocalypse braucht kein hässlicheres Gesicht als die unendliche Einsamkeit.

Die Besetzung, solide und anspruchsvoll für einen B-Film dieser Klasse, schlägt sich prächtig, auch wenn die Rollen schon sehr genretypisch verteilt sind: der Jock, der kleine Bruder, die sexuell Aggressive, die Schüchterne. Und wie bei einem Slasher kann sich der erfahrene Filmfan daran schon ausrechnen, wer am Schluss den ersehnten Strand erreicht.

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Ähnlich wie bei “Case 39″ (ebenso ein B-Film, der mit Elementen und Schauspielern aus der A-Liga spielt) hätte ich mir einen größeren Kontext gewünscht. Dass unsere Gruppe einfach nur ans Meer will, scheint mir als Antrieb ein wenig unbefriedigend, zumal sie mehrfach an Orten sind, die eine erheblich komfortablere Aussitzung der Epidemie ermöglichen. Weil es letztlich kein handlungsrelevantes Endziel gibt, wird der Schluss auch eher flach – die Überlebenden schaffen es ans Meer, Schwarzblende, Nachspann.

Das ändert aber nichts daran, dass “Carriers” als Road Movie rasant inszeniert ist, keine Durchhänger hat, und durchaus mal die richtigen Knöpfe drückt, um den Zuschauer auch emotional zu schockieren. Für einen gepflegten DVD-Abend reicht der Streifen allemal.

Auch hier lohnt mal wieder ein Blick in den Trailer – die ersten 40 Sekunden zeigen ganz flott die Vorgeschichte der Seuche, für die der Film selbst weder Zeit noch Geld hat:

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Wortvogels pantomimisches Urteil:

jawoll

FFF 2009: Moon

Gepostet am 7. September, 2009 um 14:34 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

moonposterEngland 2009. Regie: Duncan Jones. Darsteller: Sam Rockwell

Story: Sam Bell geht’s nicht gut – wenigstens läuft bald sein 3 Jahres-Vertrag aus, wegen dem er als alleiniger Wartungstechniker in einer Bergbau-Station auf dem Mond hockt, und sich bis zur Paranoia langweilt. Nach einem Unfall mit einem der Rover wacht er wieder in der Station auf – wundert sich jedoch, dass man ihn für alle Außen-Trips vorläufig gesperrt hat. Sam wagt es trotzdem – und findet den geschrotteten Rover mit sich selbst drin, schwer verletzt. Nun gibt es zwei Sams. Wahnsinn? Zeitreise? Aliens? Service-Roboter Gerty hüllt sich in verdächtiges Schweigen…

Kritik: Es wird ja wieder keiner machen, aber ich will es trotzdem gesagt haben – zum Verständnis dieser Kritik ist es sehr hilfreich, meinen Beitrag zum Thema “SciFi ist nicht Science Fiction” zu lesen, und die Kritik zu “The Man from Earth“.

Ich bin mit einer gewissen Grundskepsis in diesen Film gegangen. Er wurde von der etablierten Schwurbelkritik derart in den Himmel gelobt, dass ich zwei Stunden esoterisches Geseier über die unerträgliche Einsamkeit der menschlichen Seele befürchtete. Sam Rockwell ist ja auch dafür bekannt, sich bevorzugt schwierige Rollen zu suchen. Der Mann macht in Kunst.

Andererseits: In einem mit asiatischen Epen, Slashern, und Slasher-Comedies vollgestopften Festival freut man sich über alles, was die Hirnzellen anregt, also habe ich mir doch die Karte gekauft. Karma braucht Balance.

Gebt mit ein S! Gebt mit ein E! Gebt mit ein N! Gebt mir noch ein S! Gebt mir ein A! Verdammt, das dauert zu lange… am Ende kommt auf jeden Fall SENSATIONELL dabei raus.

“Moon” ist der Film, von dem ich nicht mehr dachte, dass ihn jemand drehen würde. Ein kleiner Film, eigentlich ein 2/1-Personenstück, trotzdem mit aufwändigen und liebevollen Effekten ausstaffiert. Nachdenklich, poetisch, tragisch – aber niemals kitschig oder selbstverliebt.

moon1

Die Präzision des Drehbuchs ist bemerkenswert: Die Beziehung zwischen Sam 1 und Sam 2, die uns anfangs etwas bizarr nonchalant erscheint, entpuppt sich als absolut folgerichtig. Das Geheimnis der zwei Sams wird plausibel und packend aufgelöst, und das Finale ist trotz aller Unwägbarkeiten erhebend und hoffnungsvoll.

Überhaupt ist “Moon” zwar ein Drama, aber auch ein Film über die Hoffnung, die Menschlichkeit, und den Wert der Freundschaft. Er hat tatsächlich sowas wie ein Happy End, und man kommt mit leichtem Herzen aus dem Kino. Auch das hatte ich absolut nicht erwartet.

Natürlich wird er ihn nicht kriegen, aber Sam Rockwell hätte den Oscar verdient. Es ist leicht, die gleiche Person zweimal zu spielen. Es ist leicht, die gleiche Person mit entgegen gesetzten Charaktereigenschaften zu spielen (wie die meisten Zwillings-Thriller das tun). Aber es ist unendlich schwer, zwei Personen zu spielen, von denen die eine erst noch lernen muss, die andere zu sein. Rockwell lässt es einfach aussehen.

Ein besonderes Lob auch für den Roboter Gerty, beruhigend-sanft gesprochen von Kevin Spacey. Anfangs fürchtet man ein 2001-eskes Duell Mensch/Maschine, doch Gerty entpuppt sich letztlich ebenfalls als Freund. Alle Wesen der Station, ob organisch oder elektronisch, sitzen schließlich in einem Boot.

Drama, Science Fiction, Krimi – “Moon” packt alles in ein Paket, füllt es bis zum Rand mit Spannung, und stempelt “Anspruch” drauf, bevor er es an den Zuschauer weiterreicht. Selten genug, dass ein Programmkino-Film auch ein Mainstream-Publikum unterhalten kann. Duncan Jones schafft den Spagat mühelos.

Ein Film für die ECHTEN Science Fiction-Fans – die, die lieber “Silent Running” als “Resident Evil” schauen, lieber “Dark Star” als “Transformers”, und lieber “2001″ als “Riddick”. Aber auch ein Film für Leute, die einfach nur Kino lieben, Geschichten, Figuren.

Wenn ich beim FFF alljährlich 20 “House of the Devil” schauen muss, um nur einen “Moon” zu finden – dann ist es die Mühe wert.

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Wortvogels pantomimisches Urteil:

Ich spreche “Moon” hiermit offiziell heilig, und erkläre ihn kritikresistent. Amen.

heilig

FFF 2009: The House of the Devil

Gepostet am 7. September, 2009 um 14:15 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

housedevilposterUSA 2009. Regie: Ti West. Darsteller: Jocelin Donahue, Tom Noonan, Mary Woronov, Greta Gerwig, Dee Wallace, A.J. Bowen

Story: Irgendwann in den 80ern – Studentin Samantha muss Geld für ein eigenes Apartment verdienen, und erklärt sich deshalb bereit, im Haus des seltsamen Paares Ulman die malade Mutter zu betreuen, während draußen eine Mondfinsternis die Nacht tiefschwarz färbt. Leider haben die Ulmans mit Samantha weitergehende, und grundlegend unangenehme Pläne…

Kritik: Ich verkünde das jetzt einfach mal vorab, und ohne Sichtung wirklich aller anderen Festival-Beiträge – das hier ist der scheißeste Streifen des FFF 2009! Hurra, ich habe ihn gefunden!

Als Hommage an die Slasher und “Don’t go in…”-Heuler der 80er angekündigt, entpuppt sich “The House of the Devil” als exakte Kopie eines dieser billigen kanadischen TV-Filme, die sich damals an den Slasher-Trend dranhängen wollten. Ironie- und spannungsfrei werden Szenen endlos durchgekaut, die schon vor 25 Jahren stinklangweilig waren.

In “House of the Devil” passt gar nichts: die Kameraarbeit ist (gewollt?) beschämend statisch, es gibt (gewollt) praktisch kein Sound-Design, und offensichtlich hat man (gewollt?) vergessen, Statisten anzuheuern – die Uni ist menschenleer, die Stadt ist menschenleer, das Krankenhaus ist menschenleer. In Kombination ergibt das ein Realitätsvakuum, einen erdrückenden Mangel an Leben auf der Leinwand.

Der Film ist so leer und still, dass man während der Laufzeit hören kann, wie die grauen Zellen abschalten – und wie die Lebensenergie aus dem Ohr auf den Kinoboden fließt.

Und die Dialoge – endlose Dialoge! Jedes Gespräch zwischen zwei Personen ist ziemlich exakt dreimal so lange, wie es nach gesundem Empfinden sein dürfte. Die Aggressivität, mit der West uns nervt, ist der einzige Funken Energie, der in “The House of the Devil” steckt.

housedevil

Hinzu kommt die totale Abwesenheit jeglicher Art von Handlung: eine geschlagene Stunde lang sehen wir Samantha dabei zu, wie sie Pizza bestellt,  Fernsehen guckt, pinkelt, liest, durch Gänge schleicht. Dabei passiert NICHTS. Sie entdeckt nichts, es geschieht nichts, Event-Dichte null. Dann fällt sie plötzlich in Ohnmacht, und wacht in Gefangenschaft der luschigsten Ansammlung von Satanisten seit dem letzten Lordi-Konzert auf.

Als im dritten Akt eine längere Schwarzblende kam, habe ich vernehmlich laut “Nachspann – bitte, BITTE Nachspann!” geflüstert, und die paar noch verbliebenen Zuschauer haben zustimmend gelacht. Leider ging der Film dann weiter.

Die Verwerflichkeit von “The House of the Devil” liegt nicht in seiner Mülligkeit, sondern im mit äußerster Brutalität begangenen Verbrechen der Langweile. Es passiert vor und hinter der Kamera einfach nicht genug, um sich darüber zu ärgern. Man stöhnt nur leise vor sich hin, und hofft, dass es schnell vorbei ist. Ist es nicht. 90 Minuten können sich wie ein ganzes Leben anfühlen…

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Wortvogels pantomimisches Urteil:

killme


FFF 2009: Tell Tale

Gepostet am 7. September, 2009 um 13:21 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

telltaleposterUSA 2009. Regie: Michael Cuesta. Darsteller: Josh Lucas, Lena Headey, Brian Cox u.a.

Story: Für Terry geht es endlich wieder aufwärts – er verträgt sein neues Herz ganz gut, beginnt eine Beziehung mit der schönen Ärztin Elizabeth, und kann sich endlich wieder um seine – von einem genetischen Defekt verkrüppelte – Tochter kümmern. Doch irgendetwas stimmt nicht: in Gegenwart bestimmter Personen beginnt Terrys Herz lebensgefährlich heftig zu schlagen, und diese Personen scheinen etwas mit dem Tod vom Spender des Organs zu tun gehabt zu haben. Terry versucht, bei dem zuständigen Cop van Doren Antworten zu finden, doch dieser verfolgt ganz eigene Ziele…

Kritik: Es ist nicht weiter erstaunlich, dass jemand versucht, aus einer extrem kurzen Kurzgeschichte von Poe einen Film zu schinden. Mit Poe ist es wie mit King: irgendwann wird jemand auch deren Einkaufszettel verfilmen (“Hugh Jackman IST ‘Der Einkäufer‘ in ‘Stephen Kings Brot und Milch‘!”). Erstaunlich ist allenfalls, dass die Erweiterung des Plots, seine Übertragung in die Gegenwart, und seine Fusion mit einer Krimihandlung, tatsächlich halbwegs erfolgreich ist.

Natürlich bleibt vom Original nicht viel mehr übrig als “Mann kann einen Herzschlag überlaut hören”, und es ist nicht einmal mehr der eines Fremden, sondern sein eigener. Der Kern von Poes Geschichte wird auf ein Gimmick reduziert – genau so gut könnte Terry die allseits beliebten Visionen haben (die kommen dann auch noch). Aber man muss hier die Grundsatzfrage stellen: ist mir die Vorlagentreue wichtiger als das funktionierende Skript? Im Zweifelfall ziehe ich ein funktionierendes Skript vor, zumal “Tell Tale” sich nicht allzu aggressiv als Poe-Verfilmung vermarktet.

Was die technische Seite angeht, ist “Tell Tale” eine echte Scott Free-Produktion: sehr “slick”, sehr poliert, durchgehend professionell inszeniert und gespielt, mit ein paar schnickschnackigen Kameraspielereien, die wohl sein müssen, wenn die Brüder Tony und Ridley als Produzenten im Vorspann stehen.

Was “Tell Tale” von vielen anderen Genre-Filmen unterscheidet, ist seine Verweigerung klarer Heldenfiguren (dazu kommen wir bei “District 9″ auch noch). Bis auf Terrys Tochter ist in diesem Film niemand unschuldig, und angesichts seiner brutalen Vorgehensweise taugt auch Terry nicht zum Helden. Das Klischee Cop, traditionell entweder bemüht oder korrupt, bekommt hier eine völlig neue, verstörende Facette. Im Bemühen, die Figuren dreidimensional und gebrochen zu zeigen, findet “Tell Tale” erstaunliche Spannung, denn man ahnt tatsächlich nicht, wo die Story hinführen soll. Da gefällt sogar der Twist der am Schluss, der überrascht, obwohl er folgerichtig ist (und sogar diverse offene Fragen beantwortet).

telltale

Leider ist diese Stärke auch die größte Schwäche von “Tell Tale” – es gibt filmische Standardfiguren, weil wir uns an sie emotional leicht andocken können: der gehetzte Held, die geheimnisumwitterte Schönheit, der skrupellose Gangster. Spätestens, wenn Terry jemandem mehrfach und mit voller Wucht das Gesicht zertritt, mag man ihm als Protagonisten nicht mehr folgen, der Charakter lädt nicht mehr zur Empathie ein. Cuesta baut damit eine Barriere zwischen Zuschauer und Haupfigur, die sehr abträglich ist.

Darum bleibt am Ende ein Film, den ich mehr respektiere als mag. Der mich mehr überzeugt als begeistert. Dem ich wohlwollend auf die Schulter klopfen will, statt ihn begeistert zu umarmen. Lob also aus dem Kopf, statt aus dem Bauch.

Kommen wir zu den Videos. Da in ich heute mal großzügig, und verweise auch auf alternative Adaptionen der Geschichte.

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FFF 2009: Doghouse

Gepostet am 6. September, 2009 um 15:42 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

doghouseposter

England 2009. Regie: Jake West. Darsteller: Danny Dyer, Stephen Graham, Noel Clarke, Christina Cole, Emily Booth u.a.

Story: Sechs intellektuell nicht gerade üppig ausgestattete Londoner Kumpel mieten einen Kleinbus, um nach Moodley zu fahren. Dort soll es viermal soviel Frauen wie Männer geben, und die Jungs erhoffen sich ein alkohol- und sexgeschwängertes Wochenende, um ihren “inneren Proll” wiederzufinden. Die verheißungsvolle Geschlechterratio wird allerdings zum Bumerang, als sich herausstellt, dass alle Frauen in Moodley gerade dabei sind, sich in männerfressende Zombies zu verwandeln.

Kritik: Jake West (der beim Screening auch anwesend war) ist ein sympathischer Rowdy-Filmer. Er macht Bier-Filme, Spass-Granaten für den schnellen Konsum zwischendurch, ohne Nach-, aber dafür auch ohne Nebenwirkungen. Dämliche Typen, geile Weiber, Splatter und dumme Sprüche sind seine Markenzeichen. Das war schon bei seinem Erstling “Razor Blade Smile” so, und bei seinem 2005er FFF-Kracher “Evil Aliens” auch. Was Jake West dreht, ist ideales Festival-Futter ohne nennenswerten Anspruch, aber mit Verfallsdatum.

Nimmt man das als Maßstab, ist “Doghouse” ein guter Film, sogar Wests bester. Zwar ist die Handlung auch diesmal nicht wirklich raffiniert gebaut, und die Dramaturgie beschränkt sich auf episodisches Gerenne von einer Location zur nächsten, aber wenigstens geht West nicht nach der Hälfte die Puste aus, wie das bei “Evil Aliens” der Fall war (der Film degenerierte nach einem launigen Anfang zur hirnlosen Farce). “Doghouse” hält sein Tempo, seine Stimmung, und seinen Rhythmus. Die Gags rangieren dabei von herrlich grenzdebil bis schmerzhaft grenzdebil.

doghouse

Technisch kann sich West, dank eines soliden Budgets, richtig austoben. Die Effekte sind gut umgesetzt, es explodiert hier und da mal was, und am Ende darf ganz Moody zerlegt werden, was West dann auch mit sichtlicher Spielfreude tut.

Als US-Film würde “Doghouse” nicht funktionieren, weil ein Großteil der Guckfreude darauf basiert, dass die Helden echte britische “blokes” sind: sympathisch, aber versoffen, und hart an der Grenze zum Losertum. Diese Art Männerfreundschaft gibt es außerhalb Englands nur in Kreisklassen-Fußballvereinen. Man verkumpelt sich sofort und gerne mit den Protagonisten.

Die Frage, ob “Doghouse” ein “guter” Film im klassischen Sinne ist, steht auf einem anderen Blatt. Er hat für meinen Geschmack einfach zu wenig Ambitionen, ihm fehlt das durchgehende Thema (“Männer müssen Männer sein” ist ein wenig dünn), und am Ende wird die Geschichte auch nicht wirklich “zugemacht”. Fun-Splatter macht Spass, ermüdet dann aber doch irgendwann.

Sagen wir es einfach mal so: als britische Horror-Komödie kommt “Doghouse” nie an “Shaun of the Dead” ran, ist aber auch nicht so strunzdumm und substanzlos wie “Lesbian Vampire Killer“. Gelangweilt habe ich mich keine Sekunde. Wenn man ihn nicht auf dem Festival genießen kann, muss man sich für den DVD-Konsum Freunde und ungesunde Snacks ins Haus holen.

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Wortvogels pantomimisches Urteil:

hurra1

FFF 2009: Pontypool

Gepostet am 5. September, 2009 um 16:47 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

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Kanada 2008. Regie: Bruce McDonald. Darsteller: Stephen McHattie, Lisa Houle, Hrant Alianak, Georgina Reilly, Rick Roberts u.a.

Story: Es ist ein eiskalter und stockdunkler Morgen in der Kleinstadt Pontypool bei Ontario, und der zum Lokal-DJ degradierte Shock Jockey Grant Mazzy sinniert am Mikro über den Sinn des Lebens, statt die Verkehrsnachrichten durchzugeben. Doch irgend etwas passiert – da draußen. Berichte von Zusammenrottungen kommen rein, panische Anrufe. Gerüchte machen sich breit: gibt es Ausschreitungen? Hat das Militär das Gebiet weiträumig abgeriegelt? Grant versucht, den Wahnsinn für seine Hörer zu ordnen, dabei weiß er selber nicht mehr als sie. Es scheint sich ein Virus auszubreiten, der die Menschen zu tumben, aber gefährlichen Zombies macht. Ein Virus mit einem sehr einzigartigen Übertragungsweg…

Kritik: Wie sich aus der Inhaltsangabe unschwer ablesen läßt, ist “Pontypool” ein Kammerspiel mit wenigen Figuren, die meiste Action spielt sich außerhalb unseres Blickfeldes ab. Ereignisse werden fast nur über die Lautsprecher übertragen, Tod bedeutet zumeist nur “dead air”.

Ich habe es bei “The Killing Room” ja schon geschrieben – so eine reduzierte Dramaturgie kann spannend sein, aber auch leicht in die Hose gehen. Glücklicherweise tappst “Pontypool” in nicht ganz so viele Fettnäpfchen, und herausgekommen ist ein vielleicht nicht perfekt, aber streckenweise extrem cooler und spannender Paranoia-Thriller.

Die Aussage “Der etwas andere Zombie-Film” wird “Pontypool” nicht gerecht.

pontypool

Zuerst einmal ist Stephen McHattie, ein Veteran kanadischer TV- und Filmproduktionen, ein echtes Highlight. Mit knarzender Lederjacke, Cowboy-Hut, und einer whiskygestählten Reibeisen-Stimme übersteht er minutenlange Nahaufnahmen, ohne den Zuschauer zu langweilen. Er hat diese vertrocknete, lebensmüde Authorität, und könnte leicht eines der neuen Charakter-Gesichter des Horrorgenres werden, gleich neben Ron Perlman, Robert Englund, und besonders Lance Henriksen.

“Pontypool”-Regisseur McDonald weiß genau, wieviel er enthüllen muss, um den Zuschauer interessiert zu halten – und zeigt dann noch zehn Prozent weniger. Die Bedrohung für die Radiostation ist lange frustrierende unkonkret, aber genau deshalb so packend. Als sich langsam herausschält, worin die Gefahr besteht, wird es umso direkter – das Radio selbst ist die Gefahr, die Sendung, die Sprache, einzelne Worte. Grant Mazzys größtes Talent verpufft, weil er es nicht mehr anwenden darf, ohne alle Menschen um sich herum zu gefährden. Mal was anderes als der Macho-Held, der im Zweifelsfall die Schrotflinte aus dem Wandschrank holt…

Obwohl sich “Pontypool” im Verlauf der Handlung immer mehr zu einem “konventionellen” Zombie-Thriller entwickelt, verzichtet er konsequent auf die damit verbundenen Verhaltensmuster für die Protagonisten. Die Lösung kann nicht in Gewalt liegen, nicht in einem Serum, nicht einmal in der Flucht. Was bleibt dann noch?

Und an dieser Stelle wird es schwierig für mich. Die Gefahr, wie auch ihre Bekämpfung, befindet sich auf einem intellektuellen Level, das sich kaum visualisieren lässt. In der Buchvorlage “Pontypool changes everything” mag es gelungen sein, über Seiten hinweg das recht komplexe existentialistisch-linguistische Konstrukt hinter der Zombie-Seuche zu erklären – im Film fehlen dazu die Mittel und die Zeit. Die Protagonisten “erreden” sich eine Strategie, und es bleibt merkwürdig unbefriedigend. Vielleicht ist gerade dieser Ansatz besser für das Medium Buch geeignet.

Oft genug bekomme ich in diesem Genre Filme vorgesetzt, die nicht ansatzweise so smart sind, wie ihre Macher glauben. “Pontypool” hat das entgegengesetzte Problem: die Idee dahinter ist zu smart, und er kann sein zentrales Konzept nicht adäquat transportieren. Doch der Versuch ehrt.

“Pontypool” ist genau die Sorte Film, für die ich gerne auf das Fantasy Film Fest gehe. Die Kinoleinwand wird so ein kleiner kanadischer Thriller sonst niemals sehen, und es würde mich wundern, wenn der auch nur einen anständigen DVD-Release bekäme. Es ist einer der Filme, die sonst unter dem Radar durchrutschen, vielleicht irgendwann der SFT o.ä. als kostenloser Beileger reingepackt werden (wie auch die FFF-Filme “Freeze Frame” und “An American Crime”). Einer, der es verdient hat, auch mal von einem richtigen Publikum in einem richtigen Kino gesehen zu werden.

Wenn nur dieser blöde und nichtssagende Titel nicht wäre…

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Wortvogels pantomimisches Urteil:

respekt