Nibelungen 3 – besser spät als nie!

Gepostet am 25. Februar, 2010 um 11:49 Uhr
Kategorien: Bücherregal, In Arbeit, Neues, Privates.

nibneuIch hatte ja angekündigt, dass mein neuer Nibelungen-Roman im März erscheinen soll.

Dem ist nicht so.

Wir alle sind tragische Opfer eines Kommunikationsproblems geworden: Der März 2010 als Veröffentlichungstermin stand noch in meinem Vertrag aus der Zeit, als Heyne hoffte, ich würde das Brikett irgendwann im Frühjahr 2009 anliefern. Mehrfach bettelte ich um Aufschub, der Verlag war so freundlich – nur das anvisierte Erscheinungsdatum wurde versehentlich nicht aktualisiert.

Also: “Das Erbe der Nibelungen” erscheint nach aktuellem Katalog im August, zu meiner Freude rechtzeitig zu Buchmesse und Weihnachtsgeschäft (machen wir uns nichts vor: März ist eher eine maue Zeit für solche Schinken).

Bin ich sauer, dass ich mich im Dezember so gequält habe, um den Roman rechtzeitig für eine März-Veröffentlichung fertig zu bekommen? I wo. Machen wir uns nichts vor: Hätte ich von dem August-Termin gewußt, wäre das Ding am 30. Juli noch nicht fertig gewesen. Ich brauche den Druck, und fertig ist fertig.

Was ich nicht mit in den Urlaub nehme

Gepostet am 9. Januar, 2010 um 14:39 Uhr
Kategorien: Bücherregal, Neues.

Eine meiner ersten Aktionen, um meinen Geek-Status zu reanimieren, und mein Seelenheil zu retten, war die Bestellung eines Haufens toller Bücher – obwohl ich mindestens drei bis fünf Haufen toller Bücher hier stehen habe, die sicher auch mal gelesen werden wollen. Sei’s drum.

Leider hat mich die DHL-Webseite davon in Kenntnis gesetzt, dass ich nicht mehr damit rechnen soll, die Bücher zeitig zur Abreise überreicht zu bekommen. Sie stehen also, dunkel eingepfercht in kratzigem Karton, bis zu meiner Rückkehr rum. Ärgerlich.

Wenigstens kann ich sie euch hier kurz vorstellen – vielleicht springt der eine oder andere ja drauf an.

hellofitallDen Anfang macht – und das zu Recht! – Charlie Brooker. Mein liebster TV-Zynist (sorry, Niggemeier, sorry, Sixtus, sorry, Kalkofe) hat nach “Screenburn” und “Dawn of the Dumb” seine Kolumnen zum dritten Mal zwischen Pappdeckel gepackt, und nichts eignet sich besser als Badewannenlektüre. Man hat was zu lachen, zu lernen, und zu lästern – das sind ja gleich drei Dinge auf einmal. Das geht. Zwar gibt es die Kolumnen auch online, aber ich habe Angst, mein Notebook könnte nass werden. Und 5,56 Pfund ist ein Schnäppchen.

badscienceBen Goldacre ist ein Kollege von Charlie Brooker, seine “Bad Science”-Kolumne ist ebenfalls online. Bei Ben geht es um Wissenschaft, Skeptizismus, und einen generellen Respekt vor dem gesunden Menschenverstand. 3,82 Pfund? Meins!

Der aufmerksame Leser merkt: “The Guardian” tut sich durch gute Beiträge hervor, und während meines Ibiza-Arbeitsurlaubs konnte ich mich davon anhand der gedruckten Ausgabe überzeugen. Man fühlt sich an “Die Woche” erinnert, jenes wunderbare Blatt, dem ich noch heute so manche Träne nachweine.

mitchellwebbIch liebe die Sketchshow “That Mitchell & Webb Look”, ich liebe die Radio-Sendung “That Mitchell & Webb Sound”, ich liebe die Sitcom “Peepshow” von Mitchell & Webb – welche gute Entschuldigung könnte ich vorbringen, “This Mitchell & Webb Book” nicht im Schrank zu haben?! Noch dazu für 7,10 Pfund. Die beiden Jungs sind das beste Comedy-Team, das mir derzeit bekannt ist, und ihre Show ist die einfallsreichste seit “A bit of Fry & Laurie”.

badmagsVon “Bad Mags”, einem erschöpfend recherchierten Kompendium zum Thema “fragwürdige Publikationen”, hätte ich natürlich zuerst gerne Band 1 gehabt. Aber der ist nicht nur schon vergriffen, sondern als Rarität richtig teuer. Wenn das keine Empfehlung ist. Band 2 ist mit 11,33 Pfund das teuerste Buch im Paket, aber immer noch kein Luxusartikel. Ich bin halt ein Sucker für dicke Bücher, die mir komplexe Themen vergleichsweise verdaubar zusammenfassen. Dann kann man auf Partys mit Zweitehand-Wissen prahlen, ohne dass es wer merkt.

cinemasewerManchmal weiß ich nicht genau, was mich bei einem Buch erwartet, aber ich bin bereit, mich teasen zu lassen. Zum Beispiel von Untertiteln wie “The Adults Only Guide to History’s Sickest and Sexiest Movies!”. Darum landete auch “Cinema Sewer” auf meinem Bestellzettel. Warum Band 2? Keine Ahnung, da habe ich mich wohl verklickt. Ob das Buch dem Hype gerecht werden kann, bleibt abzuwarten. Es wird sich auf jeden Fall gut im Regal neben den diversen Mondo- und Cinema Bizarre-Bänden machen, die dort rumstehen. Vielleicht freunden sie sich auch an.

trashfiendEbenso locken lassen habe ich mich von Titel und Cover-Artwork von “Trashfiend: Disposable Horror Culture of the 1960s and 1970s”. Das muss man einfach mögen. Sollte mir der Band doch nicht zusagen, schenke ich ihn Harald Dolezal, oder verlose ihn an dieser Stelle. Macht euch allerdings keine zu großen Hoffnungen. Bei vielen Büchern ist es nämlich so, dass ich sie liegen lasse, bis meine Geek Credibility aufgeholt hat, und ich durch schockierend schlechte Filme in die Lage versetzt wurde, den Inhalt erst richtig zu würdigen.

Alles zusammen ziemlich exakt 45 Pfund, plus ein paar Krümel für den Versand. Gute Ausbeute, wie ich finde. Wenn jetzt Stephen Thrower mit dem lange versprochenen zweiten Band des exzellenten Schinkens “Nightmare USA” in die Pötte kommt…

Ich möchte gar nicht wissen, welche Rückschlüsse diese Auswahl zulässt…

Gedruckter Vogel – kleines Update

Gepostet am 1. September, 2009 um 11:19 Uhr
Kategorien: Bücherregal, Neues.

Alles nicht so wichtig, aber ich wollte es doch erwähnt haben.

Es gibt einen neuen, aktuellen Entwurf zum “Nibelungen 3″- Roman – der Verlag war so nett, meiner Bitte nach einem schwarzgrauen Farbschema zu entsprechen:

nibneu

Der Roman “Dr. Hope” steht mittlerweile auch in den Läden, und bei Amazon.

U.a. Die Frauenzeitschrift “Lea” hat das Buch klein vorgestellt – wie nett:

lea

“TV für mich” hat sich auch nicht lumpen lassen:

TVfM_DrHopeDas Buch sollte übrigens Katrins Tochter Emma gewidmet sein, aber diese Widmung ist irgendwo auf dem Weg zum Drucker verloren gegangen. Es sei auf diesem Wege in die Öffentlichkeit gebracht.

Besonders toll geworden ist ein großer Artikel über Hope Adams Bridges Lehmann in der Münchner Abendzeitung. Die Autorin hatte versucht, mich zu erreichen, aber ich war unterwegs. Deshalb kommt Katrin Tempel ausführlich zu Wort.

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Um es noch einmal zu klarifizieren: Ich habe mit Katrin Tempel die Story von “Dr. Hope” entwickelt, und dann selber die Drehbücher geschrieben. Der Roman basiert auf dem Drehbuch, stammt aber genuin aus der Feder von Katrin. Bei diversen Dialogen kann man meinen Stil durchaus “rauslesen”.

Da für den Roman die erste Skript-Fassung verwendet wurde, die noch deutlich länger war, enthält das Buch viele Details, die in der Verfilmung nicht zu finden sind. Auch auf Hopes eigene politische Ambitionen wird deutlich mehr eingegangen.

Nibelungen III: And so it begins…

Gepostet am 21. Juli, 2009 um 17:11 Uhr
Kategorien: Bücherregal, In Arbeit, Neues, Privates.

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Trilogie muss sein.

Nach vielen Planungen, einigen Verzögerungen, und diversen Ankündigungen ist es nun soweit – die konkreten Arbeiten an meinem dritten “Nibelungen”-Roman haben begonnen. Neue kreative Kräfte sind an Bord, frische Ideen auch, und Abgabetermin ist der 1. Dezember 2009. Mitte 2010 dürft ihr also mit einem dritten Band rechnen.

Ich halte euch über den Fortgang auf dem Laufenden…

Wortvogels dunkle Vergangenheit: “Science Fiction TV-Guide” (3)

Gepostet am 12. Juni, 2009 um 12:54 Uhr
Kategorien: Bücherregal, Gedanken, Privates.

In den letzten Tagen war soviel los, da habe ich ganz verschlabbert, dass ich diese Reihe noch nicht abgeschlossen habe. Ich hole das jetzt mal fix nach.

Vorab bedanken will ich mich bei den Lesern, die sich schon dahingehend geäußert haben, dass ihnen die Bücher wirklich gefallen haben. Das bedeutet mir viel, denn genau für euch habe ich mir damals die Mühe gemacht.

Schluss mit dem gefühligen Geplänkel, weiter geht’s…

Okay, Band 1 war auf dem Markt, und verkaufte sich tatsächlich wie geschnitten Brot – in einer soliden fünfstelligen Größenordnung, die mich genau so überraschte wie den Verlag. Anscheinend hatte ich tatsächlich die Nische entdeckt, deren Existenz ich bis dahin nur erhofft hatte. Und es war ja auch mein erstes veröffentlichtes Buch, mit Namen auf dem Cover und so.

Ich bekam eine Reihe von Leserbriefen, die meisten davon begeistert – mehr Spass machten allerdings die wüsten Beschimpfungen der “Voyager”- und “Knight Rider”-Fans, die mir das Fell über die Ohren ziehen wollten. Wir reden hier übrigens nicht von Emails, sondern von Postkarten und Briefen, die ich ebenfalls auf postalischem Wege brav beantwortete.

Fanpost. Das muss man mit 28 erstmal verdauen. Ich bin ja nicht Tokyo Hotel.

Heel machte schnell Druck: Band 2 musste her, am besten noch vor Ablauf der Gnadenfrist von einem Jahr. Das schien mir bei einem Jahresband eher unklug, aber ich ließ mich darauf ein, weil ich jetzt nicht die renitente Mimose spielen wollte.

mannBand 2 war von der Informationsbeschaffung her etwas stressfreier als Band 1: mittlerweile gab es im Internet, auf das ich dank ProSieben Breitband-Zugriff hatte, erste ausführlichere Episodenführer, die ich als Grundlagen verwenden konnte. Dabei achtete ich auch darauf, keine Texte einfach zu klauen, sondern alles nochmal in eigene Worte zu verpacken. Außerdem heuerte ich das erste Mal ein paar Hilfskräfte an, die mir zwar nicht bei den längeren Texten, aber bei den endlosen Episodenlisten unter die Arme greifen sollten. Praktischerweise waren das fast alle Leser des ersten Bands.

Es ergab sich aber ein ganz anderes Problem: relativ relevante, aber abgelaufene Serien wie “Alien Nation” und “Kampfstern Galactica” hatte ich im ersten Band komplett abgefeiert, und mehrere Staffeln von Dauerbrennern wie “Babylon 5″ und “Akte X” auch. Das alles zu wiederholen, wäre Unfug gewesen. Die Bücher sollten sich ergänzen, und nicht immer wieder bei null anfangen, wie die “Star Trek Universum”-Bände von Sander (so toll die auch waren).

Somit drohte Band 2 erschreckend schmal zu werden.

Klasse: Darüber hatte ich mir natürlich gar keine Gedanken gemacht.

(mehr…)

Wortvogels dunkle Vergangenheit: “Science Fiction TV-Guide” (2)

Gepostet am 2. Juni, 2009 um 16:58 Uhr
Kategorien: Bücherregal, Gedanken, Privates.

Neueinsteiger lesen bitte den ersten Teil.

Okeli Dokeli, Heel schien mir der richtige Verlag für mein “SF-TV-Jahrbuch”-Projekt zu sein. Ich ließ mir in Königswinter einen Termin geben, und traf mich mit Franz-Christoph Heel höchstselbst, den ich als freundlich und jovial empfand. Tatsächlich war er sehr schnell von meiner Idee begeistert. Vor allem, weil ich anbot, wirklich ALLES Material selbst beizubringen, inklusive der Bilder (ich machte natürlich klar, dass ich keine rechtliche Verantwortung dafür übernehmen könne).

spaceview Ich bin nicht mehr ganz sicher, ob die Heel-eigene Zeitschrift SpaceView damals schon existierte. Musste sie eigentlich, denn der Kniff, mit dem sich Heel um den Kauf von teuren Lizenzen drückte, war damals schon klar: jedes Buch wird als “Sonderausgabe” der Zeitschrift deklariert, und fällt damit rechtlich nicht in den Bereich “Buch”, sondern in den Bereich “Periodika”. Das erlaubt die Verwendung von Pressebildern, die eigentlich explizit NICHT für Bücher gedacht sind. So habe ich das zumindest verstanden.

Schwierig war natürlich, ein Honorar für meine Arbeit festzulegen. Ich wusste weder, wie lange ich an dem Buch sitzen würde, noch hatte ich einen Plan, was man da verlangen konnte. Es ging ja auch noch um die prozentuale Beteiligung an den Einnahmen. Hier hatte ich wenigstens eine Hausnummer durch meine Verhandlungen mit Heyne wegen des “Babylon 5”-Buches. Ich zog mich auf meinen Standard-Satz für solche Situationen zurück: “Ich mag keine Forderungen stellen – sagt mir doch einfach, was euch der Deal wert ist, dann lachen wir mal herzhaft, und ich sage euch, warum das zu wenig ist”.

Zurück in München ging dann die Faxerei los. Heel bot einen soliden Prozentsatz der Einnahmen, wollte aber beim Vorab-Honorar nicht allzu großzügig sein. Das ging mir gegen den Strich, denn es war abzusehen, dass ich viel Arbeit in das Projekt stecken musste – und das sollte sich lohnen, auch wenn den Band am Ende niemand kaufen würde. Wir steckten bald bei (so meine ich mich zu erinnern) 9000 DM und 8 Prozent Beteiligung fest. Ich wollte 10.000 DM und 10 Prozent. Heel bockte. Man versuchte es mit der beleidigte Leberwurst-Nummer: Das sei für so einen armen und kleinen Verlag nicht zu stemmen, ich sei gemein, Pistole auf die Brust, kein Brei mehr für die Kinder, drohende Obdachlosigkeit, etc.

Dank eines kuriosen Zufalls kann ich trotz mauer Aktenlage an diesem Punkt auch wieder eine halbwegs konkrete zeitliche Einordnung vornehmen: Es muss um den Jahreswechsel 95/96 gewesen sein, denn ich war frisch bei ProSieben, und die gesamte Belegschaft wurde zu einer Vorab-Aufführung von Kathryn Bigelows “Strange Days” eingeladen. Ich saß schon im Kino, unsere Team-Assistentin Elke kam zu spät. Sie drückte mir im dunklen Saal ein Blatt in die Hand, und flüsterte: “Das Fax kam eben noch rein. Ich dachte mir, du wirst es lesen wollen.”

Machen wir es unspannend: Heel bot als “last offer” zwar nur 9 Prozent Beteiligung, war aber im Gegenzug bereit, das Vorab-Honorar auf satte 12.000 DM aufzustocken.

Wow!

Das war weit mehr, als ich erwartet hatte, und für einen kleinen Redakteur eine Menge Geld. Ich schlug ein.

In den nächsten sechs Monaten sollte ich allerdings merken, dass selbst 12.000 Mark noch zu wenig waren für den Wust an Arbeit, den ich mir aufgehalst hatte. Das Problem ist nämlich: bei der Planung stellt man es sich zu einfach vor, die notwendigen Informationen zu beschaffen, weil man sich nur an den Krachern der Branche orientiert, die man sowieso zu Hause rumliegen hat. Episodenführer und Background-Infos zu “Akte X”, “Star Trek”, “Hercules”? Gibt’s und gab’s wie Sand am Meer, zumal die Serien ja auch im Fernsehen liefen. Mein Videorekorder war zu dieser Zeit im Dauereinsatz, und ich zeichnete hunderte von TV-Episoden auf, um die Credits dann per Standbild abzuschreiben.

spaceprecinct

Es stellte sich aber schnell heraus, dass es eben nicht damit getan war, nur die paar Serien zu covern, die sowieso jeder kannte. Ich wollte ja den Spaß am Science Fiction-TV wecken, den Blick auch auf die Außenseiter lenken. Das Buch sollte einen echten Mehrwehrt haben, ganz nach meinem Motto: schreibe nie was, das du nicht auch selbst lesen willst.

Nun ist es ja so, dass man im Freundeskreis leicht über SF-Serien diskutieren, und sich damit als kompetent beweisen kann. Nur: schwarz auf weiß reicht eben die eigene Meinung nicht, und das eigene Gedächtnis trügt halt oft. Man braucht Fakten. Daten. Listen. Credits.

Wirklich, ihr macht euch keine Vorstellung, wie das war, bevor das Internet solche Infos an allen Ecken und Enden vorrätig hielt. Ich glaube, ich habe die Hälfte des Vorab-Honorars wieder für Zeitschriften und Bücher rausgehauen, aus denen ich dann teilweise nur ein paar Folgentitel abschrieb.

deadlygames Es reichte nicht. 1996 waren Informationen zu Serien wie “Space Precinct”, “Deadly Games”, oder “VR.5” kaum zu bekommen. Bei einem Urlaub in New York verbrachte ich einen ganzen Nachmittag damit, Produktionsfirmen anzurufen, damit sie mir Episodenlisten faxten. Als weitere gute Quelle entpuppten sich Synchronstudios, die oft schon Übersichten hatten, lange bevor Serien im deutschen Fernsehen anliefen. Ich aktivierte auch so ziemlich jeden Branchen-Kontakt, den ich damals hatte – es half, dass ich selbst fast fünf Jahre für eine TV-Zeitschrift gearbeitet hatte.

Auch mit den Bildern war es nicht so einfach: Die Sender zickten, weil sie natürlich merkten, dass es um ein Buch ging – und da waren die Pressefotos nicht für freigegeben. Das Internet hatte meistens nur Mini-Bilder in Auflösungen wie 240×400, die komplett untauglich zum Abdruck waren. An so manchem Wochenende schlich ich mich mit Hilfe eines befreundeten GONG-Redakteurs ins Fotoarchiv des Magazins, um mir dort ein paar Dias auszuleihen, die ich verwerten konnte. Es war nicht immer leicht, offizielle Produktionsbilder (die relativ risikolos zu verwenden waren) von Agentur-Shots zu unterscheiden (die in Nullkommanix zu einer Schadensersatz-Forderung führen konnten).

Und das musste ich alles neben meinem Vollzeit-Job bei ProSieben erledigen.

Am Ende verursachten 20 Prozent der Serien 80 Prozent des Aufwands – und es waren wohl die 20 Prozent, die meine Leser am wenigsten interessierten. Aber das war mir egal, denn ich glaube bis heute daran, dass es auch die 20 Prozent sind, die meine Bücher einzigartig machten.

sliders Kurzum: Es war eine rechte Schinderei, die sich über Monate hinzog. Einzig die Tatsache, dass das Buch nicht chronologisch geschrieben werden musste, und ich zwischen den Kapiteln hin- und herspringen konnte, machte die Arbeit erträglich. Wenn ich mal die Nase voll hatte von “Sliders”, schrieb ich halt eine Kritik zu “Red Dwarf”. Auch das reizte mich: ich konnte den deutschen Lesern (so sie das Buch denn kaufen würden) Serien näherbringen, die ich selbst seit Jahren als Geheimtipp rumschleppte.

Es ist nicht immer leicht zu entscheiden, wann man es mal gut sein lassen muss: ein paar Serien waren einfach nicht mit genügend Daten zu unterfüttern, und bei anderen war ich nicht sicher, ob es nicht schon zu obskur wurde. Mit Rückblick, Vorschau, und einem Extra-Kapitel für Mini-Serien und TV-Filme schaffte ich mir aber etwas Raum, um Info-Schnipsel unterzubringen.

Am Ende enthielt das Buch mit dem sperrigen Titel “Science Fiction TV-Guide 96/97” die meiste Mühe, die ich je in ein solches Projekt gesteckt habe. Nicht mal mein erster “Ring der Nibelungen”-Roman hat mich derartig geschlaucht. Ich hatte den Aufwand total unterschätzt, und mich dafür so manches mal verflucht.

tvguide Umso stolzer war ich, als ich den fertigen Band dann in Händen hielt – mit meinem Namen (sehr klein) auf dem Cover! Satte 29,90 kostete das Softcover-Album im Überformat, 178 Seiten. Wer übrigens durch diesen Artikel neugierig wird: alle drei “SF TV Guides” gibt es derzeit gebraucht bei Amazon für unter 2 Euro. Zumindest DAS sind sie auf jeden Fall wert.

Natürlich war ich mit dem schwachen Layout unzufrieden, und der ungünstigen Auswahl der Cover-Bilder (zweimal Trek, zweimal B5 – warum nicht vier Serien?). Außerdem hatte die Layouterin mit dem untrüglichen Instinkt eines Trüffelschweins genau jene Bilder auf Seitengröße aufgeblasen, die nur in geringer Web-Auflösung vorlagen. Was wir als Dia hatten, wurde gerne mal in Briefmarkengröße gedruckt.

Aber ich war stolz. So unheimlich stolz. Ich war nämlich jetzt ein “SF-Experte”.

Bald in Teil 3: Meine Rechnung geht auf – leider…

Nachtrag: Aufmerksame Leser des Buches werden einen Veranstaltungshinweis im hinteren Teil entdeckt haben, der für die Fantasticon 1996 wirbt. Zu dem Thema kommen wir auch noch irgendwann…

Wortvogels dunkle Vergangenheit: “Science Fiction TV-Guide” (1)

Gepostet am 1. Juni, 2009 um 16:00 Uhr
Kategorien: Bücherregal, Gedanken, Privates.

Zeit, mal wieder in den Erinnerungen zu kramen. Kürzlich hatten wir ja schon meine ersten unveröffentlichten Bücher. Ab heute sprechen wir mal von den ersten veröffentlichten.

In das Verlagsbusiness kam ich nicht über meine Arbeit als Redakteur beim GONG, wie man vielleicht annehmen möchte. Es war stattdessen eine dieser seltsamen Querverbindungen, die bei der richtigen Kombination von Wassertemperatur, Sternzeichen, und Haarfarbe zu einer neuen Chance führt.

Anfang der 90er hatte ich Dirk Bartholomä kennengelernt, den Chef des größten deutschen Star Trek-Fanclubs, und Herausgeber der “Trekworld”. Er begann gerade damit, die FedCon aufzuziehen – nicht ahnend, dass daraus eines Tages die größte Convention Europas werden sollte. Mit Dirk konnte ich soweit ganz gut, auch wenn wir charakterlich zu verschieden waren, um gerne auf ein Bier zu gehen. Wenigstens musste ich bei den Conventions keinen Eintritt zahlen.

Dirk wusste, dass ich massiver “Babylon 5”-Fan, und in Deutschland damit Teil einer als radikal (und verachtenswert) angesehen Minderheit war. Es war eine dieser “Connery oder Moore”, “Shorts oder Slips”, “Xbox oder Playstation”-Situationen – wer für B5 war, war gegen Trek. Beides ging nicht. Ich konnte damit leben. Ich bin ein Rebell.

Eines Tages klingelte in der Redaktion das Telefon, und ein freundlicher Herr mit dem hübschen Namen Heering stellte sich vor. Er sei auf der Suche nach einem “Babylon 5”-Experten, und Dirk Bartholomä habe ihn an mich verwiesen. Der vgs-Verlag hätte die Lizenz zu B5-Romanen käuflich erworben, und nun suche man einen kompetenten Übersetzer.

Ich hatte noch nie in meinem Leben einen Text professionell übersetzt. Zwar schaute ich gerne Filme in der Originalfassung, und las TV-Zeitungen aus Amerika, aber das war kaum zu vergleichen. Übersetzungen sind was für Experten.

Also sagte ich kackfrech zu. Ich war jung und brauchte das Geld. Mit 26 macht man sich über die Folgen selten Sorgen.

b5 Die Übersetzung stellte sich zu meiner Überraschung als einfacher heraus, als ich befürchtet hatte. Ich war durch meinen regelmäßigen Kontakt mit dem US-Markt doch besser in der Sprache drin, als ich dachte. Ein paar Mal musste ich technische Begriffe nachschlagen, aber insgesamt ging mir die Arbeit leicht von der Hand. Es machte sogar Spaß. Und da man nach Seite bezahlt wird, entpuppte sich der Auftrag auch als solide lukrativ (zumindest nach meinen damaligen Lebensumständen).

Es war sicher hilfreich, dass der Roman aus der Feder von John Vornholt stammte, einem der besseren Tie In-Autoren der Branche. Er hat das perfekte Gespür, die Atmosphäre einer Serie einzufangen, und dann über die Restriktionen des TV-Budgets hinaus zu erweitern. Kurzum: man bekommt was für sein Geld. Einige Romane, die ich später vorgelegt bekam, waren so schluderig geschrieben, dass ich mir bei der Übersetzung ziemliche Freiheiten nehmen musste, um das alles stilistisch hinzubiegen. Ich erinnere mich an einen B5-Roman, bei dem ich ein terroristisches Attentat auf die Station über zwei Seiten hinweg komplett neu aufbaute, weil die Original-Strategie der Attentäter so hilflos dämlich war.

Ebenfalls angenehm war auch die Arbeit an “The Dig”, einem “Roman zum Spiel” des Tie In-Königs Alan Dean Foster – der Mann schreibt pro Saison ein halbes Dutzend Adaptionen von Fernsehserien und Kinofilmen. Und er kann das wirklich gut. 2009 ist er mit “Star Trek”, “Terminator: Salvation”, und “Transformers 2” im Rennen. Ich bin ein Fan seiner Arbeit, seit er den ersten “Star Trek”-Kinofilm (als “Gene Roddenberry”) so toll adaptierte, dass er die Mäßigkeit der Vorlage vergessen machte.

dig Foster traf ich einige Jahre später bei einer SF-Convention in Darmstadt, und es war toll, einem “meiner” Autoren auch mal in die Augen schauen zu können. Er signierte mir das Original des Buches, und es hat bis heute einen Ehrenplatz in meinem Schrank.

Zurück zum Thema: Nach der Übersetzung von “Tödliche Gedanken” (der Übersetzer liefert übrigens gewöhnlicherweise drei Vorschläge für einen deutschen Titel) hatte ich Blut geleckt. Weil der Verlag mit der Arbeit sehr zufrieden war, übersetzte ich daraufhin die meisten Bücher, die zum Thema Babylon 5 auf den deutschen Markt kamen. Es folgten Romane zu “Lois & Clark”, “Space 2063”, “Godzilla”, und natürlich “Charmed”.

Ich übersetze gerne. Das liegt sicher daran, dass es eine perfekte literarische Zwischenform ist – man hat die Befriedigung, viel zu schrieben, muss sich aber nicht permanent den Kopf über das “was” zerbrechen. Wenn man Routine hat, kann man sich den Stundenlohn gut ausrechnen. Es ist planbarer als ein eigener Roman. Natürlich gibt es Unterschiede: ich möchte sicher keine Fachtexte übersetzen, oder Romane, die viel mit Wortspielen oder Reimen arbeiten. Da haben mir bei “Charmed” die Zaubersprüche gereicht. Ich habe auch mal Computerspiele übersetzt (“Frontschweine”), und ein PC-Programm zu Steuerung von Lego-Robotern, aber das ist fies und fiselig. Ich brauche eine durchgehende Geschichte.

Durch die Übersetzungen kannte ich Mitte der 90er einige Verlage, die sich mit Büchern zu TV-Serien beschäftigten. Ich durfte auch auf die Frankfurter Buchmesse an den Tagen, an denen das Fußvolk keinen Zutritt hatte. Ich kam mir fast schon wie ein richtiger Autor vor.

In diesen Jahren fuhr ich auch öfter nach London, weil ich die Stadt bekanntermaßen liebe. Und weil ich mich dort an Zeitschriften und Büchern bankrott zu kaufen pflegte. Ich erinnere mich an einen Rückflug, den ich verpasste, weil mein Seesack durch die Einkäufe so schwer geworden war, dass ich ihn nur mühsam durch die Gänge der U-Bahn hinter mir her zerren konnte. Heute schreibe ich mir nur die ISBN-Nummern auf, und bestelle den Kram über Amazon.

hise Wie dem auch sei: bei HMV stieß ich auf das Buch “The New Sci Fi TV Yearbook 1995: From Deep Space to Babylon 5” von James van Hise. Van Hise ist ein Sammler, Händler, und Filmfreak, der eine beachtliche Karriere daraus gemacht hat, (meist unlizensierte) Bücher zu TV-Serien und Filmen zu schreiben. Meistens sind mir seine Werke zu oberflächlich – was sicher auch daran liegt, dass er ohne Lizenz nur begrenzten Zugang zu Sets und Bildmaterial hat. Das nebenstehende Bild zeigt einen ähnlichen Band, den Hise geschrieben hat.

Das Konzept des “Sci Fi TV Yearbook” schien mir bestechend: statt eine einzelne, meist alte Serie bis in die letzte Radkappe auseinander zu nehmen, stellte er einfach die neuen Genre-Serien vor, gab ein wenig Hintergrund, listete Episoden, etc. Das war sehr praktikabel, gab es doch damals für SF-Fans kaum eine bezahlbare Möglichkeit, sich umfassend zu informieren. Klar, man konnte Star-Log und Cinefantastique abonnieren, aber das war teuer, und dazu noch unübersichtlich.

Ein Jahrbuch! DAS fehlte dem Markt, besonders dem deutschen! Natürlich besser geschrieben und ausführlicher als das, was van Hise da halbherzig abgeliefert hatte. Der deutsche Fan sollte mit nur einem Buch in die Lage versetzt werden, so kompetent wie die amerikanischen Fans über den SF-Markt zu diskutieren. Nur ein Buch. Aber das jedes Jahr wieder, immer aktualisiert.

In einer unheilvollen Allianz aus Größenwahn und jugendlichem Leichtsinn gab es für mich nur einen Autor, der dieses Standardwerk schreiben konnte: ich selbst!

Heyne kam für den Band nicht in Frage, denn die setzten nur auf Bücher mit offiziellen Lizenzen (im vorigen Jahr hatten sie ja deshalb schon mein “Babylon 5″-Universum auf halber Strecke gekippt). Die vgs winkte auch ab – mit den übersetzten Büchern war man schon beschäftigt genug. Also ging ich zu Heel, einem Verlag in Königswinter, der stark in den Markt der Tie Ins einsteigen wollte.

Ich hatte keine Ahnung, auf was ich mich da einließ…

Morgen: Teil 2 – eine elende Schinderei ist das!

Nachtrag: 2001 schnappte mir van Hise tatsächlich mal einen Auftrag vor der Nase weg – ich wollte unbedingt das “Making of” zur von mir betreuten Miniserie “DUNE” schreiben, aber die Amerikaner hatten Hise bereits unter Vertrag genommen. Wenigstens blieb mir die Foto-Story, die ich für den Heyne-Verlag zusammen bastelte, und die immerhin meinen geliebten Aprilia-Roller finanzierte.

Wortvogel – jetzt auch in der Bibliothek des “lieben Führers” Kim Jong-Il

Gepostet am 20. Mai, 2009 um 10:36 Uhr
Kategorien: Bücherregal, In Arbeit, Neues.

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Ach ja, Autor bin ich auch noch…

Gepostet am 15. Mai, 2009 um 14:51 Uhr
Kategorien: Bücherregal, In Arbeit, Neues.

Click on this, fools:

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Aus meinem Bücherregal: “Thrill Power Overload” und “The Best of 2000 AD”

Gepostet am 6. März, 2009 um 23:54 Uhr
Kategorien: Bücherregal, Neues.

thrillpoweroverloadIch lese zu wenig Bücher, und oft ist das, was ich lese, zu obskur für ein breites Publikum. Darum gibt es hier auch so selten Lesetipps.

Aber der Start von “Watchmen” ist vielleicht eine gute Gelegenheit, mal ein bisschen stärker in das Thema “britische Comics” einzusteigen. Meistens scheinen Fans ja fast ausschließlich in die drei Fraktionen “franko-belgisch”, “japanisch”, und “amerikanisch” zu zerfallen.

Ich selber hatte mit britischen Comics immer nur am Rande meines Blickfeldes zu tun: Die englische Videospielzeitschrift “C+VG” druckte in den 80ern Fortsetzungsgeschichten (aus “2000 AD” – was mir nicht klar war), ein Freund hatte einen Sammelband “Chopper” bei sich liegen, und ich wusste von mehreren C64-Spielen, die auf Comics basierten (“Nemesis”, “Slaine”, “Rogue Trooper”, etc.). In den 90ern wurde manchmal in einem irischen Pub in München die “Viz Comics” verkauft, und das Magazin “SFX” besprach ab und an Sammelbände erfolgreicher Titel.

Was mir lange nicht klar war: der britische Comic-Markt ist komplett anders strukturiert als der amerikanische und französische Markt. Absolute Dominanz hat seit 1977 das wöchentliche Magazin “2000 AD”, dessen “Prog” genannte Ausgaben Einzelstories und Fortsetzungsgeschichten präsentieren. Mehr dazu findet ihr in der Wikipedia und auf der offiziellen Homepage. Praktisch alle großen Autoren und Zeichner der Insel haben hier ihre Hörner abgestoßen – und diverse der kultigsten Comic-Charaktere entstanden exklusiv für “2000 AD” bzw. das Monatsheft “Judge Dredd Megazine”.

Durch Zufall stieß ich vor kurzem auf ein gut beleumundetes Buch von David Bishop mit dem knalligen Titel “Thrill Power Overload”, und bestellte es mir aus Großbritannien. Und tatsächlich: das übergroße, durchgehend vierfarbige Hardcover (jetzt auch als Paperback erhältlich) mit den üppigen Illustrationen verdient die selten gewordene Bezeichnung “Standardwerk”. Bishop hat praktisch alle Beteiligten der dreißigjährigen “AD”-Historie interviewt, und die wechselvolle Geschichte spannend, unterhaltsam, und ohne Scheu vor Kontroversen aufgearbeitet. Er findet sogar noch Zeit und Platz, um die Versuche der Konkurrenz zu beleuchten, “2000 AD” Marktanteile abzujagen.

Das Cover lügt nicht: “It’s totally awesome, man!”

bestof2000adSchon als ich das Buch bestellte, war mir klar – wenn ich was über die britischen Comics lerne, soll das nicht alles nur Theorie bleiben. Der Mensch lebt nicht von der Sekundärliteratur allein. Und da fand ich es überaus praktisch, dass Amazon zum Kauf des Bishop-Buches gleich den Hardcover-Band “The Best of 2000 AD” empfahl. Ein Klick, und ich hatte zugeschlagen.

Nun ist der Begriff “Best of” natürlich schwer subjektiv, aber nach 30 Jahren wissen die Macher von “2000 AD”, was bei ihren Lesern hoch im Kurs steht, und darum findet man in dem Sammelband auch alles, worüber Bishop so begeistert geschrieben hat: “Strontium Dog”, “ABC Warriors”, “Halo Jones”, “Judge Anderson”, “Slaine”, etc. Den mit Abstand größten Raum nimmt natürlich die legendärste Kreation des 2000 AD-Universums ein: Judge Dredd.

Man sollte sich allerdings vom schönen Cover mit dem neckischen Spot Lack nicht täuschen lassen – den Leser erwarten 380 fast ausschließlich schwarzweiße Seiten. Anders wäre der Band vermutlich nicht zu bezahlen. Macht aber auch nichts – bis Anfang der 90er war “2000 AD” auch weitgehend schwarzweiß publiziert worden, und die teilweise spektakuläre Artwork funktioniert auch so ganz prima.

Wie erhofft ergänzen sich “Thrill Power Overload” und “Best of 2000 AD” geradezu gruselig perfekt. Für beide Bücher zusammen zahlt man mittlerweile keine 30 Euro mehr – und einen umfassenderen und spannenderen Einblick in die Comic-Szene Großbritanniens kann man sich nicht wünschen. Außerdem machen sie sich verflixt gut im Regal.

Trotzdem legte ich die Bücher letzte Woche eher frustriert beiseite. Denn sie hatten ein Bedürfnis geweckt, dass ich bis dato nicht hatte, und ohne das ich auch gut leben konnte: Ich will ein deutsches “2000 AD”! Keine hunderte monatliche, inhaltlich miteinander verschränkte Heftchen wie in den USA, keine Telefonbücher wie in Japan, keine teuren Edelalben wie in Frankreich – ich will ein wöchentliches Magazin mit wechselnden Geschichten und Charakteren, in dem sich deutsche Zeichentalente austoben können. Zum Taschengeldpreis an jedem Kiosk und in jeder Kneipe. Ich wäre sowas von dabei.

Zu blöd, dass der deutsche Markt sowas niemals tragen könnte…

Freakfutter

Gepostet am 2. Oktober, 2008 um 23:42 Uhr
Kategorien: Bücherregal, Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Ich weiß: Ich habe in den letzten Tagen einen ganzen Haufen Videoclips verlinkt, und das widerspricht eigentlich der Idee hinter diesem Blog. Genuiner Content, das ist das Ziel. Leider liegt momentan recht viel Arbeit an. Trotzdem werde ich versuchen, in den nächsten Tagen ein paar interessante neue Sachen zu präsentieren. Zur Nacht gibt es heute ein paar Lesetipps – ich habe einfach mal nachgeschaut, was gerade ausgelesen neben meiner Matratze rumliegt.

GroschenhefteNeulich schon mal erwähnt, aber allemal erneut erwähnenswert ist “Grusel, Grüfte, Groschenhefte”, ein wirkliches Schatzkistchen für Freunde billiger Schundschmöker von “Dan Shocker” bis “Dämonenland”. Autor Jochen Bärtle hat eine beeindruckende Menge an Informationen über praktisch alle Horrorheftserien der letzten 40 Jahre zusammengetragen, und lexikalisch aufgearbeitet. Das Buch ist nicht perfekt: das Layout ist amateurhaft, es sind viele Rechtschreibfehler zu vermelden, der Schreibstil ist eher so lala, und mit 27,50 Euro ist der Band schlichtweg zu teuer. Aber trotz alledem bringt Bärtle die Begeisterung für das Thema gut rüber, es gibt eine tolle (zu mager geratene) Galerie mit Titelbildern, und man erfährt Sachen, die lachen machen (Heilmedizin-Papst Hademar Bankhofer war Hauptautor der Horrorserie “Occu”!). Aus diesem Grund empfehle ich das Buch trotzdem – wer die Ausgabe scheut, sollte sich zumindest mal die sehr umfangreiche Webseite des Autors ansehen.

BrookerEbenfalls schon erwähnt habe ich Charlie Brooker, einen permanent angefressenen britischen TV-Kolumnisten, der mit der großartigen Serie “Charlie Brooker’s Screenwipe” bewiesen hat, wie unterhaltsam es sein kann, die Mechanismen der TV-Branche zu lernen (und sich dann über sie lustig zu machen). Er hat als Videospiel-Reviewer angefangen, dann eine Webseite mit einem hysterisch komischen (aber fiktiven) Fernsehprogramm bestückt, und schließlich den Part des Fernsehkritikers beim angesehen “Guardian” übernommen. Man kann sich alle Beiträge von Brooker dort im Archiv erlesen, aber ich rate ab: MitScreenburn “Screen Burn” und “Dawn of the Dumb” gibt es zwei exzellente Sammlungen in Taschenbuchform, die man bei Amazon in England vergleichsweise preiswert kaufen kann. Die zwei bis drei Seiten langen Essays eignen sich ideal als Klo- und Badewannenlektüre, oder für die S-Bahn. Man muss allerdings aufpassen, nicht durch spontane Lacher öffentliches Ärgernis zu provozieren. Außerdem sollte man mitunter bereit sein, ein paar Namen der britischen TV-Society zu googeln, wenn man wirklich alles verstehen will, was der gute Charlie durch den Kakao zieht. Man kommt zu der beruhigenden Erkenntnis, dass das britische Fernsehen auch nicht besser ist als das deutsche.

Wenn Stefan Niggemeier und Oliver Kalkofe ein Kind zeugen würden – es wäre Charlie Brooker!

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Wortvogel im preiswerten Brikett-Format

Gepostet am 5. September, 2008 um 10:57 Uhr
Kategorien: Bücherregal, In Arbeit, Neues.

Nibelungen SagaWer noch eine erschwingliche, aber üppige Lektüre für kalte Winternächte sucht, kann es nun mit “Die Nibelungen-Saga” versuchen, einem fast 1000 Seiten starken Kombo-Band der Romane “Der Ring der Nibelungen” und “Die Rache der Nibelungen” versuchen.

Die Genese dieser Fantasy-Schinken kann ich leider aus diversen vertraglichen Gründen niemals in der gebührenden Bandbreite erzählen, aber sie war nicht weniger spannend als die Nibelungen-Sage selbst.

Ich muss dem “Märkischen Sonntag” mal eine Email schreiben, und mich für die Klappen-Kritik bedanken: “Ein atemberaubendes Drama um Rache und Magie, um Liebe und Tod – Romane, die J. R. R. Tolkiens ‘Herr der Ringe’ in nichts nachstehen.”

Da wollen wir mal nicht übertreiben…

Egal. Bei schlappen 10 Euro gibt es keine Ausrede mehr, den Wortvogel nicht im Schrank stehen zu haben, gell?

Schlechter Sex? Ja, bitte!

Gepostet am 17. Juni, 2008 um 12:34 Uhr
Kategorien: Bücherregal, Neues.

Schlechter SexIch habe für die “TV Sünde” gestern einen heiteren Beitrag zum Thema “Die Todsünden im Bett” geschrieben. Um das Musical “A Chorus Line” zu zitieren: “Sex ist das einzige Thema, über das ich stundenlang reden kann, ohne die geringste Ahnung davon zu haben.”

(Erinnert sich eigentlich noch jemand, dass mit der Ausstrahlung dieses Films 1988 die erste Version von Tele5 auf Sendung ging?)

Als kleine Orientierungshilfe bekam ich vom Chefredakteurinnen-Luder Francesca LaStella ein Buch in die Hand gedrückt mit dem wenig erheiternden Titel: “Schlechter Sex”. Und das möchte ich meinen Lesern gerne ans Herz legen – natürlich am besten gebraucht, geliehen, oder “als Gag” zum Geburtstag geschenkt. Und nach der schätzungsweise einstündigen Lektüre kann man es dann auch prima an Freunde entsorgen (nicht allerdings an den aktuellen Partner – der könnte es als Wink mit dem Zaunpfahl mißverstehen!).

“Schlechter Sex” enthält 33 glaubwürdige, aber teilweise etwas unauthentisch gleichförmig erzählte Anekdoten peinlicher Sex-Erlebnisse von Frauen (der Band mit den Männer-Erlebnissen folgt im Oktober). Das ist sehr unterhaltsam, teilweise witzig, mitunter auch beschämend. Wichtigste Funktion des Buches scheint mir allerdings: Es befreit. Von dem Gedanken, man habe “schlechten” Sex, weil es im Bett nicht so läuft wie auf “Beate Uhse TV”. Nach der Lektüre von “Schlechter Sex” weiß man – es geht fast allen Menschen so. Schöne Menschen sind langweilig im Bett, berühmte Menschen sind Egoisten, und betrunken vögelt es sich selten gut (und ohne Reue am nächsten Morgen). Frauen haben Sex nicht nur aus Lust, sondern aus Langeweile, Rache, Mitleid, und Trotz.

Ich hatte hinterher das gleiche Gefühl wie nach der Ansicht des erschreckend banalen Pamela Anderson Privat-Pornos: “DAS kann ich aber auch noch!”

Meine Lieblingsstelle: Sophia (24), Verkäuferin, hat gerade Felix (26), Vertreter, kennengelernt: “Wir waren im Kino, in einem Zombiefilm, und ich habe ihm einen runtergeholt.”

Sophia, wo bist du? Ich will dich heiraten!

Und wenn wir eh schon bei schlüpfrigen Themen sind: Im Freundeskreis kam kürzlich die Frage auf, was ich als Mann denn für “guten Sex” halte. Ich dachte kurz nach, und mir fiel nur ein: “Sex haben. Sex haben ist guter Sex. Keinen Sex haben ist schlechter Sex. Wir sind da nicht so kompliziert.”

NACHTRAG: Angesichts der untenstehenden Diskussion scheint das hier sehr treffend (danke an Paddy-O):

Wortvogels erste Schritte: Dark Palace

Gepostet am 9. Juni, 2008 um 08:00 Uhr
Kategorien: Bücherregal, Film, TV & Presse, Gedanken, Privates.

Die ersten sechs Jahre meines Lebens waren die schlimmsten: Ich konnte nämlich noch nicht schreiben. Ich döste so vor mich hin, immer mit dem unbestimmten Gefühl, dass mir etwas vorenthalten wird. Als ich in die Schule kam, war das für mich wie die Aufnahme in Hogwarts: man gab mir den Schlüssel zum Königreich des Wissens, die Fähigkeit, Herr über die Sprache zu werden. Und Sprache ist Magie.

Als ich das erste Mal begriff, wirklich begriff, wie das Alphabet funktioniert, war das eine Initialzündung. Es ist natürlich nicht so gewesen, aber in meiner romantisierten Erinnerung starrte ich auf das Blatt mit den 26 Buchstaben (plus Umlaute), und dachte: “Scheiße, damit kann ich ALLE Wörter zusammensetzen? Mit den 26 Dingern? Aber dann kann ich ja schreiben, was immer ich will!!!”.

Und das habe ich seither auch getan.

Snoopy

Mit 7 schrieb ich meinen ersten Roman in ein Schulheft: “Spuk auf Schloss Schreckenstein” (hey, ich bin nicht Mozart, get off my back!). Dazu malte ich mit Buntstiften auch die Illustrationen (Inspiration für Backstein-Mauern holte ich vom ersten “Hui Buh”-Plattencover), und entschied mich spontan, die grafische Arbeit den Rest meines Lebens solcherart Berufenen zu überlassen.

In der Schule war ich vergleichsweise unschlagbar, wann immer es um Texte ging. Ich habe Klausuren über “Romeo und Julia auf dem Dorfe” mit einer 3+ geschrieben, obwohl ich das Buch nicht gelesen hatte. Drumherumschwafeln wurde mein Spezialtalent. Als es darum ging, für den Deutschunterricht eine SF-Geschichte mit dem Aufhänger “Delfine mit Armen” zu schreiben (das kommt davon, wenn man in einer pädagogisch progressiven Bildungseinrichtung landet), verfasste ich nicht nur meinen eigenen Text, sondern auch die von acht Klassenkameraden.

Mit 16 war ich in einer Video-AG, in der wir es in drei Monaten immerhin schafften, exakt EINE Szene für den Agentenfilm “Mission Aszera” zu drehen, den ich geschrieben hatte. Dabei lernte ich viel über Teamwork, und die große Wahrheit, die in dem Satz steckt “Willst du, dass etwas richtig gemacht wird, dann mach es selbst”.

Kopie von PTN 01.pdf_01 Kurz darauf bekam ich “Newsroom”, ein extrem krudes, aber einfach zu bedienendes “Zeitungs-Programm” für meinen C64. Zusammen mit meinem Kumpel Stefan stoppelte ich ein paar Ausgaben der C64-Fan-Zeitschrift “Pilot Team News” zusammen, was eine absolute Quälerei war, denn “Newsroom” war nicht nur brutal langsam, sondern auch sehr eingeschränkt, was die kreativen Möglichkeiten des Benutzers anging. Aber ich lernte dadurch zumindest gewissen Grundlagen, was die Blattmacherei angeht. Die ausgedruckten Seiten musste mein Vater dann bei Mannesmann fotokopieren, und oben tackern (wir hielten das für erheblich cooler als die klassische Seitenbindung – Revolution!). Die Hefte verteilten wir unter Freunden.

Mein erlahmendes Interesse an Computerspielen und meine mangelnden Fähigkeiten als “Hacker” führten zu einem baldigen Ende der “Pilot Team News”. Mir war das egal, denn ich hatte einen neuen Spielplatz entdeckt: Horrorfilme! Mittlerweile war nämlich nicht mehr Stefan, sondern Markus mein bester Freund, und der war ein echter Fan. Er wollte sogar selber Maskenbildner werden, und hatte jede Menge alter Cinefantastique- und Fangoria-Ausgaben bei sich rumliegen.

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Wissensvorsprung

Gepostet am 2. Dezember, 2007 um 23:03 Uhr
Kategorien: Bücherregal, Neues, Privates.

Ikea-Regal MarkörAm Wochenende habe ich mir ein neues Regal gekauft – bei Ikea. Modell “Markör”. Es ging einfach nicht mehr anders, denn die in den letzten Monaten angeschafften Bücher lagen mir in Stapeln und Kisten das Haus voll, und sowas kann ich gar nicht ab.

Ich habe normalerweise keine Probleme, mir meine Möbel nach eigenen Plänen schreinern zu lassen, aber dieses Prachtstück (Vollholz, kein Span, extrem sicher gebaut, beidseitig ausgearbeitet, also auch als Raumteiler verwendbar) kam meiner Vorstellung so nahe, dass ich ausnahmeweise mal ein Auge zudrückte. Preislich lag es mit knapp 300 Euro auch im Budget. Zu meiner Freude gelang es mir, das Regal im ersten Anlauf zusammen zu schrauben, ohne dass was von den ca. 100 Schrauben und Zapfen übrig blieb (oder zu fehlen schien).

Mittlerweile ist das “Markör” aufgebaut und befüllt wie ein überdimensionierter Adventskalender. Meine eigenen Bücher und die Lehrbücher zum Thema Film & Drehbuch sind schon an der anderen Wand untergebracht, darum findet man in der Neunanschaffung eine größere Bandbreite meiner gedruckten Interessen. Wen’s schert, der kann hier mal schnüffeln:

Markör