7
Juli 2013

Liebes Deutsches Museum…

… ich finde dich toll. Eigentlich. So als Institution und Hort von hehrer Wissenschaft und bildungsbürgerlichen Tugenden. Du atmest den Geist von Tradition UND Moderne, von der Erinnerung an Großes und dem Aufbruch zu Großem. Außerdem sind Kinder in deinem tollen Spielzeuggeschäft allemal besser aufgehoben als bei Toys’r’Us.

Ebenso lobenswert: du gibst eine Zeitschrift raus, die so gar nichts von “Gallileo” und “Welt der Wunder” hat. Die bezaubernd uncool und bezaubernd lehrreich zugleich ist. Wenn man eine Ausgabe von “Kultur & Technik” liest, hat man hinterher oft nur die Hälfte verstanden. Und das ist gut so. Ich möchte nicht von Menschen lernen, deren Niveau auf meinem Level ist. Ich suche nach überlegenen Lehrmeistern. Einen Artikel zweimal lesen zu müssen ist keine Qual, sondern eine Tugend.

Aber jetzt hast du diesen Text abgedruckt. Den über (ausgerechnet!) Homöopathie. Den habe ich sofort verstanden. Und er hat mich wütend gemacht. Weil er dumm ist und deiner nicht würdig. Die Jungs von der GWUP haben sich denn auch drüber ausgelassen. Danach hast du ein paar ziemlich angefressene Leserbriefe bekommen, die du kaum ignorieren konntest. Es wurde dir schließlich vorgeworfen, nicht nur dumm gewesen zu sein – sondern auch deine Werte verraten zu haben.

Im neuen Heft hat sich der Generaldirektor per Editorial geäußert. Unseligerweise mit noch kruderen Aussagen als der originale Artikel. Tenor: stellt euch nicht so an, man muss manchmal den gemeinen Pöbel bedienen dürfen. GWUP ist wieder zur Stelle.

Liebes Deutsches Museum – nein. Einfach nein. So geht das nicht. Du bist dafür da, dumme Menschen klüger zu machen Du darfst nicht dümmer werden, um sie zu erreichen. Ein Thema leicht verständlich aufzuarbeiten ist etwas anderes, als sich auf den Aberglauben der Halbgebildeten und Unkritischen einzulassen. Wer sich im Licht der Aufklärung nicht sonnen will, dem musst du nicht mit der Taschenlampe in die Kanalisation der Ignoranz hinterher laufen.

Es ist die oberste Tugend der Wissenschaft, das erkannte Dumme dem schmerzenden Dialog zu opfern. Manchmal ist es angebracht, einfach den Kopf zu senken und zu sagen: “Ja, war eine scheiß Idee”. Du darfst das gerne auch elitärer formulieren. Ich weiß – ich WEISS -, dass bei dir Leute arbeiten, die es besser wissen und können. Und ich weiß, dass zehn Leser, die du mit der Lobhudelei zur Homöopathie gewinnst, dir mehr schaden als einer, den du deswegen verlierst.

Principiis obsta.

Trackback-URL 63 Kommentare
  1. 1
    G

    “Wenn man eine Ausgabe von “Kultur & Technik” liest, hat man hinterher oft nur die Hälfte verstanden. Und das ist gut so. Ich möchte nicht von Menschen lernen, deren Niveau auf meinem Level ist. Ich suche nach überlegenen Lehrmeistern. Einen Artikel zweimal lesen zu müssen ist keine Qual, sondern eine Tugend.”

    Ein echter Lehrmeister versteht es, sein überlegenes Wissen so zu vermitteln, dass es auch jemand versteht, der von dem betreffenden Thema noch nie etwas gehört hat. Dass ein Artikel nicht auf Anhieb verständlich ist, ist kein Zeichen von Qualität (wenn, dann eher vom Gegenteil).

  2. 2
    Wortvogel

    @ G: Ich habe nicht behauptet, dass es ein Zeichen von Qualität ist, wenn ein Artikel nicht auf Anhieb verständlich ist. Es geht auch nicht um “Verständlichkeit”, sondern um “Verstehen”. Wird eine neue Erkenntnis, eine neue Idee oder eine neue Information in mein Hirn gesetzt, womöglich in Widerspruch zu bisherigen Erkenntnissen/Ideen/Informationen, dann ist es mir nur recht, wenn sich mein Hirn ein wenig mehr mühen muss als sonst. Und das bedeutet auch mal, etwas zweimal zu lesen, bis man es verstanden hat. Der Anspruch, auch komplexe Themen (oder überlegenes Wissen) müssten einfach verständlich aufbereitbar sein, ist in meinen Augen ein gefährlicher Trugschluss. Manche Dinge SIND kompliziert und nicht alles ist für den einfachsten Intellekt reduzierbar.

  3. 3
    TimeTourist

    Lieblings Thema von unsrem Nikolai! Wunder mich dass er sich noch nicht dazu geäußert hat.
    Die Kritik ist berechtigt. Dieser Mist gehört aus unserer Gesellschaft verbannt. In unserer aufgeklärten Welt hat so ein Hokuspokus keinen Platz mehr. So wirksam wie Horoskope :)

  4. 4

    @ TimeTourist: “Aufgeklärte Welt” … schön wär’s. Stattdessen:

    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/katholische-kirche-exorzist-darf-massenpredigt-halten-a-909874.html

    -_-

  5. 5
    TimeTourist

    @Marko: Der wird bestimmt auch noch Heilig gesprochen. :)

  6. 6
    Andy Simon

    Der aufklärungsfeindliche Hokuspokus, die Volksverdummung und die Placebomedizin halten mich seit gut zwei Jahrzehnten gesund. Und nein, das ist nicht mit Zufällen, “wäre sowieso gesund geworden” oder allein der “heilenden Kraft des Dran-Glaubens” zu erklären. Skepsis schön und gut, aber hier macht es sich die Szene der Skeptiker etwas zu einfach.

  7. 7
    Dietmar

    @Andy Simon: Das ist eine starke Behauptung, die

    1. nicht über anekdotische Relevanz (das heißt: keine Relevanz) hinausgeht und

    2. sowohl mit Plazebo-Effekt, Selbsttäuschung (falsche Ursachen-Zuschreibung) und ähnlichem leicht zu erklären ist.

    Die Behauptung, Homöopathie halte Dich seit gut zwei Jahrzehnten gesund, ist zudem in keiner Weise überprüfbar:

    1. Für uns nicht, weil Du nicht in´s Detail gehst. Die simple Behauptung ist zu wenig.

    2. Für Dich selbst nicht, weil Du Selbsttäuschung und Plazebo-Effekt nicht eliminieren kannst.

    3. Grundsätzlich nicht! Warum? Weil “gesund halten” viel zu vage ist, als dass man das in irgendeiner Weise wissenschaftlich untersuchen könnte. Wo fängt Gesundheit an, wo hört sie auf? Wie gesund wärst Du, wenn Du die Pseudo-Medizin nicht nähmst?

    Weißt Du, was Homöopathie ist? Diese “Lehre” behauptet, dass man durch Verdünnung weit über die Nachweis-Grenze hinaus, sogar so weit, dass nicht ein einziges Molekül der angeblichen Wirksubstanz mehr enthalten sein kann, die Wirksamkeit verstärkt. Zudem soll gelten, dass man ähnliches mit ähnlichem heilt (beispielsweise Schlaflosigkeit mit angeblich “potenziertem” Koffein).

    Solch eine Verdünnung ist so unmöglich, dass man davon ausgehen muss, dass sie gar nicht stattfindet! Mit anderen Worten: Der Homöopath erkennt das angebliche Produkt nur und einzig und allein am Etikett auf der Flasche. Weder ist es möglich, Wasser oder Apotheker-Alkohol in dieser Reinheit zu bekommen, dass nicht andere Stoffe und Moleküle die angebliche Wirksubstanz in ihrer Zahl weit übersteigen (in Bezug auf diese ist das homöopathische Mittel “hochrein”; es ist alles drin, nur nicht das was drauf steht (Arnika ist wahnsinnig beliebt), noch gibt es irgendeine Möglichkeit, diesem Wasser oder Alkohol zu erklären, dass es gerade genau dieses bestimmte Molekül potenzieren soll und nicht die anderen unvermeidlich vorhandenen.

    Diese Globuli werden angeblich so hergestellt, dass mit diesem “Zauberwasser” dadrüber gesprüht wird, das trocknet dann und man hat das Mittel.

    Homöopathie ist nichts anderes als Pseudo-Medizin und saugefährlich!

    Die angeblich wirksamste Potenzierung ist C 30. C steht für 100. Das heißt, dass 1 zu 100 verdünnt wird. 1 ml in 100 ml. Von diesen 100 wieder ein ml in 100 ml Wasser oder Alkohol. Und das dreißig mal! Würdest Du im Golf von Mexiko in den Golfstrom pinkeln, kämen mehr Moleküle Deines Urins auf Sylt an, als Du Arnika oder was auch immer in dem homöopathischen Fläschchen hättest; Du könntest also einen Becher an beliebiger Stelle vor Sylt ins Wasser halten, leertrinken und das Eigenurin-Therapie nennen.

    Die Homöopathie weist übrigens bei Denkblockaden als adäquates Mittel potenzierte “murus berlinensis” aus. Berliner Mauer!

    Hundekot und potenziertes Sternenlicht werden auch verordnet.

    Letztlich: Chemische Prozesse im Körper finden durch Ladungsaustausch statt und unterliegen einer der vier physikalischen Grundkonstanten (Elektromagnetismus). Man nennt das wohl “Andocken an Rezeptoren”. Welche Rezeptoren, welche Organe sollen dafür sorgen, dass man “Schwingungen” des Wassers erkennt? Die zudem nicht nachgewiesen werden können. Das wird als “Wassergedächtnis” bezeichnet, das ebenso nicht nachgewiesen ist; und auch nicht wird.

    Frag mich gerne. Ich kann das alles spezifizieren.

  8. 8
    Dietmar

    Zur Ernsthaftigkeit der Homöopathie muss man noch folgendes sagen: Sie beruht auf vier Säulen.

    1. Ähnliches wird mit ähnlichem geheilt.

    Erleidest Du eine Verbrennung, wird Dich Hitze also heilen. Steht so im Organum des Gründers (Hahnemann). Kein Quatsch! Der erfahrene Koch halte seine verbrühte Körperstelle an den Ofen, und die Haut ist wieder heil.

    2. Je höher die Verdünnung (Potenzierung genannt) desto wirksamer das Medikament.

    Achtung, Ironie: Vergisst man, ein Schlafmittel einzunehmen, kann man an einer Überdosis sterben.

    3. Die Medizin wird an Gesunden erprobt.

    Also: Macht einen Gesunden ein Medikament müde, hilft dieses verdünnt bei Müdigkeit.

    4. Homöopathie ist individuell.

    Das heißt, dass es keine allgemeinen Mittel gibt. Gibt es natürlich doch, weil man sonst kein Geschäft machen kann, aber es wird so getan, als sei alles ganz individuell.

    Heilpraktiker brauchen kein Studium, um ihren Quark auszuüben. Eine wie auch immer geartete Entwicklung der Mittel als auch eine Arzneimittel-Prüfung sind gleichsam nicht vorhanden (das, was es da gibt, hält keinem Vergleich zur echten Medizin stand). Die Mittel bestehen aus: Wasser, Alkohol, Stärke und Zucker. Und sie sind sauteuer.

  9. 9
    Dietmar

    Ach, und die ganzen Gründe, die homöopathische Mittel am Wirken hindern! Kennst Du die? Ich ein paar:

    Kaffee.

    Kaffee!

    Trinkst Du Kaffee, wirkt Dein Mittel nicht.

    Beischlaf hindert auch. (Wobei nicht klar ist, ob damit nur heterosexueller Beischlaf gemeint ist.)

    Verweilen in einer “dumpfigen Stube”. Geht auch nicht.

    Der Katalog ist irre lang, und ich habe ihn zum größten Teil vergessen.

    Skepsis schön und gut, aber hier macht es sich die Szene der Skeptiker etwas zu einfach.

    Naja: Dieser Skeptiker hier weiß eindeutig mehr darüber als Du …

  10. 10
    Dietmar

    Ach du meine Güte: Ich habe gerade nachgeschlagen, was die höchste Potenzierungsstufe ist: C1000! Das wäre eine 1 mit 2.000 Nullen! Zum Vergleich: in der Milchstraße haben wir ca. 200.000.000.000 Sterne. Die Sonne hat 10^57 Atom (1 mit 57 Nullen). Also schießen wir ein Molekül Arnika in eine Menge Wasser so groß wie die Sonne und habe die größte Potenzierung noch nicht erreicht. Wow. Nicht berücksichtigt, dass vorher Wasser auf dem Potenzierungs-Weg gebraucht wird. Ich bin kein Mathematiker, aber ich würde angesichts dieser Zahlen vorsichtig schätzen, dass eine gedachte Sphäre um unser Sonnensystem diese Menge Wasser nicht fassen könnte.

    C 30 wäre übrigens eine 1 mit 60 Nullen. Immer noch gewaltiger als unsere Sonne, die meines Wissens 99,9 % der gesamten Masse des Sonnensystems ausmacht.

  11. 11
    Nikolai

    Das ganze funktioniert “feinstofflich” über “Quantenverschränkung”, dadurch “erinnert” sich das Wasser an die Wirkungsweise der Ursubstanz.

    Das kann man mit normalen wissenschaftlichen Instrumenten gar nicht feststellen….

    Wer findet den Sarkasmus?

  12. 12
    Wortvogel

    @ Andy Simon: Siehe Dietmar.

  13. 13
    Der Karsten

    Meine Frau ist da auch beratungsresistent.. sie ist fest der Meinung, dass Osanit unserer Tochter die Zahnungsschmerzen genommen hat. Ich behaupte einfach mal, dass sie mit dem Lutschen beschäftigt war und sie abgelenkt hat. ^^

    Immerhin muss ich das Zeug nicht mehr nehmen, seitdem ich ihr gesagt habe, dass das Humbug ist. Aber für sie sind Globulis DIE Hilfsmittel bei Wehwehchen..

  14. 14
    Marcus

    @Dietmar, #10:

    Erstens scheint mir nach einem Blick auf das Post-Datum, dass DEINE homöopathischen Schlafmittel nicht zu wirken scheinen. Nach Homöopathielogik hast du also vermutlich zuviel davon genommen. ;-)

    Zweitens vergaloppierst du dich hier. Die Zauberwasserpanscher fangen ja mit geringerer Verdünnung an und verdünnen dann weiter. Also braucht man die von dir genannte Riesenmenge Wasser zur Herstellung doch nicht.

    Drittens, da du dich ja auskennst: was würde mir denn nach Homöopathielogik bei meinen Zahnschmerzen (wegen gerade herausgenommenem Weisheitszahn) helfen? Stückchen vom Weisheitszahn lutschen? Ein paar aufs Maul?

    ;-)

  15. 15
    Marcus

    @Dietmar:

    “Weder ist es möglich, Wasser oder Apotheker-Alkohol in dieser Reinheit zu bekommen, dass nicht andere Stoffe und Moleküle die angebliche Wirksubstanz in ihrer Zahl weit übersteigen (in Bezug auf diese ist das homöopathische Mittel “hochrein”; es ist alles drin, nur nicht das was drauf steht (Arnika ist wahnsinnig beliebt), noch gibt es irgendeine Möglichkeit, diesem Wasser oder Alkohol zu erklären, dass es gerade genau dieses bestimmte Molekül potenzieren soll und nicht die anderen unvermeidlich vorhandenen.”

    Auf den Gedankengang bin ich noch gar nicht gekommen. Chapeau!

  16. 16

    Dietmar, jetzt weiß ich endlich, wo meine ganzen Wehwehchen herkommen:

    Eigentlich bin ich kerngesund, aber die ganzen Rückstände der homöopathischen Mittel, die inzwischen so in die Ozeane uriniert und dem Wassergedächtnis aufgeprägt wurden, machen mich krank!

    Ich erwäge eine Klage. Die Homöopathielobby soll gefälligst extrem hochdosierte Mittel in den Handel bringen, damit ich nicht so unter diesen grässlichen Verdünnungen zu leiden habe.

  17. 17
    Marcus

    @Frank Böhmert:

    genau, und bei Vergiftungen soll man bloss nicht den Magen auspumpen. Je weniger Gift da ist, DESTO SCHLIMMER WIRD ES! :shock:

  18. 18
    Dietmar

    @Frank Böhmert: Hübsche Idee! :-)

    @Marcus:

    Erstens scheint mir nach einem Blick auf das Post-Datum, dass DEINE homöopathischen Schlafmittel nicht zu wirken scheinen. Nach Homöopathielogik hast du also vermutlich zuviel davon genommen.

    :-) Das hat allerdings einen ernsten pflegerischen Hintergrund.

    Die Zauberwasserpanscher fangen ja mit geringerer Verdünnung an und verdünnen dann weiter. Also braucht man die von dir genannte Riesenmenge Wasser zur Herstellung doch nicht.

    Ach? Das wusste ich nicht! Ist allerdings ein neuer Bruch der Lehre: Potenzierung ist nach dieser etwas anderes als Verdünnung. Nur wir normalen Menschen sehen keinen signifikanten Unterschied, ob man schüttelt oder nach einem Ritual angeblich potenziert. Also ist das Ausgangsmaterial, wenn es verdünnt ist, kein homöopathisches.

    Drittens, da du dich ja auskennst: was würde mir denn nach Homöopathielogik bei meinen Zahnschmerzen (wegen gerade herausgenommenem Weisheitszahn) helfen? Stückchen vom Weisheitszahn lutschen? Ein paar aufs Maul?

    Der Rat, was zu tun ist, könnte davon abhängen, wie gerne der Heilpraktiker Dich mag, würde ich sagen. :-)

    Auf den Gedankengang bin ich noch gar nicht gekommen. Chapeau!

    Danke, ist aber leider nicht meiner; habe ich mitbekommen, als ich mich mit diesem Quatsch beschäftigen musste.

  19. 19
    Dietmar

    War bestimmt schon mal irgendwo hier:

  20. 20
    Howie Munson

    Der aufklärungsfeindliche Hokuspokus, die Volksverdummung und die Placebomedizin halten mich seit gut zwei Jahrzehnten gesund. Und nein, das ist nicht mit Zufällen, “wäre sowieso gesund geworden” oder allein der “heilenden Kraft des Dran-Glaubens” zu erklären.

    Was hattest du denn, was nicht “von allein” heilbar ist?

  21. 21
    Marcus

    @Dietmar:

    Je länger ich drüber nachdenke, desto weniger versteh ichs.

    “Ich habe gerade nachgeschlagen, was die höchste Potenzierungsstufe ist: C1000! Das wäre eine 1 mit 2.000 Nullen! ”

    Wieso? Das heißt doch (wenn ich deine Erklärung aus #7 nicht völlig falsch verstanden habe), dass man 1 ml Wirksubstanz in 100 ml Wasser kippt und davon 1 ml wieder in 100 ml Wasser. Und das 1000 mal.

    Heißt, um aus 1 ml Wirksubstanz 100 ml “Arznei” zu machen, wären 1000 x 100 ml Wasser nötig. Also 100 l.

    Nicht gerade wassersparend (zumal man nach Homöopathielogik das zwischendrin verbrauchte Wasser ja als Arzneimittelabfall entsorgen muss, weil zu hoch dosiert ;-) ), aber “nicht ganz” in der Größenordnung, die du denkst.

    “Ich bin kein Mathematiker, ”

    Yep. 8-)

  22. 22
    Marcus

    @Dietmar:

    Aufgabe für Hobbymathematiker: Wenn man die 99 ml, die nach jedem Potenziervorgang übrigbleiben, auch weiterverwendet (also jeden der 100 ml einzeln in weitere 100 ml geben), wieviel C1000-“Arznei” kommt dann am Ende raus, und wieviel Wasser braucht man dafür?

    Und nein, ich habe keine Ahnung, wie man das ausrechnet.

  23. 23
    Dietmar

    @Marcus: C ist die Abkürzung für 100 (D für 10). Dass heißt, die Potenz 10^1, die normalerweise eine Eins mit einer Null darstellt, stellt bei C-Potenzen eine Eins mit zwei Nullen dar. Mathematisch also 10^2. Und diese Verdoppelung der Potenz zieht sich dann durch.

    dass man 1 ml Wirksubstanz in 100 ml Wasser kippt und davon 1 ml wieder in 100 ml Wasser. Und das 1000 mal.

    Beim ersten Durchgang hat man 1 ml in 100 aufgeteilt. Beim nächsten teilt man diese 100 jeweils wieder in 100 auf, also 100 x 100. Beim nächsten Schritt diese 10.000 in jeweils 100, also 10.000 x 100 etc.

    “Ich bin kein Mathematiker, ”

    Yep. 8-)

    :-) Zu meiner Ehrenrettung: Ich habe Mathematik auf Lehramt studiert, bin aber gnadenlos auf die Klappe gefallen, weil ich zwar in der Schule ziemlich gut war, daher die Idee, aber im Studium lernen musste, dass Mathematik mehr ist, als fleißiges Auswendiglernen und Anwenden von Formeln auf Aufgaben, die man thematisch vorher schon eingegrenzt serviert bekommt. Die Hausarbeiten waren immer prima, in den Studiums-Prüfungen bin ich jedesmal abgesoffen. Ist mir heute nicht mehr peinlich, aber stolz bin ich nicht dadrauf.

  24. 24
    Dietmar

    Mein skeptischer Sohn hat gerade auf seinem Tablet nachgesehen (ja, der hat sowas *flenn*). Potenzen sind tricky: Die Sonne hat 10^57 Atome, die Erde, ein Krümel im Vergleich, 10^55. Unsere Galaxie 10^66 (ups, jetzt ist er gerade raus, und ich muss das aus der Erinnerung machen :-( ), während das Universum mit 10^77 veranschlagt wird, wobei die dunkle Materie nicht berücksichtigt ist, weil man sie nicht spezifizieren kann.

  25. 25
    Dietmar

    Ach! *kopfpatsch* Jetzt verstehe ich, was Du willst! Ja, natürlich wird das nicht so gemacht, sondern das, was man nicht braucht, “verworfen”, aber es geht darum darzustellen, in welchem Verhältnis die Moleküle der Substanz zu denen der Trägermasse stehen. Und da kommt dann eben dieses Verhältnis heraus: 1 : 10^1.000.

  26. 26
    Dietmar

    1 : 10^1.000.

    1 : 10^2.000! Wegen C. Man muss so aufpassen!

  27. 27
    milan8888

    Mich halten Bacon und Scrambled Eggs seit Jahren gesund…

  28. 28
    Wortvogel

    @ milan: Ich kann “atmen” empfehlen. Lebensnotwendig!

  29. 29
    Dietmar

    Aber nicht zu flach, weil man sonst hyperventiliert.

    Und wenn man zu tief einatmet, erstickt man.

  30. 30
    Marcus

    @Dietmar:

    “Ja, natürlich wird das nicht so gemacht, sondern das, was man nicht braucht, “verworfen”, aber es geht darum darzustellen, in welchem Verhältnis die Moleküle der Substanz zu denen der Trägermasse stehen.”

    Schon, aber das wäre doch auch nur 1: 100.000, oder? Wie gesagt, man braucht 100 l, um 1 ml auf C1000 zu potenzieren.

    Wenn man nix wegschüttet, dann könnte dein 10^2.000 als Summe des am Ende verbrauchten Wassers stimmen. Glaub ich wenigstens. Bin erst recht kein Mathematiker. ;-)

  31. 31
    Thowen

    @Marcus:
    “Schon, aber das wäre doch auch nur 1: 100.000, oder? Wie gesagt, man braucht 100 l, um 1 ml auf C1000 zu potenzieren.”

    Das würde aber nur gelten, wenn man die 1ml Wirksubstanz in 100l Wasser kippt und durchrührt. Weiter oben schreibst Du aber, dass nach jedem Schritt nur 1 ml weiterverwendet wird. die restlichen 99ml gehen in den Ausguss.
    Also hast Du nach dem ersten Schritt bereits 99% des Wirkstoffs entsorgt.

    Schritt1: 1:100 (bzgl. Ursubstanz)
    Schritt2: 1:100 * 100 = 1:10.000
    Schritt3: 1:10.000 * 100 = 1:1.000.000

    oder?

  32. 32
    Dietmar

    @Thowen: Genau. Und das ganze bei C 1.000 eintausend mal! Was übrigens ein guter Beleg ist, dass homöopathische Mittel tatsächlich nicht auf diese Weise produziert werden: Nehmen wir an, das Mittel wird, wie vorgeschrieben, umgegossen und im neuen Glas 10 mal durch Schlagen auf den Ledersack potenziert, und nehmen wir an, die Labortechnikerin ist schnell, braucht dafür also insgesamt 10 Sekunden. Dann folgt: für ein Fläschchen Arnika C 1.000 benötigt sie 10^1.000 Arbeitssekunden. Für ein einziges Fläschchen eines einzigen Produkts.

    Da können nur die Elfen helfen, die dafür verantwortlich sind, dass sich das Wasser merkt, welche “guten” Stoffe dadrin verschüttelt sind. :-D

    (Disclaimer: Dies ist mir selbst eingefallen! Hurra, ich bin ein origineller Denker! :-) )

  33. 33
    Dietmar

    Quatsch: Das sind ja dann 10^10.000 Arbeitssekunden.

  34. 34
    Proesterchen

    Wie schaut das eigentlich im deutschen Sprachraum aus, landet man bei den selbstgestylten Hinterfragern hierzulande auch gleich postwendend in der barock-libertären Schmollecke?

  35. 35
    Dietmar

    Wie schaut das eigentlich im deutschen Sprachraum aus, landet man bei den selbstgestylten Hinterfragern hierzulande auch gleich postwendend in der barock-libertären Schmollecke?

    Das habe ich nicht verstanden. ó.Ò

    Muss Philosophie sein … ;-)

  36. 36
    Wortvogel

    @ Proesterchen: Jetzt formulier das einfach noch mal so, dass es jemand versteht. Wieso deutscher Sprachraum? Wer ist “man”? Wer sind die “selbstgestylten Hinterfrager”? Was soll die “barock-libertäre Schmollecke” sein?

  37. 37

    Ein “selbstgestylter Hinterfrager” ist das Gegenteil von einem fremdgeföhnten Vorsager. Und die “Schmollecke” ist eigentlich ein Spottkreis.

    Aber “barock-libertär” gefällt mir irgendwie, klingt nach Lebenslust. “Ich zähle mich zum libertären Barock.” Wäre eine coole Selbstvorstellung gestern auf der Gartenparty gewesen …

  38. 38
    Proesterchen

    Deutscher Sprachraum weil ich den “Skeptikern” bisher nur im Englischen über den Weg gelaufen bin.

    Man beschreibt in diesem Fall den allgemein interessierten Leser der im Beitrag verlinkten Blogbeiträge.

    Hinterfrager trifft den Kern der Sache für mich besser als das gern benutzte “Skeptiker”. Ist wahrscheinlich ein persönliches Ding, aber bei letzterem Begriff muss ich (bildlich) immer daran denken, wie jemand mit zweifelndem Gesichtsausdruck vor einer Tafel mit der Gleichung “2+2 = 4″ steht, und in der Gedankenblase über Kopf liest man “Hmmm … da bin ich aber skeptisch”.

  39. 39
    Dietmar

    @Proesterchen: Die Aufgabe war eigentlich, dass Du so formulierst, dass man Dich versteht. In Bezug auf mich hat das jedenfalls schon wieder nicht geklappt.

  40. 40
    Proesterchen

    Ups.

    Das barocke liegt für mich in der wortreichen Ausschmückung einer Argumentation, die am Ende auf “Fremdbestimmung ist immer Mist” einzudampfen ist, und in der Schmollecke finden sich die Anhänger, weil in der Regel andere die Regeln machen.

  41. 41
    Dietmar

    “Wortreich” verstehe ich! Da ich hier am Meisten zu dem Thema geschrieben habe, gehe ich jetzt davon aus, dass Du mich irgendwie damit kritisieren willst. Boah, wie fies! Ò_ó

  42. 42
    Proesterchen

    OK, Dietmar, ich versuchs mal anders:

    Ich wollte eigentlich nur wissen, wie viele Links tief ich im hiesigen Milleu surfen kann, bevor ich von “Homöopathis ist Quark” zu “Trinkwasserschutz, Tempolimits usw. sind Quark” komme.

    Und nein, das war überhaupt kein Angriff gegen irgendjemand hier im Blog, ich habe den Beitrag gelesen und bin den Links darin gefolgt. Und bevor ich da groß weiterlese wollte ich hier nachfragen, wie die Erfahrungen in der lokalen Skeptikerriege sind.

    Tut mir leid, wenn Du Dich angesprochen fühlst, ich wollte weder Dich noch irgendjemand anders hier angreifen.

  43. 43
    Dietmar

    “Homöopathis ist Quark” zu “Trinkwasserschutz, Tempolimits usw. sind Quark”

    Homöopathie ist Quark, Trinkwasserschutz ist kein Quark, Tempolimits sind Quark. Wie viel Links man da braucht, weiß ich nicht.

    Tut mir leid, wenn Du Dich angesprochen fühlst, ich wollte weder Dich noch irgendjemand anders hier angreifen.

    Keine Sorge! Ich hatte gedacht, an meiner Schreibe könnte man sehen, dass ich das eher humorvoll/selbstironisch meinte.

  44. 44
    Wortvogel

    @ Proesterchen: Du verrennst dich total. GWUP sind Jungs, die zwar skeptisch sind, aber nicht unvernünftig skeptisch. Skeptik und eine libertäre Weltsicht haben in meinen Augen nur SEHR begrenzte Schnittmengen – allenfalls bei Auswüchsen wie den Darwin Awards.

  45. 45
    Dietmar

    wie die Erfahrungen in der lokalen Skeptikerriege sind.

    Darauf will ich jetzt ernsthaft antworten: Bernd Harder hat dort einen Blog und ist ein guter Mann, finde ich. Deshalb habe ich dort eine Weile viel gelesen und gelegentlich kommentiert. Als es um das Turiner Grabtuch ging, das nachweislich eine mittelalterliche Fälschung ist, und einer der Kommentatoren dies als Ikone verstanden haben wollte, gab es von mir den Einspruch, was eine Ikone tatsächlich ist und dass das hier nicht passt. Daraufhin fing dieser Kommentator, der sich als Stammkommentator herausstellte, an, mich albern zu provozieren. Jeder Versuch von mir, sachlich zu antworten wurde zunehmend von ihm und einem weiteren häufig Kommentierenden (ein freischaffender Zauberkünstler) weiter ins Lächerliche gezogen oder wahlweise als Rechthaberei diskreditiert. Dabei ging es mir nur darum, dass eine Ikone nicht dasselbe wie eine Fälschung ist und eine Fälschung nicht zur Ikone (willentliches Kunstwerk) wird, weil sie alt ist. Der historische Wert des Grabtuchs ist unbestritten. Mich hat die Auseinandersetzung geärgert, Bernd Harder hatte weder Zeit noch Lust einzuschreiten. Kommentatoren, die mir zusprachen wurden ignoriert. Mein Fazit: Toller Aufklärer mit hervorragenden Artikeln, und wichtiger Arbeit, aber auch Kommentatoren, die mehr ablästern als debattieren und Kritik schlecht vertragen. (Als ich raus war, wurde noch mehrfach nachgetreten und sich über mich lustig gemacht. Ist mir woanders auch schon begegnet; da verdrücke ich mich dann.)

  46. 46
    Dietmar

    Meine Kommata sind ausgegangen wie man merkt. Punkte sind jetzt auch verbraucht

  47. 47
    Wortvogel

    @ Dietmar: Du hast es gut – mir … die…

  48. 48
    Wortvogel

    Man sollte nie von einem Medium auf seine Leser schließen – und umgekehrt. Außer hier natürlich. Wie der Herr, so’s Gescherr.

  49. 49
    Dietmar

    :-)

  50. 50
    Dietmar

    Man sollte nie von einem Medium auf seine Leser schließen – und umgekehrt. Außer hier natürlich. Wie der Herr, so’s Gescherr.

    Das wollte ich nicht so direkt sagen, sonst heißt es wieder, ich schleime herum.

    Was ich natürlich tue.

    Aber so offensichtlich ist immer peinlich …

  51. 51

    ..ach ja, zuhause!
    :)
    *zurechtkuschel*

  52. 52
    Proesterchen

    @Dietmar

    Danke für die ausführliche Antwort und den kleinen Einblick in die hiesige Kultur!

    btw: Was wohl hinter der Anziehung von PSI-Kram und Magiern steckt?

    @Wortvogel

    Ich vermute, wir haben einfach verschiedene Erfahrungen gemacht, oder vielleicht gerate ich auch nur immer zufällig in diese eine Ecke der “Bewegung”.

    Aber GWUP schau ich mir mal an, vielleicht trägt mich mein Glück ja diesmal in eine neue Richtung.

  53. 53
    Dietmar

    @Proesterchen:

    Was wohl hinter der Anziehung von PSI-Kram und Magiern steckt?

    Das war von mir nicht klar beschrieben: Beide sehen sich als Skeptiker und beziehen Position gegen Esoterisches wie Astrologie etc. Wir stehen also grundsätzlich auf der selben Seite. Hier hat der eine aber eine These aufgestellt, die ich nicht haltbar fand, und beide haben meine versuchte Sachargumentation unsachlich abgeschmettert; so, wie sie bei Leuten verfahren, die Unsinn wie Homöopathie vertreten.

  54. 54
    Dietmar

    @comicfreak: *freundlich rüberwink*

  55. 55
    Dietmar

    Dann folgt: für ein Fläschchen Arnika C 1.000 benötigt sie 10^1.000 Arbeitssekunden. Für ein einziges Fläschchen eines einzigen Produkts.

    Ist übrigens falsch, weil sie ja immer nur eine Flasche schüttelt und den Rest verwirft.

    Es passt auch keiner auf hier!!!!

    Äh … das wollte ich nur mal testen … ist ja klar!

  56. 56
    Marcus

    @Thowen:

    “Das würde aber nur gelten, wenn man die 1ml Wirksubstanz in 100l Wasser kippt und durchrührt. Weiter oben schreibst Du aber, dass nach jedem Schritt nur 1 ml weiterverwendet wird. die restlichen 99ml gehen in den Ausguss.
    Also hast Du nach dem ersten Schritt bereits 99% des Wirkstoffs entsorgt.”

    Eben das ist ja der Witz – dass im Endprodukt kein Wirkstoff mehr ist, ist ja Sinn der Sache. Aber meine Rechnung stimmt trotzdem. Man braucht 100 l, um 1 ml Wirkstoff wie beschrieben zu potenzieren.

    Nur mein Fazit in #30, dass das Ergebnis dann ein Mischungsverhältnis von 1:100.000 hätte….

    ….äääh….

    ….weitergehen, weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen. ;-)

  57. 57
    Dietmar

    Wir halten fest: Mit Mathe halten wir uns weiter zurück. :-)

  58. 58
    Mencken

    Kann man den Artikel denn irgendwo online lesen? Ansonsten schwierig, was dazu zu sagen.

  59. 59
    Proesterchen

    @Dietmar

    Also für mich war es schon ersichtlich, wo Deine Mitkommentatoren einzuordnen waren, daher auch mein Kommentar. Sind ja nicht die einzigen Magier, die sich ausgerechnet dort wiederfinden.

    Ich vermute persönlich, dass es ein komisches Karma-ding ist, was für mich die ganze Konstellation nur noch unterhaltsamer macht. :P

  60. 60
    Howie Munson

    @Mathemathische Spielerei: Man muss aber die 99,9~ Liter “Arbeitsverdünnung” nicht wegkippen, sondern kann damit für die nächsten “99 Dosen” ganz bequem abkürzen… wer weiß, vielleicht hat ja Hahnemann mit D5 angefangen und kam erst darauf das weitere Verdünning “verstärkend” wirkt, als er einen Tennisarm vom vielen potenzieren bekam…. *SCNR*
    (oder er halt keine Lust mehr hatte sich noch mehr von den Ausgangstoffen zu besorgen.)

    Ändert natürlich nix an der Tatsache das ab C12/D24 da nur noch Verunreinigungne “potenziert” werden und eben nicht die angebliche “wirksubstanz”, weil von letzterer ja nur noch ein einziges Molekül übrig ist, welches sich auf 10 oder 100 Proben verteilen soll….

  61. [...] Deutsches Museum …, Wortvogel am 7. Juli [...]

  62. 62
    MinkyMietze

    “Wer sich im Licht der Aufklärung nicht sonnen will, dem musst du nicht mit der Taschenlampe in die Kanalisation der Ignoranz hinterher laufen.”
    schöner kann man es nicht sagen ;-))

  63. 63
    BCF

    Sorry, den muß ich einfach hier reinposten:

    http://www.der-postillon.com/2013/10/erster-homoopathischer-klempnerbetrieb.html

    Grandios! :-D

Kommentar

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