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Juni 2013

Abandoned (5): Ultimate Extinction: Killer Krabs vs. Alien Ants

Meine Faszination mit dem deutschen “science Thriller” der 60er, 70er und 80er Jahre beschränkt sich nicht nur auf Rainer Erler. Ich habe Anfang des Jahrtausends geraume Zeit damit zugebracht, mir Filme zu besorgen, die es zumindest damals weder auf Video noch auf DVD gab. “Das Millionenspiel”, “Welt am Draht”, “Im Zeichen des Kreuzes”, etc. Heute wurde ich wieder daran erinnert.

Vor knapp dreizehn Jahren wartete ich mit meinem Ko-Autor an einem griechischen Flughafen auf die Maschine, die uns heimbringen sollte. Ich gönnte mir einen total überteuerten SPIEGEL und fand einen Artikel, den ich sofort raus riss mit den Worten: “Da kann man einen geilen Film draus machen!”

Tatsächlich schrieb ich in den folgenden Monaten ein kleines Pitch Paper dazu. Es sollte ein hässlicher, dreckiger Monsterfilm für den Syfy-Channel werden, in dem die Menschen wieder gut zu machen versuchen, was sie im Ökosystem der Weihnachtsinsel mit der Einschleppung der Gelben Ameisen verursacht haben. Leider resultieren die Experimente, mit denen die Roten Landkrabben immun gegen die Ameisensäure gemacht werden sollen, naturgemäß in einer neuen Form von Superkrabben, die sich schnell daran machen, die gesamte Insel zu übernehmen. There will be blood.

Besonders gereizt hat mich an der Idee, dass Krabben uns grundsätzlich gruselig erscheinen mit ihrem vielbeinigen Gang und den maskenhaften “Gesichtern”. Außerdem haben wir in diesem Fall für die Störung des Ökosystems erst gesorgt – wir sind also “schuld”. Als Bonus lassen sich Heerscharen von Krabben sehr leicht und preiswert am Computer in CGI generieren.

Ich bin nie dazu gekommen, das Konzept wirklich mal zu präsentieren. Es gab immer wieder andere Projekte, die dringlicher waren.

Jetzt hat sich National Geographic der Story für eine Dokumentation angenommen – und es ist so creepy, wie ich es mir vorgestellt hatte:

YouTube Preview Image

inselderkrebseDas erinnert auch an den extrem seltenen deutschen (!) TV-Film “Insel der Krebse” mit Gerd Baltus von 1975, in dem ein Wissenschaftler Roboterkrabben baut. die sich auf einer Insel in einer Art mechanischen Evolution selbst weiterentwickeln sollen. Ein eher konzeptionell als dramaturgisch guter Streifen, den ich hier irgendwo noch auf DVD-R rumliegen habe. Wen es interessiert: hier ist die Geschichte, auf der das Drehbuch basierte.

Es würde mich sehr freuen, wenn die umtriebigen Jungs von Pidax mal weniger obskure Fernsehspiele und Vorabendserien, dafür aber mehr deutsche Genreproduktionen aus Großvaters und Vaters Zeiten ausbuddeln könnten. “Insel der Krebse” wäre mir auf DVD erheblich lieber als auf DVD-R. Und “Cherie, mir ist schlecht” auch. Und “Datenpanne”. Und “Wir”. Und. Und. Und.

Trackback-URL 6 Kommentare
  1. 1

    Jepp. Aus den 70ern wartet noch so viel hübsch obskurer TV-Genrekram auf seine Wiederentdeckung…

  2. 2

    «Insel der Krebse» habe ich als Kind gesehen. Und nächtelang davon geträumt – komischerweise anscheinend keine Alpträume. Oder alle meine Träume damals waren Alpträume … aber das ist eine andere Geschichte.

    «Wir» habe ich damals auch gesehen (das war aber deutlich später, oder?) und anschließend die Romanvorlage besorgt, nachdem ich den (mir damals nahezu unaussprechlich erscheinenden) Namen des Autors auswendig gelernt hatte. Die müßte ich eigentlich auch noch haben …

    Schon lustig, auf welche Erinnerungen einen der Herr Wortvogel hier immer mal wieder führt.

  3. 3
    Nikolai

    Kann man mit dem “TV-Genrekram” denn die Zuschauer von heute begeistern? Oder ist das eher etwas für retrograd-verblendete (bitte nicht abwertend auffassen, ich weiß nur nicht, wie ich das sonst schreiben soll)?

  4. 4
    heino

    Ich glaube nicht, dass man damit viele Zuschauer gewinnen könnte, die nach 1980 auf die Welt kamen. Aber das sollte ja kein Hinderungsgrund sein. Koch Media z.B. bringt andauernd Editionen von Filmen/Serien raus, die nur oder hauptsächlich das nicht mehr ganz so junge Publikum ansprechen und hat durchaus Erfolg damit.

  5. 5
    Wortvogel

    @ heino/Nikolai: Ich erwarte keine “Zuschauer von heute”. Aber der Markt ist groß genug, um einen DVD-Release zu rechtfertigen, auch mit kleiner Stückzahl. Oder als DVD on demand. Nostalgiker und alte Säcke wie mich gibt es genug. Ich würde die alle kaufen.

  6. 6
    heino

    ” Nostalgiker und alte Säcke wie mich gibt es genug. Ich würde die alle kaufen.”

    Genau das meinte ich. Es ist durchaus ein Publikum für sowas da. Man denke nur an die völlig überteuerte und qualitativ indiskutable Captain Future-Box, die trotzdem inzwischen ein Sammlerstück ist

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