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März 2013

Movie Mania 2013 (11) – Fantasy Filmfest Nights Edition: The Bay

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414118_THEBAY_ONESHEET_FM.inddUSA 2012 / 84 MIN / ENGLISCHE OV REGIE Barry Levinson DARSTELLER Will Rogers / Christopher Denham / Nansi Aluka / Stephen Kunken / Frank Deal / Kether Donohue / Kristen Connolly

Offizielle Synopsis: Claridge, Maryland, 4. Juli 2009. Die Gemeinde der beschaulichen Chesapeake Bucht ist in bester Laune und die junge Studentin Donna erhofft sich mit ihrer Live-Berichterstattung von den fröhlichen Festivitäten den Durchbruch zur erfolgreichen Fernseh-Reporterin. Doch die kleinen Irritationen, die zunächst hier und da das friedliche Stadtbild trüben, eskalieren schnell zur Katastrophe: Plötzlich brechen reihenweise, mit eitrigen Blasen übersäte Passanten zusammen. Panik bricht aus. Wer es noch ins nächste Krankenhaus schafft, steht vor einer ratlosen ärzteschaft, die verzweifelt per Skype internationalen Rat über das Killer-Virus sucht. Aber ist es überhaupt ein Virus? Parallel dazu das Schicksal zweier Ozeanologen auf ihrer haarsträubenden Entdeckungstour in der Bucht, sowie das junge Pärchen Alex und Stephanie, das mit ihrem Baby einen Bootsausflug an der Küste macht – nichtsahnend welches Grauen die drei in den gespenstisch leeren Straßen bei ihrer Rückkehr erwarten wird.

Kritik: Der Regisseur von “Rain Man”, “Young Sherlock Holmes” und “Wag the Dog” dreht einen Found Footage-Horrorstreifen für die Produzenten von “Paranormal Activity” – das sind Sachen, die einem echten Filmfan die Tränen in die Augen treiben. Barry Levinson, what the fuck happened?

Ich würde mich gerne für einen Nachmittag in eine Videothek stellen und alle Leute, die sich für “The Bay” interessieren, mit strengen Worten weiter scheuchen: “Hier gibt es nichts zu sehen! Gehen Sie bitte zügig weiter! Hier gibt es nichts zu sehen!”. Levinsons Film ist weder Horrorperle noch Totalausfall, nur professionell herunter gekurbelter B-Horror im angesagten “Found footage”-Stil, der wegen der “dokumentarischen” Perspektive Mühen hat, so etwas wie durchgängige Protagonisten oder Spannungskurven zu bauen. Alles passiert, wie wir es angesichts des Setups erwarten dürfen, Bilder wackeln, Ton knarzt, Störstreifen, Schreie aus dem Off, “oh my God!” und “what IS this?” und “please, somebody HELP me!”.

Der Vorteil, so etwas als “found footage” statt als straighte Fiction zu drehen? So unerklärlich wie die Wahl des Regisseurs. Das Stilmittel, nur mit Aufnahmen von Handys, Nachrichtensendern und Überwachungskameras zu arbeiten, stützt die Dramaturgie an keiner Stelle und bietet sich bei einem so breiten Thema auch nicht an. Hier wurde ein tausend Mal durchgenudeltes Konzept auf einen Trend getackert, ohne Sinn und Verstand.

In zehn, fünfzehn Jahren wird die nächste Generation von Horrorfans die “Found Footage”-Filme sehen und uns fragen: “WTF? Seriously?”. Haben wir dann eine angemessene Entschuldigung?

bay

Trotz einer soliden Erzählgeschwindigkeit dank vielen Szenenwechseln und einer Erzählerin, die uns an die Hand nimmt, ist “The Bay” als Horrorfilm wenig effektiv. Ein bisschen Ekel verursachen die schwimmenden Parasiten und vielen Pusteln der Opfer schon, aber auf tatsächliche Schocks oder größere Twists hat man leider verzichtet. Die Invasion der Parasiten verläuft zu geradlinig und säuft am Ende zu ereignislos ab.

Für den Samstag Abend auf dem Syfy Channel und mit einem Budget von 300.000 Dollar hätte ich “The Bay” seine blasse Austauschbarkeit vielleicht durchgehen lassen, aber mit Barry Levinson und 2 Millionen Dollar (für ihn wenig, für das Genre sehr viel) muss ich härter ins Gericht gehen. Da darf man einfach mehr erwarten.

Fazit: Ein routinierter, aber auch belangloser und Vorhersehbarer “Jaws”-Verschnitt mit “Outbreak”-Anleihen. DVD-Futter von einem Regisseur, der es besser wissen müsste.

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Trackback-URL 5 Kommentare
  1. 1
    DMJ

    Statt eines Kommentars schließe ich mich nur dem “Barry Levinson, what the fuck happened?” an. :(

  2. 2
    Peroy

    Na “Sphere” wird wohl passiert sein, ne…

  3. 3

    Ich danke dir sehr für die bisherigen, ausführlichen Kritiken, Torsten, speziell weil echte Highlights bisher ja fehlen.

  4. 4
    Guido

    Weiße Würmer als Parasiten, aus Meerestieren herausschiessendes Zeugs, Ozeaonologen auf Booten und völlig ratlose Wissenschaftler erinnern schon wirklich stark an den “Schwarm”. Auch “Chesapeake” kam dort vor, wenn ich mich recht entsinne.

  5. 5
    Marcus

    Och, so schlimm war der nun auch wieder nicht.

    Ich habe von dem “found footage”-Kram auch die Nase voll, aber in dem Genre gibt es so viel schlechteres. Das hier ist solide Unterhaltung, auch wenn man sich in ein paar Monaten nicht mehr daran erinnern wird, ihn gesehen zu haben… 7/10

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