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Aug 2011

Fantasy Film Fest 2011: Cat Run

Themen: Fantasy Filmf. 11, Neues |

USA 2011 / DCP / 102 MIN / Englische OV

REGIE John Stockwell
DARSTELLER Paz Vega / SCOTT MECHLOWICZ / ALPHONSO MCAULEY / Janet McTeer / D.L. HUGHLEY/ CHRISTOPHER McDONALD

Story (offizielle Synopsis): Die beiden Kumpels Anthony und Julian sind nicht unbedingt das geworden, was sie sich vorgestellt hatten: Der eine ist alles andere als ein berühmter Koch; der andere schaffte es nie so recht über den Schürzenjäger hinaus. Gestrandet in Montenegro beschließen die beiden kurzerhand, ihre Existenz neu anzupacken und eine Detektivagentur zu gründen. Gleich ihre erste Kundin macht es ihnen nicht gerade leicht: Die Edelprostituierte Cat ist auf der Flucht und fordert nicht weniger als umfassenden Schutz vor der Mafia, einem korrupten US-Senator und einer durchgedrehten, perversen Killerin.

Kritik:

Abteilung “Do you need a moment?”

Es lohnt sich immer, mit reduzierten Erwartungen ins Kino zu gehen. Im besten Fall wird man positiv überrascht, im schlechtesten Fall nicht enttäuscht. Gerade beim FFF, wo der Schmerz mitunter aus unerwarteten Ecken kommt. Darum habe ich auch keinen Pfifferling auf diesen Actioner gesetzt, der mir bisher völlig unbekannt war und noch dazu von einem ehemaligen B-Bratpacker der 80er inszeniert wurde.

In der Tat: “Cat Run” ist nicht gut. Er ist großartig. Durchgeknallt. Geschmacklos. Sonnig. Humorvoll. Pervers. Gemein. Hirnrissig. Fies. Knallbunt. Und vor allem: reinrassiges Entertainment, wie ich es auf dem Festival bisher nur bei “Julia X” gesehen habe. Und vor ein paar Jahren bei “The Tournament“.

Nach keinem Maßstab der Welt dürfte dieses Gebräu funktionieren: Zwei Buddys wie in den Teen-Komödien der 80er (wobei der Schwarze allen längst ad acta gelegten Klischees entspricht), ein Europa-Bild, wie es nur US-Touristen haben, schmierige Politiker und hanebüchene Actionszenen, die aus der “unglaubwürdig, aber spassig”-Schublade kommen. Dazu radikaler Splatter, der an Stellen nicht wegblendet, an denen sogar Hardcore-Horrorfilme kalte Füße bekommen.

Aber es funktioniert. Vielleicht bin ich da die “Zielgruppe von eins”, aber er funktioniert. Eine derart banale Actionplotte mit derart viel Humor und Hardcore gleichzeitig aufzupeppen, darauf muss man erstmal kommen. Ist vielleicht kommerziell keine gute Idee, bringt aber wenigstens mal Abwechslung. Und D.L. Hughley in der wohl bizarrsten Rolle seines Lebens muss man gesehen haben, um es zu glauben.

Erwähnte ich schon, dass “Cat Run” einen größeren Dödel präsentiert als “Boogie Nights”? Und abgeschnittene Eier im Aschenbecher?
Nun wäre all das schon geeignet, einen deliriösen Abend zu garantieren, aber der Film hat noch ein ganz besonderes Schmankerl für uns parat, nämlich Janet McTeer als die sehr höfliche, sehr korrekte Superkillern Helen Bingham (direkt verwandt mit dem Earl of Gloucester). Diese Figur ist so sensationell, dass sie einen eigenen Film verdient hätte.
Wahrlich, ich sage euch: “Cat Run” ist “more entertainment than you deserve!”

Insane – and I mean that in a good way.

Ich denke mal, auch die Jagd nach dem besten Poster des Festivals können wir angesichts der obigen Perle wohl abblasen. Es gibt auch eine kommerziellere, etwas langweiligere Variante:
Fazit: Wenn total bekiffte James Bond-Autoren das Skript eines Seagal/Lundgren-Heulers zu einem Zweiteiler für die Serie “Psych” umarbeiten würden, käme sowas wie “Cat Run” dabei raus.


http://www.youtube.com/watch?v=lEjBr_kLYVs



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22 Kommentare
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Achim
Achim
22. August, 2011 21:10

Also für Fans der Bringer, wenn auch nicht mainstreamig gut?
Bin ich da ein Fan? Und was für Hardcore? Doch nicht etwa Pron?

heino
heino
23. August, 2011 11:39

Der Trailer sah schon ziemlich gut aus. Ich glaub, den geb ich mir dann mal:-)

Marcus
Marcus
23. August, 2011 12:07

@heino: und alleine wärst du dabei nicht…..

S-Man
S-Man
23. August, 2011 12:10

Hi,
danke für den Tipp, bin ja dann zur Wiederholung noch rein. Ich muss sagen, auf eine Stufe mit Julia X würde ich ihn nicht stellen, amüsiert habe ich mich dennoch. Die Killerin war der Hammer, auf jeden Fall. Gepaart mit seinen Schwarzen-Klischee-Witzen war der Splatter einfach nur ein seltsam attraktives Gemisch. Selten so viele Extreme in einem Film gesehen. Und er funktioniert.
Allerdings war mein Highlight definitiv Chillarama. Damit kann Cat Run nicht mithalten, auch der großartige Julia X nicht.

DMJ
DMJ
23. August, 2011 13:57

Hm, mal wieder ein Film, den man nicht als “so ähnlich wie Film Y” beschreiben kann, das klingt immer interessant.

Marcus
Marcus
26. August, 2011 02:55

Kurz gesagt: HÄHÄHÄHÄ! Ja, der ist doof, lustig, temporeich, und die Darsteller haben sichtbar Spaß an der Sache. (Und Filmi hat jetzt nen neuen Ohrwurm. 🙂 )
Macht Laune! 9/10

OnkelFilmi
OnkelFilmi
26. August, 2011 04:11

“Priiiiiiiiiiiiiiiiiiivate Eyes, they’re watching you (*klatsch* *klatsch*), watching your eeeeeevery mooooove…. “

Dietmar
Dietmar
26. August, 2011 08:37

Gutgelaunt singende Riesen machen mir immer etwas Angst …

Wortvogel
Wortvogel
26. August, 2011 09:39

@ Filmi: “Private Eyes” ist ein top Klassiker!
Freut mich, dass jetzt ein paar Meinungen von euch rein kommen. Ist immer schöner, wenn es Feedback gibt.

heino
heino
26. August, 2011 10:49

Ich fand den auch ziemlich witzig, aber etwas zäh in Sachen Tempo. Trotzdem grosser Spass.

Marcus
Marcus
26. August, 2011 11:46

@Dietmar: und wie steht’s mit rappenden Zwergen? 😆
“How come every time you come around
My London London Bridge want to go down like…..”
*im Takt mitstampf*

Wortvogel
Wortvogel
26. August, 2011 12:05

@ Marcus: Ich weiß, wie pubertär mich das klingen lässt – aber bei DER Szene habe ich mich beömmelt.
Was ist denn eure Meinung zu Helen Bingham?

Marcus
Marcus
26. August, 2011 12:33

@Torsten: nicht nur du – und credit where it’s due, den Lacher hat der Film sich ehrlich verdient, so unerwartet kommt das.
Und einen Spinoff-Film für Helen Bingham würde ich auch gucken. Obwohl sie am Anfang echt unsympathisch rüberkommt (als sie Cats Freundin foltert), was ihrem Turn später dann im Weg steht.
Ihre Prügelei mit Karel Roden war der HAMMER.
Und Janet McTeer empfiehlt sich als preiswerter Helen Mirren-Ersatz, oder? (Wer das Vorbild zu Helen Bingham sehen will, der gucke sich Mirren in “RED” an.)

OnkelFilmi
OnkelFilmi
26. August, 2011 12:35

Eine etwas jüngere, coolere und sexiere Version von Helen Mirren.

OnkelFilmi
OnkelFilmi
26. August, 2011 12:44

Mein einziger Kritikpunkt am Film ist übrigens (immer noch) folgender:
Wer zur Hölle kam auf die Idee, den Tschechen Karel Roden als Amerikaner zu casten??? o.O (Und einen Bosniaken als seinen, ebenfalls amerikanischen, Partner).
Naja, mehr dazu in meiner detaillierteren Kritik, die ich später mal schreiben werde, muss jetzt schon gleich wieder los – A lonely Place to die, The Prey, The Revenant, Rabies und Arne und seine Ninjatroppen erwarten mich 😉

Marcus
Marcus
26. August, 2011 12:44

@Filmi:
jünger = offensichtlich.
Aber cooler = nö.
Und sexier = find ich beide nicht. Ich bin aber auch noch nicht so alt wie du… 😉

Marcus
Marcus
26. August, 2011 12:47

@Filmi: Rodens Figur sollte Ami sein?!
“A lonely Place to die”? Dann sehen wir uns gleich….

Wortvogel
Wortvogel
26. August, 2011 12:57

Karel Roden rockt übrigens auch – in “A lonely place to die” umso mehr, denn da hat er eine grandiose “who blinks first?”-Szene…

OnkelFilmi
OnkelFilmi
26. August, 2011 13:02

@Marcus: Seine Figur hiess “Daniel Carver”. Nicht unbedingt ein serbisch/montenegrinischer Name. Und das selbe gilt für seinen Kompagnon “Hamilton” 😉
@Torsten: Da spielt Roden aber wenigstens einen Serben namens Darko.

heino
heino
26. August, 2011 15:03

“Und einen Spinoff-Film für Helen Bingham würde ich auch gucken. Obwohl sie am Anfang echt unsympathisch rüberkommt (als sie Cats Freundin foltert), was ihrem Turn später dann im Weg steht.
Ihre Prügelei mit Karel Roden war der HAMMER.
Und Janet McTeer empfiehlt sich als preiswerter Helen Mirren-Ersatz, oder? (Wer das Vorbild zu Helen Bingham sehen will, der gucke sich Mirren in “RED” an.)”
Ich fand den Turn überhaupt nicht unglaubwürdig. Sie wird ja nicht plötzlich zum Gutmenschen, sondern tut das nur, um zu überleben.
Ich fand die Ähnlichkeit mit Helen Mirren auch verblüffend, sie kommt wirklich wie eine jüngere Version der Grand Dame rüber. Bei den recht ähnlich angelegten Rollen liegt auch ein direkter Vergleich zu RED nahe, das wäre Helen Bingham dann wohl im Rentenalter. Und weibliche Hitmen mit dieser Mischung aus Snobismus und brtitsicher Unterkühltheit sind per se sexy:-)

Dr. Acula
27. August, 2011 22:57

Brr… endlich hab ich mein Review geschrieben, jetzt kann ich das hier lesen. Und stimme vollumfänglich zu. Ein unglaublicher Spaß – und mangelndes Tempo würde ich dem – im Gegensatz zu heino – nicht vorwerfen. Und ja, McTeer ist sexy…

Marcus
Marcus
28. Oktober, 2011 20:09

Tja – das hier überrascht mich dann doch: http://www.schnittberichte.com/news.php?ID=3013
“Cat Run bekommt keine Freigabe von der FSK”
WTF?!