BILD-Blödsinns-Quadrupel (+ Bonus)
Für einen eigenen Beitrag taugt der BILD-Unfug nur noch selten. Erfreulicherweise haben die Online-Redakteure (deshalb?) die Schlagzahl des Wirrsinns erhöht, so dass ich euch heute gleich mal mehrere Beispiele präsentieren kann.
Warum ich das tue? Nicht mal so sehr, um der BILD einen reinzutun. Das Boulevard-Blatt ist nur ein perfektes Beispiel, um bestimmte Grundlagen der journalistischen Arbeit am Gegenteil zu erklären.
Erinnert ihr euch noch an diesen Beitrag, in dem ich moniere, dass BILD im Aufmacher schon die Antwort auf die Frage gibt, die im Anreißer dann erst gestellt wird? Das ist ein Anfängerfehler, den ich einfach nicht fassen kann. Welcher Redakteur schreibt sowas, welcher Lektor lässt das durch? Wenn ich “Guttenberg neuer Bundeskanzler!” titele, dann bringt es nichts, den Leser im folgenden Anreißer mit dem Satz “Wer wird jetzt neuer Bundeskanzler?” ködern zu wollen.
Aber BILD wird es wohl nie lernen:

Eines der beliebtesten Stilmittel der BILD ist das Fragezeichen, denn es macht aus jeder bösartigen Unterstellung eine harmlose (ja fast sorgenvolle) Frage. Gegen “Merkel schnupft Kokain!” könnte man klagen, gegen “Schnupft Merkel Kokain?” nicht.
Dumm nur, wenn die BILD dabei ein wenig durcheinander kommt:

In der Kopfzeile noch ein “Datenskandal!”, zwei Zeilen drunter nur noch ein “Datenskandal?”, der nicht einmal mehr konkret ist, sondern allenfalls “droht”. So schnell kann das gehen. Oder gibt es einen substanziellen Unterschied zwischen “Datenskandal” und “Daten-Skandal”?
Besonders hakelig wird es, wenn die BILD sich über etwas aufregen möchte, über das man sich eigentlich nicht aufregen kann – wenn z.B. Nackte an einem FFK-Strand auftauchen. Dann werden Vorwürfe regelmäßig so halbgar formuliert, dass letztlich kaum noch rauszulesen ist, um was es eigentlich geht. Schauen wir uns doch das hier mal an:

Wow! Echt jetzt? Eminen klaut bei Haddaway? Musikalischer Diebstahl? Hat der das nötig? Wir ahnen schon: nein. Und die BILD ahnt es auch, denn unter der Schlagzeile ist von einer “Cover-Version” die Rede, was ja nichts mit Diebstahl zu tun hat.
Diebstahl stimmt also nicht.
“Cover-Version” leider auch nicht, weil Eminem “What is love?” nicht gecovered hat.
Den dritten Versuch mit “singt nach” können wir leider auch nicht gelten lassen, denn Eminem singt keinen Ton von Haddaway oder seinem Song.
Drei Fehler, aber BILD mag es damit nicht gut sein lassen. Wir klicken weiter:

Okay, jetzt “bedient sich” Eminem nur noch bei Haddaway – für einen einzigen Sample. Und BILD wundert sich, dass der Song trotzdem nicht “What is Love?” sondern “No love” heißt. So, wie “Ice Ice Baby” ja auch “Under Pressure” heißen müsste.
Ach ja: Ein Song, der ein Sample verwendet, heißt deswegen noch lange nicht “Sampler”…
Das Synonym-Wörterbuch der BILD-Redaktion ist damit aber noch nicht am Ende:

“Abkupfern” bezeichnet laut Wikipedia die Herstellung einer Kopie oder eines Plagiats. Trifft natürlich AUCH nicht zu.
Soviel Text, soviel Unfug, soviel Halbgares – nur für die Information, dass in einem neuen Eminem-Song (der übrigens gar nicht schlecht ist) ein Sample von Haddaway vorkommt.
Über die Frage, warum die Verwendung des Samples “ein genialer Seitenhieb auf die ‘wilden 90er’” ist, mag ich mir an dieser Stelle nicht auch noch den Kopf zerbrechen.
Wer glaubt, BILD hätte damit den Gipfel des Leer-Journalismus erreicht, den darf ich eines Besseren belehren:

Oberflächlich geht es darum: In einer Edel-Disco legt eine DJane “oben ohne” auf. Ein Nackedei namens Nicole Belke mag deshalb nicht hingehen: “Ich habe abgesagt. In der Werbung für die Party heißt es, die DJane hätte die schönsten Brüste. Lächerlich! Meine sind viel schöner. Ich komme nicht nach Stuttgart, wenn ich in der Busen-Platzierung nur auf Rang 2 liege.”
Ja, genau: Über so etwas kann man “Artikel schreiben”. Der Hintergrund ist natürlich, dass BILD seit Monaten massiv für Playmate Mia Gray und das Pop-Duo “Candy Six” trommelt. Was von diesem Dance-Act zu halten ist, vermittelt ausreichend die erste Minute ihres Debüt-Videos:
Ich hätte nie gedacht, dass ich Sabrina mal für eine bessere Sängerin als irgendwen anders halte. Death to Auto-Tune!
Da ist es nur ein Detail, dass Nicole Belke nach meinen Recherchen trotz permanenter gegenteiliger Behauptungen von BILD niemals Playmate war.
Und nun zum Bonus.
Kein Bericht über die BILD wäre vollständig ohne eine Erwähnung des in permanenten Superlativen schwimmenden Norbert Körzdörfer. Wenn es um Superstars geht, also richtige Superstars, keine bloßen Stars, dann muss er ran. Bei Tom Cruise sowieso, der ist nämlich sein bester Freund. Zumindest scheint Körzdörfer das zu glauben: “Ich kenne Tom Cruise seit zehn Jahren. Ich saß mit ihm im Jeep, als er Katie Holmes knutschte. Ich flog in seinem Jet. Ich habe mit ihm gegrillt.”
Und so erklärt er in vorauseilendem Gehorsam den gefloppten “Knight and Day” zum “sensationell witzigen Liebes-Thriller” und erklärt uns obendrein: “Tom Cruise ist 007, Clooney, Cary Grant, Paul Newman. Es ist der witzigste Tom Cruise, den es je gab!”
Aber ich möchte von Mel Gibson reden, wie auch der Rest der Welt. Wie ist es möglich, dass ein Star sich selbst so konsequent demontiert, nach dem er 30 Jahre lang die Klaviatur der Selbstdarstellung doch so perfekt beherrschte? Warum hat Mel Gibson neulich und angeblich seine Freundin verhauen? Körzdörfer weiß es – weil er Gibson vor einem halben Jahr mal getroffen hat:

Allein: Aus einem Promo-Interview für den Film “Edge of Darkness” lassen sich nur wenige konkrete Erklärungen für das angeblich psychopathische Verhalten des Hollywood-Stars filtern. Was Körzdörfer bieten kann, sind vage Einschübe, die nichts mit seinem Gibson-Gespräch zu tun haben, und die ich hart an der Grenze zur Rufschädigung sehe: “Sein Dämon ist der Alkohol. Die Drinks gegen Langeweile und Melancholie. Wenn er anfängt, hört er nicht mehr auf. Er strudelt. Er flucht. Er wird ordinär zum Macho, zum Rassisten, zum Monster. Wenn er zu viel trinkt, wird es Nacht in seinem Kopf.”
Er STRUDELT?