Journalismus 2010: Drecksarbeit

Gepostet am 27. Februar, 2010 um 16:44 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Wenn ich mir die Meldungen der letzten Wochen so ansehe, dann muss ich mir selbst eingestehen, 20 Jahre lang naiv gewesen zu sein: Schmierenkampagnen scheinen ebenso an der Tagesordnung zu sein wie Bespitzelungen, und eine Branche verlangt nach Bestandsschutz, die nicht mal mehr die eigenen Mindeststandards erfüllt, mit denen sie sich angeblich von Bloggern und Online-Medien abhebt.

Mir sind diese Woche gleich zwei Dinge widerfahren, die aktuelle Probleme der gedruckten Presse dokumentieren, ohne gleich hochtrabende Begriffe wie “Qualitätsjournalismus” oder “redaktionelle Autonomie” zu strapazieren.

landideeFall 1: Ich schreibe für die “LandIdee”. Das ist bekannt. Ein wertiges Heft, und wirklich befreiend, weil es grundsätzlich um positive Dinge geht, um das Schöne im und am Leben. Leser, Schreiber und Beschriebene bilden eine wohlfühlige Einheit, es ist eine win-win-win-Situation, die ohne Enthüllungen, üble Nachrede, und Panikmache auskommt. “LandIdee” ist gut für mein journalistisches Karma. Viel Arbeit ist es trotzdem.

Derzeit rödeln wir fleißig an der neuen Ausgabe, und dafür telefoniere ich ständig in der Republik herum, um alte Werkstätten und Familienbetriebe zu finden, die wir porträtieren können. Meistens ergibt sich eine freundliche, manchmal sogar herzliche Zusammenarbeit, die sich in liebevollen Reportagen niederschlägt.

Doch bei zwei möglichen Betrieben, über die wir eine Geschichte machen wollten, wurde ich mit einer skeptischen Zurückhaltung konfrontiert, die in fast identisch gestellten Fragen mündete: “Was soll uns das denn kosten, wenn Sie über uns berichten?”

Es stellt sich heraus, dass die Firmen mehrfach, manchmal sogar regelmäßig, von “Journalisten” kontaktiert werden, die einen Deal bieten: Berichterstattung gegen Geld, oder – juristisch sauberer – gegen Anzeigenschaltung. Es gibt auch die Variante mit dem Buch: Ein Betrieb wird in einem Prachtband über seine Region gefeatured. Dafür verpflichtet er sich, dem Verlag 100 Bücher abzukaufen. Bei 100 porträtierten Betrieben ist das eine exzellente verkaufte Auflage von 10.000 Stück, und das ohne wirtschaftliches Risiko. Das Geschäftsmodell ist üblicher, als man denken (und hoffen) sollte.

Nun höre ich nicht das erste Mal, dass “Berichterstattung gegen Anzeige” in der Printbranche kein Tabu ist. Gerade in Service-Zeitschriften, die Produkte vorstellen (Autos, Stereoanlagen, Videospiele) ist das gang und gäbe. Mehr noch: Auch die Bewertung der Produkte wird an das Anzeigenaufkommen geknüpft. Im Videospiel-Bereich werden Tester mitunter nur dann mit Mustern bestückt, wenn sie versprechen, dass der Titel eine Top-Wertung bekommt. Manchmal wehren sich die Kollegen, oft wird es aber auch als notwendiges Übel hingenommen.

Pfeif auf Begriffe wie Standesehre und journalistischer Auftrag: Ich habe keine Ahnung, wie manche Kollegen es mit ihrem simplen Selbstverständnis vereinbaren, ihre Arbeit und ihr Integrität derart schäbig zu verhökern. Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten können doch nicht alles rechtfertigen.

Für mich kommt sowas nicht in Frage. Hätte ich im Auftrag von Firmen Waren unters Volk bringen wollen, wäre ich in die Werbung gegangen. In beiden Fällen habe ich den Betrieben versichert, dass wir kein Interesse an einer solchen “Kooperation” haben – wir berichten im Interesse unserer Leser, und das ist nicht käuflich. Sichtliche Erleichterung war die Reaktion, und das Resultat sind bezaubernde Reportagen, die in der nächsten LandIdee (kommt Ende März) zu lesen sein werden.

TVsuendeFall 2: Ich schreibe für die “TV Sünde”. Das ist bekannt. Ein Radau-Heft der fast schon satirischen Sorte, rüde im Ton, luderig im Bild, und mit einer hohen Preis/Möpse-Ratio für Leute, die ihre TV-Zeitschrift “nach Gewicht” kaufen (darf’s ein bisschen Fleisch mehr sein?). So wie die LandIdee gut für mein journalistisches Karma ist, so wird die TV Sünde mich in die Hölle bringen. Aber es macht Spass, auch mal über Rockstars und ihre Penisse zu schreiben. Die TV Sünde ist vielleicht kein Sturmgeschütz der Demokratie, aber sie ist “harmless fun” für eine Leserschaft, die in jedem Werbeblock nach Mitternacht rüdere Kost geboten bekommt.

Nun war ich kürzlich in den USA unterwegs, und stolperte bei meinen “Recherchen” (ähem) auch in ein Etablissement der “Coyote Ugly”-Kette. Franchise hin oder her: Diese Saloons mit dem billigen Bier und den sexy Girls hinter dem Tresen haben mir gefallen. Irgendwann dachte ich: Schicke Grundlage für einen Artikel in der TV Sünde. Dann kann ich sogar das Bier absetzen, und die zwei Dollar, die ich beim “booze ball” verloren habe.

Grundlage jedes Artikels in der TV Sünde sind die Fotos – da ist das Heft nicht anders als die LandIdee. Wir kontaktierten also Coyote Ugly USA und Coyote Ugly Deutschland mit der Bitte um Pressefotos. Ich beschrieb den Amerikanern unser Heft folgendermaßen: “We have a few nude and semi-nude pictorials, but nothing too raunchy (that would get us banned from distribution, anyway). The articles mainly focus on cool places to go, how to look good for the ladies, and crazy sex laws from around the world. Harmless fun, really. We have done a similar feature with “Trashy Lingerie” from Los Angeles recently, an both parties were really happy with the result.

Außerdem schickte ich noch einen aktuellen Cover-Scan, damit die US-Boys wussten, womit sie es zu tun hatten. Wir schämen uns für die TV Sünde nicht, und vermarkten sie deshalb auch nicht “sauberer”, als sie tatsächlich ist.

Tatsächlich bekamen wir einen ganzen Haufen toller Bilder von den Bars und den Babes, alles jugendfrei, versteht sich. Eine Kollegin besorgte noch ein paar weniger professionelle, aber allemal verwertbare Fotos aus den beiden deutschen Dependancen von “Coyote Ugly”. Sie versprach dem deutschen Lizenzbesitzer, er könne vor dem Abdruck einen Blick auf den Artikel werfen, um sicherzugehen, dass seiner Franchise dadurch kein Schaden entstehe. Das ist okay, und nicht unüblich. Quid pro quo.

Nun geschah ein blöder Fehler: Eine andere Kollegin schickte das Layout des Artikels als PDF zum Lizenznehmer mit der Notiz, der Artikel könne nun abgenommen werden. Problem: Der Text war noch Blindtext aus einer alten Ausgabe (was über Sexsucht bei Promi-Schauspielern, wenn ich mich recht erinnere), der richtige Text noch gar nicht geschrieben. Erbost rief der Lizenznehmer an und polterte, in dem “Artikel” kämen die Bars ja gar nicht vor. Ich erklärte ihm die Sachlage, bat um Verzeihung für den Fehler, machte aber auch klar, dass ich ihm sowieso nicht die Hoheit einräumen könne, den Tenor oder die einzelnen Formulierungen des Artikels zu bestimmen. Da bin ich bei der TV Sünde so strikt wie beim SPIEGEL.

Trotz aller testosteron-geschwängerten Streitigkeiten einigten wir uns schließlich darauf, dass der Artikel erscheinen können, sofern er vorab vom Lizenznehmer abgesegnet würde. Es wurde auch Zeit, denn das Heft sollte in Druck gehen. Angesichts meiner Begeisterung für die “Coyote Ugly”-Bar schrieb ich einen sehr positiven Text mit deutlich werbendem Charakter und einem besonderen Fokus auf der Tatsache, dass es sich bei aller Sexyness eben nicht um einen Bumsschuppen handelt, in dem man die Bargirls abschleppen darf. Titel: “Die heissteste Theke der Welt”

An dem Tag, an dem das Heft in Druck gehen sollte, kippte der Lizenznehmer den Beitrag. Warum? Es lag nicht an meinem Artikel. Konnte es ja auch nicht, der war respektvoll und enthusiastisch. Ich kann nur vermuten, dass sich der zuständige Herr endlich mal eine TV Sünde am Kiosk gekauft hatte – denn man wollte plötzlich “in so einem Umfeld” (ich paraphrasiere) nicht präsentiert werden.

Nun hätte er sich vorher schlau machen, und die Kooperation gleich von Anfang an ablehnen können. Hat er nicht. Man hat kooperiert, ohne sich zu informieren. Uns am Tag vor Druck ins Kreuz zu treten ist nicht gerade im “spirit” einer guten Zusammenarbeit. Wir haben von Anfang an mit offenen Karten gespielt, und der Artikel ist so positiv, wie er nur sein kann. Aber egal: Ohne die lizensierten Bilder war der Beitrag undruckbar, und genau diesen Hebel nutzte der Lizenznehmer.

Binnen von zwei Stunden musste ich eine doppelseitige Alternative finden, recherchieren, bildmäßig ausstatten, und schreiben – so kam es zu dem oben genannten Beitrag über “Rockstars und ihr bestes Stück” (der ziemlich gut geworden ist). Brutal, aber es braucht schon mehr, um mich aus der Ruhe zu bringen.

Was lernen wir daraus? So wie es viele Journalisten gibt, die sich mittlerweile auch als Anzeigenakquise ihres Verlages sehen, so gibt es viele kommerzielle Partner, die ernsthaft glauben, sich redaktionell einmischen zu können/dürfen/müssen. Für die ist “win-win” ein Deal, bei dem beide gewinnen – nur der Leser wird halt angeschmiert. Auf beiden Seiten ist der Respekt vor dem journalistischen Produkt erodiert, es ist zur reinen Rohmasse verkümmert, in die jeder seine Interessen und Vorgaben injizieren kann.

Mir bleibt als letzte Bastion der journalistischen Weißweste dieser Blog, und erfreulicherweise kann mir niemand verbieten, meinen gekippten Text zur “Coyote Ugly”-Bar hier zu posten. Das werde ich dieser Tage machen. Und zu den Bildern kann ich dann ja verlinken. Bätsch.

Präzise Wortvogel-Wettervorhersage:
Das Krötenscheiße-System irrt niemals!

Gepostet am 26. Februar, 2010 um 14:21 Uhr
Kategorien: Lustiges, Neues, Privates.

Von meinem Kumpel Marlowe und der Tatsache, dass der mit seinen 36 Jahren ein paar tolle Sachen kann, habe ich ja schon berichtet. Aber so eine langfristige Beziehung bringt durchaus auch Stress mit sich.

Jedes Jahr im Winter mache ich mir Sorgen. Marlowe geht nicht in den Winterschlaf (dafür müsste ich ihn in einer Plastikdose in den Kühlschrank legen), aber er fährt seinen Stoffwechsel extrem weit runter. Faul liegt er unter der Heizung, den Kopf auf das warme Rohr gelegt, und pennt. Er scheißt kaum noch – und fressen mag er auch nicht. Das ist zwar alles ganz normal und wahrlich bekannt, aber immer wieder wächst in den dunklen Monaten die Panik, dass er diesmal, diesmal, den Stoffwechsel nicht wieder angeworfen bekommt, wenn der Frühling naht. Was würde ich ohne ihn machen?

Ich weiß nicht, welche biologischen Mechanismen meine Schildkröte befähigen, das Ende des Winters präzise vorher zu sagen. In meinem Wohnzimmer bekommt er weder was von Tageslicht oder schwankenden Temperaturen mit. Aber er hat diese Schalter im schildkrötischen System, auf die Verlass ist. Kommt der Frühling, scheißt er mir von einem Tag auf den anderen die Badewanne voll, und frisst danach Bachflohkrebse, bis der Panzer zu platzen droht. Ich atme dann immer dreimal gut durch, und meine Woche ist gerettet. Marlowe ist fit für die nächste Saison.

Deshalb vermelde ich heute aus aktuellem Anlass und absolut verbindlich: Der Winter ist vorbei. Der Frühling kommt.

marlowe

Nibelungen 3 – besser spät als nie!

Gepostet am 25. Februar, 2010 um 11:49 Uhr
Kategorien: Bücherregal, In Arbeit, Neues, Privates.

nibneuIch hatte ja angekündigt, dass mein neuer Nibelungen-Roman im März erscheinen soll.

Dem ist nicht so.

Wir alle sind tragische Opfer eines Kommunikationsproblems geworden: Der März 2010 als Veröffentlichungstermin stand noch in meinem Vertrag aus der Zeit, als Heyne hoffte, ich würde das Brikett irgendwann im Frühjahr 2009 anliefern. Mehrfach bettelte ich um Aufschub, der Verlag war so freundlich – nur das anvisierte Erscheinungsdatum wurde versehentlich nicht aktualisiert.

Also: “Das Erbe der Nibelungen” erscheint nach aktuellem Katalog im August, zu meiner Freude rechtzeitig zu Buchmesse und Weihnachtsgeschäft (machen wir uns nichts vor: März ist eher eine maue Zeit für solche Schinken).

Bin ich sauer, dass ich mich im Dezember so gequält habe, um den Roman rechtzeitig für eine März-Veröffentlichung fertig zu bekommen? I wo. Machen wir uns nichts vor: Hätte ich von dem August-Termin gewußt, wäre das Ding am 30. Juli noch nicht fertig gewesen. Ich brauche den Druck, und fertig ist fertig.

Craig Ferguson – breakin’ all the rules

Gepostet am 25. Februar, 2010 um 10:36 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Ich habe in letzter Zeit das Gefühl, dass Craig Ferguson auf Sinnsuche ist – immer wieder, immer radikaler bricht er mit dem ehernen Format der Late Night Show: Puppen-Intros, Pop-Songs, ein Stargast (Eddie Izzard) statt des Eröffnungsmonologs.

Vorgestern hat er dann gänzlich mit dem Konzept gebrochen: Als Rückgriff auf Tom Snyder, der die Sendung vor fast 20 Jahren vornehmlich als ruhiges Talkformat führte (seine Gespräche mit Harlan Ellison und P.I.L. sind legendär), warf Craig allen Schnickschnack raus: Kein Publikum, keine Musik, keine Gags. Zwei Stühle, eine Meinung. Sein Gast: Stephen Fry.

Man mag unterstellen, dass ein Gespräch mit Fry per Definition nicht langweilig sein kann (und Craig erwähnt das auch selbst), aber wenn diese bis auf die Knochen reduzierte Late Night Show etwas beweist, dann das: Ferguson ist auch “pur” und “in ernst” gut, und sicher der beste und empathischste Interviewer unter den Late Nightern.

Hier das Intro:

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Den Rest der Sendung gibt’s da auch.

Dolph Lundgren is IN DA HOUSE!

Gepostet am 23. Februar, 2010 um 11:52 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.

Während sich Steven Seagal als Hilfssheriff blamiert, und van Damme beim Bühnentanz einen Ständer bekommt, zeigt der baumlange Schwede in der Heimat, wie man wirklich abrockt:

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“Dr. Hope” Special (1): Szenenbild

Gepostet am 21. Februar, 2010 um 11:45 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

Wie angekündigt werde ich in den nächsten Wochen bis zur Ausstrahlung viel Material aus dem üppigen Presse-Special des ZDF posten – leider ist ja nicht zu erwarten, dass viele Magazine den Platz haben, um z.B. ein Interview mit der Szenenbildnerin abzudrucken, so spannend es auch sein mag.

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((c) ZDF und Erika Hauri)

“Wir haben extra ein Oldtimer-Auto gebaut”

Su Proebster

(Ausstattung/Szenenbild)

Su Proebster ist in Bielefeld geboren und in Berlin aufgewachsen. Zehn Jahre lang betrieb sie Schwimmen als Leistungssport. Nach ihrer Gesellenprüfung als Tischlerin belegte sie Seminare in Bildhauerei und machte erste kleine Schritte in Richtung Szenenbild als Bühnen- und Kostümbildnerin bei kleinen Independent Art Festivals. Kontakt zum Film bekam Su Proebster zunächst als Stuntfrau. Ab 1985 war sie dann für Baubühne und Requisite bei der Musiksendung “Formel Eins” zuständig. Nach einer Szenenbildnerassistenz folgten erste eigene Arbeiten als Szenenbildnerin für Musikvideos. Nach ihrer letzten “For­mel Eins”-Sendung 1989 war Su Proebster als Requisiteurin, Requisi­tenbauerin und Art Director tätig, seit 1993 als Szenenbildnerin in di­versen Produktionen. Mit dem Drama “Roula” (1995) begann Su Proebsters langjährige Zusammenarbeit mit dem Regisseur Martin Enlen. Su Proebster war außerdem für die Designs von Red-Carpet-Shows und After-Show-Partys zum Beispiel für “Interview mit einem Vampir”, “Brave Heart”, “Drei Engel für Charly”, “Terminator”, “James Bond”, “Spiderman” und verschiedene andere verantwortlich. Außer­dem arbeitete sie im Art Department bei “Peter Jackson’s King Kong” (2005) und Roland Emmerichs “10.000 B.C.” (2008). Für den ZDF-Dreiteiler “Der Liebe entgegen” wurde Su Proebster in der Kategorie Bestes Szenenbild für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

Interview mit Szenenbildnerin Su Proebster

Dr. “Hope” ist nicht Ihr erster historischer Film. Sind solche Aus­stattungen ein besonderer Reiz oder eher ein Fluch?

Natürlich sind die Herausforderungen wesentlich größer als an einen Gegenwartsfilm – allerdings ist es für jeden Szenenbildner ein Traum, historische Stoffe verwirklichen zu dürfen. Die Möglichkeit, eine Zeit­reise antreten und bildlich umsetzen zu dürfen, ist, wie in eine Zeitma­schine zu springen. Und im Fall von “Dr. Hope” war die medizinische Ausstattung noch eine weitere große Herausforderung. Eine Requisi­teurin war nur damit beschäftigt, alle medizinischen Requisiten zu fin­den. Oft war der Zustand aber sehr schlecht, und sie mussten restau­riert, repariert oder sogar komplett neu hergestellt werden.

…und der Gynäkologenstuhl?

Ja, Hopes Gynäkologenstuhl war eine besondere Herausforderung, aber manchmal muss man auch ein wenig Glück haben. Nachdem wir lange bei Sammlern und in Museen recherchiert und nichts gefunden haben, stießen wir zufällig bei der Suche nach anderen Gegenständen auf einen alten kaputten Gynäkologenstuhl im Filmfundus in Stuttgart. Er wurde dann von meinen Werkstätten komplett restauriert, die nach­träglich angebrachten Dinge entfernt und so wieder in den alten Zu­stand versetzt. Mann muss ja bedenken, dass all das, was man heute aus jener Zeit findet, über 100 Jahre alt ist, damals aber brand­neu war.

Haben Sie an Originalschauplätzen drehen können?

Das Münchner Wohnhaus von Dr. Hope steht heute noch, doch die Gabelsbergerstraße ist eine extrem befahrene und belebte Gegend in München, und es war unmöglich, dort zu drehen. Man kann ein sol­ches Gebiet nicht für Wochen sperren lassen. Also musste ich einen Ort finden, der möglichst viel alte Substanz besitzt und für die Vorbe­reitung und den Dreh zu kontrollieren ist. Überhaupt war die Motivsu­che in diesem Fall besonders schwierig, da die Handlung in vielen Großstädten spielt: in London, Leipzig, Frankfurt und München. Aber die passenden Locations haben wir alle in München und Umge­bung gefunden.

Inwieweit konnten Sie bei Ihren Recherchen auf authentisches Material von der historischen “Hope” zurückgreifen?

Am Anfang meiner Recherche habe ich natürlich versucht, soviel wie möglich über die Ärztin zu erfahren und Material über ihre Arbeit zu finden. Wir recherchierten in Archiven der Münchner Ludwig-Maximili­ans-Universität, dem Medizin-Historischen Museum Ingolstadt, der Charité in Berlin, in vielen Büchern und im Internet. Um die vielen Sets zu bestücken, ist das Ausstattungsteam in ganz Deutschland und Österreich in Fundis, bei Sammlern und in Museen unterwegs gewe­sen, um Stoffe, Möbel, Lampen und Requisiten zusammenzutragen. Teilweise wurden Sachen aus England geschickt. Und Utensilien, die nicht gefunden werden konnten, wurden speziell für den Film angefer­tigt.

Was denn, zum Beispiel?

Hopes Oldtimer-Auto. Ich habe Fotos davon an das Technische Mu­seum München geschickt, um Marke und Herstellungsort festzustellen und dabei erfahren, dass es um 1906 noch nicht wirklich Autofabriken gab. Viele Fahrzeuge wurden damals in Hinterhöfen von ehemaligen Kutschenbauern angefertigt, so wie auch das von Dr. Hope. Um einen reibungslosen Ablauf des Drehs zu garantieren, haben wir sogar extra ein Oldtimer-Auto gebaut. Denn ein Auto, das so aussieht wie das von Dr. Hope war nirgends zu finden, und Museumsstücke sind zu wertvoll bzw. überhaupt nicht zu bekommen. Außerdem mussten die Darsteller sicher damit fahren können. Trotz der üblichen Probleme wie Zeit und Geld ist es gelungen, dieses Fahrzeug in 20 Tagen zu bauen. Alle an­deren Fahrzeuge wie Kutschen oder Background-Autos wurden von Sammlern und speziellen Filmfahrzeug-Verleihern angemietet und teilweise beschriftet oder so verändert, dass sie authentisch ausse­hen.

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((c) ZDF und Erika Hauri)

Mussten Sie auch Straßen verändern?

Ja. Da es in einem historischen Film kein Set gibt, das man original benutzen kann, mussten alle Kulissen hergestellt bzw. bearbeitet wer­den. Das heißt, die Straßen mussten von Schildern, modernen Lam­pen, Ampeln und Markierungen befreit werden. Klingelschilder wurden entfernt, Verteilerkästen kaschiert, alte Straßenschilder angefertigt und moderne Fenster ausgetauscht oder bearbeitet. Außerdem muss­ten zeitgenössische Gardinen aufgehängt werden, und der Asphalt wurde mit Sand aufgeschüttet.

Wie authentisch sind denn die vielen Alltagsgegenstände?

Bei den Innenausstattungen – viele Sets wurden übrigens in den Ba­varia Filmstudios gebaut – ist eine enge Absprache mit den Kolle­gen von Kostüm und Kamera nötig, um Farbigkeit und Lichtstimmun­gen zu besprechen. Und um die historisch korrekten Tapeten und Stoffe zu finden, wurden Tapeten- und Stoffhersteller in ganz Europa kontak­tiert. Es gibt auch heute noch Firmen, die Repliken aus der da­maligen Zeit herstellen.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Kollegen von der Ausstat­tung, ist sie enger als bei “aktuellen” Filmen?

Das Ausstattungsteam bei einem Film wie “Hope” besteht aus vielen Spezialisten, darunter Tischler, Maler mit speziellen Patina-Kenntnis­sen, Mechaniker, Dekorateure, Näherinnen und Requisiteure. Nur eine enge Zusammenarbeit aller künstlerischen Abteilungen kann die Ziel­setzung eines solchen Projektes erreichen.

Die Interviews führte Jutta Siekmann, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des ZDF

“Dr. Hope”: Wortvogel unter Beschuss

Gepostet am 19. Februar, 2010 um 22:57 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, In Arbeit, Neues, Privates.

Es gibt Dinge, die man über den Journalismus weiß, ganz besonders, wenn man jahrelang selber in dem Bereich gearbeitet hat. Dinge, die man nonchalant als „das ist halt so“ durchwinkt, wenn sie einen nicht selbst betreffen. Dass jeder von jedem abschreibt. Dass die spannende Story allemal wichtiger ist als die wahre Story. Dass Zeit für Recherche ein Luxus ist, den sich kaum noch jemand leistet. Dass es Gefälligkeitsstorys gibt, sogenannte „hit pieces“, mit denen ein bewusster „spin“ unter die Leute gebracht werden soll.

Wie gesagt: Man winkt es durch – solange es einen nicht selbst betrifft.

Aber heute betrifft es mich selbst.

Es geht um eine Angelegenheit, zu der ich bisher geschwiegen habe, weil es ein Non-Thema ist, oder sein sollte. Es gibt keine Geschichte. Es gibt nichts aufzudecken. Das sind nicht die Droiden, die ihr sucht.

Es geht um “Dr. Hope” und die gerade epidemisch von der Presse weiter verbreitete Behauptung einer Historikerin, wir hätten uns an ihrem Werk auf justiziable Weise vergriffen.

Es wird eine Geschichte daraus gemacht. Und die passt oberflächlich prima in den Hegemann-Skandal, und zu der allgemeinen These, dass das geldgierige Fernsehen skrupellos die Geisteswissenschaften plündert, und sich an anderer Leute Arbeit bereichert.

Allein: Es stimmt nicht. Aber darum enthalten die derzeit erscheinenden Artikel auch so viel „soll“, „hat angeblich“, und „behauptet“. Das ganze Konstrukt würde implodieren, wenn sich nur ein Schreiberling mal die Mühe machen würde, die Fakten zu recherchieren, oder sich Grundlagenwissen zum Thema Plagiat und Copyright anzueignen. Kann man aber augenscheinlich nicht erwarten.

Ich erzähle jetzt einfach mal das, was ich erzählen kann, ohne mich in juristisch halsbrecherisches Fahrwasser zu begeben – in der Hoffnung, dass wenigstens ein Journalist, der die Story übernehmen will, auch mal die Hintergründe googelt. Vielleicht bin ich naiv.

Wie schon an anderer Stelle berichtet (und nie bestritten), sind Katrin Tempel (damals Kaiser) und ich durch eine Ausstellung auf die Figur der Hope Adams-Lehmann gestoßen. Es gibt eine exzellente Biographie der Frau, diverse weitere Bücher (darunter eines über Prozesse, die gegen sie angestrengt wurden), und unzählige Original-Unterlagen in den deutschen Archiven, u.a. in der Monacensia. Hinzu kommt Hopes eigenes Frauenbuch, das wir aus Osteuropa antiquarisch beziehen konnten. Katrin reiste auch nach Nordrach, wo Hope mit ihrem ersten Mann vor mehr als 100 Jahren ein Sanatorium eröffnet hatte. Insgesamt vier Jahre lang haben wir recherchiert, und die Story in immer neuen Variationen für einen Zweiteiler zusammen geschraubt.

Daraus entstand die „wahre Geschichte“ von Hope Adams-Lehmann – natürlich als Fiktion erzählt (es hat ja niemand neben ihr gestanden und ihre Gespräche mit dem Tonband aufgezeichnet). Sie ist so wahr, wie „Der Untergang“ wahr ist zum Thema Hitler. Oder „Apollo 13“ wahr ist zum Thema Apollo 13. Der TV-Film weicht dabei deutlich mehr von der Realität ab als das u.a. auf meinem Drehbuch basierende Roman-Skript von Katrin. Das liegt daran, dass wir für den Zweiteiler erheblich mehr straffen mussten, Figuren zusammen gelegt wurden (Hope hat im Film nur ein Kind, in Wahrheit hatte sie zwei), und ganze Teile von Hopes Leben (politisches Engagement, zweisprachiger Kindergarten) keinen Platz fanden. Katrin konnte für den Roman Elemente aus früheren, längeren Drehbuchfassung wieder übernehmen, und Straffungen wieder ausbreiten.

Daran ist nichts auszusetzen. Das ist normal. Es ist Fiktion. Der Zweiteiler ist keine Dokumentation, der Roman kein Sachbuch.

Es schien uns von Anfang an sinnvoll, kompetente Beratung zu haben, um die historischen Hintergründe so detailgenau wie möglich darstellen zu können. Nicht notwendigerweise „wahr“ – wir müssen uns an das halten, was auch dramaturgisch funktioniert, und das hat bei einer Fiction-Produktion Vorrang vor der historischen Realität. Trotz aller Recherche bin ich kein Historiker, und erhebe auch nicht den Anspruch. Darum wurde der Historikerin, die die größte „Hope“-Biographie geschrieben hatte, von uns als Beraterin der Produktionsfirma vorgeschlagen. Wir hofften darauf, dass sie uns bei den Details zur Seite stehen könne, für ein Honorar, eine Erwähnung im Nachspann, eine Danksagung. Vielleicht waren wir da naiv.

Dummerweise war die Historikern nach ersten Gesprächen mit der Produktionsfirma (bei denen wir nicht zugegen waren) plötzlich der Meinung, sie habe quasi ein „Copyright“ auf das Leben von Hope Adam-Lehmann. Ihr Sachbuch (eine Quelle von fast unendlich vielen) erklärte sie wohl kurzerhand zur Vorlage meines Drehbuchs (grober Unfug, das), und wollte nicht nur eine beträchtliche Summe Geld, sondern auch noch „Creator“-Credits mit weitreichenden Befugnissen. Die Produktionsfirma sah das allerdings anders – nämlich im Einklang mit der aktuellen Rechtslage.

Kleiner, aber wichtiger, Schlenker: Historische Fakten und Personen sind nicht schützbar, enthalten als solche keine schützenswerte kreative Eigenleistung. Wenn ich morgen eine Biographie über Charles Darwin schreibe, gehören mir die darin präsentierten Daten und Fakten nicht, und ich kann für sie kein Copyright geltend machen, und andere Werke über Darwin für mich reklamieren. Es würde jede Geschichtsschreibung ad absurdum führen. Das ist nicht nur selbstverständlich, notwendig, und auch im „Tannöd“-Prozess vom Gericht gerade wieder bestätigt worden – es sollte auch Allgemeinwissen sein. Bei Historikern wie bei Journalisten.

Seit die Produktionsfirma ihre Forderungen zurückgewiesen hat, versucht die Historikerin nun, unserem Projekt ins Kreuz zu treten, in dem sie überall verbreitet, man habe sie um ihre Arbeit betrogen. Sie dreht dabei die Fakten recht geschickt so, dass sie als Opfer da steht – z.B. wird beklagt, dass ihr im Roman nicht einmal gedankt worden sei. Das ist richtig, aber nur die halbe Wahrheit: Die Danksagung wurde ihr mehrfach angeboten. Nur leider war sie nicht bereit, im Gegenzug von ihren Attacken gegen eben diesen Roman abzusehen. Sie wollte die Danksagung – und das Werk gleichzeitig beschädigen.

Bei dem TV-Zweiteiler ist ihre Argumentation ebenso schizophren, wie man im Münchner Merkur sehr schön erkennen kann: Einerseits behauptet sie, es sei quasi alles von ihr abgeschrieben (ohne zu erklären, wie ein Drehbuch mit seiner Narrative und seinen Dialogen von einem Sachbuch abgeschrieben sein kann), andererseits beschwert sie sich, vieles sei „extrem verfälschend“ dargestellt. Diese Behauptung wiederholt sie auch im Vorwort der aktuellen Ausgabe ihres Buches, das ebenfalls zur Schlammwerferei herhalten muss. Beides kann kaum sein, und es wirft die Frage auf: Was soll denn verfälscht worden sein? Die künstlerische Freiheit, Hopes Leben für die Verfilmung dramaturgisch anzupassen, wird wohl kaum in die Zuständigkeit der Historikerin gehören.

Ich sage es noch einmal, weil es genau der Punkt ist, den die Autoren der genannten Artikel nicht hören wollten, weil es ihnen ihre sexy Story kaputt gemacht hätte: Historische Fakten sind nicht schützbar, ein Sachbuch ist kein Roman, und „Dr. Hope“ ist weder die Adaption noch die Verfilmung eines Sachbuches (oder einer anderen Quelle).

Es ist kein „neuer Hegemann-Fall“, weil nicht plagiiert werden kann, was vor dem Gesetz nicht plagiierbar ist. Ich selber habe eine klare Meinung zu „Axolotl Roadkill“: abschreiben ohne Quellenangabe gilt nicht. Das ist unredlich und unfair. So Theorien wie „mashup“ oder „remix“ können mir den Buckel runter rutschen – in 20 Jahren und ebenso vielen Büchern hatte ich es nie nötig, mich bei den Formulierungen und Ideen anderer Autoren bedienen zu müssen. Wäre ja noch schöner. Und genau so haben wir uns auch nicht bei den Ideen und Formulierungen der Historikerin bedient. Das kann jeder nachlesen, der es möchte. Es tut nur keiner.

Und damit kommen wir zum eigentlichen Thema zurück, dem derzeitigen journalistischen System. Der Artikel in der SZ hat mir weh getan, weil ich das Blatt für eigentlich sehr seriös halte, und mich diese Form von Gefälligkeitsschreiberei schon überraschte. Der Autor sprach am Abend vor der Veröffentlichung mit mir, war aber nicht bereit, mit Katrin Tempel, der Produktionsfirma, oder dem Sender zu sprechen. Er ging auch auf meine Erklärungen gar nicht ein, sondern betonte immer wieder, er sei selbst Historiker, und könne die Empörung der Kollegin verstehen. Nun mag man (wenn man will) die Empörung verstehen, aber das sagt immer noch nichts über die Legitimität des Anspruchs. Im vorletzten Absatz des Artikels muss der Autor, nachdem er böse (und abfällig) gegen die Arbeit von Katrin und mir getrommelt hat, selber zugeben, dass der Vorwurf auf nicht einmal tönernen Füßen steht: „Grundsätzlich ist wohl wenig dagegen zu machen, wenn Zweitverwerter wichtige historische Stoffe verhackstücken“. Aha.

Ich hakte den Artikel als Enttäuschung ab, weil ich sowas von der ehrenwerten SZ nicht erwartet hatte. Das muss der „Journalist“ mit sich selber ausmachen. Es wurde nur immer deutlicher, dass es keinen wirklichen formulierten Vorwurf gab. Was GENAU hatten wir denn nun eigentlich Schändliches getan? Nachdem historische Fakten keine schützenswerten kreativen Eigenleistungen sind, kann es ja kaum ein Plagiat sein. Und die fehlende Anerkennung der Leistung der Historikern geht ja ursächlich auf ihre eigene konfrontative Strategie zurück – ich hätte mich gefreut, eng mit ihr zusammen zu arbeiten, und sie dafür auch entsprechend zu würdigen.

Ich komme mir langsam vor wie der Angeklagte in Kafkas „Der Prozess“, der keine Ahnung hat, was man ihm vorwirft, und der sich deshalb auch nicht verteidigen kann. Eine Anklage oder Anzeige gegen “Dr. Hope” liegt meines Wissens nach jedenfalls nicht vor.

Mitte der Woche rief dann eine Dame vom „Münchner Merkur“ an, die außer der Tatsache, dass sie wohl seitens der Historikern angespitzt worden war, keinerlei Hintergrundwissen mitbrachte. Den Roman hatte sie nicht gelesen, den Zweiteiler auch nicht gesehen. Als ich meinte, dass es doch besser wäre, wenn sie sich erstmal schlau mache, erklärte sie mir, der Zweiteiler sei ja noch nicht gelaufen – das ZDF verschickt allerdings seit Wochen an jeden Journalisten, der danach fragt, eine Screener-DVD. Die Tatsache, dass es sich bei „Dr. Hope“ um einen Roman und einen TV-Film handelt, und damit eine FIKTIVE Aufarbeitung einer historischen Figur, schien ihr nicht klar.

Interessant war auch die immer wiederholte Frage der Journalistin, was mich als „Science Fiction und Fantasy-Autor“ für „Dr. Hope“ qualifiziere – als ob ich das rechtfertigen müsse. Ich wies sie darauf hin, dass ich als Drehbuchautor wie ein Journalist arbeite – ich arbeite mich in ein Thema ein. So wie ein Journalist, der für einen Artikel über Gärtnerei kein ausgebildeter Landschaftsarchitekt sein muss. Die Reduzierung meiner Arbeit auf „Science Fiction und Fantasy“-Autor hatte die Journalistin übrigens „bei Wikipedia gelesen“ (schon der Blick in meine Bio auf meinem Blog wäre wohl zuviel der Recherche gewesen).

Die Frage, was eine Historikern denn qualifiziert hätte, ein fiktionales Drehbuch zu schreiben, blieb unbeantwortet. Oder die Frage, was genau der rechtlich relevante Vorwurf sein soll.

Bald fiel natürlich das Stichwort „Hegemann“. Ich erklärte ihr seufzend die Rechtslage – mit Hegemann ist das nicht vergleichbar, allenfalls mit „Tannöd“. Und bei „Tannöd“ hat der Autor des Sachbuches (natürlich) verloren. Weil historische Fakten – seufz – nicht schützbar sind. Als ich die Journalistin bat, statt der  hingenommenen Behauptung der Historikerin doch einfach mal einen Anwalt zu fragen, was denn die Tatsachen sind, legte sie einfach auf. Und mir schwante: Es wird nicht erzählt, was zu erzählen ist, sondern was sich als sexy „Täter/Opfer“-Geschichte verkaufen lässt.

Und so ist der Artikel auch erschienen – mit vielen relativierenden „soll“, „angeblich“, und „womöglich“. Tenor: Arme Historikerin von skrupellosen TV-Schreiberlingen über den Tisch gezogen. Und schon meldet „turi2“: „Das Drehbuch des TV-Zweiteilers “Dr. Hope – Eine Frau gibt nicht auf” mit Heike Makatsch in der Hauptrolle soll teilweise identisch sein mit einer Biographie, die von der bayerischen Historikerin Marita Krauss verfasst wurde.“

Es ist nicht wahr. Aber es liest sich gut. So schnell wird aus einer Ähnlichkeit dann auch „teilweise identisch abgeschrieben“. Was nicht stimmt, und für jeden überprüfbar ist, der sich die in jedem Buchladen erhältlichen Werke mal durchliest. Aber wer hat schon die Zeit? Journalisten bestimmt nicht.

So bleibt ein „Fall“, der keiner ist – und der massive Versuch, meine Reputation (und die meiner Koautorin) zu schädigen. Wir haben nicht abgeschrieben. Wir haben recherchiert. Wie das jeder gute Autor tut. Es wurden keine Ideen und Formulierungen aus irgendeiner Quelle übernommen. Wir haben zu jeder Zeit unsere Quellen offen gelegt, und „Dr. Hope“ ist eine 100prozentige kreative Eigenleistung. Wir dulden keinen Versuch, diese zu kapern. Rechtliche Schritte behalten wir uns nicht nur vor, wir gehen sie auch.

Aber das will wohl keiner hören.

Mir wurde nun klar, dass meine Strategie, offensichtlich tendenziellen Journalisten, die ihre Story schon fertig haben, meine Zitate nicht freizugeben, nach hinten losgeht. Damit ist die einzige laute Stimme da draußen die der Historikerin – und die bleibt unwidersprochen.

Ich habe viel über Journalismus gelernt in dieser Woche – und wenig, was ich wissen wollte.

Das hier ist meine Seite der Geschichte. Glaubt, was ihr für richtig haltet. Ich werde kämpfen.

Virtual Backlot: Don’t believe your eyes

Gepostet am 18. Februar, 2010 um 23:24 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Die Effektfirma “Stargate” hat sich in den letzten Jahren zum “go to”-Studio für TV-Serien entwickelt, die zwar gerne in erkennbaren Metropolen spielen (San Francisco, New York), sich aber Drehs vor Ort nicht leisten können. Respekt, wie perfekt und im besten Sinne unauffällig Hintergründe und Locations per Computer gefaked werden können:

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Film Funnies

Gepostet am 14. Februar, 2010 um 17:13 Uhr
Kategorien: Film Funnies.

halsweh

Star Trek: The Sexed Generation

Gepostet am 11. Februar, 2010 um 12:26 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.

Hab ich’s mir doch immer gedacht – alles Schweinkram:

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Kino: Lebenszeichen eines Sterbenden

Gepostet am 10. Februar, 2010 um 14:44 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Wir hatten das Thema bei der Avatar-Raubkopie ja schon, und nun wirft uns Blickpunkt Film ein paar Argumente zu, die ich gerne weitergebe: Das deutsche Kino hat im abgelaufenen Jahr grob 13 Prozent mehr Besucher gehabt, und über 22 Prozent mehr Umsatz gemacht. Der Anteil deutscher Filme/Produktionen stieg auf über 27 Prozent.

Interessant ist natürlich wieder die Argumentationsschizophrenie der Branche. Wenn es der Filmbranche mies geht, liegt es an Raubkopierern, Downloadern, oder den Spielekonsolen, die den jugendlichen Taschengeldverschwender vom Kinobesuch abhalten. Dagegen muss man was tun, Film ist schließlich Kulturgut, Arbeitsplätze, etc.

Und was sagt FFA-Vorstand Peter Dinges nun, da die Umsätze deutscher Filme steigen? Ist es ein Sieg im Kampf gegen kulturelle Verlotterung, ein Erfolg gerichtlichen Vorgehens gegen Raubkopierer, ein Beweis, dass der Zuschauer tatsächlich kommt, wenn man ihm was zeigt, was er sehen will? Oder hat man sich schlicht geirrt, als man das Internet zum Zentrum des Bösen erklärte? Mitnichten: “Dies ist ein deutliches Zeichen für die gestiegene Vielfalt, Qualität und Professionalität der nationalen Filmwirtschaft”.

Aha.

Vielleicht sollte ich Herr Dinges daran erinnern, wenn der Umsatz wieder einbricht, und ihm dann die Frage stellen: “Ist das ein deutliches Zeichen für die gesunkene Vielfalt, Qualität und Professionalität der deutschen Filmwirtschaft?”

Spieglein, Spieglein, an der Wand…

Gepostet am 9. Februar, 2010 um 16:00 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.

… was ist das ausgelutschteste Horrorklischee im ganzen Land?

Tipp: Es ist nicht die “plötzlich” herbeispringende Katze:

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Einmal Kurzstrecke: Von der Yellow Press zum anspruchsvollen Online-Journalismus

Gepostet am 9. Februar, 2010 um 15:43 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Die Stimmen, die den SPIEGEL als “Sturmgeschütz der Demokratie” bezeichnen, werden leiser – und weniger. Besonders der Online-Ableger SPon muss sich häufig Schlabberigkeit bei der Themenauswahl und einen ungesunden Hang zum Boulevard nachsagen lassen. Kein Wunder, denn Klicks bringen Werbung, Werbung bringt Geld – und da darf es auch gerne mal eine Meldung über Hollywood-Starlets oder Promi-Brüste sein (samt Fotostrecke, versteht sich).

Ich habe damit gewöhnlich kein Problem: Auch SPon muss leben, und Artikel, die mich nicht scheren, lese ich auch nicht. SPon ist seit mittlerweile 15 Jahren meine Startseite ins Internet.

Heute habe ich mich aber mal wieder richtig geärgert:

spiegel

Mein Problem an dem Artikel ist nicht das Thema. Soll SPon doch über das Liebesleid der Schwester von Britney Spears berichten, solange sie wollen – ich zahle nicht dafür,  und “wenn’s schee macht”…

Mein Problem ist die Übernahme aus einer Quelle, die sich selbst nur auf (ziemlich wahrscheinlich erfundene) Quellen beruft.

Basis des Beitrags ist diese Meldung bei people.com, in der ausschließlich “friends” und “sources” zu Wort kommen. Und ich habe ja schon mal ausführlich erklärt, wie solche Aussagen zu werten sind.

Jungs und Mädels von SPon, in aller Freundschaft: Klatsch ja, aber bitte auch dabei Spreu und Weizen trennen.

SPon übernimmt bedenkenlos die vagen Quellen – zweimal direkt, und zweimal unter Berufung auf People. Es geht nicht um das, was Jamie Lynn Spears getan hat, sondern getan haben soll. Was man so hört. Über drei Ecken.

Ärgerlich daran: Damit ist die Luftnummer von Meldung immerhin schon auf der Webseite von Europas größtem Nachrichtenmagazin angekommen, und nach den Spielregeln der Boulevard-”Stille Post” legitimiert.

Andere Medien können nun fröhlich nachziehen, ohne sich die Finger an der amerikanischen Klatschpresse schmutzig zu machen, denn: “Wie SPIEGEL online vermeldet…”.

Klingt doch gleich erheblich seriöser als “Wie ein angeblicher Freund der Familie PEOPLE verraten haben soll…”

NACHTRAG: Ein weiteres schönes Beispiel für die sorglose Weiterreichung von gelber an graue Presse findet sich heute auch bei Bildblog.

Kino-Kritik: “The Wolfman” (UPDATE!)

Gepostet am 9. Februar, 2010 um 12:22 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

wolfman-2009USA 2009. Regie: Joe Johnston. Darsteller: Benicio del Toro, Anthony Hopkins, Emily Blunt, Hugo Weaving

Story: Die Sorge um seinen Bruder treibt den Schauspieler Lawrence Talbot wieder zum Heimatsitz der Familie, Talbot Hall. Doch Ben ist tot, zerfleischt von einer Bestie. Nach weiteren Angriffen lässt sich kaum abstreiten, dass ein Werwolf die Gegend unsicher macht. Lawrence wird gebissen, und stellt fest, dass ein wesentlich älterer Werwolf ihn als Sündenbock missbrauchen will. Und bald ist wieder Vollmond…

Kritik: Machen wir uns nichts vor: aller Nostalgie zum Trotz war schon “The Wolf Man” von 1941 kein großer Wurf, und gehört nur sehr peripher zu den Universal-Klassikern seiner Ära. Die erste Hälfte ist der Film so nonchalant unverbindlich, dass es auch eine Komödie oder ein Krimi sein könnte, und wenn Meister Wolf dann endlich die sehr amerikanischen britischen Wälder durchstapft, wird es selten mehr als seicht albern. Zur Bedrohlichkeit des Monsters muss man nur wissen, dass beide Werwölfe des Films mit einem Spazierstock erschlagen werden – echten Terror stelle ich mir etwas zäher vor. Es braucht also keiner “Sakrileg!” zu schreien, weil sich Universal nach fast 70 Jahren entschlossen hat, den Heuler (har har) zu remaken.

Die Neuverfilmung “The Wolfman” stand lange Zeit unter keinem guten Stern – mehrere Regisseure sprangen ab, weil sie das von Universal verlangte Startdatum für illusorisch hielten. Schließlich sprang Joe Johnston in letzter Sekunde ein. Dann gab es massive Nachdrehs, um den Actionquotient aufzupeppen. Fast zwei Jahre verzögerte sich der Release, und Februar lässt nicht gerade auf große Hoffnungen seitens der Produktionsfirma schließen.

Zunächst einmal rechne ich dem Film an, dass er tatsächlich ein Remake ist, und keine freihändige “Neuinterpretation”: Der Plot ist in etwa gleich, er wurde nur um einen grundlegenden Konflikt erweitert (der zweite Werwolf), und die Personen wurden durch klarere Beziehungen stärker emotional aneinander gebunden. Das ist nicht nur legitim, das ist auch gut gedacht.

Nur leider ist gut gedacht nicht gleich gut gemacht, und die Straße zur Hölle bekanntlich gepflastert mit guten Absichten. “The Wolfman” ist ein schizophrener Film, der sich nicht entscheiden kann, ob er klassischer Grusel sein will, oder doch lieber Effekt-Spektakel, und mit vielen Dummheiten und hanebüchenen Detailfehlern ein Großteil der Zuschauersympathien verschenkt.

Über weite Strecken sieht “The Wolfman” zumindest gut aus. Der erste Akt ist durchaus stimmungsvoll, die Drehorte sind von Anfang an düster und bedrohlich (hier wurde ein Kardinalfehler des Originals nicht wiederholt), und Benicio del Toro gibt ein beneidenswert exaktes Faksimile von Lon Chaney jr.  ab, mit Nuancen von Chaney sr. aus gut einem Dutzend Gruselklassiker untergemischt. Der Werwolf wird lange Zeit nur für Sekundenbruchteile (durchaus effektiv) gezeigt, und die erstaunlich gute CGI bei anderen Kreaturen (Bär, Reh) lässt endlich mal auf eine souveräne Integration der Computereffekte hoffen.

Aber schon am Anfang fällt auch auf, dass die Figuren entsetzlich blass geschrieben sind, dass ihre Beziehungen kaum Drama enthalten, und dass Emily Blunt einfach nicht die nötige sinnlich-melancholische Ausstrahlung für einen solchen Film hat. Über weite Strecken ist “The Wolfman” ein pudriges Kostümdrama im Stil der BBC, bemüht, aber letztlich arg steif.

Damit könnte ich leben. Nicht jeder moderne Gruselfilm muss Bonbon-Kino sein, und als Antidot zum versofteten Twilight-Ringelrein begrüße ich jeden Versuch, dem Horror wieder etwas dramatisches Gewicht zu verleihen. Leider verlässt “The Wolfman” dieser Mut nach ca. 40 Minuten, und in einer an “League of Extraordinary Gentlemen” erinnernden Verfolgungsjagd durch London geht alle Ambition flöten, die CGI behutsam in die Handlung zu integrieren. Zehn Minuten lang regiert peinliches Spektakel, bevor der Film zu seinem deutlich naturalistischeren Ton zurück findet. Ich kann nur vermuten, dass es sich hierbei um den Part handelt, der um des Boxoffice-Potentials willen nachgedreht wurde.

Aber die Reshoots sind nicht das Grundproblem. Auch das, was in diesem uneinheitlichen Gebräu aus diversen Rewrites noch vom Skript zu erahnen ist, lässt nicht darauf schließen, dass “The Wolfman” jemals das Potential hatte, ein moderner Klassiker zu werden. Ich greife mal willkürlich drei Beispiele heraus:

- Lawrence Talbot träumt von seiner Kindheit, von Sommertagen mit dem Bruder und der Mutter. Was für ein Bild findet Johnston, um das zu illustrieren? Das dümmstmögliche Klischee: Ben und Lawrence rennen lachend in Zeitlupe in Matrosenkostümchen um einen Springbrunnen, während um sie herum Blüten im Sonnenlicht glitzern. Billiger und penetranter geht es nicht mehr.

- Die Tatsache, dass Lawrence den Werwölf töten will, der ihn gebissen hat, ergibt eigentlich ein logisches Ende: Nur durch die Unterbrechung der Blutlinie kann er vom Fluch befreit werden. Doch obwohl das Skript immer mal die Möglichkeit einer Rettung erwähnt, wird dieser elementare Aspekt des Werwolf-Mythos am Schluss nicht erwähnt oder bedient.

- Als Werwolf Lawrence London in Panik versetzt, ruft Inspector Abberline einem Kutscher zu: “Telegraphieren sie Scotland Yard – sie sollen Waffen ausgeben!”. Man stelle sich das mal praktisch vor: Der Kutscher findet des nachts tatsächlich ein geöffnetes Telegraphenamt, von dem er Scotland Yard kabelt: “Geben Sie Waffen aus!”. Was genau würde der Pförtner vom Yard, bei dem das Telegramm landet, damit wohl machen? Und wie lange würde das schätzungsweise dauern?

So verschwenden sich gute Schauspieler und ein beträchtlicher Produktionsaufwand an einen Film, der vielleicht eine gute Idee war, mit der dann aber niemand etwas anzufangen wusste. Hier haben viele Köche den Brei verdorben, und es fehlt die starke Hand eines Regisseurs mit Vision. Das Original von “The Wolf Man” war ein Kind seiner Zeit, und “The Wolfman” schafft es nicht, das zu wiederholen. Er wirkt anachronistisch und unbeholfen. Wenn man dem Thema nichts Neues hinzu zu fügen hat (wie es zum Beispiel “Wolf”, “Wolfen”, oder “Pakt der Wölfe” gelungen ist), was soll die ganze Mühe dann?

Fazit: Komitee-Kino der ganz eingebildeten und missratenen Sorte.

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UPDATE: Regisseur Joe Johnston hat mit Time Out ziemlich offen über die Produktionsprobleme des Films gesprochen – und wer nach diesem Artikel noch auf ein homogenes Kinoerlebnis hofft, dem ist nicht mehr zu helfen.

“Dr. Hope” – Teaser

Gepostet am 8. Februar, 2010 um 14:32 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

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Bildcopyright: Erika Hauri/ZDF

Ein Kommentator hat es ja schon erwähnt, und nun mache ich es offiziell: Am 19. März läuft auf arte mein Zweiteiler “Dr. Hope” komplett, am 22. und 24. März zieht dann das ZDF nach. Zur gleichen Zeit kommt die DVD.

Treue Leser werden sich erinnern – an “Dr. Hope” habe ich satte sechs Jahre gearbeitet, und ich bin mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Der Zweiteiler (unter der Regie von Martin Enlen) ist toll geworden.

Ich werde in den nächsten vier Wochen vor der Ausstrahlung viele Bilder, Produktionsberichte, Biographien, und Interviews veröffentlichen, die mir das ZDF freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Da sind ein paar sehr interessante Sachen dabei, und ich hoffe, ihr werde dafür genau so viel Begeisterung aufbringen wie für meine anderen Arbeiten.

Zum Start verweise ich jetzt aber erstmal auf das, was es hier zum Thema in den letzten Jahren bereits gegeben hat:

Hopes Münchner Haus im Wandel der Zeit

“Hope” bekommt Filmförderung

“Hope” heißt Hoffnung

Set-Besuch bei “Dr. Hope”

Der Roman zu “Dr. Hope”

“Dr. Hope” – erste offizielle Bilder

“Dr. Hope” auf dem Münchner Filmfest