Karma reloaded: Wortvogel is back!

Gepostet am 30. Januar, 2010 um 16:14 Uhr
Kategorien: Neues, Privates.

12.000 Meilen, davon 2000 mit dem Auto, neue Outfits, mehrere Länder, unendlich viele Menschen, unendlich viele neue Eindrücke, und am Ende ein Glückskeks mit dieser ungewöhnlich konkreten Botschaft:

keks

Meine (verspätete) Meinung: Avatar

Gepostet am 26. Januar, 2010 um 05:05 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

avatar-james-cameronAuf meiner weiten Reise durch die Welt bin ich nun endlich dazu gekommen, mir “Avatar” anzusehen, und zwar so, wie er gesehen werden sollte: im Originalton, mit digitaler Projektion, in 3D, mit Publikum, und auf einer mörderisch großen Leinwand.

Weil Christian in seiner Besprechung schon vieles abgehakt hat, werde ich mich nicht mit Fragen von Produktion und Inhalt aufhalten. Dürfte ja soweit auch alles schon bekannt sein. Es geht hier nur noch um meinen ganz persönlichen Eindruck. Und der ist zutiefst gespalten.

Der Film ist ein Monster. Angetrieben von einem Monster-Ego. Er ist genau die Sorte von bizarrem Exzess, den man von einem genuinen Meister der Form erwartet, der seinen eigenen Weltrekord in fortgeschrittenem Alter noch einmal übertreffen will, ja übertreffen muss. An keiner Stelle ist “gut” gut genug – die Vorgabe ist immer “mehr”, “schneller”, “bunter”, “breiter”. Mit vielen Ausrufezeichen.

Es ist Camerons immer noch einzigartiger Beherrschung des Mediums zu verdanken, dass er sich dabei nicht im totalen Effekt-Overkill verstolpert. Auch in den brachialsten Actionszenen zeigt er sein trainiertes und perfektioniertes Gespür für Choreographie und Timing, das z.B. George Lucas bei den Prequels, und Michael Bay bei so ziemlich allem abgeht. Da sitzt jeder Insert, ist jeder Frame exakt geplant. Wie bei “Aliens”, “Terminator” – Cameron ist eine Regie-Maschine, und um mit “Inner Space” zu sprechen: Die Cameron-Maschine hat null Defekte.

Definiert “Avatar” damit die Möglichkeiten des SF-Films neu, wie es z.B. “Matrix” tat? Nein. Zwar ist die Menge der Effekte beeindrucken, ihr Einsatz exzellent durchdacht, und ihre schiere Omnipräsenz überwältigend – aber nichts davon ist wirklich neu, und zum “game changer” fehlt dann in letzter Konsequenz auch die Perfektion: Zu oft ist CGI noch als CGI erkennbar, zu oft haben die Figuren von der Festplatte bei schnellen Bewegungen zu wenig Gewicht, und sind jederzeit als virtuell spürbar. In seiner völligen farblich übersättigten Künstlichkeit hat der Planet Pandora manchmal sogar den unangenehmen VR-Beigeschmack eines Xbox360-Shooters.

Dass die Darsteller angesichts ihrer meist kompletten Digitalisierung im allgemeinen Rummel nicht groß auffallen, ist verständlich. Weniger verständlich ist, wie Sam Worthington in kurzer Reihenfolge die Hauptrollen in “Terminator:  Salvation”, “Avatar” und “Clash of the Titans” einsacken konnte. Wenn ihm im Verlauf der Handlung Haare wachsen, sieht er immer mehr wie ein zu muskulöser Ben Affleck aus – und er spielt auch nicht sonderlich inspiriert. Sein Avatar irritiert mich, weil er an Woody Harrelson erinnert. Nennenswert in der CGI-Performance erscheint mir nur Zoe Saldana, die am meisten aus den blauen Pixeln quetscht, was noch als “Schauspielerei” durchgeht.

Nun habe ich keine Probleme, mir fast 3 Stunden lang State of the Art-Effekte in 3D anzuschauen, mit geradezu affiger Detailverliebtheit in groß angelegten Action-Sequenzen. Aber wie schon in “Titanic” zeigt Cameron einen massiven Widerwillen, in der Konstruktion der Geschichte über das Mindestmaß hinaus zu gehen. Das ist im besten Fall praktikabel, im schlimmsten Fall aber peinlich.

“Avatar” ist “Lederstrumpf”, “Shogun”, “Der Smaragdwald”, “Pocahontas”, “Der Mann, den sie Pferd nannten”, “Der mit dem Wolf tanzt”, “Outlander“, und jeder andere Film, in dem (grob gesagt, es gibt Variationen) ein vermeintlich überlegener zivilisierter Charakter (gerne verletzt) bei einem vermeintlich primitiven Stamm landet, dessen Kultur annimmt, die schöne Häuptlingstochter flachlegt, sich vor dem besten Krieger beweisen muss, und am Ende den Stamm gegen seine eigenen Leute führt, weil er deren Rücksichtslosigkeit erkannt hat.

Auffällig scheint mir in diesem Zusammenhang “Terra“, der dieselbe Idee hatte, aber wenigstens den Mut aufbringt, nicht alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu schnitzen – dort wird etabliert, dass die Menschheit praktisch keine andere Wahl hat, als Terra zu plündern. Bei Cameron wird eine solche Motivation gar nicht erst versucht. Die Menschen sind halt böse. Buh-fucking-huh.

Schlimm ist es demnach nicht, so eine 0815-Story zu erzählen, besonders nicht bei einem Film, der mit vielem, aber nicht einem ausgereiften Plot zu begeistern versucht. Auch “Titanic” war als Love Story kaum mehr als eine dünne Hülse. Ermüdend ist aber, dass Cameron so gar kein Interesse hat, die Geschichte wenigstens minimal zu variieren – was sich ja wirklich anböte, wenn man sie schon auf einen anderen Planeten verlegt. Er hakt die einzelnen Plot Beats geradezu gelangweilt ab, und selbst die emotionalen Momente sind nie mehr als Mechanik, eine Fortführung des Films von A nach B, von B nach C, etc..  Jede Folge der ersten Staffel von “Battlestar Galactica” ist mitreißender – und ich habe genug Kampfszenen in “Babylon 5″ gesehen, deren Ausgang mir mehr Sorgen machte. Es ist alles zu vorhersehbar, bis in die einzelnen Dialoge und Konflikte.

Hinzu kommt, dass Cameron die altbekannte Geschichte mit den durchweg blassen Protagonisten um Randfiguren erweitert, die sich in seinem Oeuvre sein 30 Jahren nicht verändert haben – Selfridge ist Burke aus “Aliens”, Chacon ist Hernandez, Sully ist Hicks, etc. Das Militär ist böse und korrupt, steckt mit der Regierung und den Großkonzernen unter einer Decke, für das Ziel der totalen Ausbeutung ist jedes Menschenopfer akzeptabel, etc. pp. So beeindruckend Camerons technische Vorreiterschaft ist – so sehr stagniert seine Entwicklung als Autor. Und es schert ihn augenscheinlich nicht.

Und damit kommen wir zu dem, was mich an “Avatar” nicht nur gestört, sondern regelrecht wütend gemacht hat: Dieser New Age-Chavinismus, nach dem ein Haufen elender Baumtänzer in jeder Beziehung die moralische Überlegenheit hat, weil er “in Einklang mit der Natur” lebt. Es ist die hässliche Fratze des Selbsthasses, der unsere Kultur spätestens seit den 60ern in Wellen immer wieder durchläuft. Wir sind seelenlose Killer, die für behauptete Reichtümer die eigene Existenzgrundlage vernichten. Keine neue, und in ihrer Simplizität auch keine stimmige Message. Cameron will uns weismachen, dass doch alles in Gut und Böse unterteilbar ist, und die Maschine niemals die menschliche Spiritualität ersetzen kann – im Prinzip genau der Gedanke, an dem sein Film erzählerisch scheitert, weil er neben der hochgezüchteten Technik eben keine nennenswerten gedanklichen Fortschritte bietet. Die Macht der Maschine ist seelenlos – das gilt für Pandora wie für “Avatar”. Isn’t it ironic?

Die simple “Noble Savage”-Plotte mit der Öko-Botschaft ist in einem Maße penetrant, unaufrichtig, und folgenlos (was hält die irdischen Streitkräfte davon ab, Pandora nach dem Aufstand einfach zu Klump zu bomben?), dass ich mitunter vermuten musste, Cameron halte seine Erzählung aus blankem Zynismus auf Kindergarten-Niveau – je einfacher, desto mehr Raum bleibt für seinen technischen Achterbahnritt. Dazu passt auch der Soundtrack von James Horner, der ungesund zwischen Bombast, Ethno-Drums, und Enya-Versatzstücken umher rudert.

Zu der ganzen weichgespülten Erzählung passst dann auch die fortschreitende pussification of James Cameron: “Avatar” ist bei aller Action geradezu albern gewaltfrei, der einzig nennenswerte Tod (des Häuptlings) geschieht fast nur im Augenwinkel des Zuschauers. Und die “Sexszene” ist ungefähr so erotisch wie Tara Reids Gehopse auf Christian Slater in “Alone in the Dark”. Ein PG-Rating sah noch nie so verlogen aus.

Ich verwehre mich übrigens gegen Christians präventiven Vorwurfe, Kritik an der Welt, der Philosophie, und der Geschichte “Avatars” sei typisch für den Zynismus und den Flachwitz der “modernen Generation”. In meinen Augen verlangt “Avatar” zum vollen Genuss nicht “einlassen”, sondern “doof stellen”. Die Öko-Moral mögen 12jährige knorke finden, und es mag sie inspirieren, sich Gedanken über die Plünderung unserer Ressourcen zu machen – aber wenn jetzt erwachsene Menschen sich als Na’Vis anpinseln, und künftig in einem “Hometree” leben wollen, dann sehe ich die Infantilisierung der postmodernenen Gesellschaft auf einem neuen, destruktiven Höhepunkt. Ich dachte immer, Hippies gehen nicht ins Kino.

Was macht “Avatar” dann aber zum erfolgreichsten Film aller Zeiten? Da bin ich überfragt. Vielleicht ist es wie oben angedeutet: Die Message, dass der Mensch zu seinen Wurzeln zurückfinden muss, kommt in Wellen (60er, 80er), und spricht eine Ursehnsucht an, die über das rationale Verständnis weit hinausgeht. So dünn die Botschaft ist (letztlich etwa wie “Make love, not war”), so massenkompatibel ist sie genau deshalb auch. Ihre Naivität macht sie kritikresistent, und sie krault geschickt der Furcht des reptilischen Gehirns vor der Vernichtung die Eier. Niemand kann das von Cameron postulierte Dilemma ernstnehmen – und doch will jeder glauben, dass die elementaren Dinge so einfach sind. Mein Freund, der Baum.

Das Wespennest, dass Cameron auch explizit lebensbejahende Religiösität gegen destruktiven Atheismus setzt, lasse ich jetzt mal ungeöffnet, weil ich den Film hätte ernstnehmen müssen, um mich darüber zu ereifern.

Kommen wir zum Fazit, denn meine Reise ruft mich, und die Maid klopft schon an das Hotelzimmer:

“Avatar” ist ein Showcase, mit dem Cameron zeigen will, was heutzutage möglich ist, und was die nächsten 20 Jahre bringen können. Und wie für einen Showcase üblich, hält er seine Ware laut schreiend und wedelnd vor die Kamera: “Alles neu! Alles besser! KAUFEN! KAUFEN!”. Er produziert das, was in der Hiphop-Kultur “bling” genannt wird. Es ist nicht auf Nachhaltigkeit produziert, sondern mit dem erklärten Ziel, ein instinktives “wow” zu provozieren.

Tja, aber an manchen Stellen war mir die dezente, aber durch und durch hochkarätige Wertarbeit in “District 9″ tatsächlich lieber, denn sie zeigt Möglichkeiten der SF in einer ganz anderen, storygebundenen Richtung auf.

“Avatar” ist dennoch ein sehenswerter und perfekt durchgeplanter Trip, ein Spektakel um des Spektakels willen, von genau dem Regisseur, der wie kein zweiter für so ein Projekt prädestiniert ist. “Avatar” reißt mit, begeistert, lädt zum fliegen ein. Wie bei keinem anderen Film habe ich mich im Kino gefragt: “Wie soll dieses Erlebnis auf DVD reproduzierbar sein?” Kino um des Kinos willen, mit Leidenschaft und Spielfreude. Bis das Licht wieder angeht, und der Vorhang fällt. Dann sollte man tunlichst vermeiden, das Gesehene über das Bauchgefühl hinaus zu überdenken.

Eine Frau im Kino fasste es deutlich simpler, aber nicht weniger zutreffend zusammen: “Eine Melange aus Cirque du Soleil und Winnetou 1-3.”

Film Funnies

Gepostet am 21. Januar, 2010 um 17:59 Uhr
Kategorien: Film Funnies.

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Movie Mania Minis (19)

Gepostet am 19. Januar, 2010 um 00:34 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Sky Crawlers

Japan, 2008. Regisseur: Mamoru Oshii.

the-sky-crawlersInhalt: In einer nicht näher erklärten Parallelwelt ist der Krieg auf Konzerne verlagert, die ihre Luftkämpfe von genetisch gezüchteten Kinderpiloten austragen lassen. Kannami wird auf eine Basis der Rostock Corporation versetzt, wo er sich in die Flugleiterin Kusanagi verliebt, ebenfalls ein “Kildren”. Mehr und mehr wird Kannami klar, dass er zu seinem Vorgänger, einem verstorbenen Piloten, eine mehr als psychische Verbindung besitzt…

Kritik: Dankt mir für die Zusammenfassung. Das, was ich da oben als Plot beschrieben habe, ist das, was man sich nach geschlagenen zwei Stunden als Zuschauer mühsamst zusammen reimen kann – wenn man denn wach geblieben ist. Ich kenne nur wenige Filme, die sich to träge und vage einer klaren Narrative verweigern, deren Figuren so stumm und apathisch bleiben. Es mag sein, dass im Roman von Mori Hiroshi erheblich genauer auf die Details eingegangen wird – auf der Leinwand ist davon allerdings nichts angekommen.

Nicht nur die konkrete Geschichte und die Personen bleiben nebulös – auch die gesamte Welt, in der “Skycrawlers” spielt, ist kaum über Chiffren hinaus definiert. Wo spielt die Handlung? WANN spielt die Handlung? Wer gegen wen? Was ist Sinn und Zweck eines Krieges, der scheinbar nur aus vereinzelten Luftkämpfen besteht, und jenseits der Politik stattfindet? Wieso rauchen die Kildren alle Kette? Es ist eine fremde, kalte Welt, die wir nicht verstehen können – und die uns deshalb auch nicht im Geringsten schert.

Nachdem der Film sich 90 Minuten lang konsequent weigert, irgendwas zu erklären, werden die gesamte Backstory und der emotionale Aufhänger dann in den letzten 20 Minuten dem Zuschauer in zwei groben, statischen Packen Exposition vor die Füße geworfen. Friss oder stirb. Da sterbe ich lieber.

Diese ganze lähmend diffuse Erzählweise wäre als Realfilm schlimm genug – als Trickfilm ist sie unerträglich. Simpelst gezeichnete Figuren ohne Details, die zehn Sekunden lang aus dem Fenster starren, ohne dass sich im Frame IRGENDWAS bewegt – das ist schon provozierend lethargisch. Die attraktivste 2D-Animation gehört dann auch passenderweise dem Basset Hound der Basis, dem mit Abstand lebendigsten Charakter des Films.

Ich sage sowas immer ungern, aber: Das Ende ist eine bodenlose Frechheit. Die Geschichte wird nicht beendet, sie hört einfach auf. Klappe zu, Affe tot. Keine Erklärungen, keine emotionalen Abschlüsse, gar nichts. Eine “post credits”-Sequenz setzt einfach wieder alles auf Anfang.

All das ist umso enttäuschender, da “Skycrawlers” nicht nur ein an sich spannendes Konzept spazieren trägt, sondern in der technischen Umsetzung hart an der Grenze zum Meisterwerk vorbei schrammt. DIe Figuren mögen detailarm sein, aber ihre Animation ist geradezu erschreckend flüssig. Simple Vorgänge, wie das Absteigen von einem Motorroller, oder das Falten einer Zeitung, haben eine hypnotische Wirkung, einfach weil sie so real wirken. Gegenstände, Hintergründe, Fahrzeuge – anhand von Referenzbildern wurde alles liebevoll gestaltet, mit geradezu manischer Perfektion.

Und die Luftkämpfe! Grundgütiger, diese Luftkämpfe! In dem Moment, wenn die Piloten von der Basis abheben, explodiert die Dramaturgie, springt “Skycrawlers” aus dem Koma in hyperaktive Action, die wirklich sehenswert ist. Komplett in CGI (bis auf die Piloten), zieht eine “mittendrin statt nur dabei”-Choreographie den Zuschauer ins Geschehen, wie ich es in den letzten Jahren nur bei “Battlestar Galactica” erlebt habe. Man hat das Gefühl, die 3D-Abteilung habe einen ganz anderen Film machen wollen, als die Zeichner der 2D-Drama-Sequenzen. Was “Skycrawlers” an Dogfights bietet, ist mehr als State of the Art – es definiert State of the Art für diesen Bereich.

Aber es hilft nicht: Letztlich quält man sich durch die emotionslosen Dialoge der ausdruckslosen Charaktere, um alle 20 Minuten mal ein Bonbon in Form eines Luftkampfes hingeworfen zu bekommen. Und das KANN nicht genug sein.

Fazit: Eine unsäglich fade “Wings of Honneamaise”-Variante, die sich in Parallelwelt- und Psycho-Details verliert, und dafür ungefähr eine Stunde zu lang ist. Es lohnt sich aber, die DVD auszuleihen, um sich zu den einzelnen Luftkämpfen durchzuspulen.

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Film Funnies

Gepostet am 17. Januar, 2010 um 18:50 Uhr
Kategorien: Film Funnies.

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Movie Mania Minis (18)

Gepostet am 17. Januar, 2010 um 09:34 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Paranormal Activity

USA 2007. Regie: Oren Peli. Darsteller: Micah Sloat, Kathie Featherston

paranormal_activityInhalt: Micah und Katie ziehen erstmals zusammen, in ein großes Haus im amerikanischen Suburbia. Doch es stellt sich schnell heraus, dass Katie seit ihrer Kindheit paranormale Ereignisse anzieht, und Micah schafft eine Videokamera an, die das nächtliche Geschehen dokumentieren soll. Was als Klopfzeichen und Schritte auf der Treppe beginnt, steigert sich schon bald zu unbestreitbaren okkulten Attacken, die das Pärchen um den Schlaf bringen. Auch ein “Experte” sieht sich überfordert, und ein Umzug kommt nicht in Frage – das “Böse” würde Katie immer folgen…

Kritik: “Paranormal Activity” ist der “Blair Witch Project” des Jahres 2009: unglaubliche 200 Millionen Dollar hat der gänzlich mit einer handelsüblichen Videokamera aufgenommene Film eingespielt – bei einem Budget von gerade mal 5000 Dollar. Es gibt keinen Soundtrack, keine nennenswerten Effekte, keine wirklichen “Schauspieler”: Wir sehen nur, was die Videokamera von Micah sieht. Besonders in der ersten Hälfte sind das viele körnige Aufnahmen eines geschmacklosen “Von der Stange”-Vorstadthauses, in dem ab und an mal eine Tür aufschwingt. All das, wofür man normalerweise Eintritt bezahlt, verweigert “Paranormal Activity”. Es ist eher ein filmisches Experiment, Konzept-Kino, Dogma als Horrorfilm.

Ich bin massiv gespalten, was meine Meinung zu dem Streifen angeht, und das kommt ja wahrlich selten vor. Einerseits hat “Paranormal Activity” kaum mehr zu bieten als diese unsäglichen “Ghost Hunters”-Shows auf amerikanischen Kabelsendern. Viel Buhuu um nix, und das noch dazu erschreckend banal umgesetzt. Sowas gehört eigentlich nicht ins Kino – und wenn doch, dann sollte es verdienstvolle 20 Millionen Dollar einspielen, aber keine 200. Wo kommen wir denn da hin?

Andererseits lässt sich kaum bestreiten, dass “Paranormal Activity” gerade dank seiner Reality-Technik nach einer schwachen ersten Hälfte eine beeindruckende Sogwirkung entwickelt, und man bis zum Schluss durchaus gebannt dran bleibt. Spannung wird hier nicht durch hektische Schnitte oder schockierende Effekte erzeugt, sondern durch genuin gruselige Momente, wenn z.B. Katie schlafwandelnd aufsteht, und wir im Schnellvorlauf sehen, dass sie den schlafenden Micah anstarrt – stehend, still, im dunklen Schlafzimmer, zwei Stunden lang. Es ist die Erzeugung einer Art von Gänsehaut, die der aktuelle Horrorfilm so gar nicht kennt.

Weil die Schauermomente dünner gesät sind, als man gewohnt ist, verdient Regisseur Peli Lob dafür, auch den Zerfall der Beziehung von Micah und Katie so subtil, aber dennoch eindringlich eingefangen zu haben. Das Pärchen wirkt absolut authentisch, ohne gleich langweilig zu sein.

Letztlich kann ich “Paranormal Activity” etwas experimentierfreudigen Horrorfans durchaus empfehlen – auf DVD, nicht im Kino. Außerdem glaube ich, dass jede Synchro den Reality-Effekt komplett zunichte machen wird. Originalton ist also ein Muss.

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Movie Mania Minis (17)

Gepostet am 12. Januar, 2010 um 00:33 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Trick’r'Treat

USA 2007. Regie: Michael Dougherty. Darsteller: Leslie Bibb, Tahmoh Penikett, Lauren Lee Smith, Anna Paquin, Brian Cox

trick-or-treatInhalt: Warren Valley, Ohio, an Halloween. Im Verlauf einer Nacht überschneiden sich immer wieder verschiedene grausige Vorgänge okkulter Natur: Ein knurriger Rentner wird von einem Kürbis-Monster heimgesucht, ein Schuldirektor entledigt sich eines unverschämten Kindes, ein paar Teenager suchen Dates für eine ganz spezielle Party, und ein Pärchen stellt fest, dass man Halloween nicht folgenlos verfrüht für beendet erklärt…

Kritik: Wieder so ein Film, der im Internet einen sehr gemischten “buzz” erzeugte. Eine Weile lang wurde “Trick’r'Trick”, sicher auch wegen Bryan Singer auf dem Produzenten-Stuhl, sehr gehyped, obwohl das Studio Warner Brothers ihn hatte fallen lassen. Nach ersten Screenings erklärten ihn einige Internet-Buzzer dann für ziemlich banal. Wie im Fall von “Across the Universe” stimmt beides – allerdings nur dann, wenn man es kombiniert.

Zuerst einmal sollte man sich klar machen, dass “Trick’r'Treat” kein Hardcore-Horror sein will. Es ist ein episodischer Gruselfilm im Stil von “Creepshow” oder “Tales from the Crypt”, der Mädchen zum Kieksen, und Jungs zum Grinsen bringen soll. Nervenzerfetzende Spannung oder großes Erzählkino ist nicht zu erwarten. In seiner ironischen, aber gänzlich unzynischen Einstellung erinnert der Film an “Night of the Creeps”, “Monster Squad”, und “Gremlins”. Das ist erfrischend, und für alte Säcke wie mich fast schon nostalgisch – aber man muss sich eben auch darauf einlassen.

Bis auf einen verunglückten Monster-Effekt ist “Trick’r'Treat” technisch auf sehr hohem Niveau, mit warmer, dreidimensionaler Kameraarbeit, kompetent geschnittenen Effekt-Sequenzen, und sympathisch symphonischer Musik. Die allesamt soliden Darsteller rekrutieren sich vollständig aus dem kanadischen Bereich, und wieder einmal fällt Anna Paquin positiv auf. Vielleicht wäre es ratsam gewesen, ihren Part zu einer Art Rahmengeschichte auszubauen, um den Film mehr zu klammern.

Natürlich schadet dem Film ein wenig, dass es keine durchgehende Hauptfigur gibt, dass einige Episoden überhaupt keine klar definierten Protagonisten haben, und dass die achronologische Erzählweise keine dramaturgische Finesse ist, sondern den Flow mitunter arg stört. Das sind alles Fehler, aber keine fatalen.

Fazit: DVD-Futter für den wohlwollend eingestellten Gruselfan, das auch die Freundin genießen kann. Gewinnt an oder um Halloween herum noch einmal deutlich.

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Was ich nicht mit in den Urlaub nehme

Gepostet am 9. Januar, 2010 um 14:39 Uhr
Kategorien: Bücherregal, Neues.

Eine meiner ersten Aktionen, um meinen Geek-Status zu reanimieren, und mein Seelenheil zu retten, war die Bestellung eines Haufens toller Bücher – obwohl ich mindestens drei bis fünf Haufen toller Bücher hier stehen habe, die sicher auch mal gelesen werden wollen. Sei’s drum.

Leider hat mich die DHL-Webseite davon in Kenntnis gesetzt, dass ich nicht mehr damit rechnen soll, die Bücher zeitig zur Abreise überreicht zu bekommen. Sie stehen also, dunkel eingepfercht in kratzigem Karton, bis zu meiner Rückkehr rum. Ärgerlich.

Wenigstens kann ich sie euch hier kurz vorstellen – vielleicht springt der eine oder andere ja drauf an.

hellofitallDen Anfang macht – und das zu Recht! – Charlie Brooker. Mein liebster TV-Zynist (sorry, Niggemeier, sorry, Sixtus, sorry, Kalkofe) hat nach “Screenburn” und “Dawn of the Dumb” seine Kolumnen zum dritten Mal zwischen Pappdeckel gepackt, und nichts eignet sich besser als Badewannenlektüre. Man hat was zu lachen, zu lernen, und zu lästern – das sind ja gleich drei Dinge auf einmal. Das geht. Zwar gibt es die Kolumnen auch online, aber ich habe Angst, mein Notebook könnte nass werden. Und 5,56 Pfund ist ein Schnäppchen.

badscienceBen Goldacre ist ein Kollege von Charlie Brooker, seine “Bad Science”-Kolumne ist ebenfalls online. Bei Ben geht es um Wissenschaft, Skeptizismus, und einen generellen Respekt vor dem gesunden Menschenverstand. 3,82 Pfund? Meins!

Der aufmerksame Leser merkt: “The Guardian” tut sich durch gute Beiträge hervor, und während meines Ibiza-Arbeitsurlaubs konnte ich mich davon anhand der gedruckten Ausgabe überzeugen. Man fühlt sich an “Die Woche” erinnert, jenes wunderbare Blatt, dem ich noch heute so manche Träne nachweine.

mitchellwebbIch liebe die Sketchshow “That Mitchell & Webb Look”, ich liebe die Radio-Sendung “That Mitchell & Webb Sound”, ich liebe die Sitcom “Peepshow” von Mitchell & Webb – welche gute Entschuldigung könnte ich vorbringen, “This Mitchell & Webb Book” nicht im Schrank zu haben?! Noch dazu für 7,10 Pfund. Die beiden Jungs sind das beste Comedy-Team, das mir derzeit bekannt ist, und ihre Show ist die einfallsreichste seit “A bit of Fry & Laurie”.

badmagsVon “Bad Mags”, einem erschöpfend recherchierten Kompendium zum Thema “fragwürdige Publikationen”, hätte ich natürlich zuerst gerne Band 1 gehabt. Aber der ist nicht nur schon vergriffen, sondern als Rarität richtig teuer. Wenn das keine Empfehlung ist. Band 2 ist mit 11,33 Pfund das teuerste Buch im Paket, aber immer noch kein Luxusartikel. Ich bin halt ein Sucker für dicke Bücher, die mir komplexe Themen vergleichsweise verdaubar zusammenfassen. Dann kann man auf Partys mit Zweitehand-Wissen prahlen, ohne dass es wer merkt.

cinemasewerManchmal weiß ich nicht genau, was mich bei einem Buch erwartet, aber ich bin bereit, mich teasen zu lassen. Zum Beispiel von Untertiteln wie “The Adults Only Guide to History’s Sickest and Sexiest Movies!”. Darum landete auch “Cinema Sewer” auf meinem Bestellzettel. Warum Band 2? Keine Ahnung, da habe ich mich wohl verklickt. Ob das Buch dem Hype gerecht werden kann, bleibt abzuwarten. Es wird sich auf jeden Fall gut im Regal neben den diversen Mondo- und Cinema Bizarre-Bänden machen, die dort rumstehen. Vielleicht freunden sie sich auch an.

trashfiendEbenso locken lassen habe ich mich von Titel und Cover-Artwork von “Trashfiend: Disposable Horror Culture of the 1960s and 1970s”. Das muss man einfach mögen. Sollte mir der Band doch nicht zusagen, schenke ich ihn Harald Dolezal, oder verlose ihn an dieser Stelle. Macht euch allerdings keine zu großen Hoffnungen. Bei vielen Büchern ist es nämlich so, dass ich sie liegen lasse, bis meine Geek Credibility aufgeholt hat, und ich durch schockierend schlechte Filme in die Lage versetzt wurde, den Inhalt erst richtig zu würdigen.

Alles zusammen ziemlich exakt 45 Pfund, plus ein paar Krümel für den Versand. Gute Ausbeute, wie ich finde. Wenn jetzt Stephen Thrower mit dem lange versprochenen zweiten Band des exzellenten Schinkens “Nightmare USA” in die Pötte kommt…

Ich möchte gar nicht wissen, welche Rückschlüsse diese Auswahl zulässt…

Film Funnies

Gepostet am 8. Januar, 2010 um 22:13 Uhr
Kategorien: Film Funnies.

schatz

Der “A-Team”-Trailer: Hurra! WTF?

Gepostet am 8. Januar, 2010 um 20:23 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Bitte GANZ gucken:

http://www.vimeo.com/8616405

Wie ist das möglich? 90 Sekunden lang treffen die Macher Ton, Look, und Style des A-Teams so genau, das man schon zweimal hinschauen muss, um zu erkennen, dass es ein Remake ist. Es wirkt tatsächlich, als hätte Hollywood endlich mal kapiert, dass das Publikum keine Parodien oder “Neuninterpretationen” von alten TV-Serien will, sondern respektvolle Updates.

Und dann vergeigen sie es in der letzten Szene mit einer Sequenz, die so blöd und schlecht gefilmt ist, dass meine Begeisterung kurz “kieks!” machte, und nun wimmernd unter der Spüle liegt.

Zur Lage der Nation

Gepostet am 8. Januar, 2010 um 17:49 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues, Privates.

Wortvogel bei einer Senfprobe

Es ist einigen von euch sicher aufgefallen – zumindest in den letzten vier Wochen hat es wenig wirklich diskussionswürdige Beiträge hier gegeben. Ich habe euch nicht nennenswert Frohe Weihnachten gewünscht, das Neue Jahr ohne retrospektives Feuerwerk eingeleitet, und meine große Überprüfung der “Prophezeiungen 2009″-Show steht auch noch aus. Von der Idee, 250 Filme in dem Jahr zu besprechen, musste ich mich schon im Oktober verabschieden. Wann habe ich das letzte mal einen Uwe Boll-Film zerlegt? Ich weiß es nicht.

Keine Sorge, mir ist nicht langweilig geworden, und ich werde dem Wortvogel auch nicht den spirreligen Hals umdrehen.

Es war nur einfach… zuviel.

Nach einem aus verschiedenen Gründen eher deprimierenden ersten Halbjahr machte ich im zweiten Halbjahr 2009 den Fehler, mich in zwei Dutzend Projekte gleichzeitig zu stürzen, um das auszugleichen. Romane, Moderationen, Drehbücher, Reportagen, Seminare. Ich habe alles “on time and on budget” abgeliefert. Egal wie. Und zu welchem Preis.

Nur ist dabei meine Freizeit auf der Strecke geblieben, mein Privatleben, meine Gesundheit. Ich komme kaum noch dazu, Bücher zu lesen, Filme zu schauen, Freunde zu treffen, Beiträge zu schreiben – Grundgütiger, oder wenigstens mal eine halbe Stunde lang die Wand anzustarren! Ich ernähre mich ungesund, lasse meine Fitnessstudio-Mitgliedschaft schleifen, und huste gefährlich viel. Heiligabend war ich krank, und habe als Bescherung in ein Waschbecken gekotzt. Schön war das nicht.

Ich war immer stolz darauf, sehr selbstbestimmt zu leben. Wenn ich morgens nichts aufstehen will, muss ich auch nicht. Wenn mir die neue Folge “Bones” wichtiger ist als mein Arbeitspensum, dann ist das halt so. Und wenn ich bis drei Uhr in der Früh “QI”-Folgen durchnudel, steht mir das frei.

Das habe ich verloren. Ich war in den letzten sechs Monaten fremdbestimmt, habe oft nur noch “funktioniert”, und das meistens auf Reserve. Deadlines, Deadlines, Deadlines. Ich hatte nicht einmal mehr die Kraft, mich aufzuregen – ging was schief, habe ich mit den Schultern gezuckt, und gemurmelt: “Klar, warum nicht das auch noch? Sicher”. Ärger mit der Wohnung in Düsseldorf? Ein Virus macht meinen Rechner platt? Die Putzfrau kündigt? Meine Küchenuhr fällt krachend von der Wand? Ist doch jetzt auch egal.

Natürlich habe ich damit 2009 ganz gut verdient, und mir viele Möglichkeiten für 2010 aufgemacht. Ich bin auch durchaus stolz auf einige der Sachen, die am Ende dabei rausgekommen sind (die Leipzig-Moderationen, die LandIdee-Artikel, der neue Nibelungen-Band). Es stehen auch noch spannende Sachen an. In den nächsten Monaten erscheint der neue Roman, und mein Zweiteiler “Dr. Hope” wird endlich im Fernsehen ausgestrahlt. Das macht mich glücklich – und es schließt das Projekt nach unglaublichen sechs Jahren ab.

Aber so kann es nicht weitergehen, das ist mir um den Jahreswechsel herum klar geworden. Noch so ein Jahr stehe ich nicht durch. Die Batterien sind alle, und bei einem Mann von 41 laden sie auch nicht mehr so schnell wieder auf wie bei einem Mann von 21. Ich muss haushalten lernen, und wieder mehr auf meinen Körper hören.

Ich fahre am Wochenende für zweieinhalb Wochen in Urlaub. Ich weiß noch nicht einmal, wohin. Es war keine Zeit, groß was auszusuchen. Das entscheidet sich am Last Minute-Schalter. Ich nehme Bücher mit, Filme, Notebook, und eine Liste von Themen, die ich seit Ewigkeiten schon für mein Blog aufarbeiten wollte. Vor allem aber nehme ich den Vorsatz mit, zur Ruhe zu kommen. Einen weniger hektischen Blick zu finden. Die Uhr nicht mehr für den Feind zu halten.

Auch während des Urlaubs werde ich, sofern ich nicht auf einer Arktis-Station ohne Internet-Anschluss lande, Kontakt halten. Kinokritiken veröffentlichen (GI Joe, Der Typ vom Grab nebenan, Give em Hell Malone, The Road, Zombieland, Pandorum), Film Funnies (ich mag sie – rutscht mir doch den Buckel runter), Essays. Ich bin also weg, aber weiterhin da.

Der Urlaub kann nicht alle Probleme lösen, mich schwuppdiwupp wieder frisch und heiter machen. Soviel kann ich nicht verlangen. Aber er soll den Wendepunkt markieren.

2010 (das für mich offiziell mit einem Monat Verspätung beginnt) möchte ich dann einiges anders machen. Weniger arbeiten, serieller, nicht immer mit sieben Bällen gleichzeitig jonglieren. Ich möchte mich auf Projekte besser vorbereiten, und sie besser nachbearbeiten können. Ich will Dinge schreiben, für die ich keinen Auftrag habe, sondern die mir am Herzen liegen. Mal wieder ausloten, was ich noch so alles kann. Mich herausfordern. Besser werden. Anspruch leben.

Ich will kein neuer Mensch werden. Ich will wieder ganz der Alte sein.

Und dann bombardiere ich euch mit Beiträgen, dass euch die Ohren schlackern.

Kino-Kritik: Sherlock Holmes

Gepostet am 7. Januar, 2010 um 21:06 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

USA 2009. Regie: Guy Ritchie. Darsteller: Robert Downey Jr., Jude Law, Rachel McAdams, Mark Strong u.a.

SherlockHolmesPoster

Story: Sherlock Holmes überführt den adeligen Sektierer Lord Blackwood des mehrfachen Mordes. In der Todeszelle verspricht der charismatische Düsterling, auch nach seinem Ableben London in Angst und Schrecken zu versetzen. Und tatsächlich: Sein Geist scheint unaufhaltbar nach der Macht zu greifen. Holmes, der nicht an okkulte Vorgänge glaubt, braucht zur Lösung seines Falles natürlich Dr. Watson – der sich allerdings gerade verlobt hat, und eine radikale Trennung von seinem alten Freund anstrebt…

Kritik: Ich mache das extrem ungern, darum ziehe ich diese Kritik vor, um es hinter mich zu bringen…

Here goes:

Ich habe mich geirrt. Und ich habe mich noch dazu geirrt, weil ich meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden bin, und voreilig über etwas geurteilt habe, ohne genügend Fakten zu haben.

Wenn ihr euch erinnert, habe ich seinerzeit böse über den Trailer zu diesem Film hergezogen. Downey als Action-Holmes mit flotten Sprüchen und Faustkämpfen? Nur über meine Leiche.

Aber leider: Der Film entpuppt sich dann doch als ziemlich gut, und nicht halb so hysterisch wie die aufgejazzte Vorschau. Wo ich einen neuen “Wild Wild West”,”Van Helsing” oder “League of Extraordinary Gentlemen” fürchtete, liefert Guy Ritchie erstaunlich souverän einen Abenteuerfilm ab, der zwar auf keine Blockbuster-Ingredienz verzichtet, sich aber trotzdem nicht in überladenen Effektseqzuenzen verliert, sondern die Story und die Charaktere im Auge behält.

Natürlich ist “Sherlock Holmes” nicht “Dark Knight”, “Watchmen”, oder “Avatar”. Er ist pures Entertainment ohne Anspruch, eine flotte Fingerübung innerhalb des System, die an keiner Stelle versucht, das System zu durchbrechen. Hätte es kilotonnenweise CGI-Matte Paintings vom zeitgenössischen London gebraucht? MUSSTE das Finale auf der im Bau befindlichen Tower Bridge vor Greenscreen stattfinden? Kann es überhaupt eine Rechtfertigung geben, dass ein Holmes-Film über 100 Millionen Dollar kostet? Es sind so gerechtfertigte, wie letztlich sinnlose Fragen.

Was für mich zählt, ist die Tatsache, dass sich unter dem ganzen Schnickschnack, und hinter den ganzen schlauen Sprüchen, immer noch ein echter Sherlock Holmes-Film versteckt. Der größte Detektiv aller Zeiten löst seine Fälle am Ende immer noch mit Grips und brillanter Kombinationsgabe. Eine unzerstörbare, wenn auch nicht immer gesunde Freundschaft bindet ihn an Dr. Watson, und sein größter Feind ist die Langeweile, die seinen Intellekt quält, wenn er keine Nuss zu knacken hat. Dazu passt, dass die Story des Films tatsächlich sowas wie ein Mystery aufbaut, und von Anfang bis Ende halbwegs gut durchdacht ist. Hier ist das Drehbuch mal keine Entschuldigung, um die Wünsche von drei Dutzend Werbepartnern zu befriedigen. “Sherlock Holmes” mag nicht “Avatar” sein, aber er ist auch nicht “Transformers” oder “GI Joe”.

Neben der straffen Regie von Guy Ritchie, und einem Drehbuch, das nicht hektisch von Actionszene zu Actionszene springt, ist der Erfolg des Films sicher den beiden Hauptdarstellern zu verdanken. Wie ich bereits vermutet habe, spielt Downey tatsächlich so eine Art viktorianischen Tony Stark, und lebt ganz von seinem natürlichen Charme. Es ist hübsch anzusehen, wenn auch keine wirkliche Leistung. Herausragend ist allerdings (und wieder mal) Jude Law, der Downey in meinen Augen locker die Schau stiehlt. Sein Watson, knallhart, kopfgesteuert und pragmatisch, aber mit einer unterschwelligen Sehnsucht, ist sicher die rundeste Interpretation dessen, was gewöhnlich nicht mehr als ein amüsanter Sidekick ist. Die Beziehung der beiden Männer trägt den Film, und sie ist ungleich spannender und glaubwürdiger als Holmes’ doch sehr mechanisches Getue mit Irene Adler (eine bezaubernde, aber fehlbesetzte Rachel McAdams).

Ich danke den Autoren besonders, dass sie (obwohl es über weite Strecken anders scheint) die Essenz von Holmes’ Genius nicht verraten. Er ist ein Mann der Aufklärung, der Wissenschaft, und am Ende triumphiert er damit über Aberglauben und Fortschrittsfeindlichkeit. So muss das sein.

Ich kann selber kaum fassen, dass ich das jetzt schreibe: Das Finale von “Sherlock Holmes” baut klar auf die Möglichkeit einer Fortsetzung – und die würde ich (ächz) tatsächlich gerne sehen. Und zwar so bald wie möglich. Grundgütiger.

Fazit: Ein solider Spagat zwischen Hollywood-Blockbuster und viktorianischem Krimi, der nicht funktionieren dürfte, es aber trotzdem tut. Hut ab.

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Movie Mania Minis (16)

Gepostet am 6. Januar, 2010 um 10:33 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Across the Universe

USA 2007. Regie: Julie Taymor. Darsteller: Evan Rachel Wood, Jim Sturgess, Joe Anderson, Dana Fuchs, Martin Luther McCoy u.a.

poster_across-the-universe1Inhalt: Arbeiterkind Jude reist von Liverpool nach Amerika, um den Vater zu finden, den er nie kennen gelernt hat. Fasziniert von den kulturellen Umwälzungen der 60er Jahre, bleibt er dort hängen, zieht mit Kumpel Max nach New York, und verliebt sich in dessen Schwester Lucy. Nach und nach müssen Lucy, Jude, Max, und ihre Freunde lernen, ihren Weg in einer Welt zu machen, die den Weg nicht mehr vorgibt. Drogen, Musik, Geld, Politik, Liebe – alles muss mit dem eigenen Lebensentwurf unter einen Hut gebracht werden.

Kritik: Ein Musical aus Beatles-Musik – wie… unerwartet. “Across the Universe” hatte ich schon ewig lange hier rumliegen. Das Hintergrundrauschen aus dem Netz, das ich zu dem Film wahrgenommen hatte, war extrem gemischt gewesen: An manchen Stellen wurde der Film als detailverliebtes Pop-Märchen gepriesen, andernorts hieß es, der Film sei prätentiös und emotional unaufrichtig. So eine Art “Mamma Mia!” für pseudo-intellektuelle Gymnasiasten und Nostalgiker. Das stimmt alles, und doch nicht wirklich.

Der sehr aufwändige, sehr bunte, und sehr hip inszenierte Film ist eine Hommage an Alan Parker, an Baz Luhrmann, und an die anderen Kino-Poeten, die bei den Gefühlen den Verstärker gerne auf 11 drehen. Er suhlt sich im Kitsch, verniedlicht Gefühle ebenso wie Geschichte, und saugt in Postkartenbildern jedes Quentchen Authentizität aus seiner Story. Schöne Menschen sagen sich bedeutsame Dinge in Kulissen, die nach den prächtigen Fotobänden vom Taschen Verlag aussehen. Und dann singen sie viel und ausgiebig von Liebe.

Andererseits: Warum auch nicht? Haben die Beatles nicht hauptsächlich Liebeslieder von unglaublichem Pathos und perfekter Schönheit geschrieben? Sehen wir die 60er nicht ebenso romantisiert, wie es “Across the Universe” tut? Ist es nicht eine Aufgabe des Kinos, den Traum zu zeigen, statt ihn zu zerstören?

Julie Taymor ist nicht Alan Parker, auch nicht Baz Luhrman, eher schon Julien Temple. Sie verschluckt sich an der Mammut-Aufgabe, eine packende Love Story UND das ganze große Panorama zu erzählen. Die Liebe von Jude und Lucy wird teilweise in den Hintergrund gedrängt, weil Taymor mehr an dem visuellen Füllhorn interessiert scheint, das ihr zur Verfügung steht. Die Protagonisten bleiben blass, ihre Romanze besitzt nicht genug Drama, nicht mal genug Melodrama, um zu überzeugen. Die Unausweichlichkeit ihrer Liebe fehlt, und damit das emotionale Investment für den Zuschauer.

Aber auch wenn der Kern der Geschichte etwas mager sein mag, hat “Across the Universe” allemal genug für einen unterhaltsamen Abend zu bieten: Dutzende schicker und sensibler Cover-Versionen der Beatles-Klassiker, grandiose Bilder, bezaubernde Gast-Auftritte (Bono, Joe Cocker, Eddie Izzard), und stundenlanges Vergnügen, auch die visuellen Referenzen bezüglich der Beatles zu finden. Man muss sich nur einlassen.

Ich vermute, dass der Film in den 80ern ein riesen Hit geworden wäre, als Nostalgie für die 60er noch deutlich verkitschter wahrgenommen wurde, und die Reduktion auf visuelle Schlüssel im Zeitalter der Musikvideos selbstverständlicher war.

Wer die Musik der Beatles nicht mag, ist hier allerdings total falsch.

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Ich hab’s schwarz auf weiß!!! (ähem…)

Gepostet am 5. Januar, 2010 um 20:03 Uhr
Kategorien: Neues, Privates.

Neulich hatte ich mal wieder Brief-Spam im Postkasten. Diesmal wollte man mir eine Domain andrehen. Finde ich gut, wie die mir Honig um den Bart schmieren:

STA60254

Film Funnies

Gepostet am 5. Januar, 2010 um 16:27 Uhr
Kategorien: Film Funnies.

alpha