Tough guys don’t dance
USA 1987. Regie: Norman Mailer. Darsteller: Ryan O’Neal, Wings Hauser, Debra Sandlund, Isabella Rossellini, Frances Fisher u.a.
Inhalt: Tim Madden ist ein geprügelter Hund. Der gescheiterte Schriftsteller muss seine reiche und untreue Ehefrau Patty ertragen, deren einziges Ziel es ist, Geldquellen aufzumachen, um in der Society noch weiter aufzusteigen. Eines Morgens erwacht er mit einem frischen Tattoo, schmerzhaften Verletzungen, einem Blackout – und abgesägten Köpfen in seinem Marihuana-Versteck. Beim Versuch, die Ereignisse zusammen zu puzzeln, kommt ihm mehrfach der psychopathische Polizeichef Regency in die Quere, der mittlerweile mit Tims großer Liebe Madeleine verheiratet ist. Anscheinend geht es um einen sehr großen Koks-Deal, und den Tod (u.a.) der ehemaligen Pornodarstellerin Jessica…
Kritik: Kennt ihr das, dass man über einen Film stolpert, der wirklich nach keinem Maßstab “gut” zu nennen ist, der aber trotzdem eine echte Entdeckung darstellt? “Tough guys don’t dance” ist so einer. Er kommt aus der kleinen Gruppe von “anspruchsvollen” Cannon-Produktionen, mit denen sich Golan und Globus in Hollywood Respektabilität erkaufen wollten. Sie ließen dem großen Norman Mailer freie Hand bei der Umsetzung seines Romans, und herausgekommen ist ein wirklich sehenswertes Debakel.
Ein total deplatziert wirkender Ryan O’Neal mit schaurigen Frisuren, der in einer Kombination aus Flashbacks und Blackouts versucht, seine Beteiligung an mehreren Morden und Drogendeals nachzuvollziehen – alles vor der Kulisse eines malerischen Dorfes an der Ostküste. Es wird von Anfang bis Ende in Mengen gekokst, dass Christoph Daum vermutlich ganz schwitzige Finger bekäme, und keiner der Beteiligten scheint Interessen jenseits von Sex und Drogen zu haben.
Das ist alles derart hilflos zusammen gestümpert, dass es schon wieder Spaß macht. Besonders die Tatsache, dass Norman Mailer offenbar nicht ansatzweise verstanden hat, dass sich prätentiöse Roman-Dialoge nicht 1:1 in Drehbücher übernehmen lassen, sorgt für solide Lacher. Die Kirsche auf der Torte ist dann noch der völlig unpassende und fies schlechte 80er-Rocksong “Real Man” während des Nachspanns.
Zur echten Perle wird “Tough guys” aber erst, wenn man erkennt, dass es sich hierbei um einen Proto-“Twin Peaks” handelt, eine noch sehr krude erste Version dessen, was vier Jahre später zum Meisterwerk reifen würde. Setting, Charaktere, Plots – es müsste mit dem Teufel (Bob?) zugehen, wenn David Lynch Mailers Film nicht als Inspiration gesehen hätte. Der Eindruck wird verstärkt durch den Soundtrack von… genau, Angelo Badalamenti. Lynch war halt nur erheblich schlauer als Mailer: Er gab seinem Projekt einen klaren Fokus (den Mord an Laura Palmer), und einen sympathischen Protagonisten (Dale Cooper).
So bleibt “Tough guys” im Vergleich ein kompletter Fehlschlag – aber wenigstens einer, über den man sich mit anderen TP-Fans prima die Köpfe heiß reden kann. Mailer versucht übrigens mittlerweile, das Fiasko als Satire zu verkaufen, die bloß keiner verstanden hätte. Sicher.