
Eben fragte Onkel Filmi an, ob ich “New Moon” besprechen würde, weil dem Vernehmen nach dadurch Kommentar-Rekorde zu erwarten sein. Die Moonies (äh…?) Twi-Hards sind wohl noch rabiater als Trekkies und Fußball-Hooligans – und intoleranter. Kritik ist da gleich Verrat, und Gleichmut ist Ignoranz. 14jährige können grausam sein.
Ich würde euch gerne den Gefallen tun – das Problem: ich habe die Bücher nicht gelesen, und die Filme nicht gesehen. Nur mal im Hugendubel drin geblättert, und bei YouTube die Trailer gesehen. Trotzdem möchte ich jetzt mal explizit versuchen, mir Ärger einzuhandeln.
Ich bin ein Mann, und ich bin 41 Jahre alt. Ich muss das nicht verstehen. Ich habe den Gören die Bay City Rollers verziehen, Tom Cruise, New Kids on the Block, und “Dirty Dancing”. Daniel Küblböck war schon grenzwertig – aber bei “Twilight” versagt meine Fähigkeit, altersbedingte Toleranz walten zu lassen.
“Twilight” ist exakt so dämlich wie die deutschen Buchtitel (“Bis(s) zum Morgengrauen”? WTF?). Es sind die ewig gleichen, ausgelutschten Romeo & Julia-Klischees, verbunden mit der pseudo-rebellischen Backfisch-Sehnsucht nach dem geheimnisvollen, aber letztlich doch herzensguten “bösen Jungen”, aufgepeppt mit New Age-Grusel und sexuellen Anspielungen. Wir gegen die Welt, wahre Liebe, nur ich kann ihn retten. Bla. Bla. Und nochmals bla. Ich habe BRAVO Foto-Lovestorys gelesen, die mehr Tiefe hatten.
Fassungslos macht mich, dass die Zielgruppe so anspruchslos ist, dass dieses Geschwurbel immer wieder funktioniert. Wahrscheinlich liegt das Erfolgsgeheimnis eben darin, dass gar nichts Neues versucht wird, was von der unerträglichen Banalität dieser Teenie-Schmonzette ablenken könnte. “Twilight” ist ein “dark romance”-Konzentrat. Keine Beilagen. Keine Deko. Das Unwichtige als das Wesentliche.
Natürlich bin ich nicht die Zielgruppe für schwülstige Jungmädchen-Phantasien, die verlogen Sex verkaufen, den sie gleichzeitig verleugnen. Aber deswegen kann ich der Zielgruppe doch allemal wünschen, dass sie qualitativ höhere Ansprüche entwickelt. “Harry Potter”, die puderigen Vampir-Schinken von Anne Rice, alles soweit okay – aber “Twilight”? Das ist für euch Literatur? Oder wenigstens akzeptabler Zeitvertreib?
Und lasst mich gar nicht erst auf die Geschlechterklischees zu sprechen kommen. “Twilight” ist wieder mal ein Beweis, dass Feminismus eben doch nicht mit der Muttermilch aufgesogen wird. Warum können sich Mädchen nicht an Buffy orientieren, an Scully, an Emma Peel, an Wendy Watson – an Veronica Mars?!
Bella Swan? Echt jetzt? Der schöne Schwan? Marie Louise Fischer würde sich im Grab rumdrehen. Da sage einer, chauvinistische Charakternamen gäbe es nur für die Betthäschen von James Bond.
Kommt den Jungkonsumentinnen nicht wenigstens ab und an mal der Gedanke, dass man sich ganz eigene Helden suchen kann, ganz eigene Idole – und dass es nicht die sein müssen, die von Mega-Konzernen entwickelt werden, und die auch jede andere Spangenträgerin in der Klasse dufte findet? Ist die Hysterie in der Gemeinschaft ein so starkes Bindemittel, dass sie die Freude über Individualität und eigene kulturelle Nischen überwindet?
Wahrscheinlich muss man einsehen, dass junge Mädchen junge Mädchen sind. Die kreischen gerne, schmachten gerne, seufzen gerne, und tuscheln gerne. Die kleben Poster an die Wand, schnibbeln Artikel aus, und warten sechs Stunden im strömenden Regen vor Hotels, um den Star in 100 Meter Entfernung mal vorbeilaufen zu sehen. War so, wird immer so sein.
Nur dass sie dabei ernst genommen werden wollen – das will mir nicht in den Kopf. Und da können sie bei mir auch lange drauf warten.
Thank Heaven for Little Girls.