FFF 2009: Moon
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.
England 2009. Regie: Duncan Jones. Darsteller: Sam Rockwell
Story: Sam Bell geht’s nicht gut – wenigstens läuft bald sein 3 Jahres-Vertrag aus, wegen dem er als alleiniger Wartungstechniker in einer Bergbau-Station auf dem Mond hockt, und sich bis zur Paranoia langweilt. Nach einem Unfall mit einem der Rover wacht er wieder in der Station auf – wundert sich jedoch, dass man ihn für alle Außen-Trips vorläufig gesperrt hat. Sam wagt es trotzdem – und findet den geschrotteten Rover mit sich selbst drin, schwer verletzt. Nun gibt es zwei Sams. Wahnsinn? Zeitreise? Aliens? Service-Roboter Gerty hüllt sich in verdächtiges Schweigen…
Kritik: Es wird ja wieder keiner machen, aber ich will es trotzdem gesagt haben – zum Verständnis dieser Kritik ist es sehr hilfreich, meinen Beitrag zum Thema “SciFi ist nicht Science Fiction” zu lesen, und die Kritik zu “The Man from Earth“.
Ich bin mit einer gewissen Grundskepsis in diesen Film gegangen. Er wurde von der etablierten Schwurbelkritik derart in den Himmel gelobt, dass ich zwei Stunden esoterisches Geseier über die unerträgliche Einsamkeit der menschlichen Seele befürchtete. Sam Rockwell ist ja auch dafür bekannt, sich bevorzugt schwierige Rollen zu suchen. Der Mann macht in Kunst.
Andererseits: In einem mit asiatischen Epen, Slashern, und Slasher-Comedies vollgestopften Festival freut man sich über alles, was die Hirnzellen anregt, also habe ich mir doch die Karte gekauft. Karma braucht Balance.
Gebt mit ein S! Gebt mit ein E! Gebt mit ein N! Gebt mir noch ein S! Gebt mir ein A! Verdammt, das dauert zu lange… am Ende kommt auf jeden Fall SENSATIONELL dabei raus.
“Moon” ist der Film, von dem ich nicht mehr dachte, dass ihn jemand drehen würde. Ein kleiner Film, eigentlich ein 2/1-Personenstück, trotzdem mit aufwändigen und liebevollen Effekten ausstaffiert. Nachdenklich, poetisch, tragisch – aber niemals kitschig oder selbstverliebt.

Die Präzision des Drehbuchs ist bemerkenswert: Die Beziehung zwischen Sam 1 und Sam 2, die uns anfangs etwas bizarr nonchalant erscheint, entpuppt sich als absolut folgerichtig. Das Geheimnis der zwei Sams wird plausibel und packend aufgelöst, und das Finale ist trotz aller Unwägbarkeiten erhebend und hoffnungsvoll.
Überhaupt ist “Moon” zwar ein Drama, aber auch ein Film über die Hoffnung, die Menschlichkeit, und den Wert der Freundschaft. Er hat tatsächlich sowas wie ein Happy End, und man kommt mit leichtem Herzen aus dem Kino. Auch das hatte ich absolut nicht erwartet.
Natürlich wird er ihn nicht kriegen, aber Sam Rockwell hätte den Oscar verdient. Es ist leicht, die gleiche Person zweimal zu spielen. Es ist leicht, die gleiche Person mit entgegen gesetzten Charaktereigenschaften zu spielen (wie die meisten Zwillings-Thriller das tun). Aber es ist unendlich schwer, zwei Personen zu spielen, von denen die eine erst noch lernen muss, die andere zu sein. Rockwell lässt es einfach aussehen.
Ein besonderes Lob auch für den Roboter Gerty, beruhigend-sanft gesprochen von Kevin Spacey. Anfangs fürchtet man ein 2001-eskes Duell Mensch/Maschine, doch Gerty entpuppt sich letztlich ebenfalls als Freund. Alle Wesen der Station, ob organisch oder elektronisch, sitzen schließlich in einem Boot.
Drama, Science Fiction, Krimi – “Moon” packt alles in ein Paket, füllt es bis zum Rand mit Spannung, und stempelt “Anspruch” drauf, bevor er es an den Zuschauer weiterreicht. Selten genug, dass ein Programmkino-Film auch ein Mainstream-Publikum unterhalten kann. Duncan Jones schafft den Spagat mühelos.
Ein Film für die ECHTEN Science Fiction-Fans – die, die lieber “Silent Running” als “Resident Evil” schauen, lieber “Dark Star” als “Transformers”, und lieber “2001″ als “Riddick”. Aber auch ein Film für Leute, die einfach nur Kino lieben, Geschichten, Figuren.
Wenn ich beim FFF alljährlich 20 “House of the Devil” schauen muss, um nur einen “Moon” zu finden – dann ist es die Mühe wert.
Wortvogels pantomimisches Urteil:
Ich spreche “Moon” hiermit offiziell heilig, und erkläre ihn kritikresistent. Amen.