30 Jahre Bildschirm-Basketball (Update!)

Gepostet am 30. September, 2009 um 11:56 Uhr
Kategorien: Neues.

Weil man sich manchmal daran erinnern sollte, wie unglaublich sich die Dinge verändert haben…

Atari VCS 1978:

basketballvcs1978Apple II  1983:

one-on-one

C64 1987:

ssbasketball

Sega Mega Drive 1995:

nbalive1995

Xbox 360 2009:

nba2010

Wer sich verschiedenste Generationen von populären Spielen in ihrer grafischen Entwicklung ansehen will – diese Webseite hat das ganz toll aufbereitet.

UPDATE: Das finde ich jetzt schon ein wenig peinlich – CHIP hat aus dem von mir verlinkten Foren-Beitrag gleich eine ganze Fotostrecke… doch, nennen wir es ruhig mal geklaut (inkl. Bilder und Reihenfolge):

chip

Have fun in cat heaven, Janis…

Gepostet am 29. September, 2009 um 22:56 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues, Privates.

Sad “cat content” ahead…

janis

Janis ist tot. Der Tierarzt hat heute morgen einen Tumor in ihrem Bauch entdeckt, und um ihr Qualen zu ersparen, wurde sie eingeschläfert.

Janis war die Katze meiner Ko-Autorin und guten Freundin Katrin.

Ich habe Janis kennen gelernt, als Katrin sie gerade frisch vom Züchter geholt hatte. Ihren Namen bekam sie von Janis Joplin.  Ein kleine, bezaubernde, neugierige, aber nie aufdringliche Thai-Katze mit wasserblauem Silberblick.

Es ist nicht so, dass sie “zu früh abberufen” wurde. Janis war 18 Jahre alt. 18 gute, freundliche, fitte, geliebte wie liebende Jahre. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft sie auf meinem Schoß saß und sich kraulen ließ, an Sonntagen bei Wein und guten Gesprächen. Janis war nicht nur dabei – sie gehörte dazu.

Man soll Tiere nicht allzusehr vermenschlichen, und einen emotionalen Nachruf, als wäre die eigene Oma verstorben, finde ich fehl am Platz. Aber ich möchte zum Abschied ein paar Sachen erzählen, an die ich mich immer erinnern werde.

Janis war verspielt, ohne hektisch zu sein. Oft, wenn wir so beieinander saßen, holte sie aus der Küche ihre klingelnde Spielzeugmaus, und legte sie vorsichtig einen Meter vor mir auf den Boden. Sie setzte dazu einen betont zurückhaltenden Gesichtsausdruck auf, als wollte sie sagen: “Ich weiß, ihr entspannt euch gerade schön, und ich will dabei auch wirklich nicht stören – aber nur so als Angebot lege ich euch mal mein Spielzeug hin. Ganz unverbindlich. Nur falls ihr zufällig gerade mal lustig mit was werfen wollt”. Ich wollte immer.

Wie die meisten Katzen verbrachte Janis 90 Prozent ihres Lebens mit schlafen und putzen. Hielt ich sie im Arm, wenn ihr Sauberkeitsfimmel durchbrach, putzte sie meine Hand und meinen Unterarm gleich mit. Ihre Zunge war rau und warm, und es schien ihr zu gefallen, auch mal was anderes als Haare abzuschlecken.

So gerne Janis sich beschmusen ließ – ihr absoluter Lieblingsplatz war die marmorne Platte über der Heizung in Katrins Wohnzimmer, wenn es draußen kalt wurde. Die Katze änderte dann spontan ihren Aggregatzustand, und wurde zu einer Flüssigkeit, die schnurrend vom warmen Stein zu tropfen drohte. Von dort aus konnte sie uns auch prima beobachten.

Vor ein paar Jahren war Janis mal vom Balkon im zweiten Stock gefallen – im Alter hatte ihr Gleichgewichtssinn nachgelassen. Ganze elf Tage blieb sie verschwunden. Dann fand ein Nachbar sie in seinem Keller – arg abgemagert, ein wenig angekratzt, aber lebend und dankbar. Sie wurde danach noch anhänglicher – Wohnungskatze Janis hatte gelernt, dass “die Welt da draußen” ihr wenig Komfort zu bieten hatten.

In den letzten zwei, drei Jahren zeigten sich Altersschwächen: Janis verlor ein paar Zähne, und wenn man sie vom Küchentisch scheuchte, landete sie nicht mehr ganz so elegant wie früher. Grundsätzlich blieb sie aber gesund, verspielt, und jung im Herzen. Sie zog dann mit Katrin nach Bad Dürkheim in ein großes altes Haus. Ich habe sie danach nicht mehr gesehen. Katrin sagte mal, dass Janis sehr schnell spitz gekriegt habe, wo in dem Haus zu welcher Uhrzeit die Sonne durchs Fenster auf den Boden scheint. So sei sie dann den ganzen Tag über von Zimmer zu Zimmer gewechselt, immer auf der Suche nach einem hellen Fleck für ein Nickerchen.

Ich glaube, man kann kein besseres Leben gehabt haben als Janis. Und in so einem Leben mehr geben als Janis, das dürfte auch schwierig sein.

Der Katzenhimmel hat heute ein ganz besonderes neues Mitglied aufgenommen.

goddess

Ein weiterer Schlag für die Printbranche

Gepostet am 29. September, 2009 um 11:54 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues, Privates.

In den letzten 15 Jahren hat sich die Menge an physischer Post, die ich bekomme, stark reduziert. Ich habe viele Zahlungen (samt zugehöriger Rechnungen) komplett auf online umgestellt, meine Bankgeschäfte sowieso, und viele Firmen bevorzugen die Verbreitung ihrer Nachrichten per E-Newsletter. Werbung und Stadtzeitungen habe ich mir per Aufkleber verbeten.

Abgesehen von ein paar behördlichen Schreiben und Urlaubs-Postkarten besteht mein Post-Aufkommen eigentlich nur noch aus dem wöchentlichen SPIEGEL, den zurückgeschickten Steuer-Belegen – und jeder Menge Kataloge und Magazine von Unternehmen, denen ich (durch Spenden oder Einkauf) unregelmäßig verbunden bin.

Das hat mich geärgert. Es müllt den Briefkasten zu, die meisten Prospekte sind ärgerlicherweise auch noch in Plastik eingeschweißt, und oft sieht das Material nicht mal meinen Hausflur – es wandert vom Briefkasten direkt in die nebenstehende Altpapier-Tonne. Da grummelt mein durch die sozialdemokratische Gesamtschule geschultes, wenn auch etwas eingerostetes Öko-Gewissen. Verschwendung von Energie, Zeit, Ressourcen.

Ich habe nichts gegen den ADAC, oder den World Wildlife Fund – nur kann ich deren Postillen nicht brauchen.

Eben dachte ich mir: wäre doch gelacht, wenn sich das nicht ändern lässt. Ich habe eine einfache Liste der Versender gemacht (WWF, ASB, Bonprix, Tchibo, Atelco, ADAC, etc.), und dann mit den entsprechenden Namen und dem Zusatz “Kontakt” gegoogelt.

Was soll ich sagen? Es hat ungefähr 15 Minuten gedauert, um genau so viele Aussendungen dauerhaft abzubestellen. Ich brauchte keine Kundennummern, wurde nicht in Warteschleifen gelegt, und auch nicht mit Ausreden wie “Das geht bei uns leider grundsätzlich nicht” abgefertigt. Anscheinend sind die Firmen mit dem Problem, und der daraus resultierenden Bitte, durchaus vertraut. Der WWF entschuldigte sich sogar, dass ich trotz der Abbestellung vermutlich noch ein Heft bekommen würde, weil die Aussendung schon in der Druckerei läge.

Ich sehe also einem immer mehr verwaisenden Briefkasten entgegen – und das freut mich ganz außerordentlich. Ruhe. Himmlische Ruhe.

Wie sieht das bei euch aus? Habt ihr nervige Prospekte und Kundenmagazine auch abbestellt, oder nehmt ihr das zähneknirschend hin? Muss man, nur weil man für bengalische Tiger spendet, auch gleich noch eine zugehörige Postille abonnieren? Wie viele von den 13,8 Millionen “ADAC Motorwelt” werden überhaupt gelesen?

P.S.: Und weil ich gerade dabei war, habe ich auch noch gut zwei Dutzend Online-Newsletter abbestellt, die mir mein Thunderbird-Postfach unnötig aufblähen. Dank strenger gesetzlicher Regelungen ist das sehr einfach.

Mitreden können, ohne Zeit zu verlieren

Gepostet am 28. September, 2009 um 17:47 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.

Das nenne ich mal Service – die relevanten Ausschnitte aus 100 viralen Videos in knackigen vier Minuten. Mir ist SEHR peinlich, dass ich die meisten davon kenne:

YouTube Preview Image

Eins, zwei, Freddy kommt vorbei…

Gepostet am 28. September, 2009 um 16:38 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Ich bin kein Fan der aktuellen Remakes von 80er-Horrorfilmen – weil ich zu der Generation gehöre, die schon bei der ersten Runde dabei war. Das war gut, das war (manchmal) gruselig, und das hat auch gereicht. Insbesondere die Schlitzer-Remake gehen mir gehörig auf den Senkel. Komplett angeschaut habe ich mir bisher nur die erstaunlich gelungene “Dawn of the Dead”-Neufassung.

Auf den “A Nightmare on Elm Street”-Trailer reagiere ich sehr schizophren – einerseits rockt das Original immer noch das Haus (John Saxon FTW!), andererseits hat’s schon was, Freddy mal neu interpretiert (und hoffentlich unironisch) zu sehen:

http://myspacetv.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=63620005

“There’s no signal!” – oder warum Handys die Pest für Drehbuchautoren sind…

Gepostet am 27. September, 2009 um 23:11 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Aktuelle Horrorfilme haben ein Problem: die Spannung beruht oft darauf, die Protagonisten erstmal zu isolieren, ihnen jede Chance auf “outside help” zu nehmen – sei es in einer Arktis-Station, auf einer Landstraße, oder in einer Hütte im Wald. Leider sind seit mehr als 10 Jahren Handys Standard, die in kaum einer Gegend das Signal verlieren. Wenn der Killer mit der Axt vor der Tür steht, kann man im Notfall sogar die Nationalgarde rufen.

Die meisten Autoren machen es sich einfach – im ausreichend opportunen Moment funktioniert das verdammte Handy nicht. Einer tritt drauf, es fällt ins Wasser, die Batterie ist alle, oder das Funknetz macht Zicken. Ein freundlicher Geist in den Weiten des Internets hat das mal zusammengeschnitten:

YouTube Preview Image

Der einzige Film, der meines Wissens nicht in diese Falle tappt, ist kurioserweise der depperte “Anaconda 2″. Da verunglücken die Helden im Amazonas-Becken – und einer der “business guys” greift sein Iridium-Satellitenhandy, und telefoniert entnervt mit der Zentrale in New York, dass man ihm doch bitte ein Rettungsteam schicken möge.

Darüber kann man sich natürlich prima lustig machen: ein simples Hightech-Spielzeug, und schon gehen den meisten Schreiberlingen die Ideen aus.

Tatsache ist aber leider: es stimmt. Für uns Autoren sind Handys die Pest. Wer diese Teile erfunden hat, mag an vieles gedacht haben – an das Horror-Genre allerdings nicht. Ich habe mal einen ganzen Event-Stoff von der Gegenwart ins Jahr 1984 verlegt, um das Problem zu umgehen. Die Allgegenwärtigkeit von Mobilkommunikation (inkl. iPhones, mit denen man auch noch ins Netz gehen kann) vernichtet eine Grundlage des Suspense-Kinos: die völlige Einsam- und Hilflosigkeit.

Denkt mal selber drüber nach: wieviele Hollywood-Klassiker würden “dank” Handy nicht mehr funktionieren? Wieviele Filme benötigen als Grundannahme, dass die Helden keinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen können? Wie oft haben wir schon gesehen, dass Telefonkabel von bösen Buben durchschnitten wurden – was heute schlicht und ergreifend irrelevant wäre?

Leser SirJohn hat mich noch auf diesen Clip aufmerksam gemacht, der das schön thematisiert:

“Shining” würde nicht funktionieren. “Cujo” nicht. Auch nicht “Abwärts”. Von den Dutzenden Slashern, in denen Teenager in Hütten, Häusern, und auf Booten festsitzen, mal ganz zu schweigen.

Könnten sich die Autoren manchmal ein wenig mehr Mühe geben, die Abwesenheit von Handys zu erklären? Sicher. Andererseits habe ich als Autor auch keinen Bock, mir von so einem Piepsding eine tolle Story versauen zu lassen.

Journalistische Dissonanz

Gepostet am 27. September, 2009 um 11:43 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Dass bei BILD der Text nicht immer das Versprechen der Schlagzeile hält, sind wir mittlerweile gewohnt – aber in diesem Fall scheinen sich die beiden sogar zu widersprechen:

angst

Wäre “X-Files” jemals SO gewesen…

Gepostet am 27. September, 2009 um 10:14 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

… würde die Serie vermutlich heute noch laufen – auf Beate Uhse-TV. Ein “Sex Files”-Porno (der Trailer ist jugendfrei):

Please enable Javascript and Flash to view this Viddler video.

Als das Internet noch potthässlich war… und Pornos laden Stunden dauerte

Gepostet am 26. September, 2009 um 13:59 Uhr
Kategorien: Lustiges, Neues.

Grauer Hintergrund, blau unterstrichene Links – ich erinnere mich noch genau an diese düstere Zeit:

YouTube Preview Image

Erstaunlich gut getroffen hat AT&T 1993 die technischen Entwicklungen der nächsten 15 Jahre – im Jahr 1993:

YouTube Preview Image

Die Frau an dem Videotelefon ist tatsächlich Jenna Elfman aus (und bevor) “Dharma & Greg”.

(Sorry für den Mangel an neuen Beiträgen, ich bin gerade beruflich extrem eingebunden – Besserung sei hiermit versprochen)

The Origin of the Stupid … or: Super smart blond bitches are sexay

Gepostet am 24. September, 2009 um 11:21 Uhr
Kategorien: Gedanken, Lustiges, Neues.

Am 19. November, zum 150. Jahrestag der Veröffentlichung von Darwins “On the Origin of the Species”, wollen Kreationisten / Christen / IDler in den USA 50.000 kostenlose Exemplare davon an den Universitäten verteilen – versehen mit einer Einführung von Ray Comfort, die der Entlarvung der Evolutionstheorie dienen soll. Darwin wird mit Hitler in Verbindung gebracht, mit Rassismus, mit Sexismus. Das hat zwar nicht viel mit der Evolutionstheorie an sich  zu tun, aber: if you can’t hurt the message, shoot the messenger.

Comforts “public face”, der frühere Sitcom-Star Kirk Cameron, hat diese Aktion in einem Video angekündigt. Ray und Kirk haben sich ja vor über zwei Jahren schon mal blamiert, als sie mit Atheisten diskutierten.

Zuerst dachte ich: was für eine verlogene Scheiße. Ich möchte mal wissen, wie begeistert diese Spinner reagieren würden, wenn jemand ihre Bibeln mit “kritischen Anmerkungen” versehen am Heiligabend unter die Leute bringen würde (soviel zum Thema Freiheit). Außerdem: kein Evolutionsbiologe hat etwas gegen eine Diskussion über wissenschaftliche Fakten – wenn man aber nur den Urvater der Theorie als sexistischen Proto-Nazi darstellen will, dann erübrigt sich jede inhaltliche Auseinandersetzung. Das wollte ich hier auch schreiben.

Aber dann fand ich dieses Video von ZOMGitscriss, das mir die Arbeit abnimmt – lustiger, präziser, und blonder, als ich es je könnte:

YouTube Preview Image

Was mich besonders begeistert: Mit ihrer zerrissenen Jeans, den blondierten Spaghetti-Haaren, und dem russisch-pornografischen Akzent wirkt Criss wie das Gegenteil einer smarten Diskutantin. In ihrem Auftreten ist sie der Anti-Dawkins, und gerade das macht sie für junge Leute interessant. Ihr ganzer Youtube-Channel ist sehenswert.

Ihr könnt die “Einleitung” hier nachlesen.

Tricks of the Trade: Fantasy-Baukasten

Gepostet am 22. September, 2009 um 21:53 Uhr
Kategorien: Lustiges, Neues.

Das Schlimme daran – im Rahmen der einfachen belletristischen Phantastik reicht dieses Schema allemal aus, um nicht auf die Schnauze zu fallen:

2009-09-22-554fiction

Schnarchende Schweinchen!!!

Gepostet am 22. September, 2009 um 17:51 Uhr
Kategorien: Lustiges, Neues.

Oooooooooooohhhhhh…:

YouTube Preview Image

Begegnung in Salzburg

Gepostet am 22. September, 2009 um 10:58 Uhr
Kategorien: Neues, Privates.

Am Wochenende habe ich geausflugt, und landete in der schönen Stadt an der Salzach (die in einem Streifen der Billigfilm-Schmiede UFO kürzlich per Bildschirmeinblendung “Salzberg” genannt wurde). In der historischen Altstadt gibt es einen traditionsreichen Buchladen mit diversen extern platzierten Schaufenstern:

Kopie-von-Claudia1

Ich vergrößere euch das mal:

Kopie-von-Claudia2

Wer damit nichts anfangen kann: Claudia Kern ist die hier. Kann ich empfehlen. Grüße ich hiermit auch.

Amerika, du machst mir Angst

Gepostet am 19. September, 2009 um 11:09 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues, Privates.

Ich hatte gedacht, mit Obama zieht eine andere politische Kultur in Amerika ein. Ich hatte nicht gedacht, dass es die Kultur des Mobs sein würde, die Regentschaft denkfauler Schreihälse, die sich von Glenn Beck und den Lobbyisten erklären lassen, warum sie sie Pharma- und Versicherungs-Industrie gegen sozialistisch/faschistisch/islamistische Ideen wie eine allgemeine Krankenversicherung verteidigen müssen. Da reden sie von Steuererhöhungen, die es nicht gibt, und behaupten, Amerika habe das beste Gesundheitssystem der Welt, was nicht stimmt. Wie kleine Kinder plappern sie nach, was man ihnen einflüstert. Fakten sind im besten Fall irrelevant, im schlechtesten destruktiv.

Mir ist niemals in meinem Leben eine Bewegung begegnet, die derart konsequent gegen ihre eigenen Interessen vorgeht. Sie protestieren gegen die, die ihnen zu einem besseren Leben verhelfen wollen. Es ist ein Musterbeispiel für Manipulation und Fremdsteuerung, und das sicher hässlichste Gesicht Amerikas.

Sie reden mehr von der Verteidigung ihres wirtschaftlichen, als ihres gesellschaftlichen Systems – sie wollen den Kapitalismus schützen, nicht die Demokratie. Dabei ist der Kapitalismus schon längst weitergezogen, hat die ehemalige Industrienation USA für neue Märkte verlassen, ausgehöhlt und leer gesaugt. Die vom Kapital besiegten Massen werfen dem potentiellen Retter Sozialismus vor – und irgendwo lachen Karl Marx und John Maynard Keynes ganz herzlich.

In diesem Video kommt sehr schön zum Ausdruck, wie erschreckend dünn die Wissensdecke der Demonstranten ist – die meisten können nicht einmal erklären, was ihre Plakate und Parolen eigentlich bedeuten sollen:

YouTube Preview Image

Natürlich sind diese Leute nicht repräsentativ – aber sie regieren derzeit die Medien in den USA, die ihnen ungebührlich viel Sendezeit widmen. Und damit prägen sie den Diskurs, der schon lange keiner mehr ist – es dominieren Hass, Rassismus, und dumpfe Ignoranz.

Ich wüsste gerne, was solche Menschen wirklich antreibt. Psychologisch gesehen kann ich mir nur vorstellen, dass sie sich in einem Erkenntnis-Schockzustand befinden: nach einem weißen und hochgefährlichen Volltrottel haben sie einen gebildeten Schwarzen zum Präsidenten gewählt, der tatsächlich klüger ist als sie, und beweist, dass man Dinge ändern kann, wenn man den Arsch vom Sofa kriegt. Er verkörpert die amerikanischen Ideale – und zeigt dadurch umso deutlicher, wie sehr diese Ideale vom gefräßigen und bequemen Schlick am Boden der US-Gesellschaft entfernt sind. Weite Teile von Amerika sind auf ideologischem, ökologischen, und psychologischem Hartz IV, brauchen permanent Stütze und Bestätigung. Obama ist der unverschämte Sozialarbeiter, der sie zum 1 Euro-Job schicken will. Was bildet der sich ein?

“Klar wollten wir Veränderung – aber muss sich deshalb alles ändern?”

Kein Wunder, dass sie immer davon plärren, sie seien das “wahre Amerika”, sie wollten “Amerika zurück erobern”, sie stünden für “Freiheit und Verfassung”. Was sie verteidigen, ist nicht ihr Land: sie verteidigen das Privileg, Recht zu haben, ohne im Recht sein zu müssen; zu gewinnen, ohne im Wettbewerb anzutreten; zu haben, ohne zu verdienen.

Obama und der Mob sind sich in einer Tatsache einig: Amerika ist “the greatest nation in the world”. Der Mob glaubt lediglich, dies sei per Definition so, und nicht per Leistung.

Der Begriff ist überstrapaziert, und ein Klischee, aber ich denke, er passt an dieser Stelle sehr gut: In Amerika findet ein Kulturkrieg statt, ein zähes Ringen um die Frage, wie man ein träge gewordenes Wohlstandsvolk in Zeiten des Wandels wieder auf Kurs bringt. Es geht darum, dass Profit an sich kein Wert ist, schon gar ein “uramerikanischer”, und dass Amerika eigentlich mal ein Sinnbild war für Menschen, die eine Gemeinschaft bilden wollten, in der die Starken die Schwachen schützen.

Kein Wunder, dass die Starken mit allem, was sie haben, dagegen vorgehen: Medien, Lobbyisten, gekaufte Politiker, Kirchen, Big Business – es ist Endzeit. Zielgerade. Showdown.

Wenn Obama es nicht schafft – wer dann? Und was dann?

Ein Haus – zwei Maßstäbe

Gepostet am 16. September, 2009 um 23:12 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Ich verstehe das nicht, habe auch nicht die Zeit, es zu recherchieren – aber interessieren würde mich schon, warum der SPIEGEL online einen angeklagten Chefarzt nur mit Initialen nennt, und das Gesicht verpixelt:

arztp

Weil: eine halbe Stunde vorher habe ich den aktuellen gedruckten SPIEGEL gelesen, und da wird der Mediziner voll genannt, und auch eine Verpixelung scheint man nicht für nötig gehalten zu haben.

Das sind vermutlich die in letzter Zeit oft behaupteten hohen moralischen und journalistischen Standards der Printpresse…