Funky Videos – 80′s Style!
Ich habe in letzter Zeit viele alte Videokassetten angesehen, und auch ein paar DVDs mit Klassikern der frühen 80er angeschaut – vielleicht deshalb, weil diese Ära die stärksten nostalgischen Gefühle hervorruft.
Aufgefallen ist mir dabei, wie radikal der visuelle Wechsel im Fernsehen um 82/83 war. Bis dahin war der Look von den 70ern definiert – blass, gerne braun, nur nicht zu hektisch. Spießige Gemütlichkeit.
Mit diversen neuen Pop-Stilrichtungen (nicht nur NDW), Heimcomputern, und einer generellen Neu-Orientierung der Konsumindustrie auf die Jugendlichen fluteten plötzlich Farben, schnelle Schnitte, und Synthie-Klänge den Bildschirm. Wenn ich mich recht erinnere, war die erste NDW-Compilation (“Moderne Zeiten”?) in pinkem und neongrünem Vinyl erhältlich. Alles war zackig, zerrissen, kontrastiert – kein Wunder, dass “schrill” eine Modewort der Zeit wurde.
Unvergesslich (zumindest für mich): der erste auf Video gedrehte TV-Film mit dem Titel “Chérie, mir ist schlecht”. Der Zuschauer konnte das nachvollziehen.
Jeder erinnert sich an den Vorspann von “Formel Eins”, den knallroten Minirock von Nena im “Musikladen”, und unerträgliche, aber für ihre Zeit typische Musikvideos wie das hier:
Es gilt die Faustregel: je extremer der Trend, desto kürzer die Halbwertszeit. Popgruppen, die sich sehr stark in den Zeitgeist hingen, sind heute praktisch vergessen – Kajagoogoo, Hayzee Fantayzee, Sigue Sigue Sputnik. Etwas zurückhaltendere Mode-Bands hingegen produzierten Musik, ohne die das aktuelle Radioprogramm zur Hälfte aus White Noise bestünde: Spandau Ballet, Duran Duran, Erasure.
Überrascht war ich, dass auch Sketch-Shows einen Wandel durchmachten – zumindest in England. Während man hier noch dem Cabaret-Song von “Sketchup” zuhörte (Hut ab, Bart ab, Knopf ab, Kopf ab), fuhren die Briten für die Intros ihrer Sendungen alles auf, was das AV-Equipment an Effekten, Schriftarten, und Überblendungen hergab.
“A kick up the Eighties” vereinte viele der wegbereitenden Komiker der 80er und 90er, von Tracy Ullman bis Robbie Coltrane. Aber eine Sketch-Comedy würde man hinter einem solchen Vorspann sicher nicht vermuten:
Please enable Javascript and Flash to view this Viddler video.Beliebt war auch grober Zeichentrick mit nervös flackernden Buntstift-Schraffuren – schön zu sehen in “Naked Video”, einer der ersten Clip-Sendungen. Auch hier – das Intro erlaubt keinen Rückschluss auf die eigentliche Sendung:
Please enable Javascript and Flash to view this Viddler video.Damals schon mein Favorit war die “Lenny Henry Show”, die man in Düsseldorf über das Kabel-Pilotprojekt sehen konnte – krude Video-Technik regierte einmal mehr:
Wenn man das heute sieht, möchte man meinen, die Vorspänne wären von Aliens gemacht worden. Es wurde halt ausprobiert, was ging. Erst in den 90ern pendelte sich das wieder ein, und eine gewissen Entschleunigung machte sich breit. Auch die Sakkos der Moderatoren von SAT.1 mussten nicht mehr in schreienden Primärfarben gehalten werden.
Gäbe es ein Buch über die Form- und Bildsprache der 80er – ich würde es sofort kaufen.