QM: Rollentausch bei “Dr. House”

Gepostet am 31. August, 2009 um 10:49 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Ich muss mit der montäglichen Presseschau aufhören – das ist einfach kein guter Start in die Woche…

Wer den Fehler findet, darf ihn behalten:

rollentausch

Es blühen auch wieder die Stilblüten: “Sie spielt nämlich überwiegend in nur einem Raum – nämlich in dem Bürozimmer, in der der Patient House und die anderen Geiseln gefangen hält.”

(Quelle: Quotenmeter.de)

P.S.: Habe ich eigentlich schon mal jemanden gehauen, der “The Justice League” mit “Die Liga der Gerechten” statt “Die Gerechtigkeitsliga” übersetzt hat? Nein. Sollte ich aber.

BILD weiß, was gut für dich ist: Guckbefehl von ganz oben

Gepostet am 31. August, 2009 um 10:18 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

bildtv

Mal abgesehen davon, dass in diesem Jahr von einer Sommerpause kaum die Rede sein kann – ist BILD wirklich die kritische Instanz, der ich meinen TV-Konsum anvertraue?

For the record: BILD empfiehlt u.a. “Forsthaus Falkenau” (“tut immer noch gut”), “Johannes B. Kerner” (weil’s der letzte Monat ist – als ob das was mit Qualität zu tun hätte), und “TV total”. Keine Gnade hingegen für “Bones” (“ohne Spannung”) und “Heroes” (“Lahme Mutanten”).

Klar darf man sich über sowas nicht wundern. Ist halt BILD. Aber mich nervt mal wieder, wie die Marktschreier für Bohlen, “Big Brother”, und das Dschungel-Camp sich nicht bloß als Experten, sondern gleich als Autoritäten verkaufen. BILD empfiehlt nicht, BILD schreibt vor. Das hat diese oberlehrerhafte Herablassung der ständigen “BILD erklärt”-Artikel.

Darf ich bei der Bundestagswahl auf die Schlagzeile “Große Koalition endlich vorbei! BILD sagt, wen Sie wählen müssen” hoffen? Wäre dringend nötig, denn subtilere Methoden scheinen ja nicht zu greifen.

Super Hero Squad – say WHAT?!

Gepostet am 30. August, 2009 um 17:38 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Eine neue Trickserie mit dem gesamten Helden-Aufgebot aus dem Marvel-Universum sollte eigentlich eine gute Nachricht sein.

Sollte.

Eigentlich.

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“Squaddies”? “Hero up”? Wieso bewegt sich das Mundstück von Iron Mans (Iron Kids?) Maske? Wieso sehen die alle aus, als kämen sie aus einer Sonderedition Überraschungseier?

X-Babies meets the Mitey ‘Vengers?

babies

Schon klar – Kinderprogramm. Und es soll ja auch lustig sein. Aber wenn ich in meiner Jugend erwachsene Superhelden sehen konnte, sollen die Bratzen das heute gefälligst auch. So wird das doch nix mit der nächsten Generation…

Mehr zum Thema “Superhelden als Kids” hier.

Sprudel-Zauber

Gepostet am 30. August, 2009 um 13:55 Uhr
Kategorien: Lustiges, Neues.

Eine wunderbare, kleine, dreizehnminütige Doku über die Magie von Kohlensäure, die Macht kleiner Lieferanten-Netzwerke, und Gurken-Limo:

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Ich habe auch die Angewohnheit, obskure Soda-Dosen zu kaufen – erst letzte Woche wieder in einem Asia Shop in Bremerhaven:

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Ob ich mich auch traue, die zu trinken, steht auf einem anderen Blatt…

Ruhe da vorne! Movie-Mania 2009 (108) Wickie und die starken Männer

Gepostet am 28. August, 2009 um 23:49 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

wickieposterDeutschland 2009. Regie: Bully Herbig. Darsteller: Jonas Hämmerle, Waldemar Kobus, Ankie Beilke, Mercedes Jadea Diaz, Günther Kaufmann u.a.

Der Titelsong zur Zeichentrickserie “Wickie und die starken” Männer stammt zwar von Christian Bruhn, wurde aber von der Gruppe “Stowaways” gesungen, aus denen später die “Bläck Fööss” entstanden.

Solche Sachen findet man heraus, wenn man für diese Kritik den Hintergrund recherchiert. Donnerlüttchen!

“Wickie” als Realfilm in die Kinos zu bringen, ist eine naheliegende Idee – ich hatte sie schon vor zehn Jahren. “Dank” der Lizenzwursteleien ist das aber gar nicht so einfach. Da hängt ein halbes Dutzend Rechteinhaber dran, die alle mitreden und mitverdienen wollen. Es brauchte wohl ein Schwergewicht wie Constantin Film und Bully Herbig, um sich da durchzubeißen.

Allerdings ist ein Realfilm von “Wickie” auch durchaus keine sichere Bank. Die Trickserie ist Kult primär für die Generation der 70er und 80er, die mittlerweile vermutlich / hoffentlich / wahrscheinlich selber Kinder hat. Ob die Bratzen, die mit SMS und Internet aufgewachsen sind, was mit den Abenteuern des Wikinger-Jungen anfangen können, sei dahingestellt.

Im schlimmsten Fall ersäuft man bei sowas zwischen allen Stühlen – für die Kids nicht zeitgemäß genug, für die Oldies zu langweilig, um dem Kult nochmal 8 Euro zu opfern. Siehe der Zeichentrickfilm zu “Derrick”.

Während man bei “Hui Buh” und “Der Wixxer” durchaus mit Ironie und Detailverliebtheit auf die Original-Zielgruppe geschielt hat, geht Bully Herbig bei “Wickie” konsequent einen anderen Weg: es ist ein Kinder- und Jugendfilm. Als solcher muss er funktionieren. Basta. Erwachsene dürfen mitgenommen werden, sind aber nicht der Fokus.

wickie

Die Story ist extrem knapp gehalten, und eigentlich auch bedeutungslos: Um an einen Schatz zu kommen, hat der “schreckliche Sven” alle Kinder des Wikinger-Dorfes entführt – mit Ausnahme von Wickie, der zum Tatzeitpunkt hilflos in einem Baum zappelte. Zusammen mit seinem Vater Halvar und den starken Männern macht sich der Junge auf den Weg, seine Altergenossen (und vor allem Freundin Ylvie) zu retten.

Zuerst einmal: wow. Visuell ist die Umsetzung der Trickserie sensationell gelungen, allemal auf einem Level mit den Realfilmen zu “Asterix” und “Clever & Smart”. Mit welcher Genauigkeit Bully nicht nur das Design, sondern auch die Maniersmen und typischen Verhaltensmuster der Trickfiguren in die dritte Dimension transportiert, verdient Respekt.  Die Darsteller gehen in ihren Rollen völlig auf, und ich möchte hier besonders die Kinder loben, denn in der Altersklasse 5-15 sind Talente in Deutschland notorisch schwer zu finden. Jonas Hämmerle und Mercedes Jadea Diaz spielen beeindruckend pointiert.

Das gesamte Produktionsdesign ist ausgesprochen liebevoll, und zeigt einmal mehr, dass aufwändiges Familien-Entertainment eben doch auch in Deutschland möglich ist.

Als erwachsener Zuschauer muss man natürlich Abstriche beim Fun Factor machen: die dünne Geschichte zieht sich mitunter etwas, einige Gags sind von der platteren Sorte, und wirklich emotionale Szenen gibt es kaum. Der Film bleibt an der Oberfläche, die für die Zielgruppe durchaus richtig ist. Zynismus, Sarkasmus, oder großartige Meta-Ebenen sollte man von dem Streifen, der primär ein vorpubertäres Publikum erreichen will, nicht erwarten. Ich finde es sogar ganz gut, dass “Wickie” sich auf seine bunte Welt und spannende Abenteuer konzentriert, statt mit ständigem Augenzwinkern auf uns Nostalgiker zu schielen.

Marketingtechnisch verständlich, aber etwas arg auffällig scheint mir nur die Rolle von Bully selbst (als spanischer Korrespondent), die nach seinen Aussagen zum Schluss noch ins Drehbuch gehoben wurde, weil das Publikum in einem Bully-Film eben auch Bully sehen will. Der Part ist überflüssig, wenn auch halbwegs witzig.

Alles, was man sonst an “Wickie” kritisieren könnte – kleinere Plot-Hänger, bequeme Zufälle, halbdurchdachte Nebenplots -, dürfte der Zielgruppe vergleichsweise schnuppe sein. “Knorke” ist der Film für die sicher allemal – und das war bei der Premiere an den Reaktionen auch deutlich zu spüren.

So kann ich meinem Publikum schmerzlos raten, alle Söhne, Töchter, Nichten, Neffen, Enkel, Patenkinder, und sonstige Rabauken unter Einsdreißig ins Kino zu schicken – und mitzugehen, falls das Herz noch für “Wickie” schlägt. Es ist eine vergnügliche Umsetzung mit viel Respekt für die Vorlage, nicht mehr und nicht weniger.

Ich lehne mich mal aus dem Fenster: unter vier Millionen Zuschauern geht der nicht aus den Kinos.

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NDR: Wenn aus der Affäre eine Ehe wird – und aus der Ehe wieder eine Affäre

Gepostet am 28. August, 2009 um 12:52 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

tatort

Wer sich ein bisschen für das Thema interessiert, wird es mitbekommen haben – die Fernsehspiel-Chefin des NDR wurde ihres Amtes enthoben, weil sie ihrem Ehemann über Jahre Drehbuchaufträge erteilte, die dieser unter falschem Namen erfüllte. Um das Gemauschel zu vertuschen, bekam “Niklas Becker” in den Tatort-Presseheften sogar eine fiktive Biographie.

Wir reden hier von Geld, ziemlich viel Geld. “Tatort” wird regelmäßig in diversen Dritten Programmen wiederholt, und in der Regel gab es früher keinen sogenannten Buyout – was bedeutet, dass der Autor für jede weitere Ausstrahlung erneut sein Honorar ausbezahlt bekommt. Es gibt Schreiberlinge, die von einer Handvoll “Tatort”-Episoden den Rest ihres Lebens ganz gut finanzieren.

Ein klarer Fall von krassem Amtsmissbrauch, und in den Online-Artikeln wird auch mit angemessener Empörung reagiert.

Ich bin mir aber nicht so sicher, ob man den Vorgang so schwarzweiß betrachten sollte. Und darum würde ich gerne eure Meinung dazu wissen.

Tatsache ist: Mauscheleien sind bei den Sendern (aber auch bei Verlagen, Pharma-Firmen, Parteien, etc.) an der Tagesordnung. Das fängt schon damit an, dass Redakteure bevorzugte Autoren haben, oder man sich verpflichtet fühlt, altgediente Regisseure immer wieder anzuheuern. Freundinnen und Lebensgefährtinnen werden lukrative, aber gefahrlose Jobs zugeschoben, in Kumpel-Netzwerken hilft jeder jedem. Beziehungen und Abhängigkeiten werden teilweise über Jahrzehnte kultiviert. Der NDR-Fall ist nur die Spitze eines Eisbergs, der nie schmelzen wird.

Tatsache ist aber auch: Was soll ein Autor machen, dessen Ehefrau in verantwortlicher Position arbeitet? Er steht damit (in diesem Fall) nicht nur bei einer Produktionsfirma vor verschlossenen Türen, sondern bei der gesamten norddeutschen TV-Branche. “Tatort Kiel”, “Tatort Hamburg”, “Tatort Niedersachsen”, “Polizeiruf 110″ – unabhängig von seinen Fähigkeiten sind die Königsdisziplinen der Fernsehunterhaltung für ihn tabu. Ist das fair?

Dem Vernehmen nach waren die “Tatorte” von “Niklas Becker” sehr gut. Die Gebühren der Zuschauer wurden nicht verschleudert, der Gegenwert wurde geliefert. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass die Drehbücher von anderen Autoren signifikant besser gewesen wären. Wenn es ein Betrug war – wo ist der Schaden? Der Geschädigte? Der Verlust?

Andererseits: Wie ärgerlich muss es für Autoren sein, die in den letzten Jahren “Tatorte” gepitcht haben, nur um jetzt zu erfahren, dass sie sowieso keine Chance hatten, weil die Fernsehspiel-Chefin die Aufträge intern dem Gatten zugeschustert hat?

Klar sollte ich als Autor keine Aufträge nur deshalb bekommen, weil ich mit der zuständigen Redakteuse schlafe – aber sollte ich aus demselben Grund Aufträge verweigert bekommen? Die Grundlage der Auftragsvergabe sollte doch so oder so die Qualität meiner Arbeit sein, oder?

Ich habe keine Antwort auf diese Fragen, weil ich beide Seiten bis zu einem gewissen Grad verstehen kann.

100 years of special effects

Gepostet am 28. August, 2009 um 11:59 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

We’ve come a long way, baby:

Funny videos and funny pictures at CollegeHumor.

Ruhe da vorne! Movie-Mania 2009 (105-107) Book of Blood, Mr. and Mrs. Smith, Die Hölle von Manitoba

Gepostet am 27. August, 2009 um 00:41 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Clive Barker’s Book of Blood

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England 2009. Regie: John Harrison. Darsteller: Jonas Armstrong, Sophie Ward, Clive Russell, Paul Blair, Doug Bradley u.a.

Clive Barker ist ein Horrorautor, dessen Stern in den 90ern Jahren an Strahlkraft deutlich verloren hat. Ich halte das für durchaus gerechtfertigt, denn schon seine Kurzgeschichten-Sammlungen “Books of Blood” waren von zunehmend abnehmender Qualität – ab Buch 3 hat mir da kaum noch etwas gefallen. Zumal Barker, im Gegensatz zu Stephen King, deutlich mehr auf Atmosphäre als auf Story setzt. Er hat eine Vorliebe für Perversion, Gier, die dunklen Seiten der menschlichen Seele, während King den Horror bevorzugt in der Mitte des Mainstreams ansiedelt.

Umso kurioser, dass es derzeit eine Mini-Renaissance gibt, was den britischen Schock-Schreiber angeht: letztes Jahr lief der unterschätzte “Midnight Meat Train” auf dem FFF, eine TV-Serie namens “Clive Barker’s Hotel” ist in Arbeit, es wird ein Remake von “Hellraiser” geben, und John Harrison (“Dune”, “Tales from the Darkside: The Movie”) hat sich nun an ein (bzw. zwei) der Geschichten aus den Büchern des Blutes versucht.

Ich mag John, habe fast zwei Jahre an “Dune” mit ihm gearbeitet. Ein außerordentlich netter, und von Hollywood unbeschmutzter Charakter aus dem Umfeld von George Romero.

Aber kein guter Autor. Und auch kein guter Regisseur.

Ihm fehlt die klare Vision, und die Authorität, diese auch umzusetzen. Seine Filme fühlen sich in meinen Augen immer unfokussiert an, vage, als wüsste er selber nicht genau, was der Stoff an Message transportieren soll. Er findet auch selten Wege, die mangelnden Budgets durch stilistische Detailfreude auszugleichen. Für den soliden Handwerker, der John ist, sind solche Projekte notorisch zu ambitioniert, zu exzentrisch, zu fordernd.

“Clive Barker’s Book of Blood” ist dafür ein exzellentes Beispiel. Die düstere Mär des Mannes, dessen Haut als Schreibunterlage der Toten dient, wird vom Sprung aus der Kurzgeschichte in den Kinofilm hoffnungslos überdehnt.  Statt den Mythos auszuformulieren, streckt Harrison nur die Details der Vorlagen “Book of Blood” und “On Jerusalem Street”.

Horrorfans werden sich erinnern: “Book of Blood” und “On Jerusalem Street” sind die erste und die letzte Story der “Bücher des Blutes”. Sie klammern alle anderen Geschichten.

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Das Problem: Wenn man die Rahmenhandlung einer Sammlung von Kurzgeschichten erzählt, fehlt der Kern – die Kurzgeschichten. “Book of Blood” ist Verpackung ohne Inhalt. Um das Problem zu lösen, strukturiert Harrison den Plot etwas hilflos um: “On Jerusalem Street” ist nun die Rahmenhandlung, und “Book of Blood” die Geschichte. Dafür mangelt es aber einfach an Substanz, zumal das Anthologieformat kaum greift, wenn sowieso nur eine Story erzählt wird. Effektiver wäre es gewesen, zwei oder drei Kurzgeschichten zu erzählen – aber dafür waren wohl weder die Lizenzen, noch die finanziellen Mittel vorhanden.

Das kümmerliche Storygebilde bietet auch im limitierten Rahmen wenig Entertainment: Jonas Armstrong mangelt es an Charisma, der Charakter von Sophie Ward bleibt komplett unverständlich, und der Regie-Stil ist so durchamerikanisiert, dass in vielen Szenen kaum zu glauben ist, dass “Book of Blood” in England spielen soll (wo auch tatsächlich gedreht wurde).

Die Perversion und die Transgression, die Barker immer wieder thematisiert, haben in Harrisons Film nur den Anschein verschämter Pflichterfüllung: ein bisschen Sex, ein bisschen Masturbation, ein bisschen Fetisch – in Zeiten von Torture Porn wirkt das geradezu kastriert.

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Effekte, Musik, und Sets bleiben konstant auf solidem Low Budget-Niveau, und es drängt sich der Vergleich mit “Hellraiser 2″ auf – einem Film, der mit ähnlichen Voraussetzungen einen ungleich stimmigeren und visionären Horror generiert hat. “Book of Blood” hat weder die Dialoge, noch die Figuren, noch die Antagonisten, um mehr als sediertes Interesse zu rechtfertigen – wo sind die Zenobiten, wenn man sie mal wirklich brauchen könnte?

Schade, dass der Film eines wirklich wegweisenden Autors, von einem mir persönlich bekannten Regisseur, doch nur im faden Mittelfeld spielt wie ein Großteil der Streifen beim Fantasy Filmfest (wo er wahrlich hätte laufen können).

Ein Regalfüller für beinharte Barker-Fans und Allesseher.

Mr. and Mrs. Smith

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USA 1941. Regie: Alfred Hitchcock.  Darsteller: Carole Lombard, Robert Montgomery, Gene Raymond, Jack Carson

Wenn es etwas gibt, für das Alfred Hitchcock nicht bekannt ist, dann ist es die romantische Komödie. Zwar verwendet er gerne Elemente dieses Genres (besonders in “Der unsichtbare Dritte”), aber gewöhnlich verpackt er es in einen Krimi, einen Thriller, ein Mystery. “Mr. and Mrs. Smith” ist eine seltene Ausnahme, mehr Boulevard-Komödie im Stil von Billy Wilder und Howard Hawks.

David und Ann Smith sind seit vier Jahren verheiratet – “glücklich” wäre übertrieben, denn mit großer Leidenschaft reiben sich die beiden blitzgescheiten Charaktere aneinander: er ist ein charmanter Rechtsanwalt, sie eine alles überdramatisierende Society Lady. Zum Bruch kommt es, als sie feststellen, dass sie dank eines Behördenfehlers gar nicht wirklich verheiratet sind. Statt sofort noch einmal zum Standesamt zu rennen, beginnen sie einen Kleinkrieg, in dem wirklich alles erlaubt ist, mit einer Ausnahme – dem tatsächlichen Eingeständnis der (offensichtlichen) gegenseitigen Liebe.

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Ich hatte große Erwartungen in “Mr. and Mrs. Smith” gesetzt, und vielleicht war das mein Fehler – am Ende war ich enttäuscht und auch einigermaßen ratlos. Während Hitchcocks Regiearbeit ohne Fehl und Tadel ist, kann das Drehbuch von Norman Krasna nicht überzeugen. David und Ann sind ein zu tolles Paar, als das es Sinn machen würde, sie für relativ weite Strecken des Films auseinander zu dividieren. Sie funktionieren nur miteinander, nicht gegeneinander – wie Nick und Nora in den  “Dünner Mann”-Filmen. Ihr grundlegender Konflikt wirkt sehr konstruiert, und Anns neue Beziehung zu Jeff wird weit über ihre Funktion als Stolperstein hinaus ausformuliert. Das macht “Mr. and Mrs. Smith” besonders in der zweiten Hälfte (wenn der Film fatalerweise das mondäne New Yorker Umfeld verlässt) zäh und unglaubwürdig. Auch andere Nebenplots wie die Abenteuer, die David mit dem rauen Chuck erlebt, sind allenfalls putzige Ablenkungen von der eigentlichen Geschichte.

Robert Montgomery ist sympathisch – aber kein Cary Grant. Nicht einmal ein Fred Astaire. Carole Lombard, die ich bisher selten auf dem Radar hatte, ist allerdings ganz bezaubernd, und hat eine erstaunliche Präsenz und Modernität.

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Kurzum: Weder Hitchcock, noch seine beiden Stars haben hier genug Material, um daraus einen Klassiker zu schnitzen. “High Society” erzählt praktisch die gleiche Geschichte, nur ungleich besser.

Die Hölle von Manitoba

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Deutschland/Spanien 1965. Regie: Sheldon Reynolds. Darsteller: Lex Barker, Pierre Brice, Marianne Koch, Hans Nielsen, Wolfgang Lukschy

Aus an dieser Stelle nicht näher zu erklärenden Gründen beschäftige ich mich derzeit viel mit Lex Barker. Dabei kommen auch einige seiner obskureren Filme in meinen DVD-Player.

“Die Hölle von Manitoba” ist eigentlich ein vergessenswerter C-Western, gedreht in einer dutzendfach gesehenen Westernstadt, mit der Expertise von Leuten, die den Wilden Westen primär aus “Lassiter”-Heftchen kennen. Irgendwie sind sich ein paar Rancher spinnefeind (allerdings sehen wir keine einzige Ranch, oder gar ein Rind – die “Action” bleibt komplett auf die Stadt beschränkt), zwei schnelle Coltschwinger werden in die Fehde mit reingezogen, “Seth” wird konstant “Sätt” genannt, die Frau von der Ado-Gardine schaut indigniert,  es gibt Saloonschlägereien, und so etwas wie Gesetze scheint man in “Glory City” (anderweitig “Powder City” genannt) nicht zu kennen. Päng Päng, du bist tot.

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Natürlich hofften die Macher, das Publikum durch die erneute Paarung von Pierre Brice und Lex Barker (dem nachgewiesenermaßen bestaussehenden Mann des Universums – aller Zeiten!) zu ködern. Das mag auch funktioniert haben. Auf das Niveau selbst der billigeren Karl May-Filme schafft es “Die Hölle von Manitoba” nicht, dafür fehlen der preiswerten Krawall-Produktion Pathos und Melodrama. Die beschaulich-kitschige Location im Stil der “Western Town” im Phantasialand rechtfertigt auch nicht wirklich die Bezeichnung “Hölle”.

Was “Manitoba” aber zu einem echten Knaller macht, ist eine gewisse schwule Grundhaltung, die den Film immer wieder wie einen unbeholfenen Vorläufer von “Brokeback Mountain” wirken lässt. Pierre Brice hat wohl niemals vorher oder nachher derart affektiert feminin gespielt, und seine Interaktionen mit Lex Barker gehen über das Prinzip “Männerfreundschaft” weit hinaus.

Schon ihre erste Begegnung hätte Ang Lee inspirieren können:

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Manchmal ist ein Colt eben nicht nur ein Colt…

Hat man die Prämisse verinnerlicht, dass  Barker und Brice zwei Homo-Cowboys sind, wird der Streifen ungleich unterhaltsamer, und die Dialoge bekommen ganz neue Bedeutung – etwa, wenn Brice in einer Bar von einer Gruppe räudiger Kerle in die Ecke gedrängt wird: “Jetzt bist du dran!”. In Glory (hole?) City ist es nicht angebracht, sich nach der Seife zu bücken…

So ist “Die Hölle von Manitoba” als Western ein altmodischer Totalausfall, als Trinkspiel mit Tequila und ein paar standfesten Freunden aber ein empfehlenswerter Zeitvertreib.

Wortvogel reif für den Kindergarten!

Gepostet am 25. August, 2009 um 21:16 Uhr
Kategorien: Gedanken, Privates.

“Lately it occurs to me: What a long, strange trip it’s been.”
(Robert Hunter)

Fast hätte ich es verschwitzt, aber genau heute vor 3 Jahren ging mein erster Blog-Beitrag online.

Kleine Statistik: Knapp 1000 Beiträge habe ich seither geschrieben, also fast einen Beitrag täglich. Knapp 20.000 Kommentare gab es, 20.9 durchschnittlich zu jedem Beitrag. Rekord-Kommentarzahlen produzierten die Beiträge zu “Lotta in Love”, “Astro Saga”, und “Watchmen”. Vier Leute habe ich von technischer Seite aus als unerwünscht geblockt.

Das war alles so nicht geplant.

Die Idee war ursprünglich, eine Art Visitenkarte für meine Arbeit als Autor zu schaffen. Bild, Biographie, ein paar Arbeitsproben. Was man halt heute so hat, um sich zu präsentieren. Während der ersten Planungsphasen hörte ich von diesen “Blogs”, die es erleichtern, aktuelle Meldungen zu schreiben, und dann automatisch in einem Archiv zu sammeln. Tolle Sache, dachte ich mir, da kann ich auch über meine neusten Projekte schreiben. So können Familie und Freunde sich auf dem neusten Stand halten, ohne dass ich immer Emails rumschicken muss.

Aller Anfang war schwer, um es milde auszudrücken. Mangels auch nur minimaler Fachkenntnisse musste ich mir bei der Erstellung des Blogs helfen lassen, und wurde ein ums andere Mal enttäuscht. Es ging nichts voran, die Entwürfe sahen mir zu langweilig aus, und so richtig begeistert war ich nicht bei der Sache. Bevor ich meinen aktuellen IT-Experten Spuddel traf, war ich nahe dran, den Plan abzublasen. Aber Spuddel entpuppte sich als renitent, ein weiterer hilfreicher Geist aus dem Badmovies-Umfeld entwarf ein Logo für mich – und das Projekt machte eine Namensänderung durch. Eigentlich war nämlich “Hausrocker” registriert worden. Als die Umschreibung der Domain sich verzögerte, wählte ich “Wortvogel” als temporären Ersatz – ihr habt es gemerkt: Ganz so temporär wurde er dann nicht.

Wordpress hatte sich ziemlich schnell als “blog system of choice” entpuppt, denn ich wollte einen Unterbau, der simpel genug für meine begrenzten Kenntnisse ist, aber flexibel genug, um nicht nur 08/15-Ergebnisse zu produzieren. Das war sicher bis heute eine der besten Entscheidungen zu dem Thema. Mein Template ist eine stark angepasste Version von “Vistered Little”.

Am 25.8.2006 schrieb ich also über einen Steroid-Junkie – und da war schon klar, dass mein ursprüngliches Konzept Kappes war. Über meine beruflichen Fortschritte gab es nur alle paar Wochen mal was zu schreiben, wer sollte da also regelmäßig vorbeischauen? Auch Verlage und Produktionsfirmen mussten ja erstmal wissen, dass es überhaupt ein Dewi-Blog gibt. Wichtiger noch: Mein manischer Mitteilungsdrang meldete sich unablässig. Ich begann, so ziemlich alles zu posten, was mir merkwürdig, witzig, oder diskutierbar erschien.

Aus der Visitenkarten-Webseite wurde ganz schnell ein Magazin-Blog: Reviews, Reportagen, Gags, Essays – würde man eine willkürliche Auswahl von 20 Beiträgen in Heftklammern fassen, wäre es eine Zeitschrift. Keine besonders gute, aber eine Zeitschrift. Ich haderte eine Weile lang damit, keinen besonderen thematischen Fokus zu haben, aber den hat mein Leben schließlich auch nicht.

In den ersten Monaten war mir nicht klar, dass im administrativen Bereich Statistiken über die Zugriffe auf meine Webseite möglich sind. Es interessierte mich nicht, ob zehn oder zwanzig Versprengte sich fanden, um meinen Output zu konsumieren. Das änderte sich erst, als der Beitrag “TV-Tipp Tagesschau” tatsächlich Wellen in der Blogosphäre verursachte. Ich bekam Kommentare (sechs Stück!), und es erwachte in mir das Interesse, nicht nur zu schreiben – sondern auch gelesen zu werden. Bis dahin war es ja nur ein tonloser Schrei ins Vakuum gewesen.

Ein paar Monate später verfasste ich zur letzten Folge meiner Telenovela “Lotta in Love” einen exzessiven Mehrteiler, der kathartische Funktion haben sollte. Eigentlich hielt ich das Thema für zu “insider”, um eine breite Leserschaft zu erreichen. Selten habe ich mich so geirrt: Die Reihe “Lotta in Love – Eine Story mit Folgen” wurde mein erster “Blogbuster” mit Dutzenden von Kommentaren, Verweisen in anderen Blogs, und sogar einer Erwähnung in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Zu sagen, ich sei baff gewesen, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts. Erstmals checkte ich Zugriffszahlen meiner Webseite – statt der erwarteten paar hundert Besucher hatte ich pro Monate mehrere 10.000! Das klingt ganz toll, aber es baut auch einen unheimlichen Druck auf – man fühlt sich verpflichtet, dem Affen Zucker zu geben, hat Angst, bei längerer Abwesenheit die Zielgruppe zu verprellen.

Aus den Reaktionen der Leser habe ich viel gelernt. Gewünscht wird genuiner Content, ein Blick hinter die Kulissen, aber auch eine klare Meinung, ein Standpunkt, an dem man sich reiben kann. Emotionen sind erwünscht, lässige Coolness ist längst nicht so trendy, wie urbane Schreiberlinge glauben. Somit hat die Zeit das Konzept meines Blogs eingeschliffen. Mittlerweile sind die Besucherzahlen sechsstellig, und ich kann keine Reise mehr ohne den ständigen Blog-Blick unternehmen. Alles, was ich sehe und höre, durchläuft den Filter: “Kann man da einen Eintrag draus machen?” Und meistens lautet die Antwort: Ja.

Ich denke, dass mein Blog nach drei Jahren sein Zentrum gefunden hat – es ist, was es ist, und es ist gut so. Es wird kleinere Veränderungen geben, Anpassungen am Layout und bei den Funktionen, aber das ist nur noch Kleinkram.

Der Wortvogel ist der Wortvogel ist der Wortvogel. 100 Prozent Torsten Dewi. Mein Beichtstuhl, mein Kummerkasten, mein Punching Ball, mein Freundeskreis, mein Think Tank, meine Chronik, mein Spiegel, mein Segen, mein Fluch.

Danke an alle, die mich auf diesem Trip begleiten.

Einfach, weil’s so schön ist…

Gepostet am 25. August, 2009 um 14:25 Uhr
Kategorien: Neues.

Partikel- und Lichteffekte in Adobe Premiere After Effects, angedockt an ein simples Musikstück Klavier/Geige:

http://www.vimeo.com/6045312

Wenn das Abenteuer einen Namen hat, dann lautet er “Altbau-Sanierung”! (6)

Gepostet am 24. August, 2009 um 12:23 Uhr
Kategorien: Neues, Privates.

Zur Einstimmung auf diesen Artikel empfehle ich, den zweiten Beitrag zu diesem Thema noch einmal zu sichten, inklusive der Bilder. Wir erinnern uns in Horror, wie die alte Dachgeschoss-Wohnung in Düsseldorf beim ersten Renovierungs-Ansatz praktisch zu Staub zerfiel, und plötzlich eine komplette Sanierung ins Haus stand.

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Ärgerlich genug, dass der am Anfang sehr engagierte und einfallsreiche Baumeister auf der Zielgeraden böse patzte: explodierende Kosten, schlecht ausgeführte Details, vergessene Fußleisten, und eine endlose Liste mit zugesagten und wieder abgesagten Terminen. Ich kam mir vor wie in einer Doku-Soap über Handwerker-Pfusch…

Das Drama hat nun endlich ein Ende. Am Donnerstag war Übergabe, die Wohnung hat nach einem Jahr eine neue Mieterin. Möge sie 31 Sommer durchhalten, wie ihre Vorgängerin.

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Zum Abschluss habe ich ein paar Bilder gemacht, um zu dokumentieren, dass die ganze Mühe nicht umsonst war.

Ein Prunkstück ist natürlich die neue Küche mit allem Schnickschnack (Ceran-Kochfelder, hochwertiger Backofen, Mikrowelle, Abzugshaube). Nur den Kühlschrank muss die Mieterin selber mitbringen – das ist mir zu unhygienisch, wenn der über die Jahre altert. Um den Holzboden zu schonen, habe ich in der Küche außerdem PVC verlegt – ein umgestoßener Topf mit Bolognese-Soße muss nun kein Alptraum mehr sein.

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Aus dem Küchenfenster ein Blick in den Garten, den die Mieterin auch nach Belieben nutzen darf:

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In der Küche ist auch Platz für eine kleine Essecke. Durch die Tür kommt man in das ebenfalls brandneu renovierte Schlafzimmer:

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Ich denke schon, dass die Entscheidung, den Holzboden restaurieren zu lassen, richtig war:

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Auch das Wohnzimmer hat durch die hellen Farben und die klare Gestaltung (inklusive neuer Decke) gewonnen:

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Ein Blick aus der breiten Fensterfront auf die Straße:

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Das größte Problem war ja von Anfang an das räumlich sehr begrenzte Bad. Natürlich konnte man aus dem Kabuff keine Wellness-Oase machen, aber das Ergebnis ist trotzdem ziemlich überzeugend:

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Und nun ist endlich Ruhe im Karton – bis das Dachgeschoss meines Hauses in München dran ist. Diese dringend notwendige (und von bösen Überraschungen sicher nicht freie) Renovierung schiebe ich nämlich seit fünf Jahren vor mir her…

Kein schräger Land

Gepostet am 23. August, 2009 um 11:46 Uhr
Kategorien: Lustiges, Neues.

Ich bin gerade mal wieder in der Republik unterwegs, hauptsächlich wegen der Wohnung in Düsseldorf (Bilder dazu morgen). Aber es hat mich auch mal wieder in den hohen Norden getrieben, nach Bremerhaven, Bremen, an die Elbe.

Fürwahr, hier tobt der Mob, hier boxt der Papst im Kettenhemd:

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Da ist man schon froh, dass folgender Plakathinweis NICHT für den “Happytown Beachclub” gilt, sondern für eine Sexmesse:

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Lieber Matthias Steiner…

Gepostet am 22. August, 2009 um 10:01 Uhr
Kategorien: Gedanken, Lieber..., Neues.

… ich kann mich nicht erinnern, in den letzten 10 Jahren eine andere private Tragödie erlebt zu haben, die vom Leidtragenden selbst derart öffentlich ausgewalzt wurde, wie der Unfalltod Ihrer Frau. Wie Sie die BILD zum medialen Beichtstuhl machten, und Schlagzeile um Schlagzeile lieferten, bis mit der neuen Freundin das Happy End vermeldet werden konnte, fand ich grenzwertig, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Nun heißt es, das sei Ihnen mit Verspätung auch aufgefallen:

steinerAuffällig scheinen mir nur vier Details dieser Erkenntnis:

  • Sie gehen in die Medien, um sich über den Medienrummel zu beschweren
  • Sich selbst werfen Sie lediglich vor, nicht rechtzeitig “abgeblockt” zu haben
  • Das “selbstkritische” Interview geben sie der BILD-Schwester “Die Welt”
  • Bundesweit werben Sie derzeit in einer Anzeigenkampagne für BILD

Wissen Sie, wie ich das finde? Immer noch grenzwertig. Und Sie können “grenzwertig” gerne noch durch strengere Begriffe ersetzen, wenn Sie wollen…

Wirre Werbung: Anzeigen aus der “Titanic” in den frühen 80er Jahren

Gepostet am 21. August, 2009 um 08:19 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Lustiges.

Ich arbeite derzeit an einem etwas größeren Blog-Eintrag zu einem grundsatzphilosophischen Thema. Um Bildmaterial zu  beschaffen, war es nötig, meine Sammlung alter “Titanic”-Hefte zu durchstöbern. Dabei stieß ich auf so viele bezaubernde und interessante Anzeigen, dass ich mich entschloss, ein paar davon für euch zu scannen.

Alle Bilder sind klickbar!

Wusstet ihr zum Beispiel, dass für die ersten Videokassetten mit Kinofilmen, die in den Handel kamen, noch der Videotheken-Einkaufspreis bezahlt werden musste? Das ging ganz schön ins Geld:

videofilme

298 Tacken – ohne Extras! Dafür bekommt man heute ganze Box-Sets PLUS prima DVD-Player. Und ein “Cinema”-Jahresabo obendrauf.

Und das galt nicht nur für die aktuellen Hits:

Videoklassiker

Hübsch auch, wie hausgemacht damals die Singles von wirklich populären Bands dem Zielpublikum angekündigt wurden:

singlenews

Geradezu bizarr und bis in die Details studierenswert auch die Werbemater dieses (nicht wirklich billigen) Bahnangebots  - “Mit transalpino in die City, where boys and girls are chic and pretty”:

transalpino

Und Grundgütiger ja – “Fruit of the Loom” galt damals als begehrenswerte Marke, und beglückte den Markt mit Augenkrebs verursachenden Billig-Kollektionen:

fruit

Tube Socks als Fashion Statement – das muss man sich erstmal trauen!

Überrascht hat mich, dass sich die Anzeigen in der “Titanic” relativ paritätisch drei Industriezweigen zuordnen lassen.

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Liebe SAT.1 Promi-Singles… (Satire)

Gepostet am 19. August, 2009 um 21:27 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lieber..., Neues.

Promi_Singles207x155Nein, ansehen werde ich mir Eure Sendung nicht. Es scherte mich schon nicht, mit wem Giulia Siegel für ein paar Stunden “Schmetterlinge im Bauch” vortäuscht. Es schert mich auch nicht, wie ihr so tut, als stecke hinter der Sendung “Die Promi-Singles – Traumfrau sucht Mann” mehr als der lachhafte Beweis, dass es Menschen gibt, die wirklich gar keine Scham mehr besitzen, wenn die Chance winkt, sich vor die Kameras zu drängeln.

Aber man muss bei den Kandidatinnen schon differenzieren.

Frau Maja Synke Meinert. Das mit dem “Prinzessin zu Hohenzollern” lasse ich gerne weg. Ich halte nicht so viel von erheirateten Adelstiteln. Von Ihnen habe ich nichts anderes erwartet. Blau(gefärbt)es Blut will beschäftigt sein, und es ist lobenswert, wenn ein Hofnarr auch mal aus den höheren Ständen kommt. Wenn ihr Ex schon bei RTL2 mit “Tatjana und Foffi – Aschenputtel wird Prinzessin” jeden Schein von Anstand und Klassenbewusstsein fahren lassen konnte…

Désireé Nick. Geht auch. Unter einer Bedingung: Hören Sie endlich auf, so zu tun, als wäre das für Sie alles nur Satire, als hätten Sie irgendeine Meta-Funktion im albernen Promi-Zirkus. Sowas wie “Promi-Singles” geht endgültig nicht mehr mit Augenzwinkern. Sie stehen nicht drüber – sie sind mittendrin. Sie haben den Boulevard erst gescholten, um sich ihm bei der erstbesten (und seither jeden) Gelegenheit schamlos in die Arme zu werfen. Sehen Sie es ein:  Sie sind keinen Deut besser als Cora Schumacher oder Kader Loth.

Was aber nicht geht: ihr Trailer zur Sendung. Nicht alle Männer sind Schweine, manche sind auch Arschlöcher? Ich wüsste gerne mal, wie der mediale Aufschrei (sicher auch von Ihnen) wäre, wenn ein Mann in einer äquivalenten Sendung nachdenklich sagen würde: “Nicht alle Frauen sind Schlampen, manche sind auch Flittchen!”. Aber nee, bei Ihnen ist das was anderes. Sie meinen das ja total satirisch. Frech halt.

Aber Sabrina Setlur. Schwester S. Die S-Klasse. Da dachte ich erstmal: Himmel, Mädchen, was willst DU denn in dieser Farce? Du warst doch mal… na ja, fast so was wie cool. Taffes Power-Grrrl der ansonsten schrecklich testosteronen deutschen Hiphop-Szene der 90er. Die Einzelversion von “Tic Tac Toe”, aber nicht so peinlich-prollig. Du hast womöglich “Scheiße” und “Ficken” gesagt, ohne dabei billig zu wirken. Belohnung: ein Haufen Echos, ein Haufen Viva-Awards. Dich konnte man geil finden, ohne sich schämen zu müssen. S-Klasse halt.

Echt, Sabrina – du? Hier? Wirklich?

Dann habe ich nachgedacht, nachgelesen, und erkannt: ist halt schon lange her, die Sache mit der Karriere als Musikerin. Seit ca. 2000 bist du dauerpräsent – allerdings auf roten Teppichen, nicht in den Charts. Und du hast wirklich gar nichts ausgelassen:

  • Affäre mit Boris Becker? Check.
  • Gastauftritte in Kinofilmen? Check.
  • Nackfotos für Herrenmagazine? Check.
  • Alberne Promi-Clipshows? Check.
  • Jury von “Popstars”? Check.
  • Gerüchte über Magersucht? Check.
  • Teilnahme an der Grand Prix-Vorentscheidung? Check.
  • Trunkenheit am Steuer? Check.
  • Gerüchte über finanzielle Pleite? Check.

Ich wundere mich nun nicht mehr, dass du bei den “Promi-Singles” dabei bist – ich frage mich bloß noch: was kommt danach? Viel Kapital für die Klatschpresse gibt es ja nicht mehr zu verschleudern. Es wird langsam eng.

Ich habe mir mal für dich den Kopf zerbrochen.

Dschungel-Camp wäre eine Option. Frag mal Désireé.

Oder eine Blitz-Ehe mit einem Zuhälter, den du erst lautstark in Talkshows verteidigst (“Er ist der liebevollste Mann, den ich kenne!”), von dem du dich dann im Paparazzi-Blickfeld verhauen lässt – das garantiert einen Taschenbuch-Bestseller “Sabrina Setlur: Zurück vom Schmerz” noch rechtzeitig zur Urlaubssaison 2010.

Du könntest alternativ ein Buch über deine Orgasmen schreiben. BILD: “Sabrina nimmt kein Blatt vor den Mund! Total frech und witzig schreibt sie über ihren Sex!”. Oder was darüber, dass du dich als farbiges kleines Mädchen total ausgegrenzt gefühlt hast im grauen Deutschland. Ich weiß aber nicht, ob sich beide Themen kombinieren lassen.

Ist ja nicht so, dass du musikalisch untätig sein musst: Best of, Remix, Tribute, Techno – aus den alten Songs lässt sich noch einiges wringen. Charity Single? Sicher doch. Duett mit Patrick Lindner? Man darf künstlerisch keine Scheuklappen haben!

Wie geht’s dir eigentlich gesundheitlich? Wenn du irgendein Zipperlein über ein paar Tage strecken könntest, würde das sicher ein prima “Angst-Tagebuch” abgeben, das eine Postille “exklusiv!” abdruckt.

Das alles dürfte dich bis 2012 in den Schlagzeilen halten – ca. 10 Jahre über das Verfallsdatum deiner ursprünglichen Karriere hinaus. Gerade rechtzeitig für das musikalische Comeback, das ungefähr so verläuft wie das von “Tic Tac Toe”. Und da wächst wieder zusammen, was zusammen gehört.

Alles nur Vorschläge. Ich meine ja bloß. Weil: jetzt ist auch schon egal, findest du nicht?

NACHTRAG: Die Sendung wurde wegen Quotenmangels nach vier von sechs Folgen abgesetzt.