
USA 2009. Regie: McG. Darsteller: Christian Bale, Sam Worthington, Moon Bloodgood, Helena Bonham Carter, Anton Yelchin, Bryce Dallas Howard u.a.
Story: Im Jahr 2018 glaubt der menschliche Widerstand, endlich eine wirksame Waffe gegen Skynet und die Heerscharen an Terminatoren zu kennen, die der Zivilisation das Licht ausgeblasen haben. Eine weltweit koordinierte Attacke wird geplant – doch John Connor muss befürchten, dass dabei Kyle Reese umkommt, den er eigentlich in naher Zukunft in das Jahr 1984 schicken muss, damit dieser sein Vater wird. Und plötzlich taucht mit dem verdächtig robusten Marcus Wright ein weiterer unberechenbarer Faktor im Mensch/Maschine-Krieg auf…
Kritik: Darauf habt ihr doch jetzt gewartet, oder? Der Wortvogel reißt dem seelenlosen Hollywood-Flop des Nulltalents McG ein neues Arschloch…
Bringen wir es hinter uns: Der Film ist gut. Sehr gut sogar. Ich saß in der Pressevorführung und wartete die ersten 15 Minuten gespannt darauf, dass T4 dramaturgisch zerfällt, dass McG sich blamiert, dass der Terminator-Mythos implodiert – und dann musste ich mir eingestehen, dass ich mich eigentlich recht solide amüsierte. Und das Amüsement ließ im Verlauf der 115 Minuten nicht etwa nach, es steigerte sich sogar noch.
“Terminator: Die Erlösung” ist zerstörungsgeiles Hardware-Kino, harte Männer gegen harte Maschinen. Wenn nicht geschossen wird, explodiert was, und wenn nichts explodiert… naja, dann ist der Film aus. Ähnlich wie “Star Trek” gönnt sich T4 praktisch keine Pausen, bleibt ständig in Bewegung. Der Plot ordnet sich völlig der visuellen Dynamik unter – die Charaktere finden immer im richtigen Moment genau das, was sie brauchen, um den nächsten Action-Beat zu setzen. Man hätte den Film auch “Terminator: The Ride” nennen können.
Dramaturgisch ist das die einzig richtige Entscheidung, denn das gesamte Terminator-Universum ist an keiner Stelle plausibel. Aber bevor jemand daraus eine Kritik lesen will: das war es schon im ersten Film nicht. Das Zeitreise-Element entzieht sich konsequent jeder Logik, weil es sich permanent auf den Fuß tritt – ist Connors Existenz nicht schon in “Terminator” der Beweis, dass der T-800 seinen Auftrag nicht erfüllen konnte? Wenn durch die Hardware des zerstörten T-800 Skynet erst möglich wurde – wieso konnte es dann in einer Zukunft existieren, in der Connor Kyle noch nicht zurück geschickt hatte? Würde der Verzicht auf Kyles Mission dadurch nicht zwangsläufig zwar die Existenz Connors, aber auch die von Skynet beseitigen?
Mit solchen Fragen hält sich T4 nicht auf, sondern packt in einen recht einfachen Rescue-Plot die Zerstörungswut von fünf Blockbustern – dagegen sehen “Wolverine” und “Star Trek” teilweise anämisch aus. Hier ist wirklich jeder Dollar auf der Leinwand gelandet – viel Film fürs Geld.
Natürlich macht der sauber orchestrierte Blechschaden aus T4 noch keinen guten Film. Connor bleibt als Hauptfigur blass und eindimensional – die Story von Marcus und Blair, die gleichberechtigt erzählt wird, entwickelt deutlich mehr Zugkraft. Dem Film fehlt dadurch der Fokus, der klare Protagonist – genau das, was “Wolverine” letztlich noch halbwegs aus der Scheiße zog.
Es gibt auch einige vermeidbare Fehltritte, die sich durch noch soviel CGI-Spektakel nicht übertünchen lassen: Helena Bonham Carters Rolle ist so peinlich wie unnötig; Bryce Dallas Howard steht nur dumm rum; die Mototerminators sind der feuchte Traum der Merchandise-Hersteller; die meisten Dialoge gehen bestenfalls als “okay” durch; John Connor benutzt den selben USB-Stick wie ich; und natürlich kann man die ganze Plot-Logik nach Belieben zerpflücken (warum will Skynet John Connor töten – sie haben doch Kyle Reese in ihrer Gewalt, dessen Tod das gleiche Ergebnis brächte).
Am schlimmsten fand ich aber das armselig rührselige Ende, das die “ab 12-Freigabe” scheinbar noch fix auf “ab 6″ drücken will. Es entzieht uns auch das Ende, auf das wir eigentlich gewartet haben, und das wir verdienen – Connor schickt Kyle in die Vergangenheit, um seine Mutter Sarah vor dem T-800 zu beschützen. Leider dachten sich die Macher, dass man für diesen saftigen Story-Bogen in den Teilen 5 und 6 genug Zeit haben würde. Nach den aktuellen Boxoffice-Zahlen sage ich da mal: Pustekuchen.
Aber all diese Schwächen ändern nichts daran, dass T4 115 Minuten lang wie ein filmischer Panzerwagen durch ein Spielzeugland fährt, ohne Rücksicht auf Verluste.
Ein Sommer-Blockbuster, wie er sein sollte: laut, fett, pubertär – und nicht so dumm, dass es einem schon im Kino auffällt. Das ist viel mehr, als ich erwartet hatte.
Random Thoughts:
- Wie ärgerlich für Roland Kickinger, dass er dem T-800 zwar seinen gestählten Körper leihen durfte – auf den Hals aber die digital rekonstruierte Birne des jungen Arnold Schwarzenegger getackert wurde (nur drei Szenen – aber ein erstaunlich wirksamer Effekt, den man im nächsten Teil gerne hätte ausbauen können)
- Moon Bloodgood hat mich die ganze Zeit abgelenkt – weil sie aussieht wie die Moderatorin Chrissie von “Ehrensenf”
- Die Seelenverwandtschaft mit “Mad Max 2″ wäre vielleicht nicht ganz so offensichtlich gewesen, wenn man sich das struwelige Waisenmädchen gespart hätte
- Obwohl John Connor von den Zeitreisen weiß, die u.a. Kyle Reese unternommen hat, wird das Thema (und die dafür notwendige Technologie) im Film kein einziges Mal angesprochen
- Das PG13-Rating, das der Film in den USA unbedingt brauchte, erweist sich durchaus als Problem: Die Gewalt der Roboter gegen die Menschen bleibt teilweise zu zurückhaltend, trotz aller Action mangelt es an der Terminator-notwendigen Härte
NACHTRAG:
Leser Strabo hat mich auf diesen Artikel hingewiesen, der sehr schön die teilweise drastischen Veränderungen aufzeigt, die das ursprüngliche Skript durchgemacht hat. Es erklärt auch viele der Probleme die ich oben angesprochen habe: warum die Heldenzeit auf zwei Figuren, nämlich Marcus und Connor, verteilt wird; warum die Terminatoren Kyle nicht ermorden; was die Figur von Helena Bonham Carter eigentlich sollte; warum das Ende so albern ist, etc. Man kann sich nur vorstellen, wie T4 dann ausgesehen hätte – nicht bloss unterhaltsam, sondern auch vergleichsweise smart und fokussiert. VIELE SPOILER!