“Ich hab’ den heißen Draht zur Welt” – Wortvogel zu Gast bei EgoFM (Nachtrag)

Gepostet am 28. April, 2009 um 19:09 Uhr
Kategorien: Neues.

egoEs ist mal wieder soweit: Der Äther ruft. Heute, am Dienstag, dem 28.4.2009, bin ich für 2 Stunden im Radio zu hören – auch übers Netz. Um 21.00 Uhr geht’s los.

Geredet wird über alles und jeden, Fragen können per Email gestellt werden. Ich hoffe auf rege Beteiligung und angemessenes Interesse!

Mein geschätzter Kollege Popkulturjunkie ist schon einen Schritt weiter: er war neulich im Fernsehen. Pöh!

P.S.: Man entschuldige die sonstige Funkstille. Ich bin derzeit viel unterwegs. Aber neue Beiträge kommen. Versprochen.

NACHTRAG: Die komplette Sendung kann mittlerweile unter der oben angegebenen Adresse runtergeladen und angehört werden.

Kino Kritik: “X-Men Origins: Wolverine”

Gepostet am 28. April, 2009 um 16:28 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

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Okay, die Sperrfrist ist rum, und ich darf endlich und offiziell meine Meinung zum neusten Superhelden-Opus kundtun. Nicht basierend auf dem Workprint, sondern basierend auf dem tatsächlichen und fertigen Film.

Einige von euch werden es dank eines Artikels bei AICN mitbekommen haben: Die ganze Sperrfristen-Regelung von Fox diente augenscheinlich nur dazu, die beinahe Deckungsgleichheit von Workprint und fertigem Film zu verschleiern. Wochenlang hatte man behauptet, der im Netz aufgetauchten Arbeitskopie fehlten 10 Minuten und signifikante Szenen der Reshoots. Alles Nebelgranaten: Bis auf die Effekte und die Musik konnte ich exakt EINE Änderung feststellen – eine Szene von Wolverine in Japan nach dem Nachspann wurde durch eine langweiligere Szene mit Stryker ersetzt.

Nun, da auch Regisseur Hood zugegeben hat, dass der Workprint durchaus dem finalen Produkt entspricht, ändert Fox die Taktik: es wird kolportiert, der Film habe verschiedene Enden (ich vermute, damit sind verschiedene kurze Szenen nach dem Nachspann gemeint).

Eine ganze Menge PR-Getöse für eine ganz simple und nachvollziehbare Bitte: schaut euch den Film im Kino an, auch wenn ihr die Raubkopie gesehen habt!

Workprint hin oder her – die für mich relevantere Frage lautet hingegen: ist “X-Men Origins: Wolverine” den Eintrittspreis wert?

Die Antwort ist stabiles “na ja, geht schon”.

Nach meinen eigenen strengen Maßstäben dürfte ich den Film nicht empfehlen. Das Drehbuch ist zu unfokussiert, die Dialoge sind teilweise erbärmlich, und die Figuren entwickeln keinerlei Eigenleben, keine Dynamik. Es gibt kaum eine Szene in “Wolverine”, die man nicht mit einem kopfschüttelnden “Was soll DAS denn jetzt?” quittiert.

Es gibt nicht einmal eine nennenswerte Story, sondern nur eine banale Abfolge von Ereignissen: Wolverine wird Teil eines Prä-X-Men-Mutanten-Teams, verlässt das Team, wird zurückgeholt, flüchtet, kehrt zurück, blablabla. Das hat weder Hand noch Fuß, zumal an keiner Stelle klar ist, was die Personen motiviert. Gut und Böse sind hier schlampig ungenau definiert, irgendeine charakterliche Stringenz darf man nicht erwarten. Es gibt auch Dutzende von Szenen, die überhaupt keine nennenswerte Funktion haben (die gesamte Sequenz mit dem alten Farmer-Ehepaar fühlt sich so an, als wäre Logan aus Versehen bei den Kents in Kansas gelandet). Obendrauf gibt es auch noch eine Sackladung Logikfehler und eine komplette Missachtung aller zeitlichen und räumlichen Zusammenhänge (Wolverine fährt mit dem Motorrad mal fix von Las Vegas nach New Orleans).

Auch tricktechnisch reißt “Wolverine” keine Bäume aus, im Gegenteil: die CGI rangiert von “okay” (Wolverine gegen den Helikopter) bis “autsch” (so ziemlich alle digitalen Matte Paintings und Vehikel-Animationen). Herrgott nochmal, sogar die Adamantium-Klauen sehen diesmal nach Plastik aus!

Gerade im Vergleich zum neuen “Star Trek”-Film fällt schmerzhaft auf, wie unfähig die Autoren von “Wolverine” sind, Nebenfiguren mit Leben und Beziehungen zu erfüllen. Gambit, Cyclops, Stryker, Blob, Silverfox – sie alle kommen vor, aber sie spielen nicht wirklich mit. Alles außer Wolverine und Sabretooth ist Hintergrundrauschen.

Wenn denn wenigstens der Dauerkonflikt zwischen Wolverine und Sabretooth irgendwie plausibel oder packend wäre. Aber weit gefehlt: die Beziehung der Brüder ist platt behauptet, und noch dazu schwer nachvollziehbar (ich vermute, dass die im Prolog behaupteten Verwandtschaftsverhältnisse keiner näheren Überprüfung standhalten). Wenn sich beide im Finale wieder “verbrüdern” (ähem), ist das eine krasse Missachtung der Tatsache, dass Creed ein eiskalter Mörder von Frauen und Kindern ist. Das fühlt sich einfach falsch an.

Endgültig ins Bein schießt sich “Wolverine” nach einem eher einfallslosen Showdown bei dem Versuch, noch kurzfristig diverse Beziehungen und Subplots auf Null zu setzen, um Widersprüche mit dem ersten “X-Men”-Film (der zeitlich danach spielt) auszubügeln. Das geht ganz böse in die Hose, und es funktioniert auch nicht.

Dumme Story, platte Charaktere, hanebüchene Dialoge, schlechte Trickeffekte – kann mir jemand sagen, warum ich “Wolverine” trotzdem empfehle?

Ganz einfach: Der Film lebt vom Macho-Charisma seiner Hauptakteure. Jackman und Schreiber sind einfach klasse, haben Ausstrahlung und Eier. Es ist ihre Show. Ich nehme Jackman da auch gerne gegen alle Kritik in Schutz: er hat Wolverine einfach “drauf”. Natürlich so weichgespült, wie es für einen Blockbuster nötig ist (der Film ist trotz aller Gewalt erschreckend blutleer), aber trotzdem auf den Punkt.

Außerdem ist auf der Leinwand ständig was los: “Wolverine” mag keinen nachvollziehbaren Plot haben, aber das gleicht er mit solide inszenierter Action und viel Bewegung aus. Um Jim Steinman zu zitieren: “There’s nothing wrong with going nowhere, baby, but we should be going nowhere fast”.

“Wolverine” ist die Definition eines filmischen “going nowhere fast”. Eine banale Achterbahnfahrt, aber wenigstens mit Doppel-Looping.

Wem das reicht, der mag sich gar nicht so schlecht unterhalten. Wenn es allerdings das Maximum ist, das man aus der coolsten Figur des X-Men-Teams rausholen kann, verzichte ich gerne auf weitere “X-Men Origins”. Wer will schon “X-Men Origins: Storm” sehen?

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Kino Kritik: “Star Trek 11″ (spoiler-free)
“Our destinies have changed”

Gepostet am 28. April, 2009 um 00:29 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

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“Star Trek” war in meinen Augen eine scheintote Franchise, erstickt an der eigenen Nostalgie, vollgestopft mit Figuren, die vor lauter Heiligkeit kein Leben mehr in sich tragen, und einer Mythologie, die jeden Versuch eines Neuanfangs zum Scheitern verurteilt. Ein Museum respektierter Ideen, ein Schrein, aber längst keine Quelle  von Kick Ass Entertainment mehr. Zuviele Produzenten und vor allem zu viele Darsteller, die neben ihren Gehaltsschecks auch noch Mitspracherecht verlangen, weil sie natürlich alle am Besten wissen, was zu tun ist. Mühsam als Geldkuh am Leben gehalten, schwerfällig den aktuellen Trends nachhumpelnd. Ideologisch und dramaturgisch irgendwann in den frühen 90ern stehen geblieben, ohne dass die Produzenten es bemerkt hätten. Eine Legende im Wachkoma.

Paramount hatte nach dem Flop von “Star Trek: Nemesis” und “Star Trek: Enterprise” die Wahl: Stecker ziehen – oder sich einen neuen Arzt suchen. Dr. JJ Abrams (“Alias”, “Mission Impossible 3″) sollte es also richten. “Star Trek 11″ (ich nenne den jetzt einfach mal so) ist das Ergebnis des radikalen neuen Therapieansatzes.

Wow. Einfach mal wow.

Der neue Star Trek-Film ist weit besser, als ich erwartet hatte, und weit besser, als er eigentlich sein dürfte. Er bietet großes Blockbuster-Entertainment für die breite Masse – und schafft es ganz nebenbei mit spielerischer Leichtigkeit, das Trek-Universum umzukrempeln, abzustauben, und auf blitzsauber polierte neue Füße zu stellen. Es ist keine Fortsetzung, eher der Pilotfilm einer ganz neuen Interpretation der Franchise. Konsequenterweise ist der Plot deshalb genauso zweitrangig wie der Bösewicht (Eric Bana als weiterer außerirdischer Grumpftie, der irgendwie alles kaputtmachen will) – es geht dem Film primär darum, die Figuren neu einzuführen, ihren Beziehungen zueinander zu setzen, und das mit einem größtmöglichen Maß an Pow! Woooosh! und Krazong!

Schon der Opener mit Kirks Vater ist ein Knaller, und sicher eine der packendstens Szenen, die das Franchise je zustande gebracht hat – dabei spielt keine unserer bekannten Figuren mit!

Die Etablierung einer neuen Zeitlinie erlaubt Abrams, vom Start der Mythologie an alles noch einmal neu zu überdenken, und gegebenenfalls umzudeuten. Ein genialer Kniff, der ihn vor allen Trekkern bewahrt, die bei den kleinsten Inkonsistenzen sonst immer gleich “Kanon! Kanon!” schreien. Die Zähler stehen wieder auf Null, und wie nun weitergeht, kann man eben nicht in den alten “Star Trek Encyclopedias” nachschlagen. Es ist sicher kein Zufall, dass im gesamten Film nicht einmal ein Klingone auftaucht – die wird Abrams vermutlich im Sequel überarbeiten.

Die Darsteller sind so gut, wie es ein solches Konzept zulässt – will sagen: verdammt gut. Sie versuchen nicht, den alten Cast nachzuäffen, sondern interpretieren ihre Figuren neu (mit der Ausnahme von Zachary Quinto, der einen zwingenden Grund hat, wie Leonard Nimoy zu spielen). Die leise Autorität von Bruce Greenwood als Captain Pike trägt den Film, bis Kirk zum ersten Mal das Kommando übernimmt. Das Stunt-Casting der 38jährigen Winona Ryder als Mutter des 31jährigen Zachary Quinto hätte man sich allerdings schenken können.

Das Skript ist hart an der Perfektion: die Figuren werden so elegant und zügig eingeführt, dass es eine Freude ist. Jeder hat seinen glorreichen Moment, und die Dialoge wirken frisch und natürlich. Selbst sonst chronisch unterbeschäftigte Figuren wie Uhura gewinnen Profil. Wenn man das allein mit den pudrig-peinlichen Versuchen der TNG-Filme vergleicht, jedem Crew-Mitglied irgendwas zu tun zu geben…

Vor allem funktioniert die neue Besetzung als Team. Die Chemie zwischen den Darstellern ist unbestreitbar, und wird von Abrams perfekt umgesetzt. Ganz abgesehen von der massiven Action macht es einfach Spass, den Charakteren bei ihren Abenteuern zuzusehen. Es wird teilweise extrem lustig, ohne dass sich der Film auch nur einmal im Ton vergreift.

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Technisch schleift “Star Trek 11″ die Franchise ebenfalls ins neue Jahrtausend: Die Kamera schaut nun nicht mehr statisch von außen zu, sondern geht knallhart in die Action hinein. Schnelle Schwenks, viele Nahaufnahmen, hektische Kamerafahrten – mittendrin statt nur dabei. Dazu Lichtblitze, Lensflares, Punktstrahler: dieses Universum lebt, atmet, hat Tiefe. Keine Spur mehr von der operettenhaften Künstlichkeit, der teppichweichen Stille, der steril-steifen Inszeniertheit früherer Trek-Inkarnationen. Genau wie die Bond-Filme hat Star Trek endlich verstanden, dass man sich auf seinen Lorbeeren nicht ausruhen darf, dass man sich immer wieder zur Speerspitze der aktuellen Kino-Standards machen muss, um mehr zu sein als nostalgisches Entertainment für Fans.

Ich wäre nicht der Wortvogel, wenn ich nicht auch was zu meckern fände: eine Sequenz im Mittelteil, in der Kirk sich auf einem unwirtlichen Planeten wiederfindet, strotzt nur so vor bequemen Story-Zufällen, die die Handlung am Laufen halten müssen. Hier haben die Autoren es sich arg einfach gemacht.

Und man muss auch die Frage stellen dürfen: wieviel Star Trek steckt eigentlich in “Star Trek 11″? Das hier ist ein Kriegs/Action/SF-Film. Star Trek war aber immer Abenteuer, Erforschung, fremde Welten, fremde Wesen. Es wird wohl die Fortsetzung brauchen, um mich zu überzeugen, dass Abrams neben den Figuren auch die Seele von Star Trek verstanden hat.

Letztlich aber alles wurscht: “Star Trek 11″ rockt die Hütte, und wer sich den nicht anschaut, ist selber schuld. Mehr als ein guter Star Trek-Film – ein guter Film.

Zur unvermeidlichen Einordnung: Bester Trek-Film bleibt “Der Zorn des Khan”. Vielleicht nur, weil ich ein alter Sack bin, der seine Meinung nicht mehr ändern mag. Aber “Star Trek 11″ kommt gleich danach, und balgt sich mit den Teilen 4 und 6 um die Silbermedaille.

Ja, leck mich am Arsch: “Star Trek 11″ hat mich zynischen Bastard wieder einen echten Trekker gemacht.

Der deutschsprachige Trailer sollte Grund genug sein, sich den Film im Original anzusehen – ohne Scottys und Checkov Akzente ist das alles nur halb so schön:

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Wenn das Abenteuer einen Namen hat, dann lautet er “Altbau-Sanierung”! (5)

Gepostet am 27. April, 2009 um 17:36 Uhr
Kategorien: Neues, Privates.

Ihr erinnert euch sicher an die Küche in Düsseldorf, die mittlerweile renoviert wurde:

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Mittlerweile ist der Boden geschliffen und geölt (PVC kommt nächste Woche). Sieht alles sehr schön aus.

Ziemlich früh habe ich mich entschlossen, eine Einbauküche anzuschaffen, damit nicht jeder Mieter da alles wieder raus reißt, wenn er auszieht. Einzige Ausnahme: der Kühlschrank soll vom Mieter angeschafft werden, da er sowieso frei im Raum steht, und ich die Entscheidung,wie groß er sein soll, nicht treffen will. Auch aus hygienischen Gründen soll jeder Mieter einen mitbringen.

Die räumlichen Gegebenheiten beschränken natürlich die Möglichkeiten bei der Gestaltung der Küche – relativ niedrige Decke, Dachschräge, etc.

Bei einem Münchner Möbelhaus fand ich einen Block, der mir sehr zusagte:

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Das Problem: ich brauche die Küche in Düsseldorf, die nächste Filiale war aber in Braunschweig. Die Speditionskosten sind nicht zu rechtfertigen.

Also machte ich mich am Samstag in Düsseldorf auf die Suche nach einer Küche. Während es in München ganze Blocks mit Möbeldiskontern gibt, muss man am Rhein ziemlich lange danach suchen. Mein Onkel empfahl mir schließlich die Diskont-Tochter des Möbelriesen Vonnahme in Hassels mit dem schaurigen Namen “Chic & mit”.  Zu meiner Freude gab es dort genau die Systemküchen, die ich gesucht hatte. Und als wollte mir das Schicksal freundlich winken: es war der letzte Tag einer großen Aktion “Bis zu 50% Rabatt auf frei geplante Küchen”!

Freie Planung war wichtig, müssen die neuen Teile doch perfekt zu den verlegten Anschlüssen passen – und des hilft auch, wenn der Herd vor dem hoch verkachelten Stück Wand steht.

Ich fand einen Jungspund von Verkäufer, der mit großer Begeisterung und ebensolcher Geschwindigkeit ein CAD-Programm bediente, und nach einer Skizze die gewünschte Küche bastelte. Dank der Aktion wurde aus der einfachen Herdplatte eine Multifunktions-Ceranfläche, aus dem Backofen ein elektronisch geregeltes Edelwunder, die Dunstabzugshaube bekam ein Upgrade, und einen zweiten Hängeschrank (für über den freistehenden Kühlschrank) und eine Mikrowelle gab es kostenlos obendrauf.

Zu guter Letzt konnte mir der Berater auch noch die 3D-Ansicht der Küche auf meinen USB-Stick überspielen:

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Ein ziemlich feistes Teil für einen ziemlich moderaten Preis. Ende Mai wird geliefert, und wenn alles klappt, wird ab Anfang Juni auch vermietet.

Ich hatte es ja schon angedeutet: mein Mieter wohnt luxuriöser als ich…

10 Jahre nach dem Columbine-Massaker, 20 Jahre nach “Saved by the Bell”

Gepostet am 22. April, 2009 um 18:45 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues.

Letzte Woche war in den USA wieder “High Five Day”, und dieses Video aus dem Jahr 2007 hat mich tatsächlich berührt:

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Es ist ein so banaler und in seiner Normalität überraschender Einblick in den Alltag an einer Highschool – ganz ohne Pumpguns oder Jason Priestley. Das könnte auch Dortmund sein. Wie der Beitrag über die Schwulen in der Sportbar bringt mich das den Amerikanern wieder näher. Nach vielen Berichten über die “Tea Parties” habe ich das wirklich gebraucht.

Nicht gebraucht hätte ich die wieder etwas pathetischen Texteinblendungen am Schluss. Aber na ja – es sind Schüler. Da ist alles Drama.

Ich liebe das Internet: “Henson’s 11″

Gepostet am 22. April, 2009 um 17:53 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.
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Stumm auch am Stammtisch? Wolverine – Maulkorb für Medienjournalisten

Gepostet am 21. April, 2009 um 13:14 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

wolverine

Bei Telepolis bin ich gerade auf einen interessanten Artikel gestoßen – wie es aussieht, verlangt Fox von Journalisten, die in dieser Woche an einer Pressevorführung von “Wolverine” teilnehmen, die Unterschrift unter eine weitreichende Sperrfrist-Erklärung.

Ich hatte über das Thema ja bereits geschrieben: Sperrfristen sind mittlerweile üblich, aber deshalb nicht weniger übel. Sie schaden primär dem nicht tagesaktuellen Printjournalismus, der nun endgültig keine Chance mehr hat, einen Film vorab kompetent zu besprechen. Die Kollegen der Wochen- und Monatszeitschriften, die man in diesen Vorführungen trifft, sind also eher aus Gewohnheit überhaupt eingeladen worden – und kommen auch nur aus Gewohnheit. Das eigentliche Ziel des Screenings, kritische Berichterstattung zu erlauben, ist damit ad absurdum geführt worden.

Die Blogger wird’s nicht stören, die können auch noch drei Stunden vor dem Deutschlandstart noch eine Kritik online stellen.

Soweit alles nicht neu.

Die Sperrfrist-Erklärung von Fox ist aber besonders restriktiv – bis in Bereiche hinein, die jedes erträgliche Maß sprengen: “Darüber hinaus bestätige ich, dass mein Artikel / meine Kritik und/oder meine eigene Meinung zu dem Film, die in der Teilnahme an dieser Vorführung begründet sind, nicht vor dem 27. April 2009 in Printmedien wie Zeitungen oder Illustrierten, im Rundfunk, wie TV oder Radio und /oder in Neuen Medien wie Blogs, Foren oder Webseiten veröffentlicht, verbreitet und/oder an Dritte weitergegeben werden.”

Kurzum: Ich darf mir den Film ansehen – ich darf aber niemandem vor dem 27.4. meine Meinung sagen. Streng genommen dürfte ich nicht mal auf die Frage meines Chefredakteurs “Und – wie war’s?” antworten.

Ich denke, damit ist eine Grenze überschritten. Das ist kein verständlicher Schutz von Verleihinteressen mehr, sondern eine provokante Missachtung der Wechselbeziehung Presse/Vertrieb. Es ist der hässliche und offensichtliche Versuch, neben der gedruckten Kritik auch die Mundpropaganda zu knebeln.

Was mich am meisten ärgert: Gerade “Wolverine” hat bewiesen, dass die professionelle schreibende Zunft ihren Teil des Deals einhält: es gab exakt EINEN Journalisten, der nach dem Auftauchen der Arbeitskopie eine (durchaus positive) Kritik veröffentlichte – und prompt seinen Job verlor. ALLE anderen Kinokritiker weltweit (ich eingeschlossen) entschieden sich, dem Verleiher nicht in den Rücken zu fallen, und die millionenfach umlaufende Raubkopie zu ignorieren.

Das Problem: Fox kommt vermutlich damit durch. Man wird die Einhaltung der Sperrfrist-Erklärung nicht bis in die letzte Konsequenz verfolgen, um keinen Präzedenzfall zu provozieren (es ist zweifelhaft, ob die Erklärung vor Gericht Bestand hätte), und die Journalisten werden es hinnehmen. Man sieht von einer Verfolgung ab – behält sich aber die Möglichkeit als Drohkulisse vor. Das reicht in den meisten Fällen schon aus, um für Räson zu sorgen.

Nötig wäre in so einem Fall eine konzertierte Aktion von Journalisten, Zeitschriften, Verlagen, etc. – die Pressevorführungen müssten leer, die Sperrfrist-Erlärungen ununterschrieben bleiben. Aber dazu wird es nicht kommen. Es fehlen die Logistik und der Wille zum Widerstand.

Die Verleiher machen aus dem “Partner Journalist” den “Gegner Journalist”. Mittelfristig vergiftet das die Arbeitsatmosphäre – die langfristigen Konsequenzen wird man abwarten müssen.

Lustige Zensur-Synchro im US-Fernsehen: “Du verflachtes Erdloch!”

Gepostet am 20. April, 2009 um 22:19 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.

Im Flieger habe ich mal “4 Hochzeiten und ein Todesfall” gesehen. Die Szene, in der Hugh Grant zu spät aufwacht, und drei Minuten lang nur noch und wiederholt “fuck!” schreit, war nachsynchronisiert worden. Er rief nun permanent das akzeptablere “bugger!”. Sitzen ja schließlich auch Kindern im Flugzeug.

Kuschel-Neuvertonung ist in den US nicht unüblich, besonders bei Filmausstrahlungen im Free TV. Es gibt halt Kraftausdrücke, die sich nicht einfach wegschneiden oder runterdrehen lassen, ohne dass es brutal auffällt.

Oft werden auch beim Dreh schon verschieden unflätige Versionen gedreht.

Heute ist mir ein besonders hübsches Beispiel untergekommen. Der geneigte Filmfan wird sich erinnern: Samuel Jacksons Attitüde in dem arg gewollten Trash-”Klassiker” “Snakes on a plane” reduziert sich irgendwann auf ein gepfeffertes “I’ve HAD IT with these motherfuckin’ snakes on this motherfuckin’ plane!”.

So geht’s natürlich nicht:

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Meist, aber nicht immer sprechen die Stars diese Nachvertonung selber – es ist Bestandteil ihrer Verträge.

Unverschämt, ungelenk und unveröffentlicht: Meine ersten Bücher (2)

Gepostet am 20. April, 2009 um 20:59 Uhr
Kategorien: In Arbeit, Neues, Privates.

Sieg und Niederlage sind oft nur einen Telefonanruf voneinander getrennt. Wie mein erstes Sachbuch zwar geschrieben, aber nie veröffentlicht wurde, habt ihr ja bereits gelesen.

Es ist fast schon Karma, dass es mir mit meinem ersten Roman nicht viel anders gegangen ist. In der Zwischenzeit hatte ich mich zwar im Sachbuch-Bereich dank der “Science Fiction TV-Guides” ganz gut etabliert, und auch diverse Genre-Bücher für den deutschen Markt übersetzt, aber Prosa ist halt doch eine ganz andere Herausforderung.

Eigentlich war ich nie nie nennenswert scharf drauf, Romane zu schreiben. Das ist eine elende Arbeit, und ich komme ja auch mehr aus der journalistischen Ecke. Mir gefällt es, ein Sachbuch aus vielen Einzelteilen und tonnenweise Recherche zusammen zu bauen. Die durchlaufende Narrative eines Romans erschien mir immer ermüdend.

utopicsAber die Jungfrau kam zum Kind, und der Wortvogel zum Erstling, und das trug sich folgendermaßen zu: Um die Jahrtausend-Wende gab es den ersten großen Internet-Boom, der praktischerweise zusammenfiel mit dem Boom der Privatsender, und einem neuen Boom auf dem Comic-Markt (Mangas sei Dank). Es war viel Geld im Spiel, und neue Verlage und Sender schossen wie Pilze aus dem Boden. Ich profitierte als Übersetzer und Texter ganz gut davon – für die vgs hatte ich z.B. ein eigenes Katalogmagazin namens “u-topics” entwickelt, das ausschließlich die Genre-Veröffentlichungen des Verlages präsentierte, kombiniert mit redaktionellen Beiträgen.

Auch mein Koautor Marc machte gutes Geld, hauptsächlich als Übersetzer von großen Comic-Titeln. Er arbeitete u.a. für Carlsen, Dino und Panini. Bei Dino entschied man sich in dieser Zeit, es auch mal mit einem traditionellen Buchprogramm für die jüngere Zielgruppe zu versuchen. Flugs wurde in München ein Büro eröffnet, und eines der Zauberwörter war “Mystery”.  Es war schließlich die Hoch-Zeit von “Akte X”, “Buffy”, “Charmed”, und so weiter.

Es traf sich eher zufällig, dass ich Marc zu einem informellen Meeting bei Dino begleitete. Statt schweigend meinen Kaffee zur schlürfen, mischte ich mich natürlich immer wieder in die Diskussion über das Verlagsprogramm ein, und irgendwann meinte die Redakteurin, man wolle jetzt auch verstärkt in den Mystery-Bereich investieren. Ich schwadronierte, dass es nicht sooo schwer sei, da was auf die Beine zu stellen – die Parameter des Genres sind ja relativ klar gesetzt. Das brachte mir die Frage ein: “Ja, meinst du denn, du könntest da einen Roman schreiben?”.

Merke: Wenn man gerade das Maul aufgerissen hat, dass Mystery einfach zu schreiben sei, dann sollte man nicht im nächsten Satz kleinlaut eingestehen, dass man es selber allerdings nicht machen könne. Also verkündete ich: “Klar, kann ich”. Die Redakteurin drückte mir begeistert den ersten Band einer neuen Mystery-Reihe in die Hand, die man gerade gestartet hatte. Ich wurde auf der Stelle verpflichtet, den dritten Band zu schreiben.

Ich habe keine Ahnung, wieso das immer mir passiert.

Nun gibt es Schlimmeres, als aus einem eher zufälligen Verlagsmeeting mit einem Buchvertrag rauszugehen. Außerdem hatte man mir große Freiheiten bei der Story eingeräumt, und 200 Manuskriptseiten sind nicht wirklich viel. Ein stemmbarer Auftrag – und ideal, um meine Fähigkeiten als Romanautor anzutesten.

briefeZu Hause las ich mir erstmal den ersten Band der Reihe durch: “Briefe des Bösen” von Wolfgang van Deuverden. Ich war schockiert: Die Story ergab überhaupt keinen Sinn, die Figuren waren durch die Bank unsympathisch, es gab total unpassende Sexszenen und Gossensprache, und das Mysterium der von einem Hypnotiseur ausgelösten Selbstmorde wurde am Ende nicht aufgelöst. Das Buch hatte nicht einmal das Niveau der Groschenromane, die ich als Teenager gelesen hatte, und war von einer sprachlichen Unbeholfenheit, die jeder Beschreibung spottet.

Verunsichert rief ich die Redakteurin an: “Sag mal – das ist aber für mich keine stilistische Vorgabe, oder?”. Sie versicherte mir, dass der erste Roman in der Tat ziemlich übel sei, und man natürlich von mir bessere Qualität erwarte. Das beruhigte mich: ich war nicht sicher, so krude daher schreiben zu können, wie es der Autor von “Briefe des Bösen” getan hatte. Und wer mir nicht glaubt, kann sich gerne selbst überzeugen – das Buch gibt es für weniger als 50 Cent bei Amazon.

Während der Boom-Zeiten muss immer alles schnellschnell gehen, und darum setzte ich mich sofort daran, drei verschiedene Szenarien für den Verlag auszuarbeiten. Ich kann mich kaum noch daran erinnern, aber da war was mit einem UFO, dann eine ziemlich knallharte Hexenstory, und ein Science Thriller über verschwundene Obdachlose und Junkies, die für Klonexperimente missbraucht werden.

Dino entschied sich für den dritten Vorschlag, und wollte auch möglichst fix den Roman dazu haben. Im Zweifelsfall schreibt sich am schnellsten, was man kennt, also plünderte ich für den Thriller meine Vergangenheit als Zivi, und siedelte die Geschichte auch rund um den Düsseldorfer Hauptbahnhof an, wo ich mich auskannte. Titel: “Die Armee der Vergessenen”.

Ich gebe offen zu, dass ich damals viel zu wenig Erfahrung hatte, und mir grundlegende dramaturgische Kenntnisse abgingen. Fast alles lief in Echtzeit ab, ich vergaß das notwendige Mindestmaß an Subplots, und die Erzählperspektive war auch nicht gut definiert. Wenigstens gönnte ich mir diverse Insider-Gags: praktisch alle Figuren waren nach Düsseldorfer Altbier-Sorten benannt, nur der Kommissar aus dem hohen Norden hieß Holsten.

Wenn ich heute in den Text reinlese, treibt es mir die Schamesröte ins Gesicht (alte Rechtschreibung voraus!):

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“Hast du Zeit?” wurde Michael von hinten angesprochen. Er drehte sich um und sah einen kleinwüchsigen Mann, Typ Frührentner, der sich nervös umsah.
Michael mußte sich das Lachen verkneifen. Gut, er sah für seine 33 Jahre noch ziemlich jung aus, und seine lässige, halblange Lederjacke und die Doc Martens-Schuhe verstärkten den Eindruck. Aber so platt war er lange nicht mehr angemacht worden, nicht einmal hier am Hauptbahnhof. Er schüttelte den Kopf. “Falsche Adresse, Mann. Schieb‘ ab.”
Der Typ verkrümelte sich, und Michael verließ das Gebäude durch den Haupteingang. Als er an einer aluminiumverkleideten Säule vorbeikam, sah er sich seine Reflektion genauer an. Das mittellange braune Haar, die blauen Augen, das weiche Gesicht – er sah nicht schlecht aus, aber woraus schlossen solche Männer immer, daß er käuflich sei? Wie konnte man so etwas überhaupt abschätzen?
“Habt ihr Richie gesehen?” fragte Michael ziellos in die Runde aus Strichern und Alkoholikern, die in loser Aufstellung auf dem Vorplatz des Düsseldorfer Hauptbahnhofs herumlungerten. Allgemeines Kopfschütteln, benebeltes Gebrabbel.
Michael seufzte. Das lief ja großartig. Richie war mal wieder nicht aufzufinden. Also war er entweder unterwegs, um sich einen Schuß zu setzen, oder er war bei einem Freier, der ihm für ein paar Stunden Unterschlupf bot.
Er sah sich hilflos um. Wie immer um die Mittagszeit war viel los. Menschen hasteten von den Zügen zu den Taxiständen, von den U-Bahnen zu den Bussen. Hektische Betriebsamkeit, auch bei denen, die sich eine Minute Zeit nahmen, um an den Freßständen einen Snack runterzuschlingen. Auf eine perverse Art und Weise waren die Junkies und Penner eine Insel der Ruhe.
“Na gut, wenn er kommt, dann sagt ihm, daß ich hier war. Und wenn er nicht am Mittwoch in der Sprechstunde erscheint, kann er sich meine Unterstützung für das Methadon-Programm in die Haare schmieren.”
Julia kam auf ihn zu und griff ihn am Arm. Dann zog sie ihn ein wenig von der Gruppe weg. Ihre Stimme war klar und fest, ihr Blick wach. Ein gutes Zeichen. Julia war erst vor kurzem von zuhause abgehauen und am Bahnof gelandet. Soweit Michael das beurteilen konnte, hatte sie mit Drogen und dem Straßenstrich nichts am Hut. Noch nicht. Er konnte ihre Sorge sehen, als sie ihm zuflüsterte: “Richie ist schon seit drei Tagen weg. Ich mache mir echt Sorgen um ihn.”
“Wo könnte er hin sein?”
“Keine Ahnung. Aber ich dachte, du könntest mal bei den Bullen nachfragen.”
Michael atmete tief durch. Wenn Richie sich den Goldenen Schuß gesetzt hätte, wäre die Akte schon auf seinem Schreibtisch gelandet, inklusive der üblichen Fotos: die nackten Kacheln irgendeiner Klotür, ein verrenkter Körper, ein Gummischlauch, eine Spritze. Aber er hatte nichts dergleichen gehört. Und im Knast saß Richie auch nicht. Für mehr als kleinere Diebstähle taugte dieses H-Wrack sowieso nicht.
“Hör zu, Julia: Ich checke das bei den Behörden mal ab, und ich frage auch mal in Köln nach, ob er jetzt vielleicht dort rumhängt. Aber dafür mußt du auch was für mich tun.”
Das Mädchen mit den strähnigen rotblonden Haaren und den unglaublichen Plateau-Turnschuhen legte den Kopf  schräg: “Was denn?”
“Ich will, daß du morgen mal im Jugendcafé vorbeigehst und mit Klaus sprichst.”
“Ach scheiße, Meisner, nicht schon wieder die Sozial-Tour.”
“Sag‘ mir, daß du hingehst.”
“Was soll das denn bringen?”
“Klaus braucht eine Aushilfe, und vielleicht ist damit uns beiden geholfen.”
Sie sah ihn einen Moment lang nachdenklich an. Dann nickte sie: “Okay.”
Michael legte ihr die Hand auf die Schulter. Dann drehte er sich um und verließ den Tummelplatz gescheiterter und “noch-nicht-aber-bald”-gescheiterter Existenzen. Julia würde nicht zu Klaus gehen. Das war so sicher wie das Amen in der Kirche. Sie würde auch morgen wieder hier hocken, Bier aus der Dose trinken, und sich ein Stückchen dem Sog der Straße ergeben.
Aber Michael würde sich nach Richie erkundigen. Nur weil alle anderen sich einen Scheißdreck kümmerten, mußte er es ihnen ja nicht nachmachen.
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197 Seiten Sozialarbeiter-Romantik, Junkie-Melodram, und Mad Scientists. So eine Mischung muss man sich erstmal trauen…

Aber beim Verlag kam das Manuskript sehr gut an, zumal es doch ein wenig stimmiger und flüssiger zu lesen war als “Briefe des Bösen”. Ich konnte also vergleichsweise beruhigt die Rechnung stellen.

Und dann – platzte die Blase. In wenigen Monaten brach die New Economy ein, das Risikokapital weg, und die Beteiligten merkten, dass sie in großem Stil auf Sand gebaut hatten. Plötzlich zählten bei den Buchverkäufen wieder nackte Verkaufszahlen, und nicht die teuren Hochglanzprospekte. Leider sah es da gar nicht gut aus: “Briefe des Bösen” hatte sich schon schlecht verkauft, der Nachfolger dann noch schlechter, und es machte schlicht und ergreifend keinen Sinn mehr, meinen Roman noch mit hohen Verlusten in den Markt zu drücken.

Ein paar Monate später wurde die Dino-Dependance in München geschlossen, und das Buchprogramm komplett ad acta gelegt.

Letzten Endes ist es egal, ob die schlechte Qualität der ersten beiden Bände die potentiellen Käufer verschreckt hat, oder ob diese Mystery-Reihe von Anfang an keine Chance gehabt hatte. Das Ergebnis blieb gleich. Mein Roman wurde bezahlt, aber nie gedruckt.

Kurioserweise ist das Buch noch bei Amazon gelistet, fälschlicherweise aber mit van Deuwerden als Autor. Egal.

Man sieht das als Autor natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Ich habe mich damals furchtbar geärgert, und war immens frustriert. Man investiert ja doch Zeit und Herzblut in so ein Projekt. Aber die folgenden Jahre gaben mir genug andere Gelegenheiten, mich als Autor zu beweisen, und als ich vor ein paar Jahren das Manuskript wieder in die Hände bekam, war ich froh, dass kaum jemand außer mir es je gelesen hat. Es entspricht so gar nicht meinen eigenen Ansprüchen.

Wirklich schlimm wäre es nur gewesen, wenn “Die Armee der Vergessenen” mein einziger Ausflug in die Prosa gewesen wäre. Die große verpasste Chance.

Aus nostalgischen Gründen habe ich das Manuskript mal ausgedruckt, und als Hardcover binden lassen (wie alle meine verfilmten Drehbücher). Jetzt gibt es das Buch wenigstens. Auflage: 1.

Unverschämt, ungelenk und unveröffentlicht: Meine ersten Bücher (1)

Gepostet am 19. April, 2009 um 14:23 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, In Arbeit, Neues, Privates.

Kommentator Nobby hat vollkommen Recht: Ich habe in letzter Zeit das, was mein Blog eigentlich von anderen Blogs unterscheiden sollte, vernachlässigt. Die Einblicke in meine Arbeit und in die Branche sind weniger geworden.

Das hat unter anderem damit zu tun, dass es aktuell nicht so viel zu berichten gibt. Seit Dezember arbeite ich mit massiv gebremstem Schaum, denn die Rezession hat gerade im Bereich Fiction-Produktionen für das Privatfernsehen massiv durchgeschlagen. Allerorten werden Projekte abgesagt, Budgets gekürzt, Sendeplätze gestrichen. Statt mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, oder mich verrückt zu machen, entspanne ich ein wenig, und warte auf bessere Zeiten. Nach 20 Jahren Vollgas finde ich das angemessen. Außerdem halten mich andere Aufgaben (wie die Renovierung in Düsseldorf) genug auf Trab.

Das wird sich auch wieder ändern. Ich gehe davon aus, dass ich ab Mai/Juni ausführlich über meinen ZDF-Zweiteiler mit Heike Makatsch berichten kann, und über den dazu gehörigen Roman.

Aber es liegen noch genügend schräge Geschichten aus früheren Zeiten auf Halde, die ich endlich mal erzählen könnte. Eher willkürlich fange ich heute mal mit den ersten Büchern an, die ich geschrieben habe. Wie üblich gilt: Aus Vertraulichkeitsgründen muss ich bestimmte Details weglassen, und es mögen sich auch ein oder zwei Fehler eingeschlichen haben.

Es muss Ende 1994 gewesen sein: Internet gab es noch nicht, aber dank des US-Korrespondenten der Zeitschrift GONG bekam ich regelmäßig Videokassetten aus den USA mit den neusten Serien (vorausgesetzt, Claus Preute hatte es nicht mal wieder vergessen, oder den Rekorder falsch programmiert). „Babylon 5“ war mein absoluter Favorit, und es machte mich rasend, dass man so schwer an Informationen rankam. Trekker konnten praktisch alle Details in Ralph Sanders „Das Star Trek Universum“ nachschlagen, als Fiver war man hingegen chronisch unterversorgt.

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Aber wie heißt es so schön? „If you want something done right, do it yourself“. Wenn Heyne erfolgreich Bücher zu „Star Trek“ auf den Markt werfen konnte, wieso dann nicht auch zu „Babylon 5“? Ich sah mich in einer günstigen Position: als Redakteur bei einer TV-Zeitschrift war ich zumindest eine Stufe über dem reinen Fanboy, und der damals noch unabhängige Heyne-Verlag war genau wie der GONG in München beheimatet. Ich hatte keine Ahnung, wie man einem Verlag ein Buchprojekt vorstellt, und fragte Kollegen, die 20 Jahre Erfahrung auf dem Buckel hatten. Ich bekam nur unbefriedigende Antworten: man müsse Probekapitel schreiben, Konzepte, diese dann schriftlich einreichen, etc. Im Grunde sei es wie die Bewerbung um eine Arbeitsstelle – nur aussichtsloser, weil man als Greenhorn kaum eine Chance habe, ernstgenommen zu werden.

Das fand ich sehr unbefriedigend und zeitraubend, und darum wählte ich rotzfrech den direkten Weg: Von der Auskunft besorgte ich mir die Adresse und die Telefonnummer des Verlages. In einer Mittagspause rief ich bei Heyne an, und bat darum, zu Wolfgang Jeschke durchgestellt zu werden, der damals das Science Fiction-Programm des Verlages betreute. Das klappte tatsächlich. Ich stellte mich knapp vor, und erzählte ihm, dass ich die Idee für ein Sachbuch aus dem SF-Bereich hätte. Wolfgang Jeschke schlug vor, ich solle doch in der folgenden Woche mal auf einen Kaffee vorbei kommen, und ihm die Idee genauer darlegen.

Ja, so einfach kann es sein.

Eine Woche später saß ich in Jeschkes mit Büchern vollgepacktem Büro in der Türkenstraße 5, kaum einen Kilometer von der GONG-Redaktion entfernt. Ich war 25, hatte keine Ahnung, wie man Bücher schreibt, aber genügend Enthusiasmus, um mit wedelnden Händen und aufgeregter Stimme von „Babylon 5“ zu erzählen – und der Tatsache, dass der Markt ein Buch dazu einfach brauche. Jeschke hatte von B5 schon gehört, und ihm gefiel der Gedanke, ganz vorne bei dem Trend dabei zu sein. Er fragte mich ein paar Details ab: wie schnell könnte das Buch fertig sein? Wieviel Seiten könnte es haben? Gibt es direkte Verbindungen zu Warner Brothers? Ich antwortete nach bestem Wissen und Gewissen. Das sah doch gar nicht schlecht aus…

Irgendwann legte Jeschke seinen Bleistift zur Seite. Ich verkrampfte ein wenig. „Was haben Sie sich denn als Honorar vorgestellt?“. Mir brach der Schweiß aus. Ich hatte wirklich keine Ahnung, und mit der Frage auch nicht gerechnet. Was verdient ein Buchautor? Stundensatz? Pauschal? Gewinnbeteiligung? Portokasse? Mir war klar, dass ich mit einer falschen Antwort jetzt alles zunichte machen konnte. Also drehte ich den Spieß um: „Sagen Sie mir doch einfach eine Zahl, und dann schauen wir mal“. Jeschke runzelte die Stirn: „Wir gehen natürlich ein unternehmerisches Risiko ein, und Sie sind als Autor ja noch ein unbeschriebenes Blatt…“

jeschkeIch weiß nicht, ob man sich das heute noch vorstellen kann, aber damals gab es für jemanden, der nicht in Autorenkreisen verkehrte, auch keine Chance, sich schlau zu machen. Ob man für ein solches Sachbuch 500 Mark oder 5000 bekommt – woher sollte ich das wissen? Zum Glück war das für mich auch zweitrangig – ich verdiente gut beim GONG, und dieses Sachbuch war mir eher ein Anliegen als eine Geldquelle. Ich konnte sehen, wie Jeschke in seinem Kopf Zahlen hin und her schob. Schließlich: „Wie wäre es mit 4500 DM – die Hälfte bei Vertragsabschluss, die andere Hälfte bei Veröffentlichung? Und sechs Prozent vom Verkauf.“

4500 Mark! Das war ja ein Heidengeld! Ich war rechtschaffen baff. Ich hätte das Buch auch für 2000 geschrieben. Jeschke reichte mit die Hand: „Abgemacht?“. Ich griff zu: „Abgemacht.“

Er begleitete mich zur Tür, und sagte im Vorbeigehen zu seiner Sekretärin, sie möge schon mal einen Vertrag fertig machen, die Details würde er ihr gleich vorbei bringen.

Fünf Minuten später stand ich auf der Straße. Das Gespräch hatte eine knappe halbe Stunde gedauert. Torsten Dewi – Buchautor. Ich war völlig fassungslos, dass das so einfach gewesen war. Entweder hatten meine Kollegen mich auf den Arm genommen, oder sie wollten sich bloß nicht, dass jemand in ihrem Revier wildert.

babylon1Tatsächlich hatte ich eine Woche später den Vertrag im Briefkasten, und machte mich mit Feuereifer an die Arbeit. Ich strukturierte das Buch anhand einer groben Inhaltsangabe (Vorgeschichte, Pilotfilm, die Episoden, die Besetzung), und kopierte in der Redaktion jeden Schnipsel zusammen, den ich zu B5 finden konnte. Dabei zeigte sich schnell, dass meine Dokumentation erhebliche Lücken aufwies: es gab weder ordentliche Episodenführer, noch solide Biographien der meisten Darsteller. Bei einer weiteren Reise nach London kaufte ich eine obzöne Menge an Ausgaben von „TV Zone“, „Cinefantastique“, und „Starlog“, um das auszugleichen. Die Tatsache, dass B5 gerade erst in die zweite Staffel ging, sah ich als Vorteil – so konnte der Verlag alle zwei Jahre eine erweiterte Auflage des Buches auf den Markt werfen.

Bei einem zweiwöchigen Trip in meine Heimatstadt Düsseldorf verbrachte ich die meiste Zeit im Bett, um mit einem vorsintflutlichen Laptop alle Inhalte und Credits der mir verfügbaren Folgen mitzuschreiben. Immerhin sollte die ausführliche Besprechung der Episoden den Kern des Buches bilden. Das war ein reiner Schlauch – ansehen, Band stoppen, tippen, ansehen, Band stoppen, tippen…

Ein besonderes Leckerli war der schicke Titelentwurf, den ich von Heyne zugeschickt bekam (und bis heute macht es mich rasend, dass ich den nicht mehr finden kann). Damit hatte das Buch immerhin schon ein Cover, eine ISBN-Nummer – und ich stand als Autor groß vorne drauf! Man kann diese Version bis heute in den Datenbanken von Amazon finden.

In dieser Zeit hörte ich das erste Mal von Problemen: Heyne (im Gegensatz zu Heel) war auf lizensierte Produkte spezialisiert, wollte also von Warner Bros. die offizielle Genehmigung, dieses Buch zu veröffentlichen. Und die kam nicht. Zuerst wollten die Amerikaner eine Übersetzung der Inhaltsangabe, dann ein übersetztes Probekapitel, dann ein übersetztes Konzept. Ich lieferte. Monate gingen ohne Entscheidung ins Land. Das Buch sollte 1996 erscheinen, aber das wurde immer unwahrscheinlicher.

Es gab aber auch positive Überraschungen: ProSieben hatte „Babylon 5“ gekauft, und das würde den Verkäufen sicher förderlich sein. Ich wurde vom Sender eingeladen, die Serie als Science Fiction-Experte der Pressemeute in Hamburg vorzustellen. Kurz darauf wechselte ich vom GONG zu ProSieben, wo ich dank des Internet-Anschlusses derartig viel neues Material zu B5 fand, dass ich das fertige Manuskript noch einmal komplett umschrieb. Und ständig gab es neue Folgen, die ich dann doch noch in der ersten Auflage unterbringen wollte. Ich war schließlich selber Fan, und wollte das Buch schreiben, das ich selber auch kaufen würde.

Doch leider: die Amerikaner zickten weiter. Irgendwann kam ein Fax, dass sie wohl doch das gesamte Buch in übersetzter Fassung haben wollten, um eine Entscheidung über die Lizenzierung zu treffen. Das war weder logistisch noch zeitlich zu stemmen, und das wusste auch Wolfgang Jeschke: „Ich glaube, die wollen uns hinhalten, weil die längst an eigenen Projekten in der Richtung arbeiten“.

Es kam zu dem Meeting, vor dem ich mich seit Monaten gefürchtet hatte: Wolfgang Jeschke erklärte mir, dass er keine Chance sehe, angesichts des Widerstandes von Warner Brothers das Buch auf den Markt zu bringen. Das Risiko, den „unofficial guide“ zu machen (und sich eine Klage einzuhandeln), wollte Heyne nicht eingehen.

Ich war natürlich maßlos enttäuscht, zumal das Manuskript ja fast fertig (und knapp 400 Seiten lang) war. Jeschke zeigte sich aber außerordentlich fair, und sorgte dafür, dass ich auch die zweite Hälfte des Honorars ausbezahlt bekam, obwohl das Buch nie erscheinen würde. Das rechne ich ihm bis heute hoch an.

Die Auszahlung des Resthonorars würde allerdings noch eine ärgerliche Nebenwirkung haben, wie ich Jahre später feststellen sollte. Aber das erzähle ich ihm Rahmen meiner Erlebnisse mit den “SF TV Guides” dieser Tage mal…

Wie dem auch sei: mein erstes Buch war demnach für die Tonne geschrieben, und wurde nie veröffentlicht. Vielleicht ist es auch besser so: es war sehr grob gestrickt, und vollgepackt mit Anfängerfehlern, die ich heute nicht mehr machen würde. Ich habe dabei eine ganze Menge gelernt, und auch die freundliche Betreuung durch Wolfgang Jeschke wird mir unvergessen bleiben.

Vor allem aber nahm ich eine Erkenntnis mit: Wenn man von einer Idee überzeugt ist, kann man durchaus mal auf dem “kleinen Dienstweg” versuchen, sie an den Mann zu bringen. Frechheit siegt.

Nicht ahnen konnte ich zu diesem Zeitpunkt, dass es mir mit meinem ersten Roman nicht anders gehen würde – und dass die Geschichte des “Babylon 5 Universums” noch nicht zu Ende erzählt war…

Wuschelige Racker (in Ausbildung)

Gepostet am 17. April, 2009 um 22:05 Uhr
Kategorien: Neues.

Zeit für “Dog Content”. Bei meinem Freund und Kommentator Doc hat es Nachwuchs gegeben:

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Zwei Wochen alt: Drei Lhasa Apso-Welpen – echte Luxus-Wauzis. Wenn die größer werden, sehen sie ungefähr so aus. Nach ein paar Monaten entwickeln sie dann für gewöhnlich Superkräfte:

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Wenn man sie nicht regelmäßig zum Friseur bringt, kann das böse Folgen haben:

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Der Hund ist in so einem Fall auch zur Reinigung von Hartholzböden geeignet (ohne Politur!).

Wer ernsthaftes Interesse hatte, so einem herzallerliebsten Knuddelchen ein außergewöhnlich gutes Zuhause zu bieten, kann sich wegen der Details und der Preise hier an den Doc wenden.

Das wird Folgen haben – Neue Serien (4): Die Grabbelkiste für den ganzen Rest

Gepostet am 16. April, 2009 um 10:32 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Heute halte ich mich ein wenig knapper, weil das Thema nicht ausufern soll – und weil die meisten hier vorgestellten Serien auch keine langen Arien wert sind.

“Whitechapel”

Fangen mit der Serie an, die meine einleitenden Worte eigentlich Lügen straft – “Whitechapel” ist ziemlich gut. Aber die Serie hatte nur drei Folgen. Darum braucht man nicht viele Worte verlieren. Es geht um einen jungen und ehrgeizigen Chief der Londoner Polizei, der mit seine Bande von faulen Veteranen eine Mordserie aufklären will, die sich immer deutlicher als ein Remake der Taten Jack the Rippers herausstellt. Ein Imitator? Ein Fan? Eine Reinkarnation gar?

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Von den neu gestarteten Krimiserien in England hat mir diese eigentlich am besten gefallen, denn sie spielt nicht nur mit einer faszinierenden Grundidee, sondern füllt diese auch noch mit interessanten Charakteren, und diversen gelungenen Thriller-Elementen.

All das kann man leider von…

“Law & Order UK”

… nicht sagen. Es ist sowieso schwer zu sagen, warum es nötig war, die altersschwache Franchise von Dick Wolf nach Großbritannien zu exportieren.

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Echte TV-Junkies haben es sofort gesehen: den jungen Ermittler gibt Jamie Bamber, aka “Apollo” aus “Battlestar Galactica”. Und wieder einmal kommt seine Charakterisierung über “farblos” nicht hinaus. Damit steht er allerdings nicht allein: Freema Agyeman (immerhin “Martha Jones” in “Dr. Who”) ist hier geradezu erschütternd schwach.

Es hilft nicht, dass für “Law & Order UK” alte Skripts der US-Vorlage recycelt wurden, die teilweise 15 Jahre auf dem Buckel haben. Und die Vororte von London sind nicht ansatzweise so interessant anzuschauen wie New York. So wirkt die Serie nicht wie ein Spinoff, sondern wie ein zweitklassiger Aufguss.

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Mit einem schrägen Trend bei den englischen Serien will ich mich an dieser Stelle nicht auseinandersetzen: Remakes. “Survivor 2008″, “Minder 2009″ – ein Haufen Klassiker des Insel-Fernsehens werden derzeit ausgegraben, abgestaubt, und neu verpackt. Scheint so, als gehen auf der anderen Seite des Ärmelkanals auch langsam die Ideen aus…

“Stormworld” / “Aaron Stone”

Bei diesen beiden Serien handelt es sich um Science Fiction-Produktionen. Bevor ihr aber begeistert in die Hände klatscht und “au prima!” ruft – die Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche.

“Stormworld” setzt die Tradition der australischen Genre-Serien fort, die teilweise thematisch erstaunlich breit angesiedelt sind. Man hat “down under” ja auch durchaus Platz genug, um epische Geschichten zu erzählen. Es geht um zwei Freunde, die mit einer Yacht in einer anderen Dimension landen, in der die Erde praktisch völlig unter Wasser steht, und die Reste der Zivilisation schwer umkämpft sind.

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Klingt nicht schlecht, ist aber letztendlich eher banal erzählt, mit wenig überzeugenden Spezialeffekten, und milchgesichtigen Darstellern.

“Aaron Stone” klingt zumindest auf dem Papier interessanter: Unser titelspendender Held ist ein absoluter Crack bei einem neuen Computerspiel, und stellt fest, dass dieses von einer geheimen Organisation als Rekrutierungswerkzeug genutzt wird. Man heuert ihn als Superagenten an, und er bekommt alle Waffen aus dem Spiel auch in Wirklichkeit.

Das könnte actionreich und fetzig sein, scheitert aber komplett an der Tatsache, dass die Autoren keinerlei Ahnung von Computerspielen und Computerspielern haben, und den durch die Bank zu alten Protagonisten (die 16 sein sollen, aber wie 22 aussehen) Dialoge in den Mund legen, für die man sich bei TKKG schon schämen würde. Was hier als “cool” verkauft wird, lädt massiv zum fremdschämen ein:

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“Roommates”

“Roommates” wäre gerne “Friends”: Mark zieht in eine WG, weil er heimlich in Katie verknallt ist (was ich verstehen kann), aber es gelingt ihm partout nicht, die Freundschaft in eine Beziehung umzubiegen.

Das ist alles harmlos, begrenzt witzig, und sicher geeignet, die Wartezeit auf die Ofen-Pizza zu überbrücken. Mehr aber auch nicht.

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Bei den Darstellern ist mir aufgefallen, dass Dorian Brown aussieht wie die TV-Variante von Jessica Biel, und dass David Weidoff vermutlich der illegitime Sohn von John Malkovich ist.

“Surviving Suburbia”

Von der Kritik verrissen, beim Publikum erschreckend gut angekommen: “Surviving Suburbia” ist die Rückkehr von Bob “Full House” Saget ins Genre der Familien-Sitcom. Und viel generischer geht es wohl nicht – er spielt des latent genervten Vater, der von seiner Brut andauernd untergebuttert wird, und sich mit dem neureichen Nachbarn herum schlagen muss.

Nun sollte man meinen, dass für einen Veteranen wie Saget ein paar der besseren Schreiber angeheuert werden. Dem ist augenscheinlich nicht so: “Surviving Suburbia” ist 21 Minuten witzfreie Zone. Geeignet allenfalls für Leute, die sich bei “According to Jim” totlachen.

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“In the Motherhood”

Wenigstens hat diese Magermilch-Sitcom über Mütter in der Vorstadt eine halbwegs interessante Geschichte: entwickelt wurde sie nämlich (mit anderen Darstellerinnen) als Web-Serie auf YouTube, bis an den Rand gefüllt mit Product Placement.  Der Erfolg veranlasste die Macher, es auch mal im “richtigen” Fernsehen zu versuchen.

“In the Motherhood” ist nicht halb so schlimm (oder frauenaffin), wie das Konzept vermuten lässt: Die Darstellerinnen sind allesamt Vollblutkomikerinnen (Cheryl Hines, Megan Mullally), es wird mitunter auch ziemlich gehässig, und ich stehe auf Rachael Harris, die hier die arrogante Chefin spielt. Sicher kein neues Highlight des Genres, aber besser als “Surviving Suburbia” allemal.

Statt eines Promos zeige ich euch hier mal eine der Web-Episoden mit der Original-Besetzung.

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Das muss für heute reichen – im letzten Teil widme ich mich dann dem neuen Trend zur Improv-Sitcom.

Das wird Folgen haben – Neue Serien (3): Bestseller, Bösewichte, Boten der Liebe

Gepostet am 15. April, 2009 um 11:07 Uhr
Kategorien: Neues.

Neue Serien, nächste Runde.

Erinnert ihr euch, was ich zu Tom Selleck geschrieben habe? Der war von Anfang an dazu auserkoren, TV-Star zu sein, und wurde solange durch immer neue Produktionen geschleust, bis es endlich klappte: “Magnum”.

Nathan Fillion ist Tom Selleck für das 21. Jahrhundert. Der Kanadier hatte seine erste größere Serienrolle in der Sitcom “2  guys, a girl, and a Pizza place”. Danach begegnete er Joss Whedon, was ihm wiederkehrende Rollen in “Buffy”, “Firefly” und “Drive” einbrachte. Außerdem spielte er in dem Alicia Silverstone-TV-Vehikel “Miss Match” mit, und in “Desperate Housewives”. Eine Kult-Fangemeinde brachte es ihm ein – aber keinen regelmäßigen Gehaltsscheck.

“Castle”

Jetzt versucht er es wieder, in der ABC-Serie “Castle”. Und dieses Projekt ist so weichgespült, so kantenfrei, so harmlos, und so geschmeidig, dass es vielleicht endlich klappt mit dem Erfolg. “Castle” hat in seiner absoluten Mainstreamigkeit das Zeug, für Fillion das zu sein, was “Remington Steele” für Pierce Brosnan war, und “Moonlighting” für Bruce Willis.

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Es geht um den sympathischen Bestseller-Autor Richard Castle, der gerade seine langlebige Romanfigur hat sterben lassen – und nicht mehr weiß, worüber er schreiben soll. Inspiration findet er ausgerechnet bei der einzelgängerischen Polizistin Kate Beckett, die gar nicht begeistert ist, dass Castle ihr bei der Arbeit über die Schulter sehen will. Doch Castle hat Verbindungen, und gar keine schlechte Nase, was die Motive von Verbrechern angeht…

“Castle” ist im besten Sinne altmodisch: die Fälle sind nicht übermäßig kompliziert wie bei “Bones” oder “The Closer”, der Humor ist nicht so schräg wie bei “Monk” oder “Psych”, und technischen Schnickschnack wie bei “CSI” und “Numbers” verkneift man sich auch weitgehend. Auch der eher gemütliche Erzählrhythmus gibt dem Zuschauer die Chance, den Täter (oder zumindest einige Hinweis auf ihn) mitzuraten, und sich ansonsten an dem sympathschen Geplänkel zwischen Kate und Richard zu erfreuen. Die Chemie zwischen Fillion und Stana Katic stimmt, und als Bonus gibt es noch unnötige, aber nichtsdestotrotz amüsante Szenen mit Castles überdrehter Mutter Martha, und seiner über die Maßen cleveren Tochter Alexis. Alles wie aus dem Handbuch für romantische Krimiserien – aus den 80er Jahren.

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Ich kann nicht sagen, ob ich die Simplizität von “Castle” erfrischend oder frech finden soll – aber die Tatsache, dass ich bisher jede Folge geguckt habe, spricht eigentlich für sich…

“Southland”

Nun schalten wir aber mal einen Gang hoch – “Southland” ist die neue Serie von John Wells, dem Erfinder von “E.R.”. Das Polizistendrama wird auch als der legitime Nachfolge der langlaufenden Ärzteserie gehandelt.

Das Konzept ist nicht neu: verschiedene Polizisten werden auf Streife in LA begleitet – der Veteran, der Neuling, der  Idealist. In einer Welt, in der Gewalt und Betrug zum Alltag gehören, sind sie das letzte Aufgebot vor der gesellschaftlichen Auflösung.

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“Southland” ist der Triumph von Kompetenz über die Innovation: keiner der Schauspieler ist sonderlich brillant, kein Plot übermäßig einfallsreich, und keine Figur besonders spannend – aber das ist mit soviel Verve und Schmissigkeit inszeniert, dass es kaum auffällt. Wie schon bei “E.R.” wird von der ersten Minute an aufs Tempo gedrückt. Ständig flitzt die Dramaturgie zwischen den Höhepunkten der einzelnen Handlungsstränge hin und her, vermeidet jedes Fett, bringt nur die Highlights. Die Charaktere werden nicht vorgestellt, sondern entwickeln sich an den Fällen, die sie bearbeiten. Was die frühen Staffeln von “New York Cops” für ermittelnde Detectives war, ist “Southland” für die uniformierten Bullen. Oder eben auch “E.R. auf Streife”.

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Man kann natürlich darüber diskutieren, ob die Polizisten von Los Angeles (ausgerechnet!) nicht unangemessen heroisiert werden. Aber “Southland” will kein ausgewogenes Porträt sein, die Serie steht eindeutig auf der Seite der Staatsmacht. Diese Entscheidung sei den Machern erlaubt. “24″ versucht ja auch nicht, die Gegenseite fair darzustellen.

“Cupid”

Diese Serie ist sicherlich das obskurste Produkt der neuen TV-Saison. Nicht etwa, weil sie so ungewöhnlich ist. Im Gegenteil: “Cupid” ist lediglich die Romantic Comedy-Variante von “Ein Engel auf Erden”, oder “Miss Match” mit leichten übernatürlichen Elementen (im deutschen Fernsehen wurde das vor ein paar Jahren unter dem Titel “2 Engel für Amor” auch schon mal probiert).

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Es geht um Trevor, der von sich behauptet, der Liebesgott Cupid zu sein, und um die attraktive Psychiaterin, die ihn deswegen betreut. Cupid ist überzeugt, dass er 100 Paare zusammenbringen muss, damit man ihn wieder zurück in den Olymp lässt.

Das ist alles sehr hübsch gemacht, schön gespielt, schamlos romantisch, und sicher auch geeignet für eine breite Zielgruppe.

cupid2Nur: Ich mochte die Serie 1998 lieber, als noch Jeremy Piven und Paula Marshall die Hauptrollen spielten. Denn das ist der Clou an der Sache: “Cupid” ist die Neuverfilmung einer vor elf Jahren gefloppten Serie! Erfinder Rob Thomas hat seine alten Skripts ein bisschen aufpoliert, und noch einmal an ABC verkauft.

Es ist natürlich Geschmackssache, und ich will nicht ausschließen, dass andere Zuschauer Bobby Cannavale und Sarah Paulson bevorzugen, aber für mich wird Piven immer der Liebesgott sein – und Paula Marshall die zweifelnde Psychiaterin mit der versteckten Sehnsucht im Herzen. Besonders mit Cannavale kann ich mich schwer anfreunden – vielleicht deshalb, weil ich ihn schon bei “Will & Grace” nicht mochte.

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Das ändert aber nichts daran, dass “Cupid” neben “Castle” die zweite neue Serie ist, die man locker nebenher gucken kann, und die angenehm altmodisch unterhält – ganz ohne übergreifende Plots, komplexe Mythologie, und Dutzenden von Nebenfiguren. Keine Echtzeit, keine Eisbären. Danke.

“The Unusuals”

unusualsDetective Casey Shreager wird von der Sitte zur Mordkommission versetzt – ins zweite Revier, wo man sich hauptsächlich um ungewöhnliche Fälle kümmert, die in die normale Polizeiarbeit nicht passen wollen. Schnell stellt sie fest, dass ungewöhnliche Fälle auch ungewöhnliche Cops anziehen – die Abteilung ist ein Sammelbecken aus Exzentrikern, die nur mühsam als Team funktionieren.

Was ist denn heuer los mit den Amis? Ist die Renaissance der klassischen TV-Serie eingeläutet worden, ohne dass man mir Bescheid gesagt hat? Auch “The Unusuals” ist kein Versuch, durch konzeptionelle Experimente ein Publikum zu ködern. Es ist eine straighte Ermittlerserie mit teilweise etwas schrägen Fällen, und nicht minder schrägen Charakteren. Es gibt tatsächlich viel zu lachen, und immer wieder gibt es unerwartete Twists, die uns näher an die Figuren bringen. Auf bestimmte größere Geheimnisse im Hintergrund wird hingewiesen, ohne damit zuviel Ballast zu erzeugen, der Gelegenheitsseher abschrecken könnte. Amber Tamblyn finde ich als Hauptdarstellerin ein wenig farblos, aber der Rest der Besetzung fängt das locker auf.

Ein besonders hübsches Detail sind die absurden Funk-Durchsagen, die in jeder Folge versteckt sind, und die man auch hier im Trailer hören kann:

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“Parks and Recreation”

“Parks and Recreation” ist von den Machern der US-Variante von “The Office” – und wurde auch zuerst als Spinoff angekündigt. Dafür spricht, dass Rashida Jones mitspielt, die bereits in “The Office” zu sehen war. Doch dann beeilte man sich zu versichern, dass beide Serien nichts miteinander zu tun haben. Ich habe so den Verdacht, dass es daran liegt, dass man Lizenzzahlungen an den “Office”-Urerfinder Ricky Gervais vermeiden möchte.

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Wie dem auch sei: “Parks and Recreation” ist im gleichen pseudo-dokumentarischen Stil aufgezogen, oft so pointiert wie schmerzhaft, und bis in die Nebenfiguren gut besetzt.

Nur lustig ist die Serie um die Beamten des Park- und Grünflächen-Amtes noch nicht wirklich. Aber das mag noch kommen. Auch bei “The Office” brauchte es ein paar Folgen, bis man sich akklimatisiert hatte. Der Humor ist halt sehr speziell. Mit Amy Poehler hat man auf jeden Fall die richtige Hauptdarstellerin gefunden – ich bin schon seit “Upright Citizens Brigade” und “Saturday Night Live” ein großer Fan von ihr. Ähnlich wie Steve Carrell ist sie sich wirklich für keinen Gag zu schade.

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So, dass waren also die besseren Neustarts der Saison. Den ganzen Rest räume ich im nächsten Beitrag auf.

“Isn’t this enough? Just… this world?”: “Storm” von Tim Minchin

Gepostet am 14. April, 2009 um 19:03 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues.

Ich weiß, 9 Minuten sind für Internetter eine Ewigkeit, und der Text erfordert Konzentration. Aber ich bitte euch so selten um etwas – also schaut es euch an. Ganz. Und denkt drüber nach:

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Wie ist mir das schon so gegangen, wie oft haben mir die Worte gefehlt, und wie oft war da diese Wut auf Menschen, deren Leben so leer ist, dass sie es mit absurden Märchen füllen müssen, die andere dann glauben sollen?

Vielleicht werde ich den Text aufschreiben, ausdrucken, in der Brieftasche umher tragen, und wenn mir das nächste mal eine “individualistische Goldschmiedin” erzählt, sie “arbeite jetzt verstärkt mit Energien”, werde ich ihn hervor ziehen, ihr wortlos in die Hand drücken, und mich auf den Weg nach einem Drink und einem besseren Gespräch machen.

Man wird ja wohl mal fragen dürfen…

Gepostet am 14. April, 2009 um 15:04 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Zugegeben, es ist eine Hammerstory: ehemaliger Popstar (weiblich! hetero! sexy!) ist angeblich HIV-positiv, hat angeblich Sexpartner angesteckt, und ist verhaftet worden.

Das Problem: alle Beteiligten halten bisher dicht, und BILD kann das Thema nicht annähernd so ausschlachten, wie sich die Meute das gerne wünscht.

Keine Informationen zu haben bedeutet aber natürlich noch lange nicht, keine Artikel bringen zu können:

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Gute Frage. Wussten die No Angels was davon? BILD weiß es auch nicht, und deshalb wird die Frage einfach fünfmal gestellt:

  • Aufmacher: “Wussten die anderen “No Angels” vom Todes-Virus?”
  • Titelzeile: “Wussten die anderen No Angels vom Todes-Virus?”
  • Anreißer: “Wussten ihre Band-Kolleginnnen von dem dunklen Geheimnis?”
  • Zweiter Absatz: “Was wussten ihre Freunde, ihre Band-Kolleginnen bei den No Angels? “
  • Fünfter Absatz: “Wusste Lucy, dass Nadja HIV-positiv ist?”

Beantwortet wird die Frage nicht. Dazu hätte die BILD ja tatsächlich Fakten gebraucht, tatsächliche Aussagen von Leuten, die irgendwas mit der Sache zu tun haben.

Wenigstens ist auf die Fans Verlass, und im letzten Absatz zitiert BILD Kommentare aus Nadjas MySpace-Seite. Hat BILD in den letzten Monaten eigentlich über irgendeinen Skandal berichtet, ohne dafür die Social Networks zu plündern?

Glücklicherweise hat BILD ja ein System, um eine Story am Laufen zu halten, auch wenn es nichts zu berichten gibt.

Wenn sich die Beteiligten weiterhin so renitent zeigen, bleibt BILD nichts anderes übrig, als nach den Fans noch “Experten” (Jo Groebel?) und Promis (Giulia Siegel? Cora Schumacher?) zu Wort kommen zu lassen. Die wissen zwar auch nichts, haben aber wenigstens immer eine Meinung.

Nächste Stufe der inhaltlosen Eskalation: BILD-Leser stimmen ab, was mit Nadja passieren soll (Knast? Dschungel-Camp?). Dann kann man wenigstens die fette Schlagzeile “Nadja kriegt lebenslang!” bringen, ohne auf den Prozess warten zu müssen (den kleinen Einsteller “BILD-Leser-Voting:” liest ja keiner).

Natürlich muss sich auch Franz Josef Wagner äußern (“Lieber gefallener Engel Nadia…” – fehlerhafte Namensnennung gewollt). Und Dieter Wedel verkündet pflichtgemäß, schon an einem Drehbuch zum Skandal zu schreiben.

Damit ist die Boulevard-Woche auf jeden Fall gerettet. Wenn sich DANN doch noch jemand von den Beteiligten zu Wort melden möchte, soll er das bitte im STERN tun – das Risiko, den bisherigen BILD-Spekulationen zu widersprechen, ist einfach zu groß.