Ruhe da vorne! Movie-Mania 2009 (4)
Heute: Zack and Miri make a porno
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Movie-Mania 2009, Neues, Privates.
USA 2008. Regie: Kevin Smith. Darsteller: Elizabeth Banks, Seth Rogen, Jason Mewes, Katie Morgan
Ahhh, Kevin Smith – gefeierter Indie-Filmer, selbst wenn er für die Hollywood-Studios zweistellige Millionenbeträge raushaut. Da weiß man, was man kriegt: pubertäre Charaktere, die nicht erwachsen werden wollen, endlose Dialoge über “Star Wars” und Sexpraktiken, und hässliche dicke Jungs, die am Ende unerreichbar bezaubernde Mädels kriegen, weil sie viel netter sind als die gut aussehenden reichen Stinker.
Fällt das noch unter Masturbationsphantasie – oder geht das schon als Science Fiction durch?
Es gab mal eine Zeit, da wollte Smith ernst genommen werden – er schrieb ein Skript für “Superman”, sollte “Green Hornet” drehen, und lieferte mit “Jersey Girl” eine Romantic Comedy für die Tränendrüsen, nicht aber die Lachmuskeln ab. Der Film floppte, und Smith sah ein, dass Nerds wie er am besten darin sind, Nerd-Filme zu machen. Von Nerds, über Nerds, für Nerds.
Wenigstens wird er immer besser darin.
Worum geht’s? Zack und Miri(am) sind seit der Schule befreundet, und leben in einer WG. Ständig pleite, geht ihnen nach dem Geld auch der Strom und das Wasser aus. Die Popularität eines launigen Clips von Miri in Oma-Unterwäsche auf YouTube bringt Zack auf die Idee, mit einem Porno Geld zu verdienen. Das glorreiche Konzept: “Star Whores”. Nur leider ist es sowohl für ihn als auch für Miri unerwartet schwierig, nach Jahren der Freundschaft Sex zu haben – vor der Kamera, in einem schmierigen Pornofilm…

“Zack and Miri make a porno” ist trotz des Titels und des Themas nicht annähernd so rüde und knallig wie die “Jay & Silent Bob”-Filme. Dafür stolpert Smith bei den romantischen Verwicklungen auch nicht so sehr wie in “Chasing Amy” und “Jersey Girl”. Tatsächlich gelingt es ihm hier erstmals, die Balance über 90 Minuten zu halten – eine Romantic Comedy, die romantisch und komisch zu ungefähr gleichen Teilen ist.
Strukturell ist der Streifen allenfalls eine Fingerübung, die scheinbar obszöne Grundidee wird genau so konservativ durchdekliniert wie jede andere Romantic Comedy auch. Manchmal wirken die krasseren Gags (inklusive der einzig wirklichen Entgleisung – Thema Durchfall beim Analverkehr) wie eine Konzession an die Fanbasis von “Clerks”. Dazu paßt, dass Pornostar Katie Morgan alle “harten” Sachen machen muss, während Miss Banks nicht einmal einen Nippel zeigt. Hinter all der Slacker-Lässigkeit steckt bei Smith nämlich mittlerweile ein Spießer, der auch nie vergißt, seine wenig bemerkenswerte Frau mit einer Rolle zu versorgen.
Wirkliche Überraschungen hat “Zack und Miri” also nicht zu bieten. Das ist aber letztlich wurscht, denn durch die flotten Sprüche und die aberwitzigen Ideen legt der Streifen ein erstaunliches Tempo vor.
Dabei hilft ihm eine exzellente Besetzung, allen voran Seth Rogen und (die komplett umwerfende) Elizabeth Banks. Doch auch Außenseiter-Figuren wie Jason “Jay” Mewes und Pornodarstellerin Katie Morgan liefern überzeugende Leistungen ab.
Einen Extrapunkt gibt es für die Verwendung von Jermaine Stewarts wirklich entsetzlich schwulen 80er-Dance-Hit “We don’t have to take our clothes off”.
Ob man den Film mag, ist vermutlich eine Frage der Herangehensweise: man kann “Zack and Miri” für den weiteren schleichenden Ausverkauf eines einstmals grandiosen Indie-Talents halten – oder für die reifste Arbeit eines Mannes, der mittlerweile 38 Jahre und verheiratet ist.
Der Trailer vermittelt einen guten Gesamteindruck – wer das hier nicht mag, braucht auch kein Geld für die Kinokarte abzudrücken:
In Deutschland hat “Zack and Miri” bisher keinen Starttermin – trotz der kleinen Schwächen eine Schande. Ich habe mich nämlich ausnehmend gut amüsiert. Aber ich bin ja auch schon 40, und ein Spießer.