Es gibt auch noch die Teile 1, 2, und 3 zu lesen…

3000 Miles to Graceland (2001)
Wieder so ein Film, den ich nicht gesehen habe – und konsequenterweise permanent mit “Harley Davidson und der Marloboro Mann” verwechsle. Kein Wunder: beide Gangster-Filme feiern den “American Spirit”, spielen teilweise in Las Vegas, und präsentieren zwei Hollywood-Stars verkleidet als Ikonen (hier Kevin Costner und Kurt Russell, dort Mickey Rourke und Don Johnson).
Gemeinsam ist den Filmen außerdem, dass sie trotz der zur Entstehungszeit gewinnträchtigen Star-Paarungen nur ein sehr begrenztes Publikum erreichten: “Harley Davidson und der Marlboro Mann” blieb unter 10 Millionen, “3000 Miles” bei 15 Millionen US-Dollar hängen. Bei 62 Millionen Dollar Budget (größtenteils für die beiden Hauptdarsteller) schmerzt es in Hollywoods Geldbörsen. Nur Kevin Costner dürfte es egal sein: wer in seiner Karriere so konstant und so zielsicher Flops produziert, wird irgendwann resistent gegen Kritik und Realität.
“You’ll never work in this town again!”: Es ist das alte Lied – Demian Lichtenstein hat für so ziemlich jeden großen Popstar Musikvideos gedreht, und irgendwann gedacht, ein Spielfilm sei wohl nicht viel anders, nur länger. Seit dem Flop von “3000 Miles” muss er Low Budget-Filme mit No Names drehen, die er noch dazu selber produziert. Trotzdem verkündet seine Biographie tapfer, er sei “a major up-and-comer in Feature Film Direction”. Natürlich. Und ich habe in meine Regal auch schon den Platz für den Friedenspreis des deutschen Buchhandels freigeräumt…

Rollerball (2002)
Man muss nicht immer unken: Es war keine schlechte Idee, “Rollerball” neu zu verfilmen – das Original ist bestenfalls ein “minor classic”, man kann der Idee von Brutalsport als Massenablenkung heute noch mehr abgewinnen als vor 30 Jahren (“American Gladiators” und “UFC” lassen grüßen), und mit John McTiernan hatte man einen Regisseur an Bord, der mehrfach bewiesen hat, dass er große Action inszenieren kann (“Predator”, “Stirb langsam”).
Doch dann ging alles schief. Und ich meine wirklich ALLES. Wer von den Beteiligten auf die Idee kam, die Wettkampf aus dem futuristischen Umfeld in den zerfallenden Ostblock zu verlegen, dürfte in einem gerechten Universum heute mit dem Blechnapf in der Fußgängerzone sitzen, um sich von vorbeikommenden Filmfans bespucken zu lassen. Dieser Ansatz raubt dem Film jedes Spektakel, jeden Science Fiction-Schauwert.
Und dann Hauptdarsteller Chris Klein – “Ostreicher” aus den “American Pie”-Filmen. Ein Typ, gegen den Casper van Dien als Charakterschauspieler durchgeht. Das Gesicht so leer wie das Hirn, und in der Performance souverän von seinem roten Plastikhelm geschlagen. Zu glauben, man könnte einen Big Budget-Film mit einer solchen Pfeife als Zugpferd in den Markt drücken, zeugt wirklich von heiliger Einfalt.
Auch die Kostars LL Cool J und Rebecca Romijn waren damals allenfalls TV-Film-Riege. Und Jean Reno? Macht bekanntlich für Geld alles, und nie wirklich schlecht. Er ist einer der Schauspieler, deren Karriere durch wirklich gar nichts zu beschädigen ist.
Ein vergurktes Konzept, ein komplett überforderter Hauptdarsteller – aber den Produzenten fiel noch mehr ein, um einen Misserfolg zu garantieren: sie flogen Harry Knowles von Ain’t It Cool News mit dem Privatjet zu einem Screening, in der Hoffnung, er werde den Film im Gegenzug auf seiner Webseite in den Himmel loben. Doch der texanische Filmklops hatte aus dem Debakel um “Godzilla” gelernt, und vernichtete “Rollerball” in einem
ausführlichen Essay nach Strich und Faden: “
This film is a complete embarrassment. Personally, if I were MGM, I’d digitally remaster and rerelease the original. It would gross more than this crap easily… The film is literally one of the worst conceived series of nonsensical action I’ve ever seen.“
Wenigstens gefielen Harry die Nacktszenen – die prompt vor dem Kinostart entfernt oder entschärft wurden.
Peinlich genug: Selbst der 1998er “Rollerball”-TV-Ripoff “Futuresport” mit Dean Cain war besser gewesen.
Lange Rede, kurzer Sinn: 70 Millionen Kosten, 25 Millionen Einspiel, und vernichtende Kritiken aus allen Ecken.
“You’ll never work in this town again!”: Es ist kaum vorstellbar, dass ein einzelner Film eine so gewichtige Karriere wie die von McTiernan vernichten konnte. Aber da der gute Mann sich durch seine Arroganzen in Hollywood sowieso nicht beliebt gemacht hatte, nutzte man die Chance, ihm den Flop in die Schuhe zu schieben. Noch vor dem Kinostart hatte er den Vertrag für den Travolta-Flop “Basic” unterschrieben, aber danach war Sense. Drei weitere Filme nennt die IMDB – aber allesamt “in Vorbereitung”. Seit sechs Jahren trug kein Film mehr den Credit “directed by John McTiernan”. Dafür hat John kräftig Ärger mit der Gerichtsbarkeit, weil er zu den Kunden des berüchtigten Hollywood-Detektivs Anthony Pellicano gehörte.

Ballistic: Ecks vs Sever (2002)
Wir wissen alle, dass Hollywood immer auf der Suche nach dem “next big thing” ist, seien es Konzepte, Darsteller, Techniken, oder auch Regisseure. Es braucht mittlerweile nur einen Überraschungserfolg im Heimatland (garniert mit ein paar internationalen Preisen), um nach Amerika eingeladen zu werden. Siehe auch Florian Henckel von Donnersmarck. Nun trug es sich 1998 zu, dass der thailändische Regisseur Wych Kaosayananda mit dem Gangsterfilm “Fah” Aufsehen erregte. Außerdem nannte er sich coolerweise “Kaos”.
Beweisen sollte sich Kaos ausgerechnet an “Ballistic: Ecks vs. Sever”, einem mit deutschem Fond-Geldern ausgestatteten Action-Projekt, dem nacheinander Wesley Snipes, Jet Li, Vin Diesel und Sylvester Stallone abgesagt hatten. Kurzes Memo an alle Produzenten: Wenn Wesley Snipes absagt, ist WIRKLICH etwas nicht in Ordnung. Und tut mir leid – Antonio Banderas und Lucy Liu sind zwar durchaus Stars, aber einen Big Budget-Film kann keiner von beiden schultern.
Von allen Seiten ist zu hören, dass die Dreharbeiten die Hölle gewesen sein müssen, und wir unterstellen der Freundlichkeit halber, dass es an kulturellen Unterschieden gelegen hat. Das Ergebnis ist eine selten dumme, geradezu absurd schlecht zusammengestückelte Blendgranate, die keine Gefühle, sondern allenfalls Kopfschmerzen auslöst.
“You’ll never work in this town again!”: Von 70 Millionen Dollar Produktionskosten spielte “Ballistic” weltweit nicht einmal 20 wieder ein. Regisseur “Kaos” gilt seither als verschollen.
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