Klatsch me if you can
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, In Arbeit, Neues, Privates.
Am Flughafen im Zeitschriftenladen, im Flieger rechts neben der Stewardess, am Pool, im Restaurant, am Strand – beim Urlaub unter südlicher Sonne ist es praktisch unmöglich, den Paparazzi-Postillen auszuweichen: „OK!“, „Life & Style“, „InStyle“, „InTouch“, oder einfach nur „In“ – sie sind überall. Und während die Freundin kurz den Bikini an die Leine hängen geht, lässt man sich verführen, auch mal drin zu blättern. Dabei fiel mir auf, wie wenig diese Hefte mit der klassischen Yellow Press zu tun haben. Und es wurden viele Erinnerungen wach.
Flashback in die späten 80er: Ich bereitete mich in Düsseldorf auf mein Abitur vor, und jeder Schüler unserer Gesamtschule bekam das Angebot, mittels eines zweiwöchigen Praktikums mal in einen „richtigen“ Betrieb reinzuschnüffeln. Bei meinen Neigungen fiel die Entscheidung leicht: Ich ging zu einem Gazetten-Verlag, der bis heute mehrere preiswerte Frauenzeitschriften herausgibt. Der Einblick war faszinierend: Ich bekam das erste Mal ein Foto-Archiv zu Gesicht, nahm an Redaktionskonferenzen teil, telefonierte mit der Managerin von Otto Waalkes, und bewunderte die Fähigkeit des Jungredakteurs (erklärtes Lebensziel: Porsche fahren), Leute am Telefon zur Herausgabe vertraulicher Informationen zu überreden.
Ich lernte aber auch schnell die eher unangenehmen Seiten der Branche kennen: Geschichten wurden nicht bloss an den Haaren herbei gezogen – sie wurden schlichtweg erfunden. Eine Gerücht, die Schlagzeile einer Tageszeitung, ein beliebiges Foto, wirklich alles konnte zur Basis einer hanebüchenen Titelstory werden (man bedenke, dass es zu diesem Zeitpunkt noch nicht das „Caroline-Urteil“ gab, welches den Klatschschreibern gewisse Grenzen auferlegt). Damals noch extrem teure Grafiksoftware half fleißig mit: Prince Charles verließ plötzlich nicht mehr einen Marine-Kreuzer, sondern kam mit seiner Carmilla aus einem Zirkuszelt – was natürlich zu der legitimen Frage führen musste: was hat der verheiratete Charles („Die arme Diana!“) mit Carmilla im Zirkus zu suchen!? ZACK – Titelstory.
Nächstes Beispiel: Frank Elstner hatte sich einen neuen, kürzeren Haarschnitt zugelegt, und es gab ein Pressefoto vom ZDF dazu, aber keine Geschichte. Man trug mir auf, das knackig auf 15 Zeilen abzufeiern. Ich war ein wenig verdattert, denn „Frank Elstner war beim Friseur“ schien mir wenig berichtenswert. Ein älterer Redakteur half aus: War „Wetten dass…?“ nicht kurz vorher mal in China gewesen? Da hatte der Elstner doch sicher in einem Hotel übernachtet. Und man weiß ja, dass Hotelfriseure in Hintertuckistan nur einheimisch sprechen. Demnach ist es legitim zu behaupten, Elstner seien von einem sprachunkundigen chinesischen Hotelfriseur „aus Versehen“ die Haare weggeraspelt worden. Knapp, witzig, menschlich, und die gängigen Klischees werden auch noch bedient. Ist doch ganz einfach! Nicht wahr, aber ganz einfach…
Dezent widerlich der Umgang mit der angeblich respektierten Leserschaft: Es gab in den Heften eine Kontaktseite im klassischen „Einsame Herzen“-Stil. Naturgemäß versuchten viele Strafgefangene, hier eine Frau für den Neustart ins bürgerliche Leben zu finden. Deren Briefe wurden allerdings gleich aussortiert – es gab einen eigenen roten Stempel „Knacki!“, der satt auf die Umschläge geknallt wurde.
Und damit das endlich auch mal offen gesagt wird: Lebensberatung und Horoskop werden in solchen Magazinen nach Lust und Laune erfunden. Zumeist hat der zuständige Redakteur (als solcher ganz unten in der Hackordnung) eine prima Idee für eine Antwort, und schreibt einer „Rita W. aus M.“ die passende Frage ins Seitenlayout.
Es gibt eigentlich nur drei Sorten Redakteure, die solche Jobs machen können: Durchreisende (der oben erwähnte Jungredakteur arbeitet heute erfolgreich als „People-Reporter“ auf dem TV-Boulevard), Selbstverleugner („Das ist völlig legitim, was wir hier machen“), und die irgendwann und unbemerkt innerlich Verstorbenen („Wen schert’s? Außerdem will meine Tochter ein Pony“).
Die Erfahrungen im Praktikum schreckten mich nicht ab. Ich wollte weiterhin Journalist werden. Aber ich wusste auch, dass dieses Blendwerk, welches sich als Berichterstattung ausgab, keine Heimat sein konnte. Ich formulierte für mich eine der wenigen Leitlinien, die ich künftig niemals verlassen wollte (und nie verlassen habe): Fakt und Fiktion sind zwei paar Schuhe. Beides ist okay, solange dem Konsument der Unterschied klargemacht wird. Ein Spielfilm ist Fiktion, eine Dokumentation ist (im gesetzten Rahmen) Fakt. Ein Roman ist Fiktion, eine Zeitschrift Fakt. Schnittmengen dürfen nicht verschleiert werden. Das klingt banal, hat sich aber als Leitlinie schon mehrfach bewährt, weil es z.B. ausschließt, dass ich jemals für Formate wie „Das Geständnis“ auf ProSieben schreiben würde, in denen gescriptete Konflikte als das wahre Leben verkauft werden. Aus diesem Grund mag ich auch kein Wrestling.
Doch die Klatschpresse ließ mich damals nicht so einfach los, wie ich gehofft hatte.
Die erste Hälfte der 90er verbrachte ich beim GONG-Verlag, der mit „die aktuelle“ und „die2“ ebenfalls Klatsch-Magazine klassischen Zuschnitts mit immer gleicher Mischung auf den Markt wirft: Adel, deutsche Stars, Reisetipps, Diät und Rätsel. Zielgruppe: Frauen ab 40 aufwärts. Immer wieder kamen Themen auf, bei denen die Chefredaktion mir anbot, statt bei „Gong“ oder der „TV Serien“ auch mal bei den Kollegen der Promi-Fraktion einzusteigen. Das habe ich konsequent abgelehnt, und mir damit nicht nur Freunde gemacht. Klatschschreiber mögen es nämlich gar nicht, wenn man ihr Selbstverständnis durch die Erwähnung von „Anstand“ oder „Berufsethos“ in Frage stellt. Da nennen sich professionelle Lügner „Journalisten“, wie sich billige Nutten gerne „Escorts“ nennen. Beide Berufsgruppen scheuen die Wahrheit, und schießen gerne auf den Überbringer der schlechten Nachricht. Ich erinnere mich gut an das alkoholgeschwängerte Gespräch mit einem (in der Branche immer noch extrem erfolgreichen) Kollegen, der mir zu erklären versuchte, die ganze Erfinderei sei in Ordnung, weil der Leser selbstverständlich wisse, dass man nicht jedes Wort in den Klatsch-Gazetten auf die Goldwaage legen dürfe. Es gäbe eine unausgesprochene Komplizenschaft zwischen Produzent und Konsument. Nudge nudge, wink wink – wir verstehen uns. Ich wusste es besser, hatte ich als Zivi doch zwei Dutzend ältere Damen betreut, die wirklich jede Zeile in „Bella“, „Tina“ und „Lisa“ glaubten (es wird mir ewig ein Rätsel bleiben, warum oft ein halbes Dutzend gleichartiger Hefte gekauft werden musste). Also fragte ich den missmutigen Kollegen, warum er dann aus der unausgesprochenen Komplizenschaft nicht eine ausgesprochene Komplizenschaft mache – ich hätte kein Problem mit einem Hefttitel wie „Die Goldene Post – erfundene Geschichten aus Adel und Gesellschaft“. Wenn es doch sowieso klar ist… Besoffen knickte der Kollegen weit nach Mitternacht schließlich ein: Stimmt, zu rechtfertigen sei der ganze Kram natürlich nicht. Und es habe auch nichts mit Journalismus zu tun. Aber seine Tochter hätte so gerne ein Pony…
(Aus Gründen der journalistischen Integrität sei darauf hingewiesen, dass der letzte Satz niemals gefallen ist – aber wäre es nicht schön gewesen?)
Mit meinem Wechsel vom GONG-Verlag zu ProSieben endete auch meine Assoziation mit der Yellow Press. Promi-Klatsch finde ich weiterhin auf eine trashige Art unterhaltsam, versorge mich zu dem Thema aber aus dem Internet. Wenn nach irgendwelchen VOX-Auwandererdokus noch „Prominent!“ kommt, lasse ich um der Freundin willen den Fernseher laufen, auch wenn ich die albern gestellten Sequenzen der anspruchsvoll dreinschauenden „Society-Expertin“ Constanze Rick nur schwer ertragen kann.
Und nun sind wir endlich in der Gegenwart angekommen, und damit auch wieder beim Thema: Die aktuelle Flut an Klatschzeitschriften. Wertiger, jünger, aktueller wollen sie sein – im Zeitalter des Blattsterbens und der Internet-Instant-Kultur eher Notwendigkeit als Konzept. Ausklammern möchte ich bei den folgenden Betrachtungen explizit „Gala“ und „Bunte“ – beide Hefte sind eher Magazine im klassischen Sinne, die durchaus versuchen, mit eigenen Recherchen und ausgebildeten Journalisten Profil zu wahren. Und Herrgottchen, im Sinne der „full disclosure“: Ich habe seinerzeit beim GONG-Verlag u.a. für Patricia Riekel geschrieben, die aktuelle „Bunte“-Chefredakteurin. Sie besaß damals den coolsten Mops aller Zeiten, der eine erschreckende Ähnlichkeit zu Herbert Wehner aufwies (auch wenn sein Name Churchill war).
Wir halten fest: Die aktuellen Klatschblättchen berichten nicht mehr. Es gibt keine Storys, mit denen das Heft gefüllt wird. 90 Prozent der Texte sind nur Begleitrauschen, eine vage Zuordnung der Paparazzi-Bilder in Zeit und Raum. Seiten über Seiten von Promis und Pseudos beim Einsteigen in Autos, am Kleiderständer in der Nobelboutique, rein und raus aus angesagten Clubs, gerne mit Kinderwagen und Starbucks-Becher. Immer die gleichen leeren Gesichter: Posh, Paris, la Lohan. Der Star wird nicht mehr fotografiert, er wird „abgeschossen“, den direkten Blick in die Kamera gibt es kaum noch. Die digitalen Momentaufnahmen ohne Kontext werden in Sekundenschnelle von der Speicherkarte der Kamera an die Agentur übertragen, und dann per Internet weltweit zu Exklusiv-Preisen angeboten: je frischer, je teurer. Verfallsdatum: Im Netz 48 Stunden, gedruckt eine Woche, maximal.
In den Redaktionen sitzen keine Texter mehr, denn es gibt keine Geschichten zu erzählen. Es gibt nur noch Kontexter (googeln zwecklos, ich habe den Begriff gerade erfunden). Ein Bild muss im Heft verankert werden, es muss der Anschein erweckt werden, als habe es dort etwas zu sagen. Hat die junge Mutter eine Zigarette in der Hand? „Was tut sie sich an – und ihrem Kind?“. Ist der Ehemann nicht im Bild? „Böse Gerüchte – ist die große Liebe schon gestorben?“. Quillt der Hintern nicht mehr aus der Jeans? „Schock-Bilder! Hungert sie sich zu Tode?“. Die Frage-Form ist wichtig – man will ja nichts konkret behaupten, sondern nur besorgt unterstellen. Geht gar nichts mehr, sucht man Bilder von anderen Promis aus, die Klamotten in vergleichbarer Farbe oder Form tragen, und macht einen Trend draus: „Hollywood Fashion – die Saison ist rot!“. Oder man setzt ein paar alte Fotos dazu, um den Verfall, die Wiedergeburt, den wechselnden Modestil, oder die geschmacklichen Verirrungen des Friseurs durch die Jahre zur dokumentieren.
Natürlich stehen die Texte emotional immer auf der Seite der Promis: Furchtbar, wie Amy Winehouse an ihrer Drogensucht leidet! Findet Pamela Anderson denn nie den Richtigen? Prima, dass Lindsay Lohan zu ihrer lesbischen Liebe steht! Das Problem dabei: Wären die Stars so glücklich und zufrieden, wie ihnen die Glitzer-Gazetten das angeblich wünschen, wären genau jene Gazetten pleite, denn sie leben vom Exzess, von der Niederlage, vom Scheitern, von der heimlichen Schadenfreude. Natürlich ist man empört, dass Britneys Ex-Lover Adnan angeblich ein Sex-Video des Popstars verhökern will – empört genug, um detailliert zu beschrieben, was darauf zu sehen sein soll. Heuchelei? Nie im Leben – es ist doch nur normal, dass der Leser am Leben seiner Stars teilhaben möchte! Inklusive Nahaufnahme der Geschlechtsteile.
So sind die „neuen“ Klatsch-Zeitschriften gar keine Magazine mehr, es sind gedruckte Schnappschuss-Galerien mit mehr oder weniger hanebüchenen Bildunterschriften, so eine Art Promi-Flickr zwischen zwei Heftklammern. Es gibt eigentlich keine Narrative, nur noch Momentaufnahmen. Der Rest wird deshalb herbeigeredet, bis irgendwann so eine Art Soap mit ganz eigener Dramaturgie draus wird: Wenn ich in Heft 1 zu einem beliebigen Foto der lächelnden Keira Knightley schreibe „Endlich glücklich!“, und in der Woche drauf ein Foto auf meinem Schreibtisch landet, in dem sie auch nur annähernd frustriert aussieht, greife ich meine eigene Storyline in Heft 2 wieder auf: „Ist das kurze Glück schon wieder erloschen – wer steht ihr nun zur Seite?“. Story 2 bezieht die Legitimierung aus Story 1, und spätestens bei Story 23 ist die Frage, ob jemals irgendwas dran war, endgültig hinfällig. Der Unterschied zu den „klassischen“ Klatschzeitschriften liegt in der völligen dramaturgischen Freiheit: Statt einzelne Geschichten aus aktuellem Anlass zu stricken, wird die wöchentliche Flut an immer gleichen Aufnahmen mit den immer gleichen Protagonisten in die Endlos-Schleife eingespeist.
Man sucht keine Fotos mehr zur gewünschten Geschichte – das Foto selbst bestimmt und bestätigt (scheinbar) die Geschichte für die neuste Episode der Soap-Saga „Hollywood“.
Hollywood ist eine perfekte Soap, weil es die besten Darsteller an den mondänsten Locations sammelt, weil hier alle Storylines zuerst durchgespielt werden, und weil es in Massen gibt, was die Zielgruppe will: Sex, Drogen, Schönheit, Film, Musik, Betrug, Tod, Eifersucht, Geld, Luxus. Die Verwertungskette ist lückenlos – Promis, die in die Medien wollen, Medien, die bei Fuß stehen, und Zuschauer, die die Medien konsumieren. Und weil keiner einen Schaden hat, ist die Frage nach der Authentizität irrelevant. Paris, Kim, Naddel – man kann problemlos berühmt sein, ohne für etwas berühmt zu sein.
Ich könnte damit leben. Klatschzeitschriften schreiben Klatsch. Und wenn sie ein Foto haben, den Klatsch zu belegen – umso besser. Aber hier kommt wieder die Unaufrichtigkeit ins Spiel, das Element, das sich scheinbar niemals ändert: Um der Exklusivität willen wird eine Nähe zu den Stars geheuchelt, die dann eben doch wieder eine banale Lüge ist. Wenn von der bloßen Abbildung einer Szene auf die Vorgänge „hinter den Kulissen“ geschlossen wird, verwandelt sich Fakt heimlich und schleichend in Fiktion, ohne dass der Leser davon etwas mitbekommt. Wo man früher „Erfundene Geschichten aus Adel und Gesellschaft“ zum Untertitel hätte machen sollen, würde heute „Haltlose Mutmaßungen auf der Basis verwackelter Paparazzi-Fotos“ passen.
Hat der Kontexter erst mal die Story zum Bild… ich würde gerne “erfunden” sagen, aber aus Angst vor der Gerichtsbarkeit nenne ich es mal “recherchiert”…, dann muss sie noch “verortet” werden. Denn man kann die “recherchierte” Geschichte ja nicht einfach aufschreiben. Sie muss einen Ursprung haben, der hoffentlich außerhalb der redaktionellen Kaffeeküche liegt. Die “Recherche” muss belegt werden, schließlich war der Kontexter praktisch knallhart vor Ort, stand fast direkt daneben, hatte quasi das Ohr am Puls der Promi-Schlagader. Kurzum: Er hat mit dem Mikro oder dem Notizbuch ein paar O-Töne eingesammelt, die ihm Recht geben.
Man muss dazu wissen, dass es rechtlich gefährlich ist, einem Promi eine Aussage in den Mund zu legen. Will ich z.B. behaupten, dass Paris Hilton Angst hat, von ihrem Vater enterbt zu werden,
kann ich nicht einfach schreiben: „Paris Hilton fragt sich: ‘Was mache ich, wenn Daddy mich enterbt?’“. Ebenso wenig kann ich als Kontexter selbst die Behauptung aufstellen: „Paris’ Vater denkt nun darüber nach, seine Tochter zu enterben“. Das alles wäre vor Gericht anfechtbar – und im Zweifel echt teuer. Aber für diesen Fall hat die Klatschpresse den „guten Freund“ erfunden, der all das sagen darf, was laut Kontexter gesagt werden muss – und der leider zu fiktiv ist, um ihn dafür zu belangen: „Ein guter Freund weiß: ‘Paris hat furchtbare Angst, von ihrem Vater enterbt zu werden’!'“
In der Welt der Klatschpostillen gibt es mehr imaginäre Freunde als in einem Hort voller hyperaktiver Vierjähriger.
In keinem Heft fand ich das so schön belegt wie in einer aktuellen Ausgabe von „Life & Style“, die sich in einem Maße des Kaffeesatzes bedient, dass es die Grenze zur Realsatire weit überschreitet. Gehen wir nur mal die 15 Seiten durch, die sich mit den internationalen Stars beschäftigen. Ich zitiere die Zitatverweise:
- … denkt sich wohl Golden Retriever Oliver.
- Ein Partygast erzählt…
- … schwärmt ein Mitglied der Filmcrew
- … sagt ein Freund
- … sagt ein Freund
- … sagt eine Freundin
- … verraten enge Freunde
- … sagen Freunde
- … sagen Gäste
- … sagen Fans
- … sagt ein Freund
- … sagt ein Insider
- … sagt ein Bekannter
- … sagt ein Freund
- … verrät ein Freund
- … sagt ein Freund
- … warnt ein Freund
- … sagt ein Urlauber
- … sagt ein Beobachter
- … berichtet ein Hotelgast
- … verrät ein Bekannter
- … verrät ein Mitarbeiter
- … sagt ein Freund
- … sagt ein Freund
- … sagt ein Verkäufer
- … berichtet ein Gast
- Ein Freund verriet jetzt…
- … sagt ein Freund
- … verrät ein Bekannter
- … sagt ein Szenekenner
- … verrät ein Kenner
Der letztgenannte „Kenner“ beschreibt übrigens detailliert das Sex-Video von Britney Spears, welches es nach neusten Erkenntnissen gar nicht gibt.
In den Overdrive geht dann aber nochmal die Titelgeschichte „Victoria Beckham: Sie ist total unglücklich“, die auf nur fünf Seiten (inklusive des unvermeidlichen Frisurenvergleichs zwecks Psychofernanalyse) gleich 15 zuverlässige Quellen zitiert:
- … sagt ein Freund
- … sagte eine Freundin
- … sagt ein Insider
- Freunde sorgen sich…
- … sagt ein Insider
- … weiß eine Freundin
- … sagt ein Freund
- … sagt ein Freund
- … lästert ein Insider
- … sagt ein Freund
- … lästern Insider
- … sagt ein Bekannter
- … sagt ein Bekannter
- … weiß ein Vertrauter
- … weiß eine Freundin
Zwei Wochen später (Rückflug) der nächste Rekord: Eine einzige Textseite über Lindsay Lohan mit 7 (sieben!) Varianten der Floskel “sagt ein Freund”…
So wird aus einer Dutzendpackung unzusammenhängender Paparazzi-Aufnahmen eine Narrative um eine Hauptdarstellerin gestrickt, die selber nur über Bande zu Wort kommt, und belegt wird das Ganze mit vagen Kommentaren aus dem Hintergrund, die Mitleid heucheln, während sie den Voyeurismus kitzeln.
Ich bin froh, seit meiner Rückkehr in München nicht mehr von diesen Heften umgeben zu sein. Ich bin froh, solche Geschichten nicht schreiben zu müssen. Ich bin froh, auf Betriebsfesten keinem schnöseligen Jungredakteur erklären zu müssen, dass das alles okay ist, weil ja irgendwie alle wissen, wie der Hase läuft, und weil meine Tochter doch ein Pony will…
Aber jetzt muss ich los – ich bin mit Nicole Kidman zu einem heimlichen romantischen Stelldichein im City Hilton verabredet! Hinter dem Rücken ihres Ehemanns Keith Urban! Ist die Ehe am Ende? Was wird nun aus der süßen Tochter Sunday Rose? Droht der schmutzige Scheidungs-Krieg?
Fragt nicht mich – fragt einen guten Freund von mir…