Fantasy Filmfest Fun-Kritiken 2008 (5): Dance of the Dead / Repo! The Genetic Opera / Jack Brooks: Monster Slayer
Kategorien: Fantasy Filmf. 08, Film, TV & Presse, Neues.
Vorab ein Wort an die Freunde von 13th Street, denen ich ja schon lange verbunden bin: Ich habe kein grundsätzliches Problem damit, dass ihr in diesem Jahr WIEDER den Spot mit der Villa im Wald und dem kleinen Jungen zeigt. Klar, nach dem 30igsten Mal nervt es ein wenig, aber ich finde die “kühle Rote” Franziska Petri eigentlich ziemlich lecker, besonders wenn sie süffisant-vieldeutig “vielleicht…” sagt.
ABER: Es macht mich kirre – jedes Mal! – wenn der Junge fragt, ob sie vielleicht eine Packung Kekse kaufen möchte.
Er hat ein Glas in der Hand. Ein GLAS!!!
Das muss doch jemandem bei der Produktion aufgefallen sein!
Da werde ich zum Hulk…
Okay, ich habe diesmal versucht, die Reviews halbwegs thematisch zu ordnen: “JCVD” und “My name is Bruce” zusammen, “Virus Undead” und “36 pasos” zusammen – und heute sind die Funsplatter-Komödien dran. Zwei aus dem Highschool-Umfeld, eine als Musical.
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DANCE OF THE DEAD
USA 2008. Regie: Gregg Bishop. Darsteller: Jared Kusnitz, Greyson Chadwick, Carissa Capobianco, Mark Oliver u.a.
Kurz gesagt: Romero-eske Zombies hüpfen just in der Nacht aus den Gräbern, als die Teenager einer Kleinstadt zum Abschlussball gehen wollen. Will man sich von fleischfressenden Untoten wirklich “die wichtigste Nacht des Lebens” versauern lassen?
Ins Detail: Splatterkomödien sind schwierig, weil die Balance aus Grusel und Humor notorisch schwer zu halten ist. Besonders, wenn Teenager im Spiel sind, die Geißel des modernen Horrorfilms. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass Autoren die eigenen Highschool-Jahre meistens schon zwei Dekaden hinter sich haben, und sich nur noch rudimentär daran erinnern können. Darum wird dann bei den Figuren zumeist tief in die Klischeekiste gegriffen. Und weil man die Teenager als Publikum haben will, wird die Gewalt vergleichsweise runtergefahren. So macht man sich auf keiner Seite Freunde.
“Dance of the Dead” ist da anders. Der Film ist in diversen Kritiken als eine US-Variante von “Shaun of the Dead” bezeichnet worden. Das ehrt ihn, auch wenn er deutlich weniger smart ist als die britische Vorlage. Aber ich glaube, die (vielleicht zu jungen) Kritiker haben die offensichtlichsten Vorbilder übersehen: “Dance of the Dead” ist die Romero-Version der frühen Teenager-Komödien vom Schlag “Fast Times at Ridgmont High”, “Rock’n'Roll Highschool”, und “Porky’s”. Das fällt schon im Look der Produktion auf: Fast alle Autos sind alte 70er-Schleudern, die Wuschel-Frisuren der Jungs erinnern mit den labberigen No Name-Shirts an Episoden von “That 70’s Show”, und würden nicht ab und an Handys benutzt – man könnte “Dance of the Dead” unterstellen, 1978 zu spielen. Es ist kein Zufall, dass Hauptfigur Jimmy aussieht wie der kleine Bruder der Ramones. Das wird auch beim Soundtrack durchgehalten, der uns gleich zwei sehr schöne Fassungen des Pat Benatar-Klassikers “Shadows of the Night” präsentiert.

Weil der Film sich auf die Frühzeit der Teenager-Komödie bezieht, ist er weder so zynisch, noch so berechnend wie die modernen Varianten: eigentlich sind alle Kids ganz nett, man hat halt so die üblichen Probleme, und die Welt ist noch nicht strikt in Gewinner und Verlierer aufgeteilt. Dazu passt, dass der Film auch nicht versucht, irgendwelche Jocks als menschliche Antagonisten aufzubauen. Man schaut den handelnden Personen gerne zu, statt ihnen dauernd die Zombiepest an den Hals zu wünschen.
Zu verdanken hat Regisseur Bishop das nicht zuletzt einer gut aufgelegten Besetzung, allen voran Greyson Chadwick und Carissa Capobianco, die aus den Rollen “Final Girl” und “Cheerleader” mehr rausholen, als drinstecken sollte. Falls Greyson das hier liest: Ich will dich heiraten! Combat Boots und Prom Dress – eine unwiderstehliche Mischung…
“Dance of the Dead” bezieht sich nicht nur stilistisch auf die 70er, sondern hat sich auch deren Unschuld und Sympathie bewahrt. Das allein steigert den Unterhaltungswert beträchtlich.
Hinzu kommt, dass der Film mit einer Energie und Geschwindigkeit abläuft, dass der Nachspann schon läuft, wenn man sich gerade mal im zweiten Akt wähnt. Exposition wird komplett vermieden (die Stadt hat ein riesiges Atomkraftwerk, da kann das mit den Zombies schon mal vorkommen). Die Actionszenen sind von einfacher Eleganz, alle Figuren sind ständig in Bewegung, und es wird keine Zeit an dämliche Subplots verschwendet. Fettfrei, fix, und frech – genau die richtige Einstellung für einen Film dieses Kalibers. Dazu Splatter satt und einfallsreich, und eine grandiose Sequenz, in der die Zombies wortwörtlich aus ihren Gräbern katapultiert werden. Es braucht so wenig, um mich glücklich zu machen…
Was aber am wichtigsten ist: Der Humor funktioniert. Nicht zuletzt deshalb, weil wir die Figuren ja sowieso sympathisch finden. Sprüche, Situationskomik, Slapstick – alles greift sauber ineinander. Und wo Klischees aufgebaut werden (Coach), da werden sie auch gerne am Ende wieder gebrochen.
Der Film deutet nicht auf eine Fortsetzung hin – er setzt sie einfach voraus. Und ich für meinen Teil kann es kaum erwarten.
Fazit: Ein extrem kurzweiliger Splatterspass, der die besten Seiten der 80er Highschool-Komödie gekonnt mit sämtlichen billigen Zombieklischees mixt, und deshalb im Rahmen seiner Möglichkeiten durchaus 9 von 10 Sternen verdient hat.
Andere Meinung: “The most outrageous, most sanguine and most irrepressibly hilarious horror comedy since SHAUN OF THE DEAD” (Bloody Disgusting)
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REPO! THE GENETIC OPERA
USA 2008. Regie: Darren Lynn Bousman. Darsteller: Anthony Stewart Head, Sarah Brightman, Paul Sorvino, Paris Hilton, Alex Vega
Kurz gesagt: Punk/Goth/Sci-Fi-Musical – in einer düsteren Zukunft, in der Menschen ständig Organe austauschen müssen, regiert mit GeneCo ein gigantisches Unternehmen, dessen “Repo Man” auch gerne mal die Wirbelsäule zurückholt, wenn ein Patient mit den Zahlungen im Rückstand ist. Als der GeneCo-Präsident Rotti Largo erkrankt, sucht er sich ausgerechnet die abgeschirmt aufgewachsene Teenagerin Shilo Wallace als Nachfolgerin aus, deren Vater Nathan vor 17 Jahren sein Konkurrent um die Liebe der schönen Marni war.
Ins Detail: Groucho Marx war es, der für eine seiner Spielshows den Begriff “close, but no cigar” prägte – auf deutsch: knapp daneben ist auch vorbei. Auf keinen Film des Festivals trifft das so sehr zu wie auf “Repo! The Genetic Opera”.
Die Produktion? Exzellent. Eine dystopische Welt, in der es nie Tag zu werden scheint, eine schräge Mischung aus Hongkong, “Dark City”, und der “Rocky Horror Picture Show”.
Die Darsteller? Fehlerfrei. Ein großartig aufgelegter Anthony Stewart Head, der mal wieder beweist, dass er für Musicals geboren wurde. Diva Sarah Brightman als Gothic-Tante mit einer extrem spookigen Fähigkeit (ihre digitale Hornhaut kann alles aufzeichnen, was sie sieht, und als geisterhafte Projektion in den Raum werfen). Alex Vega zeigt, dass sie mehr sein kann als eins von den “Spy Kids” (wobei ihre Rocknummer verdächtig an Avril Lavigne erinnert).
Das Drehbuch? Einem Musical angemessen – melodramatisch bis zum Anschlag, mit hübschen Verwicklungen, und überraschenden Wendungen. Man kann mit den Figuren leiden, auch wenn die angedeutete Liebesgeschichte von Shilo und dem Grabräuber am Ende etwas im Sande verläuft.
Die Effekte? Allererste Sahne, von der CGI bis zum erfreulich hemmungslosen Splatter. Wer wollte noch nicht sehen, wie der “Repo Man” einem Opfer die Wirbelsäule wieder entfernt? Dazu kommt eine erstaunliche Liebe zum Detail: Die Bilder von Marni, die in der Villa hängen, sind schwarzweiß, aber trotzdem krude Hologramme, was für einen interessanten “Dark Romance”-Effekt sorgt.
Und trotzdem: mehr als ein “geht so” gibt’s nicht.
Jetzt höre ich schon die Experten: “Klar, ist ja von der Lusche, die ‘Saw II-IV’ gedreht hat – KANN ja nicht gut sein”.
Falsch. An Bousmans Regie ist nichts auszusetzen. Er kann die Action ebenso glaubwürdig inszenieren wie das Melodrama. Er hat außerdem ein Händchen für die Choreographie der Musiknummern. Ich bin kein Fan der “Saw”-Filme, aber an ihm mache ich den Mißerfolg nicht fest.

Ist Paris Hilton das Problem? Auch falsch. Sie schlägt sich ganz gut, und fällt stimmlich nicht annähernd so unangenehm auf wie Pierce Brosnan in “Mamma Mia!”. Regisseur Bousman hat gewußt, wieviel er von ihr erwarten kann, und hat genau das auch bekommen.
“Repo!” scheitert an der Musik. Und das ist bei einem Musical, das fast ausschließlich aus Musik besteht, der Todesstoß. Nun könnte man sagen, ich sei einfach nicht der richtige Kunde für diese bräsige Goth-Rock-Kiste. Das mag stimmen. Aber selbst wenn ich meinen persönlichen Geschmack außen vor lasse, funktioniert der Soundtrack einfach nicht. Die Nummern sind alle sehr gleichförmig – größenteils Power-Balladen mit Rock-Brücken, die dem Film jeglichen “flow” nehmen. Gerade Musicals leben von einer Abwechslung in der Stimmung: sanfte Ballade, harter Rock, hymnisches Finale. Bei “Repo” klingt alles irgendwie gleich, und ist so eng aneinander geklatscht, dass es eher wie ein albern pubertärer Goth-Rock-Teppich wirkt. Die Texte helfen nicht, denn sie sind oft redundant, und doppeln das, was wir sowieso auf der Leinwand sehen. Die Komposition der Songs ist so wenig eingängig, als hätten die Darsteller jede Zeile einzeln einfach mal drauf los gesungen. Strophen und Verse lassen sich kaum ausmachen. Ohrwürmer Fehlanzeige.
Verdammt. Verdammt, verdammt, verdammt! Mit einem anständigen Rock-Soundtrack aus der Steinman-, oder meinetwegen auch aus der Sisters of Mercy-Ecke (geht ja auch zusammen: “More”) hätte der Film eine totale Granate sein können. Alle Elemente sind vorhanden. Stattdessen ödet man sich durch eine lahme Goth-Nummer nach der anderen, und erinnert sich sehnsüchtig daran, wieviel besser das bei “Rocky Horror Picture Show” oder sogar dem “Buffy”-Musical war.
Fazit: Eine wunderschöne Produktion und exzellente Darsteller können dem potentiellen Kultfilm leider nicht über seine schwachen und ausgegorenen Songs hinweghelfen, die das Gesamtniveau dann doch wieder auf 4 von 10 Sternen drücken.
Andere Meinung: “A fiercely original sideshow freak-out of killer tunes and bloody mayhem unlike anything you’ve ever seen!” (Dread Central)
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JACK BROOKS: MONSTER SLAYER
USA 2007. Regie: Jon Knautz. Darsteller: Trevor Matthews, Robert Englund, Rachel Skarsten
Kurz gesagt: Splatter-Komödie über einen Klempner mit Aggressionsschüben, der seine Bestimmung findet, als ein Dämonenherz aus einem Highschool-Professor ein Tentakel-Monster macht…
Ins Detail: Jack Brooks ist nicht die Sorte Held, die wir gewohnt sind – und genau deshalb ist er mir sympathisch. Ein ewiger Loser, der kein Bein mehr auf die Erde bekommt, seit er als Kind mitansehen musste, wie seine Eltern und seine Schwester bei einem Campingausflug von einem Monster gekillt wurden. Seither hat er eine kurze Lunte, und haut Leuten gerne aus Prinzip aufs Maul. Seine Freundin Eve ist eine schrille Zicke, und die Stunden im Nacht-College gehen ihm massiv auf die Eier. Als aber der nette Professor Crowley (jau – Robert Englund läßt es mal wieder massiv in der Slapstickecke krachen) plötzlich als Tentakel-Monster von Jabba-Ausmaßen seine Mitschüler zu Dämonen zu machen, greift Jack zum Abflußrohr – “facing your demons” wurde noch nie so wörtlich genommen…
“Jack Brooks: Monster Slayer” ist der Versuch, einen positiven “character” für eine Horrorfilm-Reihe zu schaffen, so etwa im Stil von “Ash” aus “Tanz der Teufel”. Von der Sorte kann man nicht genug haben, sag’ ich immer, und “Jack Brooks” haut da größtenteils (und größtenteils mit der Axt) in die richtige Kerbe. Es macht Spaß, wenn mal wieder so richtig old school gesplattert wird, ganz ohne CGI, dafür mit eimerweise Latex. Die Monster-Kostüme sind wirklich eine Freude für die Fans von Jack Arnold und Inoshiro Honda gleichermaßen. Nur der “big baddie”, in den sich Englund verwandelt, wirkt eher wie eins der drei Meter großen Zauselmonster aus der “Muppet Show”, und es mangelt an echter Bedrohung.
“Jack Brooks” ist auch ganz flüssig inszeniert, in der Action flott, und bei den Pointen relativ standsicher. Strukturelle Probleme gibt es nur, weil “Jack Brooks” sich mit dem titelgebenden Charakter soviel Zeit läßt, als handele es sich um den Pilotfilm einer TV-Serie. Erst im dritten Akt geht die Monsterschlacht los – und bis dahin zieht sich die Chose etwas.

Die Besetzung ist durchweg sympathisch, Rachel Skarsten hat sich VERDAMMT verändert, seit sie in der Batman-Ablegerserie “Birds of Prey” dabei war – und nicht zum schlechteren. Als “Eve” bricht sie alle Rekorde, was hysterisches Rumgekiekse angeht.
EInen Extrapunkt bekommt “Jack Brooks” für die kleine Episode, die den Film einrahmt, und die Lust auf mehr macht.
Fazit: Nicht so schlau oder so rasant inszeniert wie “Dance of the Dead”, aber als munterer Genre-Spass mit einer coolen Identifikationsfigur allemal 7 von 10 Sternen.
Andere Meinung: “It obviously had budgetary restrictions but what they managed to do with the cash is certainly all up there on screen for you to enjoy. The monsters and creatures looked great and have that typical iconic 80’s style about them” (Horror Asylum)

