Fantasy Filmfest 2008-Kritiken (3): Outlander / Hush / Shuttle

Gepostet am 31. August, 2008 um 13:47 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 08, Film, TV & Presse, Neues.

Cinecitta bei nachtNo retreat, no surrender – nach vier Filmen in Folge fühle ich mich wie der im Finale zusammengeknüppelte Fighter eines x-beliebigen Bloodsport-Klons, dem der Trainer zubrüllt, er soll VERDAMMT NOCH MAL wieder aufstehen, um dem korrupten Champion, der seinen Bruder auf dem Gewissen hat, die Faust ins Gesicht zu rammen.

Und wir wissen ja, wie die Geschichte ausgeht: man rappelt sich auf die Füße, schwankt ein bisschen, geht in die Kranich-Stellung, hört Stimmen (“den Rhythmus deiner Faust findest du im Schlag deines Herzens!”) – und drischt der Drecksau die Schneidezähne in den Rachen.

Geben wir uns also wieder ran – einer muss es ja machen…

Gestern hatte ich angekündigt, heute u.a. “Like a Dragon” zu besprechen. Das verschiebe ich auf morgen, weil “Hush” und “Shuttle” einfach inhaltlich und stilistisch ideal zusammen passen, und sicher auch ein prima Double Feature abgäben.

Ich möchte noch erwähnen, dass zwei von vier Filmen gestern BluRay-Screenings waren, die direkt von der Silberscheibe kamen. Und was soll ich sagen: selbst auf der großen Leinwand ist das Ergebnis mehr als beeindruckend. Keinerlei digitale Artefakte, extrem gute Auflösung, bildstabil, farbecht. Das schlägt locker die Hälfte aller Filmkopien, die man sonst in diesem Rahmen zu sehen bekommt.

Ein paar Worte noch zu den Sternchen-Bewertungen: Eigentlich hasse ich solche mathematischen Fallstricke, weil sie Vergleichbarkeit suggerieren, die nicht vorhanden ist. Den nachfolgenden Wertungen zufolge wäre OUTLANDER “schlechter” als SHUTTLE. Das ist natürlich Blödsinn. Die Bewertungen beziehen viele Faktoren ein, die ohne die Lektüre des ganzen Textes verloren gehen: Anspruch, Budget, Produktionsgeschichte, etc. Hinzu kommt, dass die Bewertungen aus dem Spirit des Fantasy Filmfest entstehen. Das ist eine andere Atmosphäre als beim heimischen DVD-Abend (Begleitung, Müdigkeit, Harndrang). Im Ergebnis kann das sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben: Letztes Jahr habe ich z.B. “The Ferryman” extrem positiv bewertet, was ich mir seither immer wieder vorwerfen lassen muss.

Kurz gesagt: your mileage may vary.

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Fantasy Filmfest 2008-Kritiken (2):
Mirrors / Midnight Meat Train / Terra

Gepostet am 30. August, 2008 um 16:08 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 08, Film, TV & Presse, Neues.

Sodele, Tag 2 meines brachialen Review-Marathons. Bisher können wir auf jeden Fall schon mal festhalten, dass Nürnberg ein ziemlich idealer Ort für so ein Festival ist: man mag das Cinecittá für ein seelenloses Multiplex halten, aber es hat große Säle mit guter Sicht, sauberer Projektion, und liegt mitten in der Nürnberger Altstadt, umgeben von Restaurants, Geschäften und Hotels. Das passt. Außerdem hat es in der fränkischen Metropole den Doc Acula, mit dem man auch längere Sessions stressfrei durchhält.

Perro Come PerroZu “Dog Eat Dog” (dem Ersatz für “Trailerpark of Terror”) nur ein paar Worte, weil ein vollständiger Review nicht lohnt: Eine kolumbianische Gangster-Dramedy um Geld, Verrat, und ziemlich siffige Männer in verschwitzten Hemden. Am Ende sind alle tot. Vergleichsweise unterhaltsam, wenn man auf sowas steht, aber als Beitrag beim FFF eigentlich fehl am Platze. Als große Moral nimmt man mit, dass das “Hotel Corso” in Cali sicher keine 3 Sterne bei Neckermann bekommt. Keine Bewertung.

Ebenfalls an dieser Stelle noch nicht besprechen möchte ich die deutsche Produktion “Virus Undead”. Das hebe ich mir für einen eigenen Artikel auf. Und es dauert ein paar Tage, bis ich von Amazon das “Schimpfwörter-Synomyme”-Buch bekomme…

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Fantasy Filmfest 2008-Kritiken (1):
Restraint / Rage / Afro Samurai

Gepostet am 29. August, 2008 um 19:20 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 08, Film, TV & Presse, Neues.

FFF PlakatIch habe ein paar schwere Wochen hinter mir: In Rekordzeit musste ich mein erstes Kinoskript schreiben (mehr dazu, wenn das Thema spruchreif ist), einen Pitch für einen TV-Zweiteiler ausarbeiten, meine Webseite umgestalten, und diverse Kostenvoranschläge und Besichtigungen für meinen Dachgeschoss-Umbau organisieren. Mittwoch Abend war alles in trockenen Tüchern, und ich habe es ja schon mal gesagt – dann kommt üblicherweise der Crash. Und auf den ist Verlass: In den letzten drei Tagen habe ich pro Nacht zwar neun Stunden geschlafen, bin aber genau so gerädert aufgewacht, wie ich auf die Matratze gefallen bin.

Mir fehlt nicht die Ruhe, mir fehlt die Abwechslung. Die Chance, den Kopf freizublasen, die ewig gleichen Denktretmühlen zu verlassen. Vor ein paar Wochen war mir das mit der Düsseldorf/Köln/Berlin-Tour ganz gut gelungen. Und deshalb bin ich froh, auch diesmal etwas geplant zu haben, was nicht entspannend, aber zumindest abwechslungsreich sein wird.

Ich schreibe diese Zeilen in der Lobby des Motel One-Hotels in Nürnberg-City, kaum 400 Meter vom Cinecittá-Kinocenter entfernt, wo ich mir binnen 4 Tagen 16 Filme ansehen werde. Mein treuer Begleiter ist Doc Acula von Badmovies.de, und das ist nur gerecht, denn vor zwei Jahren kam er nach München, um dort am Fantasy Filmfest 2006 teilzunehmen. Ich gebe den Gefallen also nur zurück.

Einer der Hauptgründe, warum ich heuer nach Nürnberg fahre, statt mir das Festival in meiner eigenen Stadt anzusehen (wie 17 mal zuvor), ist: Die Festivalleitung hat sich dieses Jahr entscheiden, die Tour umzudrehen. Bis 2007 war München immer der Start des FFF, heute sind wir ganz zum Schluß dran. Das kränkt nicht nur mein Ego, es ist auch extrem ärgerlich für meine Blog-Arbeit, weil ich meinen Lesern nicht empfehlen kann, was sie sich in ihren Städten unbedingt ansehen sollen.

Angesichts der Menge der Filme, und der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit, werde ich keine so ausführlichen Kritiken schreiben wie im letzten Jahr. Stattdessen werde ich Filme, die ich an einem Tag gesehen habe, „gruppieren“. Ich hoffe, trotzdem ausreichend Information bieten zu können.

Gestern läutete ich das Festival mit dem Kiefer Sutherland-Gruselstreifen “Mirrors” ein, gefolgt von der Clive Barker-Adaption “Midnight Meat Train”. Diese bespreche ich allerdings erst morgen, denn schon im Vorfeld des Festivals hatte ich diverse Filme in Presse-Screenings und auf DVD gesehen. Die möchte ich zuerst einmal aufarbeiten.

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Vorwärts, und nie vergessen…!

Gepostet am 26. August, 2008 um 11:44 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.

Was macht ein Amerikaner, wenn er erfährt, dass morgen die Welt untergeht? Er isst einen Hamburger, hat nochmal Sex mit seiner Frau, und wartet auf das Ende. Was macht ein Franzose, wenn er weiß, dass morgen die Welt untergeht? Er trinkt Champagner, hat nochmal Sex mit seiner Geliebten, und wartet auf das Ende. Was macht ein Westdeutscher, wenn er weiß, dass morgen die Welt untergeht? Er trinkt ein Altbier, kauft nochmal die BILD, und fährt in die DDR – da sind sie in allem 20 Jahre später dran.

Vielleicht muss man dabei gewesen sein, um über sowas zu lachen.

BILD ist schon fair: Man hat zwar 40 Jahre lang die DDR in Anführungsstriche gesetzt, und das Ost-Regime mit Häme und Niedertracht überzogen, wo es ging – aber ostalgische Jubiläen werden trotzdem stolz gefeiert, schließlich liest so mancher verdorbene Kommunist heute das Springer-Blatt.

Augen zu und durch:

Mathe mit Bild 1

Die DDR (jetzt wohl nicht mehr “DDR”?) stand Kopf? Vor 20 Jahren? 1988? Mauerfall? Gorbi-Besuch? Bananen-Lieferung? Nee, das passt doch alles nicht.

Draufklicken.

Mathe mit Bild 2

Ach so – vor 20 Jahren, als 1978 war. Die DDR war ja immer ein bißchen hinterher. Oder ihrer Zeit voraus. Oder so.

Bonusfrage: Wieso steht das im “Berlin”-Teil der BILD? Man könnte jetzt vermuten, das Raumfahrtzentrum der DDR habe in Ost-Berlin gestanden. Nö. Kosmonaut Sigmund Jähn vielleicht? Berliner? Nö. Der ist aus dem 325 Kilometer entfernten Morgenröthe-Rautenkranz. Vermuten wir einfach mal, dass BILD irgendwelche Ossi-Jubiläen dem gesamtdeutschen Publikum einfach nicht zumuten mag. Der Berliner hingegen hatte ja immer irgendwie damit zu tun…

Dank an Christian Eisert (der es als echter Zoni besser weiß).

Aller guten Dinge sind 2 – Vogel reloaded

Gepostet am 25. August, 2008 um 10:35 Uhr
Kategorien: Gedanken, In Arbeit, Neues, Privates.

Hurra

Es hat sich abgezeichnet, und adleräugige Leser hatten schon eine fälschlich freigeschaltete Vorschau bekommen: Ab heute bekommt der Wortvogel ein neues Gefieder. Ich wollte es zur Abwechslung mal ein wenig heller, freundlicher, und leichter. Das Leben ist schwer und düster genug.

Ich halte nichts von ständigen und grundlosen Relaunches und Redesigns – das Internet fluktuiert genug, und mit 40 macht sich bei mir ein Hang zur Beständigkeit bemerkbar. Doch so wie ich mein Haus neulich streichen ließ (in weiß und hellgrau – Zufall?), so drängt es mich nun, auch hier im Blog mal frisch zu weißeln. Nach zwei Jahren sei mir das gestattet.

Unter der Haube hat sich wenig geändert: die Informationen in den Textboxen sind etwas schicker angeordnet, die Margen sind enger, und das Suchfeld ist nun auch ohne Schatzkarte zu finden. Beizeiten möchte ich noch ein schönes schwarzes Logo für den Hintergrund finden, das gleichzeitig stylish und unauffällig ist. Vorschläge sind willkommen.

Mit meinem unverzichtbaren (aber glücklicherweise nicht unbezahlbaren) IT-Knecht habe ich darüber diskutiert, ob es vernünftig wäre, das ganze Design für eine höhere Auflösung anzupassen, in dem man z.B. die Textboxen breiter macht. Aber ich sehe das so: Mein eigenes Notebook hat nur einen 15 Zoll-Bildschirm, und mit einer schmalen Lesezeichen-Leiste würde im Firefox dann schon ein bedeutender Teil abgeschnitten werden. Wir haben darauf verzichtet. Lesefreundlichkeit ist mir sehr wichtig.

Nicht ohne Grund wurde das neue Design erst heute freigeschaltet, obwohl es seit ca. zwei Wochen fertig ist: Der Wortvogel feiert nämlich mal wieder Geburtstag. Den zweiten. Hätte man mir im August 2006 prophezeit, dass ich binnen 24 Monaten mehr als 400 Artikel schreiben, und darauf fast 6000 Kommentare bekommen würde – ich hätte die Sache gleich wieder abgeblasen. Doch erfreulicherweise geriet das klitzekleine Blogprojekt nur langsam außer Kontrolle, und mittlerweile habe ich mich an über 40.000 Leser im Monat gewöhnt, ohne nächtens schweißgebadet aufzuwachen.

Fun Fact: Eigentlich sollte das Blog “Hausrocker” heißen, nicht “Wortvogel”. Weil ich die Domain aber nicht schnell genug von einem Provider zum anderen übertragen konnte, arbeitete ich mit dem Begriff Wortvogel als Notlösung. Aus dem Platzhalter ist mittlerweile fast so was wie eine eigene Identität geworden.

Meine ursprüngliche Sorge, das sprunghaft gestiegene Interesse an meiner albernen Personality-Show nicht ausreichend bedienen zu können, hat sich als unbegründet erwiesen: Die kleine Textdatei, in der ich Ideen für Beiträge sammle, platzt aus allen Nähten. Das Material geht mir in absehbarer Zeit also nicht aus. Ich will auch nicht verheimlichen, dass ich an ein paar ungewöhnlichen neuen Projekten für dieses Blog arbeite. Doch mein Beruf und das Fantasy Filmfest 2008 blockieren momentan die Fertigstellung.

Ich habe es letztes Jahr gesagt, und ich werde es nächstes Jahr hoffentlich wieder sagen: Dank an meine Leser, meine Kommentatoren, meine Diskutanten. Man sagt, der Zuschauer bekommt das Programm, das er verdient. Vielleicht ist es bei Blogs umgekehrt, und man bekommt die Leser, die man verdient. Wenn das so ist, muss ich ein verdammt dufter Typ sein. Ihr habt keine Ahnung, wie gut ihr für mein Ego seid.

Und nun will ich eure Meinung hören – findet ihr das so okay? Darf es auch mal monochrom sein? Oder fröstelt euch der bloße Anblick?

Trailer für Männer, die im Stehen pinkeln

Gepostet am 24. August, 2008 um 20:27 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.
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Antworten, ohne zu antworten

Gepostet am 24. August, 2008 um 11:56 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Anna (c) SAT1Montag starten gleich zwei neue Daily Fiction Formate, wie man neudeutsch so schön sagt: “112″ aus dem Hause actionconcept, sowie “Anna und die Liebe” mit Jeanette Biedermann. Ich habe beide schon gesehen, verkneife mir aber ausführliche Kritiken, weil ich a) befangen bin, und b) keine Zeit habe. Die Quoten werde ich aber mit Interesse verfolgen.

Natürlich wird derzeit viel getrommelt für die beiden neuen Serien, denn RTL hätte zu gerne ein funktionierendes Format um 17.00 Uhr, und SAT.1 hätte zu gerne wieder einen Erfolg vom Schlage “Verliebt in Berlin”.

Logisch, dass die Macher in vielen Interviews die immer gleichen Fragen beantworten müssen. Das wird besonders dann problematisch, wenn sie etwas nicht zugeben dürfen, was eigentlich offensichtlich ist.

In einem Sonntags-Interview auf Quotenmeter müht sich “Anna”-Producerin Petra Bodenbach, die Ähnlichkeiten zwischen “Anna & die Liebe” und “Verliebt in Berlin” vehement zu bestreiten – in dem sie die komplette Deckungsgleichheit unumwunden zugibt:

Ich habe neulich in der „TV Digital“ gelesen, dass beklagt wird, «Anna und die Liebe» sei eine 1:1-Kopie von «Verliebt in Berlin». Stimmen Sie dieser Experten-Meinung zu?

Bodenbach: Natürlich nicht. Wir haben die gleiche Tonalität und auch die gleiche Modernität. Ansonsten ist «Anna und die Liebe» aber etwas völlig Eigenständiges. Zwar haben auch wir eine unglücklich verliebte Hauptperson, die einiges durchmachen muss – aber das kommt in jeder romantischen Komödie vor. Von daher fällt die Abgrenzung sicherlich nicht ganz leicht. Ich finde aber, dass die Welt von «Anna und die Liebe» sich doch deutlich von der Welt von «Verliebt in Berlin» unterscheidet.

Übrigens könnte ich auch noch ein paar Absätze über das hilflos geführte Interview schreiben, welches Knaller-Fragen wie “Wer ist der Ober-Fiesling der Serie?” und “Wie sind Sie auf die Idee gekommen?” raushaut, an keiner Stelle kritisch nachhakt, und auch Antworten wie diese hier einfach so stehen lässt. Da hätte man auch gleich die vorgekauten Interviews aus dem Presseheft des Senders abschreiben können.

Aber wie gesagt: Ich habe keine Zeit. No rest for the wicked.

Trailer als Anti-Werbung

Gepostet am 24. August, 2008 um 10:32 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Keine Story, keine Charaktere, kein Look, keine erkennbare Verbindung zum titelgebenden Videospiel – Uwe Boll hat es mal wieder geschafft, ein potentiell interessantes Projekt auf das Niveau eines schlechten kanadischen TV-Films runterzuziehen:

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Will irgendjemand nach diesem Trailer noch ins Kino gehen?

Nützlich, aber illegal

Gepostet am 22. August, 2008 um 11:41 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

MygazinesAus aktuellem Anlass: Es gibt ein neues, oberflächlich sehr interessantes Angebot im Internet – Mygazines. Ich werde nicht direkt verlinken, weil das Projekt rechtlich auf sehr fragwürdigen Beinen steht. Näheres dazu kann man in einem Artikel bei Heise nachlesen.

Einfach gesagt kann man bei Mygazines komplette Publikationen bequem am Bildschirm lesen, darunter auch aktuelle Ausgaben diverser Hochglanzmagazine (z.B. “People”, “US”). Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein lizensiertes Angebot, sondern um digitale “Raubdrucke”. Dass das den Rechteinhabern nicht passt, dürfte klar sein.

Ich möchte gar nicht so sehr auf Mygazines eingehen, denn ich halte die Aufregung für einen Sturm im Wasserglas: Das Angebot ist ein so offensichtlicher Verstoß gegen Copyright und Urheberrecht, dass die Anwälte der Großverlage relativ fix mit einer Einstweiligen Verfügung auf der Matte stehen werden, sobald die Macher der Webseite identifiziert sind.

Aber Mygazines trifft einen Punkt, der mich schon länger umtreibt. Ich bin nämlich in der Tat der Meinung, dass die aktuellen Copyright-Bestimmungen dem Weltwissen abträglich sind. Natürlich geht es nicht, dass Schlaumeier Sonntag nacht den aktuellen SPIEGEL als PDF ins Netz stellen, und das mit “öffentlichem Interesse” rechtfertigen. Der Verlag muss ja auch leben. Mitarbeiter wollen bezahlt werden. Und Druckmaschinen laufen auch nicht umsonst. Kurzum: Es geht mir nicht so sehr um aktuelle Publikationen.

Aber was ist mit den tausenden von Zeitschriften, die nur noch antiquarischen oder nostalgischen Wert haben? Deren mangelnde Aktualität eine Neuauflage ausschließt, und deren kommerzielles Potential deswegen praktisch gegen null geht? Für viele dieser Publikationen gäbe es weltweit sicher eine solide Nische, eine Zielgruppe innerhalb verschiedener Kreise. Die legendäre erste deutsche Videospiel-Zeitschrift “TeleMatch”, die Comic-Zeitung “Spass”, das Genre-Magazin “Phantastische Zeiten” (von “Vampir” gar nicht zu sprechen). Das geht auch international: “Famous Monsters of Filmland”, “Brill’s Content”, “Skeptical Inquirer”, “Video Watchdog”, “Cahiers du Cinema”.

Ich selber besitze praktisch komplette Archive von “Splatting Image”, “Skeptical Inquirer”, und “Titanic”. Ich wäre bereit, diese nach vorgegebenen Parametern (Größe, Format, Auflösung, Farbe) einzuscannen, und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Ein paar hundert andere Leute weltweit, die das auch so sehen – und schon käme ein phantastisches Online-Archiv seltener Magazine und Zeitschriften zusammen. Das hat ja nicht nur Unterhaltungs-, sondern auch Bildungswert. Es bräuchte nur ein kleines Netzwerk an Freiwilligen, um eine große Menge an Information bereitzustellen. Der Ansporn ist ja offensichtlich: Ich scanne drei meiner Heftsammlungen ein, und bekomme dafür Zugriff auf 300 weitere. Ein Medien-Archiv für das Wiki-Zeitalter.

Leider wird das nicht gehen, weil es illegal ist. Oft nicht einmal, weil große Verlage sich querstellen, sondern weil die Rechteinhaber einfach nicht mehr eindeutig zu ermitteln sind. Und das Risiko, einfach mal loszulegen, um sich hinterher eine fette Klage einzufangen, möchte wohl niemand eingehen.

Es ist kurios, dass im Comic-Bereich kaum solche Skrupel bestehen: So ziemlich jedes Comic seit der Erfindung des Buchdrucks wurde bereits eingescannt, und ist über entsprechende Quellen zu laden. Nur eben weder offiziell, noch legal.

Zusätzlich zur konkreten Bereitstellung von Lesematerial hätte ein solches System auch noch einen weiteren Nutzen: Es rettet möglicherweise Publikationen ins digitale Zeitalter, die sonst irgendwann endgültig nicht mehr verfügbar wären. Banales Beispiel: Von meinem Fanzine “Dark Palace” gibt es vielleicht noch ein Dutzend Exemplare in Zirkulation. Seit ich die Hefte gescannt und zur Verfügung gestellt habe, kann es unendlich viele digitale Kopien geben. Auf diese Weise wird der Palace niemals “sterben”.

Es ist zu schade, dass restriktive und nicht mehr zeitgemäße Gesetze einem solchen Vorhaben, bei dem der technische Aufwand mittlerweile in keinem Verhältnis zum globalen Nutzen steht, einen Riegel vorschiebt.

Was wären die Zeitschriften und Publikationen, die ihr gerne komplett online sehen würdet?

Bestes. Horrorcover. Aller. Zeiten.

Gepostet am 19. August, 2008 um 12:37 Uhr
Kategorien: Neues.

Dan Shocker

Wer, wie, was – der Piepmatz

Gepostet am 15. August, 2008 um 14:51 Uhr
Kategorien: Lustiges, Neues.

Ganz bezaubernd – Sängerin Feist besucht die Sesamstraße:

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Die ist übrigens voll verknallt ist Stephen Colbert – verständlich.

Kino-Kritik: The Clone Wars

Gepostet am 14. August, 2008 um 00:36 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Clone Wars FilmStory: Der kleine Sohn von Jabba dem Hutten wurde entführt. Der galaktische Supergangster bittet die Jedi um Hilfe, im Austausch gegen freies Geleit für die entfernten Routen – ein wertvoller Vorteil im Kampf gegen die Droiden-Armeen von Count Dooku. Doch Jabba ist clever genug, auch die Gegenseite ins Spiel zu bringen, und bald sind die Jedi und die Sith ausgiebig damit beschäftigt, sich gegenseitig Steine in den Weg zu legen. Hinzu kommt, dass Annakin gegen seinen Willen einen Padawan zugeteilt bekommt, die junge Ahsoka Tano. Zu seiner Überraschung stellt sie sich als talentierte Schülerin heraus…

Kritik: Dieser Trailer ist eine Lüge:

http://video.google.com/videoplay?docid=637811773146892074

Eine Lüge, weil er so tut, als sei “The Clone Wars” ein würdiger Bestandteil des längst ausgelaugten “Star Wars”-Universums, als ginge es um Figuren, Handlung, Emotion. Als wären die endlosen Weiten der Galaxis aus den Episoden 4-6 nicht längst ein bonbon-bunter Zirkus, in dem sich schrill kostümierte Clowns mit dressierten Tanzbären balgen. Der Trailer erweckt tatsächlich den Anschein, als gäbe es einen Film, nicht bloß ein Produkt. Als könnte “Star Wars” noch etwas bedeuten.

Alles Lüge.

Dem Cutter dieses Trailers jedoch gebührt mein höchstes Lob, denn ich hätte rundweg bestritten, dass man so etwas aus der 90minütigen CGI-Zuckerwatte schneiden kann, die uns der Bärtige hier in den Rachen stopft. Frech genug, die ersten Folgen einer TV-Trickserie für Kinder ins Kino zu hieven. Frecher noch, den Anschein zu erwecken, als gäbe es hier auch für Zuschauer etwas zu sehen, die nicht hyperaktiv zappelnd nach drei Schüsseln Frosties am Samstagmorgen vor der Mattscheibe hocken.

Clone Wars SerieIn jeder Minute sieht man “The Clone Wars” an, dass es ein Ableger einer TV-Serie mit nur drei- bis zwölfminütigen Folgen ist: Eine nennenswerte Dramaturgie gibt es nicht, nur eine Abfolge von Highlights, wie der routinierte Tritt auf das Gaspedal im Sportwagen. Alles ist Bewegung, Farbe, Schwenk, Schnitt. Figuren sind Stichwortgeber, wie die Zwischensequenzen in Videospielen treten sie nur auf, um von einer Actionszene zur nächsten überzuleiten. Die Erkenntnis, dass die Spannung einer Actionszene neben dem Adrenalin auch aus unserer Sorge um die Charaktere gespeist wird, fehlt den Machern komplett.

So kommt es, wie es kommen muss: 90 Minuten lang wildes Geballer und Gefuchtel mit Laserschwertern ohne jegliche Spannung, mit Charakteren, die uns überhaupt nicht scheren. Die Köpfe sehen aus wie Holzfurnier auf Gummi, die Qualität der CGI liegt viel zu weit unter z.B. “Wall*E”, um auch nur eine gehobene Augenbraue zu rechtfertigen, und wenn Annakin oder Obi Wan dann noch rumhüpfen wie Spiderman, geht endgültig jeglicher Bezug zur realen Welt zum Fenster raus.

“The Clone Wars” ist nicht Star Wars, nicht Kino – nicht mal Kinderprogramm: Dafür ist das zugrunde liegende Universum schlicht zu kompliziert und düster. Klonkrieger werden im Dutzend umgenietet, ständig ist von Handelsrouten und den Ränkespielen im Senat die Rede, und wenn die kleinen Bälger von den “echten” SW-Filmen wissen, worum es überhaupt geht, dann wissen sie auch, dass es im Grunde um gar nichts geht: Wir kennen das Schicksal aller beteiligten Personen bereits.

Es wäre als Fazit schlimm genug, dass ein Star Wars-Kinofilm anscheinend nicht einmal mehr den Anspruch hat, über das Niveau eines Videospiels ohne Interaktion hinauszukommen – viel schlimmer wiegt aber, dass selbst die Star Wars-Videospiele mittlerweile besser darin sind, ein Kino-Feeling zu emulieren:

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George Lucas hat mit “Star Wars” 1977 den totalen Merchandise-Boom begründet – nun ist Ausverkauf, und neben den Figürchen und T-Shirts werden das Erbe und das Universum gleich mitverramscht.

Brot und (Doktor)Spiele

Gepostet am 9. August, 2008 um 23:54 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues, Privates.

Ich wohne in Obergiesing. Das ist ganz prima, weil mein Viertel klein und gemütlich ist, aber schräg gegenüber gleich die Tegernseer Landstraße kommt, die als Einkaufsstraße wirklich alles bietet, was man braucht: Kaufhaus, Drogerie, Buchladen, Cinebank, Reinigung, Kneipe, Kiosk, Postamt, Kopierladen, Fahrrad-Werkstatt, Bank, Tchibo, Sonnenstudio, Metzgerei, Stadtbücherei, ect.

Vor allem aber: Bäckereien.

Über den Daumen geschätzt sind mindestens sechs Frühstücksversorger in Pantoffel-Weite. Die ganze Bandbreite: Hofpfisterei für die Ökos, Helli’s Backshop für Sparschweine und Rechtschreibschwächlinge, sowie Müller Brot für alle, denen Kamps im Rheinland noch zu “hausgemacht” erscheint.

Und Apotheken.

Neulich hat der ansässige “Electronic Partner” (EP) zugemacht. Ärgerlich, denn das war die ideale Anlaufstelle für Batterien, Kabel, und sonstigen Elektro-Kleinkram. Einen Fernseher hätte ich dann doch eher bei Media Markt oder Saturn gekauft, was sicher zum Konkurs beigetragen hat.

Die erträgliche Spannung, was den EP ersetzen würde, ist seit dieser Woche gelüftet:

Stelle man sich nun mit dem Rücken an das große Schaufenster, und blicke nach rechts über die Straße:

Dann ein Blick nach links vorne, über die Kreuzung:

Weiter, nochmal 100 Meter nach links:

Damit hat man sich fast einmal komplett im Kreis gedreht, und landet 30 Meter neben dem Ausgangspunkt:

Das viel gerügte Apothekensterben – es ist ein urbaner Mythos. Die sterben nicht, die ziehen bloß alle nach Obergiesing.

P.S.: Ich räume dem frechen Neuankömmling gute Marktchancen ein, denn für ihn sprechen zwei Faktoren, die lauffaule Nasenspray-Käufer durch seine Türen treiben werden: Er liegt direkt unter einem großen Ärzte-Haus, und ebenso direkt vor dem Aufgang der U-Bahn-Haltestelle. Das zieht.

Boll + Schweiger = Magenschmerzen

Gepostet am 8. August, 2008 um 22:15 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Far Cry

Aufstieg für Boll? Abstieg für Schweiger? Discuss!

Kino-Kurzkritik: “Die Mumie –
Das Grabmal des Drachenkaisers”

Gepostet am 8. August, 2008 um 13:19 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Mumie 3Es gibt Filme, von denen erwartet man soviel, dass man eigentlich nur enttäuscht werden kann: “Superman Returns”, “Matrix Reloaded”, “Star Wars Episode I”. Und es gibt Filme, von denen ist man ist man positiv überrascht, weil man nicht viel erwartet hat, aber der Spassfaktor dann doch beträchtlich war; “Iron Man”, “Kung Fu Panda”, “Hairspray”.

Bleiben die Filme, von denen man eh nichts erwartet – und die es trotzdem noch schaffen, auf ganzer Linie zu enttäuschen. Meistens sind die von Michael Bay oder Stephen Sommers.

Ich will gar nicht groß auf das eingehen, was der neuste “Mummy”-Heuler als “Story” verkauft. Dabei handelt es sich um ein entsetzlich austauschbares Sortiment an Teilen, die willkürlich aneinandergereiht werden, um den Streifen irgendwie in Bewegung zu halten. Anscheinend geht es um einen chinesischen Kriegsherren, der unsterblich sein wollte, dann aber in eine Statue verwandelt wurde, wiederbelebt wird, und sich beliebig in King Ghidora oder den Wolpertinger verwandeln kann. Dann gibt es eine Zauberin, die auch unsterblich ist, es aber nicht mehr sein darf, um den Kriegsherren zu besiegen, von dem wir nicht einmal wissen, was er genau will (abgesehen von nebulöser “Macht”). In dieser komplett undurchsichtigen Mischpoke tauchen dann noch Abenteurer Rick O’Connell und Ehefrau Eve auf, diesmal mit dem erwachsenen Sohnemann im Schlepptau – und dem schönen Beweis, dass man solche Familienelemente in Abenteuerfilmen gut (“Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels”) und schlecht (hier) einbauen kann. Natürlich hat die Zauberin eine Tochter, damit Ricks Sohn was zum Verlieben hat, und die Yetis spielen eine so peinliche Rolle, als hätte Produzent Sommers in “Van Helsing” nicht alle beschissenen CGI-Kreaturen untergebracht, die seine Effektleute auf der Festplatte hatten, und deshalb hier die Kosten amortisiert. Das Adobe Premiere-Plugin für Partikel-Effekte macht die üblichen Überstunden, aber das kennen wir von den “Mumie”-Filmen ja nicht anders.

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Sinn ergibt die Plotte an keiner Stelle, Spannung kommt schon gar nicht auf, ebensowenig wie Sympathie für die handelnden Figuren. “Die Mumie 3″ ist wie “Van Helsing” oder “Piraten der Karibik 2″: Ein verzweifelter Versuch, an sich brauchbare Konzepte durch ein beständiges “höher, schneller, weiter” aufzupumpen, statt sich auf die Figuren zu konzentrieren, die den Zuschauer überhaupt erst ins Kino getrieben haben.

Fazit: Popcorn-Kino der schlechtesten Sorte, seelenloser Effekt-Overkill ohne Hirn und Eier, und ein extrem teures Ärgernis.

Die Fortsetzung zum Ableger “Scorpion King”, wieder mit einem Wrestling-Schinken in der Hauptrolle, und demnächst auf DVD, kann eigentlich nur besser sein – aber da lasse ich mich gerne eines Besseren belehren:

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