Kino-Kritik: “The Dark Knight”

Gepostet am 30. Juli, 2008 um 13:01 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Dark KnightBester Start aller Zeiten, höchstes Wochen-Einspielergebnis, 450 Millionen nach 10 Tagen – alles unwichtig, wenn ich mit einer Flasche Bier und dem Kollegen Sixtus in einem Düsseldorfer Kino sitze, um mir den neusten Batman-Film anzusehen. Der olle Flatterheinz hat es sowieso schwer, denn in meinen Augen ist “Iron Man” in diesem Jahr schon alles gewesen, was man von einer Comic-Verfilmung erwarten kann. Und “Batman begins” fand ich als Neustart der Franchise vielversprechend, aber letztlich ein wenig unbefriedigend, was Handlung und Charaktere angeht.

Egal – Vorurteile über Bord, Arsch in den Sitz, Licht aus, Film an.

Story: Eine Kampagne des Staatsanwalts Harvey Dent zur Verbrechensbekämpfung in Gotham macht den Gangs das Leben schwer. Sie lassen sich auf einen Deal mit dem irren Joker ein, der verspricht, den Bürgern der Stadt die Angst vor dem Verbrechen zurück zu geben. Dazu muss er Dent brechen – und Batman korrumpieren. Schlüssel ist in beiden Fällen die attraktive Rachel Dawes.

Kritik: 2008 wird in die Filmgeschichte eingehen. Nicht als “Sommer der Superhelden”, wie SPIEGEL online kürzlich vermeldete (gab es in den letzten Jahren eine einzige Saison OHNE größere Comic-Starts?), sondern als der erste Sommer, in dem das Versprechen der Superhelden auch eingelöst wurde. In dem Hollywood erkannt hat, dass verschiedene Helden verschiedene Erzählstrukturen brauchen. Und in dem Gespräche über die Verfilmungen unter Fans nicht mit dem Satz beginnen “Man muss natürlich Abstriche machen, aber…”

Bruce Wayne

“The Dark Knight” ist nicht einfach nur ein über weite Strecken brillanter Batman-Film. Er holt die Welt des Dunklen Ritters so nah wie nur irgend möglich an unsere eigene heran, um den Zuschauer emotional zu involvieren. Regisseur Nolan verweigert diesmal konsequent alle Konzessionen an die Burton/Schumacher-Streifen. Er befreit Gotham von allem ornamentalen Ballast, holt es aus dem puderigen Gotic-Look, in dem es bisher zu ersticken drohte. Das Universum von “The Dark Knight” ist nicht mehr beruhigend in sich geschlossen, ein Spielfeld einer Schar bunter Figuren, denen wir von außen bei ihrem närrischen Treiben zuschauen. Nolans neues Gotham ist kein studiolastiger Modell-Moloch (Chicago dient eindeutig als Vorlage), sondern Beton gewordener Alptraum, in dem Geschäft, Politik und Verbrechen schon längst nahtlos ineinander übergehen. Es eine urbane Arena, in der Menschen sterben, Loyalität käuflich ist, und das totale Chaos nur ein paar Bombenexplosionen entfernt. Hier gibt es keine Unschuldigen, und hier werden auch keine Gefangenen gemacht.

Nolan verzichtet konsequent auf die Ikonographie der Superhelden-Mythen: Kostüme werden nicht mehr zelebriert, es gibt kein übertriebenes Posing, um den Panel-Look zu emulieren, und lächerlich aufgesetztes Melodrama (siehe “Superman Returns”) macht ENDLICH echtem Drama platz. “The Dark Knight” ist eine Zelluloid gewordene “graphic novel”, kein verfilmtes Comic-Heft. Komplexe Charaktere, verschachtelte Handlungsebenen, und immer neue Twists beweisen, dass die Begriffe “anspruchsvolles Storytelling” und “Comic-Verfilmung” eben doch Schnittmengen haben können. In seiner Struktur und seiner Dynamik steht “The Dark Knight” Filmen wie Michael Manns “Heat” in nichts nach. Ich hätte Geld darauf gesetzt, dass es noch zehn Jahre dauert, bis Regisseure das Genre in solche Höhen hieven können. Ich habe mich geirrt.

Neben dem völlig neuen urbanen Look überzeugen auch die Darsteller. Ich fand es unerträglich und albern, dass überall kolportiert wurde, Heath Ledger müsse für den “Joker” posthum den Oscar bekommen. Asche auf mein Haupt: Es wäre gerechtfertigt. Ledgers Joker ist keine Witzfigur (pun intended), sondern ein gefährlicher, undurchschaubarer, und unberechenbarer Psychopath ohne jegliche Moral. Er hat letztlich kein Ziel, nur die Freude am Chaos, an der Angst. Mit ihm kann man nicht verhandeln, ihn nicht einschüchtern, oder gar resozialisieren. Er ist ein schwarzes Vakuum, perfekt verkörpert von einem Schauspieler, der erst nach seinem Tod zeigen kann, dass er immer viel besser war als “Der Patriot” oder “Zehn Dinge, die ich an dir hasse” ihm erlaubten.

Joker

Ledgers Performance erlaubt eigentlich kein Gegenüber – und doch schafft es Christian Bale, sowohl Batman als auch Bruce Wayne ausreichend Raum zu erspielen, in dem er auf das Gegenteil setzt: Reduktion. Der “neue” Bruce Wayne hat mehr Würde und Gravitas als das Alter von Bale vermuten lassen würde. Es hilft auch, dass Bruce und Batman nicht mehr zwei verschiedene Seiten einer Medaille sind – denn mit dem Joker ist die dunkle Seite Batmans bereits besetzt, und Two Face spielt mit dem gleichen Ansatz. Nein, diesmal sind Batman und Bruce Partner, der Playboy als kompetenter Helfer des Superhelden. Wenn der Film kurzzeitig nach Hongkong springt, dann fliegt Bruce, Batman quasi “im Gepäck”.

Fehlerfrei ist “The Dark Knight” allerdings nicht. In seiner Verweigerung großer Comic-Momente nimmt Nolan dem Stoff jegliches Pathos, und es sei die Frage erlaubt, ob man den Erwartungen des (auch jüngeren) Zuschauers nicht ein wenig mehr Rechnung tragen sollte. Und Nolan mag vieles sein – ein brillanter Action-Regisseur ist er nicht. Apologeten werden sagen, die Unübersichtlichkeit der Kampf- und Crash-Szenen sein gewollt, aber das macht sie nicht weniger irritierend. Ein wenig Choreographie hätte hier durchaus geholfen. Trotzdem sind diese Makel Kinderkram, wenn man bedenkt, wie weit sich Nolan hier aus dem Fenster lehnt, welches Risiko er eingeht.

“The Dark Knight” ist nicht die Fortsetzung von “Batman begins” – es ist der Neustart der Franchise, der vor zehn Jahren schon nötig gewesen wäre. Nachdem Nolan bewiesen hat, dass er Batman erfolgreich führen kann, hat er diesmal wirkliche alle Rücksicht fahren lassen, und einen düsteren Actionthriller geschaffen, der auch den Titel “Christopher Nolan’s Batman” verdient hätte. Damit drängen sich Parallelen zu Burton auf, dessen “Batman returns” auch deutlich näher an der Vision des Regisseurs war als der Erstling. Aber im Gegensatz zu Burton ist Nolan an den Figuren näher dran, versteht ihren Schmerz, ihre Ängste, und ihre Schwächen.

Wer auch nur den geringsten Zweifel hegt, dass “The Dark Knight” ein ganz neues Level erreicht, der sollte sich für eine Minute vor Augen führen, wie der Joker und Two Face in früheren Filmen präsentiert wurden – und einen direkten Vergleich anstellen. Der Begriff “da liegen Welten dazwischen” reicht schon nicht mehr aus…

Ich glaube nicht, dass sich die Frage beantworten lässt, ob nun “Iron Man” oder “The Dark Knight” der bessere Film ist. IM strotzt vor Spielfreude, spricht das Kind im Manne an, zelebriert Zerstörung und Übermut. DK ist ein Moraldrama, schwermütig und zerrissen, eher Antihelden- als Superhelden-Film. Statt sich zu entscheiden, sollten Fans lieber die Tatsache feiern, dass beide Ansätze möglich und erfolgreich sind.

Es ist ein verdammt guter Sommer für Superhelden-Fans.

APOKALYPSE EIS (4):
Ärger, Artwork, nackte Ärsche

Gepostet am 28. Juli, 2008 um 15:00 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

Bitte vorab lesen: Teil 1 hier, Teil 2 hier., und Teil 3 hier.

Nett: Ich hatte die Idee für „Apokalypse Berlin” gehabt, den Sender dafür begeistert, die Konzepte für den internationalen Markt geschrieben, UFO an Bord geholt – und nun wollte man mich sang- und klanglos aus dem Projekt drängen.

Ab diesem Tag sprach ich mit Phil und Jeff nicht mehr direkt – es war einfach sinnlos. Sie waren in meinen Augen Gebrauchtwagenhändler, deren Ziel es war, uns massiv über den Tisch zu ziehen. Ich holte mir bei meinen Chefs dir Rückversicherung, dass man meine Position stützen würde, und ich weiterhin der Drehbuchautor MEINES FILMS sei. Allerdings – falls RTL das Skript des neuen Autors tatsächlich gefallen sollte… Sagen wir es mal so: Ich lernte in diesen Wochen ein paar harte Lektionen zum Thema Loyalität und Fairness in der Branche. Und da sind wir auch wieder bei der Antwort auf die Frage, warum Deutschland vielleicht doch eine Autorengewerkschaft braucht. Ich machte meine Position unmissverständlich deutlich: „Wenn ihr das hier durchzieht, kündige ich auf der Stelle.”

Aber diesmal schien das Glück mir hold zu sein. Die ersten Worte des RTL-Redakteurs, der das neue Skript des UFO-Hausautors gelesen hatte, waren: „Das ist nicht euer Ernst, oder?”. Kein Wunder: Die US-Fassung war ein unerträglicher hohler Ballerstreifen, der die Eiszeit als banalen Hintergrund für eine endlose Aneinanderreihung dröger Schießereien und martialischer Sprüche missbrauchte. Der Sender war nicht nur von der miserablen Qualität entgeistert, sondern auch von der Chuzpe, ohne Absprache auf halbem Weg den Autor und das Konzept austauschen zu wollen. Damit hatte Tandem eigentlich genügend Munition, UFO vor den Bug zu schießen.

Doch meine Chefs bekamen keinen Fuß auf den Boden: UFO stellte sich schlichtweg taub, und bestand nun darauf, dass ich die wichtigsten Elemente von ihrem Skript in meine nächste Fassung einbauen sollte. Ich ließ es drauf ankommen, und fragte meine Chefs, wie sie vorzugehen beabsichtigten. Als sie meinten, dass es doch bestimmt möglich sei, Teile der UFO-Fassung zu übernehmen, stand ich wortlos auf, ging in mein Büro, und schrieb per Email eine zweizeilige Kündigung.

So schnell kann man seinen Job als Entwicklungschef hinwerfen.

LexxNatürlich war die Geschichte damit nicht zu Ende. Ich hatte zwar die Brocken als Entwicklungschef hingeworfen, aber schreiben musste ich ja trotzdem weiter – wenigstens hatte ich nun die Freiheit, jede Zusammenarbeit mit UFO abzulehnen. Die Atmosphäre zwischen den Beteiligten war schon längst vergiftet, und wurde auch nicht besser, als der Sci Fi Channel dann in das Projekt einstieg (ein absolutes Novum zu dieser Zeit). Das war um so ärgerlicher, da ansonsten alles gar nicht so schlecht lief: Mit Bettina Zimmermann hatten wir einen echten neuen Star des deutschen Films an Bord, und mit Christoph Schrewe konnten wir einen Regisseur verpflichten, der bei „Lexx” gezeigt hatte, dass er internationale SF mit geringem Budget umsetzen konnte. Das passte UFO wieder mal gar nicht, aber hier setzte sich RTL durch. Schrewe war es auch, der den großen Hanns Zischler mitbrachte.

Durch den Emmerich-Film gerieten wir immer mehr unter Druck – als „Nachzügler” war kein Blumenstrauß zu gewinnen, wir mussten zuerst oder zumindest zeitgleich auf dem Markt sein. UFO produzierte damals ungefähr 10 Filme pro Jahr, und das Studio war ausgelastet, da musste der Drehplan zu 100 Prozent eingehalten werden. Übrigens wurde in unserem Studio vor „Apokalypse Eis” der Fantasy-Heuler „Dragon Storm” gedreht, der erste UFO-Abklatsch der aktuellen Fantasy-Welle.

Irgendwann während einer der vielen Besprechungen zum Film kamen wir auf die Frage, wie eigentlich der endgültige internationale Titel lauten sollte. Wir quälten uns eine ganze Zeit lang mit verschiedenen Kombinationen generischer Begriffe wie White, Death, Cold, Endless, Winter, Terminal, Snow, Ice etc. herum, bis mir beim gelangweilten Blättern im Drehbuch ins Auge fiel, wie ich die Einblendung in der ersten Szene der Eiszeit genannt hatte: „5 years p.i. (post impact)”. Das war ein Wortspiel gewesen – eine neue Zeitrechnung wie „b.c.” oder „a.d.”, ausgehend von dem Einschlag des Asteroiden. Es ist selten, dass einem etwas so sehr vor die Füße fällt. Ich sah meine Ex-Chefs an: „Stop the presses – it’s Post Impact”. Und so kam es dann auch.

Nie ganz glücklich war ich mit der Artwork, die Tandem hatte erstellen lassen, und die den Film auf den Messen weltweit repräsentieren sollte:

Tandem Artwork

Ich machte, was ich gewöhnt war: Ich suchte nach Alternativen. Die fand ich bei Ray Strassburger, einem Grafiker aus Florida, der seine Werke auf einer Webseite vorgestellt hatte. Er war darauf spezialisiert, aus Fotos normaler Menschen Superhelden-Artwork zu erstellen, und seine Photoshop-Fertigkeit beeindruckte mich. Ich schickte ihm ein paar Materialien, die wir zu „Post Impact” schon hatten, zusammen mit einer groben Idee, wie das Postermotiv gestaltet sein könnte. Das Ergebnis war erfreulich schick und B movie-esk:

Strassburger Artwork

Leider wurde es nie verwendet – irgendwie fiel es „durch den Rost”.

Mittlerweile rückte der Drehstart näher, zumal nun bekannt war, wann Emmerichs Streifen in die deutschen Kinos kommen würde: Ende Mai 2004. Dean Cain hatte sich verpflichtet, und mit Nigel Bennett war ein echter Veteran kanadischer Low Budget-Produktionen dabei (auch wenn ich für die Rolle lieber Lance Henriksen gehabt hätte). Bei Sarah Henley standen wir aber immer noch vollends auf dem Schlauch – als ein positives Signal vom Management der Schauspielerin Joanna Taylor reinkam. Sie hatte in der Edel-Sexy-Soap „Hollyoaks” mitgespielt, was zumindest garantierte, dass sie in der geplanten Duschszene keine schlechte Figur machen würde (googeln – es gibt leckere „FHM”-Fotos von ihr). Nun knickte RTL endlich ein: besser die als keine. Dachten wir auch. Leider hatte Joanna die Zeit seit ihrem Abschied bei „Hollyoaks” wohl hauptsächlich in einer Pizzeria verbracht, denn als sie in Bulgarien aus dem Flieger stieg, bekamen wir „zwei zum Preis von einer”. Nein, das ist übertrieben – aber sie hatte doch üppig zugelegt, und die Beschreibung als „sexy und durchtrainiert” im Skript war wirklich nicht mehr zutreffend. Das galt aber auch für Dean Cain, der nach dem Ende von „Lois & Clark” sichtlich keine Lust mehr gehabt hatte, täglich ins Fitnessstudio zu rennen:

Heiss auf Eis...

Übrigens ist die hier abgebildete Szene die einzige die in zwei Fassungen gedreht werden musste, denn der Sci Fi Channel kann keine Nacktszenen ausstrahlen. Dafür sind diese für den internationalen DVD-Markt umso wichtiger. Joanna Taylor hatte keine Probleme damit, und Dean Cain sichtlich auch nicht. In der US-Version hat Joanna zuerst ein Handtuch um, und wird dann nur noch vom Schlüsselbein aufwärts gezeigt. So ähnlich hatten wir das bei „Der Wüstenplanet” auch schon gemacht. Ich hätte das sicher alles noch schleifen können – allein, es interessierte niemanden ernstlich.

Selbst solche Details machen Drehbuchänderungen nötig, und wenn die nicht geleistet werden, fällt das negativ: Ich hatte Henley als extrem durchtrainiert beschrieben, und als sie in ihrer engen Hose an Parker vorbei geht, sagt sie (ohne in anzusehen): “Stimmt – mein Hintern ist geil”. Sie weiß, wie sie auf Männer wirkt, und nutzt das weidlich aus. Die Szene ist noch im Film, aber angesichts der schlabberigen Combat Pants, die Joanna trägt, macht sie keinen Sinn mehr. Und leider wurden rausgenommen, dass Henley später ihrer Kontrahentin Anna Starndorf steckt, dass sie Parker nur aufgerissen hat, um ihn auf ihre Seite zu bekommen. Es war alles Berechnung. Weil das aber nicht mehr im Film vorkommt, wirkt die Sexszene unter der Dusche ungefähr so motiviert wie ihr Gegenstück in “Alone the Dark”.

Mehr und mehr aufwändige Sequenzen wurden in diesen Wochen aus dem Drehbuch gestrichen. Das hatte teilweise finanzielle Gründe, oft aber auch terminliche: Es dauert sehr lange, komplexe Actionszenen zu planen und zu drehen, und wenn die Anzahl der Drehtage von vorneherein beschränkt ist, muss man sich auf das konzentrieren, was möglich ist. Für ein Kamel, welches ich in das Intro geschrieben hatte, wurde zwar mit dem Zoo von Sofia verhandelt, aber letztlich konnte das Tier im Gehege bleiben. In dieser Zeit drängte Regisseur Schrewe verstärkt darauf, ebenfalls einem befreundeten Autor an Bord zu holen, um an dem Skript „zu feilen” (wenn es Geld zu verteilen gibt, hat plötzlich jeder viele kompetente Freunde).

Dragon StormDie Probleme verschärften sich, weil „Post Impact” noch einmal verschoben werden musste – irgendwas war bei der Finanzierung in Stottern geraten, und die Banken zickten (bei so vielen unterschiedlichen Geldquellen keine Seltenheit). Doch damit gerieten wir wirklich in Zugzwang: Nicht nur rückte der Emmerich-Film immer näher – UFO hatte auch schlicht keinen Raum mehr im Belegungsplan ihres Studios. Letztlich wurde noch eine „Lücke” gefunden (nach dem bereits erwähnten „Dragon Storm”), aber diese brachte zwei erhebliche Haken mit: zum einen gab es nun kaum noch Zeit für die wertvolle Preproduction (in der Sets, Kostüme und Drehplan sauber entwickelt werden), und zum anderen lag das Drehende Kante auf Kante mit Christoph Schrewes nächstem Projekt, „Crazy Race 2″. Es gab also keinerlei Spielraum mehr, denn man für einen solch komplexen Film eigentlich haben musste. Ich kam mir langsam vor wie Terry Gilliam bei „Man of La Mancha” (schön zu erleben in der herzzerreißenden Dokumentation „Lost in La Mancha”).

ENDE TEIL 4

APOKALYPSE EIS (3):
Die Angst des Autors beim Eierlauf

Gepostet am 26. Juli, 2008 um 07:28 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

Thailändisches (?) Cover

Bitte vorab lesen: Teil 1 hier, und Teil 2 hier.

Aus der Idee „Brandenburger Tor in Eis” wurde in den nächsten Wochen ein zweiseitiger Entwurf, dann ein sechsseitiges Konzept. Ich stellte mir die Story als Survival-Film vor, eine Art „futuristischer Jack London”. Das Ziel der Reise im dritten Akt war eher als Nachklapp gedacht, ganz nach dem buddhistischen Motto „der Weg ist das Ziel”.

Und ich fuhr ganz schön was auf: Der Film begann in dieser Fassung damit, dass unser Held Tom Parker beim Versuch, Lebensmittel aus einem versunkenen Kreuzfahrtschiff zu retten, fast ums Leben kommt, als das ins Eis gehackte Loch in der Hudson Bay minutenschnell wieder zufriert. Er wird von seinem Partner gerettet, einem bärbeißigen Trapper (eine Rolle, die ich extra für eine meiner persönlichen Legenden, Brad Harris, geschrieben hatte).

Wir erkennen erst am Ende dieser Sequenz, dass Parker und sein Freund in einer neuen Eiszeit-Welt in New York leben – und zwar im Kopf der umgestürzten Freiheitsstatue. Dann landet der Flieger des US-Präsidenten auf dem Eis, und Tom wird für einen Auftrag rekrutiert. Roland Emmerich, eat your heart out!

Deep ShockIch hatte mir schon im Vorfeld die Produktionsfirma UFO (Unified Film Organization) als potentiellen Partner ausgeguckt. Damals war die Firma noch nicht der Hauptlieferant trashiger „Monster der Woche”-Heuler für den Sci Fi Channel, sondern produzierte für vergleichsweise wenig Geld vergleichsweise ansprechende Genrefilme (Storm, Interceptor Force, Epoch, Lost Voyage). Besondere Spezialität von UFO war für die damalige Zeit beeindruckende CGI, was Creatures, Fahrzeuge, und Locations angeht. Viele der Szenen im oben dargstellten Szenario konnte man in ähnlicher Form in UFOs Showreel sehen (die Flugzeug-Eislandung in Falcon Down, der Taucher am Kreuzfahrtschiff in Escape under Pressure).

Mein Kalkül: Mit einer ordentlichen Finanzspritze von RTL sollte es doch möglich sein, diese Firma auf das nächste Level zu bringen – mit besseren Autoren, besseren Darstellern, besseren Effekten, und allgemein etwas mehr Sorgfalt. Es ging mir insbesondere darum, die „einfachen” Schneeszenen außerhalb des Studios zu drehen, vielleicht in Kanada, oder in den Bergen Bulgariens (wo UFO gerade sein neues Studio gebaut hatte). Der Film sollte nicht zu „fake” aussehen. Geld war ja da.

Natürlich waren Philip J. Roth und Jeffrey Beach, die Eigner von UFO, ganz Ohr, als sie von unserem Plan hörten. Er versprach ja nicht nur mehr Geld, sondern auch den Einstieg in die Primetime des deutschen Fernsehens, die Firmen wie UFO ja praktisch verschlossen war. Wir trafen uns ein paar Mal, plauderten über dies und das, und klopften die Möglichkeiten ab, einen Film wie „Apokalypse Berlin” (so der neue Arbeitstitel) zu realisieren. Das war die beste Zeit, die das Projekt erleben sollte. Weil Tandem Geld mitbrachte, wurden wir schwer umgarnt – als ich die Jungs von UFO fragte, was ich aus Budget-Gründen bei der ersten Skript-Fassung beachten sollte, winkten sie lässig ab: „Schreib du nur, was immer dir einfällt – die Umsetzung kannst du dann uns überlassen.” Ich war erleichtert – und wie ich später merken sollte: Verdammt naiv.

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Kritik: “Akte X – Jenseits der Wahrheit”

Gepostet am 23. Juli, 2008 um 00:17 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

X Files 2Ich habe in der Titelzeile dieses Beitrages das Wort “Kino-” am Anfang nicht vergessen. Ich habe es mangels Berechtigung weggelassen. Ehrlich, ich bin zu müde für diese Kritik. Es war ein langer Tag, und kein besonders guter. Aber der Film läuft in zwei Tagen in den Kinos an, und ich bin gestern extra zur Pressevorstellung ans andere Ende der Stadt gefahren. Ich habe gelitten – warum sollte es euch jetzt besser gehen?

STORY (SPOILER – Text markieren, um besser lesen zu können):

Eine FBI-Agentin wurde entführt. Ein pädophiler Priester behauptet, Visionen von ihr zu haben. Die junge FBI-Agentin Whitney holt zuerst die Ärztin Dana Scully, dann den zurückgezogen lebenden Fox Mulder in den Fall. Tatsächlich bestätigen sich die Voraussagen von Pater Joe, und bald verschwindet eine zweite junge Frau. Die seltene Blutgruppe der Entführungsopfer deutet zunächst auf Organraub hin…

KRITIK: Echt jetzt? Die erfolgreichste Drama-Serie der 90er kehrt zehn Jahre nach ihrem ersten Kinofilm zurück – und DAS ist das Ergebnis? Ein überlanger Pathologie-Thriller, der selbst als Zweiteiler in der Serie nur Mittelmaß gewesen wäre? Was für eine Enttäuschung! Was für ein Schatten der früheren Brillanz!
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Apokalypse Eis (2):
Kälteschock und Gefrierbrand

Gepostet am 22. Juli, 2008 um 13:06 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

Hollywood auf Eis

Teil 1 gibt es hier.

“Ice” wurde also praktisch ohne unser Zutun in Kanada gedreht. Circa zwei Monate nach Drehende bekamen wir den ersten Rohnschnitt.

Ich gebe es zu: Das fertige Produkt entsprach nicht ganz unseren Erwartungen. Die Effekte rangierten von „okay“ (bei den vereisten Studio-Sets) bis zu „ähem“ (bei digitalem Schneegestöber und einigen Matte Paintings). Kier musste komplett von einem Amerikaner nachsynchronisiert werden, weil sein Akzent dann doch ein wenig zu „blümerant“ (diplomatisch ausgedrückt) für einen Wissenschaftler klang. Wir bezweifelten stark, dass die von den Amerikanern versprochenen 4-5 Millionen Dollar (die ja die Basis unserer prozentualen Beteiligung gebildet hatten) wirklich investiert worden waren.

TPromoflyer für Eisrotzdem fand ich „Ice“ zumindest in der Dramaturgie akzeptabel, und der Film hatte genügend Tempo, um den Zuschauer 90 Minuten lang zu fesseln. Niemand bei ProSieben war wirklich begeistert, aber zumindest konnte man das Produkt auf die Primetime loslassen, ohne sich in Grund und Boden schämen zu müssen. Ich erinnerte in diesen Tagen auch gerne daran, dass das Thema ein interessantes „Was wäre wenn…?“-Szenario darstellte, und allein dadurch genügend Zuschauer anziehen dürfte. Und es war ja keine Alternative, den Streifen im Archiv verschimmeln zu lassen.

Am 29.11.1998 war es dann soweit: Weltpremiere. Soweit ich mich erinnere, war das amerikanische Network, das „Eis – wenn die Welt erfriert“ in Auftrag gegeben hatte, nämlich ebenso skeptisch wie wir, und hatte die Erstausstrahlung verschoben. Damit wurde der Sonntag für uns zur Nagelprobe, auch für die ganze Abteilung: Triumph oder Tragödie?

Ich rechnete mit dem Schlimmsten, um zumindest die Möglichkeit zu einer positiven Überraschung zu haben. Sonderlich beworben hatte ProSieben den Film nicht, und die wenigen Vorabkritiken waren bestenfalls mau gewesen. Ich weiß nicht mehr, wer mich morgens aus dem Bett klingelte, aber im Halbschlaf hörte ich am Telefon irgendwas von „Wir haben die 6 geknackt!“. 6 Prozent? Das war aber eher peinlich. „Ach was – 6 Millionen!“.

Sechs. Millionen. Zuschauer. Es ist heute schwer vorstellbar, was das bedeutet. Aber man führe sich einfach mal vor Augen, dass „Eis“ damit zu den fünf erfolgreichsten Filmen des Jahres 1998 auf ProSieben gehörte – neben „Bodyguard“, „Jurassic Park“, und „Independence Day“. Der kleine kanadische TV-Film mit den Magermilch-Effekten hatte neben den größten Blockbustern der Generation bestanden!

VUdo Kier in Eiserständlicherweise war man beim Sender ekstatisch, auch wenn ich zu bedenken gab: „Bei aller Begeisterung – BESSER wird der Film dadurch trotzdem nicht“. Ich wollte einfach vermeiden, dass „Eis“ zur Meßlatte gemacht wird, was man von einer Koproduktion erwarten kann. Aber am 30.11.1998 wollte sich niemand in die Suppe spucken lassen. Man hatte einen veritablen Sensationserfolg abgeliefert.

In den darauf folgenden Wochen geschah etwas, das ich nie verstehen werden, obwohl ich es immer wieder erlebe: nichts. Man sonnte sich in den Superquoten, aber damit hatte es sich in Unterföhring auch schon. Als von Hollywood gesäugter Filmfreak klopfte ich irgendwann bei meiner Chefin an die Tür und fragte vorsichtig: „Wäre es nicht angebracht, holterdipolter eine Fortsetzung in Auftrag zu geben? Den Schwung müssen wir doch nutzen“. Meine Chefin sah das auch so (sie kam ja schließlich ebenfalls aus dem US-System). Nur waren wir damit ziemlich allein. Jedes Meeting, das wir mit der Chefetage anstrengten, endete mit unverbindlichen „Ja, kann man sicher mal drüber nachdenken“-Floskeln.

Es half auch nicht, dass die US-Ausstrahlung noch ausstand, und die Unterstützung der Amerikaner damit ungewiss war. Ich schrieb in der Zeit schon mal einen allerersten Entwurf, wie wir uns die Story vorstellen konnten: Im direkten Anschluss an den ersten Film stellen unsere Helden fest, dass in der Eiswüste Europas noch Menschen ausharren, denen die Heizmittel und das Essen ausgehen. Robert Drake macht sich mit ein paar Leuten auf den Weg in die weiße Hölle. Arbeitstitel: „Ice 2 – Back into the Cold“. Natürlich hatte meine Entwurf keinerlei Legitimation: Ich war damals kein Drehbuchautor, und niemand hatte mich nach meiner Meinung gefragt. Ich wollte nur etwas in der Hand haben, weil mir ständig die Frage gestellt wurde: „Was soll denn da noch passieren?“

Im Jahr 1999 gab es größere Veränderungen bei ProSieben: Kirch kam erstmals ins Schwanken, Jan Körbelin wurde gegangen, die Budgets der Abteilungen wurden gekürzt – die fetten Jahre waren eindeutig vorbei. Die bis dahin entstandenen Koproduktionen (High Explosive, Boy meets Girl, Seventh Scroll) hatten sich als erfolgreich erwiesen, aber nicht erfolgreich genug, um eine eigene Abteilung zu rechtfertigen. Der Tenor im Haus war: Sowas kann man auch einkaufen. Rückblickend würde ich da nicht einmal widersprechen.

Ring der NibelungenRola (mittlerweile) Bauer entschied sich, die ganze Abteilung „Internationale Koproduktion“ in eine eigene Firma auszulagern, und auf eigene Verantwortung zu führen. So entstand Tandem Communications, und so bekam ich meinen Job als Entwicklungschef. Man gestattete uns, noch bei ProSieben angedachte Projekte wie „Der Ring der Nibelungen“ und „Der Wüstenplanet“ mitzunehmen, und extern weiter zu entwickeln.

Es verging einige Zeit – wenn ich das richtig nachrechne, ein bis zwei Jahre. Von Anfang an hatte ich auch die Fortsetzung von „Eis“ im Auge behalten. Es erschien mir einfach zu naheliegend, eine etablierte Franchise fortzusetzen, als mit neuen Stoffen wieder bei Null anzufangen. Während uns Alexander/Enright nach Kräften unterstützte, hatte man bei ProSieben genug mit internen Problemen zu kämpfen. Es kam kein Enthusiasmus auf, auch nicht, als „Eis“ in einer Wiederholung erneut sensationelle Einschaltquoten brachte, und damit bewies, dass das Konzept tragfähig war. Irgendwann sprach ich mit Rola über das Thema, und lehnte mich weit aus dem Fenster: „Wenn ProSieben den Film nicht will – dann sollen sie uns das wenigstens schriftlich geben!“. Da der Sender Koproduzent war, konnten wir nämlich mit der Idee nicht einfach zur Konkurrenz stiefeln. Zu unserer Überraschung hatte ProSieben in „Eis 2“ sowenig Vertrauen, dass man nicht nur keine Fortsetzung machen wollte – man reagierte auch nur mit einem müden Kopfnicken, als wir die Franchise vom Sender übertragen bekommen wollten. Man schenkte sie uns quasi. Ich weiß nicht, ob sich jemand bei ProSieben zu einem späteren Zeitpunkt deshalb noch einmal kräftig in den Hintern gebissen hat…

Nächste Station: RTL. Thema „Event-Stoffe“ mit deutschem Aufhänger. Mir war aufgefallen, dass es zwar Dutzende Filme gab, in denen New York zerstört wurde (angefangen mit dem Klassiker „Deluge“ von 1933), aber kaum welche, in denen deutsche Wahrzeichen dran glauben musste. Ich pitchte zwei Ideen: „Entweder sprengen wir das Schloss Neuschwanstein – oder wir legen das Brandenburger Tor in Eis“. Die Reaktion des Kölner Senders war deutlich: „Gib uns das Brandenburger Tor in Eis für den Trailer – und wir haben sechs Millionen Zuschauer“. Wir bekamen einen Entwicklungsvertrag. Ich brachte die Möglichkeit ins Spiel, „Eis 2“ zu produzieren. RTL sah das Potential einer Fortsetzung von „Eis“.

Das Key Visual

Einig waren wir uns aber darin, dass „Eis 2“ inhaltlich und formell deutlich höherwertiger sein müsse als der Vorgänger. Und das war ein Problem, denn wir konnten nicht versprechen, dass die Macher von „Eis“ in der Lage sein würden, die gehobenen Ansprüche zu erfüllen. Da CBS den Original-TV-Film immer noch nicht ausgestrahlt hatte, sprachen wir bei Alexander/Enright mit der Idee vor, das Konzept auszukaufen, um neue Partner zu suchen. Man war da auch durchaus offen, denn „Ice“ war anscheinend keine glückliche Produktion gewesen. Es sah also danach aus, als würden wir „Eis 2“ mit einer neuen Produktionsfirma (und evtl. MIR als Autor!) umsetzen können.

Bis Alexander/Enright sich die Verträge des Originals ansah.

In den USA haben die Autoren sehr viel Macht, und die Verträge oft genug die Dicke von Telefonbüchern. Dem Kleingedruckten zufolge hatten Bruce und Roderick Taylor eine „first option“, konnten also darauf bestehen, das Skript zu jedweder Fortsetzung selber zu schreiben. Außerdem mussten sie als Produzenten angeheuert werden, was einen hohen sechsstelligen Betrag verschlungen hätte. So oder so: „Eis 2“ wäre teurer als das Original geworden, ohne jegliche Aussicht, auch besser zu werden. Ziemlich kleinlaut liefen Rola und ich wieder bei RTL auf, und gestanden die Probleme: Ob es auch möglich wäre, den Film mit einer etwas abgewandelten Story (basierend auf meiner Idee mit dem Brandenburger Tor) zu drehen, und einen anderen Titel als „Eis 2“ zu verwenden? Wir rechneten damit, hochkant aus dem Gebäude geworfen zu werden, denn nur als direkte Fortsetzung konnte „Eis 2“ ja auf dem Erfolg des Originals aufbauen. Doch zu unserer Überraschung zeigte man sich in Köln lässig: „Ist uns egal, wie der Film letztlich heißt – wir finden ja das Konzept spannend“. Die Absprachen blieben also gültig.

Einwurf: Man mag kritisieren, dass ein Sender einen Film in Entwicklung gibt, von dem es nur eine einzige Szene gibt (das Brandenburger Tor in Eis). Aber das ist nicht ungewöhnlich, handelt es sich dabei doch um ein sogenanntes „key visual“. Diese „Schlüsselszene“ kommt auf die Poster, in die Trailer, und als Premium-Bild auch in die Pressemappe. Es ist die Szene, über die man schreiben wird, über die Leute reden sollen – und die letztlich den Zuschauer zum Film lockt. Eine Szene, die überrascht, vielleicht entsetzt, auf jeden Fall neugierig macht. Das war bei „Inferno – Flammen über Berlin“ der brennende Fernsehturm, bei „Harry & Sally“ war es die Szene mit dem Restaurant-Orgasmus, und in „American Pie“ der titelgebende Gag mit dem Apfelkuchen. Das heißt NICHT, dass dem Sender oder der Produktionsfirma der Rest des Films wurscht ist. Im Gegenteil: Je stärker das „key visual“, desto stärker muss auch die umgebende Story sein (was nicht immer gelingt). Aber es sei auch mal als Tipp für angehende Autoren bemerkt: Ein spektakuläres „key visual“ kann ein richtig guter Türöffner beim Sender sein.

Zurück zum Projekt: Wir waren also einen guten Schritt voran gekommen – und doch standen wir wieder bei null. Wir hatten einen Deal mit RTL in Vorbereitung über einen Katastrophen- Thriller, der nun aber KEINE (auch nur oberflächliche) Ähnlichkeit mit „Eis“ haben durfte. Wir wollten von den Amerikanern ja nicht in Grund und Boden geklagt werden. Also bekam ich den Auftrag, mir eine neue Geschichte auszudenken, neue Produktionspartner zu finden, und irgendwie dafür zu sorgen, dass der ganze Schmodder auch ohne amerikanisches Network finanzierbar blieb.

Das waren gleich drei Wünsche auf einmal.

Aus Robert Drake wurde Tom Parker, aus „Eis 2“ wurde „Apokalypse Berlin“ – und aus Torsten Dewi wurde ein Drehbuchautor.

ENDE TEIL 2

“Batman: Dark Knight” – die Zahlen

Gepostet am 20. Juli, 2008 um 22:22 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Dark KnightLaut Hollywood-Expertin Nikki Finke hat “Dark Knight” an diesem Wochenende gleich acht Rekorde gebrochen, auch wenn abzuwarten bleibt, ob der Film die Startzahlen von “Spiderman 3″ übertrumpfen kann. Warner prognostiziert das, aber die genauen Zahlen werden erst Anfang der Woche vorliegen.

Ich habe festgestellt, dass viele Leser nicht die Fach- oder die Sprachkenntnisse besitzen, um sich die Daten direkt von den US-Webseiten zu holen. Aus diesem Grund fasse ich zusammen:

  • Breitester Start aller Zeiten in 4.366 Kinos (bisheriger Rekordhalter: “Piraten der Karibik 3″, 4.362)
  • Bestes Einspielergebnis bei den Mitternachtspreviews von Donnerstag auf Freitag: 18,489 Millionen Dollar
  • Bestes Einspielergebnis bei den IMAX-Mitternachtspreviews von Donnerstag auf Freitag: 640.000 Dollar
  • Höchstes Einspielergebnis an einem einzigen Tag: 67,85 Millionen Dollar
  • Höchstes (voraussichtliches) Einspielergebnis an einem regulären Wochenende: 155,34 Millionen Dollar
  • Höchstes (voraussichtliches) IMAX-Einspielergebnis an einem regulären Wochenende: 6,214 Millionen Dollar
  • Bester Juli-Start aller Zeiten
  • Bester Start 2008

Der unglaubliche Hype zum Filmstart hat also funktioniert (sicher hat auch der Tod des Darstellers Heath Ledger “geholfen”). Auch die Kritiker haben sich mit Lob überschlagen. Bleibt abzuwarten, wieviel Stehvermögen “Dark Knight” hat. Was zuversichtlich stimmt: mit “X-Files 2″ und “The Mummy 3″ sind zwar zwei starke, aber nicht übermächtige Filme das einzige nennenswerte Gegenprogramm der kommenden Wochen.

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NACHTRAG: Die offizielle Verkündigung ist noch nicht raus, aber der Rekord von “Spiderman 3″ wurde in der Tat gebrochen. Außerdem hat “Dark Knight” in den ersten sechs Tagen mehr Geld eingespielt als der Vorgänger “Batman begins” in seiner gesamten Laufzeit.

APOKALYPSE EIS (1):
Die Vorgeschichte

Gepostet am 20. Juli, 2008 um 12:24 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

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Der von mir geschriebene Film „Apokalypse Eis” ist am 1. Weihnachtstag 2007 mal wieder gut gelaufen – zwei Tage zuvor strahlte Kabel1 den TV-Film “Eis – wenn die Welt erfriert” noch einmal aus. Das gibt mir ausreichend Motivation, auch hier mal „Die Geschichte dahinter” zu erzählen. Wie schon bei „Lotta in Love” gilt: Ich mag mich in den Details irren, und einige Sachen kann ich euch allein deshalb nicht erzählen, weil ich wegen meines Blogs nicht vor dem Kadi landen möchten. Wer sich wirklich reinhängen will, kann für wenig Geld z.B. bei Amazon die DVD mit meinem Audiokommentar kaufen.

„Apokalypse Eis” also. Ein Endzeitfilm mit Dean Cain und Bettina Zimmermann, eine deutsch-amerikanische Koproduktion der Firma Tandem Communications, ausgeführt von der Unified Film Organisation (UFO) für RTL und den Sci Fi Channel USA. Mein erstes als Autor komplett eigenständig entwickeltes Projekt.

Angefangen hat die Geschichte schon vor 10 Jahren. Man schrieb das Jahr 1997, und ich war bei ProSieben gerade frisch in die neu gegründete Koproduktionsabteilung der aus Paris eingekauften kanadischen Produzentin Rola Zayed (heute Bauer) versetzt worden. Unser Mandat: ProSieben-Geld in internationale Produktionen schießen, um sich exklusive Rechte zu sichern, und durch aktive Teilnahme „deutsche Elemente” in Besetzung und Story zu fördern. Konkret hieß das meistens: Hannes Jaenicke wird der beste Freund des Helden – und bitte keine Nazis als Bösewichte.

Damals, Mitte bis Ende der 90er, erlebten die Privatsender einen fantastischen Boom, hatten zweistellige Wachstumsraten, und verpulverten ihr Geld mit immer aufwändigeren Produktionen, ohne die geringste Ahnung zu haben, wie so was eigentlich geht. Noch heute erscheinen viele der damals produzierten Streifen visuell erstaunlich üppig, aber inhaltlich geradezu kindisch unterentwickelt. Es war problemlos möglich, ohne jede Erfahrung, aber mit einer soliden Zunge (Stichworte Maul aufreißen und Stiefel lecken) eine bemerkenswerte Karriere zu starten. Die Ära der Quereinsteiger, der Schaumschläger, der Klugscheißer – das war sie. Und ich war einer davon.

Wir streckten also unsere Fühler aus, auf Filmmessen, und bei persönlichen Terminen in Hollywood. Alles sehr glamourös, sehr trendy, sehr „wir sind geil und wichtig”. Schon damals war mir mulmig bei der ganzen Geschäftsidee, denn: Wirklich gute Stoffe können in den USA komplett finanziert werden. Es liegt in der Natur der Sache, dass uns meistens von zweitklassigen Produzenten zweitklassige Stoffe angeboten wurden. Ich erinnere mich an Krimis im Umfeld der „Chippendale”-Stripper, an Wiener Thriller von US-Autoren, die Wien offensichtlich nur aus „Der dritte Mann” kannten, und eine unüberschaubare Menge von Konzepten aus der „Internationales Agententeam jagt Superverbrecher”-Schublade. Alles sehr, sehr mau. Hinzu kam, dass sich die Amerikaner nicht nur in jeder Beziehung überlegen wähnten, sondern auch direkte Einsicht in die Budgetplanungen verweigerten, und Notizen und Wünsche der internationalen Partner gerne so lange ignorierten, bis es zu spät war, sie zu berücksichtigen. Kurzum: Als Juniorpartner wurde man rundweg nicht ernst genommen, und gerne auch über den Tisch gezogen.

Battlefield Earth DVD CoverEine kleine Randnotiz sei an dieser Stelle erlaubt: Das Filmfonds-System zur Jahrtausendwende übertrug dieses Geschäftsmodell (in ungleich üppigerem Ausmaß) auf den Kinofilm-Bereich. Große Stars nutzten windige Produzenten, um mit deutschem Geld Stoffe umzusetzen, die ihnen kein zurechnungsfähiges Studio hatte abkaufen wollen. Dieser Ära haben wir Filme von Bruce Willis („The whole nine ten yards”), Sylvester Stallone („Driven”, „Avenging Angelo”), und John Travolta („Battlefield Earth”) zu verdanken, die nicht mal für den DVD-Markt taugten. Es ist kein Geheimnis, dass viele der Fond-„Experten” vorher die Werbegelder der Privatsender erfolgreich verpulvert hatten. Gottseidank ist das Thema auch schon wieder durch.

Weiter im Text. Meine Aufgabe als Entwickler bestand hauptsächlich darin, Drehbücher aus den USA und von anderswo zu lesen, und Lektorate mit den Empfehlungen an die Chefs zu mailen. Teilweise war ich erschüttert, was für einen Schrott man uns anbot – und mir schwante erstmals, dass der Müll, den man täglich auf dem Bildschirm zu sehen bekommt, bereits das Sahnehäubchen ist.

Beispiele gefällig? Wie wäre es mit einem in Frankreich entwickelten „Fast and the Furious”-Abklatsch, der damit beginnt, dass ein Autodieb in den frühen 80ern einen Ferrari (!) in Ost-Berlin (!!) klaut, damit über die Mauer (!!!) springt, während ein sozialistischer Grenzer hysterisch „Schießt das car!” schreit?! Oder der Nazi-Zombie, der irgendwo im amerikanischen Hinterland ein paar jugendliche Paintball-Spieler killt, weil diese im Zweiten Weltkrieg zu der Spezialeinheit gehörten, die ihn abgemurkst haben. Wiebittenochmal?

In diesen Jahren reifte mein Entschluss, selber Drehbuchautor zu werden…

Unter den vielen Drehbüchern, die damals zur Sichtung auf meinem Schreibtisch landeten, war auch „Ice”, von den erfahrenen SF-TV-Schreibern Roderick und Bruce Taylor („Dead at 21″, „Superforce”, „Otherworld”). Es war ein ziemlich schnörkelloser „Neue Eiszeit”-Thriller von der Stange, der sich nahtlos in die Reihe der damals sehr populären TV-Katastrophenschocker einreihte. Allerdings hatte man das Budget für die recht aufwändigen Effekte nicht beisammen, und wollte wissen, ob ProSieben eventuell Interesse hätte, einzusteigen.

Tatsächlich ist es mir gelungen, mein Kurz-Lektorat zum Drehbuch in den Untiefen meiner Festplatte aufzuspüren:

ICE
Script for a TV movie
Courtesy of: Alexander/Enright
Written by: Roderick and Bruce Taylor
Read by: Torsten Dewi, 7.10.97

Log Line:
A small planetoid, covered in ice, smashes into the sun. It immediately starts to get colder, with the only warm places on earth left in the Caribbean. A small group of people in LA bonds together to fight their way through the snow and the ice storm to Long Island, where a ship is supposed to pick up some VIPs. On their way they meet crazed gunmen, looters, and a lot of corpses. But they have to stick together if they want to make it.

Comments:
First things first: I don’t particularly like the work of Roderick and Bruce Taylor. Most of what they have written was bland, sub-par SF nobody really wanted to see. They are not very meticulous and mostly go for the cheap melodramatics. And it shows in „Ice”, too. It’s a typical disaster story with a group of people surviving against all odds. It’s one of those scripts that gets written not because somebody wants to write it, but because they want to jump on the bandwagon.

That said, „Ice” is a competent script, very fast paced, with clichéd, but likable characters, and some nice visual ideas.

I have some problems with it, though. The whole disaster that sets up the events of the movie is barely explained, and the „science” part seems extremely unbelievable. The Taylors don’t bother to explain everything, and I could probably rip apart the „scientific basis” for the story in five minutes. But on the other hand they don’t bore us with technobabble, and they get right into the action.

At 104 pages, “Ice” feels too short. It takes only a few pages to get from the cosmic disaster to „LA in snow”. The tension doesn’t build, it’s just there all of a sudden. And the ending is very rushed and could use a little more depth. Maybe it would work better as a two part miniseries.

I also see a problem visualizing this (incidentally, this shares some of the problems of „Ice planet”). L.A. completely covered in snow? That’s gonna be expensive and tough to film. I see massive matte paintings, tons of fake snow and whole streets covered with the white stuff. Without a huge budget, this is going to come off unrealistic, and thus laughable.

I see enough characters with German cast potential. Carmen, Kevin or Louis could easily be rewritten to accommodate our needs..

This is a solid project that could be just „bombastic” enough to be a success for ProSieben. Maybe this will be the „Asteroid” of 1998.

Verdict:
Even though it lacks credibility and character development, and even though it would be better as a two part miniseries, this is exciting stuff, high drama, and could be a real „TV event”.

Promoflyer für EisMan sieht schon – es war nie geplant, hier „großes Fernsehen” zu produzieren. Aber wenigstens war „Ice” guter Durchschnitt, und damit weit über dem Niveau dessen, womit ich mir sonst den Arbeitstag versaute. Die Produzenten Alexander/Enright diskutierten außerdem mit uns auf Augenhöhe, gaben sich aufgeschlossen, und mit Regisseur Jean de Segonzac hatte man einen Profi an Bord, der sein Können in Top-Serien wie „Homicide” und „Oz” bewiesen hatte. Wir wurden uns also einig – ProSieben stieg für einen angemessenen Betrag als Koproduzent bei „Ice” ein, und mit Udo Kier war recht schnell ein Schauspieler für das „deutsche Element” gefunden. Wie damals üblich suchten wir uns gemeinsam einen aus einer Hit-Serie stammenden Akteur für die Hauptrolle aus, in diesem Fall Grant Show aus „Melrose Place”. Der Rest wurde größtenteils kanadisch besetzt, denn in Kanada wurde auch gedreht.

Die ProSieben-Beteiligung war nicht groß genug, um einen Besuch bei den Dreharbeiten zu rechtfertigen, weshalb wir vom Vertragsabschluß bis zum ersten Rohschnitt eigentlich nur auf den Fingernägeln kauen konnten.

Und ja – das hat alles was mit “Apokalypse Eis” zu tun. Wartet’s einfach mal ab…

ENDE TEIL 1

The comics come to life! Ka-POW!!!

Gepostet am 19. Juli, 2008 um 10:46 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

“Iron Man” war geil, “Hulk” sieht gut aus, “Dark Knight” schickt sich an, alle möglichen Rekorde zu brechen – und schaut mal, was uns bald ins Haus steht:

Ich habe nie gedacht, dass es möglich sein würde, “Watchmen” angemessen auf die Leinwand zu bringen. Sieht aus, als könnte ich mich geirrt haben…

Es ist eine verdammt gute Zeit, Comic-Fan zu sein…

Willkürliche Gedanken beim Zapping (1)

Gepostet am 18. Juli, 2008 um 22:26 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Dank Internet, DVD und Kabel Deutschland Digital habe ich mit Fernsehwerbung nicht viel am Hut. In den letzten zwei Tagen ist mir aber einiges unter die Augen gekommen – und hat zu mehr Fragen und Verwirrung geführt als zu echtem Produktinteresse:

  • Wieso klebt die Oma ihrer singenden Hippie-Bauernschar bei der Rügenwalder Mühle vor dem Verzehr noch ein Label auf die Wurst?
  • Wie kann ein läppischer Tagesablauf mit “Arbeit, Mittagessen mit Freunden, zweiter Termin, Abendessen mit Kai” als so anstrengend (“1 Woche in 1 Tag gepackt!”) verkauft werden, dass man Actimel braucht, um ihn zu überstehen?
  • Verstehe ich “Airwick” richtig – eine Pinguindame und ein Bär bringen kleine Schweinchen zur Welt? Weiß Darwin davon?
  • Okay, Beichtzeit: Ich finde den “Nessun Dorma”-Spot sensationell.
  • “Vanish” mag jeden Fleck aus den Klamotten entfernen – zuerst einmal gehört aber den Bratzen eins hinter die Löffel gegeben, deren erklärtes Ziel es ist, teure Kleidung zu ruinieren!
  • Wenn ich das richtig verstehe, ist die “Dr. Best Zwischenraum” besonders nützlich, wenn man Zähne hat, die sich wie eine Ziehharmonika auseinander ziehen lassen.
  • Jan und Franka von Arcor spielen Strip Poker, brauchen aber (im Gegensatz zu normalen Menschen, die ein Kartenspiel haben) dafür gleich zwei Computer samt Internet-Anschluss. Und sie spielen in verschiedenen Zimmern, aber in Sichtweite voneinander. Eine erstaunlich dysfunktionale Beziehung, die da als Argument für eine Flatrate herhalten soll…
  • Die Zwillinge aus der “Leerdamer Lightlife”-Werbung hatten wir damals auch für “Lotta in Love” gecastet, weil wir wissen wollten, ob wir die Doppelrolle nicht einfacher von zwei Darstellerinnen spielen lassen können
  • Huk-Coburg wirbt mit Mickey Hardt, dem Karate-Kämpfer aus “Max Havoc” (Albert Pyun!), “Vampire Effect” (Jackie Chan!), und “Der Puma – Kämpfer mit Herz” (RTL!)
  • Die Süße bei “Andalusische Träume von Cremissimo” sieht ja aus wie Liv Tyler!
  • Mein persönlicher Favorit ist die WWK-Werbung mit der “bösen” Lehrerin, die wie Angela Merkel aussieht. Da stimmt gar nichts: Wieso ist es strafbar, die Lehrerin als Strichgesicht an die Tafel zu malen? Wieso ist es akzeptabel, scheinbar strafbares Verhalten durch Solidarisierung mit dem Mitschüler zu edeln? Wieso findet es die Lehrerin auf einmal selber toll, dass sich alle Schüler ihr widersetzen? Kurz gesagt: WTF?!

Angie at the movies

Gepostet am 18. Juli, 2008 um 15:44 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Angeblich wurde unsere Kanzlerin gestern 54. Bullshit! Hier der Beweis, dass sie sich vor ihrer Einschleusung in das DDR-System (zweifelsfrei, um den Zusammenbruch des Ostblocks mit vorzubereiten) in Hollywood herumtrieb:

Marie Dressler

Disclaimer: Dieses Filmposter von 1932  ist in keinster Weise gedoktort oder verfälscht.

Alles, was man zum “Speed Racer”-Debakel wissen muss…

Gepostet am 17. Juli, 2008 um 13:27 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

… ist die Bekanntgabe eines Extras der bald erscheinenden DVD: “A video demonstrating how the car races in the movie were created without the use of a single real car.”

Genau.

New York, Juni 1979

Gepostet am 15. Juli, 2008 um 21:44 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges.

Marquee

(nachgebaut basierend auf der verbürgten und persönlich erzählten Anekdote von Diane Duane, mit freundlicher Genehmigung)

Weil’s so schön ist…

Gepostet am 14. Juli, 2008 um 13:08 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.

… einfach nochmal zum genießen:

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Kino-Kritik: Sonderedition

Gepostet am 10. Juli, 2008 um 21:32 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

GONGIch gehe seit ca. 1991 auf Pressevorführungen. Damals hatte ich gerade beim GONG angefangen. Es war noch die “goldene Zeit” der TV-Zeitschriften, denn es gab weder die große Konkurrenz wie “TV Spielfilm” oder “TV Movie”, noch die kleine Konkurrenz der Piccolos wie “TVneu” und “TVpur”. Es gab auch keine Konkurrenz aus dem Internet. Die Magazine am Markt waren zumeist steinalt (der GONG reicht samt Vorläufer bis in die 40er zurück), hatten einen Haufen Kohle, riesige Redaktionen, und alle Zeit der Welt. Es war kein Problem, vier bis fünfmal die Woche während der Arbeitszeit ins Kino zu gehen, manchmal auch in zwei Filme nacheinander.

Für die Uneingeweihten: Als akkreditierter Journalist, der es auf den Verteiler eines Verleihers geschafft hat, bekommt man eine Einladung. Früher waren das meistens Postkarten oder gedruckte Einladungen im Geschenkkarten-Format (heute ist es oft nur eine Email). Diese verzeichnet den Vorführtermin, oft genug für alle relevanten Städte der Republik. Eigentlich soll man nur mit dieser Einladung bei den Presseterminen auftauchen, aber nach meiner Erfahrung sind die Verleiher extrem kulant – wer von dem Termin weiß, kann einfach hinstiefeln. In den 90ern wurde nur bei einer Handvoll Pressevorstellung überhaupt kontrolliert, woher man kam (ich erinnere mich an “Jurassic Park”). Es gibt auch sogenannte “Pinkies”, exklusivere Screenings, bei denen genauer hingeschaut wird, und bei denen man sich anmelden sollte, nachdem man die Einladung bekommen hat.

Für besonders wichtige Schreiber und in Ausnahmefällen machen Verleiher auch mal Extra-Screenings. “Todeszug nach Yuma” habe ich mit nur zwei Kollegen im hauseigenen Kino von Sony gesehen, weil man den Film extra für Journalisten der Männermagazine zeigen wollte.

Pressevorführungen finden meistens untertags statt, weil die Journalisten nicht in ihrer Freizeit “arbeiten” wollen, und weil die Kinos tagsüber sowieso leer stehen. In München war in den 90ern das “Arena” Stammkino für Pressen, seit einigen Jahren ist es das größere und schönere “Neue Gabriel”. 11.00 Uhr und 13.00 Uhr (manchmal 13.30 Uhr) decken 80 Prozent der Termine ab. Je nach Interesse der Journaille ist der Saal halbvoll, oder es verlaufen sich nur fünf Kollegen in den Sitzreihen. Wirklich voll werden die Säle nur in Ausnahmefällen, z.B. beim lang erwarteten “Spiderman”.

Neues Gabriel

Bei den Pressen geht es angenehm entspannt zu: Getränke und Snacks sind normalerweise frei, man klönt ein wenig mit den Kollegen, und trägt sich (wenn man will) in die Anwesenheitsliste ein. Hat man dort eigentlich nicht wirklich was zu suchen, schreibt man unter Redaktion einfach “frei”. Wie gesagt, in meiner Zeit beim GONG ging ich teilweise vier oder fünfmal die Woche ins Kino. Es war total lässig, und ich musste nur über wenige der Filme tatsächlich schreiben. Ein weiterer Vorteil: In der Regel sind Pressescreenings auf englisch.

Ich war in den Jahren 1998-2003 beruflich “raus” aus dem Pressescreenings-Business. Erst durch meinen Nebenjob als Kinoredakteur für ein paar TV-Zeitschriften habe ich vor ein paar Jahren wieder Zeit und Gelegenheit gefunden, Vorführungen zu besuchen. Nicht mehr vier bis fünf pro Woche, aber die Highlights.

In den letzten Jahren haben sich allerdings ein paar Dinge geändert, und mein Kollege Julian hat sich zu dem Thema neulich mal den Frust vom Leib geschrieben. Der Konflikt mit den Verleihern über zu kurzfristig oder gar nicht angesetzte Pressetermine, über schlechte Versorgung mit Informationen, und über eine stärkere Aussiebung der Einladungen schwelt schon länger, nicht nur in München.

Kommen wir erstmal zu den Kleinigkeiten, die sich geändert haben: Es gibt praktisch kein physisches Pressematerial mehr. Einladungen, Fotos, Pressehefte, Interviews – alles digital. Man ist beim Server des Verleihers angemeldet, und kann sich ziehen, was man braucht. Ich persönlich finde das schade, denn viele der alten Pressehefte waren echte Hingucker, z.B. die buchdicke “Terminator 2″-Mappe, oder die mit Zeichentrick-Folien durchsetzten Prospekte von “Ferngully”. Selbst wenn ein Verleiher heute ein Presseheft parat hat, dann ist es meistens nur ein lieblos zusammen getackerter Ausdruck einer PDF-Datei in schwarzweiß. Aber faktisch ist das Online-Material natürlich perfekt für die direkte Übernahme in Texte und Layouts.

Es herrscht mittlerweile auch eine gewisse Paranoia bei den Pressen – Handy abgeben ist Pflicht, Taschen werden durchsucht, Sicherheitsleute checken, ob jemand mitfilmt. Die Damen von der Presseabteilung schauen sich genauer an, wer denn nun kommt, und ich habe Fälle erlebt, in denen Kollegen abgewiesen wurden. Beide Seiten stehen unter einem Rechtfertigungsdruck, den ich früher so gar nicht kannte.

Schlimmer als die Verleiher sind allerdings die Autoren selbst dran. Heutzutage Filmjournalist für Printmedien zu sein, ist ein ungleich härteres Brot als vor 15 Jahren, und das hat primär zwei Gründe.

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Kleines Update / Interna

Gepostet am 7. Juli, 2008 um 16:47 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Dark PalaceDie hier präsentierten alten Ausgaben meines Fanzines “Dark Palace” sind nun in einer besseren Version verfügbar: kontrast-korrigiert, sauber beschnitten, und nur noch halb so speicherhungrig (8MB für Ausgabe 1, die restlichen um 22MB). Sorry, dass ich nicht früher dazu kam, das aufzuhübschen.

Ich habe es selber nicht bemerkt, aber irgendwann heute nachmittag hat der Wortvogel die Schallgrenze von 5000 genuinen Kommentaren durchbrochen. Und das in nur einem Jahr. Yay me! Und danke an euch alle.

Zur Belohnung noch ein lustiges Video, heute von aus der grandiosen (und bizarrerweise von Endemol produzierten) Sendung “Charlie Brooker’s Screenwipe”. Charlie ist sowas wie der englische Kalkofe, nur vollkommen humorlos. Er verreißt das Fernsehen und seine gesammelten Dummheiten, macht Experimente mit doofen Zuschauern, und scheißt auch gerne mal ins eigene Nest, wie in dieser Szene:

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