Die sehr große Astro Saga-Skriptkritik (5): Es war nicht alles schlecht…
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So, ich habe mich nun ausführlich mit Kammermeier, dem Drehbuch, den Dialogen, und der Historie von Astro Saga auseinander gesetzt. Das Ergebnis ist nicht schön – entmutigend und ernüchternd fallen mir als zwei passende Adjektive ein. Astro Saga ist das Paradebeispiel des alten Sprichwortes “Gut gewollt ist noch lange nicht gut gekonnt”. Das ärgert umso mehr, da Kammermeier eben kein Nerd ist, der im Partykeller seiner Eltern davon träumt, es dem SF-Establishment mal so richtig zu zeigen. Er ist ein Profi.
Kammermeier hat ein riesiges Studio. Er hat Referenzen. Die gezeigten Modelle und Zeichnungen haben absolut Hollywood-Standard. Das Promo, welches ich vor zehn Jahren zu Gesicht bekam, braucht sich vor teuren Studioproduktionen nicht zu verstecken.
Aber schon bei dem Promo zeigten sich die Probleme, die entstehen, wenn Kammermeier über das technische Element hinausgeht, wenn er versucht, eine Geschichte zu erzählen. Nicht einmal die drei oder fünf Minuten konnten damals das Interesse der Anwesenden halten – trotz Weltraum, Asteroiden, Spezialeffekten, und mysteriösen Artefakten. BPK widersprach in den Kommentaren meiner Kritik, das Promo der AS sei zwar technisch kompetent, doch insgesamt etwas zu mau gewesen, um potentielles Publikum zu teasern, mit dem Argument, es habe sich dabei gar nicht um ein Promo gehandelt:
„Es war kein Promo, sondern der echte Anfang des Films, noch ohne die Hauptdarsteller, ohne zentralen Ort der Handlung. Es ist eigentlich die Pretitlesequence, die in einer Zeit 16 Jahre vor der Haupthandlung der Astro Saga liegt. Ich brauchte einen gewissen “gebremsten Schaum”, damit ich im Laufe des Films noch Schippe für Schippe nachlegen kann, ähnlich – ohne es stilistisch damit vergleichen zu wollen – wie bei Alien, wo man zunächst ein Raumschiff vorgestellt bekommt, sein Äußeres, sein Inneres, die Crew erwacht, frühstückt.“
Schon in solchen Aussagen äußert sich Kammermeiers leider sehr limitiertes Verständnis von Storytelling: Der Anfang von „Alien“ fährt nicht mit „gebremstem Schaum“, sondern tut das, was jeder gute Film tut: Er stellt uns den Ort der Handlung und die Haupfiguren vor. Und das extrem zügig und fettfrei: Weltraum, Nostromo, Mutter, Ripley, Dallas, zack zack zack. „Astro Saga“ hingegen beginnt mit einem Prolog an einem Asteroiden, zu dem wir nie zurückkehren werden – mit Figuren, die wir uns nicht merken brauchen. Sofort darauf springen wir ein Jahr voraus, zum Jupiter (und ja – es ist leider Gottes kein Zufall, dass Planet und Protagonist so heißen). Dritte Szene, nächster Sprung: 16 Jahre nach vorne, zu einem „Test-Mond“. Wieder ein Haufen Figuren. Kanonenfutter. Es wird noch eine Weile dauern, bis wir begreifen, dass eine dieser Figuren so etwas wie ein Protagonist sein soll.
Hier möchte ich vor allem zwei Dinge anmerken:
- Es war Kammermeier, der zur Kritik von „Star Wars“ eine Liste von „Fehlern“ zitierte, nach der wir in „A new hope“ Luke Skywalker zu spät zu sehen bekommen. Wir haben es also mit jemandem zu tun, der es besser wissen müsste.
- Die holperige und episodenhafte Einführung wäre noch okay, wenn die einzelnen Elemente sich rückblickend zu einem logischen Ganzen verbinden würden. Stattdessen könnte der gesamte Prolog gestrichen werden, denn er wird ein paar Seiten später mit dem simplen Satz “..discovered (…) on a mining asteroid years ago” ausreichend nacherzählt. Und Szene 2 hätte ebenso in einem Satz („when I found you as a baby inside a sphere“) abgehakt werden können.
Kammermeier hat zu wenig Gespür, welche Szenen seine Geschichte benötigt, und was er weglassen könnte. Wir sehen ständig große Schlachten, Raumschiffe, Ballereien. Aber wie wäre es mal damit gewesen?
- Wir sehen, wie „Jupiter“ bei Balbur aufwächst, nach seiner Herkunft fragt, den Ruf des Alls verspürt, bis Balbur ihm die Wahrheit sagen muss.
- Wir sehen die junge Siris, die mit ihrem Vater an der Entschlüsselung der Artefakte arbeitet. Dadurch merken wir, dass sie kompetent ist, und eine wirklich tiefe Bindung zu ihrem Vater hat, der in ihren Armen sterben wird.
- Wir sehen Gider, der als Agent für Concor super korrekt auftritt, denn niemand soll merken wie verloren er sich als Synthet fühlt. Als Außenseiter der Menschheit ist er bereit, alles zu tun, um sich den Respekt der Spezies zu erkämpfen. Und koste es sein Leben…
Mit solchen Szenen würde man Figuren setzen, sie motivieren, für den Zuschauer nachvollziehbar machen. Stattdessen wird nur rumgeschrien, geballert, gerannt. BPK hat nicht den Blick des Erzählers, er hat nur den Blick des Modellbauers, der möglichst viele „showcases“ für sein Handwerk in 120 Minuten pressen will.
In der Filmschule lernt man, dass jede Szene in einem Film ein „Mini-Film“ ist, mit Anfang/Mitte/Ende, einem Konflikt, einer Wende, und einer wichtigen Information/Emotion für den Gesamtplot. AS reiht nur Szene an Szene, teilweise willkürlich, was die Lektüre zu einer Quälerei macht.
Es tut mir weh, sämtliche Probleme des Drehbuchs auf einen einzigen Punkt herunterbrechen zu können: Kammermeier ist kein guter Geschichtenerzähler. Vielleicht ist er ein guter Geschichtenausdenker, das kann ich nicht beurteilen. Aber ein guter Geschichtenerzähler ist er nicht.
An dieser Stelle möchte ich einmal mein Lektorat zu einem Fantasy-Skript zitieren, welches mir einen Nachmittag meines letzten Türkei-Urlaubs versaut hat: „Nun wäre ein Fantasy-Film von 0815-Format ja nicht grundsätzlich ein Problem, wenn der Autor wenigstens EINE eigene Idee gehabt hätte. Ich habe noch nie ein Skript gelesen, dessen Elemente so durch die Bank aus Klischees und Versatzstücken bestehen, die eigentlich seit 20 Jahren „durch” sind. Das ist ungefähr so, als würde man einen Science Fiction-Film schreiben, und erstmal eine Liste machen, deren Punkte es im Verlauf der Handlung abzuhaken gilt: Laserpistolen, Raumschiffe, Kommunikatoren, schicke Uniformen, fremde Planeten, Roboter, Explosionen, Außerirdische, Zeitreise. Die Summe der Teile ergibt nun mal kein Ganzes.“
Ich hatte damals keine Ahnung, wie präzise ich mit diesen Worten die Probleme der „Astro Saga“ zusammenfasste.
Okay, wir kommen langsam (und endlich!) zum Ende. Ich bin müde, habe mich an dem Projekt wie an BPK rechtschaffen abgearbeitet. Die meiste Energie wurde dabei sinnlos vergeudet in dem Versuch, irgendwie auf Kammermeiers Ebene zu kommen, Einblick in seine Weltsicht zu erlangen. Es erschien und erscheint mir unmöglich.
Ist „Astro Saga“ das schlimmste Skript, das ich je gelesen habe? Nein, lange nicht. Das wäre „The Maze“ (nie verfilmt). Und dann kommen da noch „It waits“, und ein paar andere. Aber keines dieser Skripts trat mit einem solchen Anspruch an, einer solch behaupteten Brillanz.
Ich habe selten einen Fall erlebt, in dem Wunsch und Wirklichkeit so weit auseinanderklaffen. BPK ist nicht bloss überzeugt, er ist davon durchdrungen, dass er Großes geleistet hat, an der Engstirnigkeit der Welt gescheitert ist, und dass die Tatsache, dass AS nie produziert wurde, allenfalls eine zu ignorierende Delle in seinem Selbstverständnis darstellt. Hält man das Skript daneben, dann kann man sich nur am Kopf kratzen: Was genau liest Kammermeier, wenn er das Skript liest? Wie wird aus dem kruden Plot in seinem Kopf die große Saga, aus den Pappkameraden mit den schlechten Dialogen eine Truppe mythischer Helden? Die Verzerrung der Realität, die dazu notwendig ist, erscheint mir phantastischer als alles, was BPK bisher zu Papier gebracht. Ein weit potenterer Stoff als die banale Mär der bösen Krieger von Sonstwoher.

Und so bleibt eigentlich nur Enttäuschung übrig, und morbide Faszination. Was hätte die AS werden können, wenn BPK nicht nur eingebildetes, sondern tatsächliches erzählerisches Talent hätte? Wenn seine exzellenten Modelle im Gerüst einer starken Story gestanden hätten? Und wenn die einzig coole Szene im ganzen Skript – ferngesteuerte uralte Raumfighter mit längst toten, mumifizierten Piloten – auch nur den geringsten Sinn ergeben hätte?
Ich bin nicht sauer auf Kammermeier – ich bin sauer wegen der vertanen Zeit, seine wie meine. Wegen der vertanen Chance. Wie schön wäre es gewesen, wenn ich hier hätte verkünden können: Ich habe es gelesen – und es ist großartig! Ein talentierter SF-Filmer aus und in Deutschland ist das, wonach ich seit Jahren suche. Und ich kann Kammermeier nicht genug für seinen Einsatz loben, so fehlgeleitet der auch gewesen sein mag. Im Gegensatz zu den meisten Schwätzern in dieser Branche hat er es wenigstens versucht, hat Zeit, Mühe und Geld investiert. Das ist schon eine ganz andere Liga als die Schreibtischhelden, die immer schwadronieren: “Wenn ICH mal einen SF-Film machen würde, der würde aber richtig knallen!”. Mit solchen Leuten will ich Kammermeier nicht in einen Topf geschmissen wissen.
Nur leider wird es nichts nützen. Kammermeier wird, statt die Scheuklappen endlich abzunehmen, den Tunnelblick perfektionieren. Gerade WEIL alle Kommentatoren (außer seinem Claqueur) hier seinen pathologischen Starrsinn monieren, wird BPK das als Beweis sehen, wie unverstanden er ist. Und als ich im Vorwort schrieb, dass er mich für diese Rezension zum Feind erklären würde, hatte ich noch gar nicht die Email erhalten, in der er zum Start dieser Beitragsreihe pünktlich verkündete:
“Das ganze ist nämlich schlicht und ergreifend ein persönlicher Feldzug zwischen uns beiden. Irgendwas sonderte sie bereits vor zehn Jahren von allen anderen Menschen ab, mit denen ich in Sachen Astro Saga zu tun hatte. Mir ist es natürlich inzwischen klar, wo ich etwas mehr von Ihrem weiteren Lebensweg erfahren habe: Sie selbst wollen eigentlich einen großen SF-Film machen!”
Nein, Herr Kammermeier, einen großen SF-Film will ich nicht machen. Das reizt mich nicht. Nicht jede Kritik ist Niedertracht, nicht jeder Kritiker ein Neider. Aber ich kann Ihnen sagen, was mich vor zehn Jahren von all den anderen Schreibern absonderte, denen Sie sonst Ihr Projekt präsentierten: Ich hatte meine Hausaufgaben gemacht, kannte mich in der Branche aus, und ließ mich von Ihren grandiosen Visionen nicht blenden. Das wird Sie irritiert haben.
Was mich überrascht: Alles, was ich mit limitierten Informationen (Gespräch, Prospekt, Promoreel) vermutete, hat sich gerade in Ihrem verbissenen Versuch, es zu widerlegen, erschreckend deutlich bestätigt. Als ich “Was wurde eigentlich aus… der ‘Astro Saga’?” schrieb, wollte ich mehr wissen über das Projekt. Jetzt ist mir klar: Ich wusste bereits alles, was es zu wissen gab. Es sind halt nur die Vermutungen zu Gewissheiten geworden.
Ich will gar nicht das letzte Wort haben. Ich erinnere dazu lieber an einen Streit, den BPK mit einem Kommentator hatte, der sich anmaßte, das Ergebnis meines Lektorats vorherzusagen. Und so sehr es mich schmerzt, und nicht wenig wundert: perfekter kann ich das Scheitern der Vision UND des Drehbuches „Astro Saga“ nicht in einem Satz zusammenfassen. Darum übergebe ich einfach nochmal an „Nathan“:
„In Ansätzen interessante, aber zu sehr mäandernde, sich in narrative Irrelevanzen, halbgare Figuren-Konstellationen und zu aufgeblähte Vision verlaufende Fan-Fiction auf höherem, aber nicht hohem Niveau, die eine Spannbreite wie Herberts Dune-Saga suggerieren möchte, aber dazu die Finesse missen lässt – das würde ich angesichts der Historie des Projektes mutmaßen. Und das erwarte ich auch als Fazit von Wortvogels Kritik.“
Ist hiermit geschehen.
Herr Kammermeier, es tut mir leid.
Bildernachweis: (c) Bernd P. Kammermeier
Erinnert ihr euch an die Beerdigung von Spock in „Star Trek II“? An Kirks bewegende Rede? Die funktionierte, weil sie echte Emotionen transportierte, das glaubwürdige Ende einer lebenslangen Freundschaft. Vor allem aber: Sie konzentrierte sich auf EINE Aussage über Spock: „Von all den Seelen, die mir auf meinen Reisen begegnet sind, war seine die bei weitem… menschlichste“.
Jedes Set an Charakteren scheint ganz eigene Probleme mit den Dialogen zu haben. Bei den bösen Baatas (Klingons by any other name) ist es die Verwendung von Eigennamen und Begriffen, die uns nichts sagen. Das mag schön „science fiction“-esk wirken, sorgt aber an den meisten Stellen nur für komplette Verwirrung. Szenenbeispiel:
Ich habe seitenweise Emails mit BPK zu diesem Thema ausgetauscht, weil es einfach keinen Sinn ergibt: Entweder spricht Balbur „irdisch“, dann braucht er das Buch nicht. Oder er versteht irdisch selber nicht, dann hilft auch das Buch nicht. Ihm fehlt ein analoger „Rosettastein“. BPK warf mir elend lange Erklärungen um die Ohren, wie Sprache funktioniert, und kultureller Austausch, aber die innere Logik in diesem Kontext wurde dabei einfach nicht deutlich. Am Schluss versteifte er sich dann darauf, es zumindest besser als „Star Trek“ gemacht zu haben – und viele andere Leute hätten die Idee gut gefunden.
Aber bei Gott, BPK weiß einfach nicht, wann man es mal gut sein lassen sollte. Praktisch JEDER Dialog versucht, komisch zu sein, rein gar nichts geht ohne „coole Sprüche“ ab, und selbst in größter Not werfen sich die Protagonisten noch Anfeuerungsrufe wie beim Football zu (ich entschuldige mich, wenn das eine bewusste Hommage an „Flash Gordon“ war). Abgesehen davon, dass BPK diesen „Humor“ wie einen Teppich über den gesamten Film legt, und abgesehen davon, dass er den „Humor“ nicht etwa speziellen Figuren zuweist, sondern als Grundton ver(sch)wendet – abgesehen davon gibt es einen Grund, warum ich „Humor“ in diesem Zusammenhang in Anführungszeichen schreibe. Es ist einfach nicht lustig. Nichts. Gar nichts. Keine Pointe. Kein Spruch. Und nichts ist schlimmer als Humor, der nicht funktioniert. AS hat 103 Seiten davon.
Ich hatte mir zuerst Notizen gemacht, wann immer mir etwas bei der Lektüre des AS-Skripts notizwürdig erschien. Das ist eine sehr lange Liste geworden, die euch wenig nützt, weil ihr die Zusammenhänge nicht kennt. Ich werde einige Perlen aber in den jeweiligen Unterpunkten aufgreifen. Als ich AS endlich durch hatte, habe ich mich deshalb daran gemacht, die grundlegenden Fehler und Schwächen zu identifizieren. Das überlappt sich teilweise etwas, ich bitte Redundanzen zu entschuldigen.
Kein Protagonist wird gesetzt
Astro Saga? „Jupiter“ ist der Auserwählte. Ist halt so. Sagen seine Visionen, die schließlich nicht in Frage gestellt werden können. Gider ist eher zufällig dabei, weil er die Ankunft Norks miterlebt hat. Er hätte guten Grund, sich einfach aus dem Staub zu machen. Stattdessen nimmt er den Kampf gegen Nork auf, und schleppt Siris mit sich, die wirklich gar nichts zu der Handlung beiträgt (außer mal vor Angst in Ohnmacht zu fallen, oder von einem Monster attackiert zu werden). Es wird nicht definiert, wer die Figuren sind, wozu sie gebraucht werden, und warum sie überhaupt tun, was sie tun (bis auf „Jupiter“, weil der ja „erwählt“ ist, und deshalb nicht anders kann). Die Motivation der Charaktere rangiert knapp unter „Mortal Kombat“.
Permanente Exposition mangels Entdeckung
Beliebige Einschübe
Kein sense of wonder
In Rücksprache und auf Bitten des Autors sollte ich mir eine ausführliche Schilderung der AS-Handlung verkneifen. Albern genug, denn meine Zurückhaltung würde nur dann Sinn ergeben, wenn ich vermeiden wollte, dem künftigen Zuschauer der AS zuviel zu verraten. Da AS aber nicht produziert wurde (und vermutlich auch nie produziert wird), bliebe alles, was ich hier nicht sagen darf, auch künftig im Dunkeln.
BPK gibt sich in Artikeln große Mühe, den immer wieder aufkommenden Vergleich mit „Star Wars“ abzustreiten. Er sieht AS in der Tradition von „2001“, will aber nicht so abgehoben sein. Was an Ähnlichkeiten zu „Star Wars“ vorlag, habe er sowieso in eine andere Richtung entwickelt, die sich Emmerich dann als „Stargate“ unter den Nagel gerissen hat. Zumindest sieht BPK sein Projekt also in einer Reihe mit den ganz großen Werken der Kino-SF stehen.

Ob das Dimensionstor nun eine direkte Referenz zu „Stargate“ darstellt, erscheint mir irrelevant, denn Dimensions- und Zeittore gab es in der SF schon 30 Jahre vorher. Darauf haben weder Emmerich noch BPK ein Monopol. Was man allerdings mit Sicherheit sagen kann: Emmerich hat aus dem Thema ungleich mehr rausgeholt als BPK. Man mag „Stargate“ für kindisch und prätentios halten, aber es ist ein vergleichsweise stimmiges SF-Universum, das immerhin Stoff für einen Kinofilm, zwei TV-Serien, TV-Filme, und eine Zeichentrickserie bot.




In vielerlei Hinsicht ist „Astro Saga“ eine der faszinierendsten Geschichten, die ich je erlebt habe. Nicht das Skript selbst, Gott bewahre. Ich rede von den Reaktionen, die mein erster, noch vergleichsweise unschuldig gemeinter Beitrag nach sich zog. „Astro Saga“ hat surrealen Schauwert, Platz für Verschwörungstheorien, fast schon religiöse Gefechte.
Kammermeier wurde immer vager – und schriller. Er ist ein Meister des „agitated rant“, des aufgebrachten Schwadronierens. Er antwortet nicht gerne auf konkrete Fragen oder Kritik, sondern wiederholt ad infinitum dieselben Sprachhülsen und Phrasen, Vorwürfe und Rechtfertigungen. Es ging soweit, dass ich jede Frage mit der expliziten Notiz „BITTE ANTWORTEN“ versah, um deutlich zu machen, dass ich durchaus auf der Suche nach Antworten war. BPK bestand darauf, er habe keine Probleme, etwas zu verstehen, schließlich habe er einen nachgewiesenen IQ von 146. Den korrigierte er in seiner nächsten Email auf 126. Ich fand das albern, fühlte mich aber mittlerweile von Kammermeier persönlich herausgefordert.
Ich musste also die Entscheidung treffen: Was jetzt? Breche ich das „Experiment Astro Saga“ ab, schicke es wieder in die Obskurität zurück? Verzichte ich darauf, das Skript zu besprechen, weil man mir sowieso vorwerfen wird, nicht objektiv zu sein, und Kammermeier nur eine reinwürgen zu wollen? Wer mich kennt, ahnt die Antwort: Kommt ja gar nicht in Frage! Ich habe in den letzten 20 Jahren hunderte von Drehbüchern gelesen und lektoriert, von Freunden und von Feinden. Ich habe gelernt, und ich bin vergleichsweise stolz darauf, meine persönlichen Ressentiments dabei an der Eingangstür abzugeben. Wichtiger noch: Im Gegensatz zu Kammermeier kann ich Mensch und Werk auseinander halten.
Trotzdem: Ich las die Texte wieder und wieder – und es fühlte sich nicht richtig an. Es klang hysterisch, wütend, unkontrolliert. Alles Eigenschaften, die ich haben mag, die ich aber nicht gerne für alle Welt zur Schau trage. Und mir wurde klar, dass meine Leser sie nicht nachvollziehen können, denn sie haben ja keine geschätzten 100 Seiten Korrespondenz mit Kammermeier (und das Drehbuch) durchlitten. Der einzige Leser, der einen Kommentar schrieb, bevor ich den Beitrag wieder offline nahm, drückte es so aus: „Gefühlsmäßig: – Ein Stück weit Mitleid mit BPK. – Ein Stück weit Ungewissheit, was passiert, wenn man einen Menschen wie BPK in die Ecke drängt“.
Also habe ich den gesamten Text jetzt noch einmal überarbeitet, geglättet, präzisiert, verfeinert. Kein Argument ist rausgefallen, meine Meinung bleibt klar wie das Wasser eines Bergsees. Doch ich formuliere sie nun mit weniger Wut im Bauch, und mit mehr Rücksicht darauf, dass meine Leser meinen Frust nicht nachvollziehen können – und Kammermeier es ja sicher nicht darauf angelegt hatte, mich zu provozieren.
Ich brauche nicht wirklich einen MP3-Player. Ich bin nicht oft unterwegs, und wenn ich tatsächlich vor die Tür gehe, höre ich gerne den Sound der Welt, die mich umgibt. Warum so viele Menschen Interesse daran haben, sich durch Stecker im Ohr von ihrer Umgebung zu isolieren, wird mir immer ein Rätsel bleiben.




Nun ist er also raus, der “Firefox 3″ Browser, und weil ich ein Herdentier bin, habe ich am Download-Rekordversuch der Mozilla-Stiftung teilgenommen, obwohl ich locker ein paar Tage hätte warten können. Seit zwei Stunden arbeite ich mit dem “Volksbrowser” (wenn schon deutsch, warum dann nicht “Volksbrauser”?).