“Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” – das sollte eigentlich die kürzeste Kino-Kritik aller Zeiten sein, denn was kann man schon sagen? Es ist Indiana Fucking Jones! Reingehen! Der letzte im Kino ist ein Turnbeutel- Vergesser!
Aber so kurzweilig das auch wäre, es befriedigt weder mich noch euch. Also salbader ich jetzt wieder ein paar Absätze lang rum, und rolle die Jones-Historie von hinten auf, bevor wir zu dem Teil mit dem „Reingehen! Der letzte im Kino…“ kommen.
„Jäger des verlorenen Schatzes“ war der erste und einzige 16er-Film, in den ich reingeschlichen bin, obwohl ich eigentlich zu jung war. Ich war nämlich ein paar Tage vor dem Deutschland-Start am 29.10.1981 erst 13 geworden. Und Mann, hat der Film das Haus gerockt! Ein supercooler Typ mit einer Peitsche, der den Nazis eine lange Nase dreht, und dabei eine Todesfalle nach der anderen überlebt. Als ich aus dem Kino kam, wollte ich Indiana Jones sein. Mehr noch, als ich zwei Jahre zuvor Han Solo sein wollte.
In vielerlei Beziehung ist „Indiana Jones“ als Figur, als Konzept, und als Geschäftsmodell nicht nur ein Rückgriff auf die Cliffhanger-Serials der 30er Jahre, sondern auch ein Antidot zum sozialkritisch-hässlichen Betroffenheitskino der 70er. Eine Ode an die Freude, geboren aus dem Spass an Bewegung, an Pyrotechnik, an Jahrmarktsensationen (nirgendwo deutlicher zu erleben als im zweiten Teil bei der Minen-Achterbahnfahrt). Kino für die Sinne, den Adrenalin-Spiegel, und die ganze große Packung Popcorn.
„Indiana Jones und der Tempel des Todes“ war eine massive Enttäuschung, auch wenn diese Erkenntnis bei mir erst über die Jahre reifte. Zu düster, zu brutal, zu sadistisch, und mit der tödlichen Idee, aus Indy zeitweise einen Bösewicht zu machen. Man sagt, Spielberg selbst habe den Film nicht gemocht, und es ist klar zu sehen, warum: Er hat praktisch keinen „sense of wonder“, keine kindliche Spielfreude. Auch bei den meisten Fans kann der Tempel nicht punkten.
Wettgemacht hat Spielberg das „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“, schoss dabei aber etwas über das Ziel hinaus. Beste Unterhaltung, gewiss – aber brauchte es Hitler und den Heiligen Gral, Vater Jones und die Rückblenden in Indys Jugend? Trotzdem war der 3. Teil so gut, dass er die Franchise für weitere Filme intakt ließ.
Leider verfiel George Lucas auf die blöde Idee, aus Indiana Jones mit der TV-Serie „Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“ so eine Art erzählten Geschichtsunterricht zu machen: ehrenvoll in der Absicht, teilweise entsetzlich dröge in der Ausführung. Mehr als zehn Jahre später fummelt er an den Episoden für den DVD-Release so sehr rum wie an seinen ersten drei Star Wars-Filmen. Der Mann kann es einfach nicht gut sein lassen.
Den Rest der 90er verbrachten Indy-Fans mit diversen, teilweise legendären Computerspielen, und einer Sackladung von Gerüchten. Ich hatte sogar mal das angeblich nächste Drehbuch, welches in der Frühzeit des Internets rasend schnell die Runde machte. In jeder Saure Gurken-Zeit kam die Meldung wieder auf: Spielberg schließt neuen IJ-Film nicht aus! Harrison Ford hätte Lust, wieder zur Peitsche zu greifen! George Lucas sucht angeblich schon Locations!

Alles egal jetzt. Der Film ist fertig, der Film ist da – und der Film…
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