Ich bin der Meinung “Das war – SPITZE!” 4
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Okay, die Antwort war also raus, sie war falsch, und ich hatte mich gerade zum Deppen vom Dienst gemacht. Der einzige Gedanke, der mich auf den Beinen hielt, war der: Das ist bloß eine Aufzeich- nung, bis zur Ausstrahlung vergehen noch ein paar Monate. Vielleicht gibt es einen Atomkrieg. Oder Stromausfall. Oder das ZDF wird von albanischen Terroristen gesprengt.
Nein, so schlimm war es gar nicht. Man spürt eine gewisse Leere, die Beine werden ein wenig schwerer, und im Magen zieht es sich zusammen. Das nennt man im Volksmund schlicht und ergreifend „Enttäuschung“. Man hat von Karma einen Korb bekommen.
Kai Böcking dramatisierte ein „Schaaade!!!“, und versprach mir für meine Mühen das „Brockhaus Multimedia Lexikon“. Hurra.
Ich werde mich jetzt mal ganz schlecht aussehen lassen – neidisch, kleingeistig und fies. Ist mir egal. Ich möchte es einfach loswerden. In unserer Gruppe hatte es noch einen Halbwüchsigen gegeben, der mit dem schon erwähnten Thema „Falco“ angetreten war. Es war überdeutlich, dass die Produktion an ihm einen Narren gefressen hat, weil kindliche Besserwisser doch deutlich sympathischer sind als erwachsene Besserwisser. Ich wüsste gerne, in welchem Alter man den Sprung vom lobenden „Was der alles weiß!“ zum abschätzigen „Der weiß auch jeden Scheiß!“ macht. Ich hatte ihn gemacht – der andere Kandidat noch nicht. Es wurde allgemein so getan, als wäre er eine Geistesgröße, während ich eher an seinem Musikgeschmack zweifelte.
Wie dem auch – Tim (so nenne ich ihn einfach mal – den Namen weiß ich nicht mehr) kam ins Finale mit Fragen, die ich ausnahmslos auch hätte beantworten können. Schlimmer noch – ich wusste auch die Antwort auf die Finalfrage, die da lautete: „Das Video zu Falcos Song ‚Vienna Calling’ wurde kurioserweise NICHT in Wien gedreht – sondern wo?“.
München. Café Reitschule. Das weiß man, wenn man da jedes Jahr anlässlich der Medientage zum Brunch hingeht. Dort habe ich schon Eva Habermann getroffen, Milos Forman, Horst Wendlandt, etc. Ein ansonsten unerträglich blasierter Ort.
Tim wusste es nicht.
Und was nun kam, machte mich fassungslos – Kai führte Tim mit geradezu absurden Assoziationsspielchen zur Antwort hin. Das lief ungefähr so ab:
„Es wurde in einer anderen großen alten Stadt gedreht, fängt mit M an, hört mit –nchen auf. München? Richtig! Es war in einer Location, die wie was klingt, was man trinkt. Nicht Tee. Nicht Saft. Kaffee, richtig! Ein Café! Und in was gehst du denn gerade noch? Nein, nicht aufs Gymnasium – allgemeiner! Schule, richtig! Also haben wir schon Café und Schule. Und was macht man denn mit einem Pferd? Reiten, genau. Also ergibt das zusammen – nein, nicht Reitercafé. Auch nicht schulreiten. Café und dann die beiden anderen Wörter zusammen. Was? Café Reitschule? Richtig! Du hast gewonnen!“
Das ist nicht der Wortlaut, aber ziemlich nahe dran. Tim gewann seine 15.000 Mark dadurch, dass er drei vorgegebene Worte in die richtige Reihenfolge brachte, und dafür beliebig viele Versuche hatte.
DAS war der Punkt, an dem ich dann doch sauer wurde. Vielleicht ist es unfair, denn Kai hatte ja auch mir einen subtilen Tipp gegeben. Andererseits: Ich hatte mich nicht bei der Finalfrage befunden. Da sollten doch Mindestmaßstäbe gelten, oder wie sehe ich das?
So blöd und albern das klingt: Ich habe an der Bevorzugung Tims mehr gekaut als an meiner eigenen Niederlage. Und vielleicht macht mich das zu einem schlechten Menschen. Aber ich wollte es einfach mal erzählt haben.
Weiter im Text.
Wenn ich mich recht erinnere, sollten die Folgen irgendwann im Oktober ausgestrahlt werden. Man hatte mir die Termine in den Notizblock diktiert. Immerhin hatte ich es ja in drei Folgen geschafft, die wollte ich dann schon auf Video aufnehmen. Eignet sich gut für Partys, wenn alle Gäste müde in den Seilen hängen, und der Alkohol keine brauchbaren Gespräche mehr zulässt.
Ende September telefonierte ich mit einem alten Kumpel im Rheinland, der im Nebensatz sagte: „Ich habe dich übrigens letzte Woche in dieser Gameshow im Fernsehen gesehen – das war ja abgefahren!“.
Das ZDF hatte „meine“ Folgen vorgezogen, ohne mich zu informieren.
Bis heute habe ich die „Risiko“-Episoden, in denen ich Kandidat bin, nicht gesehen. Ich müsste mich mal an das ZDF wenden, ob die vielleicht bereit sind, einen Abzug aus dem Archiv zu schicken. Ich wäre in dieser Angelegenheit motivierter, wenn ich seinerzeit gewonnen hätte.
Wie um mich zu ärgern zog die Show bald darauf übrigens für ihre letzte Saison um – nach München. Da hätte ich den ganzen Aufwand doch deutlich reduzieren können. Aber nein, ich musste ja zwei Tage in der Kölner Pampa hocken. Wäre ich damals schon etwas besser „connected“ gewesen, hätte ich nebenan mal die Leute von „Alarm für Cobra11“ besucht. Vielleicht wäre ein Helikopterflug dabei rausgesprungen. Herrmann Joha macht das gerne, habe ich gehört.
Verblüfft hat mich aber noch, dass anscheinend mehr Leute die Show gesehen haben, als ich dachte. Zuerst einmal kam mir zu Ohren, dass halb ProSieben stillstand, weil irgendjemand durch die Flure gerufen hatte: „Der Dewi ist auf dem ZDF im Fernsehen!“. Da haben wohl viele alte Kollegen die Mittagspause ausfallen lassen. Und der Sohn eines dieser Kollegen hat, als er mich im Jahr darauf kennenlernte, gesagt: „Bist du nicht der Typ, der in der Gameshow mitgemacht hat?“. Unglaublich, aber wahr.
Wie dem auch sei, ich verbuche das ganze Erlebnis unter dem Satz aus Indiana Jones und der letzte Kreuzzug: „Du kannst nicht immer gewinnen – aber das braucht dir ja nicht zu gefallen.“
Es hat mir gar nicht gefallen. Ich gewinne dann doch lieber.
Damit ihr euch aber mal ungefähr vorstellen könnt, wie so eine Sendung ablief – diesen Link habe ich von einer Seite, die netterweise auf diese Artikelreihe hingewiesen hat: