Zerbrochene Kinowirklichkeit

Gepostet am 26. September, 2007 um 18:29 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.

Wie mittlerweile jeder wissen müsste, sammle ich obskure Dinge aus dem Bereich Genre-Film – Fotos, Plakate, Zeitschriften, usw. Manchmal kommen mir dabei Dinge unter die Finger, die man zuerst gar nicht glauben möchte. Schlampereien in Pressebüros und bei Verleihern, die Kopfkratzen auslösen – schaut denn da keiner nochmal drüber?

Hier drei schöne Beispiele aus offiziell herausgebenem Pressematerial:

Megaforce

“Megaforce” war eine Trashgranate der frühen 80er, die wir dem Regisseur der “Auf dem Highway ist die Hölle los”-Filme verdanken. Wenn Ronald Reagan “Mad Max” gedreht hätte – “Megaforce” wäre dabei rausgekommen. Barry Bostwick beweist, dass man für Spandex den entsprechenden Body braucht.

Aber man achte mal auf den Ausschnitt unten links:

Megafarce

Beispiel 2 – “Mansion of the Doomed”, aka “Das Haus mit dem Folterkeller”, eine echte 70er-Perle des schlechten Geschmacks:

Mansion

Knackige Szene. Das hat der Stuntfrau sicher weh getan. Eine gute Promotion-Aufnahme – wenn man nicht genau hinsieht:

fehler2.jpg

Im Filmprogramm-Heft hat man das Bild übrigens so beschnitten, dass das Mikro nicht mehr zu sehen war.

“Space Pirates” war eine SF-Version von “Die Schatzinsel”, die in der ARD als Mehrteiler lief, und als Zusammenschnitt auf Video vermarktet wurde:

Space Pirates

Sowohl im Pressematerial des Senders als auch auf diesem Videocover blieb ein kleines Detail unentdeckt:

Space Pappnasen

Wer es nicht gleich erkennt – diese Aufnahme wurde nicht aus dem Blickwinkel der Filmkamera gemacht, und darum ist deutlich das (sogenannte “forced perspective”) Modell zu erkennen, welches im Vordergrund aufgebaut wurde, im im Hintergrund eine große Planetenstation zu simulieren. Die Spalte zwischen Modell und Szenerie ist in der Miniserie natürlich nicht zu sehen.

BILD erfindet Journalismus neu!

Gepostet am 26. September, 2007 um 10:55 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

art.jpg
Geile Sache – Teaser und Auflösung im selben Kasten. Konsequent durchdacht könnte die BILD mit diesem System künftig ganz auf die Artikel verzichten.

Top 10 für Nachzügler

Gepostet am 25. September, 2007 um 20:30 Uhr
Kategorien: Neues.

Sodele, der Wortvogel hat mittlerweile satte 200 Artikel im Archiv, und weil der Traffic in den letzten drei Monaten explodiert ist, habe ich mir gedacht, dass die Neuleser vielleicht mal mein persönliches “Best of” aus den “frühen Jahren” brauchen können.

Ich liste im Folgenden nicht die wichtigsten oder meistgelesenen Artikel, sondern jene, die ich für besonders gelungen oder “zeitlos” halte. Das ist rein subjektiv, aber wenigstens chronologisch.

Gleich mein erster Beitrag hatte die mir sehr genehme Mischung auf Kritik und Humor, aus Ekel und Faszination. Außerdem konnte ich damit angeben, die “Daily Show with Jon Stewart” zu gucken, was ja heute nichts besonderes mehr ist. Ich warne allerdings – zarten Gemütern können die Bilder auf den Magen schlagen:
Steroids

Erstmals unqualifizierte Kritik aus verdächtiger Ecke kassierte ich mit einem Beitrag, der als simple Buchkritik anfing, sich im Rahmen meiner Recherche aber schnell zu einer veritablen Verschwörungstheorie ausweitete:
Scientology-Schreiber

Und weil ich keinen Gegner scheue, nahm ich mir als nächstes gleich mal den Liebling von BILD-Chefredakteur Kai Diekmann vor – und bekam auch hier Kommentare, die vermutlich aus dem Dunstkreis des Kritisierten kamen:
Blieswood

Manchmal kauft man sich Bücher, weil man überzeugt ist, sich über die vertretenen Thesen schlapplachen zu können – und manchmal wird man überzeugt, dass man den Autor massiv unterschätzt hat:
Popkultur aus DDR-Sicht

Es soll auf meinem Blog ja nicht alles schwer und wichtig sein – und wenn ich mich schon durch einen Schulmädchen-Porno quälen musste, könnt ihr mein Leid wenigstens teilen:
Schulmädchen-Porno

Erstmals Resonanz aus dem Web (in Form von Verweisen in anderen Blogs) bekam ich für einen Beitrag, den ich eigentlich als Kleinkram angesehen hatte, der jedoch anscheinend einen Nerv getroffen hat:
TV-Tipp “Tagesschau”

Mit meinem “Lotta in Love”-Mehrteiler habe ich eine Erzählform gefunden, die mir sehr viel Spass macht, und die offensichtlich ankommt. Einen ersten Versuch in der Richtung gab es allerdings schon in Januar zu meiner “Märchenstunde”:
Produktionsbericht “Märchenstunde”

Filmkritiken sind nicht sonderlich erwähnenswert, aber diese hier finde ich auch retrospektiv noch sehr gelungen:
Rocky Balboa-Kritik

Ebenfalls aus dem Leben gegriffen, und zwar aus meinem, waren meine Erlebnisse mit David Hasselhoff und Pamela Anderson:
Hasselhoff und ich

Selten kommt alles so prima zusammen: Meine Vorliebe für Schweinkram, meine Lust an der Recherche, und die Freude, der BILD einen reinwürgen zu können. Netterweise hat Bildblog dann einiges davon übernommen, und wir haben das Thema immer wieder mal aufgegriffen:
Kurzschreibgedächtnis

Okay, das dürfte für einen kurzweiligen Abend reichen. Solltet ihr was dazu sagen wollen – kommentiert bitte hier, und nicht bei den einzelnen Beiträgen.

Wortvogel – Galerist des Schreckens!

Gepostet am 23. September, 2007 um 16:54 Uhr
Kategorien: In Arbeit, Neues, Privates.

Charles Band Original Artwork

Wie ich kürzlich mehrfach erwähnte, habe ich bei Ebay eine ganze Reihe von Original-Artworks aus dem Besitz des Produzenten Charles Band ersteigert. Diese wurden in Schüben zu meinem Freund David nach Michigan geschickt, der mir vor zwei Wochen daraus ein großes Paket machte, und es gen München aussandte. Neun Tage später kam das Schreiben vom Zoll, ich müsse das Paket persönlich abholen, und Steuern nachzahlen (grrr…). Das war mir der Spaß aber wert.

Vorgestern habe ich den schönen Tag genutzt, um die Artworks für das Band-Buch digital abzulichten (mit Blitz ist sowas immer zum Scheitern verurteilt). Die Ergebnisse habe ich in eine Galerie gestellt, die ihr durch Klick auf das Bild oben öffnen könnt.

Natürlich sind die Digi-Fotos im Original beträchtlich größer, aber diese “Galerie des Schreckens” gibt einen guten Eindruck davon, was mich an Charles Band und seinen Filmen so fasziniert.

Und sie gehören mir. MIR. MIR ALLEIN!!! BwahahahaahhHAAAA!!!

(Pause)

‘tschuldigung.

SPIEGEL 39/07, S. 14: zwei Spalten Unsinn

Gepostet am 23. September, 2007 um 14:14 Uhr
Kategorien: Neues.

LeserbriefseiteEs ist ja beleibe nicht so, dass ich etwas gegen den Spiegel hätte – oder gegen seine Leser, bzw. deren Briefe. Meine Meinungen (Themen Schönhuber und Vaterschaftstests) wurden bereits zweimal dort abgedruckt, und gemeinhin hat man das Gefühl, die Redaktion bemühe sich bei der Auswahl um eine gewisse Balance mit Tendenz zur Stützung der eigenen Thesen. Das ist auch okay so.

Vor knapp zwei Wochen wies ich auf ein Interview mit Richard Dawkins hin, das mit ob seiner sprachlichen Klarheit und Konsequenz sehr gut gefallen hat.

Heute druckt der neue SPIEGEL die Leserbriefe zu dem Interview ab – und macht mich fassungslos.

Kleine Statistik: 8 Leserbriefe – 7 contra, 1 pro. Der pro-Leserbrief hat keine drei Zeilen. 3 Leserbriefe (alle contra) von Menschen mit Doktortiteln, einer (ebenfalls contra) von einem Professor. Der pro-Brief erreicht die Redaktion aus den Philippinen. Nur ein Leserbrief (contra) stammt von einer Frau (aus Bayern).

Im Kern sind die meisten Briefe erschütternde Belege für die Hauptthese von Dawkins – dass religiös motivierte Menschen zu kritischem und freiem Denken unfähig, und damit eine Gefahr für die Gesellschaft sind. Ich setze noch einen oben drauf: Hier wird im Versuch der Verteidigung christlicher Werte so passgenau das Klischee der bornierten Frömmler bedient, dass man dahinter eine konzertierte Aktion gehässiger Atheisten vermuten könnte.

Für mich die Highlights:

  • “Wie indoktriniert muss jemand sein, der Indoktrination für das maßgebliche Kennzeichen von Religion hält?” fragt Klaus Nagorni aus Karlsruhe, ohne die Frage zu begründen, oder gar eine Antwort darauf zu geben. “Man möchte ihn zu anderen Wahrnehmungen verleiten: dem genialen Pinselstrich eines Rembrandt, den tröstlichen Klängen einer Bach-Kantate, der hochaktuellen Ethik eines Albert Schweitzer, der entschiedenen Haltung eines Dietrich Bonhoeffer” – schön und gut, aber was hat Kunst oder die ethische Einstellung einer (auch gerne christlich orientierten) Person mit Religionskritik zu tun? Das bewegt sich auf dem Level von “Die Schönheit des Sonnenuntergangs ist ein Gottesbeweis”…
  • Professor Köpf aus Sachsen findet: “Es gab eben vor Dawkins schon gescheite Menschen, die das Wort ‘Gott’ brauchten, um Dinge auszudrücken, die mit der Evolutionstheorie nicht erklärt werden können”. Das ist so hanebüchen, dass es schmerzt: Gott als Platzhalter für die weißen Stellen im Lehrbuch? Ist es nicht genau das, wogegen sich die modernen Christen wehren? Die Reduktion Gottes vom allmächtigen Schöpfer zum schrumpfenden Hausbesetzer unfertiger Theoriegebäude? Wäre ich Christ – ich würde zürnen!
  • Dr. Schneider aus Oxford meint, Dawkins festnageln zu können: “Er hält den Glauben an die Dreifaltigkeit von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist, wenn er Kindern gelehrt wird, für mentalen Kindesmissbrauch. Zugleich behauptet er von sich selbst, ‘keine Art von Denkverbot könnte jemals Bestandteil meines Weltbildes sein’. Den Widerspruch sieht er offenbar nicht”. Ich auch nicht. Die religiöse Indoktrination von Kindern kann nicht durch Gesetze oder Denkverbote abgeschafft werden, sondern nur durch gesellschaftlichen Diskurs. Dawkins sucht Auseinandersetzung, nicht Krieg. Aber das hat auch…
  • … Dr. Wilhelm Kuhlmann aus Dortmund nicht verstanden, dessen Leserbrief mit dem ganz dummen Statement beginnt: “Ein atheistischer Fanatiker kämpft gegen religiöse Fanatiker”. Und danach wird es auch nicht besser.
  • Besonders schlau wähnt sich auch Erich Kolb aus Bayern: “Dawkins Argumente gegen Gott haben einen gravierenden Denkfehler: Von nichts kommt eben nichts! Deshalb muss es jenseits von Zeit und Raum etwas geben als Ursprung von allem, was ist”. Und der Ursprung dieses “etwas”? Klassischer Denkfehler der Kreationisten: Jede Schöpfung braucht einen Schöpfer – aber wer hat den Schöpfer erschaffen?
  • Man überlasse es allerdings der einzigen Frau im Kreise, besonders krude zu argumentieren: “Herr Dawkins unterschlägt dem Leser eine der grundlegendsten Erkenntnisse der Genetik, ohne die die Evolution gar nicht zu erklären wäre: den genetischen Code. Die Universalität des genetischen Codes ist ein starkes Argument für nur einen, gemeinsamen Ursprung aller Lebewesen auf unserer Erde. Wer hat sich das ausgedacht?”. Den Beweis der naturwissenschaftlichen Entstehung des Lebens als Grundlage einer Schöpfungstheorie zu nehmen – da gehört Chuzpe zu. Wenn überhaupt, ist der universelle Code ein Beweis, dass wir alle von den selben Basis-Lebewesen abstammen, und somit die christliche Schöpfungslehre und die Bibel falsch sind. Und wenn sich jemand den Code “ausgedacht” haben muss – wer hat sich diesen jemand ausgedacht?

Die Leserbriefe zeigen einen erschreckenden Mangel an Bereitschaft, sich auf einen als gefährlich angesehenen Gedanken auch nur theoretisch einzulassen. Die Oberflächlichkeit der hier angeführten Argumentationen ist beschämend, und wenn das alles ist, was die Christen zur Diskussion beizutragen haben, dann ist ein Diskurs (wie von Dawkins mehrfach angemahnt) praktisch aussichtslos.

Es fällt mir schwer, an solcher Stelle nicht polemisch und platt zu werden nach dem Motto: “Na ja, wären die Leut’ klüger, wären’s keine Frömmler.”

Weil es so schön paßt, an dieser Stelle ein kurzer Ausschnitt aus “Real Time with Bill Maher”, in der er eine Statistik kommentiert, nach der 20 Prozent der Amerikaner Rationalisten sind, die nicht an Gott glauben:

Wortvogel eröffnet Geheimdienst!

Gepostet am 22. September, 2007 um 21:29 Uhr
Kategorien: In Arbeit, Neues.

KanoneIch habe die letzten Tage ja nicht sehr viel gepostet, weil: es ist an der Zeit, durch viele Pitches und in häufigen Meetings neue Projekte an Land zu ziehen, damit der Winter nicht gar so öd wird. Schließlich habe ich mir einen sehr ruhigen Sommer gegönnt, und die Rechnungen zahlen sich noch immer nicht von selbst (obwohl – die reinkommenden Tantiemen sind schon eine prima Sache).

Weil der geneigte Leser sich durchaus fragen könnte “Was macht der schräge Wortvogel eigentlich den ganzen Tag?”, will ich an dieser Stelle kurz auflisten, was derzeit auf meiner Agenda steht.

Zuerst einmal habe ich mich nach 15 Jahren als Autor breitschlagen überzeugen lassen, auch für Drehbücher einen Agenten zu nehmen, bzw. eine Agentin. Siehe hier. Warum? Ich kann mich selber recht gut präsentieren, und auch mit Verträgen kenne ich mich aus. Die üblichen Honorare sind mir geläufig, und ich neige nicht dazu, mich über den Tisch ziehen zu lassen. Aber es ist tatsächlich so, dass man mitunter ein Meeting, bei dem man die Begeisterung des Produzenten für einen Stoff teilt, nicht durch lästige Gagenfragen kaputt machen will. Die Agentin ist dafür da, die häßlichen Belange wie Honorar, Abgabetermin, Vertrag etc. zu übernehmen – dafür kann ich mich dann auf die kreative Seite konzentrieren.

Für Romane werde ich seit zwei Jahren von Gerd Rumler vertreten. Auch das hat sich gelohnt – ich habe einfach nicht die Zeit, periodisch bei allen relevanten Verlagen zum Kaffee trinken vorbei zu schauen, und außerdem hat Gerd als alter Hase Kontakte, die mir schon des Öfteren außerordentlich behilflich waren. Mit ihm kann ich auch die mittelfristige Karriereplanung besprechen, damit ich mich nicht verheddere. Ich möchte seine Unterstützung nicht missen.

Bei der Auswahl der Agenten war nicht der Prozentsatz ausschlaggebend, den sie von meinem Honorar abknappsen, sondern die persönliche Sympathie. Meinem Agenten muss ich (halb)blind vertrauen können, und er muss Verhandlungen besser führen, als ich das könnte. Bei Gerd und Monika fühle ich mich gut aufgehoben.

Zwei Agenten – darum der Titel des Beitrags: Ich könnte langsam einen eigenen Geheimdienst aufmachen.

Nun aber zu den Projekten, an denen ich gerade arbeite – man möge mir verzeihen, wenn ich mitunter recht vage bleiben muss:

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Unbezahlte Werbung in eigener Sache!

Gepostet am 22. September, 2007 um 20:19 Uhr
Kategorien: In Arbeit, Neues.

Drosselbart DVDEs ist mal wieder soweit – gegen gutes Geld kann sich der geneigte Leser dieses Blogs eine Ausgeburt meiner wenn nicht kranken, dann doch zumindest fragwürdigen Phantasie zulegen. Unter anderem bei Amazon gibt es die DVD mit meinem “König Drosselbart” und dem “Schneewittchen” meines Kumpelkollegen Hillefeld.

Die Extras sind zwar nicht über die Maßen üppig, aber trotzdem vorhanden: Ein paar Deleted Scenes (u.a. das eigentlich geplante Ende des “Drosselbart”), eine Handvoll sehr putziger Blooper, eine Tour über das Set, ein Einblick in die SFX, ein Blick hinter die Kulissen, und eine Sackladung Trailer und TV-Aufsprecher. Kann man nicht meckern – meine Visage ist auch mal im Bild, und der Hillefeld wird “Vollarsch” genannt. Das allein dürfte den Preis der DVD wert sein. Nicht? Na gut, dann sehe ich mal zu, dass ich nächste Woche drei von den Dingern verlose…

Audiokommentar gibt’s nicht – man hat uns nicht gefragt. Wen es drängt, meine Stimme zu hören, der kann sich die DVDs zu “Böse Nacht Geschichten“, “Sumuru” oder “Apokalypse Eis” zulegen.

Außerdem gibt es Neues von der Bücherfront zu vermelden: Ein taiwanesischer Verlag hat die Rechte am “Ring der Nibelungen”- Roman gekauft. Ich vermute mal, deren Fassung wird nicht so haltbar sein wie die deutsche, dafür mit mehr Funktionen und USB-Anschluss. Der Verlag meint, es ginge um die “chinesischen Langzeichen- Rechte”, was immer das sein mag…

NACHTRAG: Was mir übrigens nicht ganz klar ist – warum bieten Leute bei Ebay schon mehr als 4 Euro für eine gebrauchte “Apokalypse Eis”-DVD, wenn man den Film neuwertig bei Amazon für weniger als 2 Euro bekommt?

Wortvogel im Paradies

Gepostet am 18. September, 2007 um 16:39 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues, Privates.

Harald Dolezal ArchivDinge, die sein müssen, müssen sein. Und manchmal muss ich halt nach Wien.

Dort wohnt Harald Dolezal, ein lieber Österreicher von geradezu aufdringlicher Gastfreundlichkeit, der eines der größten Archive Europas besitzt, wenn es um Pressematerial, Bücher, Plakate, Zeitschriften und Fotos zum Thema phantastischer Film geht. Viel zu selten habe ich die Zeit, mit dem Wagen nach Österreich zu fahren, um dort meine angesammelten Schätzchen abzuladen, lecker zu essen (Haralds Mama kocht spitze – danke!), und mir in 16 Stunden-Schichten wirklich alles einzuscannen, was ich interessant und/oder für Bücher und Artikel verwertbar finde.

Am Wochenende war es aber endlich mal wieder so weit, und zusammen mit Doc Acula, dem Webmaster von Badmovies, heizte ich in aller Herrgottsfrühe gen Austria, wo der Milchshake Kaltschale heißt, und Aldi Hofer. Im Kofferraum: Vier Kisten mit alten Fotos, Zeitschriften und sonstigen Sammlerstücken, sowie vier Notebooks und zwei Scanner.

Und wahrlich – es hat sich gelohnt: Als wir uns nach 15 Dosen Almdudler zur Geisterstunde wieder auf den Rückweg machten, hatten wir über 600 Exponate gescannt, darunter viele außerordentlich seltene Einzelstücke. Nicht alle erfüllen einen konkreten Zweck – Dutzende von Artikeln aus den frühen “Cinefantastique”-Ausgaben habe ich mir zum persönlichen Lesevergnügen gesichert. Aber mir sind auch wieder hübsche Berichte und Fotos zu alten Charles Band-Filmen in die Hände gefallen, die ich in meinem Buch über den Regisseur wunderbar präsentieren kann.

Damit ihr einen Eindruck bekommt, wie es bei Harald so her geht, und was man dort alles erleben kann, habe ich euch ein paar Fotos mitgebracht. Klickt auf das Bild für die Galerie (die p- und n-Tasten erleichtern übrigens die Navigation in der Lightbox).

Danke Harald, bzw. den Dolezals allgemein. Bald wieder!

Kritik: “Chuck und Larry”

Gepostet am 13. September, 2007 um 18:33 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Chuck und LarryStory: Chuck und Larry sind zwei Feuerwehrmänner, die füreinander durch dick und dünn gehen, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Larry ist ein ruhiger Witwer mit zwei Kindern, während Chuck sein Image als Lebensretter nutzt, um fleißig Mädels abzuschleppen. Eines Tages hat Larry ein Problem: Er kann seine Kinder nicht als Begünstigte in seiner Lebensversicherung eintra- gen. Einen Lebenspartner schon. Chuck läßt sich breit- schlagen, als Larrys “schwu- ler” Freund aufzutreten, solange es nicht publik wird – was natürlich augenblicklich geschieht. Die beiden müssen sogar, um nicht wegen Betrugs in den Knast zu wandern, in Kanada heiraten. Zu dumm, dass Chuck sich gerade jetzt in die heiße Anwältin Alex verknallt…

Kritik: Eine Sommerkomödie, maßgeschnitten für zwei Stars, mit gerade genug “frivolen” Gags, um nicht für einen neuen TV-Film gehalten zu werden – “Chuck und Larry” ist keinen Deut besser oder anders als z.B. “Hitch, der Date-Doktor”. In den USA hat der Film auch schon über 100 Millionen Dollar eingespielt.

Eigentlich könnte ich es damit gut sein lassen. Diese Filme sind ungefähr so kritikresistent wie die neuste (hundertste) Liebeskomödie mit Drew Barrymore – entweder man mag es, oder keine Kritik der Welt kann einen überzeugen, sich so etwas anzutun. Natürlich spielt der Film auch wieder im Märchen-New York, das in Hollywood erfunden wurde: es besteht ausschließlich aus einer hübschen Vorstadt, den Hochhäusern von Manhattan, dem Central Park- und wirklich JEDER hier kann sich atemberaubende Penthäuser leisten.

Trotzdem gibt es in “Chuck und Larry” vieles, was man loben kann – der Film ist ein nahezu perfektes Beispiel für saubere Skript-Struktur: Da sitzt jede Szene, und keine Requisite und keine Nebenfigur wird eingeführt, ohne später von Bedeutung zu sein. Sowohl Chuck als auch Larry lernen durch ihre “Ehe” etwas dazu (Chuck verliert die Bindungsangst, Larry kommt über seine tote Frau hinweg), und die Hindernisse dorthin sind so logisch wie zwingend. Das Gag-Tempo ist vergleichsweise hoch, man ist sich für wirklich KEINEN blöden Spruch zu schade, und am Ende passt alles zusammen wie bei einem Puzzle.

Für mich blieb nur eine Frage offen: Wann bekommt Jessica Biels Hintern eine eigene Nennung im Vorspann? “Also starring – Jessica Biels butt”. Er hätte es verdient – er ist spektakulär, und häufiger im Bild als ihr Gesicht (das auch nicht zu verachten ist).

Fazit: “Chuck und Larry” ist eine in jeder Beziehung vorhersehbare, aber nichtsdestotrotz sehr unterhaltsame Sommerkomödie für den lauen Kinoabend mit der Freundin. Wer kein Date hat, kann locker bis zur Ausstrahlung auf (vermutlich) ProSieben warten…

Guter Tipp

Gepostet am 12. September, 2007 um 21:54 Uhr
Kategorien: Lustiges, Neues.

Bürgerkönig-PostilleEs musste sein: Nach dem Pressescreening eines neuen Films zum Hauptbahnhof gedackelt, und mangels Interesse an richtigem Essen beim Bürgerkönig eingekehrt. Um die Magazine nicht fettig zu schmieren, habe ich mir dieses kostenlose Blättchen mit Konsumkritiken geholt, über die versuchten “Künstlerporträts” gelacht, und dann mal nachgesehen, ob die Schreiberlinge der Postille bei den aktuellen Filmen meiner Meinung sind.

Im Falle von “Shoot ‘Em Up” sind sie das. Der Film wird mit einer Menge an Superlativen belegt, die schwindelig macht.

Hier mal die Inhaltsangabe:

seu2.jpg
Alles gut und schön, nur – DQ ist nicht die Mutter des Babys (wie sich in meinem Review auch schön nachlesen läßt). Zu ihr geht Smith erst, als er Milch für das Kind braucht.

Wie kommt so ein Fehler zustande? Gewöhnlich, in dem ein Redakteur flüchtig überflogene Pressetexte abschreibt, und falsche Schlüsse zieht. Gesehen hat der Schreiberling den Film auf jeden Fall nicht – was die Frage erlaubt, wie er dann so ausführlich dessen Vorzüge loben kann.

Die Quintessenz des unbekannten Kritikerpapstes:

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Finde ich auch – besonders, wenn man darüber schreiben will…

Kritik: “Bloodrayne 2: Deliverance”

Gepostet am 12. September, 2007 um 20:25 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Bloodrayne 2 DVD CoverIch neige nicht zum Masochismus. Wenn wir etwas nicht gefällt, dann lasse ich die Finger davon. Ich habe Sushi gegessen – einmal reicht. Ich war Mitglied in einem Fitness-Studio – nie wieder. Ich erinnere mich an blaue Cocktails – danke nein.

Warum also schaue ich mir immer wieder die Filme des deutschen Minustalents Uwe Boll an wie eine verprügelte Ehefrau, die ihrem Gatten glaubt, dass er sich diesmal “ganz bestimmt” geändert hat? Warum kann ich von den cineastischen Monströsitäten dieses Egomanen, der seine Kritiker gerne mal im Ring verhaut, einfach nicht lassen? Wie blind, blöd und besoffen muss ich sein, um nach “House of the Dead”, “Alone in the Dark”, und “Bloodrayne” auch noch “Bloodrayne 2″ in den DVD-Player zu lassen?

Boll hat weder das Interesse noch das Talent, gute (ach was – erträgliche!) Filme zu drehen. Mit Investorengeldern und Subventionen im Rücken sucht er nie nach einem Thema – er sucht nach Aufhängern, die Publicity und breite Vermarktung garantieren. Videospiel-Verfilmungen schienen ihm lange als “das nächste große Ding” – was sie vielleicht auch geworden wären, wenn er das Genre nicht eigenhändig ins Grab gefilmt und dann draufgepisst hätte. Seither besinnt er sich auf seine Wurzeln (“Barschel – Mord in Genf”), und macht das, was er für schlagzeilenträchtiges Politkino hält (“Postal”, “Tunnel Rats”). Und weil “torture porn” gerade in ist, verkündet er, mit “Seed” die ultimative zynische Schlachtplatte abgeliefert zu haben.

Die Filme selber sind dann Beiprodukte der bollschen Vermark- tungsmaschine, feigenblättrige Schlusspunkte, wenn die Kampagne vorbei, und die Karawane schon beim nächsten Aufreger ist. Boll dreht wie im Wahn – und ich möchte nicht ausschließen, dass das wörtlich genommen werden muss. Vier Filme (“Postal”, “Tunnel Rats”, “Seed”, “In the Name of the King”) warten auf Veröffentlichung, die Verfilmung von “Far Cry” (mit Til Schweiger!) ist in Arbeit, “Alone in the Dark 2″ ange- kündigt. Außerhalb seiner Sphäre wird angeblich an weiteren Sequels zu “House of the Dead” und “Bloodrayne” gearbeitet.

Was an Uwe Boll erschüttert, ist der offensichtliche Zugriff auf die richtigen Mittel (Geld, Drehorte, Effekte, Schauspieler), und die ebenso offensichtliche Unfähigkeit, daraus ein marktfähiges Produkt zu machen. Boll arbeitet grundsätzlich (vorsätzlich?) mit Drehbüchern, die debil-stolz auf Charakterisierung, Handlungs- bögen und interne Logik pfeifen. Szenen wirken wie willkürlich aneinander gereiht, Dinge passieren, und irgendwann müssen der Gute und der Böse gegeneinander kämpfen, weil 90 Minuten vorbei sind, und ohne Showdown ja der Nachspann nicht kommen kann. Bei Boll-Filmen kann man Schauspielern ansehen, wie peinlich ihnen die Dialoge sind, und dass die Motivation vom Bankkonto kommt.

Es ist kein Wunder, dass Boll im Laufe der Jahre sowas wie eine “repertoire company” aufgebaut hat, einen Stamm von mäßig begabten Mitstreitern, die ihm folgen wie einem Guru. Die Loyalität zu Boll verlangt eine Form von hirnbefreitem Gehorsam, die man wohl nur von engsten Freunden verlangen kann.

Und damit kommen wir endlich zu “Bloodrayne 2″:

(mehr…)

Lesen. Nachdenken. Zustimmen. Sofort.

Gepostet am 12. September, 2007 um 13:19 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues.

Das auch im neuen SPIEGEL abgedruckte Interview mit Richard Dawkins ist online. Und wieder einmal beschämt mich seine Fähigkeit, die grundsätzlichen Denkfehler zum Thema Religion in knappe, seriöse, und stimmige Sätze zu fassen – besonders, weil die beiden SPIEGEL-Interviewer sehr mühsam dagegenhalten…

Worum geht’s in dem Artikel nochmal?

Gepostet am 11. September, 2007 um 01:24 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.

Eben bei BILD.de:

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In eigener Sache

Gepostet am 9. September, 2007 um 18:33 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

Drosselbart (c) ProSiebenMir ist egal, ob meine Folge der Pro- Sieben “Märchenstunde” morgen nur 12 Prozent in der Zielgruppe macht – unter den regelmäßigen Besuchern meines Blogs erwarte ich eine Einschaltquote von mindestens 50 Prozent, gell?

Seid bloß froh, dass ich das nicht kontrollieren kann!

Wer sich vorher nochmal schlau machen will, kann gerne auf das Produktionstagebuch und den Setbericht zurückgreifen…

Im Anschluß darf hier gerne diskutiert werden. Diskutiert, nicht gestänkert, klaro? Ich hab’ schließlich auch Gefühle…

Anmerkung: Seit heute habe ich das Lightbox-Plugin – das obige Bild kann also durch anklicken bequem vergrößert werden. Noch sind nicht alle Macken beseitigt, aber mein IT-Knecht müht sich…

NACHTRAG: 11,7 Prozent in der Zielgruppe – da habe ich doch gar nicht so schlecht geraten. Sicher kein Knaller, aber über Senderschnitt, und gegen ein SEHR starkes “Tarragona” (über 23 Prozent). Außerdem ist die Episode in den Foren bei den Fans sehr gut angekommen. Ich werde heute nicht in Champagner baden – aber die Pulsadern bleiben auch zu…

Trüffelsucher TV-Tipp: Von Sex bis Simmel

Gepostet am 8. September, 2007 um 17:51 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

sr

Weil ich mich letzte Woche so geärgert habe, ein paar TV-Delikatessen im Nacht- programm der Öffentlich- Rechtlichen verpaßt zu haben, schaue ich mittlerweile wieder genauer hin, was das Wochenende televisionär zu bieten hat. Und damit ich euch nicht immer a posteriori eine lange Nase drehe, teile ich künftig mit, wenn ich was Verheißungsvolles finde.

In den frühen Morgenstunden (3 Uhr, Samstag auf Sonntag) beglückt uns arte mit einer Dokumentation über den deutschen Film der 70er Jahre. 65 Minuten, für die es sich vielleicht nicht lohnt, wach zu bleiben – aber dafür gibt es ja DVD-Rekorder.

Ich bin dabei – ihr auch?

NACHTRAG: Sonntag Mittag. Ich habe mir die Sendung gerade angesehen. Nichts wirklich Neues, aber einige interessante Zeitzeugen-Interviews. Konsequent fand ich auch die gemeinsame Eintütung von Schulmädchen-Reports und Simmel-Filmen als simple Kommerzkolportagen, die quasi ein Gegengewicht (wenn nicht gar Folge) der massenuntauglichen Autorenfilme darstellten. Erfreulich auch die Einsicht mancher Kunstregisseure, man habe damals vielleicht einfach zu verbissen am Publikum vorbei produziert. Nur Edgar “Heimat” Reitz, der sich über Jahrzehnte vom Fernsehen hat aushalten lassen, fühlt sich immer noch in der moralisch absolut unangreifbaren Überlegenheit. Soll er.