Lotta in Love – eine Story mit Folgen I
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, In Arbeit, Neues.
Kaum einer wird es gemerkt haben, allenfalls die Leser von Quotenmeter, denn dort wurde gestern darauf hingewiesen: Heute morgen um 5.50 Uhr lief die 130. und letzte Episode der Telenovela „Lotta in Love“.
Ich habe „Lotta“ erfunden. Die Serie mit Christian Becker und Anita Schneider dem Vorstand des ProSieben- SAT.1-Konzerns vorgestellt. Das Autorenteam geleitet. Die meisten Episoden verfasst.
In meiner Abstellkammer stapeln sich noch Werbebanner, Poster, Bücher, Gläser, T-Shirts, Taschen, Tops, Magazine – alles Erinnerungsstücke, die ich bestimmt niemals hergeben werde.
LiL wurde von Anfang an stark kritisiert. Ein nennenswerter Erfolg war der Serie nicht beschieden. Es gibt immer noch Menschen, die glauben, sie würden mich damit treffen können, wenn sie auf die mangelnden Quoten verweisen. Es wird gerne versucht, mir einzureden, „Lotta“ sei der Makel auf meiner ansonsten recht sauberen Autorenweste.
Alles Unsinn. Ich war immer stolz auf LiL – bin es heute noch. Und an keinem anderen Projekt bin ich so gewachsen, von keiner Serie habe ich soviel gelernt wie von meiner eigenen. Es war eine nicht weniger als fantastische Zeit, und es gibt keine Minute, in der ich mir wünschte, an einem bestimmten Tag im März 2005 meine große Klappe gehalten.
Das Ende der Serie auf einem unrühmlichen Sendeplatz ist vielleicht der beste Anlass, mal die Geschichte von LiL zu erzählen, so wie ich sie erlebt habe. Es ist beileibe nicht die Wahrheit – es ist nur meine Wahrheit. Vieles kann ich nicht belegen, vieles mag ich falsch verstanden haben, und Vielen werde ich Unrecht tun. Aber für diese Geschichte, meine Geschichte, soll es mir egal sein…
Es begann also, wie oben angedeutet, im März 2005. Ich war noch ziemlich ausgelaugt von der frustrierenden Arbeit an „Vollgas“, und buchte einen Urlaub in Ägypten, um zwei Wochen lang auszuspannen. Das ZDF hatte mit „Wege zum Glück“ einen erstaunlichen ersten Erfolg mit einer deutschen Telenovela verbucht. Für mich war das nicht relevant – Soaps oder Daytime im Allgemeinen sind nicht mein Thema, und die öffentlich-rechtlichen Sender für mich keine Heimat.
Aber dann kam „Verliebt in Berlin“. Die Serie schaffte schnell den Sprung in die Spitze der Quotencharts, und machte Alex Neldel zum Superstar (ich hatte sie ein halbes Jahr zuvor bei einem Grillfest kennen gelernt – und jawohl, sie ist genau so nett, wie sie zu sein scheint). Mir war klar, dass nun aus dem „Glücks- treffer“ von „Wege zum Glück“ ein Trend werden würde – mit einer Flut von Nachziehern. Trotzdem nicht mein Thema…
Ich sprach noch mal mit der Produzentin von „Vollgas“, bevor es in den Flieger ging. Irgendwie kam ich drauf: „Jeder wird jetzt Telenovelas machen – und ProSieben hinkt hinterher. Wenn man schnell ist, kann man jetzt noch gut einsteigen.“ Die Produzentin stimmte zu, gab aber zu bedenken: „Woher nehmen wir den Stoff?“. Im Gegensatz zu „Verliebt in Berlin“ hatte ich keine Lust, eine alte Telenovela-Idee aus Mittelamerika zu verwursten. Ich versprach ihr, mir ein paar Gedanken zu machen, bevor ich in den Urlaub ging.
Die paar Gedanken führten zu einem „pitch paper“, einem knapp umrissenen Konzept auf zwei Seiten. Es hieß „Lena – Liebe im Doppelpack“. Die Story: Junge alleinerziehende (und schwer genervte) Mutter eines siebenjährigen Sohnes wird mit einer berühmten Sängerin verwechselt – und muss für diese einspringen, als die Sängerin einen Totalausfall hat. Dazu noch ein paar Gründe, warum dieses Konzept gerade bei ProSieben funzen würden (junge Zielgruppe, viel Musik und Mode, etc.)
Auf einer weiteren Seite erklärte ich noch andere Ansatzpunkte, über die man nachdenken könne: Eine Telenovela in einem Hotel, eine typische „Mädchen wird Prinzessin“-Geschichte, etc. Aber mein Hauptpitch war „Lena“. Ich emailte es am Tag meines Abflugs raus.

Und dann fuhr ich in Urlaub.
Wer mich kennt, der weiß, dass ich unterwegs nicht leicht zu erreichen bin. Ich genieße es, kein Handy dabei zu haben, und wenn ich am Pool liege, kann mir das Internet auch prima gestohlen bleiben. Ich brauche für das Hotelzimmer nur mein Notebook, um abends in Ruhe ein paar Filme oder Serien sehen zu können. Für Ägypten hatte ich unter anderem die ersten 15 Folgen von „House“ eingepackt. Eine weise Entscheidung. Ansonsten war das Hotel nämlich langweilig und hässlich, das Wetter viel zu heiß, und das Essen eine Katastrophe (wenigstens wurden am Pool Nacktaufnahmen von russischen Models gemacht).
Und doch: Einmal schaltete ich mein Handy ein, um einer lieben Freundin telefonisch zum Geburtstag zu gratulieren. Kaum blinkte das Display, kamen auch schon die nervigen Hinweise: Sie haben eins, zwei, drei, vier, fünf Textnachrichten. Ich HASSE SMS. Ich schreibe auch keine. Doch das schlechte Gewissen piekte, und nach dem Telefonat schaute ich mal nach, wer was von mir wollte. Christian Becker von Rat Pack Entertainment. Etwa in dem Stil: „SOFORT melden! Ganz wichtig!“. Leicht angefressen tat ich, wie mir geheißen war, und als Christian dranging, begann ich das Gespräch mit dem Satz: „Christian, dies ist vermutlich der teuerste Anruf meines Lebens – aus Ägypten mit dem Handy. Also mach es kurz.“
Lesen Sie morgen: Wieso “Lena”?! Wieso hat die ein Kind? Und was will der Becker denn nun genau?