Lieber Ulf Poschardt (c/o Vanity Fair)…
Wow! Sie haben ja mächtig Wut im Bauch.
Glücklicherweise haben Sie als Chefredakteur der “Vanity Fair” auch ein prima Forum, sich Luft zu machen. Zum Beispiel im Editorial der neusten Ausgabe, die ich weiter unten ja schon (unter Vorbehalt) empfohlen habe.
Was Sie da in drei Spalten nicht alles auffahren: “Blockwarte” sind Ihre Feinde, “Spinner” auch, “Spießer” mehrfach, vom “Sozialneid” überschattet, von einer “Gleichheitskrankheit” befallen, “verbitterte Ignoranten” mit “überschaubarem Weltbild”, die sich “ihr Feindbild nicht durch Fakten vermiesen” lassen.
Genau! Nicht weniger Schelte verdient die Ökopaxe, weil sie Ihnen die Luft aus den Reifen gelassen hat. Wohlgemerkt – nicht aus den Reifen Ihres Wagens, sondern aus dem Alfa Spider- Testwagen, den Ihnen der Hersteller vor die Tür gestellt hatte.
Es fing an mit Brandanschlägen auf Kaufhäuser, ging weiter mit den Ermordungen von Buback und Schleyer – und jetzt das! Wo ist der gottverdammte Polizeistaat, wenn man ihn mal wirklich braucht?! Wofür zahlen Sie eigentlich Ihre Steuern?
Verstanden haben diese gewissenlosen Radikalos ja sowieso nichts, und das können Sie belegen: “Den Alfa Spider gibt es… auch als Diesel: Der braucht nur 6,8 Liter auf 100 Kilometern.”.
Eben! Den kann man quasi aus dem Feuerzeug betanken!
Allerdings – die Schleuder vor Ihrer Tür war vermutlich eher der Spider 3.2 JTS mit Q-Tronic, oder? Schöngerechnete 12,2 Liter Super für einen Zweisitzer bei 289 Gramm CO2 pro Kilometer.
Ja ja, die Ökos – keinen Sinn für die feinen Dinge des Lebens: “Heute gibt es 7er-BMWs mit Wasserstoff-Antrieb und Audi Turbodiesel, deren Verbrauch jeden Kleinwagen schmutzig aussehen lässt”. Gut, den erwähnten BMW kann man noch nirgendwo kaufen, und der 6er Audi 2.7 TDI bricht mit 7,3 Litern auf 100km keine wirklichen Rekorde. Irgendwie bezweifle ich auch, dass einer von beiden im Verbrauch meinen Lupo 3L schmutzig aussehen lässt. Aber es geht halt ums Prinzip, gelle?
Früher war sowieso alles besser: “Schon in den 70er Jahren ließen sich Porsche Carreras mit neun Liter Normalbenzin fahren – als szenebeliebte VW Käfer in der Stadt fast das Doppelte schluckten.” Gut, neun Liter (im Stand?) – saubere Leistung. Da muss der Porsche Cayenne noch üben, wo er doch aktuell bei Vollgas über 60 Liter Super+ wegsäuft.
Überhaupt geht das alles am Thema vorbei. Sie sind nicht nur Opfer eines gemeinen und sinnlosen Anschlags, Sie sind außerdem noch unverstanden: “Hätten die Aktivisten nur etwas genauer auf die Häuser geblickt, …, sie hätten die Solardächer und Doppelverglasungen entdeckt, …, die naturnahen Gärten und die vielen richtig gesetzten Vogelhäuser, …, die Armadas von Fahrrädern”.
Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie nicht mit einem dieser genannten Fahrräder zur Redaktion geradelt sind? Überhaupt vermisse ich bei all den Auslassungen über PKWs den Hinweis, was Sie sonst eigentlich so fahren (außer Taxi). Unter 200 Pferden aus biologischer Aufzucht drehen Sie doch bestimmt gar nicht erst den Zündschlüssel, oder?
Okay, Nachricht angekommen: Die Ökos sind alles bornierte Drecksäue, die Ihnen den Spaß am Auto versauen wollen. Die wahren Naturschützer sitzen in Grünwald, in Oberkassel, in Starnberg. Beharren Sie auf dieser These! Sonst bekommen Sie womöglich noch sowas wie ein schlechtes Gewissen (googeln Sie mal), wenn Sie in Ihrem Blatt Wagen wie den Bentley Azure anpreisen, der für “ab ca.” 325.600 Euro lungenfreundliche 465 Gramm CO2 pro Kilometer raushustet.
Bei all den nachhaltigen Sachen, die Sie machen könnten, wenn Sie nur wollten, sähen die Müslifresser im direkten Vergleich echt alt aus. Die sollen bloß froh sein, dass sich Ihr ökologisches Engagement auf solche Editorials beschränkt.
Andererseits: Die Menge an heißer Luft, die Sie ablassen, trägt sicher gefährlich zum Klimawandel bei.
Ihr Torsten Dewi
NACHTRAG: Weil es so schön passt…