Sorry für die Pause zwischen den Reviews, aber ich war gegen Ende des Festivals ziemlich ausgepumpt. Die restlichen Kritiken reiche ich in Kurzform nach.
Weitere Informationen zu allen Filmen finden sich hier.
FREE JIMMY (Norwegen, England 2006)

Story: Verschiedene Gruppen (Tierschützer, Ganoven, lättische Mafia) sind hinter dem Junkie-Elefangen Jimmy her, dem ein Haufen Drogen unter die Haut gepflanzt wurde. Jimmy gelingt die Flucht in die norwegische Ödnis, wo er sich mit einem Elch anfreundet. Die komplett hirnbefreiten Verfolger machen sich derweil gegenseitig das Leben schwer…
Kritik: Wenn nichts sonst, beweist “Free Jimmy” doch, dass man mit CGI mehr machen kann als Filme über Pinguine und Trolle. Manchmal fühlt man sich an den rüden Humor und den Stil von Robert Crumb erinnert, zumal beim Skript sicher auch die englische Bearbeitung von Simon Pegg (“Shaun of the Dead”) geholfen hat. Leider ist “Free Jimmy” trotzdem relativ fade, denn keine der Figuren ist nennenswert symapthisch, und einen wirklichen Fokus hat die Story auch nicht. 75 Minuten lang gehen sich alle Beteiligten rechtschaffen auf die Eier, und dann kommt es zu einem eher unbefriedigenden Ende. Geradezu bizarr ist allerdings die Drogentherapie, die der Elch mit Jimmy durchzieht – entweder ist das der Gipfel schwarzen Humors, oder es ist wirklich herzzerreissendes Melodrama. Technisch kann “Free Jimmy” in der Environment-CGI und bei der Beleuchtung kräftig punkten, bekommt aber Abzüge bei der Charakter-Animation, den Bewegungen und dem Lip-Synching.
Ein CGI-Film für Biertrinker, die Elefantenkotze komisch finden.

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OUT OF THE BLUE (Neuseeland 2006)

Story: In dem beschaulichen, aber ärmlichen Küstenort Aramoana dreht eines Tages der einsiedlerische David Gray durch: Er ballert einen Nachbarn weg, der sich beschwert hat, und zündet dessen Haus an. Dann schnappt er sich den Rest seiner beträchtlichen Waffensammlung, und richtet in der Nachbarschaft ein Massaker an. Die völlig überforderte Polizei ist nicht in der Lage, den Spinner auszuschalten.
Kritik: Ja, schon kapiert – das soll alles quasi-dokumentarisch sein. Hart an der Realität. Also keine Charakterentwicklung, Handlungsbögen, Hauptfiguren oder sonstwas, das man gemeinhin mit dem Begriff “Film” verbindet. Meine Fresse, was für ein langweiliger Streifen! 20 Minuten dröges Dorfidyll, bis endlich mal was passiert, und nach der ersten Attacke kriechen 30 Minuten lang Leute flüsternd durch die Gegend, ohne dass was passiert. Mag ja sein, dass die Tat von David Gray (natürlich “basierend auf Tatsachen”) für Neuseeland traumatisch war – traumatisch ist für den deutschen Zuschauer allenfalls die komplette Unfähigkeit der Macher, aus realen Ereignissen eine funktionierende Dramaturgie zu destillieren. Und nein, der Typ links auf dem Bild ist nicht Robert Palmer. Robert Palmer ist tot.

zu “Out of the Blue”)
Da kann ich in allen Punkten zustimmen. Bei der Abstimmung im “Fresh Blood”-Contest hatte ich noch eine gnädige 4 als Schulnote abgegeben. Das Thema wurde auf ganzer Linie verfehlt. Das war nichts meine Herren PUNKT
Okay, ich schreib’ noch was, bei BM bin ich mim Film ja gemeiner umgegangen.
*spoiler on*
Ja, wie du es ansprichst, was einem da die Kamera an Dramaturgie bietet – man verzeihe mir, an mangelnden Respekt liegt es nicht und schließlich gab es im RL für die Heldentat dann auch einen Orden – war uuuurkomisch. Im Jogginganzug und angelegter Handtasche robbt sich eine liebenswürdige Dame im gesetzten Alter vom Kaliber der Sophia aus den “Golden Girls” unbeirrt durch einen Graben, und kontaktet einen Verletzten um nach dem Rechten zu schauen bzw. Hilfe zu holen, hin und zurück, hin und zurück. Und die Kamera hält da immer schön drauf und zeigt, wie das dann so funktionert, das durch den Graben Robben, hin und zurück, hin und zurpück. Ja, die Reaktionen auf den billigen Plätzen aufem FFF muss ich nicht weiter zum Besten geben. Muss das denn sein, die Herren Drehbuchautor und Regiesseur!!!
*spoiler off*
Nein so wie ich mich drüber schon artukuliert habe, man hätte besser daran getan, ein Dokumentation für das Fernsehen drauß zu machen und das Kinopublikum damit nicht weiter zu behelligen. Da kommt kaum was an Information bzgl. dem Täter rüber, außer dass es sich um einen verwarlosten Einsiedlerkrebs handelt, was allerdings keine Kunst bei der ganzen Blase von Kiwis in der Ortschaft ist – die sind kaum besser.
Der Streifen ist einfach Wortkarg und kann mit Impressionen und Schauspiel kaum der Belichtung der Umstände hinter den Ereignissen dienlich sein. Sicher, es gibt zumindest am Anfang Bemühungen, den verwirrten Zustand des Antagonisten im Wahn als Monolog herauszubrechen. Hätte man weiter den Weg verfolgt, ich hätte damit sicher mehr mit anfangen und wirklich in das Seelenleben eintauchen können.
Was mir gefallen hat war, wenn natürliche Zeitgefüge aufgehoben und ineinander geschoben wurden und erst zum “entscheidenden” Moment mit dem Aha-Effekt “wie ein Schlag auf die Zwölf” zu Tage gefördert werden – egal, wenn da jetzt nicht verständen wird. So wie der Film geworden ist, hat der erzählerische Kniff keine sonderliche Bewandnis.
Hm, wo ging sowas als RICHTIGER Film gut? Klar, “Cold Blood” sowohl als Buchvorlage von Capote als auch der darauf beruhende s/w Film sind mir da als löbliche Ausnahme geläufig. Oder Jacksons “Heavenly Creatures”. Amen.
“Ein CGI-Film für Biertrinker, die Elefantenkotze komisch finden.”
Den merk’ ich mir mal vor…
@”Out of the Blue”:
Ich fange an, mich erfolgreich als Nestbeschmutzer zu betätigen, da ich langsam am Verstand des FFF-Publikums zweifle. Mit dem zweiten Platz liegen verdammt viele daneben:
1. Ex Drummer
2. Out of the Blue
3. WAZ
Quelle: http://www.fantasyfilmfest.com/
Aber zu meiner positiven Überraschung ist “Ex Drummer” Platz 1 – wahrscheinlich aber aus den ganz falschen Gründen…
“Boah, wa dat geil, ey!”
@Out of the Blue: Guter Film, der es im Gegensatz zu dem unsäglichen “An American Crime” den besseren Weg geht und sich jeden Kitsch und sentimintales Gesabbel spart. Sehr Matter of Fact im minutiösen Aufzeigen der Ereignisse, was bei dem Thema sicherlich die richtige Entscheidung war. Und Ellen Page spielt nicht mit (danke!)…
7/10