Lieber Oliver Pocher…
Sie haben viel einstecken müssen. Der unnötige und unpassende Vergleich mit Harald Schmidt lässt Sie schlechter aussehen, als Sie vermutlich sind. Vermutlich – weil ich mir nie eine Ihrer Sendungen angesehen habe. Bei Ihrem Auftritt auf dem Tollwood-Festival habe ich auch nicht im Publikum gesessen. Was ich von Ihnen weiß, stammt aus penetrant oft wiederholten Trailern auf SAT.1 Comedy, und ein paar Beiträgen in Zeitungen und Zeitschriften.
Nun stelle ich mich vielleicht gegen Trend und Mehrheit, wenn ich sage – ich finde Sie gar nicht so schlecht. Sie besitzen anscheinend jene unprätentiöse Kamerageilheit, die von Talent getragen wird, und ich muss mich wohl dafür entschuldigen, Sie gedanklich in einen Topf mit Leuten wie Tobi Schlegel geworfen zu haben. Es mag an Ihrem jungenhaften Aussehen gelegen haben, das so gar keine humoristische Authorität ausstrahlt.
Die Sache mit der Pornotante? Sowas kann passieren. Ich könnte auch nicht für jede meiner Ex-Freundinnen die Hand ins Feuer legen.
Ich gehe einen Schritt weiter: Monica Ivancan passt zu Ihnen. Kein besonderes Talent, aber immer irgendwie mit modeln, schauspielern, moderieren, und öffentlich zeigen beschäftigt. Die Amerikaner nennen das “arm candy”. Muss man ja nicht heiraten.
Aber hier ist mein Problem. Lesen Sie mal.
Niggemeier hat Recht. Ich arbeite (gerne) für den Sender, aber diese Show ist in meinen Augen menschenverachtend.
Soll ich Monica Ivancan böse sein, weil sie die Chance ergriffen hat, sich in einer Primetime-Show als helfende Prinzessin zu gerieren? Unfug. Sie braucht das, und sie weiß es vermutlich auch nicht besser.
Aber Sie, Herr Pocher, und damit kommen wir zum Thema, wissen es doch sicherlich besser. Sie sind doch einer von der hippen, sanft zynischen, alles-geht-meta-postironisch- personality-Generation im deutschen Fernsehen. So wie der Schmidt, der Raab, der Dittrich.
Haben Sie Ihrer Freundin da nicht abgeraten? Was sagen Sie, wenn Monica abends beim Italiener fragt: “Wie fandst du meine neue Sendung?”. Müssen Sie nicht fürchten, als künftiger Kompagnon von Schmidt über genau diese Form von Fernsehen unerbittlich richten zu müssen?
Wird im eigenen Umfeld ein anderer Maßstab angelegt? Ich sehe das Dilemma ein bisschen wie bei dem Pastor, dessen Frau sich für den Playboy auszieht. Meßwein predigen, aber Wodka Red Bull trinken?
Oder steht man da drüber? Gehört das zur endlosen Kette von Selbstinszenierungen und medienwirksamen Widersprüchen, aus denen man seine Popularität speist? Sind Sie der fettleibige Unternehmer, der seiner Frau gönnerhaft die alberne Boutique finanziert, damit sie sagen kann, sie wäre auch Geschäftsfrau?
Ich mein’ ja bloß zum Denkanstoß…
Ihr Torsten Dewi