Fantasy Filmfest 2007: Death Note
DEATH NOTE (Japan 2006, 126 min, japanische OmeU)
REGIE: Shusuke Kaneko
DARSTELLER: Tatsuya Fujiwara, Ken’ichi Matsuyama, Asaka Seto, Yu Kashii, Shigeki Hosokawa, Erika Toda
DREHBUCH: Tetsuya Oishi, Tsugumi Oba und Takeshi Obata (Mangavorlage)
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Story:
Der brillante Student Light findet ein Notizbuch mit der Aufschrift „Death Note“. Jede Person, die er dort einträgt, stirbt. Anfänglich noch von der Idee getrieben, die Welt von bösen Kriminellen zu befreien, beginnt er schon bald damit, jeden aus dem Weg zu räumen, der ihm irgendwie hinderlich erscheint. Die Polizei versucht mit einer Sondereinheit, der seltsamen Mordserie auf die Schliche zu kommen – Leiter ist ausgerechnet Lights Vater. Nach einer Weile schaltet sich der geniale „L“ ein, den es reizt, den intellektuellen Kampf gegen Light aufzunehmen…
Kritik:
Vielleicht bin ich einfach nicht der Richtige, um japanische Mangaverfilmungen zu besprechen. Ich will das gar nicht ausschließen. Weder lese ich die telefonbuchdicken Comics, noch erfreue ich mich an absurden Mädchen-Trickserien mit 500 Folgen. J-Horror hat mich angesichts der üblichen Storylosigkeit nie fasziniert, und Superhelden-Teams in schwulen Outfits können mir gestohlen bleiben.
Sei’s drum.
„Death Note“ ist die erste Live Action-Verfilmung eines extrem erfolgreichen Mangas, von dem es auch schon eine Zeichentrickserie gibt. Das Thema ist für japanische Verhältnisse nicht unüblich: Allmachtsphantasien und deren moralische Konsequenz. Und natürlich die (intellektuelle, nicht räumliche) Isolation vom Rest der Gesellschaft. Da passt perfekt, dass Protagonist Light in einer Szene Nietzsches „Jenseits von gut und böse“ (auf deutsch!) liest.
Und ich geb’s ja zu: Das klingt auf dem Papier (pun intended) ganz interessant – was wäre, wenn man einfach den Namen einer Person aufschreiben müsste, der man den Tod wünscht?
Aber für meinen Geschmack ist „Death Note“ eine ziemlich fade Angelegenheit. Die Ausrichtung des Films auf Teenager zeigt sich in der extremen Spannungsarmut, den bunten freundlichen Farben (es gibt kaum Nachtszenen), sowie einem Mangel an echter Atmosphäre und nennenswerter Gewalt (die meisten Opfer sterben an Herzinfarkt, und ein Selbstmord per Kopfschuss bleibt komplett blutfrei). „Death Note“ hat den langweiligen Look eines TV-Films, und ist vollgepackt mit product placement. Das geht sogar soweit, dass das eigentliche Totenbuch so lächerlich unecht wirkt, dass es wohl am ehesten dazu dient, eine perfekte Kopie des Merchandisings zum Film zu sein.
Schade eigentlich, denn angesichts des durchaus gewichtigen Themas hätte man aus „Death Note“ eine interessante Meditation über das Recht auf Selbstjustiz und die Todesstrafe machen können. Das scheitert aber vor allem daran, dass das Drehbuch zwar recht clever das Katz & Maus-Spiel von Light und „L“ verfolgt, bei den moralischen Implikationen aber böse stolpert – wir erfahren nie, ob Light wirklich ein moralisches Dilemma verspürt, und warum er relativ relaxed vom „Rächer der Unschuldigen“ zum blutrünstigen Mörder umschaltet. Ein in meinen Augen wesentlich vielversprechenderer Ansatz wäre es gewesen, die moralische Korruption von Light als graduellen Verfall zu zeigen, als unvermeidbaren Abstieg, der mit übermenschlicher Macht verbunden ist.
Auch ansonsten ist das Skript nicht ganz so schlau, wie es sein möchte: An keiner Stelle wird die Frage geklärt, was denn passieren würde, wenn die Polizei Light wirklich fasst. Es gibt wohl kaum einen Paragraphen im japanischen Strafgesetzbuch, der es einem jungen Mann verbietet, Namen in ein Notizbuch zu kritzeln. Und Light könnte jederzeit mit den Morden aufhören (er ist ja kein Psychopath, der morden MUSS) – was er aber unsinnigerweise nicht tut.
Sodele, und bis hierher habe ich Ryuk noch gar nicht erwähnt – den Totengott, dem das Totenbuch eigentlich gehört. Als CGI-Kreatur ungefähr auf Egoshooter-Niveau, ist Ryuk vermutlich die größte vertane Chance des Films. Er frisst die ganze Zeit Äpfel, macht halbgare Sprüche, und trägt nichts, aber wirklich gar nichts, zur Handlung bei. Er ist ein Gimmick, visuell zwischen dem Batman-Gegner „Creeper“ und Eddie, dem Maskottchen von Iron Maiden, angesiedelt.
Und als Tüpfelchen auf dem i hat „Death Note“ kein Ende – nur den Einstieg in den zweiten Teil (den ich auch noch besprechen werde). Das ist schon ziemlich frech.
Zusammenfassend: Visuell witzlos, nicht konsequent durchdacht, zu lang, und teilweise albern. Aber wißt ihr was? Die IMDB gibt einen Durchschnittswert von über 7 Punkten an, und es gibt haufenweise begeisterte Kritiken zum Film. Vielleicht verstehe ich davon tatsächlich nichts. Wer einen Hang zum japanischen Kino hat, sollte daher meine Wertung mit extremer Vorsicht genießen (oder gleich ganz ignorieren).
Dringlichkeit: Man sollte sich den Film sowieso nur als Japan-Allesfresser anschauen, da reicht die DVD allemal
Positiv:
Cleveres Konzept, kein Standard J-Horror
Negativ:
Schwacher Look, keine Suspense, zu lang

Hört nicht auf mich:
“An exciting and suspenseful film that complements fans of the manga, and should appeal to the casual crowd as well. The only thing missing from the film is the sequel to it. And judging from this film, the Death Note film series is in good hands.” – Cinema Repose