Glamour in Giesing

Gepostet am 27. Juni, 2007 um 21:54 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues, Privates.

Wo ich wohn, da wird viel gedreht. Nicht am Rad, nicht an der Uhr – die Leut’ vom Film, die schaffen in meinem Viertel fleißig. Früher mal (so spricht der Nachbar) für “Dr. Stefan Frank”, in den 80ern gar für den “Pumuckl”. Noch 2006 kurbelte Rat Pack fleißig Außenszenen meiner Telenovela vor meiner Haustür, und Anfang diesen Jahres drehte Nissan einen neuen Werbespot.

Was macht meine Gegend so sexy? Ich vermute einen prosaischen Hintergrund – über die Landstraße ist es keine zehn Minuten zum Bavaria-Filmgelände. Da muss das Equipment nicht so weit rumgekarrt werden. Und viel los ist in diesen Straßen auch nicht, da kann man prima sperren.

Anfang letzter Woche lag mal wieder ein Zettel im Kasten:

film0.jpg

Friedrich Ani kenn’ ich – wir wohnen unter der gleichen Postleitzahl. Ich habe ihm eine Email geschrieben, und er antwortete, dass er dieser Tage selber schon einen kleinen Statistenauftritt in der Produktion hatte.

Freitag war es also dann soweit:

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Hier sieht man schön das Zelt, unter dem der Regisseur hockt. Und wie man es sich so vorstellt: Von 12 Stunden stand das Team 11 1/2 dumm rum. Beschäftigt waren allein die Hiwis, die mit Funkgeräten die Gegend abriegelten, und freundlich versuchten, Fußgänger umzuleiten (gar nicht so einfach, denn es gibt ja keine rechtliche Handhabe).

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Im schön renovierten Haus meines Nachbarn (Vordergrund) wurde dann auch gedreht, soweit ich das erkennen konnte. Übrigens führt die Einfahrt neben dem roten Werbeplakat direkt zur Werkstatt vom “Meister Eder”, auf die ich aus meinem Dachfenster spucken kann.

Wegen einiger Regengüsse zogen sich die Dreharbeiten tatsächlich bis in die Nacht:

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Kamerakran, fette Beleuchtung – die Profis hatten alles dabei. Als ich von einer Einkaufstour zurück kam, bat man mich höflich, ich möge meinen Roller doch wieder exakt so hinstellen, wie er schon diverse Male im Bild gewesen war. Schon klar – ICH racker mich seit Jahren ab, und ER kommt ins Fernsehen!

Natürlich war da der Reiz, mich im Feinripp-Unterhemd aus meinem Fenster zu lehnen, und jedes “bitte!” des Regisseurs mit einem krakeelten “Was machen Sie’n da? Ist das angemeldet?” zu beantworten. Dann dachte ich daran, dass ich sowas bei meinen eigenen Filmen auch nicht doll fände, und hab’s gelassen.

Gucken werde ich den Film natürlich – schon wegen des Rollers…

Kritik an der Kritik zur Kritik-Kritik

Gepostet am 26. Juni, 2007 um 15:59 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Neulich erlaubte ich mir einen harschen Verriss einer Kritik auf der Webseite von Quotenmeter, verbunden mit einer generellen Kritik an der journalistischen Qualität und der Schreibe dort.

Die Reaktion darauf war typisch und prompt:

Riedner Antwort

Mit meiner Kritik auseinandersetzen wollte sich Fabian Riedner dann doch nicht – geschweige denn mal nachlesen, worum es in meinem Beitrag überhaupt ging. Die Tatsache, dass Quotenmeter auf meiner sehr pingeligen Link-Liste steht, und dass ich das Angebot in den Kommentaren zum Artikel generell verteidige, ignoriert er geflissentlich. Ich bin nun “der Feind”.

Stattdessen wieder sachliche Fehler (einen Beitrag unter 100 kann man kaum “gerne und ausführlich” nennen), pampiges Gehänsel (“… auf Ihrem Internet-Portal unbeobachtet bleiben”), und der Verweis auf vermeintliche Rechtsverstöße.

Es ist, als wolle der gute Mann genau jenen Mangel an Sorgfalt belegen, von dem ich ursprünglich geschrieben habe. Von den aufgezeigten Fehlern wurde natürlich auch kein einziger korrigiert.

Die Krone setzt er mit dem Hinweis auf, ich dürfe QM nicht zitieren. Sollte man bei jemandem, der eines der großen TV-Portale betreibt, nicht einen Mindest-Kenntnisstand des aktuellen Presserechts voraussetzen dürfen?

Bis heute dachte ich – na gut, der versucht halt, mit untauglichen Mitteln einen vergeigten Text und (verwandten?) Mitarbeiter zu schützen. Sieht fachlich nicht gut aus, ist menschlich jedoch nachvollziehbar.

Heute hat Fabian aber eine Kritik zur dänischen Krimiserie “Anna Pihl” vom Stapel gelassen, die auch seine eigene Qualifikation als Autor zumindest fraglich scheinen lässt. Das ist derart wirr durcheinander geschwurbelt, dass man sich wünscht, Quotenmeter würde bei Kritiken auf Tabellen mit Punktesystem zurückgreifen, und die Inhaltsangaben aus den Presseheften der Sender abschreiben.

Der geneigte Leser soll sich ein eigenes Bild machen, oder es bei diesem Beispielsatz belassen: Durch die teilweise unwichtigen Dialoge, der Wackelkamera und dem häufigen Filmen von Hinten oder der Seite entsteht der Eindruck als wäre «Anna Pihl» eine Realityproduktion.

Und ich befürchte, dass Fabian nicht einmal weiß, was an dem Satz alles Kappes ist…

Ich bin ein Verbrecher

Gepostet am 24. Juni, 2007 um 16:27 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues, Privates.

KnastEigentlich wollte ich mit der weniger spektakulären Überschrift “Ich bin ein Raubkopierer” anfangen, aber laut der “Zukunft Kino Marketing” ist es ja ein und dasselbe. Ich halte meine Raubkopien allerdings für legale Selbstverteidigung gegenüber einer Industrie, die scheinbar besessen davon ist, den legalen Besitz von Software so kompliziert und unkomfortabel wie möglich zu machen.

Meine Gegenstrategie ist einfach: Ich hole mir halblegal das, was mir für meinen Kaufpreis vorenthalten wurde.

Drei Beispiele:

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Nach-Wuchs dank Faulheit

Gepostet am 23. Juni, 2007 um 20:32 Uhr
Kategorien: Lustiges, Neues, Privates.

Ich muss wirklich aufhören, Melonenkerne einfach in den Pflanzenpott neben meinem Sofa zu spucken:

pflanze.JPG

Platzhalter-Journalismus

Gepostet am 23. Juni, 2007 um 13:02 Uhr
Kategorien: Lustiges, Neues.

Diverse Blogs amüsieren sich in letzter Zeit über die Unsitte einiger Websites, Texte auf Gedeih und Verderb zu bebildern, und sei es mit Symbol-Fotos, die nicht wirklich dem Inhalt entsprechen. Das kann mitunter verspielt wirken, meistens ist es affig, oft sogar absurd. Die üblichen Verdächtigen sind hier die Webseiten der Nachrichtensender – und die Netzeitung.

Wagner

Und in letzterer wurde ich eben auch bei einem Interview mit der Richard Wagner-Nachfahrin Katharina Wagner fündig.

Muss man Dieter Nuhrs Spruch nicht langsam mal abwandeln, nach dem Motto: “Wenn man nichts zu zeigen hat, einfach mal mal das Bild-Archiv zulassen?”

Zwischendurch-Statistik

Gepostet am 22. Juni, 2007 um 13:11 Uhr
Kategorien: Neues.

Ich will zwar keine Besucherzahlen meines Blogs wissen, aber weil die Status-Seite von Wordpress es mir entgegen brüllt:

100 Beiträge.

333 Kommentare.

Ersteres hat Spaß gemacht, für zweiteres bedanke ich mich.

Lieber Lech Kaczynski…

Gepostet am 22. Juni, 2007 um 13:08 Uhr
Kategorien: Gedanken, Lieber..., Neues.

… natürlich hätte Polen ohne die Toten des Zweiten Weltkriegs heute mehr Einwohner, vielleicht sogar 66 Millionen.

Aber Deutschland in den Grenzen von 1937 auch.

Wenn man in einem Verein mit 1:26 Stimmen (oder 25 – was is’, Tschechien?) in der Minderheitenecke steht, sollte man zustimmen oder austreten. Alles andere wäre… diktatorisch irgendwie. Und damit haben Sie doch wahrlich keine guten Erfahrungen.

Bei 1,57 kann Ihnen klein beigeben doch nicht schwer fallen.

Willkommen in der Europäischen Gemeinschaft.

Ich mein ja bloß zum Denkanstoß…

Ihr Torsten Dewi

Win/Win-Journalismus mit den Verlierern

Gepostet am 22. Juni, 2007 um 12:35 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues.

Die BILD hat mal wieder eine schreiende Ungerechtigkeit anzuprangern:

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Hintergrund: Die Bundesregierung hat die Unterhaltszahlungen neu geordnet, ein paar Berechnungstabellen nachjustiert.

“Schock”, eine der Lieblingsvokabeln der BILD (neben “Riesenzoff” und “Riesenwirbel”), wird natürlich ganz oben gesetzt. Erwartungsgemäß kann BILD auch blitzschnell ein paar junge Mütter auffahren, die sich nun nicht mal mehr das Schwimmbad mit dem Nachwuchs leisten können. Sowas nennt man “testimonial”, und es ist genau so glaubwürdig wie die “Mutter”, die in der Werbung die Fruchtzwerge anpreist.

Wir ahnen schon: Viel heiße Luft. Und die BILD weiß es auch.

Der Artikel räumt dann gleich mit diesem Anreißer auf: In vielen Fällen muss im Osten deutlich MEHR gezahlt werden als vorher – was dann auch wieder als “ungerecht” bezeichnet wird. BILD faselt sogar von einem Extremfall, in dem jemand bei 1000 Euro Einkommen netto 1104 Euro zahlen muss, setzt aber verschämt die Klammer dahinter “(Steuerersparnisse und Kindergeld nicht eingerechnet)”. Die tatsächlichen Zahlungen zu errechnen, wäre sicher zu kompliziert gewesen.

Sinkende Unterhaltssätze im Westen (um den Schockwert 1 Prozent übrigens) berechnen sich nach dem real sinkenden Einkommen – logisch: verdient Papa weniger, kann er auch weniger abdrücken. Das sagt BILD, aber hach, es lindert nicht die Empörung, dass ein Vater mit 1300 Euro netto künftig zwei Euro weniger abdrücken muss. Zwei Euro? Stand bei BILD nicht 24? Klar, aber der Boulevard rechnet sich das entsprechend schön: Die Einkünfte pro Monat, die Zahlungen pro Jahr. Das sieht dann gleich viel gruseliger aus.

Mitbekommen? Steigende Sätze im Osten – “ungerecht”, weil es die Zahler belastet. Sinkende Sätze im Westen – “ungerecht”, weil es die Empfänger belastet.

Nicht erklärt wird übrigens, warum Isabell aus Leipzig dem kleinen William nun das Schwimmbad nicht mehr bezahlen kann – wo doch im Osten die Unterhaltssätze ERHÖHT worden sind!

Weiteres hübsches Detail – in der Galerie zum Artikel versteckt BILD die Aussage: “Der gekürzte Unterhalt ist für allein erziehende Mütter oft ein schwerer Schlag: Sie finden besonders schlecht Arbeit, weil die Chefs fürchten, dass sie sich wegen der Kinder oft krankmelden”. Satz 2 mag stimmen, hat aber keine Verbindung zu Satz 1 – die Kürzung des Unterhalts (die ja de facto nicht stattfindet) kann wohl kaum für Schwierigkeiten bei der Jobsuche verantwortlich gemacht werden.

Und schließlich die Quintessenz: “für die meisten gibt’s weniger, für die anderen mehr.” Das nenne ich mal knallhart recherchierten Fakten-Journalismus.

Wir halten also fest: Die Unterhaltszahlungen sinken weder generell, noch drastisch. Wie bei den meisten Anpassungen steigen sie entsprechend anderswo. Trotzdem beharrt BILD darauf, die allein erziehenden Mütter als Opfer darzustellen (einen allein erziehenden Vater hat BILD übrigens nicht auftreiben können – oder wollen).

So eine Geschichte ist für BILD ein Gottesgeschenk – steigen die Unterhaltszahlungen, stellt man sich auf die Seite der Väter (“Unterhalts-Schock – wovon soll ich denn jetzt leben?!”), und andersrum bedient man halt die Mütter (“Unterhalts-Schock – wovon soll ich denn jetzt leben?!”).

Die gefühlte Empörung bleibt gleich, das Vokabular auch.

BILD steht halt auf der Seite des kleinen Mannes – egal, ob dem das passt oder nicht.

Auch mein ältester Kumpel wird nicht jünger

Gepostet am 19. Juni, 2007 um 15:44 Uhr
Kategorien: Gedanken, Privates.

Das hier ist eine nordamerikanische Rotwangen-Schmuckschildkröte:

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Bis in die 80er Jahre konnte man diese Spezies in deutschen Zoogeschäften kaufen. Meistens nicht größer als ein Fünfmarkstück, und selten mit einer Lebenserwartung jenseits der drei oder vier Jahre. Erkennbar leicht an den knallroten Streifen auf den Wangen über dem (verdeckten) Hörkanal, deshalb auch der englische Name “Red Ear Slider”. In den Florida Keys sieht man diese Tiere zu tausenden in den Sumpfgebieten hocken.

Marlowe bekam ich, als ich eingeschult wurde. Damals war ich sechs, und er auch fast noch frisch geschlüpft. Ich versuchte über die Jahre immer mal wieder nachzulesen, wie lange so eine Schildkröte leben kann. Die Quellen widersprachen sich – manchmal 10 Jahre, manchmal 17-18 Jahre, in freier Natur auch ein wenig mehr.

Marlowe schien das wenig zu interessieren – er fraß, er wuchs, er machte Unsinn, und er brachte einen Geburtstag nach dem anderen hinter sich. Wir gewöhnten uns an die jeweiligen Marotten des anderen, und als ich zu Hause auszog, kam Marlowe in einer Keksdose mit. Seither sind wir WG-Genossen.

Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil: Marlowe ist mittlerweile 32 Jahre alt, und es gibt Zooladenbesitzer, die mir das nicht glauben wollen. Er liegt gerne faul in der prallen Sonne, frisst (Bachflohkrebse) und scheißt in der Badewanne, und kann sich als besonderes Kunststück selber wieder umdrehen, wenn man ihn auf den Rücken wirft. Außerdem ist er extrem kitzelig, und hockt sehr gerne unter der Heizung. Wenn er in die Badewanne will, schlurft er ins Bad, und rappelt mit dem Panzer gegen die Kacheln. Das ist dann mein Signal, ihm 15 Zentimeter Wasser einzulassen. Ich bin gut erzogen.
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Kein Problem

Gepostet am 17. Juni, 2007 um 11:48 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues, Privates.

… habe ich mit den Zeugen Jehovas. Moralisch wie historisch kann ich sie sogar respektieren – und mit dem “Wachturm” in der Hand vor der Apotheke sind sie auch nicht lästiger als Fahrradständer oder Verteilerkästen.

Zweihundert Meter von meinem Haus entfernt befindet sich der Königreichssaal Giesing dieser Religionsgemeinschaft. Erwartungsgemäß hört und sieht man von denen nichts. Es gehen mitunter nur verdächtig viele sorgsam gekleidete Menschen durch mein Viertel.

Ungefähr ein mal im Jahr klingeln sie bei mir – immer im Doppelpack. Dann lächel ich, bedanke mich für den Besuch, ehre ihren unerschütterlichen Glauben, erkläre aber unmissverständlich, als zufriedener Atheist leider kein geeignetes Konvertierungsobjekt zu sein. Sie bedanken sich immer nett, wünschen einen schönen Tag, und gehen. Gerne lasse ich mir noch ein, zwei Pamphlete geben – ich finde die Illustrationen so toll.

Heute muss ich den Zeugen mal wieder ein Lob aussprechen: Es gehört einiges dazu, mich mit Gesang und Marschiererei am Sonntag Vormittag NICHT zu nerven. Schützenvereine und Karnevalisten sind die Pest.

Eben aber ertönte plötzlich Musik vor meinem Haus, Blasmusik. Leise, gar nicht unangenehm, mit vielstimmigem Gesang deutlich spiritueller Natur. Ich ging mal auf die Straße, um nachzusehen, was da vorbei zog:

Umzug

Es war gar nicht schlimm. Es war fast – schön. Als ich die Digi-Kamera zückte, duckte sich eine ältere Dame freundlich unter dem Objektiv weg. Ich sagte: “Lassen Sie sich von mir nicht stören”. Sie sagte: “Sie sind ein wenig spät dran, man kann die Spitze kaum noch sehen.” Ich: “Macht nichts.” Sie lächelt: “Nächstes Jahr gehen Sie einfach mit.”

Da schmilzt auch des Atheisten Herz…

Es gibt keine Entschuldigung mehr!

Gepostet am 16. Juni, 2007 um 14:52 Uhr
Kategorien: Bücherregal, Neues.

FernsehlexikonWie ich gerade erst erfahren habe, ist das Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier von 50 auf 20 Euro reduziert worden. Wir reden hier von einem immer noch brandaktuellen Hardcover-Schinken mit über 1500 Seiten.

Meine Kaufempfehlung basiert aber nicht bloß auf dem Heizwert des Buches im heimischen Kamin: “Das Fernsehlexikon” ist mit Sicherheit das beste, ausführlichste und informativste Kompendium über die deutsche TV-Geschichte, das mir jemals das Regal durchbiegen durfte. Und hier spricht jemand, der schätzungsweise 150 Bücher zum Thema im Schrank hat.

Wo andere Abhandlungen nur dröge Auflistungen bieten, oder sich stark auf ein Genre beschränken (dazu zähle ich auch meine eigenen “Science Fiction TV Guides”), da geht das “Fernsehlexikon” in die Vollen, und wirft mit seltenen Anekdoten und exzellent recherchierten Fakten nur so um sich. Ob man was über Strittmatters “Der Laden” wissen will, oder über “Eine Chance für die Liebe”, ob einen bei Familienserien “Die Unverbesserlichen” interessieren oder “Die Colbys” – hier ist wirklich alles drin. Und im bewährten Niggemeier/Reufsteck-Stil sind viele der Einträge angesichts des hohen Textniveaus auch einen gepflegten Lacher wert. Welches Lexikon kann das schon von sich sagen?

Ich würde den Band zum Pflichtbesitz für Besucher dieser Webseite machen, wenn ich könnte. Da ich das aber nicht kann, sage ich es so: Ich habe das Buch gekauft, als es noch 50 Euro kostete – und fand es spottbillig.

Worauf wartet ihr noch?

Eidesstattliche Versicherung

Gepostet am 15. Juni, 2007 um 13:45 Uhr
Kategorien: Neues, Privates.

Heute habe ich mal wieder davon gelesen, dass immer mehr sogenannte “Community-Werbenetzwerke” die Blogosphäre mit Werbepartnern versorgen. Das fängt dann mit Google-Ads an, geht aber schnell wieder in die lästige Richtung Banner, Pop-Ups und so weiter.

Der Untertitel meines Blogs verspricht “100 Prozent Torsten Dewi”. Werbung gehört nach meinem Empfinden nicht zu meiner Person. Das Tor für Werbepartner zu öffnen würde auch bedeuten, die alleinige Hoheit über die Inhalte abzugeben.

Ich denke, es ist normal, in ein Hobby eigenes Geld zu investieren, und der “Wortvogel” ist es mir allemal wert. Mein Blog ist nicht teuer im Unterhalt, und der Traffic sprengt mein Budget auch nicht. Ich muss von meinem Webauftritt nicht leben, nicht mal mein Auskommen ergänzen. Das ist natürlich keine Kritik an Blogollegen, bei denen es anders aussieht. Jeder nach seinen Möglichkeiten und Notwendigkeiten.

Kurzum: Sofern sich der Betrieb des Wortvogels nicht radikal verteuert, wird es hier keine Werbung geben.

Ich halte es da wie Claus Hipp mit der Babynahrung: Dafür stehe ich mit meinem Namen…

Das ist nicht mehr komisch

Gepostet am 14. Juni, 2007 um 14:34 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

lil BushDie USA haben eine neue Comedy-Serie über ihren Präsidenten. Gestern Abend lief die erste Episode von “li’l Bush” auf Comedy Central. Das Prinzip: der “kleine Bush” und seine Sandkasten-Freunde erleben spannende Abenteuer in der großen Welt der Politik.

Braucht die Welt noch eine Comedy-Serie über den scheidenden Präsidenten, der sich selber besser zum Affen macht, als jeder Drehbuchautor das könnte? Hat nicht “That’s my Bush!” eigentlich schon alles gesagt? Lachen wir über den Deppen, der gleichzeitig mächtigster Mann der Erde ist, bei der “Daily Show” nicht genug?

Einfache Antwort: Alles richtig. “li’l Bush” ist so überflüssig wie ein Kropf.

Was die Sache aber schlimmer macht: “li’l Bush” ist brutal unkomisch. Es ist mir nicht gelungen, in einer der ersten beiden Geschichten (aus denen eine 21minütige Folge besteht) auch nur einmal die Mundwinkel gen Himmel zu biegen. Bush ist doof, Cheney spricht undeutlich, und Rummy will immer alles kaputt machen. Har, har, har – wo ist die Pointe? Das Prinzip, dass Parodie und Satire von Überspitzung leben, ist bei den Machern augenscheinlich nicht angekommen.

Erklärbar ist die geradezu asthmatische Humorschwäche von “li’l Bush” allerdings: Die Serie basiert auf ein paar kurzen Clips, die von dem mittlerweile bankrotten Mobilfunkanbieter Amp’d auf die Handys der Kunden geschickt wurden. Da man niemanden verprellen wollte, musste “li’l Bush” natürlich so harmlos wie irgendwas sein. Geht ja nicht an, dass ein Republikaner seinen Mobilfunkvertrag kündigt.

Aus dem Ursprung als Handy-Serie erklärt sich außerdem die anachronistische Natur der Serie, die nicht nur einen scheidenden Präsidenten veralbern will, sondern dazu als Charakter auch noch seinen längst gefeuerten Verteidigungsminister heran zieht. Warum die Autoren hier nicht aktualisiert haben, ist mir ein Rätsel.

Kurzum: In die Tonne damit.

The Trolls are back in town!

Gepostet am 14. Juni, 2007 um 11:18 Uhr
Kategorien: Lustiges, Neues.

Wer mein Blog aufmerksam liest, wird in letzter einen etwas unglücklichen “Troll-Befall” bemerkt haben. Das hat sich mittlerweile erledigt, zumal ich keine Probleme habe, unliebsame Kommentare zu löschen. Natürlich müssen die Trolle damit rechnen, dass ich ihnen genau die Öffentlichkeit biete, die sie so verzweifelt suchen.

Heute schreibt zum Beispiel eine “Julia Leber” (Echt-Name der Redaktion bekannt) von julia.leber@arcor.de zu meinem Beitrag “Der Crash ist da”:

“Ausgebrannt? Dieses Blog zeigt das schon seit Wochen. Auch Dein Zwang, stets Deinen Senf bei Stefan Niggemeier & Co. dazugeben zu müssen, deutet auf eine trollhafte Profilierungsneurose hin. Auf Teufel komm raus willst Du Besucher auf Deinen “Wortvogel” locken. Wenn sie dann hier landen, bietest Du ihnen nur Schrott. Wenn Du nichts zu sagen hast, dann schweige einfach. Wenn Du keine Kritik verträgst, schließe die Kommentarfunktion hier. Aber ich wette, diesen Kommentar schmeißt Du raus. Macht mir nichts aus, zeigt aber deutlich, dass Du Kritik nur austeilen, aber nicht einstecken kannst.

Am schönsten finde ich die eigentlich immer enthaltene Troll-Unterstellung, man werde sich sicher nicht trauen, diesen Text stehen zu lassen. Mitnichten! Der Text ist so bemerkenswert, dass er nicht in einen Kommentar, sondern in seinen eigenen Beitrag gehört.

Es ist immer schön, wenn sich Leute um Kopf und Kragen reden, statt einfach nur die Schnauze zu halten und woanders hinzugehen. Aber wenn sie das könnten, wären sie ja keine Trolle, gell?

P.S.: Kommentare hierzu von Herrn Julia Leber oder einem seiner Pseudonyme werden zeitnah gelöscht.

Nachtrag 1: Julia Leber hat schnell reagiert – und regt sich troll-entsprechend auf:

“Wenn Du schon nicht richtig gut schreiben kannst. richtig lesen solltest Du aber können: E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt. Wieder ein Verstoß gegen das Datenschutzrecht!”

Das “wieder” ist übrigens für Eingeweihte ein hübscher Hinweis auf die eigentliche Identität des Herrn Leber.

Und ja: Trolle sind bei mir vogelfrei. Die werde ich outen und bloßstellen, bis sie die Lust verlieren.

Nachtrag 2: Die Paranoia wird größer, die Aggression auch – und schon bei der dritten Mail hat der Troll Godwin’s Gesetz erfüllt:

“Armes WORTWÜRSTCHEN, jetzt muss er schon Kommentare zu Postings verwursten, weil ihm nichts Gescheites mehr einfällt. Pech für TROLLVOGEL, dass Stefan Niggemeier seine Kommentarfunktion für seine neuesten Artikel geschlossen hat. Reichsmarschall Hermann Göring, der Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg, soll gesagt haben: “Wer Jude ist, bestimme ich.” Torsten Dewi, selbsternannter Oberbefehlshaber der deutschen Anti-Trollwaffe, bestimmt, wer ein Troll ist und wer nicht. Darf er auch auf seinem Blog. Der Troll ist immer der andere, sagt der TROLLVOGEL. Hast Du eigentlich nicht genug zu tun? Versuche es doch mal als Spielchenerfinder für 9Live. Oder schreib eine neue Detektivserie: Alarm im Internet. Torsten D. deckt auf.”

Isses nicht schön?

Nachtrag 3: Und nun kommen wir zur “vorgeblichen Einsicht” von “Julia Leber”:

“Erst jetzt habe ich mir Deine Philosophie angeschaut. Dort steht: “Dies ist ein Ort des Friedens und der Kontemplation. Man respektiere das bitte.”
Und tschüß!”

Ich schätze mal, binnen 48 Stunden ist er wieder da, unter anderem Namen. Trolle sind wie Herpes, nur leider ohne den Sex davor.

Nachtrag 4: Das Schöne am Troll ist, dass seine Zwanghaftigkeit es ihm unmöglich macht, vorausgesagtes Verhalten zu unterlassen. Abra kadabra: “Julia Leber” ist wieder da!

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Der Crash ist da

Gepostet am 13. Juni, 2007 um 18:55 Uhr
Kategorien: Gedanken, In Arbeit, Neues, Privates.

Jetzt mal wieder was zu meiner Arbeit. Der Fotovergleich zweier Häuser, den ich vor ein paar Tagen online gestellt habe, gehört zur Arbeit an einem historischen Zweiteiler. Ein bisschen Hintergrund dazu: Es geht um eine Persönlichkeit aus der deutschen Geschichte, spätes 19., frühes 20. Jahrhundert. Meine Ko-Autorin Katrin hat mich vor über drei Jahren auf diesen Stoff hingewiesen, und ich war sofort Feuer und Flamme, über so ein begeisternswertes Leben zu schreiben. Glücklicherweise sah das eine renommierte Produktionsfirma genauso, und seit über einem Jahr sind wir vertraglich gebunden.

Das Drehbuch zum ersten Teil der geplanten Miniserie habe ich in der Türkei geschrieben. Es kam bei den Produzenten sehr gut an, und damit hatte ich das “go”, auch den zweiten Teil zu schreiben.

Ich machte den Fehler, diesmal im Lande zu bleiben. Und damit war klar: Ich komme nicht vorwärts. Das Internet ist der Teufel, dem es leicht gelingt, mich 12 Stunden am Tag von der Arbeit abzuhalten. Und wenn das nicht reicht, kann ich ja immer noch spülen, aufräumen, etc. Kurzum: Wo ich zwei Wochen nach Spanien hätte fahren sollen, quälte ich mich sechs Wochen lang an den 115 Seiten, die es letztlich wurden.

Auch Skript 2 hat den Produzenten sehr gefallen, und damit geht das komplette Material nun an den Sender.

So weit, so gut.

Wie immer lief ich nach Abgabe des Drehbuches drei Tage lang auf “Restenergie”. Das ist wie bei einem Auto, dem man bei 200 km/h die Zündung abdreht. Es steht nicht augenblicklich, sondern läuft langsam aus. Das ist die perfekte Zeit, um liegen gebliebene Post zu bearbeiten, Steuererklärungen vorzubereiten, oder endlich mal diese blöde abgebrochene Verschalung am Motorroller mit Spezialkleber zu kitten.

Spannend ist dann immer nur, wann und wo der “Crash” kommt – der Moment, an dem Körper, Geist und Seele gleichzeitig spitz bekommen, dass nun keine Höchstleistung mehr erbracht werden muss, und schlagartig jede Mitarbeit einstellen.

Und der Crash kam gestern.

Ich habe den ganzen Abend die Wand angestarrt, obwohl eigentlich ein Entwurf für ein neues Konzept anstand. Keine Chance. Ich war so fertig, dass ich nicht mal eine Folge “Seinfeld” verarbeiten konnte. Heute morgen wachte ich so fertig auf, wie ich ins Bett gegangen war. Den ganzen Tag habe ich mit Kleinkram verschleudert. Mittlerweile liegen auch vier Seiten Kino-Kritiken für diverse TV-Zeitschriften an, bei denen morgen Redaktionsschluss ist. Und ich kann mich nicht einmal aufraffen, diese relativen Fingerübungen in die Tastatur zu hämmern.

Kurzum: Ich trete auf der Stelle. Dabei trete ich gewöhnlich nie auf der Stelle. Wenigstens habe ich mittlerweile geschnallt, wie der Hase läuft, und erwarte den Crash immer schon halbwegs entspannt und unerschrocken.

Ich frage mich manchmal, ob es sich so anfühlt, wenn einem Alt-Redakteur der kreative Saft endgültig ausgeht. Kommt dann der Crash – und geht nie mehr? Wenn dieses Gefühl jemals Dauerzustand werden sollte – wahrscheinlich würde ich auch zur Flasche greifen.

Ich bin es gewöhnt, dass mein Kopf auf Zuruf Texte, Ideen und Meinungen produziert. Er lässt mich gewöhnlich auch in schwierigen Situationen nicht im Regen stehen.

Aber jetzt habe ich das Gefühl, jede Frage bringt keine Antwort mehr, sondern hallt nur noch als Echo unter der Schädeldecke hin und her. Es ist, als ob man mit Heißhunger den Kühlschrank aufmacht – und der ist komplett leer.

Crashen ist scheiße.