Bildreportage “Märchenstunde”

Gepostet am 30. Januar, 2007 um 14:34 Uhr
Kategorien: In Arbeit, Privates.

Drehort Krivoklat

Ich hab’s versprochen, ich hab’s gemacht: am gestrigen Montag bin ich in aller Frühe in die Tschechei gefahren, um dort am letzten Drehtag meiner Episode “Drosselbart” anwesend zu sein. Außenaufnahmen fanden auf Schloss Krivoklat statt. Dort hatte die Produktionsfirma ein beeindruckendes mittelalterliches Dörfchen direkt in den Schlosshof bauen lassen, welches für praktische alle acht neuen Episoden der Serie “Märchenstunden” genutzt wird. Die Innenaufnahmen fanden in einem Studio in Prag statt, welches ich nicht besucht habe.

Die Fahrt selber gestaltete sich relativ stressfrei, denn die Straßen waren trocken und sauber, das Auto schnell, und die Verkehrslage übersichtlich. Nur die letzten 50 Kilometer ging es arg durch die Pampa, und so manches mal musste ich den Ausdruck des Routenplaners dreimal lesen, um mich zurecht zu finden. Aber schließlich grüßte das Schloss vom Berg, und ich fand die Schauspieler und das Team – bereits im Stress.

Es hatte sich herausgestellt, dass ein paar Aufnahmen unbrauchbar waren, weil das Negativ-Material einen Fehler aufwies. Also musste nachgedreht werden, und der dafür benötigte Schauspieler Christoph M. Ohrt war längst abgereist. Doch man blieb vergleichsweise unpanisch: Mit ein bisschen Doubelei und entsprechenden Kameraeinstellungen wurde ein Nachdreh geplant, und angesichts des Regens wurde aus einem “Marktplatz” eine “Markthalle”, so dass man die anderen Aufnahmen des Tages nach innen verlegen konnte. Motto: hier wird über Probleme nicht lange lamentiert, hier werden Probleme gelöst!

Ich hatte es schon mal erwähnt: Autoren stehen in der Nahrungskette von Film- und Fernsehproduktionen nicht sehr weit oben, und es ist Rat Pack Entertainment hoch anzurechnen, dass man sogar mehrfach vorschlug, ich solle doch unbedingt mal vorbei schauen. Und diese Freundlichkeit setzte sich vor Ort fort: Von der Regisseurin zum Kameramann, von den Darstellern zum Ausstatter, vom Produzenten zur Maskenbildnerin – alle nahmen sich Zeit, plauderten gerne, und machten den Kurztrip zu einem echten Erlebnis. Da konnte auch das miese Wetter nichts mehr kaputt machen.

Den Rest erzähle ich euch in Bildern HIER.

Produktionstagebuch “Märchenstunde”

Gepostet am 30. Januar, 2007 um 05:29 Uhr
Kategorien: In Arbeit, Privates.

Drosselbart SetsDieser Tage ging in Prag ein weiterer Erguss meiner kreativen Säfte vor die Kameras: Meine erste “Märchenstunde” für den Sender ProSieben, eine Parodie auf “König Drosselbart”. Die Hauptrollen spielen Christoph M. Ohrt (“Edel & Starck”), Pop-Prinzessin Jeanette Biedermann, Kai Lentrodt (“Zwei Engel für Amor”), und Eva Habermann (“Lexx”).

Wir erinnern uns (oder auch nicht): Im März 2006 liefen vier von acht gedrehten “Märchenstunden” mit großem Erfolg an. Die erste Folge machte mehr als 28 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe, was für den Sender nicht weniger als sensationell war. Autor dieser Episode war übrigens mein alter Komplize Marc Hillefeld. Es war klar, dass ProSieben auch eine zweite Staffel mit weiteren acht Folgen ordern würde, um 2007 damit auf Sendung zu gehen. Ich bekam eine Einladung, als Autor an der Staffel mitzuarbeiten, was mich sehr freute, denn Comedy ist eine meiner heimlichen Leidenschaften.

Die Story von “Drosselbart” orientiert sich eng an der Vorlage: Verwöhnte Prinzessin à la Paris Hilton will lieber Party machen als heiraten, und der genervte Vater gibt sie einem Barden von der Straße mit, auf dass sie Demut lerne. Durch diverse größere und kleinere Katastrophen kommen sich die beiden näher, und am Schluss – Schockschwerenot! – entpuppt sich der arme Spielmann als der vorher abgelehnte “König Drosselbart”. Wenn sie nicht gestorben sind etc. pp.

Natürlich wird die Handlung mit einer Menge Gags und Parodien aufgepeppt, auch wenn nicht alles, was ich mir ursprünglich ausgedacht habe, es in die fertige Fassung geschafft hat: Heinz Sielmann fiel aus diversen Gründen (inklusive Ableben) ebenso raus wie Dieter Bohlen und ein schwuler Prinzessin Leia-Imitator. Das mittelalterliche Tonstudio aus Wurzelholz blieb so ungebaut wie der antike Segway. Das hatte zumeist jedoch einen ganz pragmatischen Grund: Mein Skript war mit 60 Seiten deutlich zu lang (45-48 sind Drehlänge), und da musste eben raus, was nicht direkt zur Handlung beitrug.

Über die Umsetzung meines Drehbuches kann ich erst urteilen, wenn ich zumindest den Rohschnitt der Episode gesehen habe, aber auch angesichts einer exzellenten Regisseurin bin ich sehr zuversichtlich, dass “Drosselbart” relativ nah an dem bleibt, was ich mir ausgedacht habe. Und DAS ist beileibe nicht die Norm in dieser Branche…

Ich dachte mir aber, dass es den geneigten Leser meines Blogs interessieren könnte, mal die zeitlichen Abläufe einer solchen Produktion zu erfahren, die ich angesichts der datierten Emails und Word-Dokumente problemlos nachverfolgen kann.

Hier also mein PRODUKTIONSTAGEBUCH:

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Kino-Kritik: The Host (Korea 2006)

Gepostet am 27. Januar, 2007 um 11:05 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse.

Host PosterEin Monsterfilm aus Asien? Wahrlich keine Überraschung. Aus Korea? Die brauchen noch eine Weile, bis ich ihnen „Reptilian“ verziehen habe. Und außerdem sollen die endlich mal mit „D-Wars“ in die Puschen kommen, der müsste doch schon seit Jahren fertig sein. Was soll überhaupt der Titel? „The Host“ – klingt wie einer dieser unerträglichen und austauschbaren Brutal- Schlitzerstreifen, die gerade so en vogue sind. Wie lange ist es eigentlich her, dass es sich gelohnt hat, auf die Lobpreisungen von Harry Knowles bei AICN zu hören? Ewig, so lange ist’s her. Und dann diese widerliche Anbiederei – ein halbes Dutzend US-Schauspieler, alle Spezialeffekte von einer Trickfirma aus San Francisco… das hässliche Gesicht der cineastischen Globalisierung, so sieht’s aus. Gibt es da in Korea eigentlich welche, die nicht Park oder Kim heißen? Solche Filme können bei mir auf der Festplatte liegen, bis der Sektorenfraß einsetzt…
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TV-Tipp “Tagesschau”

Gepostet am 27. Januar, 2007 um 10:49 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse.

Tagesschau LogoJa ja, schon klar – damit kann man für gewöhnlich keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor locken, zumal in den Zeiten des Internets die Nachrichtenbeschaffung erheblich individueller und unabhängiger geworden ist. Und darum geht es in diesem TV-Tipp auch gar nicht um die „klassische“ Tagesschau. Es geht um die „klassische Tagesschau“. Verwirrt? Dann weiterlesen…

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Und es ward bitterkalt im Märchenwald…

Gepostet am 25. Januar, 2007 um 04:24 Uhr
Kategorien: In Arbeit, Neues, Privates.

Soviel zum Thema “mit dem Mietwagen nach Prag”:

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Nach drei Stunden hatte ich es noch nicht einmal aus der Stadt raus geschafft – und da war es dann auch egal.

Das Winterchaos in München hat mir jede Chance, bei den Dreharbeiten meiner “Märchenstunde” dabei zu sein, zunichte gemacht. Vielleicht lässt sich Montag noch ein Blitzbesuch einschieben, und den großen Erlebnisbericht gibt es dann.
Drosselbart

Aber wo Schatten ist, ist bekanntlich auch Licht, und zu meiner Freude habe ich festgestellt, dass die BILD heute recht groß über Jeanette Biedermann und die Dreharbeiten berichtet (Klick auf das Bild führt zu der BILD). Selbst recherchiert ist da nix, alles wurde von der “B.Z.” übernommen, und dann wie üblich mit Fehlern garniert: Wo die Berliner Zeitung nur verschwieg, dass es sich um eine TV-Serie handelt, redet die Bild von dem “Streifen” mit dem Titel “Drosselbart”, impliziert also einen Film.

Viel interessanter hätte ich es gefunden, wenn der Artikel angemerkt hätte, dass die aufwändigen Kostüme noch aus Milos Formans “Amadeus” stammen.

Willkommen, Comedy Central Deutschland!

Gepostet am 22. Januar, 2007 um 06:46 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Comedy Central

Während ich auf Ibiza (lang)weilte, war ich an eine Satellitenschüssel angeschlossen, und da habe ich mich mal durch gefühlte 300 Sender gezappt, um zu sehen, was es außerhalb meines Kabelnetzes gibt. Das Ergebnis – erschütternd.

Die Shopping-Kanäle gehen mittlerweile ins Dutzend, manche Sender bestehen nur noch aus Laufschriften, und neben dämlichen Telefonspielen in der Dauerschleife werden auch noch debil-verzweifelte Anrufer bei TV-Horoskopen abgezockt.

Aber Rettung naht: Seit dem 15.1.2007 ist die deutsche Version des amerikanischen Senders „Comedy Central“ on air. Ich konnte auf Ibiza einen ersten Blick auf das Programm werfen, und tatsächlich – there’s something funny going on…

Der deutsche „Comedy Central“ ist eigenständig, und kann daher nicht nur auf Sendungen des Originals zurückgreifen, sondern auch auf Eigenproduktionen und Einkäufe z.B. aus Großbritannien. Und genau da punktet der Sender bei mir massiv: Im ersten Primetime-Programmschema hat CC Deutschland die Sahnestückchen dessen, was den „großen“ Sendern aus verschiedenen Gründen zu gefährlich ist:

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Schreibmarathon Ibiza 2007 – die Galerie

Gepostet am 20. Januar, 2007 um 06:31 Uhr
Kategorien: Neues, Privates.

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Es gibt in jedem Buch aus dem Regal “Wie werde ich Bestseller-Autor in 10 Tagen” den banalen Ratschlag, dass jeder Autor den Platz und die Umstände finden muss, die es ihm erlauben, bestmöglich zu schreiben. Manche Schreiber sitzen gerne mit dem Laptop bei Starbucks, andere brauchen das schalldichte Dachgeschoss.

Nach 15 Jahren und geschätzten 20 Büchern (und drei Dutzend Drehbüchern, Hunderten von Artikeln, etc.) habe ich meinen “perfekten Platz” gefunden.

Ibiza hat sich für mich als der Ort entpuppt, an dem ich intensiv und gleichzeitig entspannt schreiben kann.

Kommt mit – ich zeige ihn euch…

Ich will einen fairen Kampf sehen!

Gepostet am 19. Januar, 2007 um 17:43 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse.

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„Gone in 60 Seconds” (1974) vs. „Driver“ (1978)

Willkommen zu meinem ersten „Movie Showdown“, in dem ich zwei Filme gegeneinander antreten lasse, die zu vergleichbaren Zeiten dieselben Genres bedienten. Als Beispiele: „The Car“ vs. „Crash“ um den Titel „Fahrerloser Todeswagen der 70er“, „Herbie“ vs. „Dudu, der tolle Käfer“ um den Titel „Fun mit VW“, „Conan“ vs. „Talon“ um den Titel „Dicke Schwerter, dicke Muckis“. Konkret werde ich demnächst auch John Frankenheimers „Die Prophezeiung“ auf Colin Egglestones fast unbekannten „Long Weekend“ treffen lassen in der Kategorie „Man vs. Nature Öko-Thriller der Mid-70er“. Angedacht war auch ein Deathmatch in der Rubrik „Verfilmtes Konzeptalbum“, aber „The Wall“ bekommt nun doch eine Einzelkritik, weil ich mir Michael Jacksons „Moonwalker“ beim besten Willen nicht noch einmal ansehen kann.

Soviel zum Konzept. Unsere Kontrahenten heute:

  • „Driver“, Walter Hills zweite Regiearbeit (nach dem exzellenten „Ein stahlharter Mann“), mit Ryan O’Neal, Isabelle Adjani, und Bruce Dern. Verfügbarkeit: Kürzlich zum Preis von lächerlichen 3,30 Euro als Beipacker zur „ComputerBILD“. Dürfte demnach für Taschengeld bei Ebay zu bekommen sein.
  • „Gone in 60 Seconds“, das Opus Magnum des Stuntfahrers H.B. Halicki. In Deutschland auch bekannt als „Die Blechpiraten“. Verfügbarkeit: Gibt es eine US-DVD von.

Genug geredet: Let’s get ready to ruuuuuuuumbleeee….!!!

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Literarisches Recycling

Gepostet am 19. Januar, 2007 um 11:44 Uhr
Kategorien: Bücherregal, In Arbeit, Neues.

Taschenbuchcover

Im März erscheint voraussichtlich mein neuer Roman “Die Rache der Nibelungen”. Band 1, der im November 2004 erschienen ist, hat sich ausnehmend gut verkauft, ist aber in den Regalen von vielen Neuerscheinungen verdrängt worden.

Nun dachte sich der Verlag vermutlich mit kritischem Blick “Der is’ doch noch gut, den kann man sicher noch brauchen!”, und statt die Restauflage in den Schredder zu werfen, wird “Der Ring der Nibelungen” im September im Rahmen einer Fantasy- Sonderedition neu aufgelegt.

Die gute Nachricht ist für mich: Die Gestaltung gefällt mir, und mit einem schicken Spotlack-Umschlag (so nennt man das wohl) macht der Band auch was her.

Die schlechte Nachricht ist für euch: Mit voraussichtlichen 12 Euro wird das Buch auch in dieser Fassung nicht nennenswert billiger.

Der Klick auf das Cover bringt euch zur Webseite des Verlages.

Heil Hitler! Es darf gelacht werden!

Gepostet am 17. Januar, 2007 um 04:36 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse.

Mein FührerEs gibt Themen, an denen man sich eigentlich nur die Finger verbrennen kann: Eine Komödie über Adolf Hitler gehört dazu. Sicher, in amerikanischen oder englischen Filmen darf der „Führer“ gerne mal als Hampelmann auftauchen, aber in Deutschland gehen die Wunden zu tief, ist die Erinnerung zu lebendig.

Schluss damit! Dani Levy beweist in seiner grandiosen Groteske „Mein Führer – die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“, dass man über die Nazis nicht nur lachen kann, sondern vielleicht sogar lachen muss. Der Film schildert die bizarre Beziehung zweier Adolfs: der Eine, Grünbaum, wird aus dem Lager geholt, um dem Anderen, Hitler, bei den Vorbereitungen für eine mitreißende Rede zu helfen, die das deutsche Volk 1944 ein letztes Mal aufrütteln soll. Der Diktator, nur noch ein Schatten seiner selbst, wird von seinen intriganten Ministern permanent überwacht und manipuliert, und der Jude Grünbaum sieht die Chance, durch die Arbeit mit Hitler seine Familie zu retten.

Was geschmacklos, im besten Fall albern hätte werden müssen, verwandelt sich in den Händen von Regisseur Levy zu einer glänzend besetzten Horror-Show, die gezielt und treffsicher zwischen Komödie und Tragödie pendelt, und sich jeglicher Pietät verweigert. Wenn Göbbels den verängstigten Grünbaum bittet, die Endlösung nicht persönlich zu nehmen, spürt man, dass Levy hier gewaltsam Grenzen überschreitet, und dem deutschen Humor neue Wege ebnet.

Da ist es nur eine Fußnote, dass die absurde Geschichte sogar halbwegs wahr ist – der feingeistige Schauspieler Paul Devrient half Hitler einst, seine Reden einzustudieren…

„Mein Führer“ ist dank grandioser Darsteller eine erfreulich alberne Komödie ohne Hemmungen. Nur an manchen Stellen kommt fast so etwas wie Mitleid mit Hitler auf. Das hätte Levy nicht passieren dürfen!

(Anm.: Der obige Text stammt aus meiner Filmkritik in der Zeitschrift “TVpiccolino”)

Anzumerken ist sicher noch, dass ich Helge Schneider für einen engagierten, aber dennoch für einen Fehlgriff halte. Im Gegensatz zu den anderen Darstellern wirkt er mit geschätzten zwei Pfund Latex im Gesicht immer wie eine Gummipuppe, außerdem ist er erheblich zu groß für den “Führer”. Es mag in Dany Levys Absicht gelegen haben, den Diktator derart zur Witzfigur zu degradieren, aber gerade im Kontrast mit den anderen Schauspielern reißt Schneider den Zuschauer oft aus der dramaturgischen Wirklichkeit heraus.

An den Kinokassen haben “Mein Führer” am ersten Wochenende übrigens respektable 300.000 Zuschauer gesehen.

Aus meiner geheimen Schreibwerkstatt (3): Nur die Harten kommen in den Garten…

Gepostet am 15. Januar, 2007 um 19:21 Uhr
Kategorien: In Arbeit, Neues, Privates.

Nibelungen 2 CoverFertig. 120248 Wörter. 520 Standard-Manuskriptseiten in sechs Kapiteln plus Einleitung und Epilog. „Die Rache der Nibelungen“.

Um den Abgabetermin für meinen neuen Roman halten zu können, bin ich förmlich nach Ibiza geflohen. Im Flieger habe ich einen Zeitplan aufgestellt, mit festgelegten Schreibphasen. Das war eminent wichtig, denn ohne Selbstverpflichtung hätte ich die 17 Tage problemlos damit verbringen können, 344 Folgen „Simpsons“ zu gucken. Zu meiner eigenen Überraschung ist es mir gelungen, den Zeitplan auch tatsächlich fehlerlos einzuhalten, und drei Tage vor dem Ende der Schreibklausur bin ich fertig. Auf diese drei Tage habe ich hingearbeitet – drei wundervolle Tage mit Meer und Sonnenschein, zwischen Bäumen, die sich unter Orangen und Zitronen biegen. Eine Chance, nochmal richtig durchzuatmen, bevor es zurück nach München geht.

Nach genau 24 Stunden geht es mir auf die Eier.

Ich gehe wie ein Tiger auf und ab, Spaziergänge ermüden, ohne zu entspannen. Keine Lust, irgendwelche Filme zu gucken. Keine Lust, irgendwas zu lesen. Wenn ich könnte, würde ich den Rückflug zwei Tage vorziehen. Entspannte Kontemplation ist kein Gemütszustand für mich.

Bei den meisten Autoren, mit denen ich über das Thema gesprochen habe, hat die Fertigstellung eines Romans einen Effekt, den sich der Leser kaum vorstellen kann: Depression. Natürlich – man lehnt sich erleichtert zurück, wenn man „Das Ende“ getippt hat. Und ein, zwei Tage lang läuft die innere Maschine weiter, und ich selber nutze diese „Restenergie“ immer, um Unmengen von Emails und kleineren Erledigungen in Rekordzeit abzuarbeiten.

Aber dann fällt man in ein Loch.

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